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  • Wahrheit

    Was ist Wahrheit? Habt ihr schon einmal mit jemandem über diese Frage gestritten? Gut, vielleicht nicht so allgemein formuliert. Aber vielleicht habt ihr schon einmal mit jemandem über eine bestimmte Wahrheit gestritten. Im einfachsten Fall geht es bei so einem Streit darum, wer zu einem bestimmten Thema Recht hat: Ich oder mein Gegenüber? Im kleinen und auch im großen Stil erleben wir solche Streitigkeiten alle Nase lang. Das kann von einem einfachen „Nein, du hast die Kühlschranktür aufgelassen!“ bis zu schwerwiegenden Rechtsstreitigkeiten vor Gericht gehen. Menschen haben einfach gerne Recht. Ich nehme mich da nicht aus. Christen sind auch nur Menschen und folglich gibt es auch unter Glaubensgeschwistern immer wieder Streitigkeiten. Leider geht es dabei eher weniger um nicht geschlossene Kühlschranktüren, sondern vielmehr um die großen Wahrheiten des Glaubens – oder solche, die man dafür hält. Der eigene Glaube ist der zentrale Anker im Leben eines Christen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Wahrheiten, die man über die Jahre erkannt hat, nicht leicht hinterfragt oder gar revidiert werden. Mir geht es ganz genauso. Ein großer Teil meiner Identität hängt an dem, was ich glaube und für die Wahrheit halte. Aber wie geht man mit Uneinigkeiten zwischen Christen um? Ich habe oft erlebt, dass das Bemerken von unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen schnell in einer sehr emotionalen Diskussion oder sogar einem ausgewachsenen Streit endet. Plötzlich werden viele vermeintliche Nebensächlichkeiten zu zentralen Wahrheiten, bei denen ohne eine einheitliche Meinung mindestens eine Seite einen gemeinsamen Gottesdienst für nicht möglich hält. Willkommen im Zoo der christlichen Denominationen. Ganz besonders tragisch ist es, wenn angefangen wird darüber zu spekulieren, welche einzelnen Wahrheiten zur Errettung erkannt sein müssen. Aber auch abseits von dieser Frage ist die individuelle Definition von Wahrheit und all den Aspekten, die vermeintlich zur objektiven Wahrheit gehören, allzu oft mit Abneigung, Ablehnung und letzten Endes Spaltung verbunden: Dies ist eindeutig was Gott will. Mein Verständnis entspricht der Wahrheit, deins tut es nicht. Unsere Gemeinde hat die Wahrheit erkannt, eure scheinbar nicht. Es steht doch klar so in der Bibel. Wenigstens die grundlegenden Wahrheiten musst du doch anerkennen. Die Definition von Wahrheit, die in solchen Aussagen mitschwingt, bereitet mir Bauchschmerzen. Wo ist hier die Demut? Wer kann von sich behaupten, die objektive Wahrheit zu kennen? Erkennen wir nicht alle stückweise (vgl. 1. Korinther 13,9)? Und wo bleibt die Liebe? Wenn ich meine, die Wahrheit darüber, wie Gott ist und was er uns mitteilen möchte, erkannt zu haben, wie viel Verständnis kann ich noch für andere Sichtweisen aufbringen? Das Ergebnis dieser Frage sehen wir in der immer weiter wachsenden Zahl von christlichen Denominationen weltweit. Die echte Botschaft Gottes, die er durch einen Mann in die Welt gebracht hat, der wiederum zunächst nur 12 seiner engsten Freunde in die Welt gesandt hat, sie weiter zu verbreiten, hat heute zu einer schier unüberschaubaren Anzahl an Kirchen geführt, die jede für sich davon überzeugt ist, Gottes Wahrheit noch ein bisschen besser zu kennen als alle anderen. Die Bibel lässt keinen Zweifel, dass es wichtig ist, die Wahrheit zu kennen. Wir lesen an vielen Stellen gewichtige Aussagen über Wahrheit. „Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden; denn der Vater sucht solche Anbeter. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ (Johannes 4,23+24) Jesus selbst sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich!“ (Johannes 14,6) Aber was bedeutet das? Was steckt hinter diesem großen und manchmal einschüchternden Begriff Wahrheit? Was meinen die Schreiber der Bibel, wenn sie von Wahrheit sprechen? Und vor allem eine Frage, über die ich schon so viele Christen habe streiten hören: Was gehört alles zu dieser Wahrheit? Ich habe mir diese Frage oft selbst gestellt, immer getrieben von dem unguten Gefühl in der Magengrube, das mich stark daran zweifeln ließ, ob es bei der Wahrheit wirklich um das richtige Verständnis zu einer ganzen Reihe verschiedener Lehrthemen geht. Ist Wahrheit am Ende etwas ganz anderes? Etwas viel einfacheres? Welche Diskussionen treffen wirklich noch den Kern und welche sind bereits weit an dem vorbei gegangen, was die Bibel mit Wahrheit meint? Lauter Fragen. Was tut man in so einer Situation? Naja, was man tut, weiß ich ehrlich gesagt nicht, aber ich habe mir meine Bibel genommen (und dazu mein Smartphone und meinen Laptop) und habe geforscht, was ich zum Thema Wahrheit finden kann. Dabei sind mir drei unterschiedliche Verwendungen des Wortes Wahrheit in der Bibel über den Weg gelaufen, die ich gerne mit euch teilen möchte. 1. Wahrheit im alltäglichen Sinne Starten wir mit der einfachsten Verwendung. An vielen Stellen der Bibel wird das Konzept Wahrheit genau so verwendet, wie wir es auch im Alltag gewohnt sind, nämlich als Gegensatz zur Unwahrheit oder Lüge. In Sacharja lesen wir beispielsweise: „Dies sind die Dinge, die ihr tun sollt: Redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten; aufrichtig und mit dem Recht des Friedens fällt das Urteil in euren Toren!“ (Sacharja 8,16) Die Wahrheit reden – ich hoffe dieses Konzept ist uns allen bekannt ;) Die gleiche Verwendung von Wahrheit finden wir auch in der Begebenheit zwischen Jesus und der blutflüssigen Frau: „Die Frau aber kam, verängstigt und zitternd, weil sie wusste, was ihr geschehen war, und warf sich vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.“ (Markus 5,33) Und auch zu der samaritischen Frau am Brunnen sagt Jesus: „Zu Recht hast du gesagt: Einen Mann habe ich nicht. Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt.“ (Johannes 4,17+18) Ich denke für diese Verse gibt es nicht viel Erklärungsbedarf. Sie sprechen allesamt davon, die Wahrheit zu sagen, was sowohl bedeutet nicht zu flunkern als auch nichts bewusst zu verheimlichen. Bis hierhin nichts Außergewöhnliches. 2. Wahrheit gleich Wahrhaftigkeit Die Bibel verwendet das Wort Wahrheit aber noch auf eine weitere Weise. Gucken wir uns hierzu 2. Mose 34,6 an: „Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Der HERR, der HERR, der starke Gott, der barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue;“ Was hat dieser Vers mit Wahrheit zu tun? Ganz einfach: das Wort „Treue“ am Ende des Verses kann genauso gut mit „Wahrheit“ übersetzt werden. Es ist das hebräische Wort „emeth“ und kann ebenso gut Standhaftigkeit, Gewissheit oder Vertrauenswürdigkeit bedeuten. „Emeth“ wiederum kommt von dem Verb „aman“, was sich mit aufbauen, stärken, treu sein, beständig sein oder es ernst meinen übersetzen lässt (ein Hoch auf die Konkordanz des Herrn Strong!). Wir nutzen es heute immer noch, jedoch in leicht abgewandelter Form als „Amen“. Auch Jesus benutzt dieses Wort immer wieder, nämlich wenn er sagt „Wahrlich wahrlich ich sage euch …“ oder auch „Amen amen ich sage euch …“. Was soll das bedeuten? Es bedeutet, dass das, was darauffolgt, gewiss ist und Bestand hat. Wir können uns auf das, was darauffolgt, voll und ganz verlassen. Viele Christen (ich eingeschlossen) benutzen heute immer noch dasselbe Wort um ihre Gebete zu beenden. Auch hier ist der Sinn dahinter die Bekräftigung des Gesagten. Wenn ich ein Gebet mit einem „Amen!“ abschließe, dann möchte ich Gott bezeugen, dass ich es ernst meine. Oder eben auch, dass ich (nach bestem Wissen und Gewissen) die Wahrheit gesagt habe. Dies ist also die zweite Verwendung von Wahrheit in der Bibel. Wahrheit beschreibt nicht nur, dass etwas – wer hätte es gedacht – der Wahrheit entspricht, sondern auch, dass es Bestand hat und vertrauenswürdig ist. Sogar Gott nutzt dieses Wort, wie wir gesehen haben, um sich selbst zu beschreiben. Aber haben wir damit eine befriedigende Antwort auf die Frage gefunden, was die Bibel meint, wenn sie von Wahrheit spricht? Für mich waren diese zwei Erkenntnisse allein nicht wirklich zufriedenstellend. Ich kann mich also auf etwas verlassen und darauf vertrauen, dass es nicht gelogen ist … aber was ist dieses etwas? Was ist es, worauf ich vertrauen soll? Was hat Bestand und ist verlässlich und nicht gelogen? Damit kommen wir zu meiner dritten Erkenntnis zum Thema Wahrheit in der Bibel. 3. Wahrheit heißt: Das Gesetz errettet nicht, sondern Glaube und Gnade Die erste Stelle, die mich zum Nachdenken gebracht hat, kommt aus dem ersten Kapitel des Johannesevangeliums: „Johannes legte Zeugnis ab von ihm, rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir gewesen, denn er war eher als ich. Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“ (Johannes 1,15-17) Mir fiel sofort auf, dass hier ein Gegensatz aufgestellt wird zwischen dem Gesetz auf der einen und Gnade und Wahrheit auf der anderen Seite. Wo genau liegt dieser Gegensatz? Das Gesetz steht hier für den Erlösungsweg, wie ihn die Menschen des alten Testaments verstanden haben: Errettung durch das Erfüllen von Gesetzen. Dem gegenüber steht Gnade als die unverdiente Vergebung, die nichts mehr mit dem Erfüllen von Geboten zu tun hat. Im gleichen Atemzug wird hier Wahrheit erwähnt und mit Gnade auf eine Seite gestellt. Es findet also bereits eine erste Verknüpfung von Wahrheit und Gnade statt, die jedoch noch weiter präzisiert werden muss. Außerdem muss natürlich noch geklärt werden, welche Rolle Jesus in alldem spielt. Mehr Informationen können wir unter anderem aus einer Unterredung zwischen Jesus und einer Gruppe von Juden ziehen, die in Johannes 8 ab Vers 31 beschrieben ist. Jesus adressiert hier eine ganz bestimmte Annahme, die unter Juden sehr verbreitet war und ist: Wir sind errettet, weil wir Abrahams Nachkommen sind und damit zum auserwählten Volk gehören. Jesus entgegnet dem mit Worten, die für die Gruppe von Juden zunächst unverständlich waren: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Johannes 8,31+32) Die Gruppe von Juden, die von Jesus eigentlich bisher sehr angetan war, konnte mit dieser Aussage nur wenig anfangen und fasste sie sogar als Beleidigung auf. Was sollte das heißen, dass die Wahrheit sie frei machen würde? Sie waren doch schon frei und niemals unfrei gewesen! Aber Jesus deutet sie auf ihre Sünden hin und erklärt ihnen, dass ihnen ihre Sünden keineswegs allein aufgrund ihrer Abstammung vergeben würden. Wir sehen hier erneut, dass der alte Bund nicht aus der „Sklaverei der Sünde“ retten kann – weder durch das Erfüllen von Gesetzen, noch allein durch Abstammung von demjenigen, mit dem der Bund aufgerichtet wurde. Auch hier ist es wieder die Wahrheit, die der wirkliche und einzige Weg der Errettung ist. Und wieder ist die Wahrheit direkt mit Jesus verknüpft. Einen letzten Hinweis möchte ich noch anführen, bevor ich versuche zusammenzufassen. Diesen letzten Hinweis finden wir im Galaterbrief. Hier lesen wir im ersten Kapitel in den Versen sechs bis acht, dass sich offenbar eine Gruppe von Menschen in die Gemeinde eingeschlichen hatte, die die Galater vom richtigen Evangelium abbringen wollte. Dem widersetzt sich Paulus mit aller Kraft, indem er schreibt: „Dann, nach Ablauf von vierzehn Jahren, zog ich erneut nach Jerusalem hinauf, zusammen mit Barnabas, und nahm auch Titus mit. Ich zog aber hinauf aufgrund einer Offenbarung; und ich legte ihnen das Evangelium vor, das ich unter den Völkern verkündige, den Angesehenen in gesonderter Unterredung; ich wollte sicher sein, dass ich nicht ins Leere laufe oder gelaufen bin. Doch nicht einmal Titus, mein Begleiter, der Grieche ist, wurde gezwungen, sich beschneiden zu lassen. Was aber die falschen Brüder und Schwestern, die Eindringlinge, betrifft, die sich eingeschlichen hatten, um unsere Freiheit, die wir in Christus Jesus haben, auszukundschaften und uns so zu Knechten zu machen - ihnen haben wir uns auch nicht einen Augenblick lang gefügt noch unterworfen, damit die Wahrheit des Evangeliums für euch erhalten bleibe.“ (Galater 2,1-5) Wieder taucht das Wort Wahrheit auf. Diesmal ist Wahrheit das Gegenteil von dem, was die „falschen Brüder und Schwestern“ etablieren wollten. Was wollten sie etablieren? Das Gesetz! Das geht eindeutig aus einigen Schlagworten wie Beschneidung und Knechtschaft hervor, die immer wieder stellvertretend für das mosaische Gesetz auftauchen. Genau wie in Johannes 8 sehen wir hier also die drei einfachen Gleichungen: 1. Wahrheit = Freiheit, 2. Freiheit ≠ Gesetz, 3. und folglich: Wahrheit ≠ Gesetz. Wenn nun aber die Wahrheit ist, dass das Gesetz nicht errettet, was errettet dann? Die Bibel ist natürlich voll mit Aussagen über unsere Errettung, daher hier nur zwei der prägnantesten Stellen: „Sind wir nun aus Glauben gerecht gesprochen, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn haben wir im Glauben auch Zutritt erhalten zu der Gnade, in der wir jetzt stehen, und seinetwegen rühmen wir uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.“ (Römer 5,1+2) „Denn durch die Gnade seid ihr gerettet aufgrund des Glaubens, und zwar nicht aus euch selbst, nein, Gottes Gabe ist es:“ (Epheser 2,8) Glaube und Gnade sind es, die uns erretten. Das ist die Wahrheit. Das ist, was die Bibel meint, wenn sie von Wahrheit spricht. Es ist die grundlegende Erkenntnis, dass weder das Einhalten von Geboten (was niemand in Perfektion vollbringen kann), noch irgendeine Abstammung noch ein sonstiges eigenes Bemühen uns in Gottes Augen gerecht machen kann. Das einzige, was unsere Beziehung zu Gott heilen kann, ist der Blick auf seinen Sohn, die Einsicht, dass er so war wie wir alle sein sollten, aber nicht sind, und der Glaube, dass Gott uns alle Schuld vergibt und uns mit offenen Armen aufnimmt, wenn wir ihn darum bitten. Mitten drin in dieser unglaublich komplexen und gleichzeitig unglaublich einfachen Wahrheit steht Jesus. Daher ist es selbstverständlich, dass eine der bedeutendsten Aussagen über die Wahrheit von ihm selbst kommt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich!“ (Johannes 14,6) Ist es nicht geradezu unbegreiflich, was wir allzu oft alles als essenzielle Wahrheit proklamieren, obwohl die Bibel so erfrischend einfach und überschaubar erklärt, was Wahrheit ist? Um nur mal an der Oberfläche zu kratzen: Wahrheit ist nicht, ob der Heilige Geist eine Person oder eine Kraft ist, ob Frauen in der Gemeinde ein Kopftuch tragen sollten oder nicht, ob Homosexualität von Gott verachtet wird oder nicht, ob die Geisttaufe gleichzeitig mit der Wassertaufe stattfindet oder nicht, ob alle Menschen zum Gericht wiederauferstehen oder nur einige Gruppen, oder irgendein anderes Thema, was Christen auf der ganzen Welt in unvereinbare und ewig streitende Lager spaltet. All diese Themen können und sollten diskutiert werden. Zu all diesen Themen hat Gott auch eine klare Meinung (die wir vielleicht erst bei Jesu Wiederkunft eindeutig erkennen werden). Aber wir sollten sehr vorsichtig damit sein, irgendeinen dieser Punkte herauszupicken und als grundlegende Wahrheit hinzustellen. Nichts davon meint die Bibel, wenn sie von Wahrheit spricht. Wahrheit ist, dass Gott in seiner Liebe durch Jesus einen Weg geschaffen hat, wie wir im Glauben zu ihm kommen können, um seine Gnade zu erfahren und irgendwann in Ewigkeit und in Harmonie mit ihm zu leben. Ich hoffe, dass ich mich in der nächsten hitzigen Diskussion daran erinnern werde. Gottes Segen und bis demnächst! Euer Daniel

  • Mutig sein

    Ich habe vor kurzem Esra gelesen und war einmal mehr fasziniert von der Begeisterung der Israeliten für ihr Ziel, den Tempel wieder aufzubauen und davon, wie wunderbar Gott alles eingerichtet hat, damit sie dieses Ziel erreichen konnten. Mitten in dieser beeindruckenden Geschichte hat mich jedoch ein einziger kurzer Satz sehr zum Nachdenken angeregt. Kurz bevor Esra nach Jerusalem aufbricht, sagt er Folgendes: „Ich aber, ich fasste Mut, weil die Hand des HERRN, meines Gottes, über mir war.“ (Esra 7,28) Klingt einfach, oder? Ich weiß natürlich nicht, wie es euch geht, aber ich finde es alles andere als einfach, mutig zu sein. Dabei wäre ich es gerne. Ich war schon immer fasziniert von Charakteren in Büchern und Filmen, die scheinbar vor nichts Angst haben. Menschen, die jeder Situation selbstsicher gegenüber treten, da sie wissen, dass sie mit allen Problemen und Schwierigkeiten fertig werden können. Das könnte nicht weiter entfernt von meiner Realität sein. Ich bin eher der Typ Mensch, der prinzipiell vor jeder neuen Herausforderung erst einmal Angst hat, weil mein Kopf so voreingestellt ist, dass ich von vorneherein davon ausgehe, dass ich scheitern werde. Also wie kann jemand wie ich lernen, mutig zu sein? Nicht unsere Stärke, sondern Gottes Stärke Die Antwort auf diese Frage findet man in der zweiten Hälfte von Esras Aussage. Denn Esra sagt nicht „Ich fasste Mut, weil ich sowieso nie Fehler mache“ oder „Ich fasste Mut, weil ich die perfekten Voraussetzungen für diese Aufgabe mitbringe“. Nein. Esra fasste Mut, weil die Hand Gottes über ihm war. Der Grund für seinen Mut war nicht, dass er auf seine eigene Stärke vertraute, sondern dass er wusste, dass Gott ihn leiten und unterstützen würde und mit dieser Einstellung machte er sich auf den Weg nach Jerusalem. Ich finde, daraus können wir eine Menge lernen. Denn auch wir sind nicht darauf angewiesen, auf unsere eigene Stärke vertrauen zu müssen. Wir haben das große Privileg auf Gottes Stärke vertrauen zu dürfen. Wir müssen nicht sein wie die Helden aus Filmen und Büchern, die scheinbar alles wissen und alles können. Denn wir wissen, dass es nichts gibt, was für Gott unmöglich wäre und dass er bereit dazu ist, uns unter die Arme zu greifen und uns in allen Herausforderungen zu unterstützen. „Ich aber will singen von deiner Stärke, und des Morgens jubelnd preisen deine Güte; denn du bist mir eine hohe Feste gewesen und eine Zuflucht am Tage meiner Bedrängnis. Dir, meine Stärke, will ich Psalmen singen; denn Gott ist meine hohe Feste, der Gott meiner Güte.“ (Psalm 59,17+18) Unsere Gefährten Ist es nicht unheimlich beruhigend, zu wissen, dass wir unsere Herausforderungen nicht alleine meistern müssen? Und dabei haben wir nicht nur irgendjemanden an unserer Seite, der gerade Zeit hatte. Wir haben Gott und Jesus an unserer Seite. Bessere Helfer könnten wir gar nicht haben. Ich könnte gut verstehen, dass mich niemand auswählen würde, um Frodo zu helfen, den Ring nach Mordor zu bringen. Aber Gott und Jesus? Bessere Gefährten hätte sich auch J.R.R. Tolkien nicht ausdenken können. Denn wir wissen, dass egal was auf dem Weg auch passiert, sie uns sicher ans Ziel bringen werden und das ist in unserem Fall zum Glück nicht Mordor, sondern Gottes Reich. „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“ (Matthäus 28, 20) Das Besondere an Gott und Jesus als Begleitern in unserem Leben ist neben ihrer Stärke auch, dass sie zu 100 % nur das Beste für uns wollen. Ob das immer das ist, was wir uns vorgestellt haben, ist ein anderes Thema 😉 Aber wir wissen, dass sie nicht nur an unserer Seite, sondern auch immer auf unserer Seite sind. Mit Gott und Jesus wird es nie zu einem Interessenkonflikt kommen, der dazu führt, dass sie ihre eigenen Interessen über das stellen, was gut für uns wäre. Das kann uns mit anderen Menschen passieren, aber Gott und Jesus haben dieses Problem nicht. Alles, was sie wollen, ist gleichzeitig immer auch das, was gut für uns ist. „Denn ich weiß ja, was ich mit euch vorhabe, spricht Jahwe. Ich habe Frieden für euch im Sinn und kein Unheil. Ich werde euch Zukunft schenken und Hoffnung geben.“ (Jeremia 29,11 in der Neuen evangelistischen Übersetzung) Vertrauen lernen, um mutig zu sein Was ich versuche euch zu zeigen, ist, dass wir allen Grund dafür haben, Gott und Jesus zu vertrauen. Es gibt nichts, was für sie unmöglich wäre und sie sind immer an und auf unserer Seite. Dieses Wissen macht es auch uns möglich, mutig zu sein. Denn wenn uns das Vertrauen in uns selbst fehlt, egal ob begründet oder unbegründet, dann wissen wir doch immer, dass wir auf Gott und Jesus vertrauen dürfen und mit ihrer Hilfe alles schaffen können. „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht.“ (Philipper 4,13) Ich selber stecke noch mitten in dem Prozess zu lernen, trotz meiner Angst vor neuen Situationen und Herausforderungen, mutig zu sein. Aber ich lerne immer mehr, auf Gott zu vertrauen. Ich finde es unheimlich erleichternd, dass es auf meine eigene Stärke nicht ankommt und dass immer jemand an meiner Seite ist, der alles im Griff hat, selbst wenn ich den Überblick verliere. Das bedeutet nicht, dass ich nie wieder Scheitern werde und immer alles so laufen wird, wie ich es geplant habe. Aber es bedeutet, dass es mir möglich ist, trotzdem zuversichtlich zu sein und dass Scheitern vielleicht auch gar nichts ist, wovor ich mich fürchten muss. Denn sind wir mal ehrlich: Wie wichtig ist es überhaupt, nicht zu scheitern? An unserer Beziehung zu Gott und seiner Liebe zu uns ändert Scheitern auf jeden Fall nicht das Geringste. Und wenn wir denken, mit unserem Scheitern Gottes Plan mit uns oder mit der Welt negativ beeinflussen zu können, dann leiden wir nicht an Selbstzweifeln, sondern eher an Selbstüberschätzung. Also lasst uns trainieren, mutig zu sein. Auch trotz mancher Ängste und Unsicherheiten voller Gottvertrauen in die Zukunft zu blicken und zu wissen, dass wir durch Gott und Jesus die Unterstützung erhalten werden, die wir benötigen. „Habe ich dir nicht geboten: Sei stark und mutig? Erschrick nicht und fürchte dich nicht! Denn mit dir ist der HERR dein Gott, wo immer du gehst.“ (Josua 1,9) Bis zum nächsten Mal! Eure Lea

  • Ich hatte einen Traum

    Mein Traum Vor einigen Tagen habe ich geträumt. Wir, die Autoren dieses Blogs, sind mit dem Zug gefahren. Mit einem Zug, wie ich ihn schon in alten Western gesehen habe. Zusammen gingen wir gerade von einem Wagen zum nächsten, als wir bemerkten, dass die Gleise durchs Wasser führten und der Pegel immer weiter anstieg. Um nicht nass zu werden, stiegen wir kurzerhand auf das Dach eines Waggons. Das war irgendwie sehr spannend. Wir liefen also nun auf dem Dach weiter und blickten dabei auf die Wasserflächen links und rechts des fahrenden Zuges. Plötzlich passierte es. Einer von uns stolperte, kam zu Fall und rutschte seitlich das gewölbte Dach herunter. Inzwischen war das Wasser bis über die Fenster angestiegen, so dass er kurz untertauchte. Wir auf dem Dach bemerkten was passiert war und überlegten uns sofort einen Rettungsplan: Die Idee war schnell gefunden. Zwei von uns stellten sich mit dem Gesicht zueinander und fassten sich an den Armen. Die Beiden legten sich auf das Blechdach, mit den Füßen zuerst, Richtung Dachkante. So gehalten, konnten sie sich gegenseitig vor dem Abrutschen sichern. Die Anderen hielten mit aller Kraft die Arme der Zwei zusammen. Mittlerweile tauchte der "Unglücksrabe" wieder aus dem Wasser auf. Er konnte sich an einer Art Dachreling festhalten. Wir riefen ihm zu: "Hier kannst du Halt finden. Ziehe dich am Fuß hoch. Nimm die Beine als Kletterhilfe!" Die Unglücksperson verstand sofort, klammerte sich fest und hangelte sich so das Dach hinauf. Schon konnte ihm einer die Hand reichen und zu uns nach oben ziehen. Gerettet. Wir freuten uns alle sehr. Glück gehabt. Meine Gedanken zu diesem Traum Wir müssen vorsichtig sein. Dann wäre niemand gestolpert. Mir fällt dazu ein Gleichnis von Jesus ein. Da geht es um einen vorsichtigen und einen unvorsichtigen Menschen. Wer nun auf das hört, was ich gesagt habe, und danach handelt, der ist klug. Man kann ihn mit einem Mann vergleichen, der sein Haus auf felsigen Grund baut. Wenn ein Wolkenbruch niedergeht, das Hochwasser steigt und der Sturm am Haus rüttelt, wird es trotzdem nicht einstürzen, weil es auf Felsengrund gebaut ist. Wer sich meine Worte nur anhört, aber nicht danach lebt, der ist so unvernünftig wie einer, der sein Haus auf Sand baut. Denn wenn ein Wolkenbruch kommt, die Flüsse über ihre Ufer treten und der Sturm um das Haus tobt, wird es einstürzen; kein Stein wird auf dem anderen bleiben.(Matthäus 7,24-27) Vielleicht ergänzt Paulus dieses Gleichnis durch diesen Gedanken. Achtet also genau darauf, wie ihr lebt: nicht wie unwissende, sondern wie weise Menschen. (Epheser 5,15) Und durch diesen. Passt auf, dass ihr nicht auf Weltanschauungen und Hirngespinste hereinfallt. All das haben sich Menschen ausgedacht; aber hinter ihren Gedanken stehen dunkle Mächte und nicht Christus. Nur in Christus ist Gott wirklich zu finden, denn in ihm lebt er in seiner ganzen Fülle. Deshalb lebt Gott auch in euch, wenn ihr mit Christus verbunden seid. (Kolosser 2,8-10) Trotz aller Vorsicht ist in meinem Traum jemand zu Fall gekommen. Deshalb habe ich noch einen zweiten Ansatz zur "Traumdeutung". Zusammen sind wir sicher. Wir können uns sogar aus misslichen Situationen heraus retten. Wir haben Vertrauen zueinander und stehen kurzerhand füreinander ein. Jesus spricht auch von solchen Situationen, wenn er sagt: Wie mich der Vater liebt, so liebe ich euch. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr nach meinen Geboten lebt, wird meine Liebe euch umschließen. Auch ich richte mich nach den Geboten meines Vaters und lebe in seiner Liebe. Das alles sage ich euch, damit meine Freude euch erfüllt und eure Freude dadurch vollkommen wird. Und so lautet mein Gebot: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben für die Freunde hingibt. Und ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch aufgetragen habe. Ich nenne euch nicht mehr Diener; denn einem Diener sagt der Herr nicht, was er vorhat. Ihr aber seid meine Freunde; denn ich habe euch alles anvertraut, was ich vom Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt. Ich habe euch dazu bestimmt, dass ihr euch auf den Weg macht und Frucht bringt – Frucht, die bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, worum ihr ihn in meinem Namen bittet. Das ist mein Auftrag an euch: Liebt einander! (Johannes 15, 9-17) Ich habe ihnen gezeigt, wer du bist. Das werde ich auch weiter tun, damit deine Liebe zu mir auch sie erfüllt, ja, damit ich selbst in ihnen lebe. (Johannes 17,26) Auch ein Jünger von Jesus schreibt von dieser Lebens- und Herzenseinstellung. Sie kommt von Gott. Sie ist Grundlage für die gesamte Schöpfung. Jesus hat sie uns erklärt und gelebt. Das Einzigartige an dieser Liebe ist: Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns seine Liebe geschenkt. (1. Johannes 5,10) Und wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der bleibt in Gott und Gott in ihm. (1. Johannes 5,15) Vergesst nicht, dass Gott selbst uns aufgetragen hat: Wer Gott liebt, der muss auch seinen Bruder und seine Schwester lieben. (1. Johannes 5,21) In meinem Traum hat uns diese Liebe geleitet. Das war und ist ein wunderbares Gefühl und ich danke Gott und Jesus für dieses Verständnis (für diesen Geist). In diesem Sinne wünsche ich euch viel von dieser Liebe, Ingo Die Bibelzitate sind aus der Bibelübersetzung Hoffnung für Alle® (HFA)

  • Gesegnet

    Es ist ein grauer, verregneter Novembertag. Einer von diesen Tagen, der schon durch das Wetter demotiviert. Ich bin auf dem Weg nach Hause mit dem Bus, um meine Mittagspause dort zu verbringen (das mache ich manchmal, wenn noch viel Zeit zwischen zwei Terminen ist). Im Bus beobachte ich meistens die Menschen, ihr Verhalten und ihre Interaktion miteinander. Heute kommen mir die Menschen besonders ungeduldig vor. Viele haben es eilig "von A nach B" zu kommen und achten wenig aufeinander. Vielleicht liegt es am Wetter oder der bevorstehenden, oft stressigen, Weihnachtszeit. Ich merke, wie auch ich zunehmend angespannter werde und versuche mich von der schlechten Stimmung abzugrenzen und an etwas Positives zu denken. Gar nicht so einfach … Denn … … gerade ist auch noch Schulschluss und der Bus füllt sich schnell. Es wird immer lauter und voller. Zunehmend wird es schwieriger an den Haltestellen ein- und auszusteigen. Im Bus befinden sich jetzt hauptsächlich Schulkinder unterschiedlichen Alters, Mütter mit Kindern und Kinderwagen und ältere Herrschaften, teilweise mit Rollatoren. Je mehr sich der Bus füllt, desto angespannter wird die Stimmung. Im Endeffekt ist jeder von jedem genervt: Die Senior*Innen von lauten Kindern, schreienden Babys, von im Weg stehenden Rollatoren und Kinderwagen, die sie am Ein- und Aussteigen hindern und Schultaschen, die in jeder Kurve unsanft gegen ihren Kopf stoßen. Die Mütter von ihren eigenen quengelnden Kindern und den Älteren, die sich bei ihnen über die schreienden Kleinkinder beschweren. Die Kinder, weil sie in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, keinen Sitzplatz finden, nicht neben ihren Freunden sitzen können und von Erwachsenen (teilweise unschön) gebeten werden ruhig zu sein … … ein Teufelskreis. Eine Mutter fällt mir in dem ganzen Durcheinander ganz besonders auf. Sie sieht etwas müde aus, hat ein Kleinkind im Kinderwagen und Einkäufe dabei. Sehr, sehr viele Einkaufstaschen. Ich frage mich, wie sie die vollen Taschen plus Kinderwagen ganz allein in den Bus bekommen hat. Ihre Tochter ist ungefähr 1,5 Jahre alt und jammert vor sich hin. Mal lauter, mal leiser. Irgendetwas bereitet ihr Unbehagen. Hat sie Hunger oder Durst? Ist ihr zu warm oder zu kalt? Ist es ihr zu laut oder ist sie müde? Vielleicht ist es auch die Reizüberflutung durch die vielen anderen Menschen? Die Mutter versucht alles, um ihr Bedürfnis herauszufinden und sie zu beruhigen. Vergeblich. Die Älteren werfen ihr schon ungeduldige, genervte Blicke zu. Manche beschweren sich sogar oder machen abfällige Bemerkungen: „Beruhigen Sie ihr Kind endlich!“ „Das ist ja nicht auszuhalten!“ „Völlig schlecht erzogen!. Ich bemerke wie ich langsam wütend werde, darüber, dass diese Frau so behandelt wird. Gleichzeitig bewundere ich sie dafür, dass sie trotz dieser negativen Bemerkungen so geduldig und stark wirkt. Wie es wohl innerlich in ihr aussieht? An der vorletzten Haltestelle angekommen, ist der Bus fast wieder leer. Nur die geduldige Mutter mit Kleinkind und ihren Einkäufen, zwei bis drei andere Menschen und ich sind noch im Bus. Es ist absehbar, dass ich an der Endhaltestelle mit ihr plus Kind und Einkäufen aussteige. Mir kommt der Gedanke, ob ich ihr helfen soll die Einkäufe aus dem Bus zu tragen. In diesem Moment hält der Bus. Ohne viel darüber nachzudenken, lasse ich mich von dem Gedanken leiten. Dann habe ich auch schon die eine schwere Tasche in der Hand. Die Mutter ist damit beschäftigt, erst mal den Kinderwagen plus schreiendes Kind aus dem Bus zu hieven. Als sie meine Hilfe bemerkt, lächelt sie. Ich lächle zurück. Sie guckt sehr erleichtert und dankbar und spricht zu mir: „Thank you so much. God bless you!“ „Gott segne dich!“ … … Das hat schon lange keiner mehr zu mir gesagt. Eigentlich sehe ich den Satz nur in geschriebener Form, meistens auf Geburtstagskarten, und dann nehme ich diesen auch nur beiläufig wahr. Aber heute erfüllen mich diese Worte mit neuer Lebensenergie. In diesem Moment spüre ich Gottes Anwesenheit sehr stark. Ich fühle mich plötzlich stark, befreit und dankbar. Jegliche Anspannung, Ungerechtigkeitsgefühle und Müdigkeit fallen von mir ab. Ich erinnere mich daran, dass Gott mich jeden Tag segnet. Nicht nur mit Lebensmitteln und materiellen Dingen, sondern vor allem durch Jesus Christus, Gottes Sohn, der mich als Freund und Helfer durch mein Leben begleitet. „Der HERR segne [auch] dich und behüte dich! Der HERR lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig! Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!“ (4. Mose 6, 24-26) Amen. Eure Freya Rise up and shine!

  • Freiheit in Christus und der Straßenverkehr ...

    Was bedeutet Freiheit für uns? Wir haben sicher alle spontane Assoziationen zum Begriff „Freiheit“. Die eine denkt vielleicht an eine Last, die abfällt, der andere an das ermutigende Gefühl, eigene Entscheidungen zu treffen. Wieder andere sehen in Freiheit vielleicht das Gegenteil von Grenzen und Einschränkungen, vielleicht sogar von Regeln. Aber was bedeutet Freiheit für mich als Christ? Und was hat das mit dem Straßenverkehr zu tun? „Für die Freiheit hat Christus uns frei gemacht. Steht nun fest und lasst euch nicht wieder durch ein Joch der Sklaverei belasten!“ (Galater 5,13). Die Bibel redet an vielen Stellen von Freiheit, von frei sein, von Freilassung oder von Freimütigkeit. Gleichzeitig lesen wir aber auch davon, dass schon die ersten Gemeinden ihre Freiheit ziemlich falsch verstanden und geradezu missbraucht haben. Ein paar Bibelstellen zur Freiheit Gucken wir uns kurz ein paar Bibelstellen an: Im fünften Kapitel des Briefs an die Galater erläutert Paulus, dass Freiheit in Christus das Gegenteil zum Gesetz Moses ist (Galater 5,1-6). Kurz gesagt bedeutet das: Früher (im Alten Testament = im alten Bund) mussten gläubige Menschen Wort für Wort Gottes Gesetz und seine Gebote erfüllen, um vor Gott bestehen zu können. Nur dann sah Gott sie als „gerechte“ Menschen an – zumindest erschien es den meisten Menschen so. Zu erläutern, warum das eigentlich nicht stimmt, würde hier zu weit führen, aber ich werde es bei Gelegenheit gerne tun ;) Zurück zu Galater 5: Das Wort „Sklaverei“ oder „Knechtschaft“ in Vers 1 steht für genau diesen Druck, alle Gesetze genau befolgen zu müssen. Durch Christus gibt es nun aber einen neuen Bund (= Neues Testament) und von diesem wird gesagt, dass er uns frei macht von der alten Last und dem Druck durch das Gesetz. Aber was bedeutet das genau? Wie zeigt sich das im Alltag? Und wie frei ist frei genau? Ein Negativbeispiel: Im ersten Brief an die Gemeinde in Korinth warnt Paulus vor sexueller Unmoral, indem er schreibt: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen.“ (1. Korinther 6,12). Was für eine Aussage! „Alles ist mir erlaubt“ … das klingt erst mal nach grenzenloser Freiheit. Und doch gibt Paulus direkt im Anschluss Anweisungen, wie diese Freiheit nicht gebraucht werden soll. Auch Petrus spricht von Freiheit, mahnt aber gleichzeitig, dass wir unsere Freiheit nicht als „Deckmantel der Bosheit“ nutzen, sondern vorbildlich leben und Gutes tun sollen (1. Petrus 2,11-16). Noch einmal Paulus in seinem Brief an die Galater: „Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder. Nur gebraucht nicht die Freiheit als Anlass für das Fleisch, sondern dient einander durch die Liebe!“ (Galater 5,13). Wieder wird unsere Freiheit betont. Und wieder wird sie eingeschränkt. Dies sind nur drei Stellen von vielen zum Thema Freiheit, sie zeigen aber bereits ein Muster: Freiheit in Christus ist keine grenzenlose Freiheit. Christliche Freiheit hat Grenzen … leider!? Diese Feststellung hat mich lange beschäftigt. Einerseits sind wir frei, aber dann irgendwie doch nicht. Ist das nicht ein Widerspruch? Auf der einen Seite proklamiert Paulus „alles ist mir erlaubt!“, aber auf der anderen Seite tauchen zusammen mit dem vielversprechenden Wort Freiheit auch immer Regeln und Ermahnungen auf, die diese Freiheit einschränken – und damit gefühlt weniger frei machen. Freiheit klingt einfach, unbeschwert, leicht umzusetzen. Das „aber“, das darauffolgt, bringt hingegen Druck, Gebote und Einschränkungen … und auf einmal fühlt sich Freiheit dann doch wieder kompliziert an. Wie passt das zusammen? Früher habe ich mich manchmal schlecht gefühlt, wenn ich in der Bibel gelesen habe und an manchen Stellen dachte „das passt doch nicht …“ oder „das fühlt sich irgendwie falsch an …“. Heute sehe ich das ganz anders! Ich glaube, dass solche Momente wertvoll sind, weil sie uns anspornen, weiter zu forschen und zu ergründen, ob die augenscheinlichen Widersprüche sich nicht vielleicht mit mehr Überblick und tieferem Verständnis ausmerzen lassen. Freiheit und Straßenverkehr Im Prozess des Nachgrübelns und Weiterforschens sind es manchmal ganz kleine Dinge, die einen auf die richtige Spur bringen. Und damit kommen wir jetzt endlich zum Straßenverkehr! Vor ein paar Wochen hat ein Freund aus der Gemeinde (sein Name ist Cornel) eine Predigt gehalten und dabei eine Anekdote erzählt, die mich seitdem nicht mehr losgelassen hat. Ich weiß ehrlich gesagt kaum noch wohin er die Zuhörer mit dieser Anekdote führen wollte, denn ich musste augenblicklich darüber nachdenken, was wir daraus über Freiheit lernen können! Hier ist die Geschichte: Es ging darum, dass Cornel vor einiger Zeit ein Angebot von seiner Kfz-Versicherung erhalten hatte, das wie folgt lautete: „Wir bieten Ihnen an, ein Gadget in ihrem Auto zu installieren, welches ihr Fahrverhalten aufzeichnet. Aufenthaltsort, Geschwindigkeit, abrupte Lenkmanöver, … alle diese Dinge kann das Gerät messen. Wenn wir über diese Messungen herausfinden, dass Sie immer den jeweiligen Verkehrsregeln entsprechend gefahren sind, dann bekommen sie 30% Rabatt auf Ihre Versicherung.“ Warum hat mich dieses Angebot so ins Grübeln gebracht? Weil sich darin das ganze Problem der Freiheit in Christus widerspiegelt – und gleichzeitig auch seine Lösung! Die Anekdote seziert Wenn wir die Geschichte einmal auseinandernehmen, finden wir folgende Teile: Zum einen ist dort der Autofahrer. Das sind wir als Christen. Dann gibt es die Straßenverkehrsordnung mit all ihren Vorschriften zur erlaubten Höchstgeschwindigkeit, zur Vorfahrt, zum Verhalten in Gefahrensituationen, und so weiter. Sie steht in diesem Bild für das Gesetz. Hier ist für möglichst jede erdenkliche Situation geregelt, welches Verhalten jeweils angemessen und damit erlaubt ist. Und dann ist da dieses Gadget der Versicherung, welches mich belohnt, wenn ich alle Vorschriften einhalte. Das ist der (sehr verkürzt wiedergegebene) alttestamentarische Weg der Errettung, der da sagt: Wenn du alle Regeln genau einhältst, dann hast du dir Gottes Anerkennung verdient und wirst belohnt. Und wo kommt nun Freiheit ins Spiel? Erinnert ihr euch an den Ausdruck „Sklaverei“ oder „Knechtschaft“, der zu Beginn im Zitat aus Galater 5 vorkam? Er wurde als Bild für das Leben unter dem Gesetz (also dem alten Bund) verwendet. Paulus greift dieses Bild an anderer Stelle auf und erklärt damit den neuen Bund mit Gott durch Jesus: „Der Geist, den ihr empfangen habt, macht euch ja nicht wieder zu Sklaven, sodass ihr wie früher in Furcht leben müsstet. Nein, ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Kindern Gottes macht, den Geist, in dem wir ‚Abba! Vater!‘ zu Gott sagen.“ (Römer 8,15, Neue Evangelistische Übersetzung). Hierin steckt für mich der Schlüssel zum Verständnis von Freiheit: Gottes Wunsch ist nicht, dass er uns wie Vater Staat einen Haufen Regeln vorschreibt, die wir dann befolgen sollen. Er wünscht sich vielmehr eine liebevolle Beziehung mit uns, in der diese Regeln gar nicht notwendig sind. Eine Zeit lang in der Geschichte der Menschheit waren solche Regeln gut, damit die Menschen verstanden, was richtig und was falsch ist. Dabei ging es aber nie darum, uns einzuschränken oder uns Verbote aufzuerlegen. Vielmehr ging es darum zu zeigen, was für uns und für andere gut ist. Ich habe mich als Kind des Öfteren darüber geärgert, dass meine Eltern so „gemein“ waren mir ständig (zumindest gefühlt!) Dinge zu verbieten. Heute blicke ich darauf zurück und denke sehr oft „Wie gut, dass sie mich von der ein oder anderen Dummheit abgehalten haben!“. Mit Gott ohne Schilderwald Genauso ist es in unserer Beziehung zu Gott. Wir waren mal kleine Kinder, denen unser himmlischer Vater durch klare Grenzen gezeigt hat, wie wir ein Leben zu unserem Besten und zum Besten unserer Mitmenschen führen können. Aber jetzt sind wir erwachsen im Glauben! Jetzt wünscht sich Gott eine ganz andere Beziehung, in der er nicht mehr diese ermüdenden Gesetze aufstellen muss, sondern in der wir verstanden haben und im Herzen tragen was gut und was schlecht ist. Und das ist ganz einfach, wie Paulus sagt: „Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.‘" (Galater 5,14; siehe auch Matthäus 22,36-40). Und was bedeutet das nun für das Bild des Straßenverkehrs? Ganz einfach: All die Schilder und Regelungen sind auf keinen Fall verkehrt, denn sie zeigen uns deutlich die Grenzen dessen, was für uns und für andere gut ist. Aber eigentlich sollten sie gar nicht notwendig sein. Denn eigentlich wissen wir doch in unserem Inneren was gut und angemessen ist. In einer Spielstraße mit spielenden Kindern sollte ich nicht Schrittgeschwindigkeit fahren, weil das Schild es sagt. Ich sollte Schrittgeschwindigkeit fahren, weil es vernünftig ist. Das Schild ist das Gesetz im alten Testament. Das Wissen darum, wie das richtige Verhalten aussieht, ist das in mein Herz geschriebene Gesetz der Liebe. Dieses neue Gesetz ist das Fundament für die Art von Beziehung, die sich Gott eigentlich wünscht. So möchte er mit uns leben: Auf Basis von Vernunft und Liebe – nicht in einem Schilderwald aus Regeln und Verboten. Ein Tempo 30 Schild in der Stadt ist in der Regel mit Bedacht aufgestellt. Trotzdem wird es immer Situationen geben, wo es angemessen ist, noch nicht einmal 30 zu fahren. Ebenso haben wir wahrscheinlich alle schon einmal um 1 Uhr nachts auf dem Dorf an einer roten Ampel gestanden … weit und breit kein Auto zu sehen oder zu hören … muss ich als guter Deutscher nun stehen bleiben oder höre ich auf meine Vernunft, die mir unmissverständlich sagt, dass hier keine Gefahr für mich oder andere entsteht, wenn ich einfach rüber gehe. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Erlaubt ist es nicht! Weil der Staat am Ende leider damit rechnen muss, dass sich nicht jeder von sich aus vernünftig und angemessen verhält. Und doch geht es, wie man dort feststellt, wo einfach einmal der Versuch unternommen wurde, an die gegenseitige Rücksichtnahme zu appellieren (sucht mal im Web nach Bohmte im Landkreis Osnabrück und dem EU-Projekt „Shared Space“). Es ist möglich den Straßenverkehr komplett frei zu gestalten. Aber es erfordert Achtsamkeit und Nächstenliebe – und eine Instanz mit Autorität, die uns offiziell erlaubt es trotz Risiko zu wagen. Hier schließt sich der Kreis zu den Bibelstellen vom Anfang: Wir sind frei, da wir eine Beziehung zu Gott haben dürfen, in der wir keine Angst mehr haben müssen, nicht jedes einzelne Gesetz bis ins kleinste Detail zu verfolgen. Der Druck ist fort. Die Last ist von unseren Schultern genommen. Wir sind frei! Aber diese Freiheit hat auch Grenzen: Nämlich dort, wo ich mit meinem Handeln mir und vor allem anderen schade. Mit Schild oder ohne Was hat also meine Freiheit mit dem Straßenverkehr zu tun? Freiheit bedeutet für mich bildlich, dass ich kein Fahranfänger mehr bin, der sich mit schwitzigen Händen ans Lenkrad klammert und dessen Augen von Verkehrsschild zu Verkehrsschild jagen, alle Hinweise einsaugend, die ihm irgendwie helfen, sicher und straffrei durch die große Stadt zu navigieren. Gott traut mir zu, dass ich vernünftig sein kann, wenn ich will, und so auch ohne ein einziges Schild theoretisch sicher von A nach B kommen kann. Er tut das, weil er diese Art von Miteinander viel mehr anstrebt als das Aufstellen von Geboten. Für dieses Vertrauen müssen wir aber beide etwas beisteuern: Ich steuere bei, dass ich nicht aufhöre zu forschen, was in Gottes Augen (und damit objektiv) richtig und falsch ist, damit ich daran wachse und ein noch besserer Verkehrsteilnehmer werde; Er steuert bei, dass er mir dort vergibt, wo es doch mal kracht – wenn ich ihn um Verzeihung bitte. Kurz gesagt: Freiheit heißt für mich als Christ, dass Gott mir viel Spielraum lässt und wenn etwas nicht geklappt hat und ich geknickt zu ihm komme, mein Bemühen mehr anrechnet als des Ergebnis. Wow! Freiheit heißt aber auch, dass ich eine Verantwortung habe dort, wo man Schrittgeschwindigkeit fahren sollte, auch Schrittgeschwindigkeit zu fahren – mit Schild oder ohne. Gottes Segen und bis demnächst! Euer Daniel

  • Eine Reise beginnt ...

    Hallo und herzlich willkommen auf unserem Blog! Wir freuen uns sehr, dass du vorbeischaust. „Wir“, das ist eine kleine Gruppe von Christen, die jeden Montag einen neuen Blogpost über ihr Leben mit Gott veröffentlichen. Warum? Wir wollen teilen, wie wir die Bibel und den Glauben an Gott in unserem Alltag erleben: einfach, lebensnah und unglaublich bereichernd! Ist das alles? Nicht ganz. Zur Zeit wohnen wir weit verstreut und unsere Gemeinde trifft sich in kleinen Hauskreisen. Gemeinsam unseren Glauben zu leben ist eine Herausforderung. Das wollen wir ändern und haben ein großes neues Projekt gestartet: Wir wollen eine Gemeinde an einem gemeinsamen Ort aufbauen! Das Ziel: sichtbar sein, eine offene Tür haben, Menschen begegnen, erzählen, zuhören, den Alltag mit Gott und miteinander leben. Einfach. Biblisch. Dieser Blog ist dabei der erste Schritt. Hier üben wir wie es ist irgendwo zu „sein“, Menschen zu begegnen, zu erzählen, zuzuhören … und wir gewinnen Zuversicht: Schaffen wir es diesen Blog lebendig zu gestalten, dann meistern wir auch das große Projekt Gemeindebau. Schön, dass du dabei bist!

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