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  • Abschied auf unbestimmte Zeit

    Ich schreibe euch heute, wie man so schön sagt, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Dies hier wird vorerst mein letzter Beitrag für euch sein, da ich eine vermutlich längere Blogpause einlegen werde. Es fällt mir leider zunehmend schwerer, immer neue Beiträge zu verfassen. Aktuell stresst es mich mehr, als dass es mir Spaß macht. Deswegen werde ich auf unbestimmte Zeit aussetzen. Von mir werdet ihr also erst mal nicht mehr hören, aber vielleicht gibt es ja "da draußen" jemanden, der/die richtig viele Ideen hat und schon immer mal an einem Blog mitarbeiten wollte. Falls sich jemand angesprochen fühlt, könnt ihr euch persönlich bei uns melden oder auch gerne eine E-Mail schreiben (info@einfach-biblisch.de). Wir würden uns sehr freuen, wenn sich neue Leute fänden, die mithelfen würden, diesen Blog am Leben zu erhalten. Es wäre uns eine große Freude, wenn sich regelmäßige Mitschreiber fänden, aber auch einzelne Beiträge sind gern gesehen. Gottes Segen bis dahin. Eure Lisa ♥ Foto von masahiro miyagi auf Unsplash

  • Vielen Dank im Voraus

    Habt ihr schonmal von dem Film „A Week Away“ gehört? Der Film ist mehr oder weniger die christliche Version von Camp Rock. Wer von euch auch Camp Rock nicht kennt, hat damit jetzt offiziell preisgegeben, nicht Teil der Zielgruppe zu sein.😉 A Week Away ist vor ein paar Jahren bei Netflix im Programm erschienen. Es geht um ein christliches Sommercamp und die teilnehmenden Jugendlichen. Es wird gesungen – sowohl bekannte christliche Pop-Songs als auch eigens für den Film geschriebene Lieder und man begleitet die Protagonisten nicht nur durch die typischen Dramen, sondern auch dabei, wie sie im Glauben wachsen bzw. zum Glauben finden. Vor Kurzem bin ich durch Zufall darauf gestoßen, dass es mittlerweile auch eine gleichnamige Serie gibt, die von Angel Studios produziert wurde. (Das gleiche Unternehmen, das auch die ersten Staffeln der Serie „The Chosen“ produziert hat, die sicherlich einige von euch kennen und die vermutlich in der Leserschaft hier deutlich mehr Menschen anspricht als eine Teen-Drama-Musical-Serie.) Angesehen habe ich mir die Serie (noch) nicht, aber zumindest in den Soundtrack habe ich schon einmal reingehört und bin dabei an einem Lied hängen geblieben, das mich zum Nachdenken angeregt hat. Das Lied trägt den Titel „The Hell of it” und es geht darum, Gott nicht nur für die guten Dinge zu danken, sondern auch für die schlechten Zeiten, aus denen erst noch Gutes erwachsen muss. Ein Dankgebet zu sprechen, schon bevor das Gute eingetreten ist, für das man danken will. Hört gerne einmal rein, um euch mit dem Thema vertraut zu machen. In der Serie wird der Song als Mash-Up mit dem bekannten Kirchenlied „It Is Well with My Soul“ verwendet. Der Song hat mich erneut darüber nachdenken lassen, wie sich der Aufruf von Paulus aus dem ersten Brief an die Thessalonicher in der Praxis umsetzen lässt: „Sagt in allem Dank! Denn dies ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ (1. Thessalonicher 5,18) In allem oder für alles? Dankbar zu sein in allen Phasen unseres Lebens ist oft schwerer als gedacht. Krankheiten, Verluste, Verletzungen, Ängste – wie soll man dafür Dankbarkeit empfinden? Ich denke, es macht Sinn, dass der Vers nicht davon spricht, dass wir für alles dankbar sein sollen, sondern in allem. Die Menge-Übersetzung spricht sogar etwas spezifischer davon, dass wir „in jeder Lage“ Dank sagen sollen. Das ist auch das Verständnis, das ich für diesen Vers habe und versuche zu leben. Denn auch in Zeiten, die belastend und schwer zu ertragen sind, gibt es Dinge, für die wir dankbar sein können. Nicht zuletzt das Wissen, dass Gott auch in diesen Zeiten bei uns ist und uns unterstützt. Der Inhalt des Lieds aus der Serie geht aber in dem Verständnis noch ein Stück weiter. Hier wird vorgeschlagen, Gott auch für die schlechten Dinge zu danken – schon bevor man das Gute in der Situation erkennen kann. Ein Dankgebet wie ein Danke im Voraus. Anspruchshaltung vs. Vertrauen Ich muss zugeben, dass der Gedanke mir erst einmal fremd war. Nicht aus jeder Situation wächst etwas Gutes hervor. Nicht für jede Krankheit gibt es Heilung. Wie kann ich davon ausgehen, dass ich in Zukunft Danke sagen möchte für eine positive Wendung, die vielleicht gar nicht eintritt? Ein „Vielen Dank im Voraus“ geht davon aus, dass etwas kommt, von dem ich nicht immer ausgehen möchte, dass es mir zusteht. Aber zeigt sich darin meine Demut oder zeigt sich darin mein mangelndes Vertrauen in Gottes Wirken? Was das Lied versucht herüberzubringen, ist keine Anspruchshaltung, sondern vielmehr eine Übung darin, Vertrauen zu haben. Darauf zu vertrauen, dass Gott etwas Gutes aus etwas Schlechtem machen kann. Dass er in all den negativen Erfahrungen bei uns ist, auch dann, wenn wir es nicht spüren. Dafür Danke zu sagen noch bevor uns klar wird, wofür genau, ist vermutlich tatsächlich eine gute Übung, um den eigenen Blick zu schärfen. Es kann dabei helfen, die Positiven Dinge im Schlechten zu erkennen und ein Rückversicherung an uns selbst sein, dass auch dann Dankenswertes geschieht, wenn wir es (noch) nicht sehen können. Dankbar zu jeder Zeit Am Ende ist es vermutlich Wortklauberei, sich zu sehr darin zu verstricken, wie wir unsere Gebete formulieren. Trotzdem hat mich dieses Lied in der letzten Zeit begleitet und konnte eine Anregung für mich sein, mich erneut damit auseinanderzusetzen, wie ich den Vers aus Thessalonicher in meinem Leben umsetze. Trotzdem ist es mir wichtig, noch einmal zu sagen, dass ich nicht denke, dass man für alles dankbar sein muss, was einem geschieht. Vielmehr gibt es tatsächlich zu jeder Zeit Dinge, für die wir dankbar sein können. Das ist ein Unterschied und vielleicht auch ein Unterschied, der nicht beim ersten Hören des Songs wirklich klar wird. Ich denke, es gibt verschiedene Wege, unseren Blick zu schärfen für all die Dinge, für die wir Dankbarkeit empfinden können und uns im Vertrauen zu üben. Gott schon für das Schlechte zu danken, bevor uns das Gute bewusst wird, ist vielleicht einer davon. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht, ob ich das so in meinen Gebeten leben werde, aber es auszuprobieren kann bestimmt nicht schaden. Wie ihr merkt, habe ich keine wirklich abschließende Meinung dazu. Trotzdem fand ich den Gedankenanstoß, den das Lied mir geliefert hat, teilenswert und wollte ihn daher an euch weitergeben. Vielleicht mag der ein oder andere ja seine eigenen Gedanken dazu in den Kommentaren teilen. Ich wünsche euch allen in jedem Fall eine schöne Woche, die hoffentlich von Dankbarkeit geprägt sein wird. Vielleicht können wir uns vornehmen, in dieser Woche noch neue Dinge zu entdecken, für die wir ebenfalls dankbar sein können, auch wenn wir sie bisher nicht auf dem Schirm hatten. Ich bin mir sicher, davon gibt es mehr als wir denken. Bis zum nächsten Mal! Eure Lea

  • Gott führt! – führt Gott?

    Liebe Leserinnen und Leser, heute stehe ich noch voll unter den Eindrücken des vergangenen Urlaubs. Wir, meine Frau und ich, haben einiges erlebt und am Ende habe ich das Gefühl, dass Gott uns geführt hat, unmerklich und mit sanfter Hand. Wieder einmal Erlebnisse, die so wunderbar zu leben – einfach – biblisch passen. Urlaubsplanung In diesem Jahr haben wir es nicht geschafft uns um die Urlaubsplanung zu kümmern. Keine Verabredung zum Austausch und zum Planen. Am Ende hatte jeder für sich ein paar Ideen, aber nichts Konkretes. Die Zeit verging und der Urlaub stand vor der Tür. Auf einen Zeitpunkt hatten wir uns am Anfang des Jahres geeinigt. Was tun? Zuhause bleiben? Nein, da gab es zu viele Aufgaben, die einer Erholung zuwider standen. Etwas erleben wäre schon schön. Irgendein Ziel musste her. Nach langem Hin und Her einigten wir uns darauf, mit dem Auto zum Konzert nach Nürnberg zu fahren. Für alle Fälle waren unsere Kajaks im Gepäck. Übernachtungen sollten spontan von unterwegs gebucht werden. Nur die erste Station, die Juhe in der Burg zu Nürnberg buchten wir ein paar Tage vor dem Start. Die Fahrt ins Blaue begann. Erst gestern wurde mir klar, dass dieses Urlaubskonzept so gar nicht zu dem allgemeinen Gefühl der Angst vor der Zukunft und vor dem Wohlstandsverlust passt, das sich gerade in unserer Gesellschaft ausbreitet. Nürnberg Die Fahrt durch Deutschland war schön. Da es sehr heiß war, verbrachten wir unsere erste Pause (spätes Frühstück) an einem Bach in einem Wald am Rande des Harzes. Google Maps machts möglich, solche Plätze während der Fahrt zu finden und anzusteuern. Für unser E-Auto mussten wir später eine Ladepause einlegen. Auch dabei sehen wir immer wieder Orte, die wir sonst nicht ansteuern würden. Oft empfinde ich das als Bereicherung. Sonnenaufgang durch ein Fenster der Juhe-Burg in Nürnberg Nürnberg war schön. Die „Juhe“ besonders und das Konzert „Stars im Luitpoldhain" war großartig. Unter anderem spielte die Gruppe Mezzoforte aus meiner Jugendzeit. Als meinen persönlichen Höhepunkt spielten sie den Hit „Gardenparty“ aus den frühen 80ern (1983). Da gab es für mich kein Halten mehr … . Stars im Luitpoldhain Um die Besonderheiten Nürnbergs (Unterwelt, Straßenzug mit den wenigen ursprünglichen Häusern, Einkaufsmeile, Eis, Mezze) noch auszukosten, blieben wir noch ein paar Tage. Die Straße mit den alten Häusern in Nürnberg Zwischendrin stimmten wir als nächstes Ziel den Ammersee ab und suchten eine Unterkunft. Das stellte sich als relativ schwierig dar. Ganz Bayern war anscheinend im Urlaub und eine erschwingliche Unterkunft nicht zu finden. Wir wollten schon aufgeben. „Lass uns nach Norden fahren, da werden wir mehr Glück haben“. Im letzten Moment sah ich ein Zimmer, das noch zu haben war. Der Preis stimmte und ich buchte. Weiter gings. Ammersee On the road again - Am Stadtrand von Nürnberg machten wir Halt beim „Führer“, „Reichsparteitagsgelände“. Ein unangenehmer Ort, der gerade saniert wird. Fand ich sehr zweifelhaft. Warum werden da Millionen verbaut? Gezielt verfallen lassen kann eine Alternative sein. Naja!? Da sich in Bayern sehr viel um Bier dreht und wir schon einige Sorten probiert hatten, entstand die Idee, durch das Hallertau zu fahren, das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt, nordöstlich von München. Wir querten die Donau und entdeckten eine weitere Attraktion. Das Kloster Weltenburg am mystischen Donaudurchbruch. Das Kloster Weltenburg von der Donau aus gesehen Mit einem kleinen Motorboot konnten wir mit anderen Besuchern diesen Donauabschnitt bestaunen. Klasse. Und das Hopfengetränk mundete auch. Bootsfahrt durch den Donaudurchbruch Kurz vor dem Ammersee kontaktierte ich unseren nächsten Gastgeber per Smartphone. Er gab uns den Tipp, die Sonnenfinsternis an der Ostseite des Sees zu beobachten. Danach könnten wir am späten Abend das Zimmer einnehmen. Wirklich freundlich und zugewandt. Das Naturschauspiel ließen wir auf uns wirken. Und ein Sprung ins warme Nass war auch schon drin. Die Sonnenfinsternis am Ammersee Unsere Gastgeber waren besondere Menschen und schon allein eine Reise wert. Ute, 89 Jahre und Besitzerin des Hauses, führte die Pension gemeinsam mit Herbert, Anfang 70. Sie wohnte im Nachbarhaus, er an der anderen Seite des Sees. Tagsüber waren beide mindestens einmal im Haus und schauten nach den Gästen. Es gab zwei Gästezimmer mit gemeinsamem Wohnzimmer, Küche, Bad und Garten. Wir hatten es wirklich gut getroffen. Von hier machten wir Ausflüge an und mit unseren Kajaks auf den See. Herrlich, wie das Wetter. Der Ammersee und das Boot Der eigentliche Grund für die Wahl des Ammersees war der „Sommer des Baguettes“, den ich ausgerufen hatte. Eine verrückte Idee, die dazu führte, dass wir in diesem Jahr einmal die Besonderheiten des Baguettes untersuchten. Beim „Googlen“ entdeckte ich das „Franz Baguette“. Es ist ein „Verrückter“, der sich im Alter auf die Suche nach dem perfekten Baguette gemacht hat. Seine Erzeugnisse werden in zwei Bioläden in der Nähe seines Standortes angeboten. Wir bestellten dort eine Auswahl seines Könnens und fuhren am nächsten Morgen zum Einkauf. Wir trafen einen sehr netten Ladenbesitzer, der uns die Baguettes und noch einige Zutaten für die folgende Probierzeit an dem Tisch vor dem Laden verkaufte. Der Weg hat sich gelohnt. Die leckersten Baguettes des Sommers aßen wir hier. Ich hinterlegte eine „LEB Blog Visitenkarte“ als Dankeschön für Franz bei dem Ladner. Nach einem Blick auf die Karte kommentierte er , das kleine Dinge manchmal etwas Großes hervorbringen. Franz Baguette vor dem Bioladen Wir genossen die Tage am See, und beschlossen sehr bald, dass wir auch hier noch ein paar Tage ran hängen möchten. Mit Herbert vereinbarten wir 4 Tage Nachschub. Leider mussten wir von Samstag auf Sonntag das Zimmer verlassen. Beide Zimmer waren für einen Tag an eine Familie vergeben. Für diesen Zwischentag sollten wir aber auch eine Lösung finden. Am Abend nach unserer Buchung erreichte uns die Nachricht, dass meine Schwiegermutter im Krankenhaus sei. Sie lebt in der Nähe der Familie meines Schwagers. Dieser war gerade auf dem Weg in seinen Urlaub. Schnell kam die Frage auf, was zu tun sei. Sollte er seinen zweiwöchigen gebuchten Urlaub abbrechen? Wir boten an, unseren nicht verplanten Urlaub mit einem Besuch bei der Schwiegermutter fortzusetzen. Der Bruder mit seiner Familie solle seinen Urlaub wie geplant durchführen. Das hieß, dass die Mutter ein paar Tage im Krankenhaus aushalten müsse und dann von ihrer Tochter besucht wird. Zwischenzeitlich kümmerten sich Glaubensgeschwister um sie. Vielen herzlichen Dank dafür an dieser Stelle. Die nächsten Tage waren wir immer mit Gedanken bei der Kranken. Der Urlaub war die Ablenkung. Den Pensions-Pausentag füllten wir mit einem Besuch an den Alpenrand am Karwendelgebirge. Hier trafen wir eine Freundin, die dort gerade mit ihrem Kleinstwohnwagen campte. Der kleine Wohnwagen Eine Nacht, halb unter dem Vorzelt, halb unter dem Sternenzelt, auf den Liegen und unter den Decken unserer lieben Ute (Pensionsleiterin). Was für eine Gastfreundschaft. Die Bergaussicht war wunderbar und der kleine See im Naturschutzgebiet lud zum baden ein. Wetterstein Gebirgszug? Schwimmen im Barmsee Hier müssen wir nochmal etwas länger Urlaub machen! Die nächsten Tage flogen dahin. Ausgiebiges selbstgemachtes Frühstück im Garten. Auf dem Ammersee mit Blick auf das Albenpanorama Einmal Frühschwimmen mit Sonnenaufgang. Paddeln und Schwimmen im Wörthsee mit Karibikwasser. Einkehr im Kloster Andechs, noch mehr Bier 😉und zünftiges Essen. Schafe in der Nähe des Kloster Andechs Karibikflair am Wörthsee Aussicht von unserem Pensionsort auf den Ammersee. Im Hintergrund das Kloster Andechs Kofferpacken und Abschiednehmen von diesen besonderen Menschen. Krankenhaus Eine Idee für den Rückweg in den Norden war eigentlich ein Abstecher zu einer neu eröffneten Seenlandschaft im Osten der Republik. Stattdessen war das Ziel nun Plochingen bzw. das Krankenhaus in der nächsten Stadt. Dort besuchten wir die Mutter. Es ging ihr leider immer noch nicht besser, sodass sie auf anraten der Ärzte noch bleiben sollte. Wir richteten uns erst einmal im Gästezimmer des Schwagers/Bruders ein. Ferienwohnung Deluxe. Und auf einen täglichen Besuch im Krankenhaus zur Unterstützung und zur Zerstreuung der Kranken und auf ein Gespräch mit der Ärztin bzw. des Arztes. Die Zwischenzeiten des Tages nutzten wir für Besuche der nahegelegenen Schwäbischen Alb und für Verabredungen mit lieben Geschwistern im Glauben. Die hatte ich lange nicht gesehen und das Wiedersehen war sehr emotional und vertraut. Vielen Dank für diese Zeit. Blick auf den Albtrauf bei Bad Übergingen Weg zum Bergrutsch am Hirschkopf südlich von Mössingen Alptrauf bei Weilheim an der Teck - südöstlich. Im Vordergrund die Limburg auf einem Vulkan Berg. Wir stehen auf dem Engelsburger Aussichtspunkt. Leider konnte während unserer Besuchszeit keine Besserung des Krankheitsverlauf verkündet werden. Wir konnten die Patientin nicht nach Hause bringen, so wie wir es uns in unseren Gedanken vorgestellt haben. Ihr keinen schönen Neuanfang in ihrer Wohnung ermöglichen. Die Unterstützung der Freunde in ihrer Nähe war verabredet und der Bruder sollte am kommenden Sonntag wieder daheim sein. So verabschiedeten wir uns am Abend von ihr und traten am nächsten Morgen den Heimweg an. Auf dem Rückweg wünschte ich mir einen Besuch (Umweg von ca. 100 km) im Skulpturenpark von dem christlichen Sänger und Komponisten Siegfried Fietz. Das war eine schöne Erfahrung. Und der Künstler war sogar selbst dort und führte uns persönlich durch den Park und erzählte seine Gedanken zu den Ausstellungsstücken. Absolut sehenswert. Erklärungen des "Gärtners" 😉 Ausschnitt der Kugel aus dem vorigen Bild. Ein Wortspiel - L = Leben t = Tod, dazwischen ... Die sogenannte Himmelsleiter Gott führt! – führt Gott? Fundstück auf der Reise Zurück zu Hause wurde mir bald klar, dass unser Urlaub geführt war. Jetzt hatte ich eine Antwort auf unsere Planlosigkeit. Diese Unfähigkeit gemeinsam den Inhalt zu gestalten und abzustimmen, ärgerte mich schon immer wieder. Doch nur so konnten wir unseren Weg ohne Probleme zur Schwiegermutter leiten. Es ist so als hätten Gott und Jesus das genauso geplant. Irgendwie sogar mit uns. Denn die Zielorte kamen schließlich von uns. Die Gedanken auch. Bei den Auslösern, die zu diesen Wünschen führten, bin ich mir nicht sicher. Warum Sommer der Baguettes? Und warum legt die Freundin ihre Reise in unsere Nähe? Wie sind wir nochmal auf das Konzert in Nürnberg gestoßen? Auch eine längere Geschichte. Natürlich kann ich die Frage nach der Führung Gottes nicht eindeutig beantworten. Als Christ schließe ich diese Möglichkeit in mein Leben ein. Bin deshalb offen und sensibel dafür. Gott hat uns geführt! So haben Gott und Jesus für die kranke Mutter und Schwester im Glauben gesorgt. Wir konnten für sie da sein und etwas unterstützen. Auch ihre Nächsten konnten wir damit etwas entlasten, sodass sie neue Kraft schöpfen konnten, für die Zeit, die kommt. So ist Gott! Er ist unser Herr für immer und ewig; allezeit wird er uns führen.  (Psalm 48,15) In diesem Sinne, vertraut auf Gott und Jesus. Ingo Anmerkungen und Fragen könnt ihr als Kommentar eintragen. Oder gern auch direkt an mich: ingo@einfach-biblisch.de Ingo Tauchert Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel.

  • Wahrheit

    Immer wenn ich auf Instagram unterwegs bin, merke ich danach, in welcher "Bubble" ich mich eigentlich bewegt habe und wie der Algorithmus sich langsam aber sicher meinen Alltag beeinflusst. Ich scrolle durch Beiträge, schaue Shorts und lese manchmal auch die Kommentare. Und oft bin ich wirklich erschrocken. Über die Respektlosigkeit. Über die Härte. Und darüber, wie schnell sich Menschen persönlich angegriffen fühlen, nur weil jemand etwas anders macht oder anders denkt. Obwohl der Beitrag an sich vielleicht gar nicht beleidigend war. Einfach eine andere Meinung. Warum fällt es uns eigentlich so schwer auszuhalten, dass andere Menschen anders denken oder anders leben? Und dann diese ganzen "Shorts". Noch eins. Und noch eins. Und noch eins. Nach 30 Minuten bin ich so reizüberflutet, dass ich gar nicht mehr weiß, was davon eigentlich für mein Leben relevant war. Ich bin gleichzeitig voll und leer. Voll mit Informationen und irgendwie trotzdem leer, weil ich die ganzen Informationen nicht auf einmal sortieren kann. Und manchmal stelle ich danach sogar meine eigene Lebensweise infrage. Mache ich das richtig? Müsste ich etwas anders machen? Lebe ich eigentlich so, wie ich leben möchte? Und plötzlich bin ich verwirrt und verunsichert. Ich weiß gar nicht mehr so richtig: Was ist eigentlich wahr? Und was ist falsch? Diese Haltlosigkeit merke ich inzwischen nicht nur auf Social Media. Auch im Alltag. Es gibt so viele Möglichkeiten. Eigentlich ist das etwas Schönes. Wir können unseren eigenen Weg gehen. Wir können vieles selbst entscheiden. Wir können der Mensch sein, der wir sein möchten. Aber manchmal finde ich genau das auch unglaublich anstrengend. Denn woher weiß ich, welcher Weg der richtige ist? Und dann gibt es noch meine nächste "Bubble" im "richtigen" Leben. Meine Gemeinde. Ich mag unsere Zusammenkünfte wirklich sehr gerne. Meistens sind sie für mich schön und erbauend. Bis es manchmal um Politik oder Krieg geht. Dann bin ich teilweise wirklich schockiert, wie über einzelne Menschen oder ganze Menschengruppen gesprochen wird. Oft sehr negativ. Oft sehr einseitig. Und vielleicht kommt auch hier ein Teil davon aus Angst. Denn wer möchte schon, dass sich die Welt, die sich bisher einigermaßen sicher angefühlt hat, plötzlich verändert? Ich frage mich manchmal, ob es nicht auch eine gewisse Verbindung schafft, wenn man sich gemeinsam über andere aufregt. Wenn andere Menschen zu „Unruhestiftern“ gemacht werden. Dann gibt es plötzlich ein „Wir“ und ein „die“. Und vielleicht gibt uns das sogar ein Gefühl von Sicherheit. Dazu kommt, dass viele von uns die gleichen Medien konsumieren. Wir hören die gleichen Nachrichten. Wir bekommen die gleichen Informationen. Wir hören die gleichen Erklärungen. Deshalb spreche ich auch von einer „Gemeindebubble“. Aber was ist, wenn das, was wir dort konsumieren, gar nicht immer aus Fakten besteht? Was ist, wenn wir etwas für wahr halten, weil wir es einfach immer wieder hören? Das beschäftigt mich. Denn gerade in den letzten Jahren fällt es mir persönlich immer schwerer, richtige und falsche Informationen zu unterscheiden. Heute kann man vieles so auslegen, wie man möchte. Auch Forschungsergebnisse oder wissenschaftliche Studien können so dargestellt werden, dass sie zum eigenen Weltbild passen. Das verunsichert mich und deshalb stelle ich viele Informationen infrage. Gleichzeitig habe ich durch mein Studium einen kleinen Vorteil. Ich habe gelernt, wissenschaftliche Arbeiten und Statistiken zu hinterfragen. Quellen nachzuvollziehen. Zu schauen, woher eine Information eigentlich kommt. Ich habe gelernt, Korrelationen und Kausalitäten zu unterscheiden. Also nicht einfach davon auszugehen, dass zwei Dinge miteinander zusammenhängen, nur weil sie gleichzeitig passieren. Das hilft mir. Aber es ist auch Arbeit. Und je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr merke ich: Es ist gar nicht so einfach, Wahrheit zu erkennen. Und vielleicht streben wir deshalb alle so sehr nach Sicherheit. Wir möchten wissen, was richtig ist. Wir möchten wissen, wem wir vertrauen können. Wir möchten wissen, was morgen passiert. Wir möchten, dass unsere Kinder sicher aufwachsen. Wir möchten einen festen Boden unter den Füßen haben. Vielleicht ist genau das auch ein Grund dafür, warum wir uns so gerne in "Bubbles" bewegen. Dort sind Menschen, die ähnlich denken wie wir. Dort bekommen wir Bestätigung. Dort ist die Welt ein bisschen übersichtlicher. Aber vielleicht liegt genau darin auch eine Gefahr. Denn wenn wir immer nur das hören, was wir sowieso schon glauben, merken wir irgendwann vielleicht gar nicht mehr, dass es auch andere Sichtweisen gibt. Ich glaube nicht, dass wir jede Meinung gut finden müssen. Aber vielleicht können wir wieder lernen zuzuhören. Fragen zu stellen. Auszuhalten, dass jemand anders denkt. Und vielleicht dürfen wir manchmal einfach sagen: „Ich weiß es nicht.“ Ich finde, das ist gar keine Schwäche. Vielleicht ist es sogar ein Zeichen von Ehrlichkeit. Und bei all dieser Unsicherheit gibt es manchmal kleine Geschichten, die mich wieder daran erinnern, dass die Welt nicht nur aus schlechten Nachrichten besteht. Vor ein paar Tagen habe ich im Auto eine Geschichte im Radio gehört. Zwei Frauen hatten sich auf der Autobahn in einem zehnstündigen Stau kennengelernt. Sie haben sich richtig gut verstanden. Aber leider haben sie keine Kontaktdaten ausgetauscht. Eine der beiden wollte die andere gerne wiederfinden und hat deshalb versucht, sie über das Radio ausfindig zu machen. Und tatsächlich hat es funktioniert. Eine Bekannte der anderen Frau hat die Nachricht gehört. Und plötzlich wurden die beiden Frauen live im Radio wieder zusammengeführt. Ich fand das so schön. Es war für mich wirklich ein Gänsehaut-Moment. Und ich habe mich so sehr für die beiden gefreut, weil sie sich auch so sehr darüber gefreut haben, sich wiedergefunden zu haben. Solche Geschichten erfüllen mich. Sie machen mich dankbar. Vielleicht, weil sie mich daran erinnern, dass es eben nicht nur das gibt, was wir jeden Tag in den Nachrichten sehen. Es gibt auch das Gute. Es gibt Menschen, die sich begegnen. Menschen, die füreinander da sind. Menschen, die helfen. Menschen, die sich wiederfinden. Es gibt Freundlichkeit. Es gibt Hoffnung. Und vielleicht sollten wir dem auch wieder mehr Raum geben. Denn ja, die Menschheit kann böse sein. Das möchte ich gar nicht schönreden. Aber wir können uns trotzdem jeden Tag neu für das Gute entscheiden. Wir können ein Licht sein. Wir können freundlich sein. Wir können zuhören. Wir können Menschen nicht sofort in Schubladen stecken. Wir können uns gegen Hass entscheiden. Und vielleicht steckt genau das auch an. Mein Glaube an Gott und an seinen Sohn Jesus hilft mir dabei enorm. Denn wenn sich die Welt für mich manchmal haltlos anfühlt, gibt mir mein Glaube einen festen Punkt. Ich versuche deshalb, mir bewusst Zeit zu nehmen, dankbar zu sein. Mich nicht nur auf die schlechten Nachrichten zu konzentrieren. Nicht alles zu konsumieren, was mir angeboten wird. Und mich immer wieder zu fragen: Was ist wirklich wichtig? Wie möchte ich mit anderen Menschen umgehen? Was würde Jesus tun? Ich habe nicht auf alles eine Antwort. Ich weiß auch nicht immer, was richtig und was falsch ist. Aber ich weiß, an wem ich mich orientieren möchte. An Jesus. Nicht an meiner Social-Media-Bubble. Nicht an meiner Gemeinde-Bubble. Nicht an der lautesten Meinung. Sondern an ihm. Vielleicht bedeutet Wahrheit für mich deshalb gar nicht, auf alles eine Antwort zu haben. Vielleicht bedeutet Wahrheit auch, zu wissen, wo ich meinen Halt finde. Und wenn um mich herum alles laut, schnell und verwirrend wird, möchte ich mich daran erinnern: Ich muss nicht alles wissen. Ich muss nicht alles sehen. Ich muss nicht jede Meinung kennen. Ich darf innehalten. Ich darf hinterfragen. Ich darf meine Meinung verändern. Ich darf sagen: „Ich weiß es nicht.“ Und ich darf mich immer wieder neu an Jesus orientieren. Vielleicht beginnt Wahrheit manchmal genau dort. Wenn wir aufhören, unbedingt Recht haben zu müssen. Und anfangen, ehrlich zu suchen. Nach Wahrheit. Nach Gutem. Nach Hoffnung. Und nach dem, was wirklich trägt. Liebe Grüße, Freya Rise up and shine!

  • Das ist privat!

    Wie so oft möchte ich heute mit einer Frage starten (ausnahmsweise mal bewusst an jede/n Einzelne/n gerichtet): Wie viele Geschwister in deiner Gemeinde führen deiner Meinung nach ein besseres, gottgefälligeres, Jesus ähnlicheres Leben als du? Hat euch so eine ähnliche Frage auch schon mal beschäftigt? Falls nein: Herzlichen Glückwunsch zum Erreichen von Selbstannahme-Stufe 10! Leider bin ich da noch nicht angekommen … und wenn ich mich so umhöre, bin ich damit glaube ich nicht ganz allein. Ich vermute, dass es eher wenige unter uns gibt, die nicht zum Beispiel schon einmal dachten: Der hat sein (Glaubens-)Leben besser im Griff als ich … Die liest viel mehr in der Bibel als ich … Ich sollte auch so ein aktives Gebetsleben haben … Woher nimmt er die Energie diese ganzen Jobs in der Gemeinde zu erledigen? Warum kommen deren Kinder regelmäßig mit in die Gemeinde und meine nicht? Sie war schon in drei Ländern und hat dort Schulen für Bedürftige gebaut … und ich? Ich würde auch gern so offen auf der Arbeit über meinen Glauben sprechen wie er … Die Liste könnte noch ewig weitergehen. Ich zumindest erwische mich immer mal wieder dabei, solche Gedanken zu denken. Manche strahlenden Persönlichkeiten in meinem Umfeld lassen mich immer wieder staunen – und dann ernüchternd feststellen: Bei mir läuft es leider nicht annähernd so toll. Manch einer hat einfach so eine starke Beziehung zu Gott … der lästert bestimmt nicht heimlich über seine Kollegen oder verurteilt heimlich die Lebensentscheidungen seiner Freunde oder guckt fremden Frauen in der Stadt hinterher … Aber dann lesen wir, wie Gott die Menschheit einschätzt: „[…] denn das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an; […]“ (1. Mose 8,21) Und selbst Paulus schreibt über sich selbst: „Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht. Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ (Römer 7,18-19) Und eine Aussage Jesu zum vermeintlich guten Lebenswandel ist sogar in den alltäglichen Sprachgebrauch übergegangen: „Der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach.“ (Markus 14,38) Leben also tatsächlich viele meiner Geschwister ein viel besseres (Glaubens-)Leben als ich? Wahrscheinlich nicht. Bin ich, der gefühlt nichts auf die Kette kriegt und nicht annähernd so perfekt lebt, wie er es sich eigentlich wünschen würde, Teil einer sehr kleinen Minderheit? Wahrscheinlich nicht. Wäre es denn überhaupt schlimm, kein perfektes Leben zu führen? Nein! Genau um dieses Problem geht es ja im christlichen Glauben (deshalb dreht sich ja alles um Schlagworte wie: Gnade, Vergebung, Trost, …). Aber warum machen wir es uns dann trotzdem oft so schwer? Woher kommen diese vergleichenden Gedanken und woher die Vermutung, dass es bei anderen viel besser läuft? Und warum müssen wir überhaupt oft so viel vermuten und wissen so wenig darüber, wie es bei den anderen läuft? Warum fällt es uns so schwer, gerade mit unseren Glaubensgeschwistern einfach offen darüber zu reden, was alles nicht rund läuft in unserem (Glaubens-)Leben? Ist da am Ende trotzdem noch eine gewisse innere Hürde, eine Angst, zu erfahren, dass es bei allen anderen tatsächlich besser läuft? Oder eine Angst, dass meine Geschwister abschätzig auf mich herabblicken würden, wenn bekannt würde, was ich schon so angestellt habe im Leben oder womit ich mich immer und immer wieder schwertue? Wäre es nicht richtig heilsam, wenn wir alle mal komplett offen und ehrlich sein könnten? Aber ohne Angst haben zu müssen, uns komplett bloßzustellen und verletzt zu werden? Wie wäre es, wenn man erfahren könnte, wie viele andere eigentlich dieselben Probleme, geheimen Ansichten oder Wunden aus der Vergangenheit haben? Aber am besten ganz anonym, damit auch wirklich jeder sich trauen kann, die Maske fallen zu lassen? Was würdet ihr sagen, wenn ich behaupte: Ich habe eine Möglichkeit dafür gefunden! Und sie hat absolut keinen christlichen Ursprung! 😉 Es war ausgerechnet auf einer eher konservativen Gemeindefreizeit vor ca. 10 Jahren, dass ich das erste Mal über eine wirklich pfiffige Lösung für dieses ewige Problem der ganzen schambehafteten Fassaden gestolpert bin. Es war bereits Abend und wir saßen als eine kleine Gruppe junger Erwachsener zusammen, die gerne mal abschalten und was Entspanntes machen wollten. Jemand hatte gesehen, dass es an der Rezeption der Jugendherberge Brettspiele auszuleihen gab. Aber welche Spiele kann man schon mit 8 Personen spielen? Und wer hat Lust nach einem vollen Tag noch eine lange Spielanleitung zu lesen? Nicht sehr zuversichtlich ging ich zur Eingangshalle und stellte mich vor die beachtliche Sammlung Kartons aller Größen und Farben. Ich scannte jede Box nach den kleinen Icons ab, die angeben, für welche Gruppengröße und Altersklasse das Spiel gedacht ist. Plötzlich blieb mein Blick an einem Karton hängen: Bis zu 10 Spieler. Ab 16 Jahren. Ui … was konnte das sein? Ein Partyspiel, wie sich herausstellte, mit dem provokativen Namen „Privacy“. Davon hatte ich noch nie gehört. Ich sah mir den Karton genauer an. Darauf stand der Untertitel: „Was Sie schon immer über Ihre Freunde wissen wollten … sich aber bisher nicht zu fragen wagten!“. Die meisten hätten es vermutlich direkt wieder zurückgestellt. Zum Glück bin ich aber nicht „die meisten“! 😉 Also nahm ich das Spiel unter den Arm, ging zurück in unseren Gruppenraum (in dem praktischerweise zu diesem Zeitpunkt nur die kleine Gruppe verweilte, die auch gern spielen wollte) und fing an die überschaubare Anleitung zu lesen. Hier sind die Regeln kurz zusammengefasst: Jede/r Spieler/in bekommt einen kleinen Haufen von Holzwürfeln und dazu einen kleinen Schirm aus Pappe, um den Blick auf den Haufen nach Möglichkeit zu verdecken. Im Haufen befinden sich zwei Sorten von Steinen: Orange Steine, die für „Ja“ stehen, und schwarze Steine, die für „Nein“ stehen. Außerdem erhalten alle jeweils eine Drehscheibe, auf der man einen Wert von 0 bis 10 einstellen kann. Nun wird von einem Nachziehstapel in der Mitte eine Karte aufgedeckt und von dieser Karte eine Frage oder eine Aussage vorgelesen. Um ein harmloses Beispiel zu nennen, kann das unter anderem so etwas sein: „Ich denke, der Spieler links neben mir sollte sich eine neue Frisur zulegen.“ Nun geht ein schwarzes Säckchen rum und jede/r Spieler/in wirft einen Stein aus seinem/ihrem Vorrat hinein, je nachdem, ob sie die Frage ehrlich mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten würden. Das geschieht natürlich absolut geheim. Wenn alle ihren Stein und damit ihre Antwort abgegeben haben, folgt der letzte Schritt: Jede/r stellt auf seiner Drehscheibe ein, wie viele „Ja“-Antworten er oder sie im Sack vermutet. Dabei darf man nie 0 oder die Anzahl der Spieler am Tisch tippen, weil die Tipps nachher aufgedeckt werden und man damit über sich selbst preisgeben würde, dass man entweder „Nein“ oder „Ja“ geantwortet hat – es soll ja so anonym wie nur irgend möglich bleiben. Dann folgt der große Moment: Der Sack wird ausgekippt und es gibt Punkte! Wer genau die richtige Anzahl an „Ja“-Antworten getippt hat bekommt 3 Punkte, wer um eins drunter oder drüber lag bekommt einen Punkt, der Rest geht leer aus. Im Sinne des Spiels geht es dann darum, wer auf dem kleinen Spielplan zuerst ins Ziel kommt. Aber ganz ehrlich: Das ist wirklich der uninteressanteste Aspekt des Spiels! Nach diesem Abend habe ich das Spiel gekauft und seither in vielen verschiedenen Runden gespielt – sowohl mit Freunden als auch mit Arbeitskollegen, in meinem Chor und auch mit einigen meiner Geschwister. Und ich muss sagen: Ich bin ein absoluter Fan! Wie ihr euch sicher denken könnt, bleiben die Fragen und Aussagen nicht auf dem Niveau von neuen Frisuren. Selbst ohne Erweiterungs-Packs gibt es bereits mehrere hundert Fragen zu allen möglichen Bereichen. Diese reichen von Themen, die man vielleicht so gerade unter guten Freunden auch mal offen angesprochen hätte, bis zu Themen, die man niemals ansprechen würde – aber eigentlich so gerne die Antworten hören würde! Hier nur ein paar weitere Beispiele: Ich bin schon einmal über einen Zaun geklettert, um Eintritt zu sparen. Ich war schon einmal in psychotherapeutischer Behandlung. Ich könnte mir Sex zu dritt vorstellen. Ich habe schon einmal illegale Drogen genommen. Ich halte Abtreibung für Mord. Ich denke ihr bekommt eine Vorstellung, über was für Themen wir hier sprechen. Das sind dann schon Aussagen, bei denen jeder noch mal extra genau seinen Würfelhaufen abschirmt, damit auch ganz bestimmt niemand sehen kann, zu welcher Farbe man greift! Es sind Themen, bei denen auch ich mich in kaum einer Gruppe wohl genug fühlen würde, sie offen zu besprechen. Leider auch (oder erst recht?) nicht in der Gemeinde. Eigentlich sehr schade … Aber: In fast jeder Runde „Privacy“, die ich bisher gespielt habe, gab es auch mindestens eine Situation, in der plötzlich ein stilles Grinsen und ein fast ohrenbetäubendes Aufatmen durch die Runde ging, als der Sack ausgekippt wurde – nämlich genau dann, wenn eingetreten ist, was laut Regeln niemand tippen durfte: Nur Jas oder nur Neins. Dieser Moment bringt ein Gefühl von Erleichterung, aber auch von Verbundenheit, dass sich kaum beschreiben lässt, wenn man selbst noch nie dabei war. Ich werde nie vergessen, wie wir an jenem ersten Abend vor 10 Jahren die Partie beendet haben, kurz Stille herrschte und dann ohne weitere Worte für alle am Tisch klar war: Wir müssen uns jetzt alle mal in den Arm nehmen! So nah und gleichzeitig geborgen, verstanden und angenommen habe ich mich bei meinen Glaubensgeschwistern selten gefühlt. Wir hatten Dinge übereinander erfahren, über die wir nie gesprochen hätten. Einiges in gegenseitig respektierter Anonymität, anderes (wie in den 100% „Ja“ oder 100% „Nein“ Runden) in unerwarteter Offenheit. Aber wie gesagt: Es gibt kaum ein schöneres Gefühl als diesen Moment des: „Was? Ihr auch alle?!“. Ich vermute, dass das Konzept dieses Spiels einige jetzt sehr neugierig gemacht hat, andere aber vielleicht auch komplett entsetzt und abschreckt. Beides hat seine Berechtigung und beides kann ich absolut verstehen. Ich möchte hier trotzdem eine Lanze brechen für die Idee, viel mehr über unsere privatesten Dinge zu sprechen, gerade in der Gemeinde. Denn viel zu oft haben wir tatsächlich völlig falsche Vorstellungen davon, wie heilig unsere Geschwister so sind – und das zu erfahren, kann sowohl trösten als auch zur Selbstreflexion anregen. Diese Art, anonym zum Teil sehr intime Dinge übereinander zu teilen, kann die Augen dafür öffnen, dass vielleicht viele meiner Geschwister Positionen vertreten, von denen ich dachte, dass sie in unserer Gemeinde nicht vorkämen. Das Spiel kann aber vor allem auch zeigen, dass ich überhaupt nicht so allein mit meinen Fehlern, Gedanken und Erfahrungen bin, wie ich immer dachte. Und darin liegt etwas sehr Heilsames und Tröstendes. Ich persönlich habe eine vergleichsweise niedrige Hemmschwelle über private Dinge zu sprechen. Ich sage mir immer: „Gott weiß bereits alles über mich, und ‚schlimmer‘ als das kann es ja eigentlich nicht werden.“ Ich weiß aber auch, dass ich in dieser Hinsicht etwas besonders bin. Es fällt nicht jedem so leicht, sich zu öffnen, und das führt zum Teil dazu, dass wir über Jahre einen unglaublichen Berg von Scham und Last mit uns herumtragen, der uns nach und nach im schlimmsten Fall erdrücken kann. Das muss aber nicht so sein! Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich auf der letzten Gemeindefreizeit vor einigen Wochen erneut eine kleine Runde an Geschwistern für das Experiment „Privacy“ begeistern konnte. Und siehe da: Wir haben sogar nicht nur einen, sondern gleich zwei Abende lang gespielt, weil auch die anderen begeistert waren von dem Konzept: Endliche mal einen Abend die Fassaden ein kleines bisschen abbauen. Das hat mich auf eine Idee gebracht: Wäre es nicht genial ein „Privacy: Gemeindeedition“ zu haben? Tatsächlich haben wir die Regeln bisher oft ein bisschen dehnen müssen und haben uns Fragen und Aussagen ausgesucht, statt einfach die zu nehmen, die kommen. Viele drehen sich zum Beispiel um das Thema Sex und das ist für einige entweder (noch) gar nicht relevant oder dann doch ein bisschen zu intim. Das Spiel zeigt aber gleichzeitig, dass es auch abseits von Intimität so viele spannende Themengebiete und Fragen gibt, über die wir viel zu wenig reden! Und da das Spiel im Original wie gesagt absolut keinen christlichen Hintergrund hat, kommen einige Fragen gar nicht vor, die besonders im Gemeindekontext super spannend wären! Deshalb habe ich jetzt angefangen, zu sammeln – und ich würde mich freuen, wenn ihr mir dabei helfen könntet! Was sind Fragen (oder Aussagen), auf die ihr super gern mal die Antworten eurer Geschwister hören würdet, nach denen ihr aber nie offen fragen würdet? Ich denke dabei unter anderem an Fragen zu theologischen Positionen. Wer weiß schon, wie divers wir eigentlich insgeheim denken? Oder auch Fragen zum alltäglichen Leben … vielleicht ist eures ja gar nicht so anders als meins? Wenn ihr Lust habt, lasst doch mal ein paar Ideen in den Kommentaren da! Gerne auch anonym. Und natürlich möchte ich hier noch eine Einladung aussprechen: Wenn wir das nächste mal gemütlich zusammensitzen, dann sprecht mich gerne auf eine Runde „Privacy“ an – ich habe das Spiel vermutlich dabei! 😉 Gottes Segen und bis zum nächsten Mal, Euer Daniel Foto von Sander Sammy auf Unsplash

  • Eine Geschichte aus dem Leben

    Falls sich jemand darüber wundert, wie schnell die Zeit vergangen sein muss, wenn ihr schon wieder einen Beitrag von mir lest - keine Sorge, es sind wirklich erst drei Wochen vergangen! Heute wäre eigentlich Ulrike an der Reihe gewesen. Doch nachdem einige von uns schon im Juni eine kurze Sommerpause eingelegt haben, sind es nun Ulrike und Ingo, die sich gerade im Urlaub befinden. Dass ich heute eigentlich gar nicht an der Reihe gewesen wäre, soll aber nicht die einzige Besonderheit an diesem Beitrag sein. Heute möchte ich mal wieder eine Geschichte aus dem Leben mit euch teilen, jedoch ist es dieses Mal nicht meine eigene. Schon vor einiger Zeit hat eine Schwester aus meiner Gemeinde - die liebe Anne - mir eine Geschichte anvertraut, die ich bei Gelegenheit hier veröffentlichen sollte. Nachdem sie nun schon viel zu lange in meinem E-Mail-Postfach geschlummert hat, sollt ihr heute die Gelegenheit bekommen, sie zu hören. Die Geschichte trug sich vor ca. zwei Jahren zu als die Firma, in der Anne beschäftigt ist, ums Überleben kämpfte und - wie nicht wenige Unternehmen in der Baubranche zu dieser Zeit - mit einem Fuß bereits kurz vor der Insolvenz stand. An dieser Stelle bereits ein riesiges Dankeschön an Anne dafür, dass sie diese inspirierende Geschichte mit uns teilt und ein ganz persönliches Dankeschön von mir dafür, dass ich die Ehre haben darf, ihre Geschichte an euch weiterzugeben. Mit dieser kleinen Einleitung verabschiede ich mich nun auch aus diesem Beitrag. Alles, was folgt, sind nicht mehr meine Worte, sondern sie stammen von Anne, der ich hiermit das Mikrofon weiterreiche: Wir saßen zu viert in einem Glaskasten. Zwei Geschäftsführer mit zwei Assistentinnen. Die beiden Geschäftsführer verstehen sich - vorsichtig ausgedrückt - nicht sehr gut bis überhaupt nicht. Nennen wir sie H. und G. H. arbeitet viel, kümmert sich um das Überleben der Firma, sucht Investoren, Wege, damit wir alle unsere Arbeitsplätze behalten, es wieder aufwärts geht. G. arbeitet nicht, hat seine Anteile der Firma geerbt. Im Grunde ist das nicht wichtig. Hautsache der Firma geht es bald wieder gut und damit auch ihren Arbeitnehmern. Für mich waren die letzten Monate in diesem harten Kampf des Überlebens sehr schwierig. Ich habe zwei Positionen im Unternehmen: Teamleiterin vom Personalwesen (HR) und zum zweiten Assistentin vom Geschäftsführer H. Ich verstehe mich auch mit beiden Geschäftsführern sehr gut. Ich möchte keine Zwietracht in unserem Büro haben und hoffe und bete täglich, dass wir es mit Gottes Hilfe schaffen. Beide Geschäftsführer versuchten, mich auf ihre Seite zu ziehen. Funktionsbedingt schlägt mein Herz für H. Er ist mein direkter Chef und er kämpft täglich für den Fortbestand der Firma. Auch Geschäftsführer G. ist ein guter Mensch, aber in der Arbeitswelt sehr verloren. Beide Geschäftsführer hatten im Sommer 2024 einen Plan, wie der Fortbestand der Firma ihrer Ansicht nach möglich wäre. G. teilte mir mit, dass wenn der Plan von H. aufgehen würde, ich ja meinen Job verlieren würde, seine Ansätze wären viel besser etc. Es war ein tägliches, wöchentliches und dann monatliches Tauziehen zwischen den beiden. Alles wurde hoch politisch. Viele Nächte lag ich im Bett, konnte nicht mehr schlafen, habe rund um die Uhr gebetet, gehofft, gebetet. Es gab oft Informationen für neue Hoffnung, einige Tage später war alles wieder dahin. Es ging unendlich an die mentale Substanz. Eines Morgens im Sommer war wieder so ein Moment der völligen Verzweiflung. Schaffen wir es? Geht es weiter? Hält Geschäftsführer H. durch? Es war sehr früh, ich schlief mal wieder sehr unruhig, ich war kurz vor dem Aufwachen, da kam eine Stimme - und es war NICHT MEINE STIMME. Diese sagte zu mir: Anne, jetzt beruhige Dich doch endlich. Alles wird gut. Gott wird entscheiden. Gott wird alles richten. Gott wird führen. Ich habe so etwas noch nie gefühlt. Ich habe schon viel erlebt in meinem Leben, viele schwierige Zeiten. Gott und mein Glaube haben mir immer Kraft gegeben, mir geholfen, diese Phasen zu bewältigen. Nach Dunkelheit kam immer Licht. Aber noch nie habe ich eine „STIMME“ gehört. Ich war völlig perplex. Ich bin langsam aufgewacht, bin aufgestanden, ging ins Bad und schaute in den Spiegel. Habe ich das jetzt geträumt? Das warst doch Du selbst, Deine Gedanken. Aber NEIN: Es waren nicht meine Gedanken, nicht meine Stimme. Ich war ab dem Zeitpunkt sehr viel ruhiger in der Firma. Dieses Erlebnis hatte etwas mit mir gemacht. Ich habe unendliches Vertrauen zu unserem himmlischen Vater, aber dieses Erlebnis hat meinen Glauben noch mehr vertieft. Ich sprach in meiner Gemeinde mit einigen Vertrauten darüber. Ich meinte - und das soll nicht lächerlich klingen - jetzt fehlt nur noch der brennende Dornbusch und ich fühle mich wie Moses. Das habe ich wirklich so gemeint. Ich habe Gott versprochen: Wenn die Firma/ Geschäftsführer H. es schafft, wenn wir weiterhin bestehen und es wieder aufwärts geht, werde ich mein Erlebnis aufschreiben und Euch mitteilen. Und das Versprechen will ich hiermit jetzt einlösen. Wir sind geschäftlich noch nicht über den Berg, aber ich spüre jeden Tag: Gott ist bei mir. Ich kann mir ein Leben ohne meinen Glauben, ohne die tägliche spürbare Kraft Gottes und meinen Freund Jesus nicht vorstellen. Das ist meine kleine Geschichte und das wollte ich unbedingt mit Euch - die mich verstehen - teilen. Liebe Grüße Anne

  • Spiegelverkehrt - die Zweite

    In meinem letzten Beitrag „Spiegelverkehrt“ habe ich mich mit dem Bild beschäftigt, das Paulus benutzt um uns klar zu machen, wie unvollkommen unser Verständnis biblischer „Wahrheiten“ ist (ich mag diesen Begriff überhaupt nicht, weil wir ihn nach meinem Verständnis nie so benutzen, wie ihn die Bibel meint). Selbst wenn der Spiegel, in den wir schauen, noch so präzise und lichtstark ist, ist doch das Bild immer nur ein spiegelverkehrtes Abbild, nie das Ding selbst. Im Augenblick beschäftigt mich sehr stark der Blick in den eigenen inneren Spiegel und ich frage mich, wie viel von dem, was ich da sehe, wohl auch nur ein „spiegelverkehrtes“ Abbild ist und nicht mein eigentliches Selbst? Wie viel von dem ist wohl mehr eine Reflexion (um im Bild zu bleiben) meiner Wünsche und Vorstellungen davon, wer ich gerne wäre ,als ein ehrliches Bild der Wirklichkeit, falls es das überhaupt gibt? Es gibt lange Zeiten, in denen diese Frage irgendwie keine Rolle spielt. Das Leben läuft so vor sich hin. Dinge passieren, es gibt Begegnungen mit Menschen, manchmal Feedback, das irgendwie wohltuend zum Selbstbild passt, nichts was den Einklang mit sich selbst und die Zufriedenheit stört … Und dann gibt es doch immer wieder die Momente, wo das Selbstbild mit dem Bild kollidiert, das andere von mir haben. Solche Momente sind nicht irgendwelche konkreten Diskussionen oder Streitgespräche. Zumeist sind es (zumindest mir geht es so) ganz kleine, plötzliche „Trigger“: nur ein Blick oder ein kurzer Kommentar als Reaktion auf etwas Gesagtes oder eine Handlung. Ein winziger Auslöser, aber die innere Reaktion ist heftig. Es fühlt sich an, als ob der Spiegel des Selbstbildes in tausend Stücke zerspringt. Was bleibt, sind erstmal Scherben. Mir kam dazu eine Begebenheit in den Sinn, die schon weiter zurück liegt, aber für mich sehr treffend diesen Moment des wahrgenommenen Triggers einfängt. Als meine Mutter noch ein eigenes Geschäft für Damenoberbekleidung hatte, kamen wir eines Morgens dort an und fanden eine Seitenscheibe des Schaufensters in Millionen von Scherben zersprungen vor. Wir dachten: wie kann das sein? Das ist doch extra Sicherheitsglas. Wie viel Kraft muss denn da jemand aufgewendet haben, um das zu bewerkstelligen? Die hinzu gerufene Polizei klärte uns dann auf, dass dazu nur ein kleiner Splitter der Keramik einer Zündkerze reiche, um dieses Ergebnis zu erzielen. Nur ein kleiner Splitter … Hier ist ein kleiner Internetbeitrag, der das beschreibt und in einer Zeitlupe sehr eindrucksvoll zeigt: https://www.science.lu/de/beauty-slow-motion/wie-kann-eine-kleine-scherbe-eine-scheibe-zum-platzen-bringen Dieser kleine Splitter und seine Wirkung treffen sehr gut das Gefühl, das ein so kleiner Trigger in der Kollision des Fremdbildes mit dem Selbstbild in mir auslösen kann. Zum Glück sind aber auch diese gefühlten Scherben wohl eher Sicherheitsglas, damit es eben keine größeren Verletzungen gibt. Dennoch bleibt es zunächst immer wieder ein mühsamer Prozess, die Scherben erstmal aufzufegen und das Geschehene zu akzeptieren. Im Augenblick des Zerspringens ist mein erster Gedanke: „Stop! Euer Bild ist falsch!“ Aber das stimmt natürlich nicht. Denn selbstverständlich ist das Bild, das jemand von mir hat eben sein Bild und vermutlich sogar zutreffender als mein eigenes, zumal, wenn es sich um eine Person handelt, die mich schon lange kennt. Wenn man sich etwas intensiver mit dem Thema der Selbstwahrnehmung/ Fremdwahrnehmung beschäftigt (soweit ich das laienhaft kann), stellt man allerdings fest, dass auch so ein Fremdbild zwar vermutlich oft zutreffender aber keinesfalls objektiv ist. Denn auch ein Fremdbild wird wiederum von den Wünschen, Erfahrungen, Enttäuschungen und Erwartungen an meine Person beeinflusst sein. Also alles nur „spiegelverkehrte“ Abbilder statt eines wahren Bildes? Wie kann ich denn dann zu einem zutreffenden Verständnis meiner selbst kommen? Selbstreflexion wird Stückwerk bleiben. Ich könnte alle bitten, die mich lange genug kennen, mir ehrlich zu sagen, wie sie mich sehen. Aber auch, wenn ich das alles richtig sortiert zusammenfüge, bleibt es doch immer hinter dem wahren ICH zurück. Und wenn das so ist, kann ich wohl auch nie so werden, wie ich gerne wäre oder die anderen mich gerne hätten. Dann bleibt also alles Stückwerk? Weder ich noch die anderen, kennen den Menschen Peter Melching wirklich. Aus mir selbst heraus werde ich wohl keine Chance haben, ein besserer Mensch zu werden, weil ich nie wissen werde, was wirklich fehlt. Und wäre ich dann zumindest so, wie die anderen mich gerne hätten? Was für ein Dilemma! Würde ich an diesem Punkt verharren, entspräche das wohl meiner eher depressiven Disposition, die sich immer mal wieder Bahn bricht. Aber – Gott sei Dank! – gibt es einen Ausweg, der beide wesentlichen Fragen beantwortet: 1. Gibt es jemanden, der mich wirklich kennt? HERR, du hast mich erforscht und erkannt. Du kennst mein Sitzen und mein Aufstehen, du verstehst mein Trachten von fern. Mein Wandeln und mein Liegen du prüfst es. Mit allen meinen Wegen bist du vertraut. Denn das Wort ist noch nicht auf meiner Zunge siehe, HERR, du weißt es genau. (Psalm 139, 1-3) 2. Wer hilft mir, der zu werden, der ich sein sollte - oder hat das bereits getan? Denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken über euren guten Willen hinaus. (Philipper 2, 13) Der Gott des Friedens aber, der den großen Hirten der Schafe aus den Toten heraufgeführt hat durch das Blut eines ewigen Bundes, unseren Herrn Jesus, der vollende euch in allem Guten, damit ihr seinen Willen tut, indem er in uns schafft, was vor ihm wohlgefällig ist, durch Jesus Christus, dem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (Hebräer 13, 20-21) Eigentlich ist ja die zweite Frage falsch gestellt! Denn schließlich bin ich doch schon jetzt in Christus eine neue Schöpfung. Ich sollte mich wohl nur öfter mal daran erinnern! Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5, 17) Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen. (Epheser 2, 10) Die Krux an dem „schon jetzt, aber noch nicht“ ist halt: Sorry, dass das nur manchmal durchscheint! Euer Peter!

  • Liebe

    Ich möchte heute mal wieder ein Lied mit euch teilen, das im Moment ganz oben auf der Liste von Liedern steht, die ich sehr gerne mag. Es ist von einer Band, von der ich im März bereits ein Lied geteilt habe (https://www.leben-einfach-biblisch.de/post/hoffnung). Beim letzten Mal ging es um Hoffnung – heute soll es um die Liebe gehen (Glauben haben wir leider übersprungen 😉). Das Lied heißt „Shake The Dust“ von der Band Switchfoot. Es ist erschienen auf dem neuen Konzeptalbum „Forever Now“, das die Frage stellt: Was wäre, wenn es unser letzter Tag auf der Erde wäre? Wie würden wir ihn verbringen? Was wäre uns wichtig? Zum Teil ist es ganz schön tiefgehend, berührend und regt vor allem zum Nachdenken an. Bevor es jetzt aber weiter um den Inhalt geht, könnt ihr gerne erst mal reinhören: Mir gefallen rein musikalisch (neben dem Genre) die Gitarrenriffs, die Dynamik und die Energie des Songs. Das holt mich einfach total ab. Doch auch inhaltlich spricht es mich sehr an. Das Lied fordert uns auf, alten Ballast und Ängste abzuschütteln („shake the dust“), da die Liebe alles überdauern wird („only love outlasts the living“): „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Die grösste unter ihnen aber ist die Liebe.“ (1. Korinther 13,13) Die erste Strophe beginnt auf einem Friedhof. Hier wird klar, dass das Leben endlich ist und alle irgendwann wieder zu Staub werden. In der zweiten Strophe wird es sehr persönlich. Es geht um den Großvater des Songwriters, der im Krieg kämpfte, aber trotzdem nicht nachtragend war. Er sah nur das Gute in den Soldaten – seinen ehemaligen Feinden – und verlor kein böses Wort über sie. Der Refrain fasst das ganze Thema zusammen. Alles auf der Welt ist endlich. Schlechte Dinge und alter Schmerz sollten losgelassen werden. Denn was zählt, ist die Liebe. Sie ist nicht endlich. Sie ist unendlich und auch mit das einzige, was sich vermehrt, wenn man es teilt. Statt an Hass und Vergeltung, sollten wir an Liebe und Vergebung denken. Statt Abgrenzung zu schaffen, sollten wir Gemeinsamkeiten suchen. Und statt an alten, unnützen Dingen festzuhalten, sollten wir den Moment leben und lieben. Denn gerade hier und jetzt sind Menschen, denen wir begegnen und Liebe zeigen können. „Die Liebe ist geduldig. Gütig ist sie, die Liebe. Die Liebe ereifert sich nicht. Sie prahlt nicht und spielt sich nicht auf. Sie ist nicht unverschämt. Sie sucht nicht den eigenen Vorteil. Sie ist nicht reizbar und trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht, wenn ein Unrecht geschieht. Sie freut sich aber, wenn die Wahrheit siegt. Sie erträgt alles. Sie glaubt alles. Sie hofft alles. Sie hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.“ (1. Korinther 13,4-8) Dabei ist die Liebe nicht nur ein Gefühl wie beim „Frisch-Verliebt-Sein“, sondern eine ganz bewusste Einstellung und Handlung. Ich kann mich entscheiden, weiter nachtragend zu sein oder ich kann vergeben. So wie uns der Großvater im Lied ein Vorbild ist für bedingungslose Liebe und Vergebung. Die Liebe steht natürlich im Gegensatz zu Hass, aber auch zu Angst. Vor allem in der heutigen Zeit, in der die Welt oft in Stücke zu fallen scheint, wie es im Refrain (frei übersetzt) heißt („when the world you used to trust, is in pieces all around you“). Denn Hass entsteht oft aus Angst, und Angst resultiert häufig aus Unsicherheit und Kontrollverlust. All das dürfen wir jedoch aktiv abschütteln („shake the dust“) und durch Liebe ersetzen. Liebe verbindet uns miteinander und mit Gott. Sie lässt uns mit anderen mitfühlen, vergeben und Vertrauen aufbauen. Angst hingegen isoliert und lähmt uns. Liebe motiviert uns und schenkt uns Hoffnung. Und genau das ist es, was Jesus uns als das wichtigste Gebot mitgegeben hat: zu lieben (Matthäus 22,36-40). „In der Liebe gibt es keine Furcht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe. Bei dem, der sich fürchtet, hat die Liebe ihr Ziel noch nicht erreicht.“ (1. Johannes 4,18) „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1,7) Wenn also heute mein letzter Tag wäre, was würde ich tun? Meine Antwort ist ganz klar: Ich würde viel mehr von Gottes Liebe annehmen und verbreiten. Denn plötzlich wären auch so viele Dinge, die meinen Alltag ausmachen, unwichtig: die Arbeit, die Wäsche, der Garten, das Geschirr, der Streit zwischen den Kindern, vielleicht eine unschöne Begegnung. All das wäre auf einmal unbedeutend – und alter Ballast erst recht. Mir wären meine Lieben wichtig und die Gewissheit, dass Gott mich liebt, aufnimmt und alles gut wird. Lasst uns also gemeinsam voller Liebe in die neue Woche starten. Lasst uns Gottes Liebe annehmen und sie noch größer machen. Lasst uns vergeben, auch wenn es uns manchmal schwerfällt. Lasst uns einander stärken in der Liebe. Lasst uns Liebe auch in Kleinigkeiten zeigen, zum Beispiel in einem aufmunternden Lächeln oder mit einem offenen Ohr. Lasst uns alles abschütteln, was uns davon abhält, voller Liebe zu sein. Ich habe passend zum Thema letztens eine sehr gute Tasse gesehen: Ich bin selbst kein riesiger Fan von Erdnussbutter, aber ich habe schon mal versucht, sie auf einem Brot zu verteilen und es ist quasi unmöglich, sie dünn zu verschmieren. Nehmen wir uns also alle ein Beispiel an Erdnussbutter. Eure Lisa ♥

  • Ein bisschen mehr wie Jesus

    Durch die kleine Sommerpause, die ich einlegen durfte als ich mit meiner Familie im Urlaub war, ist es schon eine ganze Weile her, dass ihr von mir gehört habt. Ich hoffe, euch allen geht es gut und ihr habt es gut durch die ersten Hitzewellen des Sommers geschafft! Ich möchte heute einige Gedanken mit euch teilen, die sich mit einer der Eigenschaften von Jesus beschäftigen, in der ich ihm ähnlicher werden möchte. Während ich diesen Beitrag geschrieben habe, ist mir noch einmal aufs Neue bewusst geworden, wie unheimlich lang die Liste der Dinge ist, die wir von Jesus lernen können. Wer weiß, vielleicht lest ihr irgendwann einen zweiten Teil, der sich mit einer anderen Eigenschaft von Jesus beschäftigt, bei der ich noch Nachholbedarf habe. Aber fangen wir von vorne an: Auf dem Weg nach München Vor ein paar Wochen war ich seit Langem mal wieder mit dem ICE unterwegs. Dabei sind gleich zwei Wunder biblischen Ausmaßes passiert: Die Klimaanlage hat funktioniert und ich bin pünktlich an meinem Zielort angekommen! (Ich hoffe, die Mitarbeiter der Deutschen Bahn können mir den kleinen Scherz verzeihen...) Was mich aber tatsächlich ins Nachdenken gebracht hat, war eine Begegnung, die ich in dieser Form zum ersten Mal im Zug hatte. In Göttingen hatte ich einen planmäßigen Umstieg in den zweiten und letzten Zug auf meinem Weg nach München. Neben mir warteten die verschiedensten Menschen am Bahnsteig auf den gleichen Zug: Studenten auf dem Weg in die Heimat, Familien mit Kindern auf dem Weg in ein gemeinsames Wochenende und auch ein blinder Mann, der von einer Mitarbeiterin der Deutschen Bahn begleitet wurde und ebenfalls einen Sitzplatz in meinem Wagen reserviert hatte. Die Zuständigkeit der Mitarbeiterin der Deutschen Bahn endete offensichtlich beim Einsteigen in den korrekten Wagen des Zugs. Ob das immer der Fall ist – keine Ahnung. Jedenfalls ergriff sie die Gelegenheit als ich vor dem blinden Mann in den gleichen Wagen einstieg und bat mich, dem Mann seinen Platz zu zeigen. Was dann passierte, war keineswegs außergewöhnlich. Ich sprach den Mann an, damit er meine Stimme zuordnen konnte, erklärte ihm, er müsse links in den Gang abbiegen und ging dann hinter ihm her bis zu dem richtigen Platz. Ich erklärte kurz, wer noch außer ihm an dem Vierertisch saß, er bedankte sich für meine Hilfe und nachdem ich ihm gesagt hatte, dass ich ein paar Reihen hinter ihm meinen eigenen Sitzplatz hatte, wünschte ich ihm eine gute Fahrt und verabschiedete mich. So weit, so gut. Trotzdem regte mich die kurze Interaktion zum Nachdenken an. Für mich war es das erste Mal, dass ich eine direkte Begegnung mit einem blinden Menschen hatte. Das mag für den ein oder anderen von euch komisch klingen, aber bei mir hat sich das einfach noch nie ergeben. Ich hatte keine schwierige Aufgabe übertragen bekommen, doch trotzdem erwischte ich mich dabei, mich bei allem zu hinterfragen: Würde es Sinn machen, mich ihm noch einmal direkt vorzustellen, auch nachdem er meine Stimme schon aus dem Gespräch mit der Zugbegleiterin kannte? Wie viel sollte ich erklären? Ab welchem Punkt wäre meine „Hilfe“ nicht mehr hilfreich, sondern eher ein Unterschätzen/Absprechen seiner Autonomie? Sollte ich Bescheid geben, welchen Platz ich hatte, falls er bei irgendetwas Unterstützung brauchte oder nicht? Diese Fragen und noch mehr gingen mir durch den Kopf und das für eine Interaktion, die im Grunde nach wenigen Sekunden schon wieder vorbei war. Ich hoffe, ihr könnt es mir an der Stelle nachsehen, wie schlecht ich einschätzen konnte, wie er die Welt wahrnahm und welche Informationen er brauchte bzw. welche Informationen ihm weiterhelfen würden, auch wenn sie nicht zwingend erforderlich für ihn waren. Lernen vom Profi Während ich mein Erlebnis im Zug reflektierte, musste ich an jemanden denken, der um einiges mehr Erfahrung im Umgang mit blinden Personen hatte als ich: Jesus. Und nach meiner ziemlich unbeholfenen Herangehensweise an die Situation war ich aufs Neue beeindruckt davon, wie gut sich Jesus auf die Menschen um ihn herum einstellen konnte. Ganz egal, für wie divers und vielfältig wir unseren Bekanntenkreis halten – Jesus hatte tatsächlich mit der ganzen Bandbreite der damaligen Gesellschaft zu tun. Und während ich dabei den Großteil der Zeit damit verbringen müsste, das nächste Fettnäpfchen zu umschiffen, fand Jesus den passenden Umgang mit jedem Einzelnen, dem er begegnete. Ich finde, das ist eine wahnsinnig beeindruckende Eigenschaft von Jesus und eine Eigenschaft, in der ich ihm gerne ähnlicher werden würde. In den Evangelien lesen wir von einer Vielzahl von Begegnungen, die Jesus mit den Menschen seiner Zeit hatte. Darunter Menschen am Rande der Gesellschaft, Menschen von hoher Stellung sowohl im weltlichen als auch religiösen Kontext, Kinder und Greise und alle dazwischen. Ganz gleich, wer ihm gegenüber stand, Jesus fand den richtigen Zugang zu der Person. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich finde das gar nicht so einfach. Auch wenn man den Hintergrund der Person außen vor lässt, macht allein das Alter eines Menschen schon einen riesigen Unterschied dafür, wie wir mit jemandem umgehen. Schließlich redet niemand von uns genauso mit einem Kind wie mit einer Person gleichen Alters oder jemandem, der viel älter ist als man selbst. Auch sich auf jemanden einzulassen, der einen ganz anderen Hintergrund als man selbst hat, ist alles andere als leicht. Mal ganz davon abgesehen, wie schwer es uns fallen kann, überhaupt die Begegnung mit uns fremden Menschen zu suchen: Ein kurzes Gespräch mit der Verkäuferin in der Bäckerei, dem Sitznachbarn im Zug oder der Person, die einen in der Stadt nach Kleingeld fragt – für viele (mich eingeschlossen) ist so etwas alles andere als selbstverständlich. Umso beeindruckender finde ich es, dass Jesus uns auch hierfür ein Beispiel sein kann. Für mich sind diese Eigenschaften von Jesus etwas, wovon ich viel lernen kann: Feine Antennen für das Gegenüber zu haben, der Person möglichst vorurteilsfrei und mit Liebe zu begegnen und dabei ein ehrliches Interesse am Gesprächspartner zu haben. Vielleicht schaffe ich es in dieser Woche, genau diese Dinge etwas mehr umzusetzen. Ich will es auf jeden Fall versuchen und euch hiermit herzlich dazu einladen, es mir gleichzutun. Bis zum nächsten Mal! Eure Lea

  • Mit gutem Beispiel voran

    Beim letzten Babysitten meiner Enkeltochter stolperte ich plötzlich über ein Detail einer bekannten Bibelgeschichte. Ein kleiner Junge spielt bei der Speisung der Fünftausend eine nicht unerhebliche Rolle. Er spendet nämlich die fünf Brote und die zwei Fische und bringt dadurch die Angelegenheit in Fahrt. Doch der Reihe nach. Ein neues Bilderbuch Bei meinem „Babydate“ musste ich ein neues Bilderbuch vorlesen. Dieses Buch war übrigens ein Geschenk von der Uroma, die gleichzeitig eine regelmäßige Leserin unseres Blogs ist. Liebe Grüße an dieser Stelle. Eine sehr schöne Idee. Zunächst geht es um die Schwierigkeit des Teilens. Um seinem Sohn ein Beispiel dafür zu geben, wie erfolgreich teilen sein kann, erzählt er seinem Kind die Geschichte des Jungen, der Jesus bei der Verwirklichung seines Wunders hilft. Das kleine Büchlein heißt: „Der kleine Schlaubär lernt zu teilen“ Ein Kinderbuch von Bob Hartman und Steve Brown (Illustr.). Erschienen im Verlag „Francke-Buch GmbH“. Wie gesagt ich wurde gefühlt zum ersten Mal auf diesen Jungen aufmerksam. Was war das für ein Junge? Warum hatte nur dieser Junge unter 5000 Männern etwas zu essen dabei? Welche Anspielung steckt dahinter? Mein Gedanken Karussell kam so langsam in Gang. Dem wollte ich nachgehen. Geschenkwunder Jesu Zunächst einmal den Text aus dem Johannesevangelium. Fünftausend werden satt Danach fuhr Jesus an das andere Ufer des Sees Genezareth, den man auch See von Tiberias nennt. Eine große Menschenmenge folgte ihm dorthin, weil sie die Wunder gesehen hatten, mit denen er Kranke heilte. Zusammen mit seinen Jüngern ging Jesus auf einen Berg, und dort setzten sie sich. Das jüdische Passahfest stand kurz bevor. Als Jesus aufblickte, sah er die vielen Menschen, die zu ihm kamen. Darauf wandte er sich an Philippus: »Wo können wir für alle diese Leute Brot kaufen?« Er fragte dies, um zu sehen, ob Philippus ihm vertraute; denn er wusste schon, wie er die Menschen versorgen würde. Philippus überlegte: »Wir müssten über 200 Silberstücke ausgeben, wenn wir für jeden auch nur ein wenig Brot kaufen wollten.« Da sagte ein anderer von seinen Jüngern zu Jesus – es war Andreas, der Bruder von Simon Petrus: »Hier ist ein Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische dabei. Aber was ist das schon für so viele Menschen!« Jetzt forderte Jesus die Jünger auf: »Sagt den Leuten, dass sie sich hinsetzen sollen!« Etwa fünftausend Männer ließen sich auf dem Boden nieder, der dort von dichtem Gras bewachsen war, außerdem noch viele Frauen und Kinder. Dann nahm Jesus die fünf Gerstenbrote, dankte Gott dafür und ließ sie an die Menschen austeilen. Ebenso machte er es mit den Fischen. Jeder bekam so viel, wie er wollte. Als alle satt waren, sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Sammelt die Reste ein, damit nichts verdirbt!« Das taten sie und füllten noch zwölf Körbe mit den Resten. So viel war von den fünf Gerstenbroten übrig geblieben. Als die Leute begriffen, was für ein Wunder Jesus getan hatte, riefen sie begeistert: »Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll, so wie Mose es angekündigt hat!« Jesus merkte, dass die Leute kurz davor standen, ihn festzuhalten und zu ihrem König auszurufen. Deshalb zog er sich wieder auf den Berg zurück, er ganz allein. (Johannes 6, 1-15) Ich lernte, dass hier eins der sogenannten Geschenkwunder Jesu beschrieben wird. Gerstenbrote waren in der damaligen Zeit eher eine Speise für die ärmere Bevölkerungsschicht. Die Fische weisen auf die Nähe zum See hin. Hier gehörten die Fische ebenfalls zu dem Speiseplan der einfachen Leute. Warum gerade ein Junge mit diesen wichtigen Nahrungsmitteln unterwegs war, bleibt verborgen. Wahrscheinlich ist, dass er ein Mitglied einer armen Familie war. Vielleicht war er auf dem Weg nach Hause in den Sog der vielen Menschen gekommen, die dem angeblichen Messias folgten. Von Neugier und Sensationslust gesteuert? Und dann bekam er mit, wie dieser Jesus und seine Jünger sich fragten, wie sie all diese Menschen am Ende eines langen Tages ernähren können? Dachte er gar nicht lange nach? Machte er sich womöglich irgendwie bemerkbar und bot den Jüngern seinen „großen“ Schatz an. Fünf Brote und zwei Fische? Durchaus möglich. In der kindlichen Vorstellung funktionieren unvorstellbare Dinge. Die Initialzündung Jedenfalls kommt die Information zu Jesus. Und er nimmt das Geschenk an und ergreift die Initiative. Seine Idee, dieser großen Volksmenge eine Stärkung zu schenken kann beginnen. Durch die Freigiebigkeit dieses Jungen. Wie schön. Vielleicht wurden dadurch die Menschen aufmerksam, die auch eine Kleinigkeit dabei hatten. Ein Fladenbrot, Feigen, Datteln, Käse, Fische usw. Alles was so ein Mensch damals dabei hatte, wenn er sich auf den Weg machte. So folgten sie dem guten Beispiel und teilten. Jedenfalls wurden, wie gehört bzw. gelesen, alle satt und es blieb auch noch vieles übrig. Heute Manchmal erlebe ich etwas Ähnliches heute auch. Einer geht mit gutem Beispiel voran und die anderen folgen diesem Beispiel gern. Leider geht es auch andersherum, was ich hier aber nicht vertiefen möchte. Es zeigt aber, dass es wohl eine menschliche Eigenschaft ist. Der Mensch orientiert sich im Allgemeinen gern an seinen Mitmenschen, an Freunden, Gleichgesinnten, Nachbarn und auch an Glaubensgeschwistern. Gelegentlich werde ich zu einer Feier eingeladen. Der Gastgeber wünscht sich von seinen Gästen einen Beitrag zum Buffett. Das unausgesprochene Maß ist, soviel mitzubringen, wie man auch selber essen würde. Und es funktioniert fast nie. Immer bleibt vieles von den leckeren Dingen übrig. Ein wundersame Vermehrung. 😉 Dazu fällt mir eine Idee ein, die ich vor ein paar Jahren hatte. Ich machte mir damals Gedanken über den Zustand unseres Gemeinwohls. Wie könnte es gelingen, die Menschen, die in der Vergangenheit besonders gut von der Gemeinschaft profitierten, davon zu überzeugen, etwas von ihrem Vermögen für die Gesellschaft und das Gemeinwohl einzusetzen. Sie hatten in diesem Staat sehr gut wirtschaften können und einen unwahrscheinlichen, unnatürlichen Reichtum angehäuft. Der Bericht über einen Jubiläumsbesuch des ehemaligen Kanzlers Scholz bei einem der wohlhabendsten Unternehmern Deutschlands inspirierte mich. Das Ergebnis sendete ich dem Bundespräsidenten, in der Hoffnung er würde diese Vorstellung teilen und in seiner Welt streuen. Diesen Brief möchte ich als mögliches Nachahmungsbeispiel für die gute Tat des Jungen am Ende meines Blogs mit euch teilen. Der Bundespräsident hat meinen Brief wahrscheinlich nicht vorgelegt bekommen. Ich bekam nach einigen Wochen eine Antwort eines Mitarbeiters des Bundespräsidialamts. Diese lege ich zur Vollständigkeit und zur Info hinter meinem Blog bei. Mein Brief an den Bundespräsidenten Sehr geehrter Bundespräsident Steinmeier, hallo Frank-Walter, wie wahrscheinlich sehr viele, bin ich sehr besorgt über den Zustand der Welt, Europas, Deutschlands, der Bundesländer, der Landkreise und der Kommunen. Ich arbeite in der kleinen Gemeinde Kirchlinteln in Niedersachsen. Dort habe ich jeden Tag mit der angespannten Haushaltslage zu tun. Immer geht es um Geld, dass nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Ich frage mich in letzter Zeit häufiger, wo das Geld geblieben ist, dass in den vergangenen "guten" Zeiten erwirtschaftet wurde. Vieles von dem Geld liegt anscheinend auf den "Sparkonten" der Menschen in Deutschland. Die Politik schafft es leider nicht, diese Vermögen zu nutzen. Finde ich auch schwierig, den Bürgern das Geld wegzunehmen. Ein Beispiel: Vor kurzen habe ich die Nachricht aufgeschnappt, dass der Kanzler zum Arbeitsjubiläum von Herrn Würth eingeladen war. Er hat dort eine Rede gehalten. Sicher kennen sie die Erfolgsgeschichte von Herrn Würth. Diese Meldung brachte mich auf eine Idee. Wie wäre es, wenn man diesen Herrn Würth fragt, ob er für Deutschland eine Brücke baut. Eine richtig große, über einen Fluss zum Beispiel. Er hätte freie Hand darüber, wie sie gebaut wird. Wichtig ist das Ergebnis. (Das spart Zeit und Geld.) Wenn die Brücke fertig ist, kann er ihren Namen bestimmen. Vielleicht Würth - Brücke? Ich erzählte meinem Kollegen diese Geschichte und der war sofort dabei. Er sagte spontan, dass dies der Bundespräsident auf den Weg bringen könnte. Sein Amt ist überparteilich und könnte die "Reichen" von dieser Idee überzeugen, ohne dass sie sich ausgenutzt fühlten. Im Gegenteil. Es könnte als Chance verstanden werden. Deshalb schreibe ich sie heute an. Natürlich sind sie sehr beschäftigt in diesen Zeiten. Trotzdem hoffe ich, dass diese Zeilen den Weg zu ihnen finden. Sie haben es in sich. Ich habe mich bewusst kurz gefasst, weil ich auf ihre Fantasie baue. Es muss sicher nicht unbedingt eine Brücke sein. Eine Schule, ein Kindergarten oder ein Feuerwehrhaus könnten wir in vielen Gemeinden und Landkreisen bestimmt gebrauchen. Macher*innen und Verwirklicher*innen sind herzlich willkommen. Und es gibt sehr viele "Herr/Frau Würths" in unserer Republik. Was meinen sie, wäre das eine Aufgabe für sie? Für Rückfragen stehe ich gern zur Verfügung. Hochachtungsvoll Ingo Tauchert In diesem Sinne sehe das Gute und tue Gutes. Ingo Anmerkungen und Fragen könnt ihr als Kommentar eintragen. Oder gern auch direkt an mich: ingo@einfach-biblisch.de Ingo Tauchert Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. Hier eine Kopie der Antwort

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