top of page

Search this site

326 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche

  • Ich Ich Ich

    Der Egoist Heute möchte ich von einem Mann aus der Bibel schreiben. Er fiel mir dadurch auf, dass er sich auf besondere Weise in seinem Leben hat formen lassen. Zunächst zeichnete er sich als Mensch aus, der seine Sachen selbst in die Hand nahm. Schon im Mutterleib bei der Geburt, hielt er sich am Fuß seines Bruders fest. So war es nicht eindeutig, wer als erster geboren wurde. Im Grunde waren beide gleichzeitig da. Das war wegen des Erbes und des Segens, der vom Vater an den Ältesten überging, Besonders wichtig damals. Als sein Bruder vor Hunger leidet, verkaufte er ihm ein Essen. Als Gegenleistung musste sein Bruder auf das sogenannte Erstgeburtsrecht verzichten. Als sein Vater seinem Bruder endlich das Erbe übergeben wollte, setzte sich der Egoist mit einer List durch und erschlich sich die Gunst seines Erzeugers. Das war genug, sein Bruder hasste ihn nun endgültig. Um nicht getötet zu werden, blieb nur die Flucht. Er hatte sich augenscheinlich verrechnet. Nichts mit Erbe, mit schönem Leben im Reichtum seines Vaters. Er suchte Unterschlupf bei seinem Onkel. Der nahm ihn auf. Er arbeitete hart. Erlangte durch schlaues Handeln Besitz, mehrere Frauen und viele Kinder. Irgendwann war es ihm genug bei seinem Onkel und er floh mit allem was er hatte. Er wollte zurück zu seinen Eltern. Doch auf dem Weg hörte er davon, dass sein Bruder ihm entgegen kommt. Die Furcht war sofort wieder da. Er versuchte seinen Bruder zu besänftigen, indem er ihm Geschenke entgegen schickte. Doch das beruhigte ihn nicht. Er merkte, diesmal würde es nicht gut gehen. Sein Bruder wird ihn und seine Familie töten. Es war vorbei. Gottes Hilfe - Der Unterschied - Die Verwandlung In dieser Situation denkt er an den Gott seines Opas und seines Vaters. Er betete und erinnerte sich, was Gott auch schon ihm verspochen hatte. Gott versprach ihm ein Leben in der Heimat seines Vaters. Dies forderte er nun quasi ein. Doch etwas hatte sich gewandelt. Es war keine List mehr vorhanden. Er hatte verstanden. Ohne Gott bin ich verloren. Auf seine eigene Kraft kam es nicht mehr an. Er musste, er konnte, er wollte nun nur noch auf Gott vertrauen. Der Kampf Nur so einfach war es für ihn nicht. Er war es schließlich immer gewohnt, selbst für sich zu sorgen. Es kam sogar zu einem Kampf in der Nacht, bevor er seinen Bruder wiedertreffen würde. Plötzlich war ein Mann bei ihm. Bis in die frühen Morgenstunden hielt das Ringen der Beiden an. Es wird nicht deutlich, wer es war. Vielleicht ein Engel? Oder Gott selbst? Heute würde man vielleicht sagen, seine psychische Vorstellungskraft! Weil der Stärkere nicht ermittelt werden konnte, trennte ein Schlag auf die rechte Hüfte die beiden Streithähne. Unser Mann forderte noch eine Klarstellung von dem Engel. Er wurde gesegnet von Gott selbst. Seitdem trägt er den Namen Israel, nicht mehr Jakob. Jetzt gehen sie wirklich gemeinsam durch das Leben. Und ich Heute fühle ich mich oft auch ohnmächtig wegen der Dinge, die auf mich einstürzen. Klimawandel, Corona, Erfolg, Fremde, Familie und Partnerschaft, um nur einige Dinge zu benennen. Wie kann ich mich verhalten? Was kann ich tun? Ich kann auf Gott vertrauen. Er begleitet mich durchs Leben und kennt den Weg. Durch Jesus habe ich gelernt, auf das Neue zuzugehen. Geradezu das Anderssein zu ergreifen und keine Angst davor zu entwickeln. Liebe deinen Nächsten kann auch heißen, dem Unbekannten zu begegnen. Eine natürliche Vorsicht reicht völlig aus. Gerade das macht die Würze des Lebens aus. Daraus entsteht Vielfalt. Ein Blick in die Schöpfung zeigt mir, dass Gott es so besonders mag. Und es entstehen Lösungen, die ich mir nicht erträume. Die Lösung Wie ging es mit den Zwillingsbrüdern weiter? Am folgenden Tag kam es zu der Begegnung. Jakob, der jetzt Israel hieß, humpelte ihm wehrlos entgegen. Sein Bruder Esau sieht ihn und läuft voller Freude zu ihm. Nach so langer Zeit hatte sich in der Einstellung Esaus auch etwas geändert. Er hatte sich auch entwickelt und fühlte in diesem Moment nur noch seine Bruderliebe. Alle Zwietracht, jeder Streit der Brüder ging auf in der Freude des Wiedersehens und in eine lange Umarmung. In diesem Sinne wünsche ich dir überraschende Lösungen. Ingo Die Originalgeschichte steht im Buch 1. Mose, Kapitel 32 + 33 in der Bibel. Zu diesem Beitrag hat mich das Kapitel "Jakobs Kampf in Pniel" inspiriert. Es steht in dem Buch "Abraham Isaak Jakob" von 1959 in der 5. Auflage von 1982, aus der Reihe "Das lebendige Wort", vom Brunnen Verlag. Die Autoren sind Jakob Kroeker und Hans Brandenburg. Diese Reihe hat meine Frau aus dem Nachlass ihres Vaters gerettet. Vielen Dank dafür. Wenn ihr Interesse an einem Buch aus der Reihe habt, meldet euch gern bei mir. ingo@einfach-biblisch.de Das entsprechende Kapitel habe ich hier für euch kopiert. -Mit freundlicher Genehmigung des Verlags.- Ingo Tauchert

  • Gott auf dem Sofa

    Habe ich eine lebendige Beziehung mit Gott? Wie lebendig ist sie wirklich? Diese Frage hat mich in der letzten Woche sehr beschäftigt. Ich bin seit 10 Jahren getauft, ich engagiere mich in meiner Gemeinde (wenn es denn mal was zu tun gibt), ich diskutiere gerne und mit Eifer über Glaubensthemen. Man könnte also erwarten, dass ich eine sehr gute Beziehung zu Gott habe. Aber oft ist das nicht der Fall. Ich sage deshalb „oft“, weil es stark schwankt. Es gibt Zeiten, in denen ich mich Gott sehr nah fühle und auch ihn deutlich in meinem Leben spüre, aber es gibt leider auch andere Zeiten. Wenn Gott sehr weit weg scheint, versinke ich manchmal in einer Spirale aus negativen Gedanken: Hat Gott mich vergessen? Hat er kein Interesse an mir? Warum zeigt er sich nicht? Wo ist er, wenn es mir nicht gut geht? Das geht manchmal so weit, dass ich mir die (rückblickend komplett unverhältnismäßige) Frage stelle: Wenn ich Gott überhaupt nicht spüre und er mir so fremd scheint … habe ich mir dann vielleicht immer nur eingebildet, dass es ihn wirklich gibt? Und dann denke ich: Halt, Stopp! Sind die Fragen, die ich mir stelle, eigentlich fair? Wenn ich sie mir noch mal durch den Kopf gehen lasse, dann muss ich feststellen: Nein. Eigentlich sind meine Fragen alle nur Vorwürfe an Gott. Warum macht er nichts? Warum zieht er sich zurück? Warum zeigt er sich mir nicht deutlicher? Aber was ist denn eigentlich mit mir? Was trage ich eigentlich zu unserer funktionierenden Beziehung bei? Selbst mit meinem nicht sehr ausgeprägten Halbwissen über die Psychologie von Beziehungen weiß ich: An einer Beziehung sind immer zwei beteiligt. Einer allein kann keine Beziehung haben. Und wenn von zweien nur einer Energie in die Beziehung steckt, wird es keine lebendige Beziehung geben. Wie man so schön sagt: Es gehören immer zwei dazu. Wenn ich unsere Beziehung also fair evaluieren will, um herauszufinden, woran sie krankt, dann muss ich mich eigentlich fragen: Was investiert Gott in die Beziehung – und was investiere ich? Gucken wir uns mal Gottes „Haben“-Seite an: Er hat die Welt geschaffen. Damit hat er auch den Grundstein dafür gelegt, dass ich überhaupt existiere. Er hat mir komplett unverdient angeboten, dass wir eine Beziehung führen können – ich und der Schöpfer des Alls! Er hat dafür eine Menge Kränkungen von meiner Seite eingesteckt und bewusst übersehen. Er hat mir durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch klar gemacht, dass er mein liebender Vater sein möchte und ich sein geliebter Sohn sein darf. Und um mir seine Liebe zu zeigen, hat er sogar in Kauf genommen, dass sein „leiblicher“, perfekter Sohn – derjenige Sohn, den man sich als Vater eigentlich wünscht – unter Qualen stirbt, um mich in die Familie zu holen. Bleibt da noch irgendein „Soll“ bei Gott über? Wenn wir uns hingegen mal meine „Haben“- und „Soll“-Seiten angucken, dann zeigt sich ein geringfügig anderes Bild: Ich mache ständig Ärger, benehme mich daneben und vor allem verletze ich Gott immer wieder – manchmal durch das, was ich tue, aber noch viel öfter durch das, was ich nicht tue. Im Johannes-Evangelium benutzt Jesus ein schönes Bild für unsere Beziehung zu ihm und zu Gott: „Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“ (Johannes 14,23) Aber wie sieht das in meinem Alltag aus? Sehr oft ist es, als ob ich Jesus und Gott hereinbitte, ihnen einen Platz auf dem Sofa anbiete … und dann weiter meinem Alltag nachgehe. Während sie dort auf meinem Sofa sitzen, gehe ich duschen, dann zum Schreibtisch, arbeite ein paar Stunden aus dem Home-Office, mache dann den Abwasch in der Küche, schaue einige Videos auf YouTube, entertaine die Kinder, gehe in die Stadt, um mich mit Freunden zu treffen, komme spät abends zurück, suche auf meinem Handy eine möglichst belanglose Serie bei Netflix raus, mache sie an, putze mir die Zähne, nehme das Handy mit ans Bett und schlafe irgendwann daneben ein. Während dieser ganzen Zeit sitzen die beiden auf meinem Sofa, ich habe kein Wort mit ihnen gewechselt und ihnen nicht mal ein Glas Leitungswasser angeboten. Natürlich ist dieser Vergleich bewusst überspitzt. Ich will weder sagen, dass irgendetwas von dem, was ich oben aufgezählt habe, per se schlecht ist oder mich von Gott trennt. Natürlich kann es im Einzelfall so sein, aber das ist sehr individuell und darum geht es mir an dieser Stelle nicht. Was ich stattdessen merke, wenn ich mir dieses Szenario vorstelle, ist, dass so viele Dinge in meinem Leben ständig um meine Aufmerksamkeit kämpfen und mich fast komplett einnehmen. So sehr, dass ich mir viel zu selten Zeit für meine Gäste auf dem Sofa nehme. Und was mich beim Nachsinnen über diesen Vergleich am meisten berührt, ist die absolut kindliche Erkenntnis: Auch Gott hat Gefühle. Es macht hier nicht mal Sinn, einzelne Bibelverse anzuführen, um das zu belegen – die ganze Bibel ist voll davon! Gott ist nicht im Stand-By-Modus solange ich mich nicht mit ihm beschäftige. Er macht auch kein Nickerchen, bis ich endlich mal wieder Zeit für ihn habe. Er sitzt die ganze Zeit hellwach in meinem Wohnzimmer und möchte so gerne Zeit mit mir verbringen. Wie muss es sich anfühlen dort zu sitzen und zu warten und zu warten und zu warten und einfach nicht beachtet zu werden? Und wenn es mir schwerfällt, mir Gott so menschlich, so traurig, so verletzt vorzustellen, dann hat er auch dafür schon vor langer Zeit eine Lösung geschaffen: Jesus. Ein Mensch genau wie ich. Also kann ich auch einfach fragen: Wie würde ich mich fühlen? Jetzt aber Schluss mit den bedrückenden Gedanken. Wie kann ich nun also etwas an der Situation ändern? Kann ich unnütze Dinge in meinem Alltag streichen, um mehr Platz zu schaffen? Bestimmt! Aber auch nur zum Teil. Vieles von dem, was mich jeden Tag beschäftigt hält, muss ich leider tun. Aber: Ich muss es nicht allein tun! Gott und Jesus wollen eine lebendige Beziehung mit mir führen. Sie wollen Zeit mit mir verbringen. Und dafür gibt es nicht nur den einen richtigen Weg. Jede Art von gemeinsam verbrachter Zeit bringt ein Plus auf unser Beziehungskonto. Was also spricht dagegen, sie mit zur Arbeit zu nehmen oder zum Abwaschen oder in die Stadt oder zum Spielen mit den Kindern oder sogar zum gemeinsamen Netflix gucken? Genau das will ich ab jetzt viel mehr tun. Wie genau, das muss ich noch ausprobieren. Aber Möglichkeiten gibt es genug: Eine kurze Bibellese in der Mittagspause, ein bisschen Lobpreismusik beim Abwaschen, den Kids aus der Kinderbibel vorlesen, den Weg zur Arbeit zum Beten nutzen oder für einen anregenden Podcast … die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt! Ich glaube am Ende ist gar nicht so wichtig, was ich mache, sondern viel mehr, dass ich etwas mache. Und wenn es nur ist, dass ich mich zu Gott und Jesus aufs Sofa setze und ein bisschen Smalltalk halte. Sie haben sich schon durch Sturm und Regen und gegen alle Widrigkeiten bis auf mein Sofa gekämpft – jetzt möchte ich ein guter Gastgeber, Sohn und Freund zu sein. Gottes Segen und bis zum nächsten Mal Euer Daniel Titelbild von Nathan Fertig auf Unsplash Alle Zitate sind der Elberfelder Bibelübersetzung entnommen.

  • Was bewegt ... ?

    Unruhig starre ich auf mein Handy. Zum wiederholten Male rufe ich die Seite mit den aktuellen Nachrichten auf und schaue, ob meine Chefin neue Updates zum Umgang mit Corona hat. Testen, Booster, Inzidenzwert, Hospitalisierung, Warnstufe, Omikron, Ausgangssperre, 3G, 2G, 2G plus … es spukt in meinem Kopf. Seit letzter Woche wird nicht mehr im Chor gesungen, Sport in der Halle findet nicht statt, Fußballstadien bleiben leer und Weihnachtsmärkte sind abgesagt. Ich verstehe diese Maßnahmen, dienen sie doch letztendlich dazu, dass die Krankenhäuser arbeitsfähig bleiben und allen, die versorgt werden müssen, geholfen werden kann. Ich informiere mich und halte mich an Regeln und versuche, mich nicht aufzuregen und in Panik zu verfallen. Es gibt keinen Plan. Eine solche weltumspannende Pandemie war noch nie da und keiner kann sich entziehen. Ich muss mit mir klarkommen, mit meiner Familie, mit meinen Freunden und mit meinen Arbeitskollegen. Unterschiedliche Meinungen und Vorgehensweisen akzeptiere ich und halte ich aus, versuche ich zu verstehen. Ich bemerke, dass die letzten gut eineinhalb Jahre ihre Spuren hinterlassen haben. Der Ton wird rauer, Spannungen entladen sich und Risse in intakten Freundschaften tun sich auf. Zudem ist da draußen gerade ein scheußliches Regen- und Sturmwetter. Das drückt auf die Stimmung. Jetzt wird es Zeit für mich, mich mit hellen Dingen zu beschäftigen. Vielleicht ist euch auch danach, dann hoffe ich, euch ein wenig Licht und Wärme bringen zu können. In solchen Momenten hilft es mir in Gottes Wort zu schauen und meine Basis zu festigen. Beim Stöbern habe ich eine Sammlung von Bibelstellen gefunden zum Thema Frieden. So wie bei Adam und Eva im Paradies, wo alles in Ordnung war und es noch nicht um Gut und Böse, Richtig und Falsch ging. Da sehe ich auch mein Ziel. Meine Hoffnung auf ewiges Leben im Reich Gottes, wo der Wolf neben dem Lamm liegt, wie in Jesaja Kapitel 11 beschrieben. Oder wie es weiter in Kapitel 12 über das kommende Friedensreich heißt: „Ja, so ist mein Gott: Er ist meine Rettung, ich vertraue ihm und habe keine Angst. Der HERR allein gibt mir Kraft. Denke ich an ihn, dann beginne ich zu singen, denn er hat mich gerettet. Seine Hilfe gleicht einer sprudelnden Quelle. Voller Freude werdet ihr Wasser daraus schöpfen. An jenem Tag werdet ihr sagen: »Lobt den HERRN und preist seinen herrlichen Namen! Erzählt den Völkern, was er getan hat! Ruft in die Welt hinaus, wie groß und erhaben er ist! Singt zur Ehre des HERRN, denn er hat wunderbare Taten vollbracht. Auf der ganzen Erde soll man es hören! Ihr Einwohner von Zion, jubelt und singt, denn groß ist der heilige Gott Israels, der mitten unter euch wohnt.“ (Jesaja 2,2-6) Jetzt erinnere ich mich an Leas Blogbeitrag: „Gott will, dass ich jetzt glücklich bin“. (https://www.leben-einfach-biblisch.de/post/gott-will-dass-ich-gl%C3%BCcklich-bin) Zur Zeit ist für mich eine Seite des Glücks, dass ich Frieden habe mit den Menschen und dieser chaotischen Situation, in der wir gerade leben. Mit weiteren Bibelstellen versuche ich mich zu stärken und in eine friedliche Ruhe zu spüren. „Herr, du gibst Frieden dem, der sich fest an dich hält und dir allein vertraut. Ja, vertraut dem HERRN für immer, denn er, unser Gott, ist ein starker Fels für alle Zeiten!“ (Jesaja 26,3) Und nicht nur, dass mir Gott seinen Frieden schenkt, ich kann durch mein friedliches Handeln auch davon etwas abgeben. Ich kann versuchen, meine Mitmenschen zu verstehen. Sie nicht gleich in eine Schublade zu stecken und mit einem Etikett zu versehen. Zugegeben auch mir fällt es nicht leicht, offen zu bleiben, nachzufragen und meine Perspektive zu ändern, um manches besser verstehen zu können. Letztendlich vertraue ich auf Gottes Führung zum Frieden hin. „Wendet euch ab von allem Bösen und tut Gutes! Setzt euch unermüdlich und mit ganzer Kraft für den Frieden ein!“ (Psalm 34,15) Dem viel zitierten Vers von Paulus in seinem Brief an die Galater „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ folgen noch weitere Ratschläge und Erkenntnisse des Apostels: „Dagegen bringt der Geist Gottes in unserem Leben nur Gutes hervor: Liebe, Freude und Frieden; Geduld, Freundlichkeit und Güte; Treue, Nachsicht und Selbstbeherrschung. Ist das bei euch so?“ (Galater 5,22+23) Spürt ihr schon den kleinen inneren Frieden in euch? Es ist gut, dass uns Gott durch die Bibel so ermutigt und befriedet. Das beste Vorbild in Sachen friedlicher Umgang hat uns Gott durch seinen Sohn Jesus Christus gegeben. Angekündigt vom Propheten Jesaja: „Was für ein herrlicher Augenblick, wenn ein Bote über die Berge kommt, der eine gute Nachricht bringt! Er eilt herbei und ruft der Stadt auf dem Berg Zion zu: »Jetzt ist Friede, die Rettung ist da! Jerusalem, dein Gott herrscht als König!" (Jesaja 52,7) „Denn uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns geschenkt! Er wird die Herrschaft übernehmen. Man nennt ihn »Wunderbarer Ratgeber«, »Starker Gott«, »Ewiger Vater«, »Friedensfürst«. Er wird seine Herrschaft weit ausdehnen und dauerhaften Frieden bringen. Auf dem Thron Davids wird er regieren und sein Reich auf Recht und Gerechtigkeit gründen, jetzt und für alle Zeit. Der HERR, der allmächtige Gott, wird dies eintreffen lassen, leidenschaftlich verfolgt er sein Ziel.“ (Jesaja 9,5+6) Gestern war der 2. Advent. Wir warten auf die Ankunft Jesu. Eigentlich warte ich nicht nur zwischen Ende November und dem 24. Dezember auf meinen Retter. An seinem Leben und seinem Umgang mit den Menschen kann ich mir ein Beispiel nehmen. Seine Zuwendung und seine Liebe möchte ich auch in mein Herz aufnehmen und leben. Meine Hoffnung auf seine Wiederkehr zu uns Menschen auf die Erde und der Errichtung eines Friedensreiches ist das ganze Jahr über lebendig. Und gerade in einer derartig aufwühlenden Zeit umso mehr mein Rettungsanker und mein Licht im Sturm. „Aber auch dann werde ich nicht allein sein, denn der Vater ist bei mir. Dies alles habe ich euch gesagt, damit ihr durch mich Frieden habt. In der Welt werdet ihr hart bedrängt, aber lasst euch nicht entmutigen: Ich habe diese Welt besiegt.“ (Johannes 16,32+33) Ich wünsche euch eine friedvolle Lebenszeit mit einem wunderschönen Lied https://www.youtube.com/watch?v=acTug3Mp4LQ Eure Ulrike Die Bibelzitate sind aus der Übersetzung „Hoffnung für alle“ entnommen

  • Preist den HERRN, denn er ist gut, ewig währt seine Gnade.

    Heute möchte ich etwas sehr Persönliches mit euch teilen. Ich habe mit mir gerungen, ob ich das Ganze wirklich dem Internet preisgeben möchte, aber Gott hat so eine große Rolle gespielt, dass ich es nicht wirklich für mich behalten kann. Für mich gab es so viele Zeichen von Gott, dass ich das erstens gerne als Erinnerung festhalten möchte und zweitens auch gerne mit euch teilen würde. Vielleicht gibt es dem ein oder anderen ja auch ein wenig Zuversicht, dass Gott da ist und für uns sorgt. So, nachdem ich schon einen ganzen Absatz geschrieben habe und ihr immer noch nicht wisst, worum es geht, kommt jetzt erst mal noch ein Bibelzitat 😉: „Preist den HERRN, denn er ist gut, ewig währt seine Gnade.“ (Psalm 118,29) Unter diesem Motto stand meine gesamte zweite* Schwangerschaft. Aber um das zu erklären, muss ich etwas weiter vorne anfangen. Januar 2021 Wie es in vielen schlechten (und vielleicht auch in manchen guten) Filmen so oft vorkommt, hielt ich, nachdem sich meine Periode verspätet hatte, einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Weder mein Mann (Daniel) noch ich hatten damit gerechnet. Zu allem Überfluss „fühlte“ ich mich auch nicht schwanger. Verglichen mit meiner ersten Schwangerschaft, war irgendetwas anders, aber ich konnte nicht wirklich greifen, was es war. Ich fühlte mich irgendwie seltsam und meinte zu Daniel, dass wir es der Familie erst mal nicht erzählen, bis die Frauenärztin es bestätigt hätte. Auch konnte ich mich mit dem Gedanken, wieder schwanger zu sein, in dem Moment nicht so richtig anfreunden. Es hat ungefähr eine Woche gedauert, bis ich mich dann doch gefreut habe, dass ein neues Leben in mir wächst. Allerdings kam alles dann etwas anders als ich erwartet hatte … Es war ein Montagabend, wir haben im Wohnzimmer auf dem Sofa geschlafen, da bei uns im Schlafzimmer gerade eine Wand neu verputzt wurde. Mir ging’s nicht so gut und Daniel fragte mich, was ich denn hätte. Ich antwortete ihm, dass ich so ein fieses Ziehen im Bauch habe, was aber bestimmt davon kommt, dass sich die Gebärmutter auf die Schwangerschaft vorbereitet. Davon war ich überzeugt, was sollte es auch anderes sein? Am nächsten Morgen zeigte sich dann, dass es nicht die Gebärmutter war, die sich auf eine Schwangerschaft vorbereitet. Ich fing an zu bluten. Also rief ich bei meiner Frauenärztin an. Erstaunlich nüchtern klärte ich mit der Sprechstundenhilfe, dass ich meinen eigentlich ersten Kontrolltermin zwei Tage später behalten würde, da es, wenn es wirklich eine Fehlgeburt sein sollte, nichts zu ändern gäbe und ich zu dem Zeitpunkt auch nur leicht geblutet habe. Das änderte sich dann allerdings im Laufe des Tages, sodass ich einen neuen Termin für den nächsten Tag vereinbarte. Da ich immer mehr blutete, sickerte bei mir auch die Gewissheit ein, dass es tatsächlich eine Fehlgeburt war, was meine Nüchternheit vom Morgen allmählich weichen ließ. So langsam breitete sich Trauer und Unverständnis in mir aus. Ich hatte doch gerade begonnen, mich zu freuen und hatte akzeptiert, dass Gott uns ein Geschwisterchen für die Große geschenkt hatte! Warum also sollte es das jetzt gewesen sein? Aus irgendeinem Grund verkroch ich mich in mir selbst. Ich konnte (oder wollte?) mit Gott nicht darüber reden. Gut ging es mir damit nicht, aber ich konnte es auch nicht ändern. Abends nahm Daniel dann eigentlich ohne mich an einem Online-Hauskreis teil, da ich nicht in der Stimmung war, mit Leuten zu reden. Aber nachdem die Große im Bett war, setzte ich mich noch „heimlich“ abseits der Kamera daneben und hörte zu. Das war schon gegen Ende und es wurde gerade gebetet. Meine beste Freundin sagte, sie hätte einen Vers auf dem Herzen, wüsste aber nicht genau, für wen der Vers bestimmt ist, am ehesten vielleicht noch für Daniel. „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt, damit euch der Vater gibt, worum ihr ihn in meinem Namen bittet.“ (Johannes 15,16) Das Gefühl, das sie ganz stark hatte, war, dass jemand sich schlecht fühlt, mit Gott zu reden. Genau das Gefühl, das ich den ganzen Tag über hatte. Sie meinte noch, dass das aber nicht sein muss, dass Gott da ist und die Gefühle und Gedanken eh sieht, sodass man einfach zu Gott kommen kann und er eigentlich nur darauf wartet. Ich habe im ersten Moment gar nicht registriert, was sie gesagt hat und dass es mich ansprechen könnte. Ich war ja eigentlich gar nicht „dabei“. Nach dem Hauskreis meinte Daniel dann aber zu mir, dass der Vers und die Gedanken auch für mich bestimmt sein könnten. Je mehr ich darüber nachdachte, desto sicherer war ich mir, dass Gott durch meine beste Freundin zu mir gesprochen hat. Und sie wusste nicht mal was davon, da sie auch nicht wusste, dass ich daneben gesessen und zugehörte hatte. Aber Gott wusste es und hat mir so geholfen, dass ich endlich anfing zu beten. Damit ging es mir dann schon besser. Ich war immer noch traurig und wusste auch nicht, warum das passierte, aber ich konnte es akzeptieren und Gott hat mich unterstützt und getragen. Am nächsten Tag bestätigte mir meine Frauenärztin die Fehlgeburt. Ich war zwar traurig, aber mit Gott an meiner Seite konnte ich es gut durchstehen. Februar 2021 Schon einen Monat später hielt ich wieder einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Dieses Mal nicht ganz so überraschend wie beim letzten Mal. Und dieses Mal habe ich mich sehr gefreut. Ich war Gott so dankbar, dass ich so schnell wieder schwanger geworden bin. Das letzte Mal hatte gezeigt, dass ich doch bereit war für ein zweites kleines Wunder. Ich weiß nicht mehr genau wie, aber mir kam sofort der Vers aus den Psalmen in den Kopf: „Preist den HERRN, denn er ist gut, ewig währt seine Gnade.“ (Psalm 118,29) Er hatte meine Gebete erhört und mir meinen Wunsch erfüllt. Ich war Gott einfach unendlich dankbar und fühlte mich wieder sehr getragen von ihm. Und das sollte sich auch die ganze Schwangerschaft durch weiter fortsetzen. Die Schwangerschaft nach der Fehlgeburt fühlte sich definitiv anders an, als meine erste Schwangerschaft, während der ich mir einfach keine Gedanken darüber gemacht hatte, dass irgendetwas schief laufen könnte. In meiner genau genommen dritten Schwangerschaft machte ich mir etwas mehr Sorgen, es könnte etwas passieren. Nicht viele Sorgen, da ich immer das Gefühl hatte, Gott bei mir zu haben, aber ich war meiner Frauenärztin sehr dankbar, dass sie regelmäßig (öfter als normal) Termine mit mir vereinbarte, um zu schauen, dass alles in Ordnung ist. Sommer 2021 Je weiter die Schwangerschaft voranschritt, desto mehr Gedanken machte ich mir über die Geburt. Dazu muss ich sagen, dass beim letzten Mal eingeleitet werden musste (was nicht unbedingt die schönste Erfahrung war) und es aus diversen Gründen im Endeffekt ein Kaiserschnitt wurde. Das war für diesen Fall auch in Ordnung – ich fand es nicht schlimm, dass die Große per Kaiserschnitt zur Welt gekommen ist, da es gute Gründe dafür gab – trotzdem wünschte ich mir für das zweite Mal eine natürliche Spontangeburt (ohne Einleitung). Die ausschlaggebendsten Gründe dafür waren, dass die Zeit nach der Geburt einfacher ist und dass ich diese „Erfahrung“ einer Spontangeburt gerne machen wollte. Die Vorstellung, das kleine Baby sofort im Arm halten zu können, war einfach sehr schön. Also betete ich dafür. Mein Beten variierte in der Zeit sehr stark. Zum Teil flehte ich Gott an, es möge so kommen, wie ich es mir wünschte, und an anderen Tagen betete ich ein besonnenes „dein Wille geschehe“. „Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan. Denn wer bittet, empfängt; wer sucht, der findet; wer anklopft, dem wird aufgetan. Wer unter euch gäbe seinem Sohn, wenn er ihn um Brot bittet, einen Stein, und wenn er ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange? Wenn also ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen, die ihn bitten, Gutes geben.“ (Matthäus 7,7-11) „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“ (Matthäus 6,10) „Wieder ging er weg, ein zweites Mal, und betete: Mein Vater, wenn dieser Kelch nicht an mir vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille.“ (Matthäus 26,42) Herbst 2021 Jetzt muss ich kurz vorweg etwas erklären, das vielleicht nicht jedem geläufig ist: Kinder, die nach einer Fehlgeburt geboren werden, bezeichnet man oft auch als Regenbogenbabys. Der Regenbogen, das Schöne nach dem Sturm. Wie bei Noah. Nicht zuletzt da es biblischen Ursprungs ist, finde ich dieses Bild sehr schön und passend. Aus diesem Grund entschied ich mich auch für einen Regenbogen und den genannten Vers aus den Psalmen als Babybauchbemalung für das Babybauchbild. 😉 Es war kein großes Shooting, aber meine Mama hat ein schönes Bild von meinem Bauch gemacht, auf dem ungefähr Folgendes zu sehen war: Ihr seht also, der Regenbogen hatte eine besondere Symbolik für mich. Darauf kommen wir später noch mal zurück. Ein weiteres Zeichen von Gott war, dass in dieser Schwangerschaft irgendwann Übungswehen einsetzten. Während meiner Schwangerschaft mit der Großen hatte ich nicht eine einzige eigene Wehe. Mit den Übungswehen hat Gott mir zu verstehen gegeben, dass alles gut wird und dass meine Gebete eventuell auch erhört werden. Natürlich war ich mir bis zum Ende nicht sicher, wie die ganze Geburt aussehen wird, aber Gott hat mithilfe der Übungswehen irgendwie mit mir kommuniziert. Zum Teil hatte ich den ganzen Tag keine einzige Wehe, dann ging’s zur Frauenärztin und somit auch zum CTG (dort werden die Herztöne und die Wehentätigkeit aufgezeichnet) und ich hatte während des CTGs ordentlich Übungswehen. Meist hatte ich vorher noch gebetet, dass irgendetwas Positives bei der Untersuchung rauskommt. Das war Gottes Weg, mir zu zeigen, dass alles gut wird. „Preist den HERRN, denn er ist gut, ewig währt seine Gnade.“ (Psalm 118,29) Nach meiner Überraschungsbabyparty (vielen Dank noch mal an alle Beteiligten 😉♥) schrieb mich eine gute Freundin an, da sie noch mal für mich gebetet hat und Gott ihr einen Vers für mich aufs Herz gelegt hat: „Alles vermag ich durch den, der mir die Kraft dazu gibt.“ (Philipper 4,13) Gott ist gut. Mit Gottes Hilfe schaffe ich das. Egal welchen Ausgang es nimmt. Gott ist bei mir und unterstützt mich. Und wer weiß, was er für mich geplant hat? 😊 „Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern.“ (Psalm 18,30) November 2021 Der errechnete Geburtstermin war der 28. Oktober. Wie ihr anhand der Überschrift schon erkennen konntet, ist die Geburt im Oktober noch nicht losgegangen. Nachdem dann auch die ersten Tage im November verstrichen waren, war mir irgendwann klar, dass es wohl ohne Einleitung nichts wird. Aber ich hatte Frieden damit. In der Nacht, bevor ich zur Einleitung ins Krankenhaus musste, hatte ich dann doch plötzlich relativ viele eigene Wehen. Die waren so regelmäßig und in kurzen Abständen, dass ich kurz davor war, meinen Mann zu wecken und ins Krankenhaus zu fahren. Und dann hörten sie einfach wieder auf. Von jetzt auf gleich. Also legte ich mich wieder schlafen und fuhr wie geplant am nächsten Tag zur Einleitung ins Krankenhaus. Dort wurde mir eine für das Krankenhaus neue Art der Einleitung empfohlen. Da ich mit Gott ausgemacht hatte, das zu tun, was die Ärzte für das Sinnvollste hielten (auch in Bezug auf die Geburt), stimmte ich zu. Hinzu kam, dass die Methode wirklich sehr vielversprechend klang und erst mal ohne künstliche Hormone auskam. Die einzige Voraussetzung war, dass der Muttermund schon ein wenig geöffnet ist, aber da hatten die Wehen der vergangenen Nacht ganze Arbeit geleistet. Der Muttermund war schon ein Stückchen auf, sodass die Ärztin abends einen Katheder einsetzen konnte, der mechanisch Wehen auslösen sollte. Und das tat er auch innerhalb weniger Stunden. Eigentlich bleibt der Katheder meist so ca. 12 Stunden liegen, mir wurde er nach ca. 3 Stunden wieder gezogen, da er seinen Zweck schon erfüllt und ich ordentlich Wehen hatte. Da waren selbst die Ärzte etwas erstaunt, dass es so gut funktioniert hat. Diese Form der Einleitung war außerdem wesentlich angenehmer als die beim letzten Mal. „Preist den HERRN, denn er ist gut, ewig währt seine Gnade.“ (Psalm 118,29) Doch wir müssen kurz noch mal ein paar Stunden zurückspringen. Nachmittags besuchte Daniel mich im Krankenhaus und auf dem Weg zu mir schickte er mir folgendes Bild: Ein Regenbogen. Gottes Weg, mir zu zeigen, dass alles gut wird. Daniel hat übrigens auch erst durch diesen Beitrag erfahren, wie passend sein Foto war – wir hatten nie darüber geredet! Ich habe mich wieder sehr von Gott getragen gefühlt. 😊 Zurück zu den Wehen. Irgendwann kam Daniel zu mir in den Kreißsaal. Was genau alles in welcher Reihenfolge passierte, ist ziemlich verschwommen (was vermutlich nicht zuletzt an den Schmerzmitteln lag 😉). Aber an ein paar Dinge kann ich mich noch gut erinnern und Gott war stets bei uns. Was wirklich sehr gut getan hat, war dass wir die ganze Zeit Lobpreis-Musik gehört haben und Gott für mich so sehr präsent war. Mit der Zeit stellte sich irgendwann heraus, dass die Kurze in Richtung Sternengucker (das bedeutet, dass ein Kind mit dem Gesicht in die falsche Richtung guckt) tendierte. Es ist nicht unmöglich einen Sternengucker zur Welt zu bringen, aber doch etwas komplizierter. Ich musste also schön herumturnen, um sie zu bewegen, sich in die richtige Position zu drehen. Wir beteten natürlich auch dafür und Gott erhörte unsere Gebete. Nachdem ich unsere Tochter dann im Arm halten konnte (ich konnte es gar nicht fassen, dass wir es wirklich ohne Kaiserschnitt geschafft hatten und ich unsere Tochter als erste in den Armen halten konnte), kam leider mit der Plazenta sehr viel Blut raus. So viel, dass die Ärzte und Hebammen sehr besorgt wirkten. Daniel und unsere besten Freunde beteten für mich und die Lage beruhigte sich zum Glück sehr schnell wieder. „Preist den HERRN, denn er ist gut, ewig währt seine Gnade.“ (Psalm 118,29) Ein Motto, dass sich wirklich die ganze Schwangerschaft und dann auch Geburt durchgezogen hat. Dafür bin ich Gott wirklich sehr, sehr dankbar. Ein kleines verrücktes Add-On Etwas, von dem ich erst später erfuhr, war dass meine beste Freundin auch dafür betete, dass ich eine natürliche Geburt erleben kann. Wir hatten nicht wirklich darüber gesprochen, dass ich mir eine Spontangeburt wünschte, und im Grunde war ich ja auch offen für alles, was passieren sollte. Aber bei meiner Freundin hatte der Wunsch so viel wert, dass sie sehr dafür gebetet hat, dass alles natürlich klappt. Sie hat sich selbst schon fast für verrückt gehalten, weil sie nicht wusste, wo dieser Wunsch herkam. Erst im Nachhinein als wir darüber gesprochen haben, hat sich gezeigt, dass Gott ihr diesen Wunsch aufs Herz gelegt haben muss, damit wir gemeinsam dafür beten können. Gottes Wege sind manchmal unergründlich. „O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen und unerforschlich seine Wege!“ (Römer 11,33) Gott ist gut und er sorgt für uns. Nicht immer genau wie wir uns das vorstellen, aber er ist bei uns. Und im Endeffekt hatte ich zwar eine Einleitung, aber eine angenehme, und eine natürliche Geburt, die nicht komplett problemlos verlief, bei der Gott sich uns aber oft gezeigt und uns geholfen hat. „Preist den HERRN, denn er ist gut, ewig währt seine Gnade.“ (Psalm 118,29) Eure Lisa ♥ P.S.: Das war jetzt nur eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse und ich hoffe, ich habe in der Zwischenzeit nichts vergessen und konnte euch zeigen, wie sehr Gott manchmal in unserem Leben wirkt. 😊 * Genau genommen ist es aufgrund der Fehlgeburt meine dritte Schwangerschaft.

  • Gott will, dass ich glücklich bin

    Gott möchte, dass es uns gut geht. Die Aussage an sich ist eigentlich simpel und einfach zu verstehen und doch habe ich lange gebraucht, um sie tatsächlich zu verinnerlichen. Langsam, aber sicher ist diese Wahrheit jetzt auch zu mir durchgedrungen und ich möchte euch heute davon erzählen, wie sie mein Denken verändert hat. Jeder von uns hat wahrscheinlich schon zu Genüge festgestellt, dass das Leben nicht immer wie am Schnürchen läuft. „Friede, Freude, Eierkuchen“ ist oft nicht von Dauer und wir finden uns immer wieder in Situationen, die uns belasten. In diesen Phasen vertrauen wir darauf, dass Gott uns helfen wird, einen Ausweg zu finden und uns begleiten und unterstützen wird bis wir diesen gefunden haben. „[…] Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, sodass ihr sie ertragen könnt.“ (1. Korinther 10, 13) Gott schafft den Ausgang, aber wann? Was ich erst vor Kurzem begriffen habe, ist, dass dieser Ausgang manchmal näher ist, als wir denken. Wir sind jedoch zu beschäftigt damit, zu versuchen, die Situation auszuhalten und uns an sie zu gewöhnen, dass wir aufhören, aktiv nach dem Ausgang zu suchen, den Gott für uns bereit hält. Wir reden uns gut zu, harren aus und trösten uns mit dem Gedanken daran, dass spätestens mit der Wiederkunft Christi alles besser wird. Dabei möchte Gott schon jetzt, dass es uns besser geht. Es ist ein bisschen so: Ich finde mich mitten in der Wüste wieder – entweder weil ich mich selbst dorthin manövriert habe oder aufgrund äußerer Umstände. Nur eine Düne entfernt, hält Gott die nächste Oase für mich bereit. Aber da ich sie von meinem Standort nicht sehen kann, setze ich mich hin und versuche, mich mit meiner sandigen Umgebung anzufreunden. Ich bete und sage „Gott, ich weiß, dass die Wüstentage vorübergehen werden und du an jedem dieser Tage bei mir bist. Ich weiß, dass ich es in der Wüste aushalten kann, sonst hättest du mir diese Bürde nicht auferlegt. Ich nehme meine Situation an. Ich weiß, dass du den Ausgang schaffen wirst und wenn dieser erst kommt, wenn Jesus zurückkommt, ist das in Ordnung, denn ich weiß, dass ich keinen Anspruch darauf habe, dass es mir gut geht. Ich werde versuchen, demütig zu sein, an dieser Lage zu wachsen und daraus zu lernen.“ Und so sitze ich mitten im Sand unter der heißen Sonne und versuche nicht so selbstsüchtig zu sein, mir die Oase schon jetzt herbeizuwünschen, wenn sie in Gottes Plan offensichtlich erst zu einem späteren Zeitpunkt kommt. Dabei müsste ich nur aufstehen, die nächste Düne hinauflaufen und die Oase würde vor meinen Augen auftauchen. Die Wüste – unser neues normal? Ich möchte an dieser Stelle keineswegs generalisieren und behaupten, dass dies auf alle Situationen zutrifft, in denen wir uns wiederfinden. Manche unserer Probleme lassen sich erst nach langer Zeit lösen. Manche Wunden heilen nur langsam. Manche gar nicht. Es gibt Probleme, die sich erst auflösen werden, wenn Jesus zurückkommt. Es gibt Krankheiten, für die es erst dann Heilung geben wird. Und das ist keineswegs ein Trostpreis, sondern eine wunderbare Hoffnung, die wir haben dürfen. Aber ich habe in meinem eigenen Leben gemerkt, dass ich zu schnell den Mut verliere und aufhöre daran zu glauben, dass sich meine Situation verbessern kann. Dass Gott sie schon jetzt verbessern will. Stattdessen versuche ich auszuharren und „stark“ zu sein, indem ich die Situation aushalte. Mir kommt es oft selbstsüchtig vor, mir eine Verbesserung zu wünschen. Zu lange versuche ich, Lasten anzunehmen, die Gott mir vielleicht schon längst hätte abnehmen können, wenn ich meinen Teil dazu beigetragen hätte. Und irgendwann komme ich an den Punkt, an dem ich mich an meine Lage gewöhnt habe. Die Sonne und der Sand werden meine Normalität. Wirklich zufrieden bin ich so nicht, aber ich habe mich selbst davon überzeugt, dass die Wüste fest zu meinem Leben gehört. Ist das Gottes Wille? Ich glaube nicht. Ich glaube, Gott möchte uns aus der Wüste herausführen. Gott möchte, dass wir in der Oase leben. Den Weg bereitet er für uns, aber wir müssen unsere Füße selbst in Bewegung setzen. Gott hilft uns, aufzustehen und gibt uns vielleicht noch einen kleinen Schubs in die richtige Richtung, aber häufig müssen wir uns selbst weiterbewegen. Dazu kommt es nicht, wenn wir uns schon darauf eingerichtet haben, unser ganzes Leben weiter in der Wüste zu sitzen. Meine ganz persönliche Wüste Damit ihr euch besser vorstellen könnt, wovon ich spreche, möchte ich euch noch von zwei Beispielen aus meinem eigenen Leben erzählen. Die erste Last, die ich schon länger trage, als Gott vermutlich vorgesehen hatte, ist eine, die ich mir selbst auferlegt habe. Meine Familie und auch meine Co-Blogautoren wissen, dass ich seit einiger Zeit fast immer überarbeitet und gestresst bin. Und auch ihr Leser seid es wahrscheinlich mittlerweile Leid, immer wieder davon zu lesen. Das Ironische an der Situation ist, dass ich sie schon längst hätte ändern können. Seit Monaten rede ich davon, meine Stunden bei der Arbeit zu reduzieren, um mich weiter auf mein Studium konzentrieren zu können und auch mal wieder Freizeit und ein richtiges Wochenende zu haben. Gemacht habe ich das noch nicht. Warum? Weil ich den Anspruch hatte, es zu schaffen. Ich wollte beides unter einen Hut kriegen, ich wollte keine Schwäche zeigen, indem ich mir quasi „offiziell“ eingestehe, dass mir so alles zu viel ist. Aber so langsam ist zu mir durchgedrungen, dass das kompletter Quatsch ist. Ich habe mir die Frage gestellt, wie Gott wohl auf mein Leben schaut und ich glaube, er schüttelt den Kopf und fragt sich, warum ich es mir selbst so schwer mache. Er erwartet weder von mir, dass ich es schaffe, so weiterzumachen, noch ist es das, was er für mich möchte. Nein, er möchte mir diese Last abnehmen. Gott möchte, dass es mir gut geht. Und das ist schon länger nicht mehr wirklich der Fall. Das zweite Beispiel kommt aus einer ganz anderen Richtung und ist ein Beispiel für die Sorte Probleme, für die wir nicht selbst verantwortlich sind. Ich habe eine Weile überlegt, wie viel ich hier darüber schreiben möchte und bin ehrlich gesagt noch nicht an dem Punkt, mich damit wohlzufühlen, hier alles darüber zu teilen. Vielleicht in einem zukünftigen Beitrag. Deswegen heute nur so viel: Seit ca. 10 Jahren habe ich mit psychischen Problemen zu kämpfen. Die Erkrankung ist noch nicht übermäßig gut erforscht und wird auch noch nicht in allen Kreisen tatsächlich als Erkrankung anerkannt, hat aber tagtäglich großen Einfluss auf mein Leben. Nach dem ersten Versuch einer Therapie am Ende meiner Schulzeit, der nichts brachte, habe ich gelernt damit zu leben – mehr oder weniger. Seitdem habe ich nichts weiter unternommen und habe stattdessen versucht, mich damit zu arrangieren. Ich dachte, wenn das mein Los ist, dann soll es wohl so sein. Ich habe mich bemüht, diese Last anzunehmen. Jeder hat schließlich sein Päckchen zu tragen, oder? Mittlerweile glaube ich nicht mehr, dass das ein guter Weg war, damit umzugehen. In diesem Fall kann ich natürlich nicht sicher wissen, ob Gott Heilung oder Linderung für mich bereithält. Aber ich werde es nie erfahren, wenn ich nicht einen neuen Versuch wage, Hilfe zu finden. Mittlerweile gibt es neue Studien und Erkenntnisse, die es vor sechs Jahren noch nicht gab, also wer weiß… Ich glaube nicht (mehr), dass es selbstsüchtig ist, sich Heilung zu wünschen. Ich glaube, es ist Gottes Wille, dass wir Heilung finden. Also sollten wir es nicht weiter versuchen? Der Weg in die Oase Ich kenne eure persönlichen Situationen nicht und maße mir auch nicht an, die Lösung für eure Probleme zu kennen. Natürlich sollte es nicht unsere Erwartungshaltung sein, dass es für jedes unserer Probleme eine schnelle Lösung gibt. Nicht umsonst lehrt uns die Bibel an vielen Stellen, wie wichtig es ist, ausharren zu können ohne unser Gottvertrauen zu verlieren. Ich glaube aber, dass es genauso falsch ist in das andere Extrem zu verfallen und zu schnell davon auszugehen, dass sich keine Lösung finden wird und das womöglich sogar Gottes Wille für unser Leben ist. Ich persönlich war auf der Skala ein wenig zu weit in diese Richtung gerutscht. Deswegen möchte ich euch mit diesem Beitrag dazu ermutigen, nicht zu resignieren und in falscher Frömmigkeit im Sand zu sitzen und auszuharren, obwohl die nächste Oase schon auf euch wartet. Gott möchte, dass es euch gut geht. Gott möchte euch aus der Wüste herausführen. Wenn wir versuchen, das zu wollen, was Gott will, dann beinhaltet das auch, zu wollen, dass es uns gut geht. Das steht nicht im Widerspruch dazu, demütig zu sein. Demut bedeutet nicht, weiter zu leiden, obwohl Gott vielleicht schon jetzt einen Ausweg bereithält. Die nächste Oase ist nicht immer hinter der nächsten Ecke. Manchmal ist der Weg lang und beschwerlich. Manch eine Oase werden wir erst erreichen, wenn das Königreich beginnt. Aber egal in welcher dieser Situationen wir uns wiederfinden, sollten wir uns nicht einfach im Sand niederlassen und versuchen eine Last anzunehmen, von der Gott nie wollte, dass wir sie tragen. Gott will, dass du glücklich bist. Bis zum nächsten Mal! Eure Lea

  • Kapitulation

    Fremdbestimmung, Hilflosigkeit, Frustration, Wut, Angst, Übermüdung, Handlungsunfähigkeit, Überforderung. Resignation. Aufgeben. Ich versuche seit 3 Wochen einen Blogbeitrag zu verfassen. Doch es ist wirklich schwierig, wenn ich mich nicht darauf konzentrieren kann, zu hohe Ansprüche an mich stelle und keinen klaren Gedanken fassen kann. Manche Tage mit einem Baby sind einfach nur anstrengend. Es ist manchmal schwer, wenn unmittelbare Nähe und Körperkontakt 24/7 eingefordert werden. Da komme ich schon mal an meine körperlichen und psychischen Belastungsgrenzen. Meistens ist es abends am schwersten, wenn der sonst so fröhliche Sonnenschein einfach nicht einschlafen kann und weint und weint und weint, sich endlich beruhigt und kurz einschläft ... ... DANN immer wieder aufwacht und ich bestimmt alles versucht habe (bitte keine gut gemeinten Ratschläge in den Kommentaren, habe schon alles gegoogelt) ihn sanft zum Einschlafen zu bringen und es nicht funktioniert. Dann bin ich kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Die Gefühle schaukeln sich hoch, nicht nur bei mir, sondern auch beim Kind. Dann ist nicht mehr an Einschlafen zu denken. Alle weinen, es wird laut und unruhig. Gut ist es, wenn mein Mann zu Hause ist, das kleine „Gewitterwölkchen“ abnehmen und beruhigen kann und ich somit die Chance bekomme wieder durchzuatmen und mich ebenfalls zu beruhigen (zur Not, indem ich das Zimmer verlasse). Klappt so semi-gut. Wenn ich dann kurz alleine bin, kommen die negativen Gedanken. Ich bin als Mutter überhaupt nicht geeignet. Ich bin an allem Schuld. Ich mache alles falsch. Ich gebe auf. Dazu kommt die Angst zu versagen und nicht gut genug zu sein. Aber woher kommt dieser hohe Anspruch, alles richtig machen zu wollen und die perfekte Mutter sein zu müssen? Ganz ehrlich, ich dachte immer, der kommt allein von mir selbst. Systemisch gesehen ist natürlich auch meine Umgebung daran beteiligt: Freunde, Familie, meine Kindheit (Sozialisation), die Glaubensgemeinschaft und vor allem andere MÜTTER. Da dies ein christlicher Blog ist, könnte ich mal zum Thema Mutterschaft in die Bibel schauen. Schaffe ich gerade nicht. Googlen schon. Geht schneller. Dabei bin ich auf dieses Buch gestoßen: Mütter der Bibel von Margot Käßmann. Das hört sich sehr interessant an. Also falls mir jemand zu Weihnachten etwas schenken möchte, wäre das mein Wunsch. Hilfreich sind für mich Erfahrungsberichte von Müttern, die auch (regelmäßig) an ihre Belastungsgrenzen kommen (Kommentare ausdrücklich erwünscht). Ich erwarte keine Handlungsanleitung für Mutterschaft, denn jede Beziehung ist auf einzigartige Weise wertvoll. Aber die Gefühle sind sehr ähnlich und es hilft mir sehr, sich darüber auszutauschen, vor allem auch über die negativen, um sich nicht so alleine zu fühlen und das Gedankenkarussell zu durchbrechen. Gefangen zwischen Abhängigkeit und Autonomie Es ist überhaupt nicht einfach und nicht selbstverständlich seine Bedürfnisse den ganzen Tag hinten an zu stellen und im Alltag so fremdbestimmt zu sein. Das ist neu für mich. Rund um die Uhr bin ich abrufbar. Soll ich mich wirklich so aufopfern, dass ich irgendwann gar nicht mehr kann und zusammenbreche? Selbstzweifel kommen und lassen mich nicht mehr los. Wie habe ich es nur geschafft mich zu beruhigen? Ganz ehrlich? Dieses Mal war es nicht einfach und nicht biblisch. Oder vielleicht doch? Als ich alleine war habe ich versucht die Gefühle zuzulassen, zu weinen, zu schreien. Ich habe versucht an die schönen Dinge zu denken, die ich die letzten Tage mit und ohne unser Kind erlebt habe. Und so langsam bekam ich neue Kraft. Sogar die Nacht war erträglich. Es hilft mir gerade sehr, meine Gefühle aufzuschreiben. Das würde ich wohl nicht tun, wenn es diesen Blog nicht gäbe. In der Reflexion kann ich sagen, dass Gott und Jesus gegenwärtig waren, mich durch diese Situation begleitet haben und mich zukünftig ohne Aufforderung begleiten werden. Jetzt kann ich aufatmen und danke sagen, dass die beiden für mich da sind und mich zum Glück bedingungslos lieben so wie eine Mutter/Vater. Eure Freya Rise up and shine! Einen Tag später habe ich zufällig (oder auch nicht!?) dieses Lied im Radio gehört und fand, dass das ganz gut zu meiner Situation passt(e). Danach konnte ich wieder lachen 😊 Und der nächste Tag sah zum Glück schon wieder etwas anders aus, positiver und heller. Wenn ich eins gelernt habe in den letzten 8 Monaten mit Kind, dann, dass nichts beständig ist und es immer wieder neue Situationen gibt, die sehr viel Flexibilität und Anpassung erfordern. https://open.spotify.com/track/1Al8Zg3hEmgrUuqqwjKrjI

  • How to disagree

    Aktuell folge ich einer Podcast-Mini-Serie, die auf dem Buch “Love Matters More” von Jared Byas basiert. In dem Podcast geht es darum, wie man seinen Nächsten lieben kann, auch wenn man nicht die gleiche Meinung zu wichtigen Themen hat. Die Themen der insgesamt 6 Podcast-Folgen lauten: 1: How to disagree about Religion 2: The Language of Disagreement 3: How to disagree about Politics 4: How do disagree with Boundaries 5: How to disagree about Vaccines 6: How to disagree as Parents Gleich die erste Folge fand ich sehr interessant, da dort ein amerikanischer Vater (David) und seine (erwachsene) Tochter (Daley) vorgestellt werden. Der Glaube des Vaters ist konservativ einzuordnen, wohingegen seine Tochter einen liberalen Glauben vertritt. Spannend fand ich persönlich, dass sich die beiden in keinster Weise als “Experten” auf dem Gebiet des Miteinander-Kommunizierens sehen. Sie haben im Laufe ihres (Glaubens-) Lebens bereits viele (Streit-) Gespräche miteinander geführt, und jedes Mal wieder etwas festgestellt, was ihrer Beziehung gut tut und was ihr schadet. In dieser Folge stellen sie daher unter anderem ihre “Regeln” vor, wie sie sich bei Diskussionen verhalten möchten, wenn sie nicht die gleiche Meinung vertreten. Da ich - wie viele von euch bestimmt auch – ebenfalls schon Gespräche dieser Art geführt habe, empfinde ich die folgende Liste der beiden als gute Anhaltspunkte für zukünftige Begegnungen: 1. Endpunkt festsetzen Nach einer gewissen Zeit hat man alle relevanten Punkte ausgetauscht und dreht sich möglicherweise nur noch im Kreis. Evtl. baut sich sogar Frustration auf, wenn der andere immer noch nicht von meiner Meinung überzeugt ist. Es kann auch helfen, nicht beteiligte Personen zu bitten, das Gespräch nach einer gewissen Zeit zu unterbrechen, sollte man selbst Schwierigkeiten damit haben, zum Ende zu kommen. 2. Ruhig bleiben Es ist extrem schwierig, bei Themen, die einem besonders wichtig sind, nicht emotional zu werden. Darum ist es wichtig, nicht laut zu werden, den anderen ausreden zu lassen und nicht beleidigend zu werden. 3. Den richtigen Moment abwarten Häufig können spannungsgeladene Gespräche bei Familientreffen stattfinden. Jedes Familienmitglied hat dabei jedoch unterschiedliche Bedürfnisse und Grenzen, die respektiert werden sollen. Wenn man weiß, dass sich beispielsweise der Bruder bei Familienbesuchen darauf gefreut hat, vom eigenen Alltag entspannen und bei der Familie Kraft tanken zu können, wartet man am besten auf einen Zeitpunkt, an dem er gerade nicht da ist, oder man verlässt für das Gespräch den Raum. So können sich die anderen Familienmitglieder über andere Themen unterhalten und eine möglicherweise beim Gespräch entstehende Spannung breitet sich nicht in dem Raum aus, in dem sich noch andere befinden. Dies unterstützt auch nochmal den ersten Punkt (Endpunkt): Sobald man das Zimmer wieder betritt, ist das Gespräch beendet. Dies schafft auch räumlichen Abstand von der Thematik. 4. Auf Positives achten Wenn der Austausch stattgefunden hat und das Gespräch soweit beendet ist, kann man sich darüber austauschen, was man an Positivem von der Ansicht des anderen mitgenommen hat. Besonders der letzte Punkt könne dafür sorgen, dass sich beide Parteien trotz der unterschiedlichen Meinungen gehört und gewertschätzt fühlen. Man kann zum Beispiel den anderen wissen lassen: “Was du erzählst, entspricht nicht meiner Erfahrung - aber ich glaube dir, dass es dir wichtig ist.” Dies überschatte natürlich nicht alle Unstimmigkeiten, aber es helfe sehr, etwas Positives in die Situation zu bringen. Am Ende umarmen sich Vater und Tochter dann sogar meistens noch :) David berichtet im Laufe des Gespräches, dass ihm im Arbeitsalltag häufig Menschen begegnen, die nicht seine Meinung teilen. Dies mache ihm nicht sonderlich viel aus. Geht es allerdings um Glaubensthemen, mit denen seine Tochter nicht übereinstimmt, sei dies plötzlich etwas ganz Anderes. Mit hinein spielen hier Selbstvorwürfe (Was habe ich in der Erziehung falsch gemacht?) oder unerfüllte Hoffnungen (David ist als Kind immer mit seiner ganzen Familie in die Kirche gegangen. Daley und ihre eigene Familie gehören jedoch einer anderen Kirche an. Die gemeinsamen (Glaubens-) Erlebnisse und Erfahrungen, die sich David so sehr wünscht, bleiben somit unerfüllt). Die beiden Möglichkeiten, die einem in so einer Situation bleiben, sind: Man geht komplett getrennte Wege, oder aber man findet gemeinsam einen Weg, wie man von nun an mit diesen Unstimmigkeiten umgeht. David und Daley haben sich fest vorgenommen, sich trotz unterschiedlicher Ansichten weiterhin in Liebe zu begegnen und eine enge Beziehung zueinander zu haben. Sie beide möchten akzeptieren, dass die Situation einfach anders ist, als sie es sich erhofft haben. Dann wird die Frage gestellt, wie wahrscheinlich es ist, dass derartige Diskussionen tatsächlich den Gegenüber von der anderen Meinung überzeugen können. Vater und Tochter hatten da verschiedene Ansichten: David gibt zu, dass in ihm natürlich die Hoffnung weiter bestehe, dass seine Tochter ihre Meinung im Laufe ihres Lebens einmal ändern wird. Menschen könnten sich nur durch das Auseinandersetzen mit unterschiedlichen Meinungen ändern. Daley hingegen meint, dass Veränderung häufig nur dadurch erfolgen könne, wenn man sich von seinem Gegenüber geliebt und akzeptiert fühlt. Dazu passt, was der einflussreiche Psychologe Carl Rogers einmal sagte: “Das Paradox ist, dass man sich selbst erst verändert, sobald man sich selbst so akzeptiert, wie man ist.” *) Dies gilt bestimmt auch, wenn man sich von anderen so akzeptiert fühlt, wie man ist. Was Daley während einer Therapie gelernt hat, war Folgendes: Trauere um das, was du niemals haben wirst, und dann akzeptiere das, was du stattdessen hast. In ihrem Fall sei das Zweite: Dass sie sich glücklich schätzen können, dass sie und ihre Geschwister sich so sehr lieben, dass sie alle gemeinsam mit ihren Eltern und Kindern zusammenziehen wollen, damit ihre Kinder gemeinsam aufwachsen können, und sie so kleine Dinge gemeinsam unternehmen können, wie ihre gemeinsamen Pizza-Abende als Familie. Sich auf positive Dinge zu konzentrieren, ändere die Perspektive. Sie können vielleicht diese eine gemeinsame Sache nicht haben, stattdessen aber viele andere positiven Dinge. Zu der Frage, welches sie selbst als schwieriges Thema bezeichnen würde, berichtet Daley, dass sie selbst viele Freunde aus der LGBTQ-Community habe. Wenn diese hören würden, was ihr eigener Vater zu dem Thema zu sagen habe, würde es diese sehr verletzen. Dabei weiß Daley, dass ihr Vater eigentlich ein herzensguter Mann ist. Dies sei für sie daher besonders schwierig, anzusprechen. Ein weiteres Beispiel sei die unterschiedliche Ansicht zu Frauen in leitenden Positionen innerhalb der Kirche. Zum Abschluss des Gespräches wird zusammengefasst, dass die Schwierigkeit häufig darin besteht, wie man Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen richtig zuhört, und wie man unter derart schwierigen Umständen trotzdem weiterhin Gemeinschaft haben kann. Dies sollte aber, so Jared Byas' Meinung, dennoch möglich sein. Man müsse lernen, in einer Gemeinschaft diese Spannung untereinander auszuhalten und leben zu lernen, denn es werde im Leben immer wieder Punkte geben, in denen man nicht miteinander übereinstimmt. Wichtig sei, aufeinander acht zu geben, selbst Grenzen zu setzen und auch mal zu entscheiden, keine Diskussion zu führen, wenn man merkt, es würde nicht gut ausgehen. Und man müsse Themen finden, zu denen beide Parteien etwas dazu lernen wollen. Byas sagt weiter: Beide Extreme, sowohl den Gegenüber überzeugen zu wollen, als auch das Akzeptieren der Meinung des anderen, kämen daher, dass man seinen Gegenüber liebe. Das werde leider oft falsch interpretiert. Schließlich fasst die Tochter zusammen, dass sie sich wünsche, dass ihr Vater sich keine Vorwürfe machen würde. Sie weiß, dass sie nicht ändern könne, wie er sich fühlt. Dennoch sagt sie ihm, dass er sie ganz wunderbar erzogen habe, denn alle seine Kinder seien gute Eltern, in ihrer eigenen Kirchengemeinde engagiert, und sie alle vereine die Liebe zu ihrer Gemeinde und zu Gott. Ausgehend von der Stelle, an der sich der Vater derzeit befindet, haben alle seine Kinder ihre eigenen Entscheidungen getroffen, doch den Grundstein haben die Eltern gelegt, und darauf könnten sie stolz sein. Daraufhin sagt David, dass auch er sich noch immer auf einer Reise befindet. Er habe mit der Situation, dass es zwischen ihm und seinen Kindern unterschiedliche Ansichten gibt, zwar noch keinen Frieden gefunden, aber er könne damit leben, wie es jetzt ist. In seiner Kirche gäbe es ebenfalls Mitglieder, die nicht alle miteinander übereinstimmen. Und eines Tages sagt der ein oder andere vielleicht, dass er keine Gemeinschaft mehr mit dieser Kirche haben könne. David möchte auf keinen Fall, dass dies auch innerhalb seiner Familie passiert, dass sie nicht mehr Teil ihres Leben sein können. Und beide, Vater und Tochter, haben bereits entschieden, dass es niemals dazu kommen werde. Zu den oben bereits genannten Regeln werden zum Ende hin noch folgende Stichpunkte genannt, auf die bei Gesprächen geachtet werden sollte: Lass den Gegenüber wissen, dass du ihm wichtig bist und ihm zuhörst, dass das Gespräch in Liebe beendet wird, und dass die Beziehung nicht daran zerbrechen wird Achte auf das, was euch verbindet Disagree in love Die hier genannten Punkte können verständlicherweise nicht bei allen Diskussionen angewandt werden. Es gilt je nach Situation einzuschätzen, welche Punkte hilfreich sind. Alles in allem empfand ich das Gespräch jedoch als gute Ideenstütze, bzw. Inspiration. Wer Interesse an der Podcast-Serie hat, kann sie hier finden: https://podcasts.apple.com/gb/podcast/how-to-disagree/id1590669883 Eure Hannah-Mi Gelegentliche Gastbeitrag-Schreiberin, hat grundsätzlich eine positive Einstellung, mag tiefsinnige Gespräche, liebt es, zu lachen, fühlt sich Gott in der Natur am nächsten, teilt die Ansicht 'Gemeinschaft ist trotz Unterschiede möglich' und lebt mit Mann und 2 Katzen in Schottland. *) Zitat aus “Love Matters More” von Jared Byas, S. 62, Zondervan, 2020

  • Gott ist der dümmste Chef

    Ich vermute jeder kennt das, sogar meine Oma: Man schlendert durch die Weiten des Internets, findet etwas unvorhergesehen Interessantes und hat keine Ahnung, wie man eigentlich dorthin gelangt ist. Genau das ist mir neulich mal wieder passiert und mein Fund hat mich so nachdenklich gemacht, dass ich mir überlegt habe: Daraus könnte man einen Beitrag machen. Was ich gefunden habe (und noch mal: fragt mich nicht wie!), war Folgendes: Eine Präsentation über die Unternehmenskultur von Netflix – von Chef von Netflix selbst (https://de.slideshare.net/reed2001/culture-1798664; die deutsche und aktuellere Version findet man auch auf der Unternehmenswebsite (1) ). Zugegeben, ich war bereits der 20.768.316te Nutzer, der auf dieses Dokument gestoßen war. Von einer einzigartigen Entdeckung kann also keine Rede sein. Da ich aber gerade nichts Besseres zu tun hatte (vermutlich eine Lüge), fing ich an zu lesen. Ich kann nicht leugnen, dass ich auch ein wenig neugierig war … immerhin guckt man nicht jeden Tag hinter die Fassade eines solch gigantischen Unternehmens, bei dem ich noch zudem aufgrund meiner Ausbildung selbst prinzipiell den ein oder anderen interessanten Job finden könnte. Und klar: Bei so einem Unternehmen schwingt letzlich auch ein bisschen „Hollywood“- und „Wow“-Faktor mit. Um euch an meinen Gedanken teilhaben zu lassen, folgt nun eine mittel-lange (kurz wäre geschwindelt) und unvollständige Übersicht über diejenigen Aspekte, die mir nach dem ersten Lesen im Kopf geblieben sind. Wenn ihr ein paar Minuten habt, könnt ihr euch gerne selbst ein vollständigeres Bild verschaffen. Hier also meine nicht-ganz-so-kurze Kurzfassung: Netflix. Ein Unternehmen, dass laut einer schnellen Google-Suche im Jahr 2020 mit rund 10.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 25 Mrd. Dollar generiert hat. Wahrscheinlich ist den wenigstens Menschen der Streaming-Anbieter kein Begriff. Netflix ist einer der größten Player der weltweiten Unterhaltungsbranche und damit wohl für viele Kreative aus den verschiedensten Branchen ein Traum-Arbeitgeber. Wie es ist, für Netflix zu arbeiten, lässt sich von außen natürlich nicht wirklich einschätzen. Dafür redet aber Netflix selbst zumindest darüber, was man als Bewerber erwarten kann. Und genau darum geht es in der Präsentation, über die ich beim willkürlichen Surfen gestolpert bin. Die Werte eines modernen Milliardenunternehmens Wie man es bei einem derart erfolgreichen und – obwohl schon einige Jahre am Markt – immer noch weiter aufstrebenden Unternehmen erwarten würde, gibt es zunächst ein einziges erklärtes Ziel: Exzellenz! Netflix will nicht irgendein Mitbewerber in der Unterhaltungsbranche sein, sie wollen den Spitzenplatz einnehmen. Und dafür braucht es Spitzen-Mitarbeiter, die Spitzenleistungen bringen. Da das allein sehr schwer greifbar ist, formuliert Netflix zehn Werte, die ihre Unternehmenskultur (angeblich) prägen und Bewerber auszeichnen sollten: Zunächst wäre dort Urteilsvermögen. Wer sich bei Netflix bewirbt – egal in welcher Position – sollte weise Entscheidungen treffen, den wahren Ursprung von Problemen erkennen und mit Voraussicht handeln können. Auch Kommunikationstalent sollte Mitarbeiter*innen von Netflix auszeichnen. Das gilt nicht nur mit Blick auf die Ausdrucksstärke in Wort und Schrift, sondern auch in Bezug auf hilfreiches, aber deutlich und direkt formuliertes Feedback – ein Aspekt, der sehr häufig im Text genannt wird. Zudem sollte ein*e Netflix-Angestellte*r Neugier mitbringen. Das heißt, schnell und begierig zu lernen, einen Beitrag zum Unternehmen über die eigene Expertise hinaus zu leisten und alles zu hinterfragen, um neue Blickwinkel beizutragen. Besonders Letzteres erfordert Mut, den Netflix als weiteren essenziellen Wert nennt. Wer sich bewirbt, soll in der Lage sein, auch harte Entscheidungen selbstbewusst zu treffen, ohne mit sich zu hadern und dabei auch schlaue Risiken einzugehen. Dazu gehört z. B. das persönliche Risiko, offen auf schlechte Prozesse oder Abweichungen von der Firmenphilosophie hinzuweisen – im Vertrauen darauf, dass dies zumindest theoretisch in jeder Ebene des Unternehmens nicht als negativ, sondern sogar als wünschenswert aufgefasst wird. Natürlich muss eine perspektivische Spitzenkraft Leidenschaft mitbringen, die andere mit dem eigenen Hunger nach Spitzenleistungen motiviert, weil ihr der Erfolg des Unternehmens am Herzen liegt. Das führt dann auch zum Punkt Selbstlosigkeit: Der Erfolg von Netflix sollte über den eigenen Erfolg gestellt werden. Dazu gehört auch, sich Zeit zu nehmen, um Kollegen zu helfen, damit am Ende alle zusammen den größtmöglichen Erfolg erzielen. Um Netflix an der Spitze zu halten wird natürlich Innovation als Wert groß geschrieben: neue, nützliche Ideen einbringen; vorherrschende Annahmen in Frage stellen und bessere Lösungen finden; Netflix agil halten, indem Komplexität minimiert und Prozesse vereinfacht werden. Dabei soll auch Wert auf effektive Kollaboration mit Menschen der verschiedensten Hintergründe gelegt werden, weshalb Inklusion einer der zehn Leitwerte ist. Jede*r Mitarbeiter*in soll Integrität zeigen, also authentisch und transparent sein, nur solche Dinge über Kollegen sagen, die man ihnen auch ins Gesicht sagen würde, Fehler eingestehen und Informationen mit jedem teilen. Zum Abschluss geht es noch um einen ganz besonderen Wert: Wirkung. Ich zitiere hier mal direkt von der Website: „Du erledigst erstaunliche Mengen wichtiger Arbeit. Du erbringst durchgängig eine starke Leistung, damit Kollegen sich auf dich verlassen können. Du machst deine Kollegen besser. Du konzentrierst dich auf Ergebnisse, nicht auf Prozesse.“ (1) Viel Reizvolles Diese Werte klangen für mich beim ersten Lesen zunächst nicht verkehrt. Herausfordernd und ambitioniert, ja, aber nicht grundlegend abzulehnen. In einigen Punkte blitzen sogar kleine christliche Aspekte durch. Mein erstes Gefühl war daher: Netflix sucht engagierte Leute, die wissen, was sie wollen, die aber Teamplayer sind und mit Herzblut bei der Sache sind. Zu diesen Werten gesellen sich beim weiteren Lesen noch mehr durchaus ansprechende Details der Unternehmenskultur: Netflix will ausdrücklich keine „geniale(n) Kotzbrocken“ (1). Soll heißen: Du kannst noch so gut in deinem Job sein – solange du nicht auch zwischenmenschlich exzellent bist, ist Netflix nicht dein Arbeitgeber. Auch ist Netflix bereit, für exzellente Mitarbeiter*innen exzellent zu bezahlen – nämlich immer so, dass man nirgendwo sonst auf dem Markt für eine vergleichbare Stelle mehr bekommt. Vorstellungsgespräche bei anderen Firmen ab und zu sind sogar gewünscht, um den eigenen Marktwert besser einordnen und bei Netflix kommunizieren zu können. Zudem ist Netflix in den meisten Fällen gegen steife Prozesse – trotz der beachtlichen Unternehmensgröße. Leitsätze lauten hier z. B.: „Nach bestem Wissen und Gewissen“ (1), „Handle im besten Interesse von Netflix“ (1) oder „Kümmere dich um dein Baby und dich selbst“ (1). Diese werden auf Themen wie Firmenausgaben, Reisekosten und sogar Urlaub angewandt. Ja, bei Netflix gibt es keine festen Urlaubstage, auch keine geregelte Elternzeit. Jeder kann so viel frei nehmen, wie er oder sie für richtig und angemessen hält. Die Einstellung zu festen Regeln und steifen Prozessen wird von Netflix selbst mit einem Zitat von Antoine de Saint-Exupéry zusammengefasst (1): „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ (Die Stadt in der Wüste / Citadelle) Die Kehrseite der Medaille Das klingt alles super modern, innovativ und frisch – eigentlich sehr ansprechend! Aber wie das fast immer so ist, gibt es auch eine Kehrseite der Medaille. Denn wer nach Sicherheit und Stabilität im Job sucht, der ist bei Netflix falsch: „Die wahren Werte eines Unternehmens zeigen sich daran, wer belohnt oder entlassen wird.“ (1) Netflix sieht sich, anders als manch andere Unternehmen, nicht als Familie, sondern als Sport-Team. Ein Team, dass nicht weniger als echte Stars auf jeder einzelnen Position gebrauchen kann. Laut den Leitlinien werden alle leitenden Angestellten dazu angehalten, kontinuierlich zu prüfen, um welche Teammitglieder sie erbittert kämpfen würden, wenn sie ein anderes Jobangebot bekämen. Wer nicht dazu gehört, bekommt eine großzügige Abfindung und wir dann vor die Tür gesetzt, um Platz für jemand Besseren zu machen. Wer nicht der Beste in seinem Job ist, wird bei Netflix nicht gebraucht. Kleine, zeitlich begrenzte Leistungseinbrüche sind okay, solange es danach wieder bergauf geht. Bedingungslose Treue gegenüber Arbeitnehmern gibt es bei Netflix jedoch nicht. „In einer Familie gibt es oft bedingungslose Liebe, auch wenn der Bruder oder die Schwester sich mal danebenbenimmt. Bei einem Dream-Team geht es darum, alles zu geben, um der bestmögliche Mannschaftskamerad zu sein. Es geht darum, sich leidenschaftlich für seine Mitspieler einzusetzen, obwohl man weiß, dass man möglicherweise nicht für immer im Team ist.“ (1) Der feuchte Traum eines jeden Kapitalisten Besonders die letzte Aussage hat mich nachdenklich gemacht. Um eins vorwegzusagen: Ich rechne Netflix hoch an, dass sie diese „Wer kein Star in seinem Job ist, geht!“-Mentalität offen kommunizieren und auch explizit dazu schreiben, dass Netflix daher für viele nicht der richtige Arbeitgeber sein wird. Deshalb habe ich auch nicht wirklich weiter über Netflix selbst nachgedacht, sondern vielmehr über die beschriebene Haltung – und darüber, was ich eigentlich davon halte. Wie schon am Anfang beschrieben: Mit Netflix geht für mich (trotz oder gerade wegen der erläuterten Firmenphilosophie) ein gewisser „Wow!“-Faktor einher. Alles was beschrieben wird, klingt nach Fortschritt, nach Abenteuer und irgendwie auch nach der Zukunft. Aber wäre das eigentlich eine Zukunft, in der ich gerne leben würde? Die Herausforderung, das Arbeiten in einem Team der Spitzenklasse, die Euphorie, die Motivation, die Inspiration, der Wille wirklich große Dinge zu erreichen – all das klingt im ersten Moment sehr verlockend. Wäre es nicht toll in so einer Firma zu arbeiten? Sollte ich mich mal bewerben? Aber gleich im nächsten Moment schließen sich unweigerlich die nächsten Fragen an: Was, wenn ich nicht mithalten könnte? Was, wenn ich kein Star bin? Was, wenn mein Chef mir schon nach wenigen Wochen sagen müsste: Du hast unsere Erwartungen nicht erfüllt. Hier ist deine Abfindung, bitte mach Platz für einen wirklichen Star. Diese Unternehmensphilosophie ist sicher der feuchte Traum eines jeden Kapitalisten, aber sie könnte schnell mein Albtraum werden. Wie fühlt es sich wohl an mit der von Netflix gewünschten Direktheit ins Gesicht gesagt zu bekommen, dass man nicht gut und nicht umkämpfenswert ist? Ich denke es wäre ein ganz schöner Schlag in die Magengrube. Also bleibe ich wohl besser in meinem sicheren Job. Bloß … dachte ich nicht gerade noch, die Firmenkultur von Netflix wäre die Zukunft? Wäre diese auf die Spitze getriebene Effizienz nicht auch für meine Firma äußerst erstrebenswert? Und noch weitergedacht: Ist das alles nicht in einer kapitalistischen, westlichen Welt das Ziel, das alle verfolgen? Immer höher, weiter, schneller, besser? Und kann dabei nicht jeder nur die Besten gebrauchen? Also nochmal: Was, wenn ich kein Star bin? Oder noch viel deutlicher: Wenn ich ehrlich bin, weiß ich, dass ich kein Star bin. Plötzlich ist die Euphorie und das „Wow!“-Gefühl verflogen. Was bleibt ist ein Gefühl von „Oh …“ ☹ Eine andere Sichtweise Ja, so schnell kann es gehen. So schnell landet man von „Wow, ich kann Teil von etwas großem werden!“ bei „Ich bin nichts wert und werde nicht gebraucht.“ Aber dies wäre ja kein christlicher Blog, wenn das schon das Ende vom Lied wäre. 😉 Denn zum Glück gibt es einen Topmanager, einen Chef eines riesigen, global agierenden Unternehmens, der seine Recruiter aussendet, um genau nach Leuten wie mir zu suchen. Und in seiner Firma zählt nicht, was du leistest, sondern allein, ob du dazugehören möchtest. Ist das nicht verrückt? Wenn ich vor der Wahl stehe zwischen viel Geld, hohem Ansehen, Lob, Anerkennung, inspirierender Arbeit und Selbstverwirklichung auf der einen Seite und Geborgenheit, Sicherheit, Fürsorge und bedingungsloser Liebe auf der anderen – wofür entscheide ich mich? Wenn nur eins von beidem geht – wo landet meine Wahl? Mein erster Reflex geht zu Option eins … aber gleich im nächsten Moment überkommt mich ein kalter Schauer der Angst, wenn ich mir vorstelle, wie es wäre, ohne Option zwei leben zu müssen. Was ist mir wirklich wichtiger? Und wenn ich die Wahl hätte: Von was sollte meine Welt geprägt sein? Ja, Option 1 ist wirklich verführerisch. Aber wenn ich wirklich wählen müsste, fiele meine Wahl auf Option 2. Geborgenheit, Sicherheit, Fürsorge – das ist in der Wirtschaft und somit in den meisten Bereichen der Welt nichts wert. Im wahrsten Sinne des Wortes! Geborgenheit bezahlt keine Gehälter, Sicherheit macht keinen Umsatz und Fürsorge hilft nicht, die Konkurrenz abzuhängen. Ob das wirklich so ist, möchte ich mal in Frage stellen. Auf jeden Fall wird es aber in den allermeisten Fällen genau so wahrgenommen. Unsere Gesellschaft basiert auf Leistung, das sollte jedem schmerzlich bewusst sein. Wer zu wenig leistet fliegt. In der Welt gibt es eben viele Teams, aber kaum Familien. Bei Gott aber ist das anders. Davon lesen wir über die gesamte Bibel hinweg. Wo es im Alten Testament noch den Anschein hatte, als wäre auch Gott ein Chef, der uns einzig über Leistung beurteilt, zeigt uns spätestens das Neue Testament, dass das nie der Fall war. „Was hat denn bei unserem Stammvater Abraham – von dem wir Juden ja abstammen – dazu geführt, dass er für gerecht erklärt wurde? Etwa seine eigenen Leistungen? Dann hätte er Grund, stolz auf sich zu sein. Aber das zählt nichts vor Gott, denn die Schrift sagt: "Abraham glaubte Gott, und das ist ihm als Gerechtigkeit angerechnet worden." Wenn jemand Leistungen erbracht hat, erhält er den Arbeitslohn, den er verdient. Er bekommt ihn nicht geschenkt. Wenn aber jemand keine Leistungen vorweisen kann, sondern sein Vertrauen auf den setzt, der den Gottlosen gerecht spricht, dann wird ihm sein Glaube als Gerechtigkeit angerechnet.“ (Römer 4,1-5) Das klingt unlogisch, dumm und hochgradig unwirtschaftlich – aber wunderschön! Und genau darum geht es. Mit weltlichen Augen betrachtet ist es ein Desaster, seinen Arbeitern nicht angemessenen Lohn zu zahlen, sondern ihnen den Lohn und noch einiges darüber hinaus zu schenken. Für Gott aber ist genau das über alle Maßen erstrebenswert, denn nur so formt sich statt einem Team eine Familie. Und eine Familie ist, was wir Menschen wirklich brauchen. Auch wenn es weltlich gesehen pure Dummheit ist: „Niemand soll sich etwas vormachen. Wenn jemand von euch meint, in dieser Welt weise zu sein, muss er erst einmal verstehen, wie töricht er ist, damit er wirklich weise wird. Denn was diese Welt für weise hält, ist nichts als Dummheit vor Gott. So steht es auch in der Schrift: "Er fängt die Klugen mit ihrer eigenen Schlauheit.“ (1. Korinther 3,18-19) Wie ist Gott also als Chef? In den Leitlinien für Netflix steht ja, was ein guter Chef tun sollte: Er sollte jeden seiner Mitarbeiter dahingehend bewerten, wie sehr er um ihn kämpfen würde, sollte dieser die Firma verlassen wollen. Wenn ich für mich spreche, muss ich feststellen: Gott kämpft selbst um die schlimmsten Mitarbeiter, die man sich vorstellen kann! Sie sind unproduktiv, teilweise sogar kontraproduktiv, oft antriebslos, schaden manchmal sogar dem Ruf der Firma – aber sie sind geliebt! So sehr geliebt, dass im Kampf für jeden Einzelnen nur der aller größte Preis angemessen scheint: „Denn so hat Gott der Welt seine Liebe gezeigt: Er gab seinen einzigen Sohn, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht ins Verderben geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Johannes 3,16) Das ist der Einsatz, den Gott für jeden seiner Mitarbeiter bringt. Für jeden. Sogar für mich. Deshalb kann man wohl sagen: „Gott ist der dümmste Chef der Welt.“. Worauf ich sagen würde: „Ja. Zum Glück!“ Gottes Segen und bis zum nächsten Mal Euer Daniel (1) Quelle: https://jobs.netflix.com/culture?lang=Deutsch ; Stand: 24.10.2021 Alle Bibelzitate sind aus der Neuen Evangelistischen Übersetzung (NeÜ). Titelfoto: Marten Bjork auf Unsplash

  • Ein zuversichtlicher Brief

    Bei uns in der Tageslese war letztens der Brief an die Philipper an der Reihe. Da ich zu dem Zeitpunkt tatsächlich mal wieder die Tageslese gemacht habe (leider lasse ich das manchmal etwas schleifen oder lese einfach etwas anderes aus der Bibel), habe ich also Philipper gelesen. Schon im ersten Kapitel war ich überrascht und überwältigt von der Zuversicht und Positivität, die der ganze Brief ausstrahlt. Deswegen dachte ich, wir könnten zumindest das erste Kapitel mal „zusammen“ lesen und ich teile euch ein paar meiner Gedanken mit, damit ihr hoffentlich auch etwas von der Zuversicht mitnehmen könnt. 😊 (Im Anschluss dürft ihr natürlich gerne noch den Rest des Briefes lesen und ich sage euch, es lohnt sich. 😉) „Paulus und Timotheus, Knechte Christi Jesu, an alle Heiligen in Christus Jesus, die in Philippi sind, und an ihre Bischöfe und Diakone: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“ (Philipper 1,1-2) Sehr interessant, dass Paulus hier in erster Linie an die Menschen in der Gemeinde schreibt und im Anschluss erst an ihre Bischöfe und Diakone. Das gibt dem ganzen Brief irgendwie eine andere Stimmung. Der Brief wird viel persönlicher und man kann sich richtig vorstellen, dass Paulus sich um die Leute in Philippi gesorgt hat und auch tatsächlich alle kannte. Was später in Kapitel 4 ab Vers 2 auch noch mal deutlich zum Ausdruck kommt, da Paulus an der Stelle noch persönliche Bitten an bestimmte Gemeindemitglieder hatte. Ich finde das ganze hilft einem ungemein, sich vorzustellen, dass das tatsächlich Menschen waren, die gelebt haben und denen Paulus mit seinem Brief etwas mitteilen wollte. Und dann kann man sich auch besser vorstellen, dass Paulus wirklich gelebt hat, sodass seine Worte viel echter und lebendiger werden. „Ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke, wenn immer ich für euch alle bitte und voll Freude für euch eintrete im Gebet: Ich danke dafür, dass ihr am Evangelium teilhabt, vom ersten Tag an bis heute, und ich bin dessen gewiss, dass er, der das gute Werk in euch angefangen hat, es bis zum Tag Christi Jesu auch vollendet haben wird. Es ist auch nichts als recht, dass ich so von euch allen denke. Denn ihr wohnt in meinem Herzen, und an der Gnade, die ich im Gefängnis und vor Gericht bei der Verteidigung und Bekräftigung des Evangeliums erfahren habe, habt ihr alle teil. Gott ist mein Zeuge: Ich sehne mich nach euch allen, so wie auch Christus Jesus herzlich nach euch verlangt.“ (Philipper 1,3-8) Auch hier sieht man noch mal, wie sehr Paulus die Menschen in Philippi am Herzen liegen. Es ist sehr erfrischend zu lesen, mit was für einer Zuversicht und Positivität er über die bzw. zu der Gemeinde in Philippi schreibt. Er vermisst die Menschen dort und sehnt sich richtig danach, sie wiederzusehen. Und diese Liebe und Zuwendung vergleicht er dann mit Jesus. Jesus geht es genauso wie Paulus, ihm liegen die Menschen genauso am Herzen. Und glücklicherweise nicht nur die Menschen in Philippi… 😉. „Und ich bete dafür, dass eure Liebe reicher und reicher werde an Erkenntnis und zu umfassender Einsicht gelangt, und dass ihr so zu prüfen vermögt, worauf es ankommt; dann werdet ihr rein sein und ohne Tadel am Tag Christi, erfüllt von der Frucht der Gerechtigkeit, die Jesus Christus wirkt, zur Ehre und zum Lob Gottes.“ (Philipper 1,9-11) Es ist sehr schön zu lesen, dass Paulus hier schreibt, dass unsere Liebe an Erkenntnis zunehmen soll. Liebe ist einfach ungemein wichtig, um das Richtige zu tun. Wenn wir jedem Menschen mit Liebe begegnen, dann können wir ihm gar keinen Schaden zufügen, sondern nur das Richtige tun. Ich kann mir gut vorstellen, dass das auch ist, was gemeint ist, wenn es heißt, dass Gott sein Gesetz in unser Herz schreiben wird (vgl. z. B. Hebräer 8,10). Wenn wir voller Liebe sind und somit auch voller Dankbarkeit (das gehört für mich einfach unmittelbar dazu), dann wird uns das leiten, uns richtig zu entscheiden ("Deinen Willen zu tun, mein Gott, ist mir eine Lust, und deine Weisung trage ich im Herzen." Psalm 40,9). „Ihr sollt aber wissen, liebe Brüder und Schwestern, dass alles, was mir widerfahren ist, nur der Förderung des Evangeliums dient. So hat sich im ganzen Prätorium und weit darüber hinaus die Kunde verbreitet, dass ich um Christi willen in Fesseln liege, und die Mehrzahl der Brüder und Schwestern ist durch meine Gefangenschaft in ihrem Vertrauen zum Herrn gestärkt worden und wagt nun immer entschiedener, das Wort ohne Furcht weiterzusagen.“ (Philipper 1,12-14) Ich finde es unfassbar erstaunlich, dass die Nachricht von Paulus Gefangennahme für so viel Ermutigung und Mut gesorgt hat. Mich hätte das ehrlich gesagt vermutlich eher etwas eingeschüchtert… Aber die Menschen damals haben darin scheinbar super viel Bestärkung gefunden. Vielleicht lag es daran, dass Paulus für sie ein großes Vorbild war, das vor nichts zurückschreckte. Wenn ich weiter darüber nachdenke und mir die Situation damals wirklich vorstelle, muss ich dann aber doch zwangsläufig wieder bewundernd auf Paulus Zuversicht blicken. Und das ist dann doch ganz schön ermutigend und motivierend… „Zwar verkündigen einige Christus bloss aus Neid und Streitlust, andere dagegen aus voller Überzeugung. Die einen tun es aus Liebe, weil sie wissen, dass es meine Bestimmung ist, das Evangelium zu verteidigen, die andern aber verkündigen Christus zum eigenen Vorteil, in unlauterer Gesinnung, in der Meinung, sie könnten mich, der ich in Fesseln liege, dadurch in Bedrängnis bringen. Doch was soll's! Es geht doch einzig darum, dass so oder so, aus echten oder unechten Motiven, Christus verkündigt wird, und darüber freue ich mich. Und ich werde mich auch in Zukunft freuen,“ (Philipper 1,15-18) Mich hat total überrascht, dass Paulus das Motiv der Verkündigung an dieser Stelle völlig egal ist. Solange Christus verkündigt wird und mehr Menschen zum Glauben kommen, macht es keinen Unterschied mit welcher Gesinnung verkündigt wird. Und es scheint Paulus auch egal zu sein, wenn er dadurch noch mehr Schaden nimmt. Er hat einen so festen Glauben, dass ihm „die Welt“ nichts anhaben kann, weil er so sehr auf Gott und Jesus vertraut. „denn ich weiss: Dies alles wird zu meiner Rettung führen, da ihr für mich bittet und der Geist Jesu Christi mir beisteht. Ich warte sehnsüchtig auf das, was kommen wird, und bin guter Hoffnung, dass ich in keiner Hinsicht blossgestellt werde, dass vielmehr Christus in aller Freiheit, wie bisher so auch jetzt, durch meinen Leib verherrlicht wird, sei es durch mein Weiterleben, sei es durch meinen Tod. Denn für mich gilt: Leben heisst Christus, und Sterben ist für mich Gewinn. Wenn ich aber am Leben bleiben sollte, dann bedeutet das, dass meine Arbeit Frucht bringen wird, und so weiss ich denn nicht, was ich wählen soll. Nach zwei Seiten werde ich gezogen: Eigentlich hätte ich Lust, aufzubrechen und bei Christus zu sein; das wäre ja auch weit besser. Am Leben zu bleiben, ist aber nötiger - um euretwillen. Ich vertraue darauf und weiss, dass ich weiterleben und euch allen erhalten bleiben werde, euch zur Förderung und zur Freude im Glauben. So wird euer Ruhm, den ihr in Christus Jesus habt, durch mich noch grösser werden, wenn ich wieder bei euch bin.“ (Philipper 1,19-26) Und hier lesen wir noch mehr über seinen Glauben. Er ist so zuversichtlich und gläubig, dass weder das Leben an sich noch sein Tod, ihm etwas anhaben könnten. Beide Optionen sind in seinen Augen gut – zu Leben und weiter zu verkündigen, scheint ihm aber deutlich wichtiger. Weswegen er auch darauf vertraut, dass er weiterleben wird und so weiter verkündigen kann. Paulus lebt so sehr für seinen Glauben. Mich motiviert das einerseits total und andererseits schüchtert es mich auch ein wenig ein. So oft bin ich gefangen in meinem Alltag und mein Kopf ist mit vielen anderen Dingen beschäftigt. Doch für Paulus gab es nur den Glauben. Und dafür hat er gelebt. In dem Ausmaß wie Paulus kann ich meinen Glauben mit gerade wachsender Familie nicht verkündigen (denke ich zumindest, vielleicht rede ich es mir aber auch nur ein; ich weiß es ehrlich gesagt nicht), aber ich könnte mir mal eine dicke Scheibe abschneiden und öfter über meinen Schatten springen. Paulus starker Glaube, seine Positivität und Zuversicht motivieren mich auf jeden Fall sehr. 😊 „Eins ist wichtig: Ihr sollt als Bürger eurer Stadt leben, wie es dem Evangelium von Christus entspricht, damit ich, ob ich nun komme und euch sehe oder ob ich wegbleibe, von euch erfahre, dass ihr in einem Geist gefestigt seid und eines Sinnes den Kampf für den Glauben an das Evangelium fortführt. Lasst euch in keiner Weise von euren Widersachern einschüchtern; das wird für sie ein Hinweis auf ihren Untergang und eure Rettung sein - und zwar von Gott her! Ihr habt die Gnade empfangen, euch für Christus einzusetzen: nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden, indem ihr denselben Kampf führt, den ihr an mir gesehen habt und von dem ihr jetzt hört.“ (Philipper 1,27-30) Hier sagt Paulus es auch ganz klar: Wir sollen für unseren Glauben einstehen und uns nicht unterkriegen lassen. Was andere Menschen von uns denken, ist egal. Und es kann auch durchaus sein, dass wir wie Jesus auch mal leiden müssen. Wichtig ist nur, wie Gott uns sieht und Gott liebt uns, so wie wir sind. Und wenn wir es schaffen, mehr Menschen davon zu überzeugen, dann freut sich Gott nur noch mehr. So, das waren jetzt meine ersten Gedanken zu dem Kapitel. Nichts super Tiefgründiges, aber ich hoffe, ich konnte euch etwas von Paulus positiver Stimmung rüberbringen und mitgeben für die neue Woche. Wie sieht’s bei euch aus? Welche Gedanken gingen euch beim Lesen durch den Kopf? Schreibt sie gerne in die Kommentare. 😊 „Freut euch im Herrn allezeit! Nochmals will ich es sagen: Freut euch!“ (Philipper 4,4) Eure Lisa ♥

  • "Le Chaim!"

    Montag – viertel nach eins – ein Zug rattert aus dem Norden stetig Richtung Süden – an Bord meine Chefin und ich – Unser Ziel: Landau in Pfalz. Die Einladung zur Weinlese bei dem Bio-Winzer Heiner Sauer hatten wir schon vor Monaten angenommen und nun konnten wir kaum glauben, endlich auf dem Weg zu sein. Bei einem Spaziergang durch die Weinberge bei Böchingen erklärte uns Heiner Sauer persönlich, was da wächst und wie hier gearbeitet wird. Dieses Jahr haben die Winzer es ziemlich schwer, denn die Reben brauchten mehr Aufmerksamkeit als sonst. Der falsche Mehltau breitete sich aus und wenn nicht zur rechten Zeit dagegen vorgegangen wird (mit Kupferlösung spritzen), dann werden die Trauben befallen und der Ertrag schwindet. Oder kleine Insekten piksen die Traubenhaut an, verletzen die Frucht und das zieht dann Fäulnis und Schimmelbildung an, was den Weinbauern ebenfalls nicht erfreut. Oja, meine beiden Weinstöcke zu Hause zeigten dasselbe Bild und die komplette Ernte eines Stockes ist durch Mehltau und Insekten zerstört. Ich hätte wohl schon ganz früh dagegen angehen können. Anschaulich erklärte der passionierte Winzer, der auch ein Weingut in Spanien besitzt, in reinstem Pfälzer Dialekt, was ihm hier und da so auffiel. Jetzt weiß ich, wie ein gepflegter, bearbeiteter Weinberg aussieht und einer, dessen Besitzer „gerade andere Sorgen“ plagen. Hier waren die Reben nicht oft genug geschnitten, Blätter wurden nicht entfernt, so dass die Trauben wenig Licht bekamen, dort wucherte hüfthoch das Kraut. Neu war für mich, wieviel Arbeit so ein Weinberg macht. Beim Anlegen angefangen. Die richtige Sortenwahl, passend zum Boden. Dann 2 Jahre warten, bis zur ersten Ernte. Ich spürte die Liebe zur Natur, den weitsichtigen Umgang mit den Ressourcen und die Freude am Ergebnis: den reifen, prallen, süßen Früchten. Am Abend durfte eine Weinprobe mit leckerem Essen nicht fehlen. Mit glänzenden Augen hatte der Gastgeber zu jedem Tropfen eine Geschichte parat und wir aßen und tranken in geselliger Runde. Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen. Schon um 7 Uhr gab es Frühstück, um kurz nach 8 Uhr waren wir beim Weingut und wanderten zur Lese. Zwei Stunden lang ernteten wir Grauburgundertrauben. Mit einer Rebschere, die äußerst scharf und spitz ist, werden so alle reifen Trauben abgeknipst. Gut, dass die Mitarbeiter schon am Vortag die Blätter um die Trauben entfernt hatten, so konnten wir gut erkennen, was abzuschneiden war. Wegen des feuchten Sommers, hatte so manche Traube kleine Schimmelnester, die wir dann beherzt mit der Schere abschlugen. Nach einer halben Stunde fragte ich mich, ob ich zu groß oder der Weinstock zu niedrig war, musste ich mich doch richtig krumm machen, um an das Schnittgut zu kommen. Unsere Gruppe, ungefähr 25 „Teilzeitwinzer“, war lustig dabei – fehlte nur noch, dass jemand ein Liedchen anstimmte. Selbst zwei kleine kräftige Schauer konnten uns nicht aufhalten und am Ende hatte der kleine Weinbergtraktor zwei große Kisten Trauben geladen. Zurück am Weingut bekamen wir eine Einführung in die Weiterverarbeitung. Und die Erkenntnis wuchs: Weinanbau ist keine einfache Sache. Respekt! Weißwein wird anders gekeltert als Rotwein, die Temperatur in den Edelstahlbehältern darf 37 Grad nicht überschreiten und die Lagerung im Weinkeller hat auch seine Besonderheiten. Auf was der Winzer so alles achten muss… Mit einem kleinen Mittagessen und der Verkostung eines besonderen Weines („wild und wunderbar“) endete dieser interessante Besuch, der einen nachhaltigen Eindruck auf mich gemacht hat. Diesen versuche ich mal mit ein paar Aspekten aus der Bibel zu verknüpfen. Frage: Wie heißt der erste erwähnte Weinbauer in der Bibel? Da war ich schon überrascht, das hatte ich nicht bewusst wahrgenommen. „Zusammen mit Noah hatten auch seine drei Söhne Sem, Ham und Jafet das Schiff verlassen. Ham war der Vater von Kanaan. Von diesen dreien stammen alle Völker der Erde ab. Noah betrieb Ackerbau und legte als Erster einen Weinberg an. Eines Tages trank er so viel von dem Wein, dass er betrunken wurde und sich nackt in seinem Zelt schlafen legte.“ (1. Mose 9,18-20) Offensichtlich machten die ersten Weinbauern auch gleich die Erfahrung, was zu viel Weingenuss so alles anrichten kann, wie dann im folgenden Bibeltext nachzulesen ist. In der ganzen Bibel finde ich kein Verbot, Wein zu trinken, sondern gut gemeinte Ratschläge und Empfehlungen oder sogar Gebote zur Verwendung. Also anders als im Islam, wo grundsätzlich das Trinken von Alkohol verboten wird, finden wir in Gottes Wort viele Beispiele aus dem Leben der Menschen durch die Zeitgeschichte hindurch. Wein wird in den Opfergesetzen erwähnt. „Lass täglich zwei einjährige Lämmer auf dem Altar verbrennen, eins am Morgen, das andere gegen Abend! Mit dem ersten Lamm soll ein Speiseopfer von eineinhalb Kilogramm feinem Weizenmehl dargebracht werden, vermengt mit einem Liter bestem Olivenöl, dazu als Trankopfer ein Liter Wein.“ (2. Mose 29,38-40) Wie so oft, werden Bilder aus dem alltäglichen Leben verwendet, um Ereignisse in der Zukunft zu beschreiben. Die Weinlese wird als Zeit der Freude beschrieben. Auch wenn hier das Gegenteil geschrieben steht: „… denn gerade in der Zeit eurer Ernte und Weinlese sind die Feinde mit lautem Kriegsgeschrei über euer Gebiet hergefallen. In den Obstgärten und Weinbergen singt und jubelt man nicht mehr, niemand presst mehr Trauben in der Weinkelter aus. Dem Singen der Winzer habe ich, der Herr, ein Ende gemacht.“ (Jesaja 18,9+10) Der Weinanbau zu biblischen Zeiten war weit verbreitet und Wein war mit Öl und Getreide ein Grundnahrungsmittel. Mühsam und steinig war der Anbau von Wein. Das ausgewählte Stück Land musste erst von Steinen befreit werden. Von diesen wurde eine Mauer gebaut, um die Pflanzung zu schützen. Und ganz wichtig: ein Turm mit einem Laubdach, in dem es ein paar Grad kühler war, als auf dem sonnigen Feld. Hier konnten die Arbeiter sich im Schatten ausruhen. Hier befand sich auch die Kelter und der Weinkeller. Der Turm eignete sich auch als Wachtturm. (Nachzulesen im „Lexikon zur Bibel“, Brockhaus-Verlag). Anders als bei uns in Nordeuropa, liegen die Weinstöcke am Boden. Das schadet ihnen nicht, da die Sommer heiß und trocken sind. Nur die Reben werden an Pfählen hochgebunden, damit geerntet werden kann. Im neuen Testament komme ich am Wein auch nicht vorbei. Er dient als Heilmittel, wie der Arzt Lukas im Gleichnis vom barmherzigen Samariter beschreibt: „Er ging zu ihm hin, behandelte seine Wunden mit Öl und Wein und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier und brachte ihn in den nächsten Gasthof, wo er den Kranken besser pflegen und versorgen konnte.“ (Lukas 10,34) Und der gut gemeinte Rat von Paulus an Timotheus: „Nun gebe ich dir noch einen persönlichen Rat: Trink nicht länger nur reines Wasser. Du bist so oft krank, und da würde etwas Wein dazu deinem Magen gut tun.“ (1. Timotheus 5,23) Wein wird zum Passahmahl gereicht und ist in unserem Gottesdienst ein zentraler Bestandteil, wenn wir der Aufforderung Jesu folgen und so oft wir uns treffen, den Becher Wein untereinander teilen zum Gedächtnis an unseren Herrn und Messias. „Jesus nahm einen Becher mit Wein, sprach das Dankgebet und sagte: »Nehmt diesen Becher und trinkt alle daraus! Ich sage euch: Von jetzt an werde ich keinen Wein mehr trinken, bis Gottes Reich gekommen ist«“ (Lukas 22,17+18) So viele Facetten des Weinanbaus sind interessant und lassen sich ins geistige Leben übertragen, dass ich hier nur Gedankenanstöße geben kann. Und zum Schluss kommt mir noch das Bild von den Kundschaftern, die Mose ins Land Kanaan aussandte, in den Sinn: „Dann kamen die Kundschafter ins Eschkol-Tal. Dort pflückten sie Granatäpfel und Feigen. Sie schnitten eine Weinrebe ab, die so schwer war, dass zwei Männer sie an einer Stange tragen mussten. Darum nannte man dieses Tal später Eschkol (»Traube«)“ (4. Mose 13,23+24) „Le Chaim“ sagen die Juden und prosten sich zu! Wörtlich: „Zum Leben“ … ganz einfach. Damit bis zum nächsten Mal. Eure Ulrike Die Bibelstellen sind aus der Übersetzung „Hoffnung für alle“ entnommen

Abonniere uns per Mail

Danke für das Abo!

Du kannst dieses jederzeit über den Button in unseren Mails kündigen.

© 2020 leben.einfach.biblisch. | Kontakt | Impressum | Datenschutzerklärung

bottom of page