Search this site
326 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche
- Sommerpause
Ich brauche gerade eine Auszeit. Deshalb mache ich hier jetzt auch eine "Sommerpause". Die letzten Wochen waren sehr anstrengend. In meinem Kopf kreisen so viele Gedanken, Aufgaben und Themen, dass ich sie kaum noch ordnen kann. Manchmal fühle ich mich deshalb überfordert und unzufrieden. Mir fehlt die Struktur im Alltag und ich habe das Gefühl, den Überblick verloren zu haben. Die Aussicht auf Erholung scheint noch so weit weg. Meine eigenen Bedürfnisse stehen gerade oft ganz hinten. Manchmal weiß ich nicht einmal mehr, was ich eigentlich brauche. Es fühlt sich an, als würde ich nur noch funktionieren, statt wirklich zu leben. Und die heißen Tag lassen mich nur noch unklar denken. Doch dann sind da diese kleinen Momente beim Yoga, Klavier spielen oder mit den Kindern. Erlebnisse ganz im Hier und Jetzt ohne Sorgen. Und ich kann spüren wie mein Körper sich entspannt.... ...und dann... ....kommt wieder der Zeitdruck. Ich habe in den letzten Jahren gemerkt, dass ich starre Routinen nicht mag, aber merke gerade, dass ich sie doch brauche zur Orientierung und um Stressvermeidung. Ich fühle mich gefangen zwischen "den Moment genießen" und "Struktur vorgeben und einhalten". Ob Gott sich auch manchmal so fühlt? Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment für ein Gebet: Lieber himmlischer Vater, lieber Jesus, bitte schenkt mir Ruhe und neue Kraft für die kommende Zeit. Nehmt mir meine Unsicherheit und schenkt mir Vertrauen und Zuversicht. Helft mir, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Danke, dass eure Liebe und Güte mich jeden Tag begleiten. Danke, dass ich meinen Blick immer wieder auf euch richten darf. Schenkt mir Frieden, wenn mein Herz unruhig ist, und Sicherheit, wenn ich Angst habe. Amen. Ich wünsche euch blumige, unvergessliche Sommertage, laue Sommernächte und erfrischendes Eis. Ich gehe jetzt ein bisschen im warmen Sommerregen (gerne Reinhören!) tanzen. Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. (Matthäus 11,28-30) Eure Freya Rise up and shine!
- Der barmherzige Esoteriker
Hier ist eine kleine Aufgabe: Nehmt euch mal 10 Sekunden Zeit und versucht an etwas zu denken, was ihr an anderen Menschen innerlich so richtig verurteilt. Ja, ich weiß, das sollten wir als Christen eigentlich nicht tun. Aber Hut ab, wenn es von euch schon jemand geschafft hat, das komplett abzulegen! Ich für meinen Teil arbeite zwar daran, aber wenn ich ehrlich bin, dann gibt es leider doch immer wieder Dinge (Taten, Meinungen, Lebenswandel, …), die mir so sehr widerstreben, dass ich sie (und damit leider auch oft die Menschen, die dazugehören) zumindest leise und innerlich spontan verurteile. Für Christen hängt an dieser Verurteilung auch schnell die Frage: Kann so jemand ins Königreich Gottes kommen? Und selbst, wenn wir überzeugt sind, dass allein Gott die Entscheidung darüber zusteht, wem er ewiges Leben schenken wird, kommt da nicht ab und zu ein Gedanke hoch wie „Aber der doch nicht, oder?“? Vielleicht sind euch bei der kleinen Aufgabe auch direkt Dinge in den Kopf gekommen, die man auf Grundlage der Bibel sehr wohl und ohne schlechtes Gewissen verurteilen kann. Wie steht es zum Beispiel mit Taten und Leuten, die Paulus in 1. Korinther 6 aufzählt? „Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Weichlinge noch mit Männern Schlafende noch Diebe noch Habsüchtige noch Trunkenbolde noch Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes erben.“ (1. Korinther 6,9+10) Also ist es ja wohl durchaus gerechtfertigt, den ein oder anderen Lebenswandel guten Gewissens zu verurteilen, oder? Da steht es ja schwarz auf weiß, oder nicht? Ich möchte behaupten: So einfach ist das nicht. Solche Aufzählungen können wir (wenn überhaupt – denn das große Fass der Auslegung möchte ich an dieser Stelle gerade gar nicht aufmachen) als Messlatte für uns selbst anlegen, um uns immer wieder zu hinterfragen und bei Bedarf neu auszurichten. Diese Messlatte sollten wir aber nicht bei anderen anlegen. Davon bin ich überzeugt. Und ich meine, Jesus auf meiner Seite zu haben. Ich habe neulich eine Bemerkung zu einem der bekanntesten Gleichnisse überhaupt gehört, die mir nachhaltig im Kopf geblieben ist. Es geht um das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10, 25-37). Vielleicht lest ihr diese Stelle kurz, wenn sie euch nicht gut genug in Erinnerung ist. Hier kommt ein Gesetzesgelehrter (also einer von der damaligen geistigen Elite, der vermutlich recht viel auf sich hielt) zu Jesus und versucht ihn herauszufordern mit der Frage, was man tun muss, um ewiges Leben zu bekommen. Er stellt diese Frage zwar in Bezug auf sich selbst, aber aus Jesu Antwort, die er mit den Gleichnis unterstreicht, scheint für mich durch, dass der Gesetzesgelehrte eigentlich gerne eine Messlatte nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere gehabt hätte. Das zeigt sich in den Charakteren, die Jesus in seinem Gleichnis verwendet, allen voran in dem namensgebenden Charakter – einem Samariter! Habt ihr euch mal damit beschäftigt, warum eigentlich ausgerechnet ein Samariter die Hauptrolle in diesem Gleichnis spielt? Was war so schlimm an diesen Samaritern, dass ihr Erscheinen im Gleichnis eine solche Provokation sein konnte? Ich habe das in der Recherche für diesen Beitrag mal nachgelesen – und habe herausgefunden, dass ich bisher meist unterschätzt hatte, wie schlimm diese Gruppe von Menschen für den Gesetzegelehrten gewesen sein muss! Ich ermutige euch, selbst mal etwas nachzulesen, was die Samariter ausgezeichnet hat. Hier nur ein paar Aspekte, die ich bemerkenswert fand: Die Samariter waren Nachkommen des Nordreichs Israels, die sich nach der babylonischen Gefangenschaft jedoch mit anderen Völkern vermischten. Das war für die Juden im Süden ein Graus! Gott selbst hatte diese Vermischung im AT verboten. Die Samariter hatten sich damit auf dem Papier schwer verunreinigt. Die Samariter hatten einen eigenen Tempel und erkannten nur die ersten 5 Bücher Mose als heilige Schrift an. Sie lehnten den Rest der jüdischen Religion und auch den Tempel in Jerusalem ab. Pure Blasphemie! Eine besondere Eskalation im Konflikt der Juden und Samariter brachte eine Art religiöses Attentat, bei dem Samariter kurz vor dem Passahfest im Jahr 10 n. Chr. den Jerusalemer Tempel entweihten, indem sie menschliche Knochen davor verstreuten und ihn so rituell verunreinigten – eine Katastrophe und grenzenlose Unverschämtheit! Es gab also aus Sicht der Juden mehr als genug Gründe, diese widerlichen und gotteslästernden Samariter zu verabscheuen. Aus Sicht der Juden handelten sie so offensichtlich gegen Vieles, was Gott heilig war, dass Gott sie dafür zutiefst verurteilen musste – und dann konnten sie das doch ebenfalls tun, oder? Jetzt stellt euch vor diesem Hintergrund noch einmal vor, was für eine unglaubliche Unerhörtheit und was für ein Schock es für den Gesetzesgelehrten gewesen sein muss, dass Jesus ausgerechnet so einen Samariter in seinem Gleichnis als den Helden, den Guten, den Rechtschaffenden darstellt. Und dann denkt noch mal kurz an unser kleines Experiment vom Anfang zurück … habt ihr an ähnlich „gottlose“ Menschen gedacht? Vielleicht an die Nachbarin aus Stockwerk 2, von der ihr gehört habt, dass sie an Wochenenden als Tänzerin in einem Stripclub arbeitet? Oder an den unbekannten Milliardär aus der Zeitung, der sich mit fragwürdigen Mitteln ein riesiges Familienimperium aufgebaut hat und jetzt in Saus und Braus lebt? Oder vielleicht war es auch ein nicht so unbekannter Superreicher, der vielleicht zufällig auch noch Präsident einer großen Industrienation ist und bei dem es euch schwer fällt, ihn nicht zu verachten? Vielleicht habt ihr auch an ganz andere Menschen gedacht, die euch in irgendeiner Weise triggern und bei denen ihr euch enorm zusammenreißen müsst, sie nicht still und heimlich scharf zu verurteilen. Irgendwer, der (fast wie ein Samariter) so offensichtlich in Sünde und ohne Gott lebt, dass man doch eigentlich kein schlechtes Gewissen haben muss, ihn oder sie zu verurteilen. Aber was wäre, wenn Jesus genau diese Person zum Helden seines Gleichnisses gemacht hätte, um euch ordentlich mit der Nase drauf zu stoßen, dass ihr nur vor den Kopf der Menschen gucken könnt und dass sie vielleicht manchmal viel näher an Gottes Ideale kommen als ihr selbst? Ich habe jetzt gerade absichtlich erst mal „ihr“ geschrieben, denn jetzt kommt noch mein ganz persönliches Zugeständnis … Und damit kommen wir zu der besagten Anmerkung zum Gleichnis, die ich neulich gehört habe und die bei mir wirklich gesessen hat. Auch ich habe nämlich ganz persönliche Triggerthemen, die mich (auch wenn ich mich selbst darüber ärgere) immer wieder dazu verleiten, Menschen vorschnell zu verurteilen. Für mich ist eines dieser Themen Esoterik. Ich fürchte, wenn ich Menschen sehe, die für andere Karten legen oder aus ihrem Wunder-Kristall die Zukunft vorhersagen, oder wenn mir Bekannte von ihren positiv geladenen Heilsteinen vorschwärmen, die ihr Trinkwasser viel gesünder machen, dann habe ich manchmal insgeheim ähnlich Vorurteile, wie sie wohl der Gesetzesgelehrte über die Samariter hatte: Diese Menschen sind ja wohl deutlich vom richtigen Weg abgekommen. Und hier kommt der Theologe Martin Thoms ins Spiel, der in einer Hossa Talk Folge, die ich neulich gehört habe, sagte, dass er in Predigten gerne das „Gleichnis vom barmherzigen Esoteriker“ erzähle. Offenbar bin ich leider nicht allein mit meinem Vorurteil, dass Esoterik und Nachfolge Jesu ja wohl so gar nicht zusammenpassen. Und weil die wenigsten Menschen heute innerlich angewidert sind, wenn sie eine Geschichte von guten Samaritern hören, tauscht Martin Thoms die Figur zur besseren Veranschaulichung eben gerne mal gegen eine aus, die heute bei den Zuhörenden ähnliche Gefühle hervorruft. Da hat er mich kalt erwischt. Also was nehme ich für mich daraus mit? Zum einen, dass es immer wieder wirklich wertvoll ist, sich den historischen Kontext von Bibeltexten genauer anzuschauen. Das Beispiel „Gleichnis vom barmherzigen Samariter“ zeigt hier für mich eindrücklich, dass dem heutigen Leser ansonsten durchaus die ein oder andere relevante Ebene verborgen bleibt – und sei es nur, dass man nicht versteht, wie provokant das Gleichnis eigentlich damals gewesen sein muss. Zum anderen nehme ich natürlich die Rüge mit, die Jesus hier dem Gesetzesgelehrten verteilt und muss sie leider auch auf mich selbst beziehen. Sollte ich in nächster Zeit zu meinem eigenen Ärger mal wieder über irgendwen denken „Na, der ist ja wohl so gar nicht in Gottes Sinne unterwegs!“, dann sollte ich innehalten und mir sagen: Vielleicht der gerade mehr als du! Ich werde zwar immer besser darin, Menschen zu akzeptieren, wie sie sind, aber trotzdem ist es noch ein weiter Weg, bis ich wirklich aufhöre andere in Gedanken zu verurteilen, über die ich ja doch immer nur einen Bruchteil von allem weiß, was Gott über sie weiß. Vielleicht werde ich auch erst durch Gottes Mitwirken im Königreich vollständig bei dieser Haltung angekommen sein. Und hoffentlich darf ich dann dort eine Menge barmherziger Esoteriker treffen, zu denen ich ehrlich sagen kann: Toll, dass ihr auch hier seid! Gottes Segen und bis zum nächsten Mal, Euer Daniel Foto von Viva Luna Studios auf Unsplash
- In Gottes Garten
Die letzte Woche war ziemlich anstrengend. Geradezu eine Herausforderung. Das Verdunklungs- und Gießmanagement wollte eingehalten werden, Rote Grütze sollte ständig vorrätig sein und der verbale Austausch mit meinen Mitmenschen, trotz Überhitzung, freundlich bleiben. Meine Aktivitäten minimieren; das bedeutete, in Gluthitze zur Arbeit zu fahren, hoffen, dass es ein Schattenplätzchen fürs Auto gibt und sich freuen, am späteren Abend in einen wunderbar erfrischenden See zu springen. Sich möglichst tagsüber wenig im Freien aufhalten, viel Trinken und nachts ein kühles Schlafplätzchen finden zählen da noch zu den leichteren Übungen. Bestimmt habt ihr gleiche oder ähnliche Erfahrungen gemacht und freut euch jetzt auf eine entspannte Woche mit „normalen“ Temperaturen! Während ich diesen Beitrag schreibe steigt das Thermometer unaufhörlich, viele Veranstaltungen, auch unserer Gemeinschaft sind abgesagt oder verschoben worden, also Zeit ein wenig die Seele baumeln zu lassen! Ein Fundstück, das mir meine Freundin zum Geburtstag schenkte, wird dabei sicher helfen. Zuerst dachte ich, was für ein skurriler Flohmarktfund, doch dann begann ich mir das Geschenk genauer anzuschauen. Ein ungefähr DIN A5-großes Kreuzstichbild, Herkunft: Scheunenflohmarkt in Südengland, Entstehung: 1996, von wahrscheinlich vergangenem persönlichen Wert. Bei näherer Betrachtung sehe ich immer mehr Details und würde alle gerne ermuntern ebenso auf die Suche zu gehen. Jede Tierart ist vertreten, das sei schon mal verraten. Ob mit Pfote, Flügel oder ohne… Und noch etwas berührte mich: die gestickten Worte, die das symmetrische Bild einrahmen: „ONE IS NEARER GOD´S HEART IN A GARDEN THAN ANYWERE ELSE ON EARTH“ "Man ist dem Herzen Gottes in einem Garten näher als irgendwo sonst auf Erden" Selbst wenn du keinen eigenen Garten hast, empfindest du vielleicht ähnlich in einem Park, einer kleinen Grünanlage oder auf deinem Balkon. Mir fallen gleich mehrere schöne Umschreibungen ein: Lieblingsplatz, Wohlfühloase, …“hier kann ich die Seele baumeln lassen“, Ruhe- und Kraftort. Manche fühlen bei körperlicher Gartenarbeit Entspannung und Ausgleich zum sonstigen Alltag. Die Jahreszeiten spiegeln Wachstum, Entstehung, Reifen, Ernten, Welken und Vergehen wider, nur um jedes Jahr wieder neu zu starten. Natürlich gibt es auch weniger Schönes im Garten zu beobachten, zu behandeln oder schlicht einen Umgang damit zu finden. Ich sage nur, Schnecken, Wühlmäuse und Maulwürfe bringen den ein oder anderen zur Verzweiflung. Meine Devise: Leben und leben lassen, wurde schon oft auf die Probe gestellt. Dieses Jahr teile ich die Massen an reifen Kirschen mit Vögeln, meine Erdbeeren und meine frisch gepflanzten Margeriten, die neu eingesäten Radieschen, mit einer großen Anzahl von Nacktschnecken. Nicht schön, doch kann ich mich damit arrangieren. Eigentlich reicht es für alle und beim Pflanzenkauf achte ich das nächste Mal auf schneckenresistente Arten. Der Maulwurf wirft von Zeit zu Zeit einen Hügel auf, dann wird der eben wieder platt gemacht und neu eingesät. Ich freue mich über die Vielzahl an Tieren in meinem Garten. Zitronenfalter flattern lustig um den blühenden Salbei, Hummeln finden Nektar bei der Katzenminze, Vögel zwitschern, ein Eichhörnchen springt hyperaktiv durch die Baumwipfel und unsere Katze hat wieder mal ein schattiges Plätzchen unter einem Busch gefunden. Und das ist nur der Makrokosmos. Im Verborgenen findet soviel mehr statt. Würmer und Mikroorganismen bauen meine Garten- und Küchenabfälle zu bestem Kompost um und die Raupen, die sich an den Ulmenblättern verpuppt haben, dienen den kleinen Meisen als proteinreiche Nahrung. Und alles sorgt für Balance und Ausgleich. Ist dieses System mal gestört, z.B. durch diese große Hitze, mache ich mir keine Sorgen. Das vertrocknete Gras wird wieder grün und die empfindlichen Pflanzen habe ich mit Wasser versorgt. Dafür schenkt mir mein Garten Schatten durch große Bäume, Kühle, Ruhe, Blumen, Kräuter und Früchte. Gottes Herz Wie würde ich es beschreiben: offen und weit, zugewandt, kreativ und schöpferisch, unendlich vergebend, freundlich und von großer Güte, frei und trotzdem nicht ohne Anleitung: – der Herr dein Gott ist Einer – Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst – Liebet eure Feinde Diese Prinzipien helfen mir bei auch bei der Gartenarbeit. Schließlich fing alles in einem Garten an. Im Garten Eden war alles gut! Gott ruhte am siebten Tag. Da wir nach dem Bilde Gotte geschaffen sind, können auch wir betrachten und genießen und Ruhe finden. Die Ruhe im Garten Eden wurde von Menschen gestört, das System aus dem Gleichgewicht gebracht. Wenn ich mal ganz platt die Erde als Gottes Garten bezeichne, hat unser „Erdengärtner“ es mit der Herausforderung zu tun, den Frieden und die Verbindung von Geschöpf und Schöpfer wieder herzustellen. Was nun folgt, ist Gottes Plan zur Heilung und zum Wachsen zur Vollkommenheit mit all seinen Facetten, Widrigkeiten und Erfolgen. Er öffnet sein Herz, ich kann eintreten, wie in einen Garten. Nehme ich Gott als meinen „Gärtner“ an, kann ich mich entwickeln und wachsen und im besten Falle Samen ausbilden, die ich wieder ausstreuen kann, um für die weitere Verbreitung zu sorgen. Ich kann mir sicher sein, dass ich versorgt werde und dass ich, wenn ich will, Teil seines Erdengartens bin und bleibe! So vielfältig, wie ein Garten auch aussehen kann, so individuell geht ja auch Gott mit uns Menschen um. Einfach Genial! Der eine braucht es gerade exakt und schnörkellos, ein anderer eher wild, bienenfreundlich und natürlich. Und immer wieder gibt es die Möglichkeit der Veränderung, des Wachsens und Reifens, jedes Jahr, immer wieder aufs Neue. Deshalb spricht mich das Wort Gottes, das er zu seinem Propheten Jesaja sagt, direkt an und denke, das sagt Gott zu jedem einzelnen von uns: Gott, der HERR, hat den Himmel geschaffen und ihn wie ein Zeltdach ausgespannt. Die Erde in ihrer ganzen Weite hat er gebildet, die Pflanzen ließ er hervorsprießen, und den Menschen hat er Leben und Atem gegeben. Und nun sagt er zu seinem Diener: Ich, der HERR, habe dich berufen, meine gerechten Pläne auszuführen. Ich fasse dich an der Hand und helfe dir, ich beschütze dich. Durch dich schließe ich einen Bund mit den Menschen, ja, für alle Völker mache ich dich zu einem Licht, das ihnen den Weg zu mir zeigt. (Jesaja 42, 5+6) Der Garten – ein Ort, an dem ich mich mit meinem Gott verbunden fühle! Ich wünsche euch viele schöne „Gartenmomente“! Eure Ulrike …und hier noch die Auflösung: Was siehst du auf dem Bild? Eichhörnchen, Schmetterlinge, Vögel, Fische, Raupen, Kaninchen …hab ich was vergessen? Die Bibelzitate sind, wenn nicht anders vermerkt, der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. Bildquelle: privat
- Spiegelverkehrt
Ich hoffe, der ein oder andere Leser kann sich noch an meinen letzten Beitrag zum Thema „Dekonstruktion“ erinnern, der mit dem Foto eines mit japanischem Kintsugi zusammengesetzten Scherbenkopfes endete. Die letzte zitierte Bibelstelle aus dem ersten Paulusbrief an die Korinther zur stückweisen und unvollkommenen Erkenntnis lautete: Denn wir erkennen stückweise, und wir weissagen stückweise; wenn aber das Vollkommene kommt, wird das, was stückweise ist, weggetan werden. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind; als ich ein Mann wurde, tat ich weg, was kindlich war. Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin. (1. Korinther 13, 9-12) Diese Aussage des Paulus hängt mir immer wieder nach, weil in diesem Bild so viele Fragen stecken. Gerade das Bild des Sehens „mittels eines Spiegels, undeutlich“ scheint mehrere Bedeutungsebenen zu verbergen. Schon die unterschiedlichen Übersetzer dieser Passage ins Deutsche taten sich schwer, die richtigen Worte zu finden. Hier mal eine kleine Auswahl an Übersetzungen: - Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, undeutlich (RELB) - Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; (Luther) - Denn jetzt sehen wir in einem Spiegel nur undeutliche Bilder, (Menge) - Wir sehen jetzt durch einen Spiegel wie im Rätsel, (Schlachter) - Denn jetzt sehen wir nur ein rätselhaftes Spiegelbild (Basisbibel) Undeutliche Bilder im dunklen Wort, rätselhafte Spiegelbilder. Das klingt nun wirklich nicht ansatzweise nach klarer Sicht auf die Dinge. Viele Erklärungen geben sich damit zufrieden, dass dieses Bild für Paulus‘ Zeiten wohl zutreffend war, weil es eben damals nur Spiegel aus polierter Metalloberfläche gab, die nicht annähernd so plan waren, wie unsere heutigen Spiegel, und deshalb nur ein verschwommenes Bild lieferten. Wir haben doch heute so viel bessere Spiegel, perfekt plan, hauchdünn mit Aluminium bedampft, geben sie ein echtes 1:1-Abbild. Das gilt ja vielleicht auch im übertragenen Sinn. Haben wir nicht heute ein viel umfangreicheres theologisches Wissen, über Jahrhunderte von vielen klugen Köpfen zusammengetragen, und viel tiefere Erkenntnisse über die Entstehung der Bibel, ihre Quellen, literarische Besonderheiten, Zuordnung der Schreiber, und noch so viel mehr … ? Wenn das so ist, dann galt ja Paulus‘ Aussage tatsächlich nur für seine Zeit! Aber Vorsicht! Auch in einem perfekt geschliffenen, beschichteten Spiegel sieht man heute wie zu allen Zeiten nur ein spiegelverkehrtes Abbild seiner selbst! (Bedeutet das dann eigentlich, dass nur andere uns „richtig“ sehen!?) Auch die allerbeste Beschichtung gibt nicht 100% des Lichtes wieder zurück! Etwas wird immer verschluckt. Was wir im Spiegel entdecken, ist immer nur äußerlich, vor den Kopf geschaut! Und wie steht’s mit dem stückweise erkennen? Eine in unserer Gemeinde weit verbreitete Auslegung der Aussage „Wenn aber das Vollkommene kommt, wird das, was stückweise ist, weggetan werden.“ besagt: das Vollkommene, das Paulus noch nicht kannte, ist die Tatsache, dass wir heute die komplette Bibel vorliegen haben. Es gibt also kein Stückwerk mehr. Die Gesamtheit der Erkenntnis liegt vor!? Mein Kommentar zu dieser Lesart ist hier nur eine einzige Frage: Warum gibt es dann aktuell nach statistischer Erhebung weltweit ca. 47.000 unterschiedliche christliche Denominationen? Mehr Stückwerk geht doch kaum noch! Wie ich schon in meinem letzten Beitrag berichtete, habe ich den letzten Monaten Vieles zu den unterschiedlichsten theologischen Ansichten gelesen und in diversen Podcasts gehört. Und so war auch unser Urlaub, der ja erst vor drei Tagen vorbei war, eine weitere willkommene Gelegenheit noch weiteren Lesestoff auf meinen E-Book Reader zu laden und zur Sicherheit auch ein paar Podcasts runterzuladen, falls kein gutes Internet vorhanden ist. Gesagt, getan, gelesen und gehört … Mit zunehmendem Lese- und Hörfortschritt wurde dieser Stoff allerdings mehr und mehr ermüdend. Immer bleiben überall Fragezeichen und Ansichten, die ich nicht teile zu Themen wie Trinität, Himmel, Hölle, Teufel, neue Erde, egal wie viele schlaue studierte Menschen auch tiefgründig theologisch schreiben oder reden. So komme ich im Augenblick immer mehr zu dem gleichen Schluss wie schon der große weise König Salomo: Des vielen Büchermachens ist kein Ende, und viel Studieren ermüdet den Leib. (Prediger 12, 12) Im Buch des Predigers und vermutlich auch in der Sammlung der Sprüche hat Salomo alles sorgfältig durchdacht, was so zum Leben gehört. Wenn ich richtig gezählt habe, führt ihn das in 12 Kapiteln dieses Buches 22 mal zu dem Ergebnis „Alles ist Nichtigkeit“. Und weil das so ist, kommt er am Ende des Buches zu dem einfachen Schluss: Das Endergebnis des Ganzen lasst uns hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote! Denn das soll jeder Mensch tun. (Prediger 12, 13) Weil auch noch so viele weitere Bücher oder Podcasts nichts daran ändern werden, dass alles Erkennen für jeden immer nur Stückwerk bleibt und jeder von uns nicht mal sich selbst im Spiegel „richtig“ sieht, werde ich wohl jetzt aufhören, mich mit dem Glauben und der Theologie der Anderen zu beschäftigen, so wie es Paulus auch im Römerbrief rät: Hast du Glauben? Habe ihn für dich selbst vor Gott! (Römer 14, 22) Wenn ich damit noch einmal zurückgehe zum Ende des Predigers, wird für mich klarer, dass nicht die weitere Anhäufung von Erkenntnis zielführend sein kann. Wesentlich scheint ein anderer Aspekt zu sein. Und da vertraue ich mal auf die Weisheit Salomos: Das Endergebnis des Ganzen lasst uns hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote! Denn das soll jeder Mensch tun. Denn Gott wird jedes Werk, es sei gut oder böse, in ein Gericht über alles Verborgene bringen. (Prediger 12, 13-14) Interessanterweise bringt auch Jakobus in seinem Brief den Blick in den Spiegel und die Werke zusammen: Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen! Denn wenn jemand ein Hörer des Wortes ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Mann, der sein natürliches Gesicht in einem Spiegel betrachtet. Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen, und er hat sogleich vergessen, wie er beschaffen war. Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein. (Jakobus 1, 22-25) Sehr interessant finde ich hier den Wechsel vom Wort zum Werk! Also – genug gelesen und gehört! Mein Regal ist eh voll. Mal sehen, wo es was zu tun gibt! Bis dahin, euer Peter! Photo by Brandon Hoogenboom on Unsplash
- Sommerpause
Da sich aktuell genau eine Hälfte des Leben-einfach-biblisch-Teams im Urlaub befindet, legt der Blog eine kurze Pause von zwei Wochen ein. Den nächsten Beitrag könnt ihr wieder am 22.06.26 lesen und dann geht es im gewohnten Rhythmus weiter. Das bedeutet, als nächstes dürft ihr euch auf einen Beitrag von Peter freuen. Bis dahin wünschen wir euch eine schöne und gesegnete Zeit und verabschieden uns mit sonnigen Grüßen aus dem schönen Portugal! Bis zum nächsten Mal! Eure Lea
- Die kulturelle Landpartie und Christliches?
Am letzten Wochenende war ich auf der kulturellen Landpartie im Wendland. In der Vorbereitung suchte ich kurzentschlossen ein Zimmer für eine Übernachtung von Samstag auf Sonntag. Das gestaltete sich schwierig. Ich fand keine Angebote mehr. Es war zu spät. Weil ich schon längere Zeit die Frage im Kopf bewegte, ob ich wohl auch im weitestgehenden Sinne Christliches auf der Veranstaltung sehen und vorfinden werde, gab ich kurzerhand und mit einem Zwinkern im Auge folgende Anfrage in mein Suchprogramm ein. Erstaunlicherweise war der erste Eintrag von einem Hotel bzw. Gästehaus. Das lag super zentral im Wendland und war hervorragend geeignet als Unterkunft für unsere Tour. Kurzerhand buchte ich ein Zimmer und unsere Zweitagetour konnte beginnen. Die kulturelle Landpartie Für alle, die die kulturelle Landpartie nicht kennen habe ich die KI um eine kurze Ausarbeitung gebeten. Die folgende aktuelle Zusammenfassung ist daraus entstanden. Was ist die kulturelle Landpartie? Die kulturelle Landpartie im Wendland ist ein einzigartiges Kunst- und Kulturfestival, das seit 1990 jährlich stattfindet. Zunächst unter dem Namen „Wunde.r.punkte Wendland“, ab 1994 unter „Wunderpunkte“ bis hin zum heutigen Namen „Kulturelle Landpartie – Wunderpunkte im Wentland“. Sie verbindet Kunst, Natur, Gemeinschaft und ländliches Leben in einer Region, die für ihren Widerstand gegen Atomkraft, nachhaltige Lebensweisen und alternative Kultur bekannt ist. Gründe und Entstehung Idee: Künstler:innen und Aktivist:innen wollten Kultur abseits der Städte auf dem Land etablieren – als Gegenentwurf zu kommerziellen Festivals. Motivation: Das Wendland war ein Ort des zivilgesellschaftlichen Engagements (z. B. Gorleben-Proteste). Viele verlassene Höfe und Scheunen boten Raum für kreative Nutzung. Partizipation und Gemeinschaft standen von Anfang an im Mittelpunkt. Inspiration: Internationale Vorbilder wie niederländische „Open Houses“ oder deutsche „Kunstwege“. Entwicklung: Von einer kleinen Idee zum Leuchtturm Jahrzehnt Entwicklung 1990er Kleines, experimentelles Festival mit wenigen Veranstaltungen; Fokus auf politische und ökologische Themen. 2000er Professionalisierung, aber Beibehaltung des unkommerziellen Charakters; internationale Künstler:innen werden angezogen. 2010er–heute Mehrtägiges Festival mit Hunderten von Veranstaltungen (Ausstellungen, Performances, Workshops); kultureller Leuchtturm mit nationaler und internationaler Strahlkraft. Wer macht die Landpartie möglich? Künstler:innen: Maler:innen, Musiker:innen, Bildhauer:innen u. a., die vor Ort arbeiten und die Landschaft einbeziehen. Lokale Initiativen: Dorfgemeinschaften, Vereine und NGOs organisieren eigene Projekte. Förderer: Kulturstiftung des Bundes, Land Niedersachsen, Kunststiftung Niedersachsen und ehrenamtliche Helfer:innen. Besondere Schwerpunkte: Themen wie Atomkraft, Wasser oder Zukunftsbilder prägen einzelne Ausgaben. Wer besucht die Landpartie? Kulturliebhaber:innen aus ganz Deutschland. Künstler:innen und Kulturschaffende zur Inspiration und Vernetzung. Tourist:innen, die das Wendland als Reiseziel entdecken. Lokale, die die Landpartie als Identitätsstifter erleben. Familien und junge Leute, für die sie ein kreatives Erlebnis ist. Gegenwart: Ein Festival mit Zukunft Heute ist die Landpartie: ✅ Kunst im ländlichen Raum – jenseits von Museen und Großstädten. ✅ Nachhaltig und regional – Nutzung alter Gebäude, ökologische Angebote. ✅ Partizipativ – Bürger:innen gestalten aktiv mit. ✅ Politisch und ökologisch – Themen wie Klimawandel und soziale Gerechtigkeit werden künstlerisch aufgegriffen. Ausblick: Herausforderungen und Chancen Die Landpartie steht vor der Frage, wie sie relevant bleibt und ihre Finanzierung sichert. Mögliche Zukunftsmodelle: Mehr partizipative Projekte (Anwohner:innen als Künstler:innen). Stärkere internationale Vernetzung. Ein jährlicher „Kunst- und Kultur-Sommer“ im Wendland. Warum ist die Landpartie wichtig? Sie beweist, dass ländliche Räume kulturell lebendig sind. Sie zeigt, dass Kultur nicht nur Konsum, sondern auch Transformation bedeutet. Sie ist ein Gegenentwurf zu Gentrifizierung und Kommerzialisierung – mit Fokus auf Gemeinwohl, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft. „Kunst auf dem Land – nicht für das Land, sondern mit dem Land.“ Das Motto der Landpartie steht für ihr Vermächtnis und ihre Zukunft. Bei Interesse kannst du dir zur Geschichte der KLP einen weiteren Eindruck verschaffen. Dieser Link erschien übrigens als zweites Ergebnis auf meine Suchanfrage von oben. „GESCHICHTE DER KULTURELLEN LANDPARTIE“ Ein Zitat aus dem Jahr 2017 von einer Künstlerin möchte ich herausstellen. Es bringt eine Besonderheit der Landpartie auf den Punkt. „Ich zeige als Kunsthandwerkerin meine Arbeit und etwas davon, wie ich lebe.“ Hier ist der Zeitungsartikel mit dem Zitat zu finden. Auf dem Weg So, jetzt geht es endlich los. Wir, unsere Kochgruppe aus dem Dorf, erkundeten also per Fahrrad das Event. Mit dem Auto trafen wir uns am vereinbarten Treffpunkt. Entfesselten unsere Räder und radelten einer vorgegebenen Tourbeschreibung in entgegengesetzter Richtung fröhlich drauflos. So ganz einfach war es nicht, denn im Wendland ist die Netzabdeckung noch sehr löcherig. Durch die vielen uns entgegenkommenden Drahtesel waren wir uns allerdings sehr sicher, auf dem richtigen Weg zu sein. Hoppla, rechts ist schon der erste Ausstellungsort. Alle ketteten ihre Räder an und die Erkundung startete. Durch eine Bemerkung einer Freundin wurde ich kurz vorher an meine Fragestellung von oben erinnert, die zu der Suchanfrage führte. Würde ich zum Thema "Christsein" etwas finden oder entdecken? Erstmal lief ich schnurstracks auf einen Mini - Wohnwagen aus Holz zu. Spannend. Dann das erste Bier aus einer kleinen Brauerei aus Hamburg. Wir sahen Schmuck, Mode, Bilder und Skulpturen. Und dann das. Eine Ausstellung mit Natürlichem und Modernem aus Holz. Hier findet ihr den Künstler im Netz für einen ersten Eindruck. "Wildes Holz" Etwas außerhalb der Mitte hing eine menschenähnliche Holzskulptur an einem ideellen, abstrakten Kreuz. Zur Verdeutlichung des Zusammenhangs hing jeweils links und rechts ein deutlich zu erkennendes Holzkreuz. Nach meiner Entdeckung der Arbeit machte ich sofort meine Begleiterin darauf aufmerksam. Erster Hof – erster Link zum Thema Christ. Der Austeller bemerkte unser Interesse und stellte sich sogleich vor. Wir tauschten ein paar Worte und ich stellte die Frage nach der Aussage bzw. Bedeutung seines Werks. Ursprung für ihn war, bei der Beschäftigung mit Kirche und Christsein, die Frage warum war Jesus eigentlich ein so junger Mann? Wäre ein älterer Mensch nicht viel besser geeignet, die Last der ganzen Welt zu tragen. Jedenfalls haben Ältere viel mehr Erfahrung, so seine Beobachtung. Um diesen Gedanken etwas provokant ins Bild zu setzen, hatte der Mensch am Kreuz seines Kunstwerks einen merklichen Bauch und Brüste. Dies bemerkten wir erst nach seinem Hinweis und Zeigen darauf. Er verriet uns auch, dass seine Figur oft auch auf Abneigung stößt. Und er schon heftige Auseinandersetzungen darüber erfahren habe. Das ging so weit, das er aufgefordert wurde, sie abzunehmen. Ich sagte ihm, dass das gegen die Awareness (ein Konzept der KLP zur Unterstützung gegen Diskriminierung, übergriffiges Verhalten und sexualisierte Gewalt) verstoßen würde. Auch er müsste vor Diskriminierung geschützt sein. Seine Frage nahm ich mit. Wir sprachen noch kurz über das "Christsein" und ich machte ihn darauf aufmerksam wie wichtig und befreiend die Begegnung mit Christus nach meiner Erfahrung ist. Wie schön. Mein erstes Erlebnis als Antwort auf meine Frage. Der weitere Tag An der nächsten Station aßen wir eine köstliche Suppe. Zwei von uns tanzten einen Klezmer Reigentanz mitten auf dem Rundlings Dorfplatz. Das machte ihnen sehr viel Freude. Wir besuchten weitere Ausstellungen. Wir sahen einer Akrobatin dabei zu, wie sie mit den Seilen ihrer Schaukel kämpfte. Jedenfalls sah es so aus. In praller Sonnen und sehr begeisternd. Langsam waren die Eindrücke genug. Etwas zurückhaltend hielten wir dennoch an einem etwas unscheinbaren Haus an. „Kommt, hier gucken wir noch rein.“ Und wir haben es nicht bereut. Ein weiterer Holz - Künstler fertigte aus einem Baumstamm Skulpturen in Menschengestalt. In einem kleinen Raum stand sie dann. Eine Figur, die scheinbar mehrere Stadien des Menschenlebens zugleich zeigt. Im Zentrum ein Mensch im mittleren Alter. Aus dem Knie erwächst ein jüngerer Mensch der den älteren auf Bauchhöhe umarmt. Eine knöchrige Hand verdeckt das halbe Gesicht des Erwachsenen. Beim verfolgen der Hand kommt ein menschliches Skelett zum Vorschein, das den Rücken heraufsteigt und den grausigen Kopf gegen den Hinterkopf drückt und auf der Schulter des lebenden Menschen ablegt. Das ganze wird von einer überdimensionierten Hand gehalten, die der Figur von oben ausgehend, ihren Halt gibt. Hier, auf der Seite des Künstlers, könnt ihr ein Foto der Skulptur sehen. Alle waren irgendwie angesprochen. Ich hörte Aussagen wie, das stößt mich ab, wie spannend, die zeigt das Leben. Da war es, kurz vor Ende der Tour, mein zweites „Christsein“ - Erlebnis. Diese Arbeit drückt die Frage des Lebens in einmaliger Einfachheit aus. Wer bin ich? Warum lebe ich? Wo gehe ich hin? Gibt es eine Kraft, die mich hält? Beeindruckend. Wir beendeten den Tag mit einem gemeinsamen Essen auf einem weiteren Ausstellungshof. Und mit einer herrlichen Schluss - Etappe durch die schöne Landschaft im Wendland. Besonders bergab. 😉 In diesem Sinne schaue christlich auf die Dinge. Ingo Anmerkungen und Fragen könnt ihr als Kommentar eintragen. Oder gern auch direkt an mich: ingo@einfach-biblisch.de Ingo Tauchert Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel.
- Sekte
Die meisten Menschen, die ich kenne, mich eingeschlossen, stellen sich unter einer Sekte so etwas vor: Eine Gruppe von Menschen, die etwas abgeschieden lebt und einem, meist männlichen, Anführer "blind" vertraut. Meistens gibt es einen religiösen, fundamentalistischen Hintergrund. Die Lebensweise und der Alltag der Menschen wird streng kontrolliert. Der Anführer ist meistens so etwas wie ein Prophet oder Heiliger für die Mitglieder. Oft werden die "Eingeweihten" durch Strafen oder Gewalt(-androhung) emotional missbraucht. In letzter Zeit habe ich mehrere Interviews mit Aussteiger*Innen aus verschiedenen fundamentalistischen Sekten gehört und verschiedene Serien angeschaut. Dabei kamen mir immer wieder die Fragen in den Sinn: Bin ich auch in einer Sekte aufgewachsen? Und ist diese fundamentalistisch? Denn zum Teil konnte ich mich gut mit verschiedenen Aussagen und Szenen identifizieren. „Bist du evangelisch oder katholisch?“ Diese Frage wurde mir schon oft gestellt. Heute antworte ich meistens: „Ich bin (gläubige) Christin.“ Danach kommt fast immer die nächste Frage: „Und in welche Kirche oder Gemeinde gehst du?“ Meine Antwort lautet: „In die Christadelphian-Gemeinde.“ Und ehrlich gesagt war mir diese Antwort oft unangenehm. Denn allein der Name ist schon kompliziert. Außerdem kennt fast niemand die Gemeinde. Meistens folgte ein irritierter Blick und die Frage: „Wie bitte? Noch nie gehört! Wie heißt die Gemeinde? Wie wird das geschrieben? Ist das eine Sekte?“ Mit ungefähr 15 Jahren habe ich diese Frage sofort entschieden verneint. Ich sagte Dinge wie: „Nein, natürlich nicht. Bei uns gibt es keine "Oberhirten", Propheten oder strengen Regeln. Alles ist freiwillig.“ Ich wollte in jeder Hinsicht vermeiden, dass meine Gemeinde, der viele meiner Freunde und Familienmitglieder angehören, als Sekte wahrgenommen wird. Denn sie war für mich etwas Heiliges, etwas Besonderes, Sicherheit, ein Zuhause. Aber warum eigentlich? Gemäß dem Brockhaus Lexikon ist „Sekte“ der theologische Begriff für eine abgespaltene Glaubensgemeinschaft. Brockhaus unterscheidet dabei zwischen dem historisch neutralen Wortstamm und dem heutigen, meist negativ belegten Sprachgebrauch, der häufig mit Isolation, autoritärer Führung und totalitärem Anspruch einhergeht. Der zweite Teil der Erklärung passt zu meinen Erfahrungen in der Schulzeit: das Thema "Sekten" wurde sehr negativ bewertend bearbeitet. In Kleingruppen mussten wir Referate zu den großen Sekten, wie Scientology, Hare Krishna und Zeugen Jehovas ausarbeiten. Somit lernten wir, dass Sekten sehr gefährlich sind und dass wir uns am besten davon fernhalten. Deshalb war es für mich auch sehr unangenehm, wenn jemand meine Gemeinde als Sekte bezeichnete. Heute, fast 20 Jahre später, würde ich anders antworten. Heute würde ich sagen: Ja, ich bin in einer Sekte aufgewachsen. Denn neutral gesehen ist es eine kleine abgespaltene Gemeinschaft mit eigenen Ansichten. Trotzdem bleibt ein "Jain" in meinem Kopf, dass ich gerne noch einmal näher beleuchten möchte. Es gibt nämlich auch negative Erfahrungen, die mich bis heute prägen. Schon früh spürte ich einen unterschwelligen Druck oder Zwang sich viel Bibelwissen anzueignen. Zum Glück waren meine Eltern dabei nie besonders streng. Trotzdem hatte ich oft das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Auch Beziehungen mit „Außenstehenden“ oder „Ungläubigen“ wurden indirekt kritisch gesehen. Und wurden unterschwellig und indirekt kritisiert. Dadurch entstand schnell das Gefühl, sich falsch oder ungenügend zu fühlen, wenn man nicht das "perfekte" christliche Leben führte. Einmal im Jahr gab und gibt es eine Bibel- und Familienfreizeit, wo sich die Mitglieder der deutschen Gemeinden und auch internationale Glaubensgeschwister mit ihren Familien trafen und treffen. Einerseits freute ich mich darauf, die anderen Kinder und Freunde wiederzusehen. Andererseits stresste mich diese Zeit auch sehr. In den Unterrichtseinheiten der Sonntagsschule verstand ich vieles nicht, während andere scheinbar jede Antwort wussten. Ich hatte keine Lust, neben den Schulaufgaben zusätzlich in meinen Ferien Arbeitshefte über Propheten oder Bibelthemen/-geschichten auszufüllen. Auch die Vorträge waren teilweise für mich sehr zäh. Wörter zählen, Bibelstellen vergleichen und Zusammenhänge finden. Ich versuchte die meiste Zeit Bibelstellen aufzuschlagen, um nicht einzuschlafen. Todeslangweilig. Das alles passte so gar nicht in meine damalige Lebenswelt. Trotzdem machte ich mit – weil es eben alle machten. Oder weil es unausgesprochen "eingefordert" wurde? Es gab wenig Raum dafür, mich selbst kennenzulernen oder eigene Interessen und Potenziale zu entdecken. Viel wichtiger waren Bibelwissen, das Interpretieren von Texten und Anpassung. Das Motto (noch immer aktuell): "Prüft aber alles, das Gute haltet fest!" (1. Thessalonicher 5,21) Leise sein. Funktionieren. Sich einfügen. Darin wurde ich ziemlich gut, da drei Systeme das von mir verlangten: Familie, Gemeinde und Schule. Als Jugendliche spürte ich mehr und mehr den Drang, verschiedene Dinge infrage zu stellen. Einen Zugang zu finden. Zu mir, zu meinen Bedürfnissen, zu Gott und zu Jesus. Das führte zu einigen Krisen. Aber auch zu einer tieferen, echten Verbindung und Demut und zu meiner Taufe im Jahr 2014. Auch heute gibt es Momente, in denen ich mich einfach anpasse. Denn Anpassung bedeutet für mich Sicherheit. Anpassung ist wohl meine Überlebensstrategie. Trotz der teilweise unschönen Erfahrungen möchte ich nicht nur negativ über meine Gemeinde sprechen. In den letzten Jahren hat sich vieles geöffnet und verändert. Die Struktur hat sich gewandelt. Mehr Gleichberechtigung, Lebensnähe und Freiheit. Heute kann ich meinen Glauben in der Gemeinschaft freier leben und trotzdem dazugehören. Ich traue mich immer mehr auch meine Meinung zu sagen, wenn ich eine habe. Ich kann vielleicht keine Bibelverse "prüfen" und vergleichen, aber ich "prüfe" mit meinem Herzen und meiner Intuition, verbunden mit Gebet. Meine Erfahrungen zeigen mir: Dinge können gleichzeitig schön und schwierig sein. Man kann Verletzungen erlebt haben und trotzdem Liebe empfinden. Beides darf nebeneinander existieren. Und offensichtlich bin ich heute noch Teil dieser Gemeinschaft, aber nur, weil nicht nur ich mich in manchen Dingen verändert habe, sondern auch die Gemeinde. Ich habe erlebt, wie sich viele Menschen auf den Weg gemacht haben, in den Austausch gegangen sind, "geprüft" und gestritten haben. Sie haben Unterschiedlichkeiten ausgehalten und immer wieder zueinander gefunden. Das bewundere ich sehr. Deshalb gibt mir diese Gemeinschaft Sicherheit, Hoffnung und Liebe. Viele Menschen dort begleiten mich schon mein ganzes Leben. Daraus sind tiefe und ehrliche Beziehungen entstanden. Wenn wir zusammen sind, spüre ich Frieden. Es ist manchmal so, als würde die Zeit still stehen und wir sind einfach wir. Getragen von der Liebe Gottes, die uns verbindet. Vielleicht fühlt es sich so an vom heiligen Geist erfüllt zu sein. Dafür bin ich dankbar. Also ja, vielleicht bin ich in einer Sekte, aber irgendwie fühlt sich die Frage nach dem Schreiben dieses Beitrags jetzt nicht mehr so wichtig an. Ich wünsche dir einen gesegneten Pfingstmontag. :-) Deine Freya Rise up and shine! Nimm Gottes Liebe an. Du brauchst dich nicht allein zu müh'n, denn seine Liebe kann in deinem Leben Kreise zieh'n. Und füllt sie erst dein Leben, und setzt sie dich in Brand, gehst du hinaus, teilst Liebe aus, denn Gott füllt dir die Hand. ("Ins Wasser fällt ein Stein" - 3. Strophe - Manfred Siebald)
- Der Ton macht die Musik
„In theologischen Fragen hat für mich nur noch Autorität, wer mindestens einen Doktortitel hat.“ Diese Aussage hat mich in den letzten Wochen immer wieder beschäftigt, deshalb möchte ich heute ein paar Gedanken dazu mit euch teilen. Ich kann nicht dafür garantieren, dass ich die Bekannte, die diesen Satz in einer kleinen Runde sagte, 100% korrekt zitiere. (Falls du das liest: Ich hoffe, du siehst es mir nach!) Es ist aber der zugrundeliegende Gedanke, der mir im Kopf geblieben ist und mich nachdenklich gemacht hat. Als jemand, der in einer kleinen christlichen Denomination aufgewachsen ist, die keine bezahlten Pastoren o.ä. kennt und sehr viel Wert auf das persönliche Bibelstudium jedes Einzelnen legt, haben sich natürlich sofort meine Augenbrauen gehoben, als ich diesen Satz hörte. Aber nur kurz. Denn so, wie Peter in seinem letzten Beitrag berichtet hat, hat sich auch bei mir in den letzten Jahren einiges bewegt – ich möchte behaupten zum Positiven, nämlich hin zu noch mehr Empathie, Respekt und Liebe. Meine zweite Reaktion (nach den Augenbrauen) war deshalb nicht „Das sehe ich kritisch.“ oder „Das ist aber nicht sehr biblisch.“, sondern die Frage „Wie kommt mein Gegenüber zu dieser Aussage?“. Und dafür gab es tatsächlich gute Gründe – wie so oft, wenn man erst zuhört und nachfragt und statt gleich zum Konter anzusetzen (Jakobus 1,19 😉). Ich erfuhr von sehr viel Verletzung; von christlichen Einrichtungen, in deren Leitung ausschließlich selbsternannte Gelehrte ohne fundierte Ausbildung den Ton angaben; von Druck durch angebliche biblische Wahrheiten, die das private Leben, die Partnerschaft und die Familie belasteten und letztlich zerstörten; von vermeintlichen Prophetien und Aussprüchen Gottes über das eigene Leben, die mit viel Nachdruck von fragwürdigen Predigern und Propheten weitergegeben wurden; von einem sprichwörtlichen, aber trotzdem irgendwie sehr real empfundenen Schiffbruch, der es erst schmerzlich ermöglicht hat, aus diesem System wieder auszubrechen. Das sind Erfahrungsberichte, die nachdenklich machen: Was davon finde ich in meinem Leben wieder? Wie gehe ich persönlich mit der Bibel um? Was meine ich erkannt zu haben? Wie spreche ich mit anderen über meinen Glauben und meine „Erkenntnisse“? Welche Experten haben für mich Autorität? Hat überhaupt irgendjemand (heute noch) Autorität, wenn es darum geht zu erklären, wer Gott ist und was er möchte? Gehe ich immer korrekt mit der Autorität um, die mir in diversen Kontexten zugesprochen wird? Ich könnte hier noch viele weitere Fragen auflisten und ihr könnt gerne eure eigenen ergänzen. Auf jeden Fall macht allein die Vielzahl der Fragen für mich deutlich, dass es sich lohnt, mehr darüber nachzudenken. Was sind also meine "5 Cent" dazu? Ja, ich bin immer noch überzeugt, dass das private Bibellesen und auch das Austauschen mit anderen über das Gelesene sehr zentrale Aspekte des christlichen Glaubens und für viele wertvoll sein können. Ich denke sogar, dass die Bibel uns in gewisser Weise dazu ermutigt: „Die Juden in Beröa aber waren aufgeschlossener als die in Thessalonich. Sie nahmen die Botschaft bereitwillig auf und studierten täglich die ‹heiligen› Schriften, um zu sehen, ob das, was Paulus lehrte, wirklich zutraf.“ (Apostelgeschichte 17,11) „Die ganze Schrift ist von Gottes Geist gegeben und von ihm erfüllt. Ihr Nutzen ist entsprechend: Sie lehrt uns die Wahrheit zu erkennen, überführt uns von Sünde, bringt uns auf den richtigen Weg und erzieht uns zu einem Leben, wie es Gott gefällt. Mit der Schrift ist der Mensch, der Gott gehört und ihm dient, allen seinen Aufgaben gewachsen und ausgerüstet zu jedem guten Werk.“ (2. Timotheus 3,16+17) „Dein Wort ist eine Leuchte vor meinem Fuß / und ein Licht auf meinem Weg.“ (Psalm 119,105) Die Frage ist aber: Wie gehe ich mit dem um, was lese und vermeintlich über Gott erkenne? Und hier sehe ich teils große Unterschiede! Es ist eine Sache, sich wie die Beröer zusammenzusetzen, in der Bibel zu lesen und sich kritisch darüber auszutauschen. Natürlich darf jeder auch gern seine Gedanken und sein Verständnis teilen und zur Diskussion stellen. Es ist aber eine vollkommen andere Sache, für sich allein in der Bibel zu lesen und sich dann vor eine Gruppe von Menschen zu stellen und voller Selbstbewusstsein die Wahrheit über Gott verkünden zu wollen. Genau das passiert aber leider immer wieder. Und hier kann ich meine Bekannte sehr gut verstehen, die sagt: Es schafft eine ganz andere Basis, ob man im stillen Kämmerlein bzw. in seiner überschaubaren eigenen Bubble die Bibel studiert, oder ob man sich im wissenschaftlich theologischen Kontext bewegt. Das soll nicht heißen, dass nur studierte Theologen Wahrheiten in der Bibel finden könnten oder gar, dass sie generell mit allen Aussagen Recht hätten (es kann immer noch gelten: 5 Theologen – 5 Meinungen). Der wissenschaftliche Kontext schafft hier aber einen Rahmen, der zu gründlicher Arbeit und guten Argumentationen und ggf. Belegen anregt. Und noch dazu: Wenn ein*e Wissenschaftler*in auf einer Plattform redet oder Erkenntnisse oder Thesen publiziert, dann muss er oder sie sich darauf gefasst machen, von einer weltweiten Community aus weiteren Experten hinterfragt, kritisiert oder berichtigt zu werden. Das gilt für Naturwissenschaftler*innen ebenso wie für Theolog*innen. Und das ist ein Rahmen, der Vertrauen schaffen soll. Natürlich ist all das nicht nur positiv. Es gibt genug Beispiele von Christ*innen, die durch das Theologiestudium, z.B. durch die historisch-kritische Befassung mit der Bibel, ihren Glauben verloren haben. Auch birgt die wissenschaftliche Anerkennung bei Theolog*innen, genau wie in jeder anderen Fachrichtung, die Verlockung, sich selbst ein bisschen zu wichtig zu nehmen und vielleicht eher von oben auf die herabzuschauen, die „nur“ für sich die Bibel lesen und ihren kleinen, wertvollen Glauben haben. Es ist eben auch nur ein menschengemachtes System. Ich denke aber, dass wir in der Community, in der ich aufgewachsen bin, oft zu vorschnell alle wissenschaftliche Theologie verurteilt und den Mehrwert, den sie mit ihrer unglaublichen Bandbreite an Themen und Thesen liefern kann, nicht genug gewürdigt haben. Nehmen wir wirklich ernst, wozu Paulus, Silvanus und Timotheus in ihrem Brief die Gemeinde in Thessaloniki auffordern? „[…] prüft aber alles und behaltet das Gute!“ (1. Thessalonischer 5,21) Ich habe auf meiner Reise der letzten Jahren sehr zu schätzen gelernt, welchen neuen Input die akademische Theologie für meinen Glauben und mein Leben geben kann. Ich stimme trotzdem nicht immer allem zu, was ich lese oder höre – vielleicht auch manchmal zu meinem Nachteil. Aber ich genieße es, meinen Horizont an Gedanken über Gott und seine Welt erweitern zu lassen und auch immer mal wieder alte Überzeugungen neuen, kritischen Anfragen auszusetzen. Dabei möchte ich persönlich auf jeden Fall wertschätzen, wie viel mehr Lebenszeit der ein oder andere Theologe schon investiert hat, um Dingen hermeneutisch, historisch oder archäologisch auf den Grund zu gehen, von denen ich ehrlicherweise wenig bis keine Ahnung habe. Und hier schafft ein gewisser akademischer Grad (sei es eine Promotion oder eine Professur) tatsächlich ein Stück weit Vertrauen für mich, einfach dadurch, dass sich Personen auf diesem Niveau notgedrungen schon eine ganze Weile mit Themen beschäftigt haben müssen, sich mit anderen Denkern ausgetauscht haben werden und mit ihrer eigenen Forschung dem Review und der Kritik anderer Experten ausgesetzt waren. Das schützt freilich nicht vor Sturheit und Selbstüberschätzung, aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel 😉 Am Ende ist es gerade die eigene Selbsteinschätzung, die ich persönlich gerne als Richtschnur dafür nehmen, wem ich Autorität zugestehe. Paulus hat dazu einige schöne Worte: „Seid euch der eigenen Niedrigkeit bewusst und begegnet den anderen freundlich, habt Geduld miteinander und ertragt euch gegenseitig in Liebe.“ (Epheser 4,2) „Aufgrund der Gnade, die Gott mir gegeben hat, warne ich jeden Einzelnen von euch: Denk nicht höher von dir, als dir zukommt, sondern schätze dich selbst richtig ein! Maßstab dafür ist der Glaube, den Gott jedem von uns zugemessen hat.“ (Römer 12,3) Mit dieser Haltung möchte ich mit anderen über meinen Glauben reden. Und mit dieser Haltung darf mir gerne jede*r von Gott erzählen und ich werde neugierig zuhören. Dafür muss niemand einen Doktortitel haben – aber schaden tut es auch nicht! 😉 Gottes Segen und bis zum nächsten Mal Euer Daniel --- Alle Zitate sind der Neuen evangelistischen Übersetzung (NeÜ) entnommen. Das Titelbild wurde mit Hilfe von KI erzeugt.
- Wetten, dass...
Eine Überschrift in unserer Tageszeitung versetzte mich letzte Woche in ungläubiges Staunen. Im Wirtschaftsteil las ich: „Wetten auf Krieg und Jesus“ – US-Plattformen Polymarket und Kalshi sammeln Milliarden Das machte mich neugierig. Wie befürchtet, wurde mir eine neue Seite meiner Mitmenschen gezeigt, die ich bis heute nicht kannte. Ja, auf Sportergebnisse, Ausgang von Wahlen oder den Namen des neu geborenen Thronfolgers zu wetten, das hatte ich schon gehört. Dass aber die internationale Finanzwelt großes Interesse an den Wetten auf „die Normalisierung an der Meerenge von Hormus“, auf Zinsbeschlüsse internationaler Zentralbanken und auf andere Zukunftsereignisse hat und damit riesige Summen Geld verdient, finde ich schon beängstigend. Schnelle Rückschlüsse auf künftige Entwicklungen werden durch die erzielten Quoten getroffen und allgemein spricht man von der „Kristallkugel des 21. Jahrhunderts“. Ein Forscher der Technischen Universität Berlin untersuchte 120 Millionen „Trades“ (Handelsabschlüsse) und fand heraus, dass die „Vorhersagen“ relativ genau sind. Grundlage dafür ist das Bündeln von Einzelmeinungen zur „Weisheit der Vielen“, so heißt es im Zeitungsartikel (1). Also tritt ein, was im Sinne der Mehrzahl der Wetter „gewinnt“, bzw. worauf die meisten setzen. So wird es eintreten. Krass! Und natürlich gibt es auch Kritik und Warnungen. Bevor jetzt alle verunsichert sind: in Deutschland sind solche Geschäftsmodelle verboten. Diese „Gesellschafts- und Unterhaltungswetten“ werden hier als Glücksspiel eingestuft und erhalten keine Lizenz. Trotzdem findet man in den international bekannten Plattformen auch typisch deutsche Fragestellungen, ein Zeichen dafür, dass das Geldverdienen mit Wetten auf Voraussagen nicht vor Landesgrenzen und -gesetzen halt macht. Ich finde es sehr befremdlich, auf Kriegsverläufe und andere Eskalationen zu wetten und schließe mich der Meinung des Artikelverfassers an, der schreibt: „… Wetten könnten letztlich sogar hinderlich für Deeskalation und bestimmte Friedensgespräche sein.“ Und was hat Jesus damit zutun? Es gibt tatsächlich eine Wette mit dem Titel „Kehrt Jesus Christus vor 2027 zurück?“ – Schön wär´s! Ich kenne den Verlauf der Wette nicht, kann mir aber vorstellen, dass diese jedes Jahr neu aufgelegt wird und das Ankunftsdatum um ein Jahr verschoben wird. Was bringt jemanden dazu, darauf zu wetten? Da fast niemand daran glaubt, dass es dieses Jahr geschieht, sind die Quoten denkbar schlecht. Es lohnt sich schlichtweg nicht darauf zu wetten. Trotzdem sehe ich den Wunsch dahinter, es möge doch geschehen und das ist das positive an der ganzen Sache. Nur wenn, dann bitte gesichert, am besten mit Vorankündigung durch die Wettplattformen. Das ist für mich das unwahrscheinlichste Szenario. Warum? Wetten hat so gar nichts mit meinem Glauben und dem festen Vertrauen, mit der gut untermauerten Hoffnung auf die Wiederkehr Jesu Christi auf diese Erde zu tun. Ein Blick in den ERF Bibelserver bestätigt mir, dass „wetten“ nur einmal explizit erwähnt wird. Der König von Assyrien bietet dir folgende Wette an: Er schenkt dir zweitausend Pferde, wenn du die Reiter dafür aufbringen kannst. Wetten, dass es dir nicht gelingt? (Jesaja 36,8) Also, der assyrische König Sanherib, der nicht an Gott glaubt und zu den Feinden Israels zählt, bietet dem belagerten Volk einen Deal an! Wohlwissend, dass König Hiskia und sein Volk diese Wette nicht gewinnen können. Er demütigt das Volk Gottes und lässt sie durch seinen Botschafter Rabschake beschimpfen und bloß stellen. Gut, denke ich, diese Handlungsweise gehört nicht in mein Portfolio von Gott wohlgefälligem Leben und Handeln. Was passiert eigentlich, wenn man beim „Wetten“ verliert. Sozusagen auf das „falsche Pferd“ oder die falsche Entwicklung oder Prognose gesetzt hat? Man verliert schlicht seinen Einsatz -> Geld futsch! Wie schon der weise Salomo schrieb: Schneller, als ein Adler fliegen kann, ist dein Geld plötzlich weg – wie gewonnen, so zerronnen! (Sprüche 23,5) Die „Kristallkugel des 21. Jahrhunderts“, die nur durch Wunschdenken und Erwartungen gespeist wird, kann ich im besten Falle als Barometer sehen. Als Anzeiger dafür, auf was die Menschen setzen, was geglaubt und gehofft wird, was kommen sollte, was retten könnte. Dabei gibt uns Gottes Wort, Gottes Versprechen soviel mehr Fundament. Dieser Zeitungsartikel bringt mich dazu, mal (wieder) den Fokus darauf zu legen, was mich sicher hoffen und ruhiger leben lässt. Hier lasse ich mal Jesaja und Johannes sprechen: Denn der HERR wird kommen in seiner ganzen Herrlichkeit. Alle Welt wird ihn sehen, so hat er selbst es angekündigt. (Jesaja 40,5) Ihr habt gehört, was ich euch gesagt habe: Ich gehe jetzt, aber ich komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich wirklich lieben würdet, dann würdet ihr euch darüber freuen, dass ich jetzt zum Vater gehe; denn er ist größer als ich. (Johannes 14,28) Und Petrus sagt es in seiner Rede im Tempel von Jerusalem so deutlich: Gott aber hat das, was er durch den Mund aller seiner Propheten zuvor verkündigte, dass nämlich der Christus leiden müsse, auf diese Weise erfüllt. So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung vom Angesicht des Herrn kommen und er den sende, der euch zuvor verkündigt wurde, Jesus Christus, den der Himmel aufnehmen muss bis zu den Zeiten der Wiederherstellung alles dessen, wovon Gott durch den Mund aller seiner heiligen Propheten von alters her geredet hat. Denn Mose hat zu den Vätern gesagt: »Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, euer Gott, erwecken aus euren Brüdern; auf ihn sollt ihr hören in allem, was er zu euch reden wird«. Und es wird geschehen: Jede Seele, die nicht auf diesen Propheten hören wird, soll vertilgt werden aus dem Volk. Und alle Propheten, von Samuel an und den folgenden, so viele geredet haben, sie haben auch diese Tage im Voraus angekündigt. Ihr seid Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott mit unseren Vätern schloss, als er zu Abraham sprach: »Und in deinem Samen sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde«. Euch zuerst hat Gott, als er seinen Knecht Jesus erweckte, ihn gesandt, um euch zu segnen, indem ein jeder von euch sich von seiner Bosheit bekehrt! (Apostelgeschichte 3, 18-26) (2) Die Geschichte des Volkes Israel zeigt mir, dass Gott seine Versprechen hält, dass seine Prophezeiungen in Erfüllung gehen und das schenkt mir das bedingungslose Vertrauen darauf, dass Jesus Christus wieder zurückkehrt auf diese Erde. Wann, wie, wo ist dann irgendwie nicht so wichtig, sondern der sehnliche Wunsch, es möge geschehen und die ganze Welt errettet werden. Denn was der HERR sagt, das meint er auch so, und auf das, was er tut, kann man sich verlassen. (Psalm 33,4) Jetzt kann ich gestärkt in die neue Woche starten und fühle mich bestätigt und bereit. Danke Gott – du hilfst mir dabei, beschützt und leitest mich! Seid also zu jeder Zeit bereit, denn der Menschensohn wird gerade dann kommen, wenn ihr am wenigsten damit rechnet. (Lukas 12,40) Wetten dass…. Der Mensch denkt über vieles nach und macht seine Pläne, das letzte Wort aber hat der HERR. (Sprüche 16,1) In diesem Sinne Eure Ulrike Die Bibelzitate sind, wenn nicht anders vermerkt, der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. (2) Bibeltext der Schlachter Copyright © 2000 Genfer Bibelgesellschaft (1) Verdener Aller-Zeitung / Wirtschaft, 04. Mai 2026 Bildquelle: pixabay FNur99
- Dekonstruktion und die zweite Naivität
Ende letzten Jahres hatte ich in meinem Beitrag „Kopf, Herz oder Bauch?“ hier auf leben.einfach.biblisch darüber berichtet, wie sich unsere ursprünglichen Pläne für eine neue Gemeinde in Braunschweig, wo wir jetzt leben, verändert haben. Ich hatte berichtet von der Suche und ersten Kontakten zu anderen Gemeinden, von denen es hier reichlich gibt. Und auch davon, wie sich immer wieder eine innere Barriere einstellte, wenn in Predigten von dem Mensch gewordenen Gott die Rede war, der so gar nicht zu meinem Gottesbild passt. Nun, das Leben ging weiter, die Suche nach Gemeinschaft auch. Ich hatte ja zugesagt, wieder zu berichten, wie sich die Dinge so entwickeln. Inzwischen ist fast ein halbes Jahr vergangen und ich kann sagen, das waren Monate mit vielen neuen Erlebnissen, Bekanntschaften und Einsichten. Zwei wesentliche Dinge waren dabei für mich herausragend, die ich hier gerne mit Euch teilen möchte. Das Erste: Immer wieder mal habe ich mich in den Internetauftritten der vielen Braunschweiger Gemeinden umgesehen um mehr über Inhalte und Aktivitäten zu finden. Dabei bin ich durch „Zufall“ (oder wohl eher Gottes Führung) auf eine Gemeinde in der Nähe von Braunschweig gestoßen, die sich „Wohnzimmerkirche“ nennt (https://wohnzimmer-kirche.de/). Da fielen gleich zwei Dinge zusammen. Eine Gemeindegröße und Art der Zusammenkünfte, wie wir sie von unserer Gemeinde schon immer kennen und dieser Begriff, den wir vor Zeiten in der Gemeindebaugruppe für das gefunden hatten, was wir in Braunschweig sein wollten, ein externes Wohnzimmer. Die Kontaktaufnahme war sehr sympathisch und einladend, geprägt von einem liebevollen Miteinander auch bei unterschiedlichen Ansichten. Wir haben inzwischen dort mehrere Gottesdienste besucht, erleben eine liebevolle Gemeinschaft und ich mag einfach das Pastorenehepaar sehr, das in diesem kleinen Dorf Wahle bei Vechelde diese Gemeinde angefangen hat und mit einem kleinen Team am Laufen hält. Das zweite: Durch Daniel bin ich auf einige interessante christliche Podcasts aufmerksam geworden, die ich immer wieder mal in meiner vielen freien Zeit an Vormittagen höre. Der wichtigste dabei heißt „Hossa Talk“. Hier kommen Menschen und Themen zu Wort, die oft abseits des christlichen Mainstream liegen und vermutlich in vielen Gemeinden nicht mal thematisiert werden dürften. Angeregt durch diese Gespräche habe ich inzwischen auch einige Bücher gelesen, die wohl früher nie den Weg in mein Regal gefunden hätten zu Themen wie Allversöhnung, Prozesstheologie, Urzeit-Mythen, zur kulturell-historischen Einordnung biblischer Texte, etc.. Ein Höhepunkt der Auseinandersetzung mit diesen vielen neuen Themen und Menschen war dann sicher vor einigen Wochen die HossaCon, ein Wochenendtreffen der „Hossa-Community“ nicht weit von Braunschweig in einem kleinen Ort im Harz. 100 Menschen unterschiedlichster christlicher Prägung, die sich zum größten Teil noch nie vorher persönlich begegnet sind, haben dort das außergewöhnlichste Wochenende miteinander verbracht, das ich je erlebt habe. Daniel hatte darüber berichtet in seinem Beitrag „Komm in die Gruppe!“ (https://www.leben-einfach-biblisch.de/post/komm-in-die-gruppe). In der Selbstreflektion während dieser vielen neuen Eindrücke fiel mir mehr und mehr auf, wie sehr auch ich in meiner Christadelphian-Bubble verhaftet war. Als zweite Generation in der Gemeinde, in jungen Jahren großer Fan von konkretem „Biblemarking“ zu sämtlichen Grundthemen des Glaubens. So geht Wahrheit, einfach richtig, schwarz oder weiß. Das hat wohl gut meiner eher rational logischen Persönlichkeit gepasst. Eigentlich hatte ich bei genauerer Betrachtung auch über viele Jahrzehnte wenig bis keine Kontakte zu anderen Christen außerhalb der Gemeinde. Die meisten waren ja eh falsch mit ihrer seltsamen Dreieinigkeit, Teufel, Himmel und Hölle, und was noch alles!? Viel von diesem Denken ist inzwischen brüchig geworden (Gott sei Dank!). Aus dem ursprünglich einfachen schwarz/weiß wurden zunehmend mehr Grautöne (Frauenbild der Gemeinde, Abgrenzung zu anderen Christen, exklusives Abendmahl, Homosexualität, etc.). Erst jetzt, durch die vielen Kontakte zu anderen Christen, öffnet sich für mich ein Blick in eine unglaubliche Vielfalt und ein wertschätzendes Nebeneinander. Die Bubble ist geplatzt! Der Leib aus vielen Gliedern nimmt langsam Gestalt an. Inzwischen habe ich mit vielen gesprochen oder von vielen gehört, die sich wegen zum Teil heftigen Erfahrungen und Verletzungen von ihren Gemeinden entfernt haben und vieles bis alles an ihrem bisherigen Glauben infrage stellen bzw. gestellt haben. Allzu oft, weil letztlich einfach die Liebe gefehlt hat. Was all diese Menschen und ihren Glaubensweg verbindet, ist der Begriff der „Dekonstruktion“. „Der Begriff Dekonstruktion stammt ursprünglich aus der Philosophie, insbesondere von Jacques Derrida (1930–2004), und bezeichnet eine Methode, die sich mit der Analyse von Sprache, Texten und Konzepten befasst. Dekonstruktion ist ein analytischer Ansatz, der die vermeintliche Stabilität und Eindeutigkeit von Begriffen, Texten oder Systemen (z.B. philosophischen, literarischen, politischen oder religiösen) infrage stellt. Sie zeigt auf, dass scheinbar klare Bedeutungen oft von Widersprüchen, Hierarchien und historischen Bedingungen abhängen.“ Angewandt auf einen dekonstruierten Glauben heißt das: “Der Begriff "dekonstruierter Glaube" (oft inspiriert von Jacques Derridas Philosophie der Dekonstruktion) beschreibt einen Prozess, in dem traditionelle Glaubensüberzeugungen, Dogmen und religiöse Strukturen infrage gestellt, "auseinandergenommen" und neu bewertet werden. Das kann durch persönliche Krisen, wissenschaftliche Erkenntnisse, gesellschaftliche Veränderungen oder Begegnungen mit anderen Weltanschauungen ausgelöst werden." Typische Merkmale: Hinterfragen von Autoritäten: Die Bibel, die Kirche oder traditionelle Lehren werden nicht mehr unkritisch akzeptiert. Auseinandersetzung mit Widersprüchen: Man sieht, dass der Glaube nicht immer einfach, harmonisch oder logisch ist. Persönliche Authentizität: Der Glaube wird nicht mehr "übernommen", sondern "individuell neu formuliert.“ Auch für mich hat dieser Prozess an Wichtigkeit gewonnen. Nicht, weil ich glaube, dass bisher vieles an meinen Glaubensüberzeugungen falsch gewesen wäre, sondern weil ich fühle, dass ich es den vielen neuen anderen Christen, die ich treffe, schuldig bin, ihre Ansichten zumindest mal verstanden zu haben! Dabei hilft es mir sehr, bei vielen dieser Themen nicht immer sofort die eingeübten und antrainierten Standardantworten hervorzukramen, sondern den eigenen „gelernten“ Glauben ebenfalls zu hinterfragen. Ein zweiter Begriff, der im Zusammenhang mit Dekonstruktion oft genannt wird, ist die „zweite Naivität“ als ein Ziel der Dekonstruktion. Meine Lieblings-KI LeChat schreibt dazu: “Das Konzept der "zweiten Naivität" im Zusammenhang mit dem christlichen Glauben stammt vor allem vom französischen Philosophen und Theologen Paul Ricœur. Es beschreibt eine Art des Glaubens, die nicht naiv im Sinne von unreflektiert oder kindlich ist, sondern die durch kritische Reflexion, Zweifel und intellektuelle Auseinandersetzung hindurchgegangen ist – und gerade dadurch zu einer neuen, bewussteren und tieferen Form der Überzeugung gelangt. Kernidee der zweiten Naivität Erste Naivität: Ein unreflektierter, oft kindlicher Glaube, der auf Tradition, Autorität oder emotionaler Bindung beruht. Kritische Phase: Der Mensch hinterfragt seinen Glauben, setzt sich mit Wissenschaft, Philosophie und persönlichen Zweifeln auseinander. Zweite Naivität: Nach dieser Phase der Reflexion und des Zweifels kann der Glaube neu angenommen werden – nicht als blinde Akzeptanz, sondern als bewusste, reflektierte Entscheidung. Im christlichen Kontext bedeutet die zweite Naivität, dass der Glaube nicht auf blinder Tradition oder Angst vor Fragen beruht, sondern auf einer tiefen, persönlichen Überzeugung, die auch Zweifel und kritische Fragen aushält. Sie ermöglicht es, den Glauben in einer modernen, pluralistischen Welt zu leben, ohne ihn aufzugeben oder zu verflachen.“ Ich fühle mich gerade in diesem Prozess hin zur zweiten Naivität sehr wohl. Ich bin dankbar dafür, über meine Zeit so frei verfügen zu können, dass ich Podcasts hören und Bücher lesen kann, die meinen Glauben bereichern und meinen über Jahrzehnte viel zu engen Blick aus der eigenen Bubble unglaublich weiten. Auf der Suche nach einem Titelbild für diesen Beitrag habe ich eine sehr passende Darstellung gefunden, die wunderbar zeigt, wohin mich das Auseinandernehmen, kritisch hinterfragen und neu zusammensetzen führen kann. Was hier dargestellt ist, ist die japanische Kunst des Kintsugi. Eine kurze Begriffsdefinition fasst wunderbar in Worte, was Ziel einer von Gott begleiteten Dekonstruktion sein kann: “Die japanische Kunst, keramische Bruchstücke mit vergoldeten Bruchkanten wieder zusammenzusetzen, heißt Kintsugi (金継ぎ). Diese traditionelle Technik betont die Schönheit der Unvollkommenheit und verleiht den reparierten Objekten einen einzigartigen, wertvollen Charakter.“ „Die Schönheit der Unvollkommenheit“ - ein wunderbarer Ausdruck! - ist wohl das, was Paulus meint, wenn er in 1. Korinther 13 schreibt: Denn wir erkennen stückweise, und wir weissagen stückweise; wenn aber das Vollkommene kommt, wird das, was stückweise ist, weggetan werden. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind; als ich ein Mann wurde, tat ich weg, was kindlich war. Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin. Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe. (1. Korinther 13, 9-13) Euer Peter! Photo by Mirella Callage on Unsplash P.S.: Wer mehr über Dekonstruktion wissen möchte, hier ein Link zu einem sehr lesenswerten Artikel: https://tobiasfaix.de/2023/09/dekonstruktion-zwischen-modewort-notwendigkeit-und-missverstaendnis/










