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Wahrheit

  • Autorenbild: Freya
    Freya
  • vor 3 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Immer wenn ich auf Instagram unterwegs bin, merke ich danach, in welcher "Bubble" ich mich eigentlich bewegt habe und wie der Algorithmus sich langsam aber sicher meinen Alltag beeinflusst.


Ich scrolle durch Beiträge, schaue Shorts und lese manchmal auch die Kommentare.

Und oft bin ich wirklich erschrocken.

Über die Respektlosigkeit. Über die Härte. Und darüber, wie schnell sich Menschen persönlich angegriffen fühlen, nur weil jemand etwas anders macht oder anders denkt.

Obwohl der Beitrag an sich vielleicht gar nicht beleidigend war.

Einfach eine andere Meinung.


Warum fällt es uns eigentlich so schwer auszuhalten, dass andere Menschen anders denken oder anders leben?


Und dann diese ganzen "Shorts".

Noch eins. Und noch eins. Und noch eins.

Nach 30 Minuten bin ich so reizüberflutet, dass ich gar nicht mehr weiß, was davon eigentlich für mein Leben relevant war.

Ich bin gleichzeitig voll und leer.

Voll mit Informationen und irgendwie trotzdem leer, weil ich die ganzen Informationen nicht auf einmal sortieren kann.

Und manchmal stelle ich danach sogar meine eigene Lebensweise infrage.

Mache ich das richtig? Müsste ich etwas anders machen? Lebe ich eigentlich so, wie ich leben möchte?

Und plötzlich bin ich verwirrt und verunsichert. Ich weiß gar nicht mehr so richtig:


Was ist eigentlich wahr? Und was ist falsch?


Diese Haltlosigkeit merke ich inzwischen nicht nur auf Social Media.

Auch im Alltag.

Es gibt so viele Möglichkeiten.

Eigentlich ist das etwas Schönes. Wir können unseren eigenen Weg gehen. Wir können vieles selbst entscheiden. Wir können der Mensch sein, der wir sein möchten.

Aber manchmal finde ich genau das auch unglaublich anstrengend.

Denn woher weiß ich, welcher Weg der richtige ist?


Und dann gibt es noch meine nächste "Bubble" im "richtigen" Leben.

Meine Gemeinde.

Ich mag unsere Zusammenkünfte wirklich sehr gerne. Meistens sind sie für mich schön und erbauend. Bis es manchmal um Politik oder Krieg geht.

Dann bin ich teilweise wirklich schockiert, wie über einzelne Menschen oder ganze Menschengruppen gesprochen wird. Oft sehr negativ. Oft sehr einseitig.

Und vielleicht kommt auch hier ein Teil davon aus Angst.


Denn wer möchte schon, dass sich die Welt, die sich bisher einigermaßen sicher angefühlt hat, plötzlich verändert?


Ich frage mich manchmal, ob es nicht auch eine gewisse Verbindung schafft, wenn man sich gemeinsam über andere aufregt.

Wenn andere Menschen zu „Unruhestiftern“ gemacht werden.

Dann gibt es plötzlich ein „Wir“ und ein „die“.

Und vielleicht gibt uns das sogar ein Gefühl von Sicherheit.

Dazu kommt, dass viele von uns die gleichen Medien konsumieren.

Wir hören die gleichen Nachrichten.

Wir bekommen die gleichen Informationen.

Wir hören die gleichen Erklärungen.

Deshalb spreche ich auch von einer „Gemeindebubble“.


Aber was ist, wenn das, was wir dort konsumieren, gar nicht immer aus Fakten besteht?

Was ist, wenn wir etwas für wahr halten, weil wir es einfach immer wieder hören?

Das beschäftigt mich.

Denn gerade in den letzten Jahren fällt es mir persönlich immer schwerer, richtige und falsche Informationen zu unterscheiden.

Heute kann man vieles so auslegen, wie man möchte.

Auch Forschungsergebnisse oder wissenschaftliche Studien können so dargestellt werden, dass sie zum eigenen Weltbild passen.

Das verunsichert mich und deshalb stelle ich viele Informationen infrage.


Gleichzeitig habe ich durch mein Studium einen kleinen Vorteil.

Ich habe gelernt, wissenschaftliche Arbeiten und Statistiken zu hinterfragen.

Quellen nachzuvollziehen.

Zu schauen, woher eine Information eigentlich kommt.

Ich habe gelernt, Korrelationen und Kausalitäten zu unterscheiden.

Also nicht einfach davon auszugehen, dass zwei Dinge miteinander zusammenhängen, nur weil sie gleichzeitig passieren.

Das hilft mir.

Aber es ist auch Arbeit.


Und je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr merke ich:

Es ist gar nicht so einfach, Wahrheit zu erkennen.

Und vielleicht streben wir deshalb alle so sehr nach Sicherheit.


Wir möchten wissen, was richtig ist.

Wir möchten wissen, wem wir vertrauen können.

Wir möchten wissen, was morgen passiert.

Wir möchten, dass unsere Kinder sicher aufwachsen.

Wir möchten einen festen Boden unter den Füßen haben.


Vielleicht ist genau das auch ein Grund dafür, warum wir uns so gerne in "Bubbles" bewegen.

Dort sind Menschen, die ähnlich denken wie wir.

Dort bekommen wir Bestätigung.

Dort ist die Welt ein bisschen übersichtlicher.

Aber vielleicht liegt genau darin auch eine Gefahr.

Denn wenn wir immer nur das hören, was wir sowieso schon glauben, merken wir irgendwann vielleicht gar nicht mehr, dass es auch andere Sichtweisen gibt.

Ich glaube nicht, dass wir jede Meinung gut finden müssen.

Aber vielleicht können wir wieder lernen zuzuhören.

Fragen zu stellen.

Auszuhalten, dass jemand anders denkt.

Und vielleicht dürfen wir manchmal einfach sagen:


„Ich weiß es nicht.“

Ich finde, das ist gar keine Schwäche.

Vielleicht ist es sogar ein Zeichen von Ehrlichkeit.

Und bei all dieser Unsicherheit gibt es manchmal kleine Geschichten, die mich wieder daran erinnern, dass die Welt nicht nur aus schlechten Nachrichten besteht.


Vor ein paar Tagen habe ich im Auto eine Geschichte im Radio gehört.

Zwei Frauen hatten sich auf der Autobahn in einem zehnstündigen Stau kennengelernt.

Sie haben sich richtig gut verstanden.

Aber leider haben sie keine Kontaktdaten ausgetauscht.

Eine der beiden wollte die andere gerne wiederfinden und hat deshalb versucht, sie über das Radio ausfindig zu machen.

Und tatsächlich hat es funktioniert.

Eine Bekannte der anderen Frau hat die Nachricht gehört.

Und plötzlich wurden die beiden Frauen live im Radio wieder zusammengeführt.

Ich fand das so schön.

Es war für mich wirklich ein Gänsehaut-Moment.

Und ich habe mich so sehr für die beiden gefreut, weil sie sich auch so sehr darüber gefreut haben, sich wiedergefunden zu haben.

Solche Geschichten erfüllen mich.

Sie machen mich dankbar.

Vielleicht, weil sie mich daran erinnern, dass es eben nicht nur das gibt, was wir jeden Tag in den Nachrichten sehen.


Es gibt auch das Gute.

Es gibt Menschen, die sich begegnen.

Menschen, die füreinander da sind.

Menschen, die helfen.

Menschen, die sich wiederfinden.

Es gibt Freundlichkeit.

Es gibt Hoffnung.


Und vielleicht sollten wir dem auch wieder mehr Raum geben.

Denn ja, die Menschheit kann böse sein.

Das möchte ich gar nicht schönreden.

Aber wir können uns trotzdem jeden Tag neu für das Gute entscheiden.


Wir können ein Licht sein.

Wir können freundlich sein.

Wir können zuhören.

Wir können Menschen nicht sofort in Schubladen stecken.

Wir können uns gegen Hass entscheiden.


Und vielleicht steckt genau das auch an.


Mein Glaube an Gott und an seinen Sohn Jesus hilft mir dabei enorm.

Denn wenn sich die Welt für mich manchmal haltlos anfühlt, gibt mir mein Glaube einen festen Punkt.

Ich versuche deshalb, mir bewusst Zeit zu nehmen, dankbar zu sein.

Mich nicht nur auf die schlechten Nachrichten zu konzentrieren.

Nicht alles zu konsumieren, was mir angeboten wird.

Und mich immer wieder zu fragen:


Was ist wirklich wichtig?

Wie möchte ich mit anderen Menschen umgehen?

Was würde Jesus tun?


Ich habe nicht auf alles eine Antwort.

Ich weiß auch nicht immer, was richtig und was falsch ist.

Aber ich weiß, an wem ich mich orientieren möchte.

An Jesus.


Nicht an meiner Social-Media-Bubble.

Nicht an meiner Gemeinde-Bubble.

Nicht an der lautesten Meinung.


Sondern an ihm.


Vielleicht bedeutet Wahrheit für mich deshalb gar nicht, auf alles eine Antwort zu haben.

Vielleicht bedeutet Wahrheit auch, zu wissen, wo ich meinen Halt finde.

Und wenn um mich herum alles laut, schnell und verwirrend wird, möchte ich mich daran erinnern:


Ich muss nicht alles wissen.

Ich muss nicht alles sehen.

Ich muss nicht jede Meinung kennen.

Ich darf innehalten.

Ich darf hinterfragen.

Ich darf meine Meinung verändern.

Ich darf sagen: „Ich weiß es nicht.“


Und ich darf mich immer wieder neu an Jesus orientieren.

Vielleicht beginnt Wahrheit manchmal genau dort.

Wenn wir aufhören, unbedingt Recht haben zu müssen.

Und anfangen, ehrlich zu suchen.


Nach Wahrheit.

Nach Gutem.

Nach Hoffnung.


Und nach dem, was wirklich trägt.


Liebe Grüße,

Freya

Rise up and shine!

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