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Spiegelverkehrt - die Zweite

  • Autorenbild: Peter
    Peter
  • 10. Aug.
  • 4 Min. Lesezeit

In meinem letzten Beitrag „Spiegelverkehrt“ habe ich mich mit dem Bild beschäftigt, das Paulus benutzt um uns klar zu machen, wie unvollkommen unser Verständnis biblischer „Wahrheiten“ ist (ich mag diesen Begriff überhaupt nicht, weil wir ihn nach meinem Verständnis nie so benutzen, wie ihn die Bibel meint). Selbst wenn der Spiegel, in den wir schauen, noch so präzise und lichtstark ist, ist doch das Bild immer nur ein spiegelverkehrtes Abbild, nie das Ding selbst.


Im Augenblick beschäftigt mich sehr stark der Blick in den eigenen inneren Spiegel und ich frage mich, wie viel von dem, was ich da sehe, wohl auch nur ein „spiegelverkehrtes“ Abbild ist und nicht mein eigentliches Selbst?



Wie viel von dem ist wohl mehr eine Reflexion (um im Bild zu bleiben) meiner Wünsche und Vorstellungen davon, wer ich gerne wäre ,als ein ehrliches Bild der Wirklichkeit, falls es das überhaupt gibt? Es gibt lange Zeiten, in denen diese Frage irgendwie keine Rolle spielt. Das Leben läuft so vor sich hin. Dinge passieren, es gibt Begegnungen mit Menschen, manchmal Feedback, das irgendwie wohltuend zum Selbstbild passt, nichts was den Einklang mit sich selbst und die Zufriedenheit stört …


Und dann gibt es doch immer wieder die Momente, wo das Selbstbild mit dem Bild kollidiert, das andere von mir haben. Solche Momente sind nicht irgendwelche konkreten Diskussionen oder Streitgespräche. Zumeist sind es (zumindest mir geht es so) ganz kleine, plötzliche „Trigger“: nur ein Blick oder ein kurzer Kommentar als Reaktion auf etwas Gesagtes oder eine Handlung. Ein winziger Auslöser, aber die innere Reaktion ist heftig. Es fühlt sich an, als ob der Spiegel des Selbstbildes in tausend Stücke zerspringt. Was bleibt, sind erstmal Scherben.


Mir kam dazu eine Begebenheit in den Sinn, die schon weiter zurück liegt, aber für mich sehr treffend diesen Moment des wahrgenommenen Triggers einfängt.


Als meine Mutter noch ein eigenes Geschäft für Damenoberbekleidung hatte, kamen wir eines Morgens dort an und fanden eine Seitenscheibe des Schaufensters in Millionen von Scherben zersprungen vor. Wir dachten: wie kann das sein? Das ist doch extra Sicherheitsglas. Wie viel Kraft muss denn da jemand aufgewendet haben, um das zu  bewerkstelligen? Die hinzu gerufene Polizei klärte uns dann auf, dass dazu nur ein kleiner Splitter der Keramik einer Zündkerze reiche, um dieses Ergebnis zu erzielen. Nur ein kleiner Splitter …


Hier ist ein kleiner Internetbeitrag, der das beschreibt und in einer Zeitlupe sehr eindrucksvoll zeigt:



Dieser kleine Splitter und seine Wirkung treffen sehr gut das Gefühl, das ein so kleiner Trigger in der Kollision des Fremdbildes mit dem Selbstbild in mir auslösen kann. Zum Glück sind aber auch diese gefühlten Scherben wohl eher Sicherheitsglas, damit es eben keine größeren Verletzungen gibt.


Dennoch bleibt es zunächst immer wieder ein mühsamer Prozess, die Scherben erstmal aufzufegen und das Geschehene zu akzeptieren. Im Augenblick des Zerspringens ist mein erster Gedanke: „Stop! Euer Bild ist falsch!“ Aber das stimmt natürlich nicht. Denn selbstverständlich ist das Bild, das jemand von mir hat eben sein Bild und vermutlich sogar zutreffender als mein eigenes, zumal, wenn es sich um eine Person handelt, die mich schon lange kennt.


Wenn man sich etwas intensiver mit dem Thema der Selbstwahrnehmung/ Fremdwahrnehmung beschäftigt (soweit ich das laienhaft kann), stellt man allerdings fest, dass auch so ein Fremdbild zwar vermutlich oft zutreffender aber keinesfalls objektiv ist. Denn auch ein Fremdbild wird wiederum von den Wünschen, Erfahrungen, Enttäuschungen und Erwartungen an meine Person beeinflusst sein.


Also alles nur „spiegelverkehrte“ Abbilder statt eines wahren Bildes? Wie kann ich denn dann zu einem zutreffenden Verständnis meiner selbst kommen? Selbstreflexion wird Stückwerk bleiben. Ich könnte alle bitten, die mich lange genug kennen, mir ehrlich zu sagen, wie sie mich sehen. Aber auch, wenn ich das alles richtig sortiert zusammenfüge, bleibt es doch immer hinter dem wahren ICH zurück. Und wenn das so ist, kann ich wohl auch nie so werden, wie ich gerne wäre oder die anderen mich gerne hätten.


Dann bleibt also alles Stückwerk? Weder ich noch die anderen, kennen den Menschen Peter Melching wirklich. Aus mir selbst heraus werde ich wohl keine Chance haben, ein besserer Mensch zu werden, weil ich nie wissen werde, was wirklich fehlt. Und wäre ich dann zumindest so, wie die anderen mich gerne hätten?


Was für ein Dilemma!


Würde ich an diesem Punkt verharren, entspräche das wohl meiner eher depressiven Disposition, die sich immer mal wieder Bahn bricht. Aber – Gott sei Dank! – gibt es einen Ausweg, der beide wesentlichen Fragen beantwortet:


1.     Gibt es jemanden, der mich wirklich kennt?

HERR, du hast mich erforscht und erkannt. Du kennst mein Sitzen und mein Aufstehen, du verstehst mein Trachten von fern. Mein Wandeln und mein Liegen du prüfst es. Mit allen meinen Wegen bist du vertraut. Denn das Wort ist noch nicht auf meiner Zunge siehe, HERR, du weißt es genau. (Psalm 139, 1-3)

2.     Wer hilft mir, der zu werden, der ich sein sollte - oder hat das bereits getan?

Denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken über euren guten Willen hinaus. (Philipper 2, 13)
Der Gott des Friedens aber, der den großen Hirten der Schafe aus den Toten heraufgeführt hat durch das Blut eines ewigen Bundes, unseren Herrn Jesus, der vollende euch in allem Guten, damit ihr seinen Willen tut, indem er in uns schafft, was vor ihm wohlgefällig ist, durch Jesus Christus, dem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (Hebräer 13, 20-21)

Eigentlich ist ja die zweite Frage falsch gestellt! Denn schließlich bin ich doch schon jetzt in Christus eine neue Schöpfung. Ich sollte mich wohl nur öfter mal daran erinnern!

Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5, 17)
Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen. (Epheser 2, 10)

Die Krux an dem „schon jetzt, aber noch nicht“ ist halt:

Sorry, dass das nur manchmal durchscheint!

 

Euer Peter!

 


 

1 Kommentar


Freya
25. Aug.

Hallo Peter, ich finde es tatsächlich spannend, mich selbst und meine Umgebung zu reflektieren. Um zu verstehen, warum wir in bestimmten Situationen besonders emotional und für andere und auch uns selbst unverständlich reagieren lohnt sich für mich oft der Blick in die Vergangenheit. Auf mein eigenes inneres Kind (also meine Gefühle, Prägungen und Erfahrungen aus der Kindheit, die im Unterbewusstsein einen Raum einnehmen) und sogar auf unsere Vorfahren. Durch die Bearbeitung können sich alte Muster auflösen und einen Raum für Veränderung schaffen. Wir können nur uns selbst ändern, die anderen nicht. Ich glaube daran, dass wir die Gabe der Selbstreflexion auch nutzen können und dass Gott und Jesus uns dabei unterstützen und so "Heilung" möglich ist. Es ist so schwe…

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