Mit gutem Beispiel voran
- Ingo

- vor 22 Stunden
- 6 Min. Lesezeit
Beim letzten Babysitten meiner Enkeltochter stolperte ich plötzlich über ein Detail einer bekannten Bibelgeschichte. Ein kleiner Junge spielt bei der Speisung der Fünftausend eine nicht unerhebliche Rolle. Er spendet nämlich die fünf Brote und die zwei Fische und bringt dadurch die Angelegenheit in Fahrt.
Doch der Reihe nach.
Ein neues Bilderbuch
Bei meinem „Babydate“ musste ich ein neues Bilderbuch vorlesen. Dieses Buch war übrigens ein Geschenk von der Uroma, die gleichzeitig eine regelmäßige Leserin unseres Blogs ist. Liebe Grüße an dieser Stelle. Ein sehr schöne Idee.
Zunächst geht es um die Schwierigkeit des Teilens. Um seinem Sohn ein Beispiel dafür zu geben, wie erfolgreich teilen sein kann, erzählt er seinem Kind die Geschichte des Jungen, der Jesus bei der Verwirklichung seines Wunders hilft.

Das kleine Büchlein heißt:
„Der kleine Schlaubär lernt zu teilen“
Ein Kinderbuch von Bob Hartman und Steve Brown (Illustr.).
Erschienen im Verlag „Francke-Buch GmbH“.
Wie gesagt ich wurde gefühlt zum ersten Mal auf diesen Jungen aufmerksam.
Was war das für ein Junge?
Warum hatte nur dieser Junge unter 5000 Männern etwas zu essen dabei?
Welche Anspielung steckt dahinter?
Mein Gedanken Karussell kam so langsam in Gang. Dem wollte ich nachgehen.
Geschenkwunder Jesu
Zunächst einmal den Text aus dem Johannesevangelium.
Fünftausend werden satt Danach fuhr Jesus an das andere Ufer des Sees Genezareth, den man auch See von Tiberias nennt. Eine große Menschenmenge folgte ihm dorthin, weil sie die Wunder gesehen hatten, mit denen er Kranke heilte. Zusammen mit seinen Jüngern ging Jesus auf einen Berg, und dort setzten sie sich. Das jüdische Passahfest stand kurz bevor. Als Jesus aufblickte, sah er die vielen Menschen, die zu ihm kamen. Darauf wandte er sich an Philippus: »Wo können wir für alle diese Leute Brot kaufen?« Er fragte dies, um zu sehen, ob Philippus ihm vertraute; denn er wusste schon, wie er die Menschen versorgen würde. Philippus überlegte: »Wir müssten über 200 Silberstücke ausgeben, wenn wir für jeden auch nur ein wenig Brot kaufen wollten.« Da sagte ein anderer von seinen Jüngern zu Jesus – es war Andreas, der Bruder von Simon Petrus: »Hier ist ein Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische dabei. Aber was ist das schon für so viele Menschen!« Jetzt forderte Jesus die Jünger auf: »Sagt den Leuten, dass sie sich hinsetzen sollen!« Etwa fünftausend Männer ließen sich auf dem Boden nieder, der dort von dichtem Gras bewachsen war, außerdem noch viele Frauen und Kinder. Dann nahm Jesus die fünf Gerstenbrote, dankte Gott dafür und ließ sie an die Menschen austeilen. Ebenso machte er es mit den Fischen. Jeder bekam so viel, wie er wollte. Als alle satt waren, sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Sammelt die Reste ein, damit nichts verdirbt!« Das taten sie und füllten noch zwölf Körbe mit den Resten. So viel war von den fünf Gerstenbroten übrig geblieben. Als die Leute begriffen, was für ein Wunder Jesus getan hatte, riefen sie begeistert: »Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll, so wie Mose es angekündigt hat!« Jesus merkte, dass die Leute kurz davor standen, ihn festzuhalten und zu ihrem König auszurufen. Deshalb zog er sich wieder auf den Berg zurück, er ganz allein. (Johannes 6, 1-15)
Ich lernte, dass hier eins der sogenannten Geschenkwunder Jesu beschrieben wird. Gerstenbrote waren in der damaligen Zeit eher eine Speise für die ärmere Bevölkerungsschicht. Die Fische weisen auf die Nähe zum See hin. Hier gehörten die Fische ebenfalls zu dem Speiseplan der einfachen Leute. Warum gerade ein Junge mit diesen wichtigen Nahrungsmitteln unterwegs war, bleibt verborgen. Wahrscheinlich ist, dass er ein Mitglied einer armen Familie war. Vielleicht war er auf dem Weg nach Hause in den Sog der vielen Menschen gekommen, die dem angeblichen Messias folgten. Von Neugier und Sensationslust gesteuert?
Und dann bekam er mit, wie dieser Jesus und seine Jünger sich fragten, wie sie all diese Menschen am Ende eines langen Tages ernähren können? Dachte er gar nicht lange nach? Machte er sich womöglich irgendwie bemerkbar und bot den Jüngern seinen „großen“ Schatz an. Fünf Brote und zwei Fische? Durchaus möglich. In der kindlichen Vorstellung funktionieren unvorstellbare Dinge.
Die Initialzündung
Jedenfalls kommt die Information zu Jesus. Und er nimmt das Geschenk an und ergreift die Initiative. Seine Idee, dieser großen Volksmenge ein Stärkung zu schenken kann beginnen. Durch die Freigiebigkeit dieses Jungen.
Wie schön.
Vielleicht wurden dadurch die Menschen aufmerksam, die auch eine Kleinigkeit dabei hatten. Ein Fladenbrot, Feigen, Datteln, Käse, Fische usw. Alles was so ein Mensch damals dabei hatte, wenn er sich auf den Weg machte. So folgten sie dem guten Beispiel und teilten.
Jedenfalls wurden, wie gehört bzw. gelesen, alle satt und es blieb auch noch vieles übrig.
Heute
Manchmal erlebe ich etwas Ähnliches heute auch. Einer geht mit gutem Beispiel voran und die anderen folgen diesem Beispiel gern. Leider geht es auch andersherum, was ich hier aber nicht vertiefen möchte. Es zeigt aber, dass es wohl eine menschliche Eigenschaft ist. Der Mensch orientiert sich im Allgemeinen gern an seinen Mitmenschen, an Freunden, Gleichgesinnten, Nachbarn und auch an Glaubensgeschwistern.
Gelegentlich werde ich zu einer Feier eingeladen. Der Gastgeber wünscht sich von seinen Gästen einen Beitrag zum Buffett. Das unausgesprochene Maß ist, soviel mitzubringen, wie man auch selber essen würde. Und es funktioniert fast nie. Immer bleibt vieles von den leckeren Dingen übrig. Ein wundersame Vermehrung. 😉
Dazu fällt mir eine Idee ein, die ich vor ein paar Jahren hatte.
Ich machte mir damals Gedanken über den Zustand unseres Gemeinwohls. Wie könnte es gelingen, die Menschen, die in der Vergangenheit besonders gut von der Gemeinschaft profitierten, davon zu überzeugen, etwas von ihrem Vermögen für die Gesellschaft und das Gemeinwohl einzusetzen. Sie hatten in diesem Staat sehr gut wirtschaften können und einen unwahrscheinlichen, unnatürlichen Reichtum angehäuft.
Der Bericht über einen Jubiläumsbesuch des ehemaligen Kanzlers Scholz bei einem der wohlhabendsten Unternehmers Deutschlands inspirierte mich.
Das Ergebnis sendete ich dem Bundespräsidenten, in der Hoffnung er würde diese Vorstellung teilen und in seiner Welt streuen.
Diesen Brief möchte ich als mögliches Nachahmungsbeispiel für die gute Tat des Jungen am Ende meines Blogs mit euch teilen. Der Bundespräsident hat meinen Brief wahrscheinlich nicht vorgelegt bekommen. Ich bekam nach einigen Wochen eine Antwort eines Mitarbeiters des Bundespräsidialamts. Diese lege ich zur Vollständigkeit und zur Info hinter meinem Blog bei.
Mein Brief an den Bundespräsidenten
Sehr geehrter Bundespräsident Steinmeier,
hallo Frank-Walter,
wie wahrscheinlich sehr viele, bin ich sehr besorgt über den Zustand der Welt, Europas, Deutschlands, der Bundesländer, der Landkreise und der Kommunen.
Ich arbeite in der kleinen Gemeinde Kirchlinteln in Niedersachsen. Dort habe ich jeden Tag mit der angespannten Haushaltslage zu tun. Immer geht es um Geld, dass nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht.
Ich frage mich in letzter Zeit häufiger, wo das Geld geblieben ist, dass in den vergangenen "guten" Zeiten erwirtschaftet wurde.
Vieles von dem Geld liegt anscheinend auf den "Sparkonten" der Menschen in Deutschland.
Die Politik schafft es leider nicht, diese Vermögen zu nutzen.
Finde ich auch schwierig, den Bürgern das Geld wegzunehmen.
Ein Beispiel:
Vor kurzen habe ich die Nachricht aufgeschnappt, dass der Kanzler zum Arbeitsjubiläum von Herrn Würth eingeladen war. Er hat dort eine Rede gehalten.
Sicher kennen sie die Erfolgsgeschichte von Herrn Würth.
Diese Meldung brachte mich auf eine Idee.
Wie wäre es, wenn man diesen Herrn Würth fragt, ob er für Deutschland eine Brücke baut. Eine richtig große, über einen Fluss zum Beispiel. Er hätte freie Hand darüber, wie sie gebaut wird. Wichtig ist das Ergebnis. (Das spart Zeit und Geld.) Wenn die Brücke fertig ist, kann er ihren Namen bestimmen. Vielleicht Würth - Brücke?
Ich erzählte meinem Kollegen diese Geschichte und der war sofort dabei. Er sagte spontan, dass dies der Bundespräsident auf den Weg bringen könnte. Sein Amt ist überparteilich und könnte die "Reichen" von dieser Idee überzeugen, ohne dass sie sich ausgenutzt fühlten. Im Gegenteil. Es könnte als Chance verstanden werden.
Deshalb schreibe ich sie heute an.
Natürlich sind sie sehr beschäftigt in diesen Zeiten.
Trotzdem hoffe ich, dass diese Zeilen den Weg zu ihnen finden.
Sie haben es in sich.
Ich habe mich bewusst kurz gefasst, weil ich auf ihre Fantasie baue.
Es muss sicher nicht unbedingt eine Brücke sein.
Eine Schule, ein Kindergarten oder ein Feuerwehrhaus könnten wir in vielen Gemeinden und Landkreisen bestimmt gebrauchen.
Macher*innen und Verwirklicher*innen sind herzlich willkommen.
Und es gibt sehr viele "Herr/Frau Würths" in unserer Republik.
Was meinen sie, wäre das eine Aufgabe für sie?
Für Rückfragen stehe ich gern zur Verfügung.
Hochachtungsvoll
Ingo Tauchert
In diesem Sinne sehe das Gute und tue Gutes.
Ingo
Anmerkungen und Fragen könnt ihr als Kommentar eintragen.
Oder gern auch direkt an mich:
Ingo Tauchert
Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel.
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