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  • Einfach kann jeder ...

    Schon seit längerer Zeit beschäftigt mich ein Begriff, den ich in einer meiner Lieblingssendungen im Fernsehen aufgegriffen habe. An jedem Donnerstag gibt es bei 3SAT eine Gesprächsrunde mit dem Journalisten und Philosophen Gert Scobel, jeweils um 21:00 Uhr und für mich absolut sehenswert, weil es in diesen Gesprächsrunden um wirkliche thematische Auseinandersetzungen geht, statt wie in den vielen Talkshows, um Selbstdarstellungen der Anwesenden. Der Begriff, um den es mir geht, ist ein wahres Wortungetüm, noch dazu im Deutschen nicht wirklich Teil des alltäglichen Sprachgebrauchs. Ich habe auch lange überlegt, ob ein solches Thema überhaupt zur Überschrift unseres Blogs passt, denn es ist zunächst alles andere als „einfach“. Nun – genug der Vorrede – der Begriff, über den ich heute einige Gedanken mit Euch teilen möchte lautet: „Ambiguitätstoleranz“ What? Zunächst zur Wortherkunft: ein zusammengesetzter Begriff aus dem Lateinischen: „ambiguitas = Mehrdeutigkeit“ und „tolerare = erdulden oder ertragen“. Aus der Vielzahl der zu findenden Begriffserklärungen habe ich mal eine ausgewählt, die mir einfach und verständlich erscheint: „Ambiguitätstoleranz beschreibt die Fähigkeit von Menschen, unsichere, unklare, mehrdeutige oder widersprüchliche Situationen neutral, vorbehaltlos und offen wahrzunehmen und trotz dieser Ungewissheiten souveräne Entscheidungen zu treffen.“ https://www.hrjournal.de/resilienz-ambiguitaetstoleranz-fuehrungskraefte Damit beschreibt der Begriff eine Fähigkeit, die wir alle in einer ständig als immer komplexer wahrgenommenen Wirklichkeit immer mehr bräuchten, die aber gleichzeitig offenbar immer mehr verloren geht. Das wird vielleicht am deutlichsten, wenn man sich den Gegensatz zu Ambiguitätstoleranz ansieht. Der Gegensatz ist „Radikalität“. Ein Phänomen, das uns im gesellschaftlichen und politischen Umfeld zunehmend begegnet. Populisten und Autokraten erfüllen zunehmend den Ruf nach einfachen Antworten auf die komplexen Probleme unserer Zeit. Radikalität macht das Leben vermeintlich einfach: schwarz/weiß, richtig/falsch, wir/die anderen, sind die Ausprägungen, die allerdings leider wohl keine Problemlösungen bieten. In der Psychologie gibt es (wie ich gelernt habe) sogar den Ausdruck der „Ambiguitätsamplifikation“, will sagen: je größer die Komplexität, desto stärker die Vereinfachung. Das war jetzt zugegeben einiges an theoretischer Zumutung, und sicher ist es auch hier erstmal einfach, mit dem Finger auf „die Welt“ zu zeigen. Wenn wir unser Verhalten aber mal unter die Lupe nehmen, stellen wir fest, dass sich die Widersprüchlichkeit bei jedem von uns im Alltag auf die ein oder andere Weise zeigt. An einigen Stellen geht es auch gar nicht ohne Widersprüchlichkeit. Hier ein paar Beispiele als reine Aufzählung zum selbst ergänzen: mit dem Auto zum Biomarkt zum Einkaufen Elektromobilität trotz Wissen um die Zustände der Rohstoffgewinnung bei Batterien alle lieben Tiere doch die meisten essen immer noch billig produziertes Fleisch alle sind für faire Arbeitsbedingungen, aber der Anteil an Wegwerfkleidung steigt ständig seit Jahrzehnten postulieren wir die Bekämpfung von Kinderarmut, trotzdem steigt sie stetig alle sind für Nachhaltigkeit, aber bitte ohne Verhaltensänderung … Das nennt man die „Kluft zwischen Einstellung und Verhalten“, die es wohl bei jedem von uns gibt. Soweit mal der Blick auf die Gesellschaft, in der wir leben. Selbstverständlich habe ich mich aber natürlich gefragt, was denn diese „Ambiguitätstoleranz“ (das Wort kann ich nicht mal flüssig tippen) für uns gläubige Menschen bedeutet und wie das nun zum Namen unseres Blogs „leben einfach biblisch“ passt. Beginnen möchte ich mit dem Blick auf unser Zusammenleben als Gemeinde. Gestolpert bin ich dabei über ein Zitat, das ich wiederum in einem Aufsatz zum Thema gefunden habe: „In der Gesellschaft wird die im Kern auf mangelndem Selbstwert beruhende Überzeugung: „Ich habe immer Recht, ich bin besser“ durch den Gruppendruck der Gleichgesinnten verstärkt. Das grenzenlose Internet, der mangelnde Halt in ex-und-hopp-Familien, sowie in ständig umstrukturierten Organisationen verunsichert viele Menschen derart, dass sie ihre Fähigkeit, differenziert zu denken verlieren. Ist ihre Ambiguitätstoleranz instabil, müssen sie sich innerlich schützen und fordern dann nur noch simple Botschaften, reine Gruppen, saubere Unterscheidungen, klare Verhältnisse und eindeutige Grenzen.“ https://www.deutschlandfunkkultur.de/mangel-an-ambiguitaetstoleranz-der-fatale-wunsch-nach-100.html Ich hoffe, beim Lesen dieser Worte könnt ihr Euch denken, wohin ich möchte. Bevor ich das vertiefe, zuerst noch ein kleiner Exkurs (sorry!): Schaut mal bei Wikipedia unter dem Begriff „Mehrdeutigkeit“ nach. Hier gibt es eine Fülle von Beispielen die zeigen, wie mehrdeutig Sprache sein kann. Sowohl das gesprochene Wort: „Das Auto wird das Hindernis umfahren.“ Je nach Betonung der ersten oder zweiten Silbe von „umfahren“ ergeben sich zwei Bedeutungen. Entweder (erste Silbe betont), das Auto fährt das Hindernis um, oder der zweiten Silbe: Das Auto fährt um das Hindernis herum. Als auch das Geschriebene: „Die Hunde lieben ihre Schafe ebenso wie ihr Herrchen.“ Entweder beide, die Hunde und ihr Herrchen lieben die Schafe oder die Hunde lieben sowohl die Schafe als auch das Herrchen. Diese Probleme der Sprache sind es übrigens, die KI-Systeme wie ChatGPT verzweifeln lassen. Kommen wir aber zum Thema zurück: simple Botschaften, reine Gruppen, saubere Unterscheidungen, eindeutige Grenzen, etc. So lassen sich auch die Worte aus dem Epheserbrief gebrauchen: „Ich ermahne euch nun, ich der Gefangene im Herrn: Wandelt würdig der Berufung, mit der ihr berufen worden seid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander in Liebe ertragend! Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens: Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung! Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist.“ (Epheser 4,1-5) Je nachdem, mit welcher Intention und mit welchem Verständnis man diese Worte liest, können sich völlig unterschiedliche Resultate ergeben. Selbstverständlich kann man das kleine Wörtchen „ein“ als Ausdruck der Abgrenzung gebrauchen (wie so viele andere Stellen auch), aber genauso gut kann es im Sinne der „Ambiguitätstoleranz“ verstanden werden als der Aufruf, den einen Leib als ein Sinnbild der „Einheit in Vielfalt“ zu begreifen, weil es eben nur einen Leib gibt. Kommt vielleicht Paulus‘ Beschreibung der Gemeinde als Körper mit sehr unterschiedlichen Organen eher dieser Idee nahe? Insbesondere weil er uns davor warnt, nicht dem Verlangen nachzugeben, die Organe in wesentliche und vernachlässigbare unterscheiden zu wollen? „Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele. Wenn der Fuß spräche: Ich bin keine Hand, darum gehöre ich nicht zum Leib, so gehört er deswegen nicht weniger dazu! Und wenn das Ohr spräche: Ich bin kein Auge, darum gehöre ich nicht zum Leib; so gehört es deswegen nicht weniger dazu! Wäre der ganze Leib Auge, wo bliebe das Gehör? Wäre er ganz Ohr, wo bliebe der Geruch? Nun aber hat Gott die Glieder, jedes einzelne von ihnen, so am Leibe gesetzt, wie er gewollt hat. Wenn aber alles ein Glied wäre, wo bliebe der Leib? Nun aber gibt es viele Glieder, doch nur einen Leib. Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich bedarf deiner nicht, oder das Haupt zu den Füßen: Ich bedarf euer nicht! Vielmehr sind gerade die scheinbar schwächeren Glieder des Leibes notwendig, und die wir für weniger ehrbar am Leibe halten, die umgeben wir mit desto größerer Ehre, und die uns übel anstehen, die schmückt man am meisten; denn die uns wohl anstehen, bedürfen es nicht. Gott aber hat den Leib so zusammengefügt, dass er dem dürftigeren Glied um so größere Ehre gab, damit es keinen Zwiespalt im Leibe gebe, sondern die Glieder gleichmäßig füreinander sorgen.“ (1. Korinther 12,14-25) Klingt das nicht nach einem wundervollen Beispiel von Ambiguitätstoleranz (ich fange an, dieses Wort zu lieben)? Und wir sollten dabei besonders auf die Verse 18 und 24 achthaben (meine Hervorhebungen)! Soweit mal meine Gedanken zum Thema für das Leben als Gemeinde. Wie sieht es nun bei mir selbst aus mit der „Ambiguität“? Mir fällt beim Nachdenken über meine eigene Widersprüchlichkeit immer Jesu Aufforderung ein: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich liebe mich nun wirklich nicht immer selbst. Da ist so viel falsches Tun, so viele versäumte Gelegenheiten, so viele bewusste oder unbewusste Kränkungen, die ich anderen zugefügt habe. In Augenblicken solcher Selbstreflexion möchte ich wirklich keinem „Nächsten“ zumuten, so von mir geliebt zu werden. Ich denke, hier kommt jedem auch sofort der Ausspruch des Paulus in den Sinn, der mit schonungsloser Ehrlichkeit die Kluft zwischen Einstellung und Verhalten auf den Punkt bringt: „Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt; das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten gelingt mir nicht! Denn nicht das Gute, das ich will, tue ich, sondern das Böse, das ich nicht will, übe ich aus. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Ich finde also das Gesetz vor, wonach mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt. Denn ich habe Lust an dem Gesetz Gottes nach dem inwendigen Menschen; ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meiner Vernunft widerstreitet und mich gefangen nimmt in dem Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Todesleib?“ (Römer 7,18-24) Würden wir nun an diesem Punkt allein gelassen, wäre das sicher das Ende aller Hoffnung. Aber – und das unterscheidet uns Gläubige vom Rest der Welt – hier bietet uns Gott einen Ausweg, der es uns gelingen lässt, trotz aller Widersprüchlichkeit, die bestehen bleibt, Frieden zu finden und die Welt und das eigene Leben zuversichtlich zu ertragen. Vergebung und Gnade sind die einzigartige Basis, die den christlichen Glauben als einzig wahres Heilsangebot von allen anderen Religionen unterscheidet. In Christus finden wir trotz aller Widersprüchlichkeit Ruhe und inneren Frieden, so wie es Jesus auch dem Paulus zusagt: „Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne.“ (1.Korinther 12,9) So können wir mit Gelassenheit die zunehmenden Probleme dieser Welt beobachten, ohne an der nicht mehr lösbaren Komplexität zu verzweifeln, ohne den Populisten mit den einfachen Antworten nachzulaufen, weil wir mit Zuversicht auf den warten, der alle Widersprüchlichkeiten auflösen und alle Mehrdeutigkeiten wegtun wird bei seinem Erscheinen, unseren Herrn Jesus, den Gesalbten! Hallelujah! Gelobt sei unser Gott! P.S.: Wer die von mir erwähnte Sendung sehen möchte, hier der Link zur Mediathek: https://www.3sat.de/wissen/scobel/scobel---mit-widerspruechen-leben-100.html Foto von Brett Jordan auf Unsplash

  • Wie wunderbar sind deine Werke

    Habt ihr so eine Schnecke schon einmal gesehen? Hättet ihr überhaupt gedacht, dass es eine Schnecke ist? Dieses kleine Wesen heißt Costasiella kuroshimae oder aber auch: Blatt-Schaf-Schnecke, was es eigentlich ganz gut beschreibt. Die kleinen Tiere, die eher aus einem Comic zu stammen scheinen als in echt zu existieren, sind nur zwischen 5 mm und 1 cm groß. Sie leben in tropischen Gewässern vor Japan, den Philippinen und Indonesien. Doch ihr Aussehen ist nicht das einzig verrückte. Die Blatt‑Schaf‑Schnecke kann Fotosynthese betreiben, allerdings nicht schon von Geburt an. Sie gehört zu den Schlundsackschnecken, die Energie aus Sonnenlicht gewinnen können. Ihnen fehlt allerdings das Chlorophyll, das sich in bestimmten Zellen, den sogenannten Chloroplasten, befindet und das Pflanzen für diesen Prozess nutzen. Die Schnecken haben ähnliche Zellen entwickelt, sie heißen Kleptoplasten. Die Kleptoplasten bilden sich erst im Laufe der Zeit, wenn die Schnecke Futter aufnimmt. Sie „frisst“ sozusagen die Chloroplasten der Algen, von denen sie sich ernährt und speichert diese in ihrem Körper. Daher kommt auch die grüne Farbe auf dem Rücken der kleinen Schnecken. Sollte die Schnecke mal nichts zu fressen finden, könnte sie monatelang nur mithilfe von Fotosynthese leben. Über diese faszinierenden Schnecken bin ich auf noch weitere gestoßen. (Die folgenden Videos sind leider nur auf Englisch und es sind keine deutschen Untertitel verfügbar, aber es ist auch faszinierend, diese Schnecken einfach nur anzuschauen.) Das eine Video ist ein Ted Talk (@TED) in dem es auch noch mal um Schnecken geht, die Fotosynthese betreiben können. Das andere ist vom Kanal Deep Look (@KQEDDeepLook), der auch noch weitere sehr interessante Videos von verrückten Tieren hat, falls ihr mal stöbern mögt. Ist Gottes Schöpfung nicht faszinierend, wunderbar und atemberaubend? Und noch dazu ist sie so komplex, dass viele Dinge gar nicht erklärt oder verstanden werden können. „Denn du hast mich erfreut, HERR, durch dein Walten, über die Werke deiner Hände juble ich. Wie gross sind deine Werke, HERR, wie tief deine Gedanken!“ (Psalm 92,5+6) Ich finde es immer wieder total spannend und mitreißend so etwas zu entdecken. Gottes Schöpfung ist einfach super komplex, was man allein schon an so winzig kleinen Schnecken sehen kann. Ebenso der menschliche Körper und auch da gibt es einige Sachen, von denen man nicht weiß, wie sie funktionieren. Aber Gott kennt uns. Er hat alles so wunderbar, einzigartig und kreativ geschaffen. „Für den Chormeister. Von David. Ein Psalm. HERR, du hast mich erforscht, und du kennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du weisst es, du verstehst meine Gedanken von fern. Ob ich gehe oder liege, du hast es bemessen, und mit allen meinen Wegen bist du vertraut. Kein Wort ist auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht ganz und gar kennst. Hinten und vorne hältst du mich umschlossen, und deine Hand hast du auf mich gelegt. Zu wunderbar ist es für mich, dies zu erkennen, zu hoch, ich kann es nicht fassen. Wohin soll ich gehen vor deinem Geist und wohin fliehen vor deinem Angesicht? Stiege ich hinauf zum Himmel, du bist dort, und schlüge ich mein Lager auf im Totenreich, sieh, du bist da. Nähme ich die Flügel der Morgenröte und liesse mich nieder am äussersten Ende des Meeres, auch dort würde deine Hand mich leiten und deine Rechte mich fassen. Und spräche ich: Finsternis breche über mich herein, und Nacht sei das Licht um mich her, so wäre auch die Finsternis nicht finster für dich, und die Nacht wäre licht wie der Tag, Finsternis wie das Licht. Denn du bist es, der meine Nieren geschaffen, der mich im Leib meiner Mutter gewoben hat. Ich preise dich, dass ich so herrlich, so wunderbar geschaffen bin; wunderbar sind deine Werke, meine Seele weiss dies wohl. Mein Gebein war dir nicht verborgen, als ich im Dunkeln gemacht wurde, kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde. Noch bevor ich geboren war, sahen mich deine Augen, in deinem Buch war alles verzeichnet, die Tage waren schon geformt, als noch keiner von ihnen da war. Mir aber, wie schwer sind mir deine Gedanken, Gott, wie gewaltig ist ihre Zahl. Wollte ich sie zählen, es wären mehr als der Sand, wache ich auf, ist mein Sinn noch bei dir.“ (Psalm 139,1-18) Viel mehr habe ich heute auch gar nicht zu erzählen. Mir zeigt so etwas immer Gottes Größe und Kreativität und bringt mich damit ein Stückchen näher zu ihm, weil ich einfach nur Staunen kann. Ich hoffe, es geht euch ähnlich und ich konnte euch auch etwas ins Staunen bringen. Eure Lisa ♥ Foto von Swanson Chan auf Unsplash

  • In den kleinen Dingen

    Vor Kurzem konnte ich an der Versammlung unserer Gemeinde sonntags nicht teilnehmen. Um zumindest etwas ähnlichen Input zu haben, hörte ich mir nach dem Frühstück eine Podcast-Folge zu dem Thema “Gott in allem sehen” an. Der Beitrag wurde vom Press On Journal veröffentlicht, von dem auch Daniel und Lisa hier schon des öfteren berichtet haben. Wer sich den kompletten Beitrag anhören oder lesen möchte, findet ihn auf der Internetseite des Press On Journals oder in der Audio-Fassung bei Spotify. Die Schwester von welcher der Beitrag stammte, erzählte davon, wie sie mit der Zeit gelernt hat, Gottes Wirken mehr und mehr in ihrem Leben zu sehen und was ihr dabei hilft, sich seiner Anwesenheit bewusst zu sein. Dabei blieb vor allem der Verweis auf einen Vers aus dem Römerbrief bei mir hängen, den ich bisher eher in einem anderen Kontext gelesen hatte: “Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind.” (Römer 8,28) Bisher kannte ich diesen Vers vor allem als tröstende Worte. Er versichert uns, dass egal, was in unserem Leben auch passiert, wir auf ein gutes Ende hoffen dürfen und dass Gott auch in negativen Erfahrungen dafür sorgen kann, dass sie einen positiven Einfluss auf uns haben. Doch im Kontext der Podcast-Folge lag der Fokus vielmehr darauf, dass Gott in allem wirken kann, was uns umgibt. Alles - ohne Ausnahme Wenn uns alle Dinge zum Guten mitwirken, bedeutet das auch, dass Gott in allen Dingen zu finden ist. Es gibt keinen Teil unseres Lebens, der von Gottes Wirken ausgeschlossen ist. Aber sehen wir Gott tatsächlich in allem? Wenn ich mir diese Frage stelle, gibt es eindeutig Bereiche meines Lebens, in denen es mir schwerer fällt, Gott zu sehen. In vielen Fällen trifft dies besonders auf Dinge zu, die mir zu klein, zu trivial oder “zu weltlich” erscheinen, als dass ich Gott darin finden könnte. Lustigerweise hatte ich aber erst vor Kurzem einen sehr trivialen Gott-Moment, der mir im Grunde das Gegenteil bewiesen hat und den ich an dieser Stelle mit euch teilen möchte. Wie ihr wisst, bin ich vor ein paar Monaten umgezogen. Auch, wenn ich mich langsam daran gewöhne, in einer neuen Stadt zu wohnen, gibt es doch ein paar Dinge, die ich vermisse. Eines dieser Dinge könnte trivialer nicht sein: Mein Lieblingsbrot. In der letzten Stadt, in der ich gewohnt habe, gab es einen Bäcker bei mir um die Ecke, der sehr leckere Brote und Brötchen hatte, für die ich bisher keinen guten Ersatz gefunden hatte. Umso größer war meine Überraschung, als ich neulich nach dem Einkaufen im Supermarkt an der Bäckereitheke vorbeilief und mein Brot im Regal liegen sah. Es sah genau so aus, hatte den gleichen Namen und nachdem ich es mit nach Hause genommen hatte, stellte sich schnell heraus: Es ist genau das gleiche Brot! Das ganze mag nach einem kleinen, unbedeutenden Erlebnis klingen, aber für mich war es das Highlight meines Wochenendes und hat mir dabei geholfen, mich in der neuen Stadt noch ein Stück mehr Zuhause zu fühlen. Und ich bin fest davon überzeugt, dass Gott hier seine Finger im Spiel hatte. Wenn Gott also sogar durch ein Brot wirken kann, wie sollte es dann Dinge geben, die zu klein oder unwichtig für ihn sind? Nichts ist zu klein Der Irrglaube, dass es Bereiche unseres Lebens gibt, in denen Gott nicht zu finden ist, kommt glaube ich daher, dass wir uns einreden, Gott könnte sich für diese Dinge nicht interessieren. Aber wir finden Gott nicht nur sonntags in der Gemeinde oder wenn wir in der Bibel lesen. Gott ist genauso bei der Arbeit, im Supermarkt oder abends auf dem Sofa an unserer Seite und er wirkt in allen Teilbereichen unseres Lebens gleichermaßen - weil er sich für alle Teilbereiche unseres Lebens interessiert. Das gleiche gilt auch für das Gebet. Ich habe mich schon oft dabei erwischt, wie ich bei manchen Themen zögere, sie vor Gott zu bringen, auch wenn sie mich gerade sehr beschäftigen. Doch auch im Gebet müssen unsere Anliegen nicht erst eine festgesetzte Grenze der Wichtigkeit und Heiligkeit überschreiten, damit wir sie ansprechen dürfen. Wenn es uns wichtig ist, dann interessiert sich auch Gott dafür. Es gibt nichts, was zu klein, zu trivial oder zu weltlich für ihn ist. Ganz im Gegenteil: Der Schöpfer des Universums kennt mein Lieblingsbrot! Bis zum nächsten Mal! Eure Lea P.S.: Welche Erlebnisse hattet ihr schon, bei denen ihr Gott in den kleinen, alltäglichen Dingen sehen konntet? Teilt sie gerne in den Kommentaren! 😊

  • ... er hat ja gesagt.

    Dieser Blog ist für Petra und für alle, die nicht dabei waren. Vor einem Monat haben wir in unserer Glaubensgemeinde eine Tauf-Versammlung gefeiert. Nach der Entscheidung für Christus liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Es wurden Einladungen an Glaubensgeschwister verschickt, der Garten unseres Hauses vorbereitet und die Zubereitung eines Mittagessens mit anschließendem Kaffee- und Kuchen-Buffet angeschoben. Der Tag Und dann war es soweit. Nach vielen regnerischen Tagen gab es ein Zeitfenster von ca. 36 Stunden ohne Regen. Gott sei Dank. Alle Gäste waren da, auch der Täufling. Die Gastgeber begrüßten alle Gäste und die Feier begann wie immer mit einem Gebet. Ein langjähriger Bruder sprach schon hier die Freude und den Dank für die bevorstehende Taufe an. Er stellte die Besonderheit des Schrittes heraus und wünschte dem Täufling Gottes Segen für den Moment und die Zukunft. Im Anschluss sangen wir gemeinsam das Lied "Höher" aus unser Liedersammlung (Nummer 31) begleitet von der Gitarre. https://open.spotify.com/intl-de/track/5f0KadF8kDRYwJsq2UMsR6 Zwei Glaubensbrüder, die im Vorfeld mit dem Täufling gesprochen hatten, berichteten uns über seine Beweggründe und die Herzenstiefe seiner Entscheidung. Auslöser für seinen Schritt waren die Erlebnisse mit Gott und der tiefe Glauben daran, in einer schweren Lebenskrise von Gott und Christus erhalten worden zu sein. Schon hier waren alle sehr bewegt. Im Anschluss führte ich meine Gedanken zur Taufe aus meinem letzten Blog auf, der hier zu finden ist. https://www.leben-einfach-biblisch.de/post/wer-glaubt-und-sich-taufen-l%C3%A4sst Die Bibelstellen lasen verschiedene Glaubensgeschwister vor. Der entscheidende Gedanke aus dem Text war: "Der Mensch muss nichts tun, außer an Jesus Christus zu glauben." Dies tat der anwesende junge Mann bestimmt schon länger. Heute war es an der Zeit, es öffentlich vor den Anwesenden und vor Gott und Jesus zu bekennen. Die Taufe Bevor die Taufhelfer und die Hauptperson die Runde zum Umkleiden verließen, trug eine Glaubensschwester einen Sprechgesang vor. Sie rezitierte den Text zu der Instrumentalversion des Liedes "In Christus" (Nummer 25). Ihr könnt es hier anhören und den vollständigen Text bei Spotify mitlesen. Sehr feierlich. https://open.spotify.com/intl-de/track/1vfWx2osqHgUS6gH814Mn0 Um die Wartezeit zu füllen, sangen wir das Lied "10.000 Gründe" (Nummer 13). https://open.spotify.com/intl-de/track/0IcpFvKaVSVRRR5rvRgJoT Und schon waren die Vorbereitungen abgeschlossen. Alle waren wieder da, bekleidet mit denselben T-Shirts, auf denen der ausgewählte Taufspruch zu lesen war. Könnt ihr ihn auf den Fotos erkennen? Wir sangen noch das passende Lied dazu, für das ich nur die Musik gefunden habe. Den Text findet ihr unten. Der Herr ist mein Hirte (Psalm 23) (Nummer 7 - NL) https://open.spotify.com/intl-de/track/1UOTZZIfptMv2knVvwS153 Ein guter Hirt ist unser Gott, führt mich auf grüner Au, mir mangelt nichts, er leitet mich zu Wassern frisch wie Tau. Der Herr erquickt die Seele mein und führt mich immer recht, auf Straßen, die vor ihm bestehn, sein Name ist gerecht. Und geh ich schon im finstren Tal, kein Unglück fürchte ich, du bist bei mir und deine Macht und Stärke trösten mich. Den Tisch bereitest Du vor mir zum Spott den Feinden mein, du salbst mein Haupt mit feinem Öl und schenkest voll mir ein. Drum folgen mir mein Leben lang Barmherzigkeit und Freud, in Gottes Haus ich wohnen möcht in alle Ewigkeit. Jetzt stiegen alle drei in das vorbereitete Wasserbecken. Die Gemeinschaft stand darum und eine Glaubensschwester stellte die entscheidenden drei Fragen. "Glaubst du an die frohe Botschaft vom kommenden Reich Gottes auf der Erde?" "Ja" "Glaubst du, dass Jesus der Sohn Gottes und der von den Propheten verheißene Messias ist, durch welchen Gott Himmel und Erde vollenden wird?" "Jaah" "Du wirst getauft in den Namen Jesu, des Messias. Bist du bereit, ihm zu vertrauen und in allem treu zu sein?" "Jaaah" Die zwei Männer griffen beherzt zu, tauchten den bereitwilligen jungen Menschen unter und zogen ihn als Glaubensbruder wieder heraus. Die drei verließen uns abermals. Alle nutzten die Zeit für zwei weitere Lieder. "Wohin sonst" (Nummer 35) https://open.spotify.com/intl-de/track/6S1RBVp9mxqSNw2MN9L1E5 "Holy Overshadowing" https://open.spotify.com/intl-de/track/2DkqjvYVNQ33F9hkArLpHx Schon waren alle wieder da. Die Eltern nutzten die Gelegenheit ihren Sohn und neuen Glaubensbruder freudig mit einer kräftigen und liebevollen Umarmung zu begrüßen. Sie dankten allen Anwesenden für die Begleitung und das nie aufhörende Interesse an ihrem Sohn und für die anhaltenden Gebete. Unsere Glaubensschwester lenkte unsere Gedanken dann zum ersten Gedächtnismahl mit unserem neuen "Bruder". "Durch die Taufe bist du als Kind Gottes aufgenommen". "Jesus war der erste, der als Sohn die Beziehung zu Gott wieder hergestellt hat." "Darin finden wir alle eine Gemeinschaft und eine Familie in Gott." Dann teilten wir gemeinsam Brot und Wein, indem ein Glaubensbruder den dazu auffordernden Bibeltext vorlas. Als die Stunde für das Passahmahl gekommen war, nahm Jesus mit den Aposteln an der Festtafel Platz. »Wie sehr habe ich mich danach gesehnt, mit euch dieses Passahmahl zu essen, bevor ich leiden muss«, sagte er. »Ihr sollt wissen: Ich werde das Passahmahl erst wieder in Gottes Reich mit euch feiern. Dann hat sich erfüllt, wofür das Fest jetzt nur ein Zeichen ist.« Jesus nahm einen Becher mit Wein, sprach das Dankgebet und sagte: »Nehmt diesen Becher und trinkt alle daraus! Ich sage euch: Von jetzt an werde ich keinen Wein mehr trinken, bis Gottes Reich gekommen ist.« Dann nahm er ein Brot. Er dankte Gott dafür, brach es in Stücke und gab es ihnen mit den Worten: »Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Feiert dieses Mahl immer wieder und denkt daran, was ich für euch getan habe, sooft ihr dieses Brot esst!« Ebenso nahm er nach dem Essen den Becher mit Wein, reichte ihn den Jüngern und sagte: »Dieser Becher ist der neue Bund zwischen Gott und euch, der durch mein Blut besiegelt wird. Es wird zur Vergebung eurer Sünden vergossen. (Lukas 20,14-20) Eine Glaubensschwester und ein -bruder dankten jeweils für das Brot als Zeichen der Gemeinschaft und zur Erinnerung an Jesu Tat und für den Wein als Zeichen der Erlösung und des Bundes zwischen Gott und den Menschen. Als Anregung und Zusammenfassung des Tages hörten wir die Bibelstelle aus dem Hebräerbrief. Möge Gott, von dem aller Friede kommt, euch helfen, in jeder Hinsicht das Gute zu tun und seinen Willen zu erfüllen. Er hat unseren Herrn Jesus Christus von den Toten auferweckt. Ihn, durch dessen Blut der neue und ewig gültige Bund geschlossen wurde, ihn hat er zum wahren Hirten seiner Herde gemacht. Jesus Christus wird euch die Kraft geben, das zu tun, was Gott gefällt. Ihm gebührt alle Ehre in Ewigkeit. Amen. (Hebräer 13,20+21) Als besonderen Ausdruck der Freude und als Geschenk für ihren Freund sangen vier junge Geschwister das Lied "Der Sieg gehört dir allein". https://open.spotify.com/intl-de/track/4rziKjJFd9xU2C26FMadr1 Ein weiterer sehr naher Glaubensbruder schloss die Versammlung mit einem einfühlsamen Gebet. Er unterstrich unsere Freude über unser neues Familienmitglied und betonte das Glück, dass ein Mensch in Christus fühlen darf. Amen. Die Feier Dann "stürmten" alle auf ihren neuen Bruder zu und beglückwünschten ihn alle persönlich. Einige Geschenke wurden verteilt, das Büfett aufgebaut, ein Dankgebet gesprochen und gemeinsam aßen und tranken wir bei immer noch sonnigem und vor allem trockenem Wetter. Wir tauschten uns aus und genossen den freudigen Tag. Schon bald wurde auch die Kaffeetafel entdeckt und der von vielen mitgebrachte Kuchen probiert. So lecker. Leider geht jeder Tag einmal zu Ende und die Gäste verabschiedeten sich. Einige halfen noch beim aufräumen. Zum frühen Abend waren wir wieder allein. Und der Blick durch das Fenster zeigte den wieder einsetzenden Regen. Gott ist so groß. Eine Glaubensschwester schickte dieses Foto von ihrer Heimreise. In diesem Sinne wünsche ich herrliche Tage. Ingo Anmerkungen und Fragen könnt ihr gern als Kommentar eintragen. Oder gern auch direkt an mich: ingo@einfach-biblisch.de Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. 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  • (Duft-)Kreationen

    Wenn ihr eine Duftnote wärt, welche wärt ihr? Süße Vanille, spritzige Bergamotte, rauchige Zeder, wohliges Sandelholz, pudrige Iris, kräftiger Moschus, frisch-männliches Ambroxan, erdig-mildes Iso E Super? Vermutlich haben viele von den letzten beiden genannten Noten noch nie gehört, auch wenn ihr sie mit großer Wahrscheinlichkeit schon einmal gerochen habt – genau so ging es mir auch bis vor kurzem. Irgendwann in der Langeweile des Lockdowns – ich weiß selbst nicht mehr genau wann – hat sich das geändert. Die lange Zeit der Isolation in den eigenen vier Wänden hat für so manchen neue und vielleicht unerwartete Hobbys hervorgebracht. Bei mir war es ein plötzliches Interesse für Parfüm. Es fühlt sich ehrlich gesagt ein bisschen an wie ein „guilty pleasure“. Ich habe schon den ein oder anderen verdutzt fragenden Blick erhalten, wenn ich an Bekannten einen Duft erkannt habe und das aus Versehen laut ausgesprochen habe; oder wenn ich mit Kumpels in der Stadt war und lieber bei Douglas als bei MediaMarkt vorbeischauen wollte; oder wenn Besucher auf meine inzwischen recht ausgedehnte Sammlung an unterschiedlich vollen Flakons im Bad gestoßen sind. Es ist schon ein ziemliches Nischen-Interesse, aber ich weiß inzwischen nicht mehr, warum ich so viele Jahre kaum Interesse an Düften hatte. Es ist eine faszinierende Welt! Zum Glück habe ich es über die letzten Jahre geschafft, ein paar Familienmitglieder mit meinem eigenartigen Hobby anzustecken, allen voran meinen Vater. Der besitzt inzwischen nicht nur selbst eine kleine Sammlung exquisiter Nischen-Düfte, sondern auch einen kleinen Holzkoffer mit diversen Duftölen, „damit man die ganzen Komponenten mal einzeln riechen kann“. Und diesen Koffer hat er auf mein Bitten hin mit im Gepäck gehabt, als wir die letzten zwei Wochen zusammen im Familienurlaub waren. Während er ein eher wissenschaftlich-theoretisches Interesse an den Parfümölen hat, bin ich eher der Typ Ausprobieren. Long story short: Ich habe letzte Woche einen eigenen Duft gemischt. Und da ich Urlaub hatte und viel Zeit über dies und das nachzudenken, sind mir einige interessante Parallel zwischen meinem Glauben und meinem selbst gemischten Parfüm aufgefallen. Was für ein praktischer Zufall, wenn zwei Lieblingsthemen so zusammenfallen! Endlich eine gute Ausrede, über beides zu sprechen 😉 Zutaten Als ich mich voller Vorfreude letzte Woche hinsetzte, um meinen ganz eigenen Duft zu kreieren, war die erste Herausforderung, aus den etwa zwei Dutzend Parfümölfläschchen die Noten herauszupicken, die ich in meinem Duft haben wollte. Zum Glück war meine Auswahl noch recht begrenzt – ein richtiger Parfümeur hat die Qual der Wahl zwischen tausenden einzelner Duftkomponenten. Ein Großteil der Verfügbaren Duftnoten entstammt ursprünglich der Natur (auch wenn viele davon heute synthetisch nachgeahmt werden können). Schon seit hunderten von Jahren besitzen Menschen das Wissen, wie man den Duft verschiedenster Blumen, Hölzer oder auch tierischer Stoffe extrahieren und konservieren kann. Dabei fanden sich im Laufe der Zeit neben sehr bekannten Substanzen wie z.B. dem Öl aus Rosenblättern auch unerwartete Duftnoten wie Ambra, welches man ursprünglich aus einer wachsartigen Masse gewonnen hat, die sich im Verdauungstrakt von Pottwalen finden lässt. Ob aus Flora oder Fauna – die abertausenden altbewährten Duftnoten entstammen der Natur, so wie Gott sie geschaffen hat. Hier musste ich bereits einen Moment inne halten und feststellen: Ist es nicht erstaunlich, wie unglaublich vielfältig Düfte sein können? Veilchen, Orangeblüten, Zedernholz, Vanille, Zimt, Ingwer – all diese Gerüche sind einzigartig. Und das ist offenbar gewollt. Gott hätte die Welt unendlich viel monotoner schaffen können. Er hatte es in der Hand. Aber er hat sich dafür entschieden, uns in einer schier unendlichen Vielfalt an einzigartigen Düften leben zu lassen. Und die Vielfalt von Gottes Schöpfung hört nicht bei Düften auf. Habt ihr die Frage vom Anfang für euch beantwortet? Auch dabei sollten die Antworten sehr vielfältig ausfallen – weil wir alle ebenso vielfältig geschaffen sind. Das wird später noch relevant. Nun könnte jemand einwenden, dass es trotzdem eine endliche Zahl verschiedener Düfte gibt. Zitronen riechen zwar anders als Moos, aber beide für sich doch immer irgendwie gleich. Ebenso könnte jemand meinen, als Person nicht besonders einzigartig zu sein: vielleicht habt ihr braune Haare, helle Haut, zwei Ohren, zwei Augen, seid humorvoll, esst lieber Pizza als Pommes – von dieser Sorte gibt es sicherlich viele. Aber jeden einzelnen von uns gibt es genau so, wie wir sind, trotzdem nur ein einziges Mal. Und tatsächlich sind auch keine zwei Zitronenbäume oder Moosstücke genau identisch. Das geht sogar so weit, dass diejenigen Parfümhäuser, die immer noch vorwiegend auf natürliche Inhaltsstoffe setzen, sich oft mit der Kritik konfrontiert sehen, deutliche Schwankungen zwischen verschiedenen Chargen desselben Dufts zu haben. Wenn man den Herstellern glaubt, lässt sich dies aber genau deshalb nicht komplett vermeiden, weil auch keine zwei Lieferungen an Rosenblüten, Sandelholz oder Kardamom genau gleich sind. Viele Parfumeure setzen daher für im großen Stil produzierte Düfte auf synthetische Duftkomponenten. Hier handelt es sich um chemisch erzeugte Moleküle, die sehr gut reproduzierbar sind. Das macht es deutlich einfacher (obgleich nicht unbedingt günstiger), Charge für Charge den exakt gleichen Duft zu fabrizieren. So lässt sich mit Mitteln der Chemie die Massenproduktion deutlich einfacher gestalten. Weniger Varianz, weniger Probleme. Das ist nachvollziehbar. Alles in der Natur hingegen ist einzigartig und wir sind es ebenso. Und nun die Frage: Warum ist das so? Warum die Mühe investieren? Gott hätte uns alle gleich machen können, einfach zu handhaben und mit dem immer gleichen Ergebnis. Das hat er aber nicht. Stattdessen hat er uns in eine Welt gesetzt, in der es eine unbeschreibliche Vielfalt an Menschen, Tieren und Pflanzen gibt, die uns ständig Neues entdecken lässt und die trotz ihrer Unterschiedlichkeit als Ganzes funktioniert. Wäre das mit Flora und Fauna „von der Stange“ nicht einfacher gewesen? Komposition Unterschiedliches, das zusammen funktioniert – damit sind wir wieder beim Parfüm. Denn so schön, aufregend und faszinierend alle einzelnen Komponenten für sich bereits riechen können, liegt der besondere Reiz der Parfümherstellung natürlich darin, sie zu immer neuen, kreativen Kompositionen zu kombinieren. Kennen wir das irgendwoher? Viele unterschiedliche Einzelteile, die zusammen ein interessantes Ganzes ergeben? Ich musste dabei an meine Gemeinde denken. Vielleicht sind einige von uns Typ Tuberose, andere Vetiver, wieder andere Leder oder Jasmin oder Rhabarber. Alle sind für sich genommen schon bemerkenswert, aber wirklich interessant wird es erst, wenn wir zu einer neuen Komposition zusammenwachsen. Und Kompositionen gibt es viele: Wenn wir in dem Bild des Parfüms bleiben, dann gibt es auf der Welt vermutlich keine zwei christlichen Gemeinden, die den gleichen Duft ergeben. Einige ergeben vielleicht einen sehr holzig, ledrigen, maskulinen Duft für die kalte Jahreszeit, andere einen frischen, blumigen, weiblichen Sommerduft. Dann wiederum gibt es Gruppen von Parfüms und auch von Gemeinden: orientalisch, zitrisch, aquatisch, usw. Düfte in diesen Gruppen riechen alle in gewisser Weise ähnlich, aber auch in jeder Gruppe gibt es wiederum enorme Vielfalt. Wenn wir davon ausgehen, dass keine zwei Menschen auf der Welt gleich sind, dann ist es praktisch unmöglich, dass sich an zwei Orten auf der Welt derselbe „Gemeindeduft“ findet. Ist das so gewollt? Reifung Und dann gibt es noch ein Phänomen, welches in mir gerade in diesem Moment eine gewisse Ungeduld auslöst. Ich weiß nämlich immer noch nicht, wie mein selbst gemischter Duft final riecht. Das werde ich erst in ca. 2 Wochen erfahren. Gibt man die verschiedenen Parfümöle zusammen, dann bildet sich zwar direkt ein ganz bestimmter Duft, der einen Mix aller Einzelteile darstellt, dieser Duft ist aber zum Zeitpunkt des Zusammenfügens noch nicht „fertig“. Mit der Zeit reagieren die einzelnen Komponenten miteinander und bilden erst so eine wirkliche Einheit. Ich werde also noch 2 Wochen warten müssen, um wirklich zu wissen, was ich da zusammengemixt habe. Ich bin schon sehr neugierig! In der Zwischenzeit ist es spannend, immer mal wieder zu schnuppern und zu schauen, wie sich der Duft verändert. Am Ende werde ich immer noch dieselben Duftkomponenten herausriechen können, aber – so sagt es die Literatur – der Duft wird zu einer neuen Einheit werden, statt nur die Summe seiner Einzelteile „nebeneinander“ zu beinhalten. Und auch hier muss ich wieder an meine Gemeinde denken und gleichzeitig an alle Gemeinden weltweit, welcher Duftrichtung sie auch immer angehören mögen. Ist es nicht auch in diesem Kontext so, dass dieselben „Zutaten“ nach einem, fünf oder zwanzig Jahren nicht mehr den gleichen Duft versprühen, den man vernehmen konnte, als sie frisch zusammengefügt wurden? Und nicht nur das: Über die Jahre bleibt die Rezeptur eines „Gemeindedufts“ in der Regel nicht gleich, sondern sie wird immer wieder durch neue Komponenten erweitert, verfeinert oder modernisiert. Leider fallen auch manchmal Zutaten weg. Auch das geschieht in der Welt des Parfüms übrigens tagtäglich, selbst mit Düften, die schon Jahrzehnte auf dem Markt sind – mal mehr, mal weniger zur Freude der treuen Käufer. Gott als Parfümeur und Sammler Wie es immer so ist, spiegelt sich mein Interesse an Düften inzwischen auch deutlich in meiner Social Media Bubble wider. Bei YouTube werden mir die neuesten Videos meiner Lieblings-Parfüm-Influencer angezeigt (und nein, Jeremy Fragrance taucht zum Glück fast gar nicht mehr auf 😉) und ich lese gerne immer wieder neue, kreative Rezensionen von Düften, z.B. auf parfumo.de. Wenn man sich im Netz mit Parfüm beschäftigt, dann ist immer mal wieder die Rede vom sogenannten „signature scent“, also einem Duft, den man besonders gern und oft trägt und den andere auch mit einem verbinden. Selbst etablierte Influencer, die mehrere hundert verschiedene Düfte besitzen, haben meist ein oder zwei dieser signature scents, zu denen sie immer wieder greifen. Was ich bemerkenswert finde: Gott scheint keinen zu haben. Von allen Duftkompositionen, mit denen er sich umgibt (seine Gemeinden), gibt es keine zwei, die genau gleich riechen. Das ist nochmal umso erstaunlicher, wenn wir bedenken, dass Gott diese Düfte ja nicht nur bildlich gesprochen im Schrank hat, sondern eigentlich sogar der Parfümeur hinter jedem einzelnen ist. Natürlich gibt es Duftnoten, die Gott präferiert. Eine Note, die in jedem seiner Düfte enthalten sein muss, ist z.B. die Liebe. Aber diese essenziellen Noten lassen immer noch eine derartige Vielfalt von Düften entstehen, dass ich nur staunen kann. Kein Fazit Damit bin ich auch schon am Ende meines kleinen Vergleichs für heute. Ich hoffe in euren Köpfen schwirren jetzt ähnlich viele Gedanken, wie in meinem. Falls ihr nicht noch mal hochscrollen wollt, hier eine List von Fragen, die sich beim Weiterdenken ergeben könnten: Warum benutzt Gott für seine Gemeinde-Duft-Kollektion lieber variierende natürliche Duftöle als gleichbleibende und einfach handhabbare synthetische Moleküle? Hat er so nicht selbst dafür gesorgt, dass er nicht zweimal den exakt selben Duft herstellen kann? Welche sind die Duftkomponenten, die Gott in jeder seiner Kreationen verwendet oder riechen möchte? Kann man als Experte erkennen, welche Duftkreationen von Gott stammen und welche nicht? Hat Gott tatsächlich lieber eine umfassende Sammlung an Düften, als den einen Duft für jeden Anlass? Führt der Reifeprozess der vielfältigen „Gemeinde-Düfte“ dazu, dass sie am Ende alle gleich riechen werden, oder möchte Gott die Vielfalt auch nach Abschluss der Reifung beibehalten? Ich möchte diese (und weitere Fragen) für heute einfach mal so stehen lassen. Es ist denke ich einiges dabei, worüber es sich nachzudenken lohnt. Wenn ihr interessante Ideen und Gedanken dazu habt, dann schreibt sie gerne in die Kommentare 😊 Ihr könnt aber auch einfach die Gedanken mit in die Woche nehmen und für euch persönlich beantworten oder aber auch weiterhin spannend und nicht so leicht zu beantworten finden 😉 Und falls da draußen noch andere Duftliebhaber sind: Ich freue mich, von euch zu hören! Gottes Segen und bis zum nächsten Mal Euer Daniel Foto von Motunrayo Babatunde auf Unsplash

  • Camino

    Um es gleich ehrlich zu sagen, den berühmten „Camino de Santiago“ von St. Jean Pied de Port in Frankreich nach Santiago de Compostela in Spanien bin ich nicht gegangen. Doch über die Jahre habe ich durch Erzählungen, ein Hörbuch und Filme einen Bezug dazu gefunden. Wer wünscht sich nicht das ein oder andere Mal im Leben: „Ich bin dann mal weg…“. Etwas kann ich, so finde ich, doch nachempfinden, denn wandern gehe ich auch sehr gerne. Mögen mir die Leser dieses Blogs verzeihen, die sich diesen langen Weg schon mal zugemutet haben. Vielleicht hat der ein oder andere Lust, seine Erfahrungen dazu in einem Kommentar zu schildern oder mir eine Mail zu schreiben. (ulrike@einfach-biblisch.de) Also ich frage mich, warum machen Menschen das. In Nebel, Sonne, Hitze, mit Blasen an den Füßen, in großen Schlafsälen und mit wenig Luxus, Kilometer für Kilometer, bergauf, bergab, alleine oder man findet Weggefährten, immer mit dem Ziel vor Augen, Santiago, Schritt für Schritt, meist über Wochen, so zu pilgern. Die Menschen, die diesen Weg gehen, machen das aus den unterschiedlichsten Beweggründen. Die können so zahlreich und verschieden sein, wie die Menschen selbst. Von Pilgern im eigentlichen Sinne, das heißt, eine Nähe zu Gott zu finden, bis, für weniger gläubige Menschen, eine Auszeit für die Seele oder eine besondere Art des Wanderns. Meist nehmen sie sich viel Zeit für den rund 800 km langen Weg. Viele finden Antworten, oder sogar ihren Glauben (wieder). Kommentare von Pilgern bestätigen das: „Ein Weg, der dir alles nimmt und dir dreifach zurückgibt.“, oder: „Ein Weg, der einem zeigt, wer man ist.“ So war ich vor ein paar Tagen tief bewegt von einem Film auf Bibel TV. ( „Drei Wege – Tres Caminos“, Folge 1 +2: https://www.bibeltv.de/mediathek/videos/338704-folge-1 https://www.bibeltv.de/mediathek/videos/340435-folge-2 ) Die Geschichte von fünf jungen Menschen wurde erzählt. Jeder hatte andere Beweggründe sich auf den Weg zu machen. Es geht, wie so oft im Leben, um Schuld und Versöhnung, die Frage: „Wer bin ich?“ und „Wo gehe ich hin?“, oder besser „Wo ist mein Platz“ und natürlich um Liebe, Vertrauen und Freundschaft. Alleine losgelaufen und zu fünft angekommen. Die Spielfilmlänge lässt nur Platz für die „magischen“ Momente. Zwischen Traurigkeit, Verzweiflung und dem Gefühl von Nähe, Rettung und Verstanden werden, der Wahrnehmung und der Veränderung, gibt es auf einer langen Wanderung garantiert lange Strecken der Stille und Selbstreflexion. Und Zeiten des Redens, des Austausches und des Verstehens und des Verstanden werden. Nach dem Film stand die Frage im Raum: „Mit welcher Fragestellung würde ich morgen lospilgern?“ – Ich bin nicht vollkommen, möchte aber stets perfekt sein, stimmt das? – was macht mein Leben lebendig? - was ist mir wichtig und was nicht? – wie tief ist meine Verbindung zu Gott? – usw., usw. … Wie beim Pilgern auf dem „Camino“ habe ich auch ein bestimmtes Ziel. Ein mittelfristiges ist, mit einer Gruppe von Glaubensgeschwistern eine neue Ortsgemeinde aufzubauen. Vielleicht ein gewagter Vergleich, wenn ich jetzt unseren Weg dahin als Pilgerweg bezeichne, doch ergeben sich für mich durchaus Parallelen. Wir haben ein gemeinsames Ziel, wir lernen uns zu vertrauen, uns gegenseitig zu stärken und zu helfen, wir erkennen unsere Ecken und Kannten und gehen Nächsten liebend damit um. Auf dem Weg gibt es Hindernisse, wie Fragen, die einen umtreiben, Veränderungen, die das Leben so mit sich bringt und mich langsamer gehen lassen. In Bewegung bleiben ist gut, sonst endet man wie „der Faulpelz“ in Sprüche 22 und 26: „Ich kann unmöglich aus dem Haus gehen“, sagt der Faulpelz, „auf der Straße könnte ja ein Löwe sein, der mich anfällt und tötet!“ (Sprüche 22,13) Da wünsche ich mir jemanden, der mir erklärt, dass der große Löwe vor meiner Tür nur ein kleines Kätzchen ist. Ich denke, mit einem Verständnis füreinander können wir auch miteinander gehen. Zugegeben, da übe ich auch noch dran. Wir haben ein super Vorbild in Jesus und seinem Umgang mit seinen Jüngern und seinen Mitmenschen. Nur was Jesus mit göttlicher Gabe als, „ich habe den Menschen erkannt“, beschreibt, können wir mit Fragen, Zuhören und Reden erfahren. Das dauert bestimmt länger. Jesus hatte ja auch nur 3 Jahre bis zu seiner Auferstehung. Wir haben deutlich mehr Zeit uns darin zu üben. Trotzdem führt unser gemeinsam gewählter Weg zu unserem langfristigen Ziel. Durch stille und aktive Verkündigung (= Leben, einfach, biblisch) Menschen ansprechen und sie zur Umkehr zu bewegen, damit die Zahl der Gläubigen voll werde und Jesus Christus Gottes Plan mit der Erde und den Menschen vollkommen macht und sein Königreich für immer aufgebaut wird. Ermutigend ist es für mich, wenn ich Johannes 14 lese. Hier ein paar markante Stellen; es lohnt sich, das ganze Kapitel zu lesen: Seid nicht bestürzt und habt keine Angst! (…) »Glaubt an Gott und glaubt an mich! (…) Und wenn alles bereit ist, werde ich zurückkommen, um euch zu mir zu holen. Dann werdet auch ihr dort sein, wo ich bin. (…) Wie sollen wir dann den Weg dorthin finden? (…) Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben! Ohne mich kann niemand zum Vater kommen. (…) (Johannes 14, 1-6) Wenn ihr mich liebt, werdet ihr so leben, wie ich es euch geboten habe. Dann werde ich den Vater bitten, dass er euch an meiner Stelle einen anderen Helfer gibt, der für immer bei euch bleibt. Dies ist der Geist der Wahrheit. Die Welt kann ihn nicht aufnehmen, denn sie ist blind für ihn und erkennt ihn nicht. Aber ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch leben. Nein, ich lasse euch nicht als hilflose Waisen zurück. Ich komme wieder zu euch. (Johannes 14, 15-18) …aber die Welt soll erfahren, dass ich den Vater liebe. Deswegen werde ich das ausführen, was Gott mir aufgetragen hat. Und nun steht auf, wir wollen gehen! (Johannes 14,31) Denn: „Wohin sonst sollten wir gehen“ (https://www.youtube.com/watch?v=CbyeFDo8MhE) Wie die Pilger auf dem Weg, wünsche ich euch eine gesegnete Woche und „Buen camino“ - ganz egal auf welchem Weg ihr auch wandert! Eure Ulrike Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag

  • Über Mauern springen

    Seit zwei Wochen – unserem letzten „Gemeindebau-Treffen“ – plagt mich das dumpfe Gefühl, dass unser gemeinsames Vorhaben (ich nenne das mal bewusst nicht Projekt) ein wenig ins Stocken gerät. Beim Nachdenken über die Gründe kam mir die Idee, dass es vielleicht daran liegt, dass der gemeinsam gesetzte Termin, bis 2025 in Braunschweig angekommen zu sein, langsam näher rückt. Dazu kommt, dass durch unterschiedliche Lebensumstände und Rahmenbedingungen innerhalb der Gruppe auch unterschiedliche Geschwindigkeiten entstanden sind und weiter entstehen werden. Dadurch sind die einen eher beflügelt, andere eher geängstigt oder fühlen sich gedrängt. Beim Nachdenken (und Googlen) über diese Zusammenhänge fiel mir ein chinesisches Sprichwort vor die Füße, welches diese unterschiedlichen ausgelösten Gefühle gut einfängt. Es lautet: "Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen." Der Wind der Veränderung weht. Die Zeit, in der wir gemeinsam Ideen für die zukünftige Gemeinschaft entwickelt haben, uns vorstellen und erzählen konnten, wie es wohl sein würde, welche Art von Räumen wir bräuchten, was jeder beisteuern möchte, eben die Zeit des „darüber Redens“, führt nun so langsam zu dem Schritt, vom Denken ins Handeln zu kommen. So habe ich angefangen, meine Bibel aufzuschlagen, um darin mit Gottes Hilfe Motivation und Lösungswege zu finden. „Wege“ war dann auch der Begriff, der mich immer weiter und tiefer in die biblischen Aussagen und Beispiele hineingeführt hat. Erstaunlich war dabei, dass die erste Stelle, die mir bei meiner Suche in der Onlinebible ins Auge sprang, ausgerechnet diese war : "Ja, du bist meine Leuchte, HERR; und der HERR erhellt meine Finsternis. Denn mit dir erstürme ich einen Wall, mit meinem Gott kann ich eine Mauer überspringen. Gott – sein Weg ist vollkommen; des HERRN Wort ist lauter; ein Schild ist er allen, die sich bei ihm bergen. Denn wer ist Gott außer dem HERRN? Und wer ist ein Fels außer unserem Gott? Gott ist meine starke Festung und vollkommen macht er meinen Weg. Er macht meine Füße den Hirschen gleich und stellt mich hin auf meine Höhen." (2. Samuel 22,29-37) „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“ – ist das nicht eine unglaubliche Antwort auf das chinesische Sprichwort? Zu dem Thema der unterschiedlichen Geschwindigkeiten ist mir eine Parallele eingefallen, die noch aus der Zeit stammt, als ich Motorradfahrer war. Ich bin in dieser Zeit einige Male mit einer Gruppe von Motorradfahrern unterwegs gewesen. So ein gemeinsamer Ausflug will natürlich auch vorher geplant sein. Zunächst gilt es mal, gemeinsam zu entscheiden, wo es denn eigentlich hingehen soll. Danach kann dann gemeinsam eine schöne Route ausgesucht werden, abhängig natürlich von der Gesamtstrecke und der verfügbaren Zeit. Ist das alles geklärt, wird der Treffpunkt und die Zeit für den Start verabredet und wenn alle da sind, geht es gemeinsam los. Was dabei für so eine Gruppenfahrt wichtig ist, ist dass der langsamste Fahrer die Gruppe anführt, der schnellste fährt hinten. So ist gewährleistet, dass alle zusammenbleiben können und niemand abgehängt wird. Weiter geht’s in meiner Bibelrecherche. Ein wesentlicher Punkt in meinem Beispiel der Motorradtour ist: Damit die Tour losgeht, müssen alle losfahren. Womit wir schon wieder bei einem Sprichwort wären (eigentlich hasse ich Sprichwörter): "Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt." Und um das eigentliche Thema zu adressieren, gleich noch eins hinterher: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!" Die Bibel ist geradezu übervoll von Beispielen, die vom Tun/vom Handeln sprechen. Selbstverständlich fällt mir da als erstes Abram ein, von dem der Hebräerbrief schreibt: "Durch Glauben war Abraham, als er gerufen wurde, gehorsam, auszuziehen an den Ort, den er zum Erbteil empfangen sollte; und er zog aus, ohne zu wissen, wohin er komme." (Hebräer 11,8) Oder Rut, die mit Noomi vertrauensvoll in eine ungewisse Zukunft geht: "Denn wohin Du gehst, dahin will auch ich gehen, und wo Du bleibst, da bleibe auch ich." (Rut 1,16) Der Hebräerbrief spricht im Kapitel 11 von den „Glaubenszeugen“ oder „Glaubenshelden“. All diesen Menschen ist ein entscheidender Punkt gemeinsam: sie alle drücken ihren Glauben durch Handeln aus. - Abel, der ein besseres Opfer bringt - Noah, der eine Arche baut - Abraham, der auszog, der hinging, um seinen Sohn zu opfern - Isaak und Jakob, die den jeweils von Gott gewollten Sohn segneten Es ist eben so, wie es kaum jemand deutlicher ausspricht als Jakobus: "Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen! Denn wenn jemand ein Hörer des Wortes ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Mann, der sein natürliches Gesicht in einem Spiegel betrachtet. Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen, und er hat sogleich vergessen, wie er beschaffen war. Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein." (Jakobus 1,22-25) Gott hat sicherlich alle Vorleistungen bereits erbracht. Er streckt uns seine ausgebreiteten Arme entgegen, wie dem verlorenen Sohn. Aber – Schritte machen in seine Richtung, das müssen wir selbst. So können wir mit seiner Hilfe laufen lernen und werden mit Sicherheit den richtigen Weg gehen. Diejenigen unter euch, die selber Eltern sind, können sich sicher noch an den Moment erinnern, als ihr Kind den rettenden Tisch oder Stuhl losgelassen hat und die ersten eigenen Schritte in unsere ausgebreiteten Arme gemacht hat. So ist es auch mit uns, und – so war es auch bei Jesus. Auch er ließ die Menschen, die Heilung wollten, zu ihm kommen. Sie mussten selber gehen (oder auch getragen werden). Denken wir an den Menschen, der durch das Dach herunter gelassen wird, die blutflüssige Frau, die sich durch die Menge wühlt, um Jesu Kleiderzipfel zu erreichen oder den kleinwüchsigen Zachäus, der voraus rannte und auf einen Baum kletterte, um Jesus sehen zu können. Und natürlich Petrus, der aus dem Boot aussteigen und auf Jesus zugehen musste. Sie alle mussten selber losgehen! Genau dieselbe Reihenfolge benutzt Jesus auch in seiner Predigt. Unser Handeln ist gefragt (ist mir so deutlich erst jetzt zum ersten Mal aufgefallen): "Bittet, und es wird euch gegeben werden, Sucht, und ihr werdet finden, Klopft an, und es wird euch geöffnet werden." (Matthäus 7,7) Wenn wir nur bereit sind loszugehen, dann wird Gott uns den richtigen Weg zeigen, denn (Achtung Sprichwort): Wege entstehen erst beim Gehen! "Eine Leuchte für meinen Fuß ist dein Wort, ein Licht für meinen Weg." (Psalm 119,105) "Meine Schritte hielten sich in deinen Spuren, meine Tritte haben nicht gewankt." (Psalm 17,5) "Das Herz des Menschen plant seinen Weg, aber der HERR lenkt seine Schritte." (Sprüche 16,9) Es gäbe noch unzählige weitere Beispiele, in denen uns die Bibel zeigt, dass wir uns vertrauensvoll auf den Weg machen können, denn Gott wird uns sicher leiten. Wir müssen nur losgehen! Heute möchte ich meinen Beitrag mal nicht mit einem Bibelzitat schließen, sondern mit einem Witz meines Vaters, den ich als junger, gläubiger Mensch immer für eher peinlich hielt. Heute weiß ich, wieviel Weisheit darin steckt: Ein Mann betet an jedem Wochenende: „Herr, schenke mir einen Lottogewinn.“ So geht das Woche um Woche, Monat für Monat, viele Jahre. Irgendwann wird es Gott zu bunt und er antwortet: „Tu mir doch bitte den Gefallen, und fülle einmal einen Lottoschein aus!“ Let’s go! Euer Peter Foto von Emanuel Kionke auf Unsplash

  • Das Wort Gottes

    Was ist euer Lieblingsbuch? Oder wenn das zu schwierig ist, was sind eure fünf liebsten Bücher? Wenn es euch so geht wie mir, dann könnt ihr diese Fragen nur sehr schwer beantworten. Aber eins kann ich sagen: Würde mir jemand diese Fragen stellen, würde ich nicht als erstes die Bibel nennen. Wäre sie überhaupt unter meinen Top 5? Vermutlich eher nicht … Es fällt mir oft schwer die Bibel zu lesen und einen richtigen Zugang zu ihr zu finden. Ich höre mir meistens lieber Gedanken an, die andere Leute zu diversen Themen hatten und zusammengetragen haben. Woran liegt das? Bis vor ein paar Tagen hatte ich noch keine Antwort auf diese Frage. Doch dann hat mein Mann mir eine Podcastfolge des „Press on Journals“ (https://www.pressonjournal.org/) vorgeschlagen. Sie heißt „The Word of God“ (Das Wort Gottes) (https://open.spotify.com/episode/3nPKu7tUKXTnXsdAURGasI) von Tom Gaston (https://thomas-gaston.com/). Diesen Podcast gibt es auch als Video oder Artikel (https://www.pressonjournal.org/blog/the-word-of-god). Leider auf Englisch, aber alles sehr gut. Eine klare Empfehlung meinerseits. 😊 Der Autor Tom Gaston redet am Anfang ebenfalls von seinen Lieblingsbüchern. Sehr detailliert geht er darauf ein, warum keines wie die Bibel ist bzw. inwieweit sich die Bibel von anderen Büchern (seien es Romane, Kochbücher, Nachschlagewerke, Ratgeber oder andere) unterscheidet. Ein großer Punkt ist, dass die Bibel nicht einen Handlungsstrang hat, wie man es von Romanen kennt, da die Bibel nicht nur ein Buch ist, sondern eine ganze Bücherei. Es gibt viele verschiedene Themen in der Bibel, aber es ist auch nicht so, dass die Bibel ein Nachschlagewerk ist, in dem man zu jedem Thema eine zufriedenstellende Aussage oder Definition findet. Die Bibel hat viele verschiedene Genres, Styles, Kontexte, Kulturen und Jahre und Jahrhunderte, aus denen die Texte stammen. Das alles führt dazu, dass die Bibel einschüchternd ist. Und dann bringt der Autor sehr schön auf den Punkt, was mein „Problem“ mit der Bibel ist. „Diese ganze Komplexität und Diversität ist wundervoll. Aber macht sie das zugänglich? Macht die Bibel es einfach, die großen Fragen des Lebens zu beantworten? Macht sie es einfach, moralische Führung zu finden? Macht sie es einfach, eure Beziehung mit Gott aufzubauen zu stärken? Oder fühlt es sich nicht eher so an, als wäre die Bibel unzugänglich irrelevant oder sogar manchmal langweilig?“ (übersetzt aus dem Artikel) Der Vorschlag des Autors ist, dass man einen Schlüssel benötigt, um die Bibel zu verstehen: Jesus. Weiterhin sagt Tom Gaston, dass in der Bibel das „Wort Gottes“ niemals die ganze Bibel bezeichnet. Im Neuen Testament wird die frohe Botschaft als Wort Gottes bezeichnet. Und Jesus. Aber nie die Bibel als Ganzes. Diesen Punkt fand ich sehr spannend, weil es einem die Möglichkeit eröffnet, ganz anders an die Bibel heranzugehen und vielleicht neue Wege zu finden, die Bibel zugänglich zu machen. Der Autor ist ähnlicher Meinung. „Die Bibel das „Wort Gottes“ zu nennen, könnte den Eindruck vermitteln, dass die Wörter wichtig sind, dass der geschriebene Text Autorität hat.“ (übersetzt aus dem Artikel) Was aber laut Autor wichtig ist, ist die Botschaft, die ja auch in der Bibel „Wort Gottes“ genannt wird. Es ist ein kleiner feiner Unterschied, aber ich finde dieser Unterschied hat enorme Auswirkungen. Wie Tom Gaston richtigerweise erwähnt, wird oft zu viel Wert auf einzelne Wörter gelegt, sodass die Bibel fast als Code gesehen wird, der geknackt werden muss. Wenn man aber nicht gut im Code knacken ist, ist das nicht gerade einladend. Und das ist vermutlich auch mein Problem. Vermutlich ist meine Herangehensweise oder Einstellung zur Bibel für mich einfach nicht ganz korrekt und nicht das richtige für mich. Deswegen habe ich bisher noch keinen richtigen Zugang gefunden, der mich tagtäglich begleitet und Lust macht, mehr in der Bibel zu lesen. Was bedeutet es aber nun, dass Jesus der Schlüssel ist, um die Bibel zu lesen? Der Autor des Artikels erklärt das sehr schön anhand einer Stelle aus dem fünften Buch Mose. Alles vor dem Hintergrund, dass Jesus die ultimative Offenbarung Gottes, das Wort Gottes ist, an dem wir uns orientieren können. Dabei sollte uns auch im Hinterkopf bleiben, dass Jesus auch jetzt für uns da ist und nicht nur vor 2000 Jahren gelebt hat. Wie aber interpretiert Tom Gaston jetzt die Bibel mit Jesus als Schlüssel? Hier das Beispiel aus Mose, das der Autor erwähnt: „Wenn du vor eine Stadt ziehst, um gegen sie zu kämpfen, dann sollst du ihr Frieden anbieten. Geht sie auf das Friedensangebot ein und öffnet sie dir ihre Tore, dann soll dir das ganze Volk, das sich in ihr befindet, Frondienst leisten und dir Untertan sein. Will sie aber keinen Frieden mit dir schliessen, sondern mit dir Krieg führen, dann sollst du sie belagern. Und der HERR, dein Gott, wird sie in deine Hand geben, und alles, was darin männlich ist, sollst du mit der Schärfe des Schwerts schlagen. Nur die Frauen und Kinder und das Vieh und alles, was sich in der Stadt an Beute findet, darfst du als Plündergut für dich behalten, und was du bei deinen Feinden erbeutet hast, was dir der HERR, dein Gott, gegeben hat, sollst du verzehren. So sollst du es mit allen Städten halten, die sehr weit von dir entfernt sind und nicht zu den Städten dieser Nationen hier gehören. Doch in den Städten dieser Völker, die dir der HERR, dein Gott, zum Erbbesitz gibt, sollst du nichts am Leben lassen, was Atem hat, sondern du sollst sie der Vernichtung weihen, die Hetiter und die Amoriter und die Kanaaniter und die Peressiter und die Chiwwiter und die Jebusiter, wie es dir der HERR, dein Gott, geboten hat“ (5. Mose 20,10-17) In dieser Stelle ist nicht von Notwehr die Rede. Es geht darum, dass Israel andere Nationen angreift. Die Folgen davon sind Plünderung, Tod und Versklavung. Auch Frauen und Kinder. Das ist schon sehr, sehr hart und schwer zu verstehen. Man könnte sagen: Ja, denen geht es ja schon besser, wenn Israel sie angreift und nicht irgendjemand anderes. Aber wir sind trotzdem in keiner Weise mit diesem Verhalten einverstanden. Das ist nicht, was wir von Jesus gelernt haben. Jesus hat uns einen besseren Standard vorgelebt. Wie können wir aber jetzt die Bibel durch Jesus verstehen? Der Autor schlägt vor, die Bibel durch Jesus Augen zu sehen und die Bibel als etwas zu sehen, dass auf Christus hindeutet, weil er das Wort Gottes ist und seine letzte Offenbarung. Wir sollten jetzt keinen Krieg anfangen, aber selbst die Israeliten früher sollten bessere Standards verfolgen als die anderen Nationen. Das legitimiert nicht, Krieg anzufangen, aber es zeigt aufwärts zu einem höheren Standard, bei dem Frieden vorgezogen wird und nicht Krieg. Im fünften Buch Mose haben wir dieses Level allerdings noch nicht erreicht, da es Jesus noch nicht gab. Aber die Bibel mit Jesus im Hinterkopf zu lesen, zeigt uns eine Aufwärtsbewegung zu Gottes wahrem Charakter, der in Jesus widergespiegelt wird. Zuletzt schlägt Tom Gaston vor, alle Erwartungen an die Bibel zur Seite zu legen und die Bibel einfach Bibel sein zu lassen. Die Bibel ist nicht der einzige Weg, wie Gott zu uns spricht. Wir haben Jesus. Unseren Fokus auf Jesus zu legen, kann uns helfen den Rest besser zu verstehen. Das waren – sehr zusammengefasst – Tom Gastons Gedanken zu diesem Thema. Mich hat es sehr angesprochen und motiviert. Ich lege euch sehr ans Herz seinen ganzen Artikel im Original zu lesen (https://www.pressonjournal.org/the-word-of-god-text) oder zu hören (https://open.spotify.com/episode/3nPKu7tUKXTnXsdAURGasI). Falls ihr ihn nicht auf Englisch lesen könnt/wollt, kann ich euch nur empfehlen ihn von https://www.deepl.com/translator übersetzen zu lassen und dann zu lesen. (Es ist vielleicht nicht perfekt, aber ich glaube es ist schon sehr, sehr gut.) Ich bin motiviert und werde jetzt versuchen, mich mehr auf Jesus zu fokussieren und alles durch seine Augen zu betrachten. „Darum beuge ich meine Knie vor dem Vater, von dem jedes Geschlecht im Himmel und auf Erden seinen Namen empfängt, und bitte ihn, euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit durch seinen Geist zum Aufbau des inneren Menschen so mit Kraft zu stärken, dass Christus durch den Glauben in euren Herzen Wohnung nimmt und ihr in der Liebe tief verwurzelt und fest gegründet seid. So werdet ihr befähigt, mit allen Heiligen zusammen die Breite und Länge und Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu erkennen, die alle Erkenntnis übersteigt, und so werdet ihr immer mehr erfüllt werden von der ganzen Fülle Gottes. Ihm aber, der weit mehr zu tun vermag, als was wir erbitten oder ersinnen, weit über alles hinaus, wie es die Kraft erlaubt, die in uns wirkt, ihm sei die Ehre in der Kirche und in Christus Jesus durch alle Generationen dieser Weltzeit hindurch bis in alle Ewigkeit, Amen.“ (Epheser 3,14-21) Eure Lisa ♥

  • Gemeinsam

    „Gemeinde“ oder auch „Glaubensgemeinschaft“. Egal welches Wort man verwendet, betonen doch beide gleichermaßen, dass es darum geht, etwas zusammen zu tun: Gemeinsam zu glauben und diesen Glauben auszuleben. Doch warum ist es Gott so wichtig, dass wir nicht nur alleine glauben, sondern uns als Teil einer Gemeinschaft sehen? Zusammenkommen um den Glauben gemeinsam auszuleben war schon seit der Anfangszeit des Christentums ein elementarer Bestandteil dieser Glaubensrichtung. So trafen sich die ersten Christen in Jerusalem täglich im Tempel: „Täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen zu Hause das Brot, nahmen Speise mit Jubel und Schlichtheit des Herzens, lobten Gott und hatten Gunst beim ganzen Volk. Der Herr aber tat täglich hinzu, die gerettet wurden.“ (Apostelgeschichte 2,46-47) Auch im Hebräerbrief lesen wir von der Wichtigkeit eines regelmäßigen Zusammenkommens der Geschwister, welches der Ermutigung aller dienen soll: „Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung unwandelbar festhalten – denn treu ist er, der die Verheißung gegeben hat –, und lasst uns aufeinander achthaben, um uns zur Liebe und zu guten Werken anzureizen, indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das umso mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht!“ (Hebräer 10,23-25) Doch warum ist das Zusammenkommen so ein wesentlicher Bestandteil des Glaubens? Unter Gleichgesinnten Ich glaube, vor allem soll die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen uns eine Hilfe sein, wie auch die Verse aus Hebräer beschreiben. Schließlich lesen wir schon im Rahmen der Schöpfungsgeschichte: „Und der HERR, Gott, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist; […]“ (1. Mose 2,18) Gott weiß, dass wir Menschen Wesen sind, die ein Bedürfnis nach Gemeinschaft verspüren. Natürlich wird der ein oder andere fragen, warum es denn gerade eine Glaubensgemeinschaft sein muss. Gemeinschaft gibt es schließlich in allen möglichen Formen: Lebensgemeinschaft, Wohngemeinschaft, Hausgemeinschaft, Dorfgemeinschaft, Vereine, Freundeskreise usw. Also warum ist es wichtig, auch noch einer Gemeinde anzugehören? Kann man nicht genauso gut alleine glauben? Ich denke, grundsätzlich ist es natürlich möglich, alleine zu glauben. Einigen bleibt aufgrund ihrer Umstände vielleicht auch gar nichts anderes übrig. Aber ob das genauso gut ist, wie seinen Glauben innerhalb einer Gemeinschaft auszuleben – das wage ich in Frage zu stellen. Bei den allermeisten Hobbys ist es ähnlich. So werden zum Beispiel die meisten Musiker bestätigen, dass es um einiges mehr Spaß macht mit anderen zusammen Musik zu machen als alleine. Zum einen kann man dabei unheimlich viel lernen. So hat zum Beispiel ein Pianist mit klassischer Ausbildung, der gelernt hat nach Noten zu spielen und dabei möglichst genau das umzusetzen, was der Komponist in der Partitur vorgegeben hat, einen ganz anderen Zugang zu Musik als jemand, der sich selbst nach Gehör das Klavierspielen beigebracht hat und sich noch nie mit Musiktheorie auseinander gesetzt hat. Doch besonders diese unterschiedlichen Herangehensweisen an ein und dasselbe Thema können unheimlich bereichernd sein und unsere beiden Pianisten aus dem Beispiel können viel voneinander lernen und haben danach vielleicht ein ganzheitlicheres Bild dessen, was Musik ausmacht. Zum anderen kann es dabei helfen, neue Motivation zu finden. Ein Instrument zu lernen und irgendwann beherrschen zu wollen, erfordert viel Zeit und Mühe. Ganz egal, ob man über Klavier, Geige, Trompete oder die eigene Stimme spricht. Dabei nicht die Motivation und nicht den Spaß an der Sache zu verlieren, ist manchmal alles andere als leicht. Doch auch hierbei können einem andere Musiker wunderbar helfen. Sie verstehen die Probleme mit denen man zu kämpfen hat, weil sie schon viele ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Egal ob es am Klavier zu kleine Hände für die großen Notenabstände sind oder die Barré-Akkorde auf der Gitarre am Anfang nicht sauber klingen – die meisten Musiker, die das gleiche Instrument spielen, werden ähnliche Probleme auf ihrem Weg gehabt haben. Das gleiche gilt auch für den Glauben. Genauso wenig, wie mir ein Gärtner weiterhelfen kann, wenn ich mich mit Chopin herumschlage, kann ein Ungläubiger mir aus einem Glaubenstief heraushelfen. Diese Art von Unterstützung können wir nur unter Gleichgesinnten finden. Und ich glaube, Unterstützung auf dem eigenen Glaubensweg brauchen wir alle immer wieder. Unter vielen Ein weiterer Aspekt, auf den ich eingehen möchte, ist, dass wir als Christen immer Teil eines größeren Ganzen sind. So beschreibt Paulus uns zum Beispiel als einzelne Körperteile: „Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele. Wenn der Fuß spräche: Weil ich nicht Hand bin, gehöre ich nicht zum Leib; gehört er deswegen nicht zum Leib? Und wenn das Ohr spräche: Weil ich nicht Auge bin, gehöre ich nicht zum Leib; gehört es deswegen nicht zum Leib? Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo wäre das Gehör? Wenn ganz Gehör, wo der Geruch? Nun aber hat Gott die Glieder bestimmt, jedes einzelne von ihnen am Leib, wie er wollte. Wenn aber alles ein Glied wäre, wo wäre der Leib? Nun aber sind zwar viele Glieder, aber ein Leib.“ (1. Korinther 12,13-20) Ein weiteres viel verwendetes Bild ist, dass wir einzelne Bausteine eines neuen Tempels sind: „Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist. In ihm zusammengefügt, wächst der ganze Bau zu einem heiligen Tempel im Herrn, und in ihm werdet auch ihr mit aufgebaut zu einer Behausung Gottes im Geist.“ (Epheser 2,20-22) „Zu ihm kommend als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar, lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Opfer darzubringen, Gott hochwillkommen durch Jesus Christus!“ (1. Petrus 2,4+5) Gott möchte eine Beziehung zu uns aufbauen und mit uns in Gemeinschaft leben. Und zwar nicht nur mit „uns“ im Sinne von uns selbst, sondern im Sinne von uns allen. Die genannten Verse sprechen nicht nur von mir als Individuum, sondern von mir als Teil einer Gruppe – der Gruppe Menschen, mit denen ich hoffe, im Königreich gemeinsam mit Gott und Jesus leben zu dürfen. Also warum sollte ich mich bewusst von dieser Gruppe separieren, wenn ich doch hoffe, die Ewigkeit mit ihnen zu verbringen? Beziehungen bedeuten Arbeit Glaube hat immer auch mit Beziehungen zu tun. Unsere Beziehung zu Gott. Unsere Beziehung zu Jesus. Und eben auch unsere Beziehung zueinander. Doch damit Beziehungen funktionieren, muss man an ihnen arbeiten. Liest man von den Streitigkeiten in den ersten Gemeinden im Neuen Testament scheint es manchmal an ein Wunder zu grenzen, dass diese Gemeinden überhaupt funktioniert haben und dass wir in den Briefen an diese Gemeinden nicht den Rat finden „Trennt euch besser, das hat eh keinen Sinn mehr!“. Doch für diese Gemeinden hat es sich gelohnt, an ihren Beziehungen zu arbeiten und ich glaube, auch für uns lohnt es sich, an dieser Form von Gemeinschaft festzuhalten. Damit diese Gemeinschaft funktioniert, ist allerdings ein Bemühen auf allen Seiten erforderlich. Für ein Auge ist es sicherlich nicht leicht, sich vorzustellen wie ein Ohr die Welt wahrnimmt und dass das Ohr nicht verstehen kann, was das Auge mit „rot“, „grün“ und „blau“ eigentlich meint. Trotzdem ist es für einen Körper viel leichter seine Umgebung wahrzunehmen, wenn er Augen und Ohren hat und nicht nur eins von beiden. Beziehungen erfordern Arbeit – auch unter Glaubensgeschwistern. Aber die Arbeit lohnt sich. Als funktionierende Gemeinschaft können wir einander unterstützen und erbauen. Als funktionierende Gemeinschaft können wir auch besser andere Menschen erreichen und ihnen zeigen, was es bedeutet, Teil von Gottes Familie zu sein. Schließlich sind wir als Tempel aus vielen Steinen um einiges sichtbarer als ein einziger Stein. Ein wesentlicher Faktor, in dem sich die beschriebene „Arbeit“ ausdrückt, die wir in unsere Beziehungen innerhalb der Gemeinde stecken sollten, ist Zeit. Zeit dafür, unsere Geschwister richtig kennenzulernen. Zeit dafür, unseren Geschwistern zuzuhören und ihnen unter die Arme zu greifen, wenn sie Hilfe brauchen. Zeit dafür, gemeinsam zu lachen und etwas zu unternehmen – nicht nur sonntags. Diese Zeit sollten wir uns bewusst nehmen, denn diese Zeit ist unfassbar wichtig dafür, unsere Gemeinschaft zu stärken und uns auch tatsächlich als Gemeinschaft zu erleben. Wenn Gemeinde sein heißt, gemeinsam zu glauben, dann sollten wir uns mit den Menschen, mit denen wir gemeinsam glauben, ebenso viel beschäftigen wie mit dem Inhalt dessen, was wir glauben. Sonst werden wir der Bedeutung am Ende nicht gerecht. Also lasst uns nicht vergessen, dass die Frage „Wer ist mein Bruder/ meine Schwester?“ durchaus auf einer Ebene steht mit „Wer war David?“ oder „Wer war Jeremia?“. Am Ende können wir von allen dreien unheimlich viel lernen. Zumindest, wenn wir beim nächsten Bibelstudium auch einmal die Augen anheben und schauen, mit wem wir da eigentlich gerade die Bibel aufgeschlagen haben. 😉 Bis zum nächsten Mal! Eure Lea

  • Wer glaubt und sich taufen lässt, ...

    In meinem vorigen Blog - Gehen - war im letzten geteiltem Video ein junger Mann zu sehen, der sich im Kreis seiner Freunde taufen lässt. Das hat mich sehr bewegt und an meine eigene Taufe denken lassen. Es war zu erkennen, welch ein großes Bedürfnis es für ihn war, diesen Schritt zu gehen. Da wir gerade in unserer Gemeinde auch eine Taufe vorbereiten, möchte ich hier einen Gedanken zur Taufe teilen. Grundlage Jesus selbst wird zu Beginn seines Wirkens von Johannes "dem Täufer" getauft. Damit gibt er den Menschen auch hier sein Vorbild. Gleich nach dem Untertauchen passiert etwas ganz besonderes. Jesus wird von Gott als sein Sohn anerkannt. Als Johannes wieder einmal viele Menschen taufte, kam auch Jesus und ließ sich taufen. Während er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam wie eine Taube sichtbar auf ihn herab. Gleichzeitig sprach eine Stimme vom Himmel: »Du bist mein geliebter Sohn, über den ich mich von Herzen freue.« (Lukas 3,21-22) Hier geht Jesus, der Sohn von Maria und Joseph in den Jordan und taucht als Jesus Christus, der Sohn Gottes wieder auf. Gott spricht die rettende Idee (den heiligen Geist) für die Menschheit aus. Auf diese Grundlage baut die ganze Schöpfung auf. Und nicht zuletzt das weitere Leben Jesu und das Leben seiner weltweiten Nachfolger und Nachfolgerinnen. Im Grunde geht es im Wesentlichen darum. Jesus erzählt seinen Zuhörern: Ich sage euch die Wahrheit: Wer meine Botschaft hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben. Ihn wird das Urteil Gottes nicht treffen, er hat die Grenze vom Tod zum Leben schon überschritten. (Johannes 5,24) Und später, als es um ihn als Retter (Opfer) geht, führt er fort: Setzt alles dafür ein, die Nahrung zu bekommen, die bis ins ewige Leben reicht. Diese wird der Menschensohn euch geben. Denn Gott, der Vater, hat ihn als seinen Gesandten bestätigt und ihm die Macht dazu verliehen.« Da fragten sie ihn: »Was sollen wir tun, um Gottes Willen zu erfüllen?« Er erwiderte: »Nur eins erwartet Gott von euch: Ihr sollt an den glauben, den er gesandt hat.« (Johannes 6,27-29) Deutlicher geht es nicht, finde ich. Taufe In der Taufe geht es genau um dieses Bekenntnis. Den Glauben an Jesus Christus, dem Sohn Gottes und an Gott dem Vater, auszudrücken. Das bisherige Leben zu beenden und ein neues Leben als Kind Gottes in der Familie der Christen zu beginnen. Gleichzeitig ist es die Eintrittskarte in das zukünftige Reich Gottes, das Jesus Christus mit seinen Geschwistern in der Zukunft auf dieser Erde gründet. In einem Gespräch mit einem angesehen Juden drückt er es so aus: »Ich versichere dir«, entgegnete Jesus, »nur wer durch Wasser und durch Gottes Geist neu geboren wird, kann in Gottes Reich kommen! (Johannes 3,5) In einem Brief an einen gewissen Titus beschreibt der Nachfolger Christi, Paulus, folgendes: Erinnere die Christen daran, dass sie sich den Regierenden und staatlichen Behörden unterzuordnen haben. Sie sollen die Gesetze des Staates befolgen und jederzeit bereit sein, Gutes zu tun. Kein Christ darf gehässig über andere reden oder gar Streit suchen. Er soll vielmehr jedem freundlich und liebevoll begegnen. Vergessen wir nicht: Auch wir waren früher unverständig und Gott ungehorsam. Wir gingen in die Irre und wurden von allen möglichen Wünschen und Leidenschaften beherrscht. Bosheit und Neid bestimmten unser Leben. Wir hassten andere, und andere hassten uns. Aber dann wurde die Güte Gottes, unseres Befreiers, und seine Liebe zu uns Menschen sichtbar. Er rettete uns – nicht weil wir etwas geleistet hätten, womit wir seine Liebe verdienten, sondern aus lauter Güte. In seiner Barmherzigkeit hat er uns zu neuen Menschen gemacht, durch eine neue Geburt, die wie ein reinigendes Bad ist. Das wirkte der Heilige Geist, den Gott uns durch unseren Retter Jesus Christus in reichem Maße geschenkt hat. So sind wir allein durch seine Gnade von aller Schuld befreit. Als seine Kinder und Erben dürfen wir jetzt die Hoffnung auf das ewige Leben haben. Das steht unumstößlich fest. (Titus 3) Paulus beschreibt hier im zweiten Teil das Geschenk, was Gott allen Menschen überreicht. Der Mensch muss nichts tun, außer an Jesus Christus zu glauben. Zusage Wie bei einer Hochzeit, bei der sich die Brautpaare bekennen, dass sie ihr Leben zusammenlegen und zusammen gehen möchten. So verspricht der Mensch, der sich taufen lässt, sein Leben mit Gott und Jesus Christus zu teilen. Er bekennt seinen Glauben an sie und legt seine Hoffnung in ihre Hände und vertraut auf eine Vereinigung im Reich Gottes. Die Gäste bei der Hochzeit freuen sich. Bei der Taufe freuen sich auch die Gäste und dazu die Engel im Himmel. Genauso freuen sich auch die Engel Gottes, wenn ein einziger Sünder zu Gott umkehrt.« (Lukas 15,10) In diesem Sinne - glauben. Ingo Anmerkungen und Fragen könnt ihr gern als Kommentar eintragen. Oder gern auch direkt an mich: ingo@einfach-biblisch.de Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. Ingo Tauchert

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