top of page

Search this site

326 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche

  • Ohne Ausnahme

    Heute möchte ich ein paar Gedanken zu einem der kürzesten Bücher der Bibel mit euch teilen: Philemon. Die gerade einmal 25 Verse scheinen auf den ersten Blick eine simple Botschaft zu enthalten. Doch ich denke, bei näherer Betrachtung kann dieser kurze Brief für uns eine ziemlich große Herausforderung darstellen. Der Inhalt des Briefes lässt sich im Grunde schnell zusammenfassen: Paulus bittet Philemon darum, Onesimus wieder bei sich aufzunehmen. Onesimus war offenbar einer der Sklaven von Philemon und hatte ihm in der Vergangenheit Unrecht getan. Was genau zwischen den beiden vorgefallen ist, wird nicht weiter erläutert. Ein Interpretationsvorschlag, den ich schon öfters gehört habe, ist, dass Onesimus etwas von Philemon gestohlen haben könnte. Begründet wird diese Auslegung mit dem Hinweis von Paulus in den Versen 18 und 19, dass er den entstandenen Schaden erstatten würde. Unabhängig davon, was genau zwischen Philemon und Onesimus vorgefallen ist, es scheint keine gute Basis für die Rückkehr von Onesimus vorzuliegen. Doch Paulus Bitte bezieht sich nicht nur darauf, dass Philemon Onesimus wieder als Sklaven einstellen soll. Nein, Paulus bittet ihn darum, den in der Zwischenzeit zum Glauben gekommenen Onesimus als Bruder aufzunehmen. Für die damalige Zeit sicherlich eine ungeheure Vorstellung. Sklaven standen nicht nur am Rande der Gesellschaft – im Grunde waren sie nicht einmal Teil der Gesellschaft. Und doch bittet Paulus Philemon den Menschen, den er nur als Sklaven kennt, jetzt als Bruder anzusehen und ihn entsprechend zu behandeln. Gar nicht so leicht Auch wenn man das Ganze in die heutige Zeit überträgt, scheint die Bitte von Paulus nicht gerade leicht umzusetzen zu sein. Wie würden wir uns fühlen, wenn wir einen solchen Brief von Paulus erhalten würden? Wie würden wir handeln? In der Theorie scheint die Lage glasklar zu sein. Im Galaterbrief lesen wir: „Da ist nicht Jude, noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. Wenn ihr aber des Christus seid, so seid ihr damit Abrahams Nachkommenschaft und nach der Verheißung Erben.“ (Galater 3,28+29) Aber wie leicht fällt es uns, diese Unterschiede tatsächlich hinter uns zu lassen? Wie leicht fällt es uns, Menschen in unserer Mitte aufzunehmen, die sonst am Rande der Gesellschaft stehen? Haben wir überhaupt Kontakt zu ihnen? Doch die gesellschaftlichen Zwänge stellen nicht die einzige Hürde im Brief an Philemon dar. Onesimus ist nicht irgendein Fremder, der nun als Gläubiger den Kontakt zur Gemeinde sucht. Philemon und Onesimus haben eine gemeinsame Vergangenheit. Sie kennen sich schon aus einem anderen Kontext und haben keine guten Erfahrungen miteinander gemacht. Und auf einmal stehen sie sich als Brüder gegenüber. Wie würden wir uns damit fühlen? Könnten wir jemanden in Liebe in der Gemeinde aufnehmen, mit dem wir keine guten Erinnerungen verbinden? Menschen, die uns belogen, betrogen oder auf irgendeine andere Art verletzt haben. Den Klassenkameraden, der uns in der Schule gemobbt hat. Den Kollegen, der uns um die Beförderung gebracht hat und nicht müde geworden ist, uns das unter die Nase zu reiben. Die streitlustigen Verwandten, die niemand mehr zu seinem Geburtstag einladen möchte. Vielleicht fällt euch die ein oder andere Person ein, auf die eine der Beschreibungen passt. Und vielleicht stellt ihr erleichtert fest, dass diese Person gar kein Interesse am Glauben hat. Nicht jeder Mensch am Rande der Gesellschaft, nicht jeder Mensch, der uns Unrecht getan hat, möchte auf einmal Teil unserer Gemeinde werden oder ist überhaupt gläubig. Also „Glück gehabt“? Natürlich ist es eher unwahrscheinlich, dass wir uns einmal in derselben Situation wiederfinden wie Philemon. Die Auseinandersetzung damit, wen wir an der Tür zu unserer Gemeinde dankbar empfangen und wem wir mit mehr Argwohn gegenübertreten, bleibt oft nur theoretisch. Am Ende auch aus dem Grund, dass nicht viele Menschen aus dem Nichts vor unserer Tür stehen und Teil der Gemeinde werden wollen. Doch die Frage ist glaube ich nicht nur, ob wir jemanden wie Onesimus aufnehmen würden, wenn er bei uns vor der Tür steht. Wir müssen uns genauso fragen, ob wir überhaupt ein ehrliches Interesse daran haben, ob diese Person zum Glauben kommt. Wollen wir wirklich das Evangelium mit allen teilen? Oder gibt es Menschen, die uns nicht geheuer oder gesellschaftlich nicht akzeptiert sind oder die wir einfach nicht mögen, bei denen dieses Bedürfnis nicht ganz so groß ist? Gibt es Menschen, bei denen uns der Gedanke, dass sie vielleicht nicht im Königreich sein werden, nicht so viel ausmacht? Ohne Ausnahme Wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, fallen mir Menschen ein, bei denen mein Wunsch, sie im Königreich zu wissen, nicht so groß ist wie bei anderen. Und das Gefälle ist größer als es sein sollte. Doch im Gegensatz zu mir möchte Gott jeden retten. Das ist sein Wunsch für jeden einzelnen Menschen. Natürlich wird dieser Wunsch nicht von jedem Menschen erwidert, aber ginge es nach Gott, würde niemand verloren gehen. „Dies ist gut und angenehm vor unserem Retter-Gott, welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ (1. Timotheus 2,3+4) „Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und eins von ihnen sich verirrte, lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen und geht hin und sucht das Irrende? Und wenn es geschieht, dass er es findet, wahrlich, ich sage euch, er freut sich mehr über dieses als über die neunundneunzig, die nicht verirrt sind. So ist es nicht der Wille von eurem Vater, der in den Himmeln ist, dass eines dieser Kleinen verloren geht.“ (Matthäus 18,12–14) Gott hat diese vollkommene Liebe für die Menschen. Allein durch diese Liebe kann ich meine jetzigen Geschwister überhaupt meine Geschwister nennen. Denn jeder einzelne von uns war einmal ein Sklave wie Onesimus, den Gott aufgenommen hat, ganz egal wie fehlerhaft wir waren. Er hat uns mit genau dieser Liebe geliebt, die ihn dazu bringt, jeden Menschen retten zu wollen. Ohne Ausnahme. „Wie der Vater mich geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! […] Dies ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe. Größere Liebe hat niemand als die, dass er sein Leben hingibt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. Ich nenne euch nicht mehr Sklaven, denn der Sklave weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört, euch kundgetan habe. Ihr habt nicht mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt […].“ (Johannes 15,9-16) Also lasst uns versuchen, diese vollkommene Liebe, die Gott und Jesus uns gegenüber haben, mit den Menschen um uns herum zu teilen, auch wenn es schwerfällt. Lasst uns nicht vergessen, dass Gott jeden retten möchte. Jeden Bruder und jede Schwester in unserer Gemeinde und alle Menschen, die (noch) kein Bruder und (noch) keine Schwester sind. Alle. Ohne Ausnahme. Bis zum nächsten Mal! Eure Lea

  • 35 Jahre mit Jesus

    Auf den Tag genau vor 35 Jahren hat mein Freund diesen Vers aus dem Psalm 84 für meinen Tauftag herausgesucht. Für mich ist es mal wieder ein kleines Augenzwinkern Gottes, dass dieser Tag nach 35 Jahren genau auf den Tag fällt, an dem ich dran bin, einen Blog zu schreiben. Deshalb möchte ich dieses Jubiläum mit euch gemeinsam feiern. Nach vielen Jahren finde ich den Vers noch immer passend. Ja, als ich ihn jetzt wieder aufgeschlagen habe, war ich überrascht, wie wunderbar er mein damaliges Gefühl beschrieb. Es war für mich damals das Wichtigste in meinem Leben. Ich wollte Jesus endlich bekennen, dass ich meinen Weg mit ihm gehen will. Verblüfft war ich nochmal, als ich jetzt den ganzen Psalm im Zusammenhang las. Er ist fast wie ein Begleiter durch die Stationen des Lebens. Doch seht selbst. Ich werde den Psalm jetzt Stück für Stück zitieren und einige Bemerkungen bzw. Erlebnisse von mir einfügen. Herr, ich liebe deinen Tempel! So haben die Bibelübersetzer diesen Psalm, wie ich finde, sehr passend überschrieben. Psalm 84 Ein Lied von den Nachkommen Korachs, zum Spiel auf der Gittit. HERR, du allmächtiger Gott, wie sehr liebe ich den Ort, wo du wohnst! Ich kann es kaum noch erwarten, ja, ich sehne mich danach, in die Vorhöfe deines Tempels zu kommen! Mit Leib und Seele juble ich dir zu, du lebendiger Gott! Dies ist ein Bild von mir nach der Taufe. Der Moment der Gratulationen beginnt. Sogar die Vögel haben hier ein Nest gebaut, die Schwalben sind hier zu Hause – in der Nähe deiner Altäre ziehen sie ihre Jungen groß. HERR, du allmächtiger Gott, du bist mein König und mein Gott! Hier denke ich an meine Kindheit. Die Schwalben flogen in unseren Stall und fütterten dort ihre Jungen, die in den schwarzen Nestern auf sie warteten. Es war für mich wunderbar, diese Flugkünstler zu beobachten. Ich wuchs auf diesem kleinen Hof mit meinen Schwestern, meinen Eltern und meiner Oma sehr behütet auf. Und meine Oma brachte uns ein Gute-Nacht-Gebet bei, das mir jetzt wieder in den Sinn kommt. "Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein." Wie schön. Sie hat mit diesem Gebet wohl schon sehr früh diesen Wunsch in mir angelegt, der sich spätestens dann am Tag meiner Taufe erfüllte. Glücklich sind alle, die in deinem Haus wohnen dürfen! Jederzeit können sie dich loben! Der Apostel Paulus hat die Nachfolger Jesu einmal als Tempel bezeichnet. In diesem Sinne ist dort, wo die Christen zusammenkommen das Haus Gottes. So war es auch an dem Tag im Jahre 1988. Wir kamen alle in einem Haus von Glaubensgeschwistern zusammen. Siehe das Foto oben. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle, für die Organisation dieses Tages. Zunächst fand die eigentliche Taufe in einem nahegelegenem Schwimmbad statt. Dort wurde ich nach meinem Bekenntnis zu Gott, Jesus Christus und dem kommenden Reich Gottes auf der Erde, vollständig untergetaucht. Ich weiß noch heute, mit welch einem freudigen, wunderbaren und erleuchtetem Gefühl ich wieder aufgetaucht bin. Ich hätte die ganze Welt umarmen können. Glücklich sind alle, die ihre Stärke in dir suchen, die gerne und voll Freude zu deinem Heiligtum ziehen. Das haben wir auch gemacht. Ich habe neue Menschen kennengelernt, mit denen ich mich seitdem gemeinsam auf dem Weg befinde. Und es kamen weitere hinzu. Ich selbst verfolgte mein Berufsziel. Beim Studium lernte ich einen Kommilitonen kennen, mit dem ich in den Pausen gemeinsam in der Bibel las. Ich heiratete und gründete eine Familie. Wir teilten diese Situation mit anderen Glaubensgeschwistern in der Nähe. Wir trafen uns regelmäßig zu Familiennachmittagen und Versammlungen. Die Zeit verging im Flug. Wenn sie durch ein dürres Tal gehen, brechen dort Quellen hervor, und der Herbstregen bewässert das trockene Land. Natürlich gab es auch Herausforderungen. In der Gemeinschaft hinterfragten wir mit der Zeit einige Gepflogenheiten. Wie im Bild meiner Taufe oben zu sehen ist, war es damals üblich, den Gottesdienst frontal auszurichten. Es gab eine strikte Ordnung. Ein Bruder führte durch das Programm. Der andere hielt eine Ermahnung. Die Frauen trugen bei der Versammlung fast alle eine Kopfbedeckung und hatten keine Aufgaben. Gesungen wurden Lieder, die meist aus alten Kirchen - Gesangbüchern entliehen waren und mit Orgelmusik begleitet wurden. Die Gemeinde wurde von einem Vorsteher geleitet. Für die Beantwortung bestimmter Fragen gab es einen Brüderrat. Schon damals hat mich das gestört. Die Begeisterung für die Nachfolge Christi ließ es aber in den Hintergrund treten. Aus heutiger Sicht war das Leben in dieser Struktur eine Durststrecke für mich. Erst unsere Kinder (ich meine hier die Kinder der Gemeinschaft) hinterfragten diese Traditionen. Und wir Erwachsenen nahmen es, glaube ich, dankbar an. Wir sprengten die starre Ordnung. Heute sitzen meistens alle um eine Tisch herum. Alle, die etwas teilen möchten, können es tun. Wir sind alle eins in Christus. Und wir singen Lieder, aus denen die Freude herausdringt und die meistens mit Gitarre oder Klavier begleitet werden. Die Aufgaben in der Gemeinde sind auf alle Schultern verteilt. Auch im Persönlichen gab es viele Rückschläge und Belastungen. Finanzielle Engpässe durch den Verlust der Arbeit, Probleme in der Partnerschaft und Sorgen um Kinder. Das Leben hat das Vertrauen untereinander auf die Probe gestellt. Ich habe so manches Mal nicht verstanden, was mit mir geschieht. Der Umgang mit den Dingen war meist die Besinnung auf Gott. Er beruhigt und gibt mir Frieden. Durch Jesus bildet Gott mich in der Liebe aus. Bei der Bearbeitung von jedem Problem habe ich mehr darüber gelernt, was es heißt zu lieben, wie Jesus geliebt hat. Und dafür bin ich sehr dankbar. So wandern sie mit stets neuer Kraft, bis sie vor Gott auf dem Berg Zion stehen. Genau so ist es. Das kann ich durch meine Lebenserfahrung bestätigen. Wenn ich verzweifelt und kraftlos Gott anschrie, ich kann nicht mehr, ich bin mit meinem Wissen und Können am Ende. Bitte übernehme du (Gott) die Führung. Und dann entwickelte sich vor mir (uns) eine Lösung. Meine Energie kam zurück und ich war wieder handlungsfähig. Du allmächtiger HERR und Gott, höre mein Gebet! Du Gott Jakobs, vernimm meine Bitte! Ich bin so dankbar und froh, dass ich spätestens nach meiner Taufe, diesen Satz genau so sprechen kann. Gerade in der jetzigen Zeit in der ich lebe. Klimawandel, Naturkatastrophen, Zerstörung, Krieg, Hunger und und und. Dazu die große Unsicherheit der Menschen, die scheinbar zu Ausgrenzung, Misstrauen und Hass führt. Gott, hilf dem König, der uns beschützt! Steh ihm bei, denn du hast ihn erwählt! Ich vertraue auf meinen Herrn Jesus. Er wird kommen und die Erde, die Menschen, die Tiere und die Natur, erlösen und Frieden schaffen für alle. Diese Hoffnung beschützt mich heute schon. HERR, ein Tag in den Vorhöfen deines Tempels ist mehr wert als tausend andere! Ich möchte lieber an der Schwelle deines Hauses stehen, als bei den Menschen wohnen, die dich missachten! Das fällt mir bei den aktuellen Konflikten auch auf. Kaum jemand baut auf Gott. Obwohl gerade der Krieg zwischen Israel und der Hamas im Ursprung auch ein Glaubenskrieg ist. Auch die christlich geprägte westliche Welt bezieht Gott nicht mit ein. Ich meine hier z.B. ein Gebet, in dem um die Hilfe von Gott bei der Bewältigung des Konflikts gebeten wird. In diesen Zeiten sehne ich mich wirklich nach einem Sonntag in der Gemeinschaft mit Gott, Jesus Christus und meinen Glaubensgeschwistern. Sie teilen meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Erlösung. Denn Gott, der HERR, ist die Sonne, die uns Licht und Leben gibt, schützend steht er vor uns wie ein Schild. Er schenkt uns seine Liebe und verleiht uns hohes Ansehen. Wer ihm rückhaltlos ergeben ist, den lässt er nie zu kurz kommen. Das erlebe ich genauso und das wünsche ich allen Menschen auf der ganzen Welt. HERR, du allmächtiger Gott, glücklich ist jeder, der sich auf dich verlässt! In diesem Sinne, wünsche ich dir diesen glücklichen Moment. Ingo Anmerkungen und Fragen könnt ihr gern als Kommentar eintragen. Oder gern auch direkt an mich: ingo@einfach-biblisch.de Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. Ingo Tauchert

  • Innerer Frieden

    „Das habe ich euch gesagt, damit ihr Frieden habt in mir. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16,33) Dieser Vers war am Dienstag (7. November) Vers des Tages in meiner Bibel-App. Und was soll ich sagen? Er hat total gepasst, er hat mich, wie man so schön sagt, direkt ins Herz getroffen. Ich habe nämlich am Mittwoch wieder angefangen zu arbeiten. Nach ganzen vier Jahren Elternzeit ging es nun wieder los. Und was soll ich sagen: Ich war verdammt aufgeregt. Mir schwirrten die unterschiedlichsten Fragen durch den Kopf: Wie wird es wohl sein, wieder zu arbeiten? Werde ich noch alle Leute kennen? Werden die Leute mich noch kennen? Habe ich noch alle Namen im Kopf oder habe ich schon welche vergessen? Wen habe ich gedutzt und wen gesiezt? Sind die Programme, mit denen ich gearbeitet habe, noch dieselben? Beherrsche ich diese überhaupt noch? Habe ich nicht generell alles vergessen, was ich für meinen Job brauche? Diese Fragen und vielleicht auch noch ein paar mehr haben mich in letzter Zeit sehr beschäftigt und mir auch ein wenig Sorgen bereitet. Hinzu kam noch das „weinende Mutterherz“, wie meine Schwiegermutter es so schön umschrieben hat. Umso passender war der oben genannte Vers. ☺️ Kaum dass ich ihn gelesen hatte, konnte ich einmal tief durchatmen und es ging mir schon deutlich besser! Besagter Friede stellte sich bei mir ein. So konnte ich mich besser darauf konzentrieren, dass ich mich auch auf die Arbeit freute. Abends lag ich trotzdem ziemlich aufgeregt und unter Strom stehend im Bett, aber ich habe mir keine Sorgen gemacht. ☺️ Am nächsten Morgen ging es dann tatsächlich mit der Aufregung. Da hatte sich der Frieden noch etwas mehr eingestellt und ich war abgelenkt vom Essen fertig machen und Kinder mit anziehen. Und dann ging’s auch schon zum Kindergarten und weiter zur Arbeit. Sonst waren es immer noch Monate, Wochen, wenigstens ein paar Tage bis es so weit sein sollte, doch schon befand ich mich auf dem Weg zur Arbeit, der mir seltsam fremd und vertraut zugleich vorkam. Bevor ich überhaupt einen Parkplatz gefunden hatte, begegnete mir schon ein bekanntes Gesicht aus meiner Abteilung, dass mir freudig zulächelte, aber gerade auf dem Weg ins andere Gebäude war. Drinnen wurde ich dann aber auch sehr herzlich empfangen. Alle haben sich an mich erinnert und auch sichtbar gefreut, mich zu sehen! Das war echt total schön. ☺️ Mein Laptop wurde eingerichtet, ich habe kurz allen Hallo gesagt, direkt an einer abteilungsinternen Besprechung teilgenommen, viele neue Dinge erfahren und schon war der ganze halbe Tag wieder vorbei. Alle waren sehr herzlich, ich konnte mich noch an einige Dinge erinnern und alles war wunderbar vorbereitet für mich. Ich habe von meiner Schwägerin erfahren, dass es in ihrer Firma etwas holpriger war, als dort jemand aus der Elternzeit zurück gekommen ist. Das kann ich definitiv nicht behaupten. Ich hätte es mir kaum besser vorstellen können! ☺️ Nicht zuletzt dank Corona hat sich in unserer Firma einiges getan, sodass wir sehr viel papierärmer und Homeoffice freundlicher geworden sind. Das gab’s vorher eigentlich nicht. Für mich also totales Neuland, abgesehen davon, dass mein Mann öfter in Homeoffice sitzt. Trotzdem konnte ich direkt an meinem zweiten Tag am Donnerstag ohne Probleme direkt das Homeoffice testen. Auch das hat alles super funktioniert und das bekannte freundliche Gesicht vom Anfang hat mir noch sehr viel erzählt und sich richtig Mühe gegeben. Die nächsten Schritte sind jetzt erst Mal, dass ich mich wieder in alles einlese und dann werde ich Schritt für Schritt einige Aufgaben übernehmen. Und mittlerweile freue ich mich auch richtig darauf! ☺️ „Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirt, mir mangelt nichts, er weidet mich auf grünen Auen. Zur Ruhe am Wasser führt er mich, neues Leben gibt er mir. Er leitet mich auf Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen. Wandere ich auch im finstern Tal, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir, dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich. Du deckst mir den Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, übervoll ist mein Becher. Güte und Gnade werden mir folgen alle meine Tage, und ich werde zurückkehren ins Haus des HERRN mein Leben lang.“ (Psalm 23,1-6) Eure Lisa ♥ Foto von Viktor Forgacs auf Unsplash

  • Deine Liebe bleibt

    Mein Alltag schenkt mir einen vielfältigen, bunten Strauß an Blogthemen. Offensichtliche, drängende und auch stille, leise, etwas verborgene. Ein Telefongespräch von neulich Montagmorgen liefert den Inhalt für heute. Gerade habe ich mich aus dem warmen Bett geschubst und gehe in Gedanken meinen Tag durch. Erst zur Arbeit, dann direkt zur Physiotherapie, nochmal zur Arbeit zwecks Austausch mit meiner Kollegin, nach Hause fahren und einen ruhigen Nachmittag verbringen. Das Wochenende war anstrengend und ich hole gerne am Montag etwas Ruhe nach. Da klingelt das Telefon. Am anderen Ende der Leitung meldet sich die nette Dame von der Rezeption meiner Physiotherapiepraxis: „Der Termin heute Mittag kann leider nicht stattfinden.“ - Ach ja, denke ich kurz, da ist mein Therapeut wahrscheinlich krank geworden und sage: „Naja, das kann ja mal passieren…“ – Sie unterbricht mich und sagt laut und deutlich: „Nein, das kann nicht einfach so passieren. Er ist am Wochenende plötzlich verstorben“ – WAAAS??!! Mir verschlägt es die Sprache und eine kleine Weile später höre ich mich sagen: „ Das schockt mich jetzt – mir fehlen die Worte. Wie furchtbar! Und das müssen sie jetzt so vielen Menschen erzählen…viel Kraft dafür. Ich melde mich persönlich in ein paar Tagen.“ Die Montagsidylle war dahin. Den ganzen Tag versuchte ich zu realisieren, was da gerade passiert ist. Ein Mensch ist plötzlich und unerwartet aus der Mitte seiner Mitmenschen gegangen. Es schießen mir Gedanken durch den Kopf. Was ist passiert? Wie geht es seinem Ehemann? Unfassbar… Letzte Woche sprachen wir noch über unser Alter. Er war im selben Jahr geboren wie ich. Seit ungefähr 4 ½ Jahren gehe ich regelmäßig zur Behandlung und hatte einen regen Austausch, vor allem über Themen des Glaubens und unserer jeweiligen eigenen Überzeugungen und Spiritualität. Er war ein durch und durch authentischer Christ, der sich Zeit seines Lebens immer weiterentwickelt hat. Vom Katholizismus – er wollte mal Mönch werden - über den Alt-katholisch-keltischen Glauben bis hin zu seiner ganz eigenen Überzeugung. Ein Forschender und stets Suchender, der mir immer wieder Fragen stellte und sich nach meiner Sicht der Dinge erkundigte. Seine Mission war, die Liebe Gottes den Menschen zu zeigen. Durch Krisenbegleitung, eigene Gottesdienste, Taufen, Beerdigungen und Hochzeiten und auch mit alltäglichen Dingen, wie Ernährungs- und Gesundheitsberatung. Mit seinem Mann zusammen wollte er in absehbarer Zeit in die Berge umziehen, um dort einen Ort des Rückzugs, der Stille und der Einheit mit der Schöpfung zu schaffen. Aus unseren (Physio-) Therapie-Gesprächen weiß ich, dass er keine Angst vor dem Tod hatte: „Dann ist alles Liebe“. Jetzt ist alles anders! Wie schnell kann das gehen, dass alle Pläne, alle Vorhaben zerplatzen und Gewohntes nicht mehr da ist. Für einen Moment, so scheint des mir, bleibt die Zeit stehen. In diesem Vakuum finde ich Zeit zum Nachdenken und Fragenstellen. Was ist das, diese bestimmte Zeit, die wir Menschen auf dieser Erde leben, die uns geschenkt wird, mir und dir und die irgendwann zu Ende ist? Was mache ich mit dieser geschenkten Zeit? Wie verbringe ich sie? Mit Nützlichem oder eher verschwenderisch mit total unnützem Zeitvertreib? Wieviel Zeit habe ich noch? Kann ich meine Wünsche und Träume noch zu Plänen schmieden? Darf ich die Umsetzung erleben? Ist wirklich alles anders? In der momentanen Betroffenheit, ganz klar - JA! Schnell wird mir klar, jetzt brauche ich Anker. Anker, die aus meinem Glauben und meiner Hoffnung geschmiedet sind. Anker, die meine Trauer, meine Fragen und meine Unsicherheit aushalten und mich stärken! Anker eins: Glaube Hört! Jemand sagt zu mir: »Sprich zu den Menschen!« »Was soll ich ihnen denn sagen?«, frage ich. Sag: Die Menschen sind wie das Gras, und ihre Schönheit gleicht den Blumen… (Jesaja 40,6) Du reißt die Menschen hinweg, sie verschwinden so schnell wie ein Traum nach dem Erwachen. Sie vergehen wie das Gras. (Psalm 90,5) Du wirst dir dein Brot mit Schweiß verdienen müssen, bis du stirbst. Dann wirst du zum Erdboden zurückkehren, von dem ich dich genommen habe. Denn du bist Staub von der Erde, und zu Staub musst du wieder werden! (1.Mose 3,19) Wir Menschen sind Gottes Schöpfung und seit Adam und Eva mit der Endlichkeit unseres Lebens vertraut. Anker zwei: Liebe Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben. (Johannes 3,16) Denn ich bin ganz sicher: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch irgendwelche Gewalten, weder Hohes noch Tiefes oder sonst irgendetwas auf der Welt können uns von der Liebe Gottes trennen, die er uns in Jesus Christus, unserem Herrn, schenkt. (Römer 8,38+39) Es ist so wunderbar, dass Gottes Liebe immer da ist! Wir können uns darauf verlassen, uns geliebt fühlen. Das ist für mich ein wahrer Lichtblick in dieser traurigen Zeit. Anker drei: Hoffnung Es gibt so viele Bibelstellen aus denen Gott zu mir spricht und mir Hoffnung und Zuversicht schenkt. Habt ihr eine Lieblings-Hoffnungs-Stelle? Tief in mir drin tauchen Versbruchstücke auf, und wenn ich dann den Ursprung in einem Bibeltext wiederfinde, macht es meine Verbindung zu Gott stark. Wir sind Geschöpfe Gottes, somit kennt er unsere Gefühle. Dann taucht in den grauen Tagen der Trauer ein Hoffnungsschimmer auf, der immer mehr Raum einnimmt und mich erdet. So wie aus den Worten von Paulus aus dem ersten Brief an die Korinther: Eins steht fest, liebe Brüder und Schwestern: Menschen aus Fleisch und Blut können nicht in Gottes Reich kommen. Nichts Vergängliches wird in Gottes unvergänglichem Reich Platz haben. Ich möchte euch aber ein Geheimnis anvertrauen: Wir werden nicht alle sterben, aber Gott wird uns alle verwandeln. Das wird ganz plötzlich geschehen, von einem Augenblick zum anderen, wenn die Posaune das Ende ankündigt. Auf ihr Zeichen hin werden die Toten auferweckt und bekommen einen unvergänglichen Körper, und auch wir Lebenden werden verwandelt. Denn das Vergängliche muss mit Unvergänglichkeit und das Sterbliche mit Unsterblichkeit überkleidet werden. Wenn aber dieser vergängliche und sterbliche Körper unvergänglich und unsterblich geworden ist, dann erfüllt sich, was die Heilige Schrift vorausgesagt hat: »Das Leben hat den Tod überwunden! Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo bleibt nun deine Macht?« Die Sünde ist wie ein Stachel, der tödliches Gift in sich trägt. Durch sie hat der Tod seine Macht, und die Sünde hat ihre Kraft durch das Gesetz. Aber Dank sei Gott! Er schenkt uns den Sieg durch Jesus Christus, unseren Herrn! Bleibt daher fest und unerschütterlich in eurem Glauben, meine lieben Brüder und Schwestern! Setzt euch mit aller Kraft für den Herrn ein, denn ihr wisst: Nichts ist vergeblich, was ihr für ihn tut. (1.Korinther 15, 50-58) In hoffnungsvoller Zuversicht glaube ich an die göttliche Liebe, die irgendwann alles in allen sein wird! ... denn auf die dunkelste Nacht folgt auch ein neuer Morgen * Eure Ulrike *Wer weiß, aus welchem Lied, diese Textzeile stammt? Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. Bildquelle: pixabay von ha11ok

  • Geduld und Timing

    Es ist Mittwoch. Ich sitze gerade vor meinem Notebook und beginne, Gedanken für meinen Blogbeitrag am nächsten Montag zu sammeln, als mein Handy klingelt. Was es damit auf sich hat und warum ich das mit euch teilen möchte – das braucht zunächst eine kleine Rückblende auf die letzte Woche bzw. die letzten Wochen. Nachdem ich nun seit 3 Wochen Rentner bin, haben meine Frau und ich etwas konkreter angefangen, in Braunschweig nach Wohnungen zu suchen, da wir im nächsten Frühjahr dorthin umziehen möchten. Wir haben also mal unsere Wünsche an diese neue Wohnung und die Umgebung gesammelt und uns im Internet auf die Suche gemacht. Tatsächlich haben wir dort auch ein Neubauprojekt gefunden, dessen Wohnungen ab dem 1. Mai 2024 bezugsfertig sein sollen. Das würde wunderbar in unseren Zeitplan passen und dabei unseren Wünschen entsprechen. Unter den dort angebotenen Wohnungen waren auch 3 Wohnungen, die uns interessieren würden. Da wir am Wochenende vor einer Woche zum Geburtstag unserer Tochter eh in Braunschweig sein wollten, habe ich bei der Wohnungsgesellschaft die dort Bauherr ist angerufen, um einen Besichtigungstermin zu vereinbaren. Am Telefon sagte man mir allerdings ziemlich kurz angebunden, dass ich doch bitte für meine Anfrage das Kontaktformular im Internet benutzen solle, da man telefonisch keine Auskünfte erteilen würde. Also (der schnelle direkte Draht funktionierte schonmal nicht) füllte ich das Formular aus und erhielt auch tatsächlich einen Vorschlag für einen Besichtigungstermin, allerdings erst am kommenden Donnerstag, den 2. November. Zwischenzeitlich war im Internet schon zu sehen, dass auf den Wohnungsgrundrissen einige der Wohnungen bereits als vermietet markiert waren, darunter auch eine unserer drei Favoriten. Wir beschlossen dann, zu Leas Geburtstag bereits am Freitag anzureisen, einerseits um vielleicht noch bei Vorbereitungen behilflich sein zu können, aber natürlich auch, um uns das Bauprojekt und die Umgebung unseres vielleicht zukünftigen Zuhauses einmal anzusehen. Was wir sehen konnten, gefiel uns recht gut, so dass wir uns einig waren, es dort als „neue Heimat“ zu versuchen. Ich setzte mich also gleich nach dem Wochenende hin, um bei der Wohnungsgesellschaft unterfüttert mit einigen Infos zu Person per Email nachzufragen, ob es wohl möglich wäre, bereits bis zum Besichtigungstermin die beiden verbliebenen Favoriten für uns zu reservieren. Schließlich wollten wir doch vermeiden, dass vielleicht inzwischen schon wieder mehr Vermietungen stattfinden würden, die unsere Pläne und Wünsche durchkreuzen könnten. Mit Drücken des Sendeknopfes legte ich natürlich unser Anliegen auch ins Gebet, denn schließlich könnte eine Zusage oder Absage ein willkommenes Zeichen dafür sein, ob wir mit unserem Vorhaben, nach Braunschweig umzusiedeln, tatsächlich auf dem richtigen Weg sind. Und hier kommt nun der Titel meines Beitrags zum Tragen! Alle die mich kennen, werden wohl bestätigen können, dass geduldiges Ausharren und Abwarten sicher nicht zu meinen herausragenden Charakterzügen gehören. Ich hätte doch eigentlich nach meinem Gebet ganz beruhigt den weiteren Fortgang der Ereignisse in Gottes Hände legen können und vertrauensvoll abwarten, was wohl passiert. Und es passierte ja auch eigentlich gleich etwas. Schon am Folgetag, also am gestrigen Dienstag, kam eine Antwort auf meine Email, in der es wiederum recht knapp hieß, eine Reservierung vor dem Besichtigungstermin sei leider nicht möglich. Also: Noch über eine Woche warten und hoffen, dass unsere Wunschwohnung noch zu haben ist. Aber Moment – hatte ich nicht in meinem Gebet das Ergebnis offen gelassen? Es würde doch genau so kommen, wie es soll. Was soll also dann diese Ungeduld? Wie es wohl sein sollte, sitze ich am Dienstag im Auto und höre unterwegs meinen Lieblingssender ERF Plus. Es läuft ein Vortrag, dessen Beginn ich nicht mitbekommen habe. In dem Stück, das ich höre, geht es um Abrahams Geduld im Warten auf die Erfüllung von Gottes Verheißungen. Zufall? Entscheidet selbst. Diesem Thema will ich kurz auf den Grund gehen (Hervorhebungen von mir): In 1. Mose lesen wir von Abrams Aufbruch aus Ur: "Und Abram und Nahor nahmen sich Frauen; der Name von Abrams Frau war Sarai, und der Name von Nahors Frau war Milka, die Tochter Harans, des Vaters der Milka und des Vaters der Jiska. Sarai aber war unfruchtbar, sie hatte kein Kind." (1. Mose 11,29-30) Im nächsten Kapitel gibt Gott Abram zum ersten Mal die allgemeine Verheißung einer großen Nachkommenschaft. Zu dem Zeitpunkt ist Abram bereits 75 Jahre alt: "Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus von deinem Land und von deiner Verwandtschaft und von deines Vaters Hause in das Land, das ich dir zeigen will! So will ich dich zu einem großen Volke machen und dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dir fluchen; und durch dich sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden! Da ging Abram, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot ging mit ihm; Abram aber war 75 Jahre alt, da er von Haran auszog." (1. Mose 12,1-4) Die Jahre vergehen, nichts passiert. So versuchen Abram und Sarai, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen (was ich nur zu gut nachvollziehen kann!). Worin dieser Versuch mündet sehen wir, nebenbei bemerkt, nur allzu gut an dem aktuellen Konflikt zwischen Moslems und Juden, der seinen Ursprung wohl in Abrahams Söhnen Ismael und Isaak hat. Doch die Dinge nehmen ihren Lauf, allerdings nach Gottes „Timing“ (ein wunderbarer Begriff aus dem Radiobeitrag, der mir sehr gut gefällt!). "Als nun Abram 99 Jahre alt war, erschien ihm der HERR und sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott. Wandle vor mir und sei tadellos! Und ich will meinen Bund stiften zwischen mir und dir und will dich über alle Maßen mehren!" (1. Mose 17,1-2) "Und Abraham und Sarah waren alt und wohlbetagt, also dass es Sarah nicht mehr nach der Weiber Weise ging. Darum lachte sie in ihrem Herzen und sprach: Nachdem ich verblüht bin, soll mir noch Wonne zuteil werden! Dazu ist mein Herr ein alter Mann! Da sprach der HERR zu Abraham: Warum lacht Sarah und spricht: « Sollte ich wirklich noch gebären, so alt ich bin? » Sollte denn dem HERRN etwas zu wunderbar sein? Zur bestimmten Zeit will ich wieder zu dir kommen im künftigen Jahre, und Sarah soll einen Sohn haben!" (1. Mose 18,11-14) 25(!) Jahre lang mussten Abraham und Sarah auf die Erfüllung der Verheißung warten. 25 Jahre warten, ausharren, wegen der Verheißung in ihrem Alter verlacht werden – und ich habe nicht mal 10 Tage Geduld!? … Es ist Mittwoch. Ich sitze vor meinem Notebook und beginne, Gedanken für meinen Blogbeitrag am nächsten Montag zu sammeln, als mein Handy klingelt. Mitten in meine Gedanken über diese so wenig vertrauensvolle Ungeduld und Kleingläubigkeit hinein. Am anderen Ende der Leitung ist ein sehr netter Herr der Wohnungsgesellschaft. Er wolle sich doch gerne noch persönlich wegen meiner Anfrage bezüglich einer möglichen Reservierung bei mir melden, sagt er. Er erklärt mir, dass grundsätzlich verbindliche Gespräche mit Mietinteressenten erst nach einem erfolgten Besichtigungstermin stattfinden, damit sich von Beginn an beide Parteien über die zu erwartende Qualität des Mietgegenstandes einig sind. Auf meine Bedenken hin, dass zwischenzeitlich weitere Wohnungen vermietet sein könnten, beruhigt er mich. Die erfolgten Vermietungen stammten aus einem ersten Besichtigungstermin. Der zweite stattfindende Besichtigungstermin wird unserer sein. Bis dahin wird es keine weiteren Vermietungen geben! Gottes Timing ist halt perfekt! Hallelujah! Gelobt sei Jahweh, unser Gott! Foto von Aron Visuals auf Unsplash

  • Dies ist das ewige Leben

    Kürzlich war ich an der Reihe, ein Thema für den nächsten Sonntag vorzubereiten. Ich schlug das Datum in dem Bibelleseplan nach, den viele in unserer Gemeinde verwenden, und stieß auf das 17. Kapitel des Johannesevangeliums. Ich war sofort überzeugt, dass ich genau hierüber etwas ausarbeiten wollte. Johannes 17 ist in vielerlei Hinsicht ein interessantes, aber vor allem ergreifendes Kapitel. Es ist das Gebet Jesu für seine Jünger, kurz vor seiner Gefangenahme und seinem Tod. Wir bekommen hier einen sehr seltenen Einblick in Jesu Inneres, in seine Gefühle und seine Wünsche. Das Kapitel böte genug Inhalt für ein Dutzend unterschiedlicher Ausarbeitungen. Einheit wäre zum Beispiel ein Thema, zu dem es in Johannes 17 viele herausfordernde Verse gibt. Verherrlichung (und was das eigentlich bedeutet) wäre ein anderes. Beim Nachlesen in verschiedenen Bibelkommentaren stieß ich aber auf einen Gedanken, der mich besonders aufmerken ließ, und so beschloss ich, das Kapitel einmal von ihm ausgehend zu beleuchten. Der Gedanke fußt direkt auf den ersten drei Versen: „Dies redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht, wie du ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, dass er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gibt! Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“ (Johannes 17,1-3) Besonders der letzte Satz ist einer, den ich schon oft zitiert gehört habe. Meist ging es dabei um die Frage, was eigentlich die Grundsätze des Glaubens sind, die jeder Christ verstanden haben sollte (um errettet zu werden). Und auch ich selbst habe den Vers schon oft angeführt, um zu untermauern, was ich für die grundsätzliche christliche Erkenntnis hielt: Gott und Jesus zu erkennen als die, die sie sind. Das ist der Weg zu ewigem Leben. Nachdem ich verschiede Kommentare zu diesem Vers gelesen habe, muss ich an diese Aussage allerdings ein Fragezeichen machen. Habe ich den Vers wirklich richtig verstanden, wenn ich ihn so auslege? Noch mal, meine sinngemäße Umschreibung des Verses wäre bisher gewesen: JHWH als den allein wahren Gott und Jesus als seinen Sohn zu erkennen, ist der Weg zum ewigen Leben. Aber beim erneuten Lesen habe ich zum ersten Mal bemerkt: Das steht da ja gar nicht … Die meisten Übersetzungen von Johannes 17 Vers 3 sind sehr ähnlich. Sie sind alle sehr nah am Urtext, der laut der Interlinearübersetzung Wort für Wort lautet: „Dies aber ist das ewige Leben, dass sie erkennen dich, den einzigen wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus.“ (Johannes 17,3; Neues Testament, Interlinearübersetzung) Meine Elberfelder-Bibel übersetz sehr ähnlich, ebenso die Zürcher, Schlachter und Luther. Die Neue evangelistische Übersetzung (NeÜ) allerdings, die ich ab und zu ganz gern aufgrund ihrer einfachen, modernen aber trotzdem meist sehr urtexttreuen Sprache lese, interpretiert hier etwas mehr und schreibt etwas sehr Interessantes: „Das ewige Leben besteht ja in der Gemeinschaft mit dir, dem einzig wahren Gott, und mit dem, den du gesandt hast, Jesus Christus.“ (Johannes 17,3; NeÜ) Zwei Dinge daran haben mich nachdenklich gemacht. Zum einen das Wort „besteht“, welches in den meisten anderen Übersetzungen als „ist“ übersetzt wird. Zum anderen die Übersetzung (die wohl einen guten Teil Auslegung miteinschließt) „Gemeinschaft“, an der Stelle, wo die meisten anderen Übersetzungen von „Erkenntnis“ sprechen. Was mich daran hat aufhorchen lassen ist, dass ich den Vers bislang immer sinnhaft gelesen hatte als „Die korrekte Erkenntnis Gottes und Jesu sind Voraussetzung für das ewige Leben“. Die NeÜ unterstreicht hier hingegen noch einmal mehr, was ich eigentlich auch in allen anderen Übersetzungen deutlich hätte lesen können: Die Erkenntnis Gottes und Jesu ist laut Jesu eigener Aussage weniger die Voraussetzung für das ewige Leben, sondern das Wesen des ewigen Lebens. Das ewige Leben ist nicht die Folge der Erkenntnis, sondern das ewige Leben ist die Erkenntnis. Es besteht, mit den Worten der NeÜ, aus der Erkenntnis. Aber wenn das stimmt: Was genau soll es bedeuten? Und dann ist da noch die zweite Merkwürdigkeit: Die NeÜ spricht gar nicht von „Erkenntnis“, sondern von „Gemeinschaft“. Wie kommen die Übersetzer darauf? Das griechische Wort, das hier im Urtext benutzt wird, ist „ginosko“, was verschiedene Bedeutungen haben kann. Im Kern bedeutet es laut Lexikon so viel wie „kennen“ oder „wissen“. Die Übersetzung „[…], dass sie dich, den allein wahren Gott, erkennen […]“ scheint also zunächst eine sehr Naheliegende zu sein. Die Bedeutung des Wortes „ginosko“ geht aber darüber hinaus, indem es ebenso „jmd. kennenlernen“, „etw. verstehen“ oder „etw. erfahren“ heißen kann. Auf diese Weise wird es z. B. im Kolosserbrief verwendet: „Wie es mir geht, wird euch mein lieber Bruder Tychikus ausführlich berichten. Er ist ein treuer Diener und mit mir zusammen ein Sklave für den Herrn. Ich habe ihn gerade deshalb zu euch geschickt, damit ihr alles über uns erfahrt und er euch ermutigen kann.“ (Kolosser 4,7+8; NeÜ; Hervorhebung von mir) Hier wird meines Erachtens ein wenig deutlich, wie die Übersetzer der NeÜ darauf kommen konnten, „Erkenntnis“ mit „Gemeinschaft“ zu übersetzen. Tychikus wird nach Kolossai geschickt, damit die Gläubigen durch seine Anwesenheit persönlich erfahren, wie es ihm und Paulus geht – und es so wirklich und unmittelbar durch das eigene Erleben erkennen können. Persönlich erlebte Beziehung führt zu Erkenntnis. Natürlich ist hier immer noch ein gutes Stück Interpretation involviert, aber mit diesem Verständnis scheint der Weg von „Gott und Jesus erkennen“ zu „Gemeinschaft mit Gott und Jesus haben“ nicht mehr ganz so weit. Das fand ich interessant. Bis hierher zusammengefasst kann man also sagen: Die Übersetzer der NeÜ schlagen vor, dass das ewige Leben selbst darin besteht, Gott und Jesus durch Gemeinschaft und persönliches Erleben letztlich vollkommen zu erkennen. Eine spannende These, oder? Und sehr anders als meine bisherige Lesart, die eher war: „Der Weg zum ewigen Leben ist die richtige Erkenntnis Gottes und Jesu“. Aber gibt es Indizien, die diese These stützen? Ich glaube ja. Und ich glaube, wir finden sie direkt im selben Kapitel, nämlich im Verlauf von Johannes 17. Wenn wir mal testweise voraussetzen, dass die These stimmt, dann würde das bedeuten, dass Jesus schon zu seiner Zeit auf der Erde sehr nah am ewigen Leben war. Er hatte die beste persönliche Beziehung zu Gott, die man sich vorstellen kann, und seine Erkenntnis (oder sein durch persönliche Erfahrung entstandenes Verständnis) seines Vaters und dessen Charakters war so umfassend, dass er selbst zum Spiegelbild dieses Charakters werden konnte: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ (Johannes 14,9) Jesus war, wenn man so will, bereits auf Haaresbreite an das finale Ziel herangerückt. Viel näher, als wir je kommen werden. Und trotzdem war selbst er noch nicht ganz am Ziel. Er teilte immer noch dieselbe menschliche Natur, die auch uns immer wieder davon abhält, Gott so nah zu kommen, wie er es sich eigentlich schon jetzt wünschen würde. Das sehen wir z. B. in der Begebenheit der Versuchung Jesu, nach der es heißt: „Und als der Teufel jede Versuchung vollendet hatte, wich er für eine Zeit von ihm.“ (Lukas 4,13) Jesus wurde für eine Zeit nicht versucht … aber die Versuchung war nicht ein für alle Mal von ihm gewichen! Auch Jesus wurde sein ganzes irdisches Leben lang versucht, jedoch gab er der Versuchung nicht nach. Darin ist er uns das große Vorbild. Ich denke daher, dass man es so ausdrücken kann: Jesus ist nun, nach seiner Auferstehung, endgültig in dem Stadium angelangt, in dem er die uneingeschränkte Erkenntnis (/das Verständnis/die Erfahrung) Gottes durch die nicht zuletzt physische Gemeinschaft mit ihm erlangt hat – das ist, laut unserer Arbeits-These, das ewige Leben. Er hat damit den Weg vollendet und ist als erster am Ziel angelangt. Er hat sich als einziger Mensch jemals verdient, in das große Ziel einlaufen zu dürfen. Aber dabei hat er noch etwas anderes getan: Er hat uns ermöglicht, eines Tages auch dort ankommen zu dürfen – ohne, dass wir es ebenso verdient hätten. Jesus ist bereits im Ziel, in der Gemeinschaft mit Gott, die zur 100%igen Erkenntnis (oder Erfahren oder Verstehen) führt, im ewigen Leben. Aber er ist nicht dorthin gegangen, ohne uns vorher auch mit auf den Weg zu helfen. Und so ist auch das 17. Kapitel vom Johannesevangelium ein Gebet für den weiteren, teilweise steinigen Weg seiner Nachfolger. Und als solches ist es voll von Aussagen darüber, wie Jesus zunächst seine Jünger und dann mittelbar auch uns den Weg zum ewigen Leben ermöglicht hat. Im Folgenden werde ich eher stichpunktartig ein paar Gedanken zu einzelnen Versen mit euch teilen, in denen es immer um die eine Frage geht: Was sagen diese Verse über Jesu Werk, unsere Beziehung zu Gott und unseren Fortschritt auf dem Weg zur vollständigen Erkenntnis/Erfahrung/Verständnis (im Folgenden immer synonym gebraucht) Gottes und Jesu aus. Achtet dabei besonders auf das Auftauchen des Begriffs Erkenntnis und wie er mit dem ewigen Leben zusammenhängt. Dabei ist es hilfreich, wenn ihr euch die erwähnten Verse aus Johannes 17 vorher kurz selbst durchlest. Los geht’s: Vers 1a: Jesus nennt Gott Vater. Gott ist sein leiblicher Vater, aber durch Jesu vollendetes Lebenswerk dürfen auch wir Gott Vater nennen – als Glaubensgeschwister Jesu. Gott als Vater zu haben ist ein ganz besonderer Ausdruck von Nähe zu ihm und Gemeinschaft mit ihm. Es ist Voraussetzung für die umfassende Erkenntnis Gottes, die dadurch schon heute beginnt aber noch nicht vollkommen ist. Vers 1b: Auch wir sind bereits heute verherrlicht durch Jesus (siehe u. a. Römer 8,17+30). Damit hat Jesus uns bereits ein gutes Stück mitgenommen auf dem Weg zum ewigen Leben. In diesem Stadium ist es nun also an uns, ebenso wie Jesus Gott im Gegenzug zu verherrlichen. Das können wir, weil wir bereits viel über ihn wissen. Aber wir haben ihn noch nicht vollkommen erkannt. Vers 4: Jesus hat das Werk ohne Einschränkungen vollbracht. Wir haben das nicht – hier ist der Unterschied zwischen ihm und uns. Trotzdem hat Jesus uns, durch die Verherrlichung Gottes auf Erden, Gott nahegebracht, quasi als Ausgangspunkt für den weiteren Weg. Und wenn wir Interesse haben, noch mehr zu erfahren, dann schenkt Gott uns in seiner Gnade den Zugang zur vollständigen Erkenntnis im ewigen Leben. Verse 7 und 8: Wir können Gott schon jetzt erkennen durch die Worte, die Gott Jesus zu diesem Zweck mitgeteilt hat. Damit hat Gott von sich aus den „Startschuss“ für unseren Weg zum ewigen Leben gegeben – jetzt schon viel Erkenntnis, am Ende dann volle Erkenntnis. Vers 11: Jesus wird zu diesem Zeitpunkt in Kürze das letzte Prozent, das ihn von der 100%igen Erkenntnis Gottes abhält, durch seinen Tod hinter sich lassen, indem er dann nicht mehr „in der Welt“ ist. Er ist dann im ewigen Leben. Wir sind noch „in der Welt“ und können aufgrund dieses Umstands noch nicht am ewigen Leben und damit der vollkommenen Erkenntnis teilhaben. Es ist wie Paulus im Korintherbrief sagt: „Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin.“ (1. Korinther 13,12). Wir erkennen heute bereits viel, aber wirklich klar sehen und vollkommen erkennen werden wir erst im ewigen Leben, wenn unser Status noch einmal mit Gottes Hilfe verändert wurde und wir nicht mehr „in der Welt“ sind, wie wir es heute sind. Ist es nicht das, was die Ewigkeit mit Gott auszeichnet? Vers 12: Besteht nicht die Bewahrung anders als bei einem Bodyguard nicht im Abwehren von Feinden, sondern darin, die Jünger (und damit mittelbar auch uns) auf dem Weg zur Erkenntnis und Gemeinschaft mit Gott zu halten und weiterzubringen? Gott näher zu kommen und ihn immer besser zu verstehen wäre laut unserer These bereits ein Näherkommen ans ewige Leben. Vers 15: Jesus bittet nicht, dass wir aus der Welt genommen werden. Warum? Weil es noch Arbeit zu tun gibt? Weil wir mit der kleinen Erkenntnis, die wir heute haben, noch mehr Menschen auf den Weg zur vollkommenen Erkenntnis führen können? Als getaufte und damit wiedergeborene Geschöpfe sind wir zwar noch nicht im ewigen Leben angekommen, können aber schon jetzt, da wir noch auf dem Weg sind, andere Menschen mit auf den Weg holen – so, wie Jesus es auch getan hat. Vers 17: „Heilige sie“ heißt „mache sie abgesondert“. Wodurch? Durch Gottes Wort, das heißt durch die anfängliche aber noch begrenzte Erkenntnis. Diese hebt uns bereits heute von anderen ab. Vers 20: Hier erwähnt Jesus konkret, dass er nicht nur die ersten Apostel, sondern auch uns im Sinn hat, wenn er sein Gebet spricht. Vers 24: Jesus würde sich wünschen, dass auch wir schon jetzt klar sehen und die volle Erkenntnis durch die direkte Gemeinschaft mit Gott haben könnten. In Gottes Weisheit ist es aber aktuell noch nicht vorgesehen. Vers 25: Quasi die Zusammenfassung von allem: Die Welt hat keine Erkenntnis, aber Jesus hat Gott erkannt und uns an seiner Erkenntnis teilhaben lassen. Das Ende dessen ist das ewige Leben mit Gott und Jesus. Ihr seht also: Wenn man will, dann kann man vieles in diesem Kapitel im Licht der anfänglichen These deuten und es ergibt absolut Sinn. Als kleine Auffrischung, die These war: Die Erkenntnis Gottes ist nicht der Weg zum ewigen Leben, sondern sie ist, worin das ewige Leben selbst besteht. Das ewige Leben ist demnach die Gemeinschaft mit Gott ohne jede Trennung, die es momentan noch gibt, was dazu führt, dass wir Gott endlich nicht mehr undeutlich wie durch einen (schlechten, antiken) Spiegel sehen, sondern von Angesicht zu Angesicht in seiner ganzen Fülle, und ihn dadurch vollkommen erfahren und erkennen können. Jesus ist dem ewigen Leben demnach bereits zu seiner Zeit auf Erden so nah gekommen wie kein anderer und auch wir haben schon jetzt teilweise Teil daran. Allerdings muss Gott noch die letzten Hürden entfernen, wenn er alles, was der vollkommenen Gemeinschaft mit ihm noch im Weg steht (vor allem unsere menschliche Natur) wegnimmt und uns Unsterblichkeit schenkt. Aber was ist jetzt eigentlich der revolutionäre Gedanke an all dem? Ist es am Ende nicht nur Wortklauberei darüber nachzugrübeln, ob Erkenntnis nun der Weg oder das Ziel selbst ist? Ich glaube nicht. Ich denke, eine Sichtweise, in der umfassende Erkenntnis das Ziel und nicht der Weg ist, kann uns sehr viel demütiger machen auf unserem Weg – vor allem in Bezug auf die, die mit uns auf dem Weg sind. Statt zu predigen, was man alles erkannt haben muss, um ewiges Leben zu bekommen, können wir dann viel mehr freimütig weitere Menschen mit auf den Weg dorthin holen – auf den Weg, auf dem wir alle wissen, dass unsere Erkenntnis noch nicht perfekt ist und es auch nicht sein muss, weil sie eben nicht Voraussetzung, sondern Ziel ist. Und vor allem können wir mit so einem Verständnis demütig werden, wenn wir an Jesus denken und daran, dass er es ist, der uns auf den Weg in Richtung vollkommener Erfahrung Gottes geholt hat. Er hatte es verdient am ewigen Leben teilhaben zu können, wir nicht. Und trotzdem ist er seinen Weg nicht für sich allein gegangen, sondern hat sein Leben dafür eingesetzt, dass wir an seinem gerechten Lohn teilhaben können. Nur er hat es jemals verdient in perfekter Gemeinschaft mit Gott und seiner vollen Erkenntnis leben zu dürfen, aber er hat es für uns alle ebenso möglich gemacht. Deshalb denke ich, es tut gut, Johannes 17 Vers 3 umzudenken, auch wenn es zunächst wie Wortklauberei wirkt. Gemeinschaft mit Gott und Jesus und das vollkommene Kennen der beiden als die Substanz des ewigen Lebens zu sehen, so wie es der Text eigentlich auch ausdrückt, bietet viel Raum für Demut und Dankbarkeit. Und es wirft ein interessantes neues Licht auf unseren seltsamen aktuellen Status als schon verherrlichte aber trotzdem noch in der Welt und mit allen menschlichen Macken lebende Menschen. Ein alter Bekannter und Freund unserer Gemeinde beschrieb das oft als „schon jetzt, aber noch nicht“ und ich denke das passt wunderbar zum Verständnis des ewigen Lebens als einem Zustand bestimmt durch die dann endlich lückenlose Erkenntnis Gottes. Wir sind dort zwar noch nicht angelangt, können aber heute schon beim Brechen von Brot und Wein danke sagen, dass wir völlig unverdient mit auf den Weg geholt wurden, der uns, sofern wir wollen, ganz sicher zu diesem Ziel führen wird. Wir wissen, was für einen Preis sowohl Jesus als auch unser himmlischer Vater dafür bezahlt haben, uns die Gemeinschaft mit ihnen in der Ewigkeit zu ermöglichen. Und fast schon paradoxer Weise zeigt der Fakt, dass wir das wissen, dass wir „schon jetzt aber noch nicht“ am ewigen Leben teilhaben. „Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“ (Johannes 17,3) Oder anders gesagt: „Das ewige Leben besteht ja in der Gemeinschaft mit dir, dem einzig wahren Gott, und mit dem, den du gesandt hast, Jesus Christus.“ (Johannes 17,3; NeÜ) Gottes Segen und bis zum nächsten Mal, Euer Daniel Wenn nicht anders gekennzeichnet, alle Zitate aus der Revidierten Elberfelder Übersetzung. Foto von Brett Jordan auf Unsplash

  • Herbstwochenende

    Gefühlt ist die Zeit, seit ihr das letzte Mal von mir gehört habt, dieses Mal viel schneller vergangen als sonst. Erst war ich viel unterwegs, dann war ich krank und dann gestresst, weil ich alles nachholen musste, was ich erkältet aus dem Bett heraus nicht erledigen konnte. Als ich also begonnen habe, nach einem Thema für meinen heutigen Beitrag Ausschau zu halten, habe ich mich damit sehr schwergetan. Von der nötigen Inspiration für einen Beitrag war weit und breit keine Spur. Umso mehr habe ich mich auf das Wochenende gefreut, welches diesem Montag vorausgehen sollte. Bei besagtem Wochenende handelte es sich um das alljährliche Studienwochenende meiner Gemeinde im Herbst, bei dem wir uns schon seit Jahren in dem gleichen Tagungshaus umgeben von reichlich Herbstlaub und den dazugehörigen Bäumen treffen, um uns in Form von Gruppenarbeiten und passenden Vorträgen mit Themen des Glaubens zu beschäftigen. Wenn ich hier keine Inspiration für meinen Beitrag finden würde, wo sonst? Schnell war also die Idee geboren, euch in meinem Beitrag von unserem Gemeindewochenende zu erzählen. Damit ihr das ganze zeitlich einordnen könnt: Es ist Sonntagabend, ca. 20:30 Uhr, und hier sitze ich nun vor meinem Laptop und versuche, sinnvoll zu Papier zu bringen, was ich von diesem Wochenende mitgenommen habe, damit ihr das Ganze morgen lesen könnt. Das gestaltet sich nur leider schwieriger als gedacht. Aber fangen wir erstmal damit an, wie das Wochenende abgelaufen ist: Dieses Wochenende haben wir uns mit dem Thema Angst beschäftigt. Den Samstag nutzten wir dafür, uns in Kleingruppen mit verschiedenen Fragestellungen dem Thema anzunähern. Hier ging es insbesondere darum, wie Angst unser persönliches Leben und das Leben in der Gemeinde beeinflusst und wie wir damit umgehen können. Am Sonntag hörten wir einen Vortrag, in dem uns ein Bruder die Bedeutung des Begriffs „Furcht des Herrn“ näherbrachte und feierten schließlich das Gedächtnismahl, zu dem uns eine Schwester mit einem passenden Gedanken hinleitete. Soweit ist die Wiedergabe des Wochenendes natürlich nicht besonders schwierig. Schwierig wird es aber bei dem Versuch, euch die Inhalte des Wochenendes treffend zusammenzufassen. Das liegt vor allem daran, dass euch jeder Teilnehmer etwas anderes erzählen würde, wenn ihr nach den Inhalten des Wochenendes fragt. Jede Kleingruppe ist etwas anders mit den Fragen zum Thema Angst umgegangen und hat andere Dinge besprochen, je nachdem was den Gruppenmitgliedern besonders wichtig war. Außerdem lebt dieses Herbstwochenende immer auch von den persönlichen Gesprächen. Egal ob in der Schlange beim Essen, bei dem traditionellen Waldspaziergang am Samstagnachmittag oder bei den gemeinsamen Abenden, an denen die Gruppen sich nicht mehr anhand verschiedener Murmelfarben, sondern anhand der Wahl von Snacks und Getränken zusammensetzen. Jeder einzelne fährt also mit ganz persönlichen neuen Erkenntnissen zurück nach Hause. Trotzdem gibt es neben den Vorträgen noch einen weiteren gemeinsamen Nenner, der sich anbietet, um euch einen allgemein gültigen Eindruck von dem Wochenende zu vermitteln. Und zwar möchte ich keinen Gedanken und kein Ergebnis aus den Gesprächen mit euch teilen, sondern einen Ohrwurm. Wie das bei unseren Gemeindeveranstaltungen meistens der Fall ist, haben wir auch an diesem Wochenende wieder viel gesungen. Die Lieder, die mein Bruder und ich für das Wochenende ausgesucht hatten, haben dabei ebenfalls an vielen Stellen das Thema Angst aufgegriffen. Ich bin heute also nicht nur mit vielen neuen Gedankenanstößen, sondern auch mit einem Haufen Ohrwürmer nach Hause gekommen und von diesen Ohrwürmern möchte ich insbesondere einen mit euch teilen: Das Lied heißt „Der Sieg gehört dir allein“. Es ist die deutsche Fassung des Songs „Battle belongs“ von Phil Wickham und ihr findet es unter anderem bei Spotify (hier in der Version von Feiert Jesus!) oder auch in Videofassung auf YouTube (hier in der Version von Urban Life Worship). Das Lied beschreibt in einigen schönen Bildern, wie wir mit Gottes Hilfe selbst Dinge überwinden können, die uns im ersten Moment unüberwindbar scheinen. Wir können unsere Ängste vor ihm ablegen und ihm die Kämpfe überlassen, die wir allein nicht gewinnen können. Ich hoffe, dieser Ohrwurm wird euch durch die Woche begleiten, so wie er mich an diesem Wochenende begleitet hat und euch daran erinnern, was für einen starken Helfer wir an unserer Seite haben. Einen Helfer, für den nichts unmöglich ist – kein Hindernis zu hoch, kein Kampf zu ermüdend und keine Angst zu groß. Bis zum nächsten Mal! Eure Lea

  • Die Haare müssen ab

    Hallo Lydia, als ich gehört habe, dass du deine Haare verschenkt hast, war ich sofort sehr interessiert und wollte gerne mehr darüber wissen. Deshalb freue ich mich sehr, dass du mir und den Lesern des Blogs ein paar Fragen beantwortest. Das Interview Ingo: Wie bist du darauf gekommen, deine Haare zu spenden? Lydia: Ich habe jetzt das zweite Mal meine Haare gespendet. Nach dem ersten Mal habe ich mir vorgenommen, das jetzt regelmäßig zu machen, weil ich es eine gute Sache finde, eine Ressource, die ohne viel Aufwand wächst, denen zu geben, die sich darüber freuen. Das bedeutet für mich, dass ich alle 3-4 Jahre zum Friseur gehe und meine Haare um 40 cm kürzen lasse. Ingo: Was wird mit deinen Haaren gemacht? Lydia: Beim ersten Mal habe ich mir eine Organisation im Internet gesucht und meine Haare dort hin geschickt. Leider habe ich nie eine Rückmeldung bekommen, ob und, wenn ja, wie meine Haare verwendet wurden. Bei dem Verein, wo ich meine Haare dieses Jahr gespendet habe, weiß ich, dass die Haare selbst verarbeitet werden und an Kinder verschenkt werden, die eine Krankheit haben, wegen der die Haare ausfallen. Ingo: Wie heißt die Organisation, die das alles organisiert? Lydia: Verein Die Haarspender. Ingo: Wird eine bestimmte Haarlänge vorausgesetzt? Lydia: Wenn man die Mindesthaarlänge googelt, kommen Angaben von ab 20 cm. Man muss jedoch beachten, dass man schon 10 cm für das anknüpfen an den Stoff braucht, und dann nur noch 10 cm Haarlänge hätte. Die meisten Mädchen/Frauen wünschen sich jedoch Haare bis mindestens zur Schulter. Also werden bevorzugt Spenden ab 40 cm genommen. 20 cm werden meistens sogar aussortiert und nicht verwendet. Ingo: Kann ich auch meine Haare spenden? Lydia: Auf der Website des Vereins gibt es Merkmale, die ein Haar erfüllen muss, damit man es spenden kann. Ich zähle sie hier einmal auf: VERWENDBAR Haare ab mindestens 40cm - Ideallänge 45+cm Bei gestuften Haaren sollten die kürzesten Stufen im Zopf nicht kürzer als 30cm sein glatt, gelockt oder auch wellig - bei Locken bitte Länge in gelocktem Zustand berechnen ungefärbt ist am besten geeignet gefärbt ist verwendbar (sofern nicht x-mal umgefärbt) und strukturell gesund blondiert ist ok (sofern Struktur gesund) getönt ist ok - gleiche Farbe Anfang bis Spitzen gesträhntes oder "gemäschtes" Haar ist ok mit Henna gefärbt ist verwendbar (Ausnahme Henna Schwarz=Indigo) leicht splissiges aber sonst gesundes Haar Haar das in Balayage oder Ombre gefärbt wurde (Verlauf der Farbe muss fließend und nicht blockförmig sein) gesund aussehendes Haar - das auch ohne Spülung oder Haarmaske noch kämmbar ist und glänzt früher geschnittene "alte" Zöpfe sind verwendbar und können nach bis zu 70 Jahren Aufbewahrungszeit immer noch verwendet werden. NICHT VERWENDBAR Dreadlocks keine Haare mit Weißanteil kürzeres Haar als 40cm Zöpfe, wo durch Stufung der Haare nur ein sehr geringer Anteil der Haare 40cm erreicht. immer wieder umgefärbtes Haar verschiedene Farben in den Längen stark beanspruchtes Haar durch tägliches Glätten oder andere Hitzequellen bunte, unnatürlich gefärbte Haare dauergewelltes Haar chemisch geglättetes Haar krauses Haar Haar, das nicht in Wuchsrichtung gelegt wurde. (z.B. Haare vom Boden zusammengelegt in verschiedene Richtungen) Haare aus Bürsten oder gesammelt -Wuchsrichtung ist nicht mehr einheitlich "Afro" Haare können leider ebenfalls nicht verarbeitet werden. Da deine Haare inzwischen grau/weiß sind, wirst du sie also nicht mehr spenden können, zumindest nicht zu diesem Verein. Ansonsten musst du selbst recherchieren, ob jemand graue Haare für Perücken verwenden kann. Ingo: Gab es einen inneren oder und äußeren Antrieb für dein Handeln? Lydia: Zuerst der äußere, dass ich generell sehr dicke und demnach im Sommer auch sehr warme Haare habe. Aber als Frau/Mädchen kennt wahrscheinlich jeder das Problem, dass man immer die Frisur haben möchte, die man gerade nicht hat. Kurze, wenn man lange Haare hat und lang, wenn man kurze Haare hat. Ich habe mich also entschieden, meine Haare regelmäßig auf eine gewisse Länge wachsen zu lassen und die Hitze im Sommer auszuhalten. Und in dem Jahr, wo sie lang genug sind um gespendet zu werden, schneide ich sie mir so kurz ab, dass ich sie nicht mehr im Nacken habe, also so ungefähr auf Kinnlänge. So habe ich dann ca. 4 Jahre Freude an meinen Haaren, weil ich alle Längen durchlaufe und nicht konsequent mein Leben lang lange Haare oder kurze Haare habe. Ingo: Würdest du es noch einmal machen? Lydia: So lange es geht, ja. Ingo: Hast du einen Tipp für Nachahmer? Lydia: Nachahmer brauchen keine Tipps, weil sie ja bereits nachahmen. An alle anderen: Traut euch. Das Gefühl von kurzen Haaren ist befreiend, zumal Haare ja auch ein Gewicht haben, und es ist für einen guten Zweck. Ingo: Du hast deine Haare weggegeben. Hast du auf der anderen Seite das Gefühl, etwas gewonnen zu haben? Lydia: Auf den ersten Blick natürlich eine neue Frisur. Auf den zweiten Blick aber auch das Wissen, dass sich irgendwann ein Kind über genau diese Haare, die ich nicht mehr gebraucht habe, freuen wird. Es ist ein bisschen wie eine Organspende, nur, dass man dadurch keine Nachteile hat und Organe nicht mehr nachwachsen. Ingo: Gibt es noch etwas, was du über die Haarspende sagen möchtest? Lydia: Haarspenden an sich sind eine gute und schöne Sache, weil man fremden Menschen dadurch ein bisschen mehr Freude im Leben schenken kann. Nur leider ist es mit einer Haarspende noch nicht getan. Die Produktion der Perücken kostet Geld und wird von dem Verein Die Haarspender ausschließlich durch Spenden finanziert. Durch die Inflation sind leider immer weniger Spenden eingegangen, was sich letztendlich auch auf die Perücken auswirkt. Wenn man seine Haare also nicht spenden kann oder will, kann man trotzdem einen kleinen Beitrag leisten, um etwas Gutes zu tun. Auf der Website findet man dazu alle wichtigen Informationen. Ich war bei dem Hauptsitz des Vereins in Wien um mir meine Haare schneiden zu lassen und mir hat das ganze Konzept so gut gefallen, dass ich finde, man muss es unbedingt in irgendeiner Form unterstützen. - Ende des Interviews - Welch eine schöne Idee. Gutes tun kann so naheliegend sein. Da fällt mir der Bibeltext aus meinem letzten Blog ein. Möge Gott, von dem aller Friede kommt, euch helfen, in jeder Hinsicht das Gute zu tun und seinen Willen zu erfüllen. Er hat unseren Herrn Jesus Christus von den Toten auferweckt. Ihn, durch dessen Blut der neue und ewig gültige Bund geschlossen wurde, ihn hat er zum wahren Hirten seiner Herde gemacht. Jesus Christus wird euch die Kraft geben, das zu tun, was Gott gefällt. Ihm gebührt alle Ehre in Ewigkeit. Amen. (Hebräer 13,20+21) In diesem Sinne, ab mir den alten Zöpfen. ;-) Ingo Anmerkungen und Fragen könnt ihr gern als Kommentar eintragen. Oder gern auch direkt an mich: ingo@einfach-biblisch.de Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. Ingo Tauchert

  • Ohne Ansehen der Person

    Meine letzte Woche war ziemlich anstrengend. Ich war als Trainer tätig (das gehört ab und zu zu meinem Job) und habe erst zwei Tage lang neuen Kollegen unsere Hardware nähergebracht und gleich im Anschluss drei Tage Softwareschulung für Kunden gegeben. Das hieß fünf Tage lang sehr viel reden, Entertainer sein, versuchen, die Zuhörer nicht zu verlieren, und in den Zeiten, wo man nicht selbst Monologe hält, Hilfestellungen geben, Fragen zu beantworten und nicht zuletzt, wie Sherlock Holmes zu ermitteln, wie genau die Teilnehmenden es angestellt haben, in der einen Minute, in der man nicht direkt daneben stand, ihre Software so zu verstellen, dass sie nun die Übung nicht mehr weiter ausführen konnten. Man hat wirklich alle Hände voll zu tun. Da Trainer sein zudem nicht meine Hauptaufgabe ist, fallen im Laufe so einer ganzen Woche Trainings, außerdem diverse Anfragen zu anderen Dinge an, die mal mehr, mal weniger zeitkritisch eigentlich noch nebenher oder abends nach der Schulung bearbeitet werden müssten. Zum Glück bin ich in der Regel konsequent genug, diese Anfragen liegen zu lassen, bis ich wieder dazu komme, sie ohne viele Überstunden abzuarbeiten. Das klappt nur leider nicht immer. So gab es diese Woche eine Kollegin aus dem Marketing, die mich durch einen (entgangenen) Anruf und eine Chat-Nachricht (die ich beide zunächst nicht mitbekam) bat, noch irgendwie vor Ende der Woche mit ihr zu sprechen. Tja … wann sollte das sein? Morgens vor dem Training, wo man erst mal alles hochfahren und dann die Kunden in Empfang nehmen muss, von denen man nie genau weiß, wann sie eintrudeln? Oder nach dem Training, wenn der Akku leer ist und zu Hause eigentlich schon das Abendessen wartet? Da es ihr sehr wichtig schien, möglichst bald mit mir ihr Anliegen besprechen zu können, schlug ich den einzig akzeptablen Kompromiss vor, der mir einfiel: Wir könnten uns Freitag zum Mittagessen in der Kantine treffen. Normalerweise würde ich mit meinen Schulungsteilnehmer gemeinsam essen, aber da es der letzte Tag der Schulung war, waren alle schon vertraut mit den Abläufen und verstanden sich außerdem untereinander so gut, dass ich nicht auch noch in der Pause als Unterhalter benötigt wurde. Ich sagte also meinen Kunden, dass ich heute ausnahmsweise nicht mit ihnen zum Essen gehen würde, erinnerte sie daran, dass es in 45 Minuten weitergehen würde, und schickte sie allein rüber in die Kantine, die nur ein paar Meter entfernt auf der anderen Seite der Eingangshalle unseres Hauptgebäudes liegt. Während ich aus der Ferne beobachtete, wie meine Schulungsteilnehmer sich einer nach dem anderen bei der Essensausgabe ihrer Wahl anstellten, sich Nachtisch und Getränke nahmen, zur Kasse gingen und sich an unseren reservierten Tisch setzten, stand ich vor dem Eingang zur Kantine und wartete wie verabredet auf meine Kollegin aus dem Marketing. Es vergingen fünf Minuten. Dann waren es schon zehn. Als ich nach 15 Minuten noch ein letztes Mal zur Galerie im zweiten Stock hochsah, von wo die Kollegin kommen müsste, entschied ich mich, nicht noch mehr Zeit zu verlieren, mir schon mal was zu Essen zu holen und mir einen Platz nahe der Tür zu suchen, wo sich mich sehen würden, wenn sie schließlich doch noch käme. Als ich kurz drauf mit Fisch und mediterranem Gemüse zurück am Tisch war und begann zu essen, musste ich unweigerlich darüber nachdenken, warum ich wohl immer noch ohne Lunch-Date dasaß. Hatte sie unsere Verabredung vergessen? Nein, das sah ihr nicht ähnlich. Außerdem war sie es ja gewesen, die mich sprechen wollte. Aber was war es dann? Eigentlich hatte ich die Antwort auf diese Frage schon nach den ersten paar Minuten des Wartens gewusst. Die Marketing-Kollegin ist in viele wichtige und hoch aufgehangene Projekte involviert und so war mein Verdacht eigentlich direkt mehr eine Gewissheit: Es gab wohl noch einen anderen Termin, in dem sie feststeckte und aus dem sie sich nicht einfach verabschieden konnte … weil dort wichtigere Personen involviert waren als ich. Obwohl so etwas natürlich im beruflichen Alltag ganz normal ist, hat es mich doch irgendwie etwas geknickt. Ich wusste noch nicht, worüber sie mit mir sprechen wollte, und wusste dafür umso mehr, dass aktuell wieder viele Marketing-Entscheidungen anstanden, in denen das höchste Management involviert sein würde. Trotzdem musste ich unweigerlich denken: Wäre ich Teil der oberen Management-Ebene, dann würde ich gerade nicht allein essen müssen. Ich hatte nur deshalb den Kürzeren gezogen, weil ich im Vergleich einfach unwichtiger war. Um eins klarzustellen: Ich mache meiner Kollegin keinen Vorwurf. Es ist alltäglich und ganz normal Termine zu gewichten. In solchen Situationen geht es nicht um Höflichkeit und Zwischenmenschliches – es gibt einfach klare Prioritäten im Sinne der Firma und die arbeiten wir alle der Reihe nach ab. Dabei stehen manche Meetings ganz natürlich weiter oben und andere fallen hinten runter. Trotzdem oder gerade deshalb musste ich in dieser Situation darüber nachdenken, wie selbstverständlich es im Berufsleben ist, den Ranghöheren Kollegen den Vortritt zu gewähren, während dabei andere den Kürzeren ziehen. Erst vor kurzem hatte es ein großes und wichtiges Freigabe-Meeting mit vielen Beteiligten gegeben, das von meinem Chef vorbereitet worden war und an dem auch ich teilnehmen sollte. Es mussten dafür Wochen im Voraus die Termine vieler „hoher Tiere“ im Unternehmen koordiniert werden, damit sie alle anwesend sein konnten, um unsere Arbeit der letzten Monate abzusegnen. Ca. zwei Stunden vor dem Termin erfuhr ich dann von meinem Chef, dass das für uns so wichtige Meeting vermutlich ins Wasser fallen würde, da unser Spartenleiter alle beteiligten ranghohen Kollegen zu einem Eskalations-Meeting eingeladen hatte, das unseren Termin einfach überschrieb. Wochen der Koordination und des Bemühens meines Chefs umsonst. Um zu entscheiden, zu welchem Meeting man sich einwählt, ist eben entscheidend, wer eingeladen hat. Und da war selbst mein Chef im Vergleich zu unbedeutend. Als ich so darüber nachdachte, kamen mir plötzlich vier Worte ich den Kopf. Vielleicht hatte ich sie vor kurzem gelesen, vielleicht kamen sie auch aus den Untiefen meines Gehirns, weil sie so gut zur Situation passten. Die Worte waren: „ .. ohne Ansehen der Person“. Es waren Worte aus der Bibel. Und obwohl ich in dem Moment nicht genau zuordnen konnte, in welchem Kontext sie auftauchten, konnte ich mich doch erinnern, dass sie Gottes Sicht auf uns und seinen Umgang mit uns beschrieben. Eine Sicht und ein Umgang, die ganz anders sind, als das, was man aus dem alltäglichen Treiben kennt. Inzwischen habe ich nachgeschlagen, woher ich diese Worte kenne. Sie finden sich in meiner Elberfelder Bibelübersetzung an zwei Stellen genau so, wie ich sie im Kopf hatte (Jakobus 2,1 und 1. Petrus 1,17). Das Prinzip dahinter taucht aber an noch deutlich mehr Stellen auf. Bereits im Alten Testament lesen wir in Anweisungen an die Richter Israels von diesem Grundsatz Gottes: „Ihr sollt im Gericht nicht die Person ansehen; den Kleinen wie den Großen sollt ihr hören.“ (5. Mose 1,17) „Du sollst das Recht nicht beugen, du sollst die Person nicht ansehen und kein Bestechungsgeschenk nehmen. Denn das Bestechungsgeschenk macht die Augen der Weisen blind und verdreht die Sache der Gerechten.“ (5. Mose 16,19) Einige Aussagen in den Sprüchen beschäftigen sich ebenso mit dem parteiischen und ungerechten „Ansehen der Person“ (Sprüche 24,23; Sprüche 28,21). Die menschliche Tendenz, seine Mitmenschen anders zu behandeln, je nachdem, wer sie sind und welche Position sie innehaben, ist offenbar schon vor tausenden von Jahren existent gewesen. Und genauso lange hat Gott bereits versucht, dem entgegenzuwirken. Im Neuen Testament wird das Problem noch einmal besonders brisant. Als sich die ersten christlichen Gemeinden gründeten, kamen in ihnen die unterschiedlichsten Nationalitäten und Kulturen zusammen. Als wäre das noch nicht genug, fanden sich plötzlich Juden und Nicht-Juden in einer Gemeinschaft wieder, die an den Gott glaubte, den die Juden zuvor viele Jahrtausende lang „für sich allein“ gehabt hatten. Konnte es wirklich sein, dass ihr Gott auf einmal keinen Unterschied mehr machte zwischen ihnen und all den anderen Menschen, die ihm noch nicht viele Generationen lang gefolgt waren? Diese Frage adressiert unter anderem Paulus im Brief an die Römer: „Bedrängnis und Angst über die Seele jedes Menschen, der das Böse vollbringt, sowohl des Juden zuerst als auch des Griechen; Herrlichkeit aber und Ehre und Frieden jedem, der das Gute wirkt, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen. Denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott.“ (Römer 2,9-11) Plötzlich mit ehemaligen Heiden in einer Gemeinschaft auf dieselbe Stufe gestellt zu werden, war für viele Juden nicht leicht zu verdauen. Davon lesen wir noch oft in den Briefen des Paulus. Ein etwas anderes und doch sehr ähnliches Problem gab es auch zwischen zwei anderen Gesellschaftsgruppen, die nie zuvor gleichberechtigt an einem Tisch gesessen hatten: In Ephesus hatten die Menschen Schwierigkeiten damit umzugehen, dass nun sowohl Herren als auch deren Sklaven Teil derselben Gemeinde sein konnten. Daher schreibt Paulus an die Epheser: „Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens, als dem Christus; nicht mit Augendienerei, als Menschengefällige, sondern als Sklaven Christi, indem ihr den Willen Gottes von Herzen tut! Dient mit Gutwilligkeit als dem Herrn und nicht den Menschen! Ihr wisst doch, dass jeder, der Gutes tut, dies vom Herrn empfangen wird, er sei Sklave oder Freier. Und ihr Herren, tut dasselbe ihnen gegenüber, und lasst das Drohen!, da ihr wisst, dass sowohl ihr als auch euer Herr in den Himmeln ist und dass es bei ihm kein Ansehen der Person gibt.“ (Epheser 6,5-9) Wieder taucht dieselbe Formulierung auf: ohne Ansehen der Person. Viele Menschen scheinen in Laufe der Jahre ein Problem damit gehabt zu haben. Stellt sich also die Frage: Was bedeuten diese vier Worte für mein Leben heute? Was ist meine persönliche Herausforderung dabei? Weil ich mich trotz allem Verständnis für die Entscheidung meiner Kollegin ein wenig unfair behandelt gefühlt hatte, war mein erster Gedanke: „Ich wünschte, die aus der oberen Management-Ebene würden genauso behandelt wie ich“. Aber beim weiteren Nachdenken wurde mir klar: Das ist genau der falsche Ansatz! Wenn ich überlege, wie ich Gottes Charakter in Bezug auf das Ansehen der Person ähnlicher werden kann, dann sollte „ohne Ansehen der Person“ für mich bedeuten, dass ich mir nicht wünsche, die Top-Manager würden auch nur wie „normale Menschen“ behandelt, sondern dass ich alle anderen Menschen genauso behandele, wie die Top-Manager! Was war denn der Kontext von „ohne Ansehen der Person“ im alten Israel oder in Ephesus oder Rom? Gott bot zu jeder Zeit jedem Menschen das ultimative Geschenk: Unverdienbare Gnade und ewiges Leben ohne Leid, Traurigkeit oder Tod. Das ist das Größte, was Gott anzubieten hat. Und er bietet es „ohne Ansehen der Person“ jedem an: dem Sklaven und Herren, dem Juden und Nicht-Juden, dem Top-Manager und dem Hausmeister. Ohne Ansehen der Person im Stile Gottes durchs Leben zu gehen, sollte für mich also nicht bedeuten, alle gleich mittelmäßig zu behandeln, sondern jedem mit den größten Geschenken zu begegnen, die ich geben kann: Liebe und Respekt. Das gilt gegenüber der Putzkraft, die schon vor meinem Arbeitsbeginn mein Büro gesaugt und meinen Schreibtisch abgewischt hat, genauso wie für die Menschen an der Essensausgabe in der Kantine, bis zu meinen direkten Kollegen. Und natürlich auch, aber eben nicht nur, für alle, die noch deutlich weiter oben in der Hierarchie stehen als ich. Wenn ich also demnächst morgens noch halb schlafend durch die schwere Eingangstür schlurfe und dabei aus dem Augenwinkel sehe, dass ein paar Meter hinter mir noch jemand folgt, drehe ich mich dann um, egal ob es der Geschäftsführer ist oder die nette Frau, die mir morgens mein Frühstücksbrötchen in der Kantine verkauft? Oder wenn in meine Gemeinde ein vielleicht übelriechender obdachloser Pfandsammler kommt und teilhaben möchte … freue ich mich dann über ihn genauso, wie über einen gepflegten Mittelständler, der im BMW vorfährt? Auch diese Frage stellt sich nicht erst mir im Jahr 2023: „Meine Brüder, habt den Glauben an Jesus Christus, unseren Herrn der Herrlichkeit, ohne Ansehen der Person! Denn wenn in eure Synagoge ein Mann kommt mit goldenem Ring, in prächtigem Gewand, es kommt aber auch ein Armer in unsauberem Gewand herein, ihr seht aber auf den, der das prächtige Gewand trägt, und sprecht: Setze du dich bequem hierher!, und sprecht zu dem Armen: Stehe du dort, oder setze dich unten an meinen Fußschemel! – habt ihr nicht unter euch selbst einen Unterschied gemacht und seid Richter mit bösen Gedanken geworden? […] Wenn ihr wirklich das königliche Gesetz »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« nach der Schrift erfüllt, so tut ihr recht. Wenn ihr aber die Person anseht, so begeht ihr Sünde und werdet vom Gesetz als Übertreter überführt.“ (Jakobus 2,1-4+8-9) Ich weiß also, wie Jesus sich verhalten würde. An meinem eigenen Verhalten muss ich leider noch arbeiten. Aber so hat es nun doch noch etwas Positives gehabt, beim Mittagessen versetzt worden zu sein. Naja, ganz versetzt wurde ich dann auch nicht. Natürlich war es wie vermutet: Die Kollegin aus dem Marketing hatte in einem wichtigen Termin festgesteckt, kam dann aber doch noch gerade so pünktlich, dass wir ihr Anliegen besprechen konnten, bevor meine Pause zu Ende war. Zwar wird sich in meinem Berufsleben nichts daran ändern, dass auch in Zukunft Termine mit der Geschäftsführung in fast allen Fällen Termine mit mir in Outlook überschreiben werden, aber zumindest hab ich einen Anstoß bekommen darüber nachzudenken, wie ich mich in Zukunft ganz persönlich verhalten sollte und will – in Terminen, zwischen Terminen und besonders dort, wo es außer dem einen Chef und seinem Sohn keine weiteren Hierarchie-Ebenen geben sollte: draußen im Leben jenseits der Arbeit. Gottes Segen und bis zum nächsten Mal, Euer Daniel Foto von Ruthson Zimmerman auf Unsplash

  • Hiobs - Botschaften

    Vor ungefähr zwei Wochen war ich zum ersten Mal live bei einem Poetry - Slam dabei. Gespannt und aufmerksam verfolgte ich die vorgetragenen Texte. Wortgewaltig, mal laut, mal leise, oft mit viel Humor, verstanden es die Vortragenden das Publikum zu fesseln. Eigentlich war immer etwas zum Nachdenken dabei. Die Themen waren persönlich und global. Eine Slamerin mit afghanischen Wurzeln, die sich über ihre verlorene Heimat und die Rechte der dort lebenden Frauen äußerte, eine Mutter, die ihren Töchtern lauter gute Ratschläge und Warnungen für ihr Leben mitgab, ein junger Mann, der über sein Verhältnis zu seinem verstorbenen Opa reimte und schließlich der Gewinner, der mit einem eindeutigen Appell, aus Sicht eines Knöterichs (= invasives Gewächs, das einheimische Pflanzen verdrängt), an die Stadtplaner dieser Welt punktete. Klimawandel, Umweltschutz, Menschenrechte beherrschten die Vorträge, aber auch die kleinen ganz persönlichen Dinge kamen nicht zu kurz. Nach soviel Input wollte ich geradeheraus auch was schreiben. Es brannte mir förmlich auf der Seele und in den Fingern. Leider musste ich sehr bald feststellen, das ist ja gar nicht so einfach – Respekt und meine Hochachtung für die Menschen, die sich dann auch noch mit ihren Texten in die Öffentlichkeit wagen. Deshalb gibt es – sorry – heute keinen Poetry-Slam-Text von mir. Das, was davon bleibt, könnt ihr nachfolgend lesen. Ich weiß von vielen Menschen, die keine Nachrichten mehr im Fernsehen oder Radio sehen und hören. Und die sich anders oder gar nicht informieren, was gerade so in der Welt los ist. Ich gehöre nicht dazu, deshalb fällt mir gerade in den letzten Wochen wieder mal besonders auf, wie Leid und Tod, Flucht und Krieg, Zerstörung und Untergang, so scheinbar mühelos auf das freundliche: „Einen schönen guten Morgen, meine Damen und Herren,….“ folgt. Kaum zu fassen, was da in den letzten Wochen so alles zusammenkam. Erst die Rekordhitze , die die Menschen lähmte und schwer atmen ließ. Dann Regenmengen, die Griechenland noch nie gesehen hat. Das Bild von dem verzweifelten Bürgermeister, der im strömenden Regen, im Wasser watend, persönlich die Menschen auf den Straßen seiner Stadt nach Hause schickte. Die Welt schien unterzugehen. Marokko, ein starkes Erdbeben erschüttert das Land, von dem wir so wenig wissen. Im Atlas–Gebirge (bis zu 4000 m hoch) leben Menschen in Dörfern, zu denen, wegen verschütteter Straßen, keine Hilfe kommt. Alles weg, Menschen unter Trümmern. Der Staat nimmt und fordert nur Hilfe von „befreundeten“ Staaten an, was offensichtlich zu wenig ist. Libyen, in meiner Vorstellung eine riesige Wüste. Dass es dort Staudämme gibt, hab ich nicht gewusst. Viele Dinge sieht man erst, wenn sie bedroht oder zerstört sind. Hier trifft es ein Land mit unklaren Machtverhältnissen und einen Damm, auf den nicht geachtet wurde, der bricht und eine ganze Stadt zerstört. Und immer wieder Zahlen. Erst geschätzte, vermutete, dann bestätigte Opferzahlen. Tausende…. Und Tausende die trauern, weinen, verzweifeln und alles verloren haben. Eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Auch Hiob hat alles verloren, Besitz, Familie, Gesundheit. Und für mich immer wieder faszinierend, wie im Buch Hiob über den Umgang mit Leid und Verlust geschrieben wurde. Offensichtlich ging es Hiob sehr schlecht und er klagte. Seine drei Freunde, so lesen wir, besuchten ihn, erkannten ihn kaum wieder und versuchten ihn davon zu überzeugen, wenn der nur genug Reue zeigen würde und Buße üben würde, dann würde sich seine Lage sicherlich verbessern. Krank und elend saß er vor seinen Freunden, die nur das Beste für ihn wollten und eine Erklärung für diesen Absturz suchten. Dieser „Wenn es dir schlecht geht, dann denk mal drüber nach, was du falsch machst in deinem Leben“- Rückschluss, den gibt es auch heute noch. Wenn ich den höre, krampft sich bei mir alles zusammen. Und Hiob ging gegen diesen Gedanken an. Hiob ist sich keiner Schuld bewusst. Das wird auch noch durch den Dialog Gottes mit den Gottessöhnen und einem Widersacher deutlich. Auch Gott findet nichts Schlechtes an Hiob. Der HERR erwiderte: »Dann ist dir sicher auch mein Diener Hiob aufgefallen. Ich kenne keinen Zweiten auf der Erde, der so rechtschaffen und aufrichtig ist wie er, der mich achtet und sich nichts zuschulden kommen lässt.« (Hiob 1,8) Hiob ist ein rechtschaffener Mann! Und ein gläubiger, denn er tritt in Dialog mit Gott. Er zeigt ihm seine Verzweiflung, klagt ihn an, ist wütend und ärgerlich. Ja, ich bin unschuldig! Aber es ist mir völlig gleichgültig, so sehr hasse ich mein Leben! Es ist alles einerlei; deshalb sage ich: Egal ob du gottlos bist oder fromm – er bringt dich doch um! Und wenn sein Schlag plötzlich Unschuldige trifft, dann spottet er noch über ihren Schmerz! Fällt ein Land Tyrannen in die Hände und werden alle Richter blind für das Recht, so hat Gott das getan! Wenn nicht er – wer sonst? Meine Jahre sind vorbeigeeilt, schneller als ein Läufer, verschwunden sind sie ohne eine Spur von Glück. Sie gleiten dahin, geschwind wie ein Boot, sie fliegen rascher als ein Adler, der sich auf die Beute stürzt. Wenn ich mir sage: Jetzt will ich mein Klagen vergessen, will glücklich sein und mich freuen, dann packt mich doch die Angst, dass meine Schmerzen wiederkommen. O Gott, ich weiß es: Du hältst mich für schuldig! Ich bin ja schon verurteilt – wozu soll ich mich noch abmühen? Wenn ich meine Hände mit Schneewasser wüsche oder mit Lauge reinigte, als Zeichen meiner Unschuld, dann würdest du mich doch in eine Jauchegrube tauchen, dass sich selbst meine Kleider vor mir ekelten! Wärst du ein Mensch wie ich, dann könnte ich dir antworten! Wir würden beide vor Gericht gehen, damit der Streit entschieden wird. Aber es gibt keinen, der zwischen dir und mir entscheidet und für Recht sorgt. Hör auf, mich zu bestrafen! Halte deine Schrecken von mir fern! ( Hiob 9, 21-34) Hiob blieb seinem Gott dennoch treu. Er erkannte die Grenzen seiner menschlichen Erkenntnis und überließ sich ganz und gar Gottes Fürsorge. Er sah Gottes Größe in seiner Schöpfung und schließlich ist er ja auch von Gott geschaffen. Da antwortete Hiob: »Herr, ich erkenne, dass du alles zu tun vermagst; nichts und niemand kann deinen Plan vereiteln. Du hast gefragt: ›Wer bist du, dass du meine Weisheit anzweifelst mit Worten ohne Verstand?‹ Ja, es ist wahr: Ich habe von Dingen geredet, die ich nicht begreife, sie sind zu hoch für mich und übersteigen meinen Verstand. Du hast gesagt: ›Hör mir zu, jetzt rede ich, ich will dich fragen, und du sollst mir antworten!‹ Herr, ich kannte dich nur vom Hörensagen, jetzt aber habe ich dich mit eigenen Augen gesehen! Darum widerrufe ich meine Worte, ich bereue in Staub und Asche!« (Hiob 42, 1-6) Zu Hiobs – Botschaften gehören für mich nicht nur die vielen schlechten, traurigen und verzweifelten Nachrichten, sondern auch die Auseinandersetzung damit. Erstmal mit sich selbst. Und die Erkenntnis, auch wenn ich wütend und ärgerlich bin, kann und darf ich Gott mein Leid klagen. Es ist nichts Falsches daran wütend zu Gott zu kommen, ärgerlich und anklagend. Hiob macht es vor! Ich kann und darf ihn alles fragen. Habe ich ihm dann alles gesagt, stellt sich, wie bei Hiob, eine heilende Erkenntnis ein. Meine Erkenntnis ist begrenzt: Er allein hat den Himmel ausgebreitet, ist über die Wogen der Meere geschritten. Den Großen Wagen hat er geschaffen, den Orion, das Siebengestirn und auch die Sternbilder des Südens. Er vollbringt gewaltige Taten; unzählbar sind seine Wunder, kein Mensch kann sie begreifen! (Hiob 9,8-10) Gott ist so viel mehr: Knüpfst du die Bänder des Siebengestirns, kannst du den Gürtel des Orion öffnen? Lässt du die Sternbilder erscheinen, je nach Jahreszeit, bringst du den Großen und den Kleinen Wagen herauf? Hast du die Gesetze des Himmels entdeckt, und kannst du sie auf die Erde übertragen? (Hiob 38,31-33) Immer wieder bin ich von all dem menschlichen Leid erschüttert, von all den furchtbaren, traurigen Nachrichten, dass ich mir so sehr wünsche, dass die guten Nachrichten wahrgenommen werden. Die guten Nachrichten von einem allmächtigen Gott, der uns auch im Leid versteht. Der uns Menschen begleitet und durch seinen Sohn Jesus Christus eine wunderbare Aussicht auf eine intakte und gerechte Zukunft schenkt. „Einen schönen guten Morgen zusammen – und jetzt die guten Nachrichten,…!“ Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine schützende Hand über mich. (Psalm 139,5) Eure Ulrike Übrigens, eine gute Zusammenfassung des Buches Hiobs findet ihr hier https://www.bible.com/de/videos/25465?orientation=landscape&utm_content=teaching_clip&utm_medium=share&utm_source=yvapp Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. Bildquelle: pixabay von EvgeniT

Abonniere uns per Mail

Danke für das Abo!

Du kannst dieses jederzeit über den Button in unseren Mails kündigen.

© 2020 leben.einfach.biblisch. | Kontakt | Impressum | Datenschutzerklärung

bottom of page