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  • AutorenbildLisa

Embrace the chaos

Vorletzten Sonntag habe ich an unserem kleinen Online-Gottesdienst teilgenommen. Mein Mann war auf Dienstreise, sodass ich mit beiden Kindern (4 und 2 Jahre) allein teilgenommen habe. Ich hatte mir im Vorfeld schon vorgenommen, einfach Mal zu gucken, wie es läuft mit den Kindern, da vor allem Dinge, die online stattfinden, immer schwierig sind. Vermutlich, da die Kinder einfach nicht so ganz verstehen, was gerade genau passiert. Außerdem muss gefühlt immer mindestens ein Kind zur Toilette oder hat Hunger oder ist müde oder hat sich weh getan oder ...

 

Meine Erwartungshaltung war also: Höchstwahrscheinlich wird es sehr chaotisch, aber wir gucken Mal, was ich vielleicht trotzdem mitnehmen kann und wenn alle Stricke reißen, "beuge" ich mich den Kindern und wir machen etwas anderes. Und was soll ich sagen? Ich glaub, das war das Beste, was ich hätte machen können! War es chaotisch? Ja, sehr! Musste ich dauernd aufstehen, wegen oben genannter Dinge? Absolut. Habe ich dadurch bei weitem nicht alles mitbekommen? Definitiv. Hat es mich gestört? In keinster Weise.

 

Da mein Mindset schon darauf vorbereitet war, das Chaos willkommen zu heißen, hat es mich überhaupt nicht gestört und vor allem auch nicht gestresst, dass dauernd irgendwas war. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass es perfekt wird und genau das war gut. In dem Moment war mir das gar nicht so bewusst, aber nach der Versammlung musste ich an einen Halbsatz denken, den ich irgendwann Mal aufgeschnappt hatte: "Embrace the chaos" (übersetzt: umarme, akzeptiere, nehme das Chaos an). Genau das hatte ich unbewusst getan und es hat so sehr geholfen. Ich war nicht gestresst (ich war sogar glücklich) und konnte vernünftig mit den Kindern umgehen, weswegen auch die Kinder deutlich entspannter waren als in Situationen, in denen ich gestresst war und das auf sie übertragen habe. Hinzu kam, dass es mich nicht gestört hat, wenn irgendwas war, weil ich ja schon davon ausgegangen bin.

 

Mir sind dann auch noch einige andere Situationen eingefallen, in denen es genauso war. Beispielsweise als ich mit beiden Kindern allein unterwegs war, Mal in die Stadt musste oder ähnliches. Auch dann habe ich oft eine vergleichbare Einstellung (wenn ich nicht gerade gestresst bin, weil wir unter Zeitdruck stehen oder so … ), die alles entspannter macht. Alles ist unvorhersehbar und ungewiss. Wir wissen nicht, wie der Tag laufen wird. Das zu akzeptieren und nicht dagegen anzukämpfen, ist so viel leichter als sich zur Perfektion zu zwingen, was nur zu viel mehr Stress führt. Das Chaos und die Ungewissheit lassen sich nicht kontrollieren. Unsere Gedanken und unsere Einstellung dazu schon. Das beinhaltet nicht nur, Dinge zu nehmen, wie sie sind, sondern auch Dinge loszulassen, von denen wir noch nicht wissen, wie sie sein werden und sich nicht den Kopf über sie zu zerbrechen. 

 


Letzte Woche, als ich angefangen habe, diesen Beitrag zu schreiben, habe ich mit meinem Mann 1. Korinther 13 gelesen. 

"Die Liebe hat den langen Atem, gütig ist die Liebe, sie eifert nicht. Die Liebe prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf, sie ist nicht taktlos, sie sucht nicht das ihre, sie lässt sich nicht zum Zorn reizen, sie rechnet das Böse nicht an, sie freut sich nicht über das Unrecht, sie freut sich mit an der Wahrheit. Sie trägt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles." (1. Korinther 13,4-7)

Und eigentlich ist es genau das: Voller Liebe zu sein und sich deswegen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Das fühlt sich einfach richtig an, vor allem den Kindern gegenüber. Und Gott geht mit uns nicht anders um. Auch wenn wir das gefühlt hundertste Mal sagen, wir müssen zur Toilette, obwohl wir nicht müssen und nur das Gefühl haben wollen, Gott für uns allein zu haben, so geht er doch jedes Mal Hand in Hand geduldig mit uns. Zieht uns danach noch die Hose hoch, steckt das Unterhemd wieder fein säuberlich in die Hose, nimmt uns in den Arm und sagt uns, wie lieb er uns hat. Das erfüllt uns dann mit Liebe und Dankbarkeit, die uns quietschvergnügt durch den Tag spazieren lassen. Und Gott kann uns nur liebevoll und glücklich hinterherschauen.

 

Nicht nur, dass ich besser durch den Tag gehen kann, wenn ich Dinge entspannt angehe und nicht schon von vornherein gestresst bin, weil ich denke, alles müsste „perfekt“ werden (ob es in solchen Situationen ein „perfekt“ gibt, sei jetzt mal dahingestellt). Auch die Menschen um mich herum (in den meisten Fällen wohl unsere Kinder) profitieren davon und übernehmen diese Fröhlichkeit und Ruhe in den meisten Fällen.

 

"Ein frohes Herz ist die beste Medizin, aber ein niedergeschlagener Geist lässt die Glieder verdorren." (Sprüche 17,22)

 

Eure Lisa ♥

1 Kommentar

1 comentario


tachert
17 feb

Danke für dieses Gleichnis.

Der Gedanke, dass Gott mich auf die Toilette begleitet hat mich bewegt.

Sehr.

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