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  • Schade

    – der Urlaub ist schon zu Ende. Zwei Wochen „Sommerurlaub“. Wegfahren, andere Menschen, anderes Bett, anderer Tagesablauf. Einfach mal was anderes machen. Vor zwei Wochen haben wir voller Vorfreude die Taschen und das Auto gepackt. Haben uns im Vorfeld schon ausgemalt, was wir alles so anstellen könnten, so direkt an einem See der Mecklenburgischen Kleinseenplatte. Geht euch das auch so? Die ersten Tage laufe ich euphorisiert durch die Gegend, sauge alles auf, was es so um mich herum „Neues“ gibt. Dieses Jahr war der direkte Seezugang ein Highlight. Morgens schwimmen, Buch lesen, Kajak fahren, abends schauen, ob es einen sehenswerten Sonnenuntergang über dem See gibt. Den Gänsen und Enten beim Äsen zuschauen und Touren planen. Dann die nüchterne Phase. Ziemlich schnell war uns klar: alles auf unserer Wunschliste können wir gar nicht erleben. Mitten auf dem großen Wiesengrundstück, dass sich bis ans Wasser erstreckt und zum See hin nur durch eine Reihe großer alter Erlen und Akazien begrenzt ist, steht ein ziemlich hoher Fahnenmast – mit Fahne natürlich. Und diese und die Wetter-App auf meinem Handy bestimmten nun die Tagesaktivitäten. Kajak fahren bis 15 km/h ging gerade noch so. In der App wird das als „mäßige Brise“ beschrieben. Für Paddler, die wie wir relativ ungeübt und mit wenig Ausdauer raus aufs Gewässer wollen, nahezu unmöglich, in der aufgewühlten See voranzukommen. Alles was darüber war (leichte Brise J), war so kräfteraubend und geradezu gefährlich, dass wir uns die Orte, die wir zu Wasser besuchen wollten, erst mal von der Landseite aus anschauten. Das nenne ich hier mal die „offene“ Phase. Sehr abenteuerlich, über kleine Waldwege, an verwunschenen Buchten vorbei – oder, wenn es ging, auch mal rein in den See – und eingenebelt in Anti-Mückenspray streunten wir durch Feld, Wald und Wiese. Den Blick nach allen Seiten offen, begegneten wir Tieren, die uns ganz nahe kamen. An eine Schlange im Wasser und an den stattlichen Hirsch, der vor uns den Weg kreuzte, erinnere ich mich besonders. Und an die Ruhe, die abends regelmäßig einkehrte. Da lag der Wasser wie im Gute-Nacht-Lied: „Still und starr ruht der See...“ , wie eine Bleiplatte dahingegossen. Ein schmaler Streifen der letzten Sonnenstrahlen orange-rosa gefärbt, Kraniche meldeten sich mit ihren Abendrufen, Familie Haubentaucher schwamm noch ihre letzte Runde, vorwitzige Fische schnappten sich die fetten Mücken über der Wasseroberfläche weg, bevor die Schwalben diese erwischten, und der Fischreiher suchte sich seinen Schlafplatz. Alles in himmlischer Ruhe. Weil es tagsüber so stürmisch war, haben wir an einem Morgen ganz früh den Wecker gestellt und sind um kurz vor fünf zum Sonnenaufgang raus aufs Wasser gefahren. Ein absolut magischer Moment. Wenn die Sonne durchbricht, dann denke ich daran, dass ich ein Miniteilchen von diesem Riesenuniversum bin und dem Schöpfergott sehr dankbar bin, dass ich dies alles erleben darf. Zweimal gab es ein richtig heftiges Gewitter. Die großen Bäume bogen sich im Wind, der prasselnde Regen überschwemmte alles. Wie klein und staunend stehe ich in dieser Welt und kann mich immer nur wieder freuen, dass ich ein Teil von ihr bin. Sag mir: Wer ist jemals zum Himmel hinauf- und wieder hinabgestiegen? Wer hat den Wind mit seinen Händen gezähmt oder die Wassermassen gebändigt? Wer setzte die Grenzen der Erde fest? Weißt du, wer das alles vollbracht hat? Dann nenn mir seinen Namen und den seines Sohnes! (Sprüche30,4) Das Dorf, in dem wir unsere Unterkunft hatten, ist typisch für diese Gegend. Kein Laden, zwei Gastwirtschaften (naja, eigentlich drei – eine ist geschlossen, wegen Übernahme und Renovierung), ein Töpfer und eine kleine Cider-Manufaktur. Eine kleine Dorfkirche, vor der immer das Schild „offene Kirche“ steht, die aber fast nie offen ist und manchmal bimmeln dort sonntags auch die Glocken. Der Töpfer ist ein redseliger Zeitgenosse, der, wenn keiner in der Cider-Manufaktur ist, auch mal diesen Geschäftszweig übernimmt. Seine Töpferware ist besonders. Gerne erklärt er ausholend und mit Zitaten gespickt die Motive auf seinen Tassen und Schüsseln, die aus der griechischen Mythologie stammen. Prometheus und Co hatten kein einfaches Leben. Zugegeben, ich kenne mich so gar nicht mit diesen alten Griechen aus, doch so wie er es erzählt und immer wieder lebensnahe Fragen einstreut, das macht seine Geschichten richtig lebendig. Da geht es um Schuld und Bestrafung, Stärke und Schwäche. Und eigentlich immer um das Erlöst werden. Als wir uns dann als Christen outeten, hatte er auch dazu ein passendes Motiv: „Ja, die Urchristen hätten es ihm angetan, besonders das Fischzeichen, auch ICHTYS genannt.“ Seine Fische sehen sehr lebendig aus und schwimmen über die Glasur. Ein interessantes Gespräch, bei dem die immer wiederkehrenden Fragen "Wie kann ein Mensch Erlösung erlangen?" und "Wie sehe und bearbeite ich die Widrigkeiten auf dem Weg dahin?" beantwortet werden wollen. Warum ich das alles aufschreibe, fragt ihr euch jetzt? Zum einen, weil ich wieder mal erlebt habe, dass ich mir ganz viel vornehmen kann, planen kann, mich darauf freuen kann, und dann zwei Möglichkeiten habe mit den widrigen Umständen umzugehen, die dazu führen, dass nicht immer alles glatt läuft. Ich hätte mich gefrustet vom schlechten Wetter und meckernd in die Ferienwohnung verkriechen können, verschlossen und nicht aufnahmebereit für all das Schöne da draußen. Oder, wie oben beschrieben, offen für Neues und Anderes sein und so Erfahrungen zu machen und Dinge zu entdecken, von denen ich bei der Planung keinen Schimmer hatte. Ich denke, so ist es auch in anderen Dingen. Zum Beispiel erinnere ich mich an die aktive, euphorische Zeit meines Glaubenslebens, als ich jung und voller Energie Jugendfreizeiten mit anderen zusammen plante und durchführte, oder durch meinen Einsatz versuchte, ein lebendiges Glaubensleben in unserer kleinen Gemeinschaft zu fördern. Darauf folgten Zeiten, in denen der Psalm 23 seine wahre, persönliche Bedeutung erhält. Auch wenn es durch dunkle Täler geht, fürchte ich kein Unglück, denn du, HERR, bist bei mir. Dein Hirtenstab gibt mir Schutz und Trost. (Psalm 23,4) Es läuft eben nicht alles gerade und was so im Leben passiert ist nicht immer hell. Dann hilft es, so wie Daniel letzte Woche beschrieb, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern die „Binde der Blindheit“ von den Augen zu nehmen, um zu sehen. Zum Schluss noch ein kleiner Ausflug in die Bedeutung von „Ichthys“. Hier ein Auszug aus der Erklärung von „Wikipedia“: Geschichte und Hintergrund Eine mündlich tradierte und später in Schriftform festgehaltene Version erzählt, dass der Fisch als christliches Erkennungszeichen verwendet wurde. Das griechische Wort für Fisch ἰχθύς ichthýs, hier als Apronym, enthält ein kurzgefasstes Glaubensbekenntnis (Ἰησοῦς Χριστός Θεοῦ Υἱός Σωτήρ): ΙΗΣΟΥΣ – Iēsoûs „Jesus“ ΧΡΙΣΤΟΣ – Christós„der Gesalbte“ ΘΕΟΥ – Theoû „Gottes“ ΥΙΟΣ – Hyiós „Sohn“ ΣΩΤΗΡ – Sōtér „Retter“/„Erlöser“ Das (I·Ch·Th·Y·S-)Symbol besteht aus zwei gekrümmten Linien, die einen Fisch darstellen. Historisch nicht belegt ist die Auffassung, dass es schon von den ersten Urchristen als Erkennungs- und Geheimzeichen benutzt wurde: Eine Person zeichnete einen Bogen in den Sand, die andere vollendete das Symbol mit dem Gegenbogen und zeigte sich damit als Bruder oder Schwester in Christus. Tertullian (ca. 200 n. Chr.) spricht in seiner Schrift über die Taufe (De baptismo 1,3) von Christus als dem Ichthys, den Christen aber als „Fischlein“, die aus dem Ichthys geboren seien. Der Fisch kann archetypisch und tiefenpsychologisch als Symbol für die (unter Wasser) verborgene Wahrheit gedeutet werden, die es zu fangen, also ans Licht zu holen gilt. Sie schillert zunächst im Verborgenen, entgleitet dem Fischer leicht, verspricht aber Nahrung. In der Geschichte vom Fischzug des Petrus erweist sich Jesus damit auch als Wegweiser zur Wahrheit. Das Symbol bezieht sich auf den Satz aus dem Lukasevangelium (…) Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Fisch_(Christentum) Jesus stieg in das Boot, das Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück vom Ufer abzustoßen. Dann setzte Jesus sich und lehrte vom Boot aus die Menschen. Anschließend sagte er zu Simon: »Fahrt jetzt weiter hinaus auf den See und werft eure Netze aus!« »Herr«, erwiderte Simon, »wir haben die ganze Nacht hart gearbeitet und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich es tun.« Sie warfen ihre Netze aus und fingen so viele Fische, dass die Netze zu reißen begannen. Deshalb winkten sie den Fischern im anderen Boot, ihnen zu helfen. Sie kamen, und bald waren beide Boote bis zum Rand beladen, so dass sie beinahe sanken. Als Simon Petrus das sah, warf er sich vor Jesus nieder und rief: »Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!« Er und alle anderen Fischer waren erschrocken und erstaunt über diesen Fang, auch Jakobus und Johannes, die Söhne von Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Aber Jesus sagte zu Simon: »Fürchte dich nicht! Du wirst von nun an keine Fische mehr fangen, sondern Menschen für mich gewinnen.« Sie brachten die Boote an Land, ließen alles zurück und gingen mit Jesus. (Lukas 5,3-11) Wer fühlt sich, wie ein kleines Fischlein? <>< Eure Ulrike Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel.

  • Blind sehen

    Was tun, wenn Gott einem fern scheint? Diese Frage wurde so oder ähnlich in letzter Zeit schon öfter hier auf dem Blog aufgeworfen. Heute möchte ich ein paar praktische Gedanken dazu mit euch teilen, auf die ich neulich gestoßen bin. Auch ich war vor kurzem (mal wieder) in einer Phase, in der Gott mir seltsam fern schien. Ich kann das Gefühl vielleicht so beschreiben: Es fühlte sich an, als wäre Gott mein Nachbar in der Wohnung über mir. Als wenn ich wüsste, dass er dort wohnt, ich aber nur sehr selten etwas von ihm mitbekomme. Als ob uns 30 cm Stahlbeton trennten. Ab und zu hört man mal gedämpfte Schritte oder riecht durchs Fenster, dass jemand kocht, aber weder beim einen noch beim anderen kann man mit Sicherheit sagen, dass es vom Nachbarn oben drüber und nicht vielleicht aus der Wohnung unter oder neben einem kommt. Es fühlte sich an, als lebten Gott und ich jeder sein eigenes Leben mit sehr wenigen Berührungspunkten. Jetzt wird der ein oder andere in dem Bild bleibend sagen: Warum gehst du nicht einfach mal hoch und klingelst? Hatte Jesus nicht sogar gesagt: klingelt und es wird euch geöffnet werden? Naja, so ähnlich zumindest. Und tatsächlich habe ich das auch gemacht … so ähnlich zumindest. Ich bin überzeugt, dass es verschiedenste Möglichkeiten gibt bei Gott anzuklopfen. Ich habe mich in der Situation, von der ich berichten möchte, für die wortwörtlich naheliegendste entschieden und meine Bibel aufgeschlagen, die auf meinem Nachttisch lag. Ich habe nicht bewusst eine bestimmte Stelle aufgeschlagen, sondern mehr in einem Anflug von Ratlosigkeit darauf gehofft, dass mir beim willkürlichen Aufschlagen eine Stelle in die Hände fallen wird, die mir weiterhelfen würde. Gelandet bin ich in Lukas 18. Dort las ich davon, wie Jesus einen Blinden heilte. Im ersten Moment wusste ich nicht recht, wie mich das nun auf meinem Weg zu mehr Nähe zu Gott weiterbringen sollte. Aber je länger ich darüber nachdachte, desto mehr stellte ich fest: Eigentlich geht es doch da um mich! Ich war ja auch auf eine Art blind: Ich sah Gott nicht oder zumindest nicht deutlich in meinem Leben. Wenn überhaupt hörte ich ab und zu ein paar entfernte Geräusche, die vermutlich von ihm kamen. Also beschloss ich, die Stelle noch einmal zu lesen und mich zu fragen, ob ich etwas von dem blinden Mann und seiner Begegnung mit Jesus lernen konnte. Wenn ihr Lust habt, seid ihr eingeladen die paar Verse noch einmal mit mir zusammen zu lesen und meine Gedanken dazu zu erfahren: „Es geschah aber, als er sich Jericho näherte, saß ein Blinder bettelnd am Weg. Und als er eine Volksmenge vorbeiziehen hörte, erkundigte er sich, was das sei.“ (Lukas 18, 35+36) Hier sind bereits die ersten praktischen Hinweis, was wir tun können, um Gott wieder näher zu kommen: aufmerksam sein und aktiv nach ihm fragen. Der blinde Mann konnte Jesus aufgrund seiner Einschränkung nicht sehen, obwohl er gar nicht weit entfernt von ihm vorüberging. Heute, da Jesus bei Gott ist, kann ich keinen von beiden mehr physisch sehen … aber genau wie der blinde Mann kann ich mit allen anderen Sinnen (und sogar auf andere Weise mit den Augen) Hinweise auf sie sehen und aufmerksam werden! Und genau wie der blinde Mann, kann ich dabei auch die Hilfe anderer in Anspruch nehmen, sprich: Wenn mein Glaube schwach ist und ich Gott nicht oder nur sehr verschwommen wahrnehme, dann kann es mir helfen, mit anderen zu sprechen, die ihn vielleicht gerade mehr „im Blick haben“. „Sie verkündeten ihm aber, dass Jesus, der Nazoräer, vorübergehe. Und er rief und sprach: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner! Und die Vorangehenden bedrohten ihn, dass er schweigen sollte; er aber schrie umso mehr: Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ (Lukas 18, 37-39) Hier sehe ich gleich zwei weitere Aspekte, die ich vom blinden Mann lernen kann. Der erste ist, dass er aktiv geworden ist. Sobald er erfahren hatte, dass es Jesus war, der dort vorüberging, lehnte er sich nicht wieder zurück und hielt einen kleinen Mittagsschlaf oder führte seinen Schnack über die aktuellen Wucherpreise für Korn fort, sondern er versuchte, direkt Kontakt aufzunehmen. In meinem Fall bedeutet das wohl: ich sollte mehr beten. Da mir das in letzter Zeit in meinem kleinen Glaubenstief nicht so leicht gefallen ist, habe ich eine Funktion in meiner Bibel-App aktiviert, die jeden Tag ein kurzes geführtes Gebet für mich bereithält. Dort werden zum einen Bibelverse gezeigt, die einen zu einem bestimmten Gedanken leiten, der als Aufhänger für ein eigenes Gebet genutzt werden kann. Zum anderen wird aber auch jeden Tag ein kurzer Text angezeigt, der einfach leise oder laut als Gebet gelesen werden kann. Was in diesen Gebeten immer dominiert ist, Gott Lob und Ehre entgegenzubringen. Interessanterweise ist das auch der zweite Punkt, der mir in Vers 37 und 38 aufgefallen ist. Indem der blinde Mann Jesus als „Sohn Davids“ bezeichnet, ehrt er ihn als den Messias und König, der seit den Zeiten des Alten Testaments versprochen worden war. Gleichzeitig verleiht er seinem Glauben Ausdruck – er glaubt, dass Jesus dieser versprochene Nachfahre Davids ist, der zum Richter, Retter und letztlich König der ganzen Welt werden soll. Was bedeutet das für mich? Ich denke, in Zeiten von mangelnder empfundener Nähe zu Gott und Jesus tut es gut, sich immer wieder vor Augen zu führen, wer sie sind und was sie getan haben, noch tun und in Zukunft tun wollen. Selbst wenn ich es manchmal nicht fühle, glaube ich es trotzdem und dann kann ein sehr simpler Trick sein, einfach immer wieder auszusprechen, was ich glaube – im besten Fall direkt im Gebet also im Gespräch mit Gott und Jesus, damit die Leitung schon mal steht 😉 Und selbst wenn mich äußere Umstände (in der Bibelstelle „die Menge“) davon abhalten wollen, sollte ich mich nicht abbringen lassen, den Kontakt zu Gott und Jesus zu suchen und mir vor Augen zu halten, mit wem ich es zu tun habe, indem ich ihnen Lob und Ehre entgegenbringe. „Jesus aber blieb stehen und befahl, ihn zu ihm zu bringen. Als er sich aber näherte, fragte er ihn: Was willst du, dass ich dir tun soll? Er aber sprach: Herr, dass ich sehend werde!“ (Lukas 18,40+41) Die Kontaktaufnahme zu Jesus ist dem Blinden geglückt! Die Leitung steht sozusagen. Jetzt ist es keine einseitige Angelegenheit mehr. Es war notwendig, dass der Blinde die Initiative ergriff und Kontakt zu Jesus aufnahm. Aber dieser erste Schritt wird nun umgehend von Jesus belohnt, indem er den Blinden fragt, was er für ihn tun könne. Die Antwort: „Herr, dass ich sehend werde!“. Ist das nicht auch meine Antwort und mein Anliegen an Gott? Natürlich bin ich nicht wortwörtlich blind, aber wie schon oben beschrieben, gibt es trotzdem vieles, was ich manchmal nicht klar sehe: Dass Gott in meinem Leben wirkt, dass er immer da ist, dass er einen Plan mit uns hat oder was ER und Jesus bereits für mich getan haben. Und so ist auch meine Bitte: „Herr, dass ich sehend werde!“. Und was wird wohl Gottes und Jesu Antwort sein? „Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dich geheilt. Und sofort wurde er sehend, folgte ihm nach und verherrlichte Gott. Und das ganze Volk, das es sah, gab Gott Lob.“ (Lukas 18,42+43) Das ist die Hoffnung, die ich haben darf: Wenn ich mich an Gott und/oder Jesus wende, dann werden sie mir helfen. Aber dafür bedarf es einer Sache: Glauben. Der Glaube hat den Blinden geheilt. Was sagt mir das? Es sagt mir, dass ich manchmal zu krampfhaft versuche zu sehen. Ich versuche manchmal zu sehr, handfeste Beweise für Gottes Existenz zu finden, anstatt einen Schritt zurück zu machen und einfach zu glauben. Manchmal verliere ich mich in zu vielen Fragen. Versteht mich nicht falsch: Kritische Fragen sind meiner Meinung nach essenziell wichtig für das Glaubensleben! Wir sind nicht dazu aufgerufen, blind zu glauben und zu folgen. Aber wir werden auf der anderen Seite Gott auch nicht abschließend wissenschaftlich beweisen können – weder für andere, noch für uns selbst. Auch wenn ich mir manchmal wünschte, es wäre so … Ich vermute, Gott hat das so eingerichtet, damit es am Ende um eine persönliche Beziehung geht. Das ist, was er sich wünscht. Und die Basis dieser Beziehung ist unter anderem Vertrauen und Glaube. Mir fallen gleich auf Anhieb mehrere Stellen ein, die die Wichtigkeit des Glaubens unterstreichen: „Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig ⟨sind⟩, die nicht gesehen und ⟨doch⟩ geglaubt haben!“ (Johannes 20,29) „Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.“ (1. Korinther 2,14) "Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube. Wer aber ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?" (1. Johannes 5,4+5) Und dann natürlich die Stelle, die überhaupt definiert, was christlicher Glaube ist: „Der Glaube aber ist eine Wirklichkeit dessen, was man hofft, ein Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht.“ (Hebräer 11,1) Ein Überzeugtsein von Dingen die man nicht sieht … da ist sie wieder, die Blindheit. So ist es also manchmal sogar eine Segnung, blind zu sein, weil es dazu führt, dass der Glaube wachsen muss. Und wenn das nicht von selbst passiert, dann gibt mir die Begebenheit mit dem Blinden Mann ja einige gute, praktische Tipps mit an die Hand: Es ist wichtig, aufmerksam zu sein für Gottes und Jesu Gegenwart. Es ist wichtig, aktiv die Verbindung zu den beiden zu suchen. Es hilft, Gott und Jesus zu loben, um sich selbst wieder einmal klar zu werden, wer sie sind und was sie getan haben, tun und tun werden. Und der letzte Punkt: Auch wenn es erst mal komplett unintuitiv scheint, ist es essenziell zu glauben. Das muss der Startpunkt von allem sein und ist gleichzeitig das Ende. Erst durch Glauben entsteht die Verbindung zu Gott, die mir im Weiteren helfen kann, mich getragen und begleitet zu wissen und im Glauben zu wachsen. Genauso ist es auch dem Blinden ergangen: Er musste erst (geistig) sehen, um schließlich (tatsächlich) sehen zu können. Verrückt oder? Hätte er nicht Jesus als den gesehen, der er ist, hätte er nie wirklich gesehen. Er konnte also in gewisser Weise bereits als Blinder sehen (= glauben) und dort hat Jesus angesetzt, um ihm auch für alles andere die Augen zu öffnen. Er hat erst gewusst, dass Jesus da ist, bevor Jesus ihm geholfen hat, ihn wirklich zu sehen – und damit den Beweis zu haben. Ich habe in der letzten Woche versucht, blind zu sehen und was soll ich sagen: die Verbindung „nach oben“, die zwischenzeitlich sehr instabil war, steht wieder. Es gibt immer noch wieder kleine Aussetzer, aber es geht mir schon wieder viel besser und ich bin wieder dabei, im Glauben zu wachsen. Trotzdem werde ich bis zu dem Tag, an dem ich Jesus persönlich gegenüberstehe, weiter bitten: „Herr, dass ich sehend werde!“. Und ich bin gespannt, für was er mir noch alles die Augen öffnen wird! Gottes Segen und bis zum nächsten Mal! Euer Daniel Foto von David Underland auf Unsplash

  • Wieder mehr auf Gottes Stimme hören

    Es ist mal wieder so weit. Ein neuer Blogbeitrag muss her – und ich sitze hier und hab keine Idee. Also schreibe ich erstmal drauflos. Alles, was mir gerade so in den Sinn kommt. Mal sehen, wohin das führt. Erster Gedanke: Ich will die Leser nicht schon wieder mit einer Episode darüber langweilen, wie es mir in der Vorbereitung auf den Ruhestand so geht. Obwohl – dieses Thema wird natürlich immer präsenter in meinem Kopf, je näher der Termin rückt. Jetzt sind es noch drei Monate. Schon seit ca. 3 Wochen denke ich darüber nach, wie es wohl demnächst ohne die bürogebundenen Softwaremodule wie Outlook, Teams, Onedrive, etc. im Alltag weitergeht. Macht es Sinn, weiterhin seine Termine und Aufgaben zu planen? Wieviel Planung wird wohl noch notwendig sein? Muss ich noch Ziele definieren, Aufgaben priorisieren, das „Wesentliche“ im Blick behalten? Oder macht das alles keinen Sinn mehr, weil da gar keine Anforderungen von außen mehr kommen? Bei all dem merke ich, wie ich mich langsam wieder in eine Situation hineindenke, die mich doch erst vor zwei Jahren in eine Depression geführt hat. Der Drang, möglichst alles irgendwie vorzudenken und zu planen. Das, was kommt, auf jeden Fall im Griff zu haben und möglichst schon jetzt im Kopf das Leben zu trainieren, das doch erst in 3 Monaten beginnt. Und – selbstverständlich schon die passenden und nötigen Werkzeuge, egal ob elektronisch oder analog, parat zu haben. Auch Heike, meine Frau (falls den Blog mal jemand liest, der mich nicht kennt), ist glaube ich längst davon genervt, dass ich stundenlang mein Notebook auf dem Schoß habe und nach Zeitplan-Apps, Zeitplanbüchern, Ratgebern … und wer weiß was noch das Internet durchpflüge. Da gibt es ohne Frage viel Spannendes zu entdecken, allerdings bislang ohne ein Ergebnis, das mir zusagt. Je tiefer ich mich in die Materie reinschraube, umso mehr merke ich, dass ich jetzt keine Antwort finden werde, weil ich einfach nicht weiß, wie mein Leben in vier Monaten aussehen wird. Und während ich diese Gedanken zu Papier bringe (ja, tatsächlich erstmal zu Papier), schaue ich vor mir an der Wand auf ein Bild, das ich in einer ganz ähnlichen Denkschleife während der Therapie vor zwei Jahren gemalt habe. Die Idee dazu kommt aus Jesu Worten in Matthäus 6, 16-34: „Sehet die Vögel des Himmels an! Sie säen nicht und ernten nicht, sie sammeln auch nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer aber von euch kann durch sein Sorgen zu seiner Länge eine einzige Elle hinzusetzen? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen. Sie arbeiten nicht und spinnen nicht; ich sage euch aber, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie deren eine. Wenn nun Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, also kleidet, wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, oder was werden wir trinken, oder womit werden wir uns kleiden? Denn nach allen diesen Dingen trachten die Heiden; aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles bedürft. Trachtet aber zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles hinzugelegt werden. Darum sollt ihr euch nicht sorgen um den andern Morgen; denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.“ Die Vögel, von denen Jesus hier spricht, sind übrigens bei Lukas Raben. Die waren mir aber zu schwarz (künstlerische Freiheit) ! „Der morgige Tag wird für das Seine sorgen!“ Fast wäre ich erneut der unsinnigen Versuchung erlegen, mich um Dinge zu sorgen, die ich auch in aller Ruhe noch dann entscheiden kann, wenn das neue Leben - so Gott will - erst begonnen hat. Eigentlich ist es doch auch viel spannender, unserem himmlischen Vater und seiner Weisheit zu vertrauen. Er wird schon wissen, was für mich gut ist! Jetzt werde ich wohl erstmal die bereits installierten Apps, die mich schon jetzt mit ihren ständigen Erinnerungen an fällige Aufgaben nerven, wieder löschen. Und die schon gekauften Ratgeber (ja, liebe Familie: selbstverständlich habe ich wie immer erstmal ein Buch gekauft) zur Seite legen und das tun, was ich bei dieser ganzen Beschäftigung mit all diesen Dingen völlig aus dem Fokus verloren habe: Wieder mehr auf Gottes Stimme hören! Mich hinsetzen, zur Ruhe kommen, meine Bibel aufschlagen und beim Lesen aufmerksam zuhören. Denn meist spricht Gott nicht laut, sondern eher, wie bei Elia, in einem sanften Säuseln (1. Könige 19, 12): „Und siehe, der HERR ging vorüber; und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht im Winde. Nach dem Winde aber kam ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HERR war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam die Stimme eines sanften Säuselns.“ Hallelujah (Gelobt sei Jahweh, unser Gott)! Bis bald, Euer Peter!

  • Take Heart

    Die letzte Woche war ziemlich voll bei uns, die Kinder waren etwas krank und trotzdem war ich tatsächlich erstaunlich produktiv und habe viele Ecken aufgeräumt, die in letzter Zeit etwas vernachlässigt wurden. Das lag aber nicht zuletzt daran, dass ich dabei Musik gehört habe und mir das eine gehörige Portion Motivation verschafft hat. Vermutlich hat es auch sehr geholfen, dass ich Lobpreis Musik gehört habe und mich Gott deswegen recht nah gefühlt habe. Beim Hören bin ich über ein Lied gestolpert, dass ich eigentlich schon kannte, aber irgendwie wieder ganz vergessen hatte. Und damit kommen wir auch zum eigentlichen Thema dieses Beitrags: „Take Heart“ (Deutsch: Sich ein Herz oder Mut fassen) von Matthew West. Ein anderes Lied vom gleichen Künstler (Truth Be Told) war auch schon Mal Bestandteil eines Blogbeitrags von mir (https://www.leben-einfach-biblisch.de/post/kommt-her-zu-mir-alle-die-ihr-m%C3%BChselig-und-beladen-seid). Das liegt vermutlich daran, dass ich seine Lieder im Allgemeinen sehr gut finde, sowohl wegen seines Stils als auch wegen seiner Texte. Bevor es mit dem Beitrag weitergeht, könnt ihr zum Beispiel hier einmal in das Lied rein hören: https://open.spotify.com/track/2duWEAPTlkTofUkTSygdaf?si=IMIXs2b1TvC9SyoQIz-pSg Matthew West schrieb „Take Heart“ im Rahmen der Pandemie. Er selbst schrieb über sein Lied: „My family’s happy place is the beach. I wish we could be there now. But like the rest of the world, we are on lockdown. I was thinking the other day about one particular windy day at the beach when I decided to take a dip in the ocean despite the especially strong waves. The waves were relentless, and kept hitting me one after the other. No matter how firmly I planted my feet in the sandy ocean floor, the waves were too much and knocked me over. That’s how I’ve felt lately with the state of our world. Wave after of wave has hit me and threatened to take me under. Waves of doubt. Waves of fear. Waves of anxiety. Waves of financial pressure. Waves of questions. Waves of sleeplessness. But unlike that sand under my feet that gave way and let me fall, I know I have a firmer foundation to stand on in this life. “In this world you will have trouble. But take heart! I have overcome the world (John 16:33)” This song, “Take Heart” was written in the middle of one of those waves and it brought me a little peace. May it do the same for you.“ (Matthew West) * Und einmal auf Deutsch: „Der Lieblingsplatz meiner Familie ist der Strand. Ich wünschte, wir könnten jetzt dort sein. Aber wie der Rest der Welt sind auch wir eingeschlossen. Neulich dachte ich an einen besonders windigen Tag am Strand, als ich beschloss, trotz der sehr starken Wellen ein Bad im Meer zu nehmen. Die Wellen waren unerbittlich und schlugen eine nach der anderen gegen mich. Egal wie fest ich meine Füße in den sandigen Meeresboden stemmte, die Wellen waren zu stark und warfen mich um. So ging es mir in letzter Zeit mit dem Zustand unserer Welt. Eine Welle nach der anderen hat mich getroffen und drohte, mich zu überrollen. Wellen des Zweifels. Wellen der Angst. Wellen der Angstzustände. Wellen des finanziellen Drucks. Wellen von Fragen. Wellen der Schlaflosigkeit. Aber anders als der Sand unter meinen Füßen, der nachgab und mich fallen ließ, weiß ich, dass ich in diesem Leben auf einem festeren Fundament stehen kann. „In dieser Welt wirst du Schwierigkeiten haben. Aber seid getrost! Ich habe die Welt überwunden (Johannes 16:33)“ Dieses Lied „Take Heart“ wurde inmitten einer dieser Wellen geschrieben und hat mir ein wenig Frieden gebracht. Möge es das auch für euch tun.“ (Matthew West) Und genau das hat das Lied in mir ausgelöst. Ich hatte direkt das Gefühl, dass ich mich in Gottes Arme fallen lassen kann. Egal, was passiert, Gott ist größer und kümmert sich um mich. Ich muss mich nicht sorgen und mir unnötig Gedanken machen. So wie Matthew West es beschrieben hat „Let Me lift that heavy weight up off your chest” (Deutsch: Lass mich diese schwere Last von deiner Brust nehmen). Ähnlich wie auch Jesus gesagt hat: „Kommt zu mir, all ihr Geplagten und Beladenen: Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin sanft und demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11,28-30) Und genau wie Matthew West hoffe ich, dass euch dieses Lied genau das fühlen lässt, was auch ich sofort gefühlt habe: Frieden, Ruhe und die Gewissheit, dass Gott mein Fels ist. „Der HERR ist mein Fels, meine Festung und mein Retter, mein Gott, mein Hort, bei dem ich Zuflucht suche, mein Schild und das Horn meiner Hilfe, meine Burg.“ (Psalm 18,3) Eure Lisa ♥ * https://freeccm.com/2020/04/17/matthew-west-shares-new-song-take-heart-inspired-by-pandemic/ Foto von Miriam G auf Unsplash

  • Auf Hilfe angewiesen

    Wie ich in meinem letzten Beitrag schon kurz angesprochen hatte, bin ich vor Kurzem umgezogen. Seit drei Wochen lebe ich jetzt schon in meiner neuen Wohnung. Mittlerweile sind die meisten Umzugskartons ausgepackt, auch wenn es noch eine lange Liste mit Dingen gibt, die ich noch besorgen muss. Bis ich wirklich „fertig“ mit der neuen Wohnung bin, wird es also noch eine Weile dauern. Da mein letzter Umzug fast sechs Jahre her war, hatte ich in der Zwischenzeit ehrlich gesagt vergessen, wie viel Arbeit so ein Umzug ist und wie viel Unterstützung man braucht, um einen Umzug zu stemmen. Dass ich mittlerweile mehr Dinge besitze als das, womit ich vor sechs Jahren bei meinen Eltern ausgezogen bin, hat das Ganze leider nicht einfacher gemacht. Vom Packen der Umzugskartons über das Streichen der Wohnung, das Saubermachen in der alten und neuen Wohnung bis hin zum Transport von Möbeln und Co. von einer Stadt in eine andere (und einem Geschoss in das andere) – Umziehen ist eine Mammutaufgabe und ich kenne bisher niemanden, der all das im Alleingang geschafft hat. Bei mir war das nicht anders. Auch ich war darauf angewiesen, Hilfe zu haben, um meinen Umzug in die Tat umzusetzen. Nur muss ich an dieser Stelle zugeben, dass das etwas ist, womit ich mich nicht immer wohlfühle. Natürlich bin ich allen, die mir bei meinem Umzug geholfen haben, sehr dankbar für ihre Unterstützung. Alleine hätte ich es nicht schaffen können. Doch genau dieses Wissen bereitet mir manchmal Bauchschmerzen. Neben der Dankbarkeit schleicht sich oft auch ein schlechtes Gewissen ein, die anderen vielleicht zum Teil zu sehr in Anspruch genommen zu haben und irgendwo schwingt auch Scham mit, etwas eben nicht alleine schaffen zu können und auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Die gleiche innere Zerrissenheit begleitet mich nicht nur in meiner Beziehung zu anderen Menschen, sondern auch immer wieder in meiner Beziehung zu Gott. Von Gott abhängig zu sein und auf seine Gnade angewiesen zu sein ist ein ganz wesentlicher Teil unserer Beziehung mit ihm. Und von wem könnte man besser abhängig sein als von dem liebenden Vater, der sogar bereit war seinen Sohn zu opfern, um uns ein ewiges Leben – eine ewige Beziehung – mit ihm zu ermöglichen? Auch ich bin mir bewusst, wie sehr ich Gottes Unterstützung in meinem Leben brauche und dankbar dafür, dass ich sie immer wieder erhalte. Trotzdem erwische ich mich manchmal dabei, wie diese Einsicht einen bitteren Beigeschmack für mich hat. Daniel hat in seinem Beitrag Blumen von Jesus bereits über dieses Thema geschrieben und schildert in seinem Beitrag, wie gut sich Abhängigkeit von Jesus und Gott anfühlen kann und welchen Frieden er in dieser Beziehung gefunden hat, auch wenn sie mehr oder weniger gegen den Trend geht. Bei mir persönlich sehen die Dinge manchmal etwas anders aus. Vermutlich ist es in diesem Fall schlichtweg ein Zeichen dafür, dass mir Daniel in diesem Punkt einen Schritt voraus ist. 😉 Aber trotzdem hoffe ich, es kann für den ein oder anderen wertvoll sein, auch die Sicht von jemandem zu hören, für den dieses Thema hin und wieder eine Hürde darstellt. Mein Problem mit der Unabhängigkeit Die Gesellschaft in der wir leben, lehrt uns, dass Unabhängigkeit und Individualismus von hohem Wert sind. Auch für mich war es immer ein Ziel, unabhängig zu sein und die verschiedensten Dinge selber meistern zu können ohne auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Ich glaube, an sich ist das auch nicht zwingend falsch, aber es hält einige Gefahren bereit. Zum einen kann es uns dazu verführen, uns selbst unsere Erfolge zuzuschreiben, selbst wenn wir sie gar nicht aus eigener Kraft heraus erlangt haben. Wenn wir zu stolz darauf sind unabhängig und selbstständig zu sein, kann uns das schnell die Sicht darauf versperren, wie viel eigentlich durch Gottes Wirken in unserem Leben geschieht und nicht durch uns selbst. Vor genau diesem Verhalten wurde auch schon Israel gewarnt: „Nimm dich in Acht, dass du den HERRN, deinen Gott, nicht vergisst, indem du seine Gebote und seine Rechtsbestimmungen und seine Ordnungen, die ich dir heute gebe, nicht hältst! – dass nicht, wenn du isst und satt wirst und schöne Häuser baust und bewohnst und deine Rinder und deine Schafe sich vermehren und dein Silber und Gold sich mehren und alles, was du hast, sich mehrt, dass dann nicht dein Herz sich erhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergisst, der dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausführte; der dich wandern ließ in der großen und schrecklichen Wüste, wo feurige Schlangen und Skorpione sind, in dem dürren Land, wo kein Wasser ist; der dir Wasser aus dem Kieselfelsen hervorbrachte; der dich in der Wüste mit Man speiste, das deine Väter nicht kannten, um dich zu demütigen und um dich auf die Probe zu stellen, damit er dir am Ende wohltut und du dann nicht in deinem Herzen sagst: Meine Kraft und die Stärke meiner Hand hat mir dieses Vermögen verschafft! Sondern du sollst an den HERRN, deinen Gott, denken, dass er es ist, der dir Kraft gibt, Vermögen zu schaffen; – damit er seinen Bund aufrechterhält, den er deinen Vätern geschworen hat, so wie es heute ist.“ (5. Mose 8,11-18) Zum anderen kann es auch dazu führen, dass wir uns dafür schämen, wenn wir eben nicht dieses Ideal der Unabhängigkeit erreichen können. Gerade in einem christlichen Kontext kann das zu einer richtigen Zwickmühle werden und genau hier liegt auch das Problem, dem ich mich selbst oft gegenüber sehe. Eine wichtige Grundlage unseres christlichen Glaubens ist es, einzusehen, dass wir nicht aus eigener Kraft errettet werden können. Dass wir Fehler machen und nicht in der Lage sind tatsächlich so zu leben, wie Gott es eigentlich von uns möchte, weswegen wir angewiesen sind auf die Gnade Gottes. Das ist etwas, was auch ich verstanden habe und in meiner Taufe bezeugt habe. Doch da, wo eigentlich unendliche Dankbarkeit und Freude sein sollten, weil Gott mir meine Fehler vergibt und dazu bereit ist, mir unter die Arme zu greifen, wo ich aus eigener Kraft nicht weiterkomme, da schleicht sich auch immer wieder Scham ein. Scham dafür, diese Hilfe zu brauchen und nicht mehr aus eigener Kraft zu schaffen. Mein Problem mit der Abhängigkeit kommt also nicht zwingend aus falschem Stolz heraus, der mich dazu verleitet, unbedingt alles ohne Gott schaffen zu wollen. Es kommt eher aus der Zögerlichkeit heraus, anzunehmen, dass es tatsächlich in Ordnung ist, dass ich das nicht kann. Denn gerade das ist etwas, was nicht nur gegen den Trend, sondern auch gegen die Grundsätze unserer Leistungsgesellschaft geht. Dass es okay ist, nicht besser zu sein. Dass Selbstoptimierung Grenzen hat. Dass es keine Schwäche ist, auf Hilfe angewiesen zu sein. Oder dass gerade in dieser Schwäche deutlich wird, wie stark Gottes helfende Hand ist. Ich will damit nicht sagen, dass mein Glaube nicht auch durch Dankbarkeit und Freude geprägt ist. Aber für mich ist es immer noch ein Lernprozess mich mit meiner eigenen Unzulänglichkeit anzufreunden und wirklich zu glauben und darauf zu vertrauen, dass auch Gott dafür nicht auf mich herabblickt, sondern mich angenommen hat und gerne dazu bereit ist meine Unzulänglichkeiten aufzuwiegen. Hoffentlich komme auch ich mal an einen Punkt, an dem ich sagen kann: „[…] Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohnt.“ (2. Korinther 12, 9) Schließlich weiß Gott ganz genau wie wir sind und möchte uns genau so haben: „Denn seht, eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden macht; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden macht. Und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichtemache, dass sich vor Gott kein Fleisch rühmen kann. Aus ihm aber kommt es, dass ihr in Christus Jesus seid, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung.“ (1. Korinther 1,26-30) Somit ist unsere Abhängigkeit von Gott keinesfalls eine Abhängigkeit, die uns einengt. Sie erlöst uns. Sie befreit uns vom Leistungsdruck dieser Welt, von Schuld, von Scham und am Ende auch von einem Selbstbild, das Gottes liebevollem Blick auf uns nicht gerecht wird. Ich brauche manchmal eine Erinnerung daran und ich hoffe, für euch konnte mein Beitrag heute auch eine Erinnerung daran sein. Bis zum nächsten Mal! Eure Lea

  • Gehen

    Liebe Leser und Leserinnen, heute möchte ich wieder einmal eine Empfehlung aussprechen. Der Film Vor einigen Wochen habe ich eine Doku im NDR Fernsehen gesehen. Die hat mich sehr bewegt. Hier wird die Geschichte von Zwillingsbrüdern mit ihrem Youtube Kanal "REAL-LIVE-GUY" erzählt. Sie ermutigen die Menschen, ins Leben zu gehen, indem sie sie an ihren eigenen Abenteuern mit einer Badewanne teilhaben lassen. Einer der Brüder ist unheilbar an Krebs erkrankt. Es wird also auch darüber berichtet, wie sich diese Krankheit auf das Projekt auswirkt. Beeindruckend ist auch der Umgang der Geschwister und Freunde damit. Sie wollen ihren Freund nicht hergeben - am liebsten alles dafür tun, dass er nicht gehen muss. Hier findet ihr den Dokumentarfilm. REAL LIFE GUY - Der YouTuber, der Tod und die Hoffnung Das Leben Angesprochen hat mich natürlich auch, wie Philipp in seiner Not die Beziehung zu Gott erlebt und mit Gott durch die letzten Jahre seines Lebens geht. Er fühlt sich getragen, begleitet und behütet, trotz oder gerade wegen seiner Schmerzen. Wenn ihr mehr über das erfüllte und kurze Leben von Philipp Mickenbecker lesen möchtet, schlage ich diesen Link vor: Philipp Mickenbecker: Wie er lebte, glaubte, starb Der Abschied Seine Freunde und seine Eltern haben ihn natürlich auch bis zum Schluss begleitet. Philipps Wunsch war, dass sie offen damit umgehen und auch darüber berichten. Seinem Wunsch sind sie nachgekommen und haben dieses Abschiedsvideo gedreht, in dem viele das Wort ergreifen und ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Philipp Mickenbecker ✝ 09.06.2021 Wie wunderbar ist es, dass diese Menschen so erfüllt und so mutig sind ihr Erleben so offen mit anderen Menschen zu teilen. Vielen Dank – auch für dieses Zitat. Aber alle, die ihre Hoffnung auf den HERRN setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft. Jesaja 40,31 In diesem Sinne: Gehen wir ins Leben. Ingo Anmerkungen und Fragen könnt ihr gern als Kommentar eintragen. Oder gern auch direkt an mich: ingo@einfach-biblisch.de Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. Ingo Tauchert

  • 2023 – A Pfingst Odyssey

    Heute ist Pfingstmontag. Laut "Statista" zwar nicht der beliebteste Feiertag der Deutschen, aber erstaunlicherweise noch beliebter als der Tag der Arbeit und der Tag der deutschen Einheit (1). Dabei ist vermutlich den meisten eher bekannt, was an den zwei letztgenannten Tagen gefeiert wird – die Namen sagen es ja bereits. Das ist im Grunde auch im Fall von Pfingsten so, allerdings nicht ganz so offensichtlich. Wenn man den griechischen Originaltext anschaut, dann steht dort für Pfingsten (mit lateinischen Buchstaben ausgedrückt) „pentekoste“, was so viel bedeutet wie „der Fünfzigste“. Gemeint ist ursprünglich der fünfzigste Tag nach Darbringung der Erstlingsgaben, auch Fest der Wochen genannt, welches von Gott im mosaischen Gesetz vorgeschrieben wurde. Das Pfingsten, von dem wir heute meist sprechen, ist dann die Erfüllung der Prophetie, die sich in diesem alten Fest verbirgt, denn unser Pfingsten feiert ein besonderes Ereignis, das 50 Tage nach Jesu Auferstehung stattgefunden hat. Was war passiert? Nichts Geringeres als ein Wunder! In Apostelgeschichte Kapitel 2 lesen wir davon, dass Gott den Jüngern (und Jüngerinnen?) in Jerusalem genau am 50. Tag nach Jesu Auferstehung eine besondere Gabe verlieh: Sie konnten plötzlich so reden, dass alle Menschen in Jerusalem sie verstanden, jeder und jede in seiner oder ihrer eigenen Sprache! Das war so unglaublich für die Menschen, dass einige aus Erklärungsnot anfingen zu behaupten, diese Nachfolger Jesu wären betrunken. Hand aufs Herz – wer schon einmal zu tief ins Glas geschaut hat, wird mir wohl zustimmen, dass die Zahl der Menschen, die einen Betrunkenen verstehen, nicht größer, sondern vielmehr kleiner wird. Hier wäre das Wundern wohl eher, noch halbwegs Sinn aus dem Gesabbel ableiten zu können 😉 Ganz anders an Pfingsten in Jerusalem vor etwa 2000 Jahren. Dort konnte, wenn man den Aufzeichnungen glaubt, eine ganze Gruppe von Menschen von einem Moment auf den anderen fließend fremde Sprachen sprechen und so die frohe Botschaft von Gottes Plan ohne Sprachbarriere jedem mitteilen, der zuhören wollte. Szenenwechsel: Karlsruhe vor sechs Tagen Ich habe Durst. Ich kann kaum noch an etwas anderes denken. Die letzte Flüssigkeitszufuhr hat beim Frühstück im Hotel stattgefunden und sich auf ein Glas O-Saft beschränkt. Hätte ich mal nach dem Zähneputzen noch schnell meine Flasche am Wasserhahn aufgefüllt … Was sind meine Optionen? Ich könnte natürlich einmal quer durch die gesamte Messehalle 2 laufen, über den weitläufigen Gang vorbei an Halle 1 zum Haupteingang, dann die Treppe ins zweite Obergeschoss rauf, mein Kongressticket scannen lassen und mir am Wasserspender neben dem Tisch mit den Keksen einen kleinen Pappbecher ziehen, um so kostenlos (wenn man das bei einem 1000€ Kongressticket überhaupt sagen kann) meinen Durst zu stillen. Es ist eine Option … aber keine sehr verlockende. Ich schlendere nachdenklich an ein paar weiteren Messeständen vorbei, auf der Suche nach einem einfacheren Weg, an ein Glas Wasser zu kommen. Da schiebt sich plötzlich hinter ein paar Aufstellern ein Getränkestand in mein Sichtfeld. Na bitte! Auf den ersten Blick sehe ich zwar nur einen eifrigen Barista Kaffee ausschenken, aber, so denke ich mir, wo es Kaffee gibt, wird es wohl auch Wasser geben. Schnellen Schrittes schreite ich auf die Theke zu und sehe auch schon zwei große Wasserspender zum selbst zapfen, als mein Blick auf ein kleines Schild fällt: „Kaffee nur mit eigenem Becher. Becher gibt es bei den Start-Ups.“ Wie bitte? Ich sehe mich um und erkenne, dass ich tatsächlich in einer Ecke der Messe gelandet bin, in der die Stände nicht mit Hochglanzböden und großen flackernden Flatscreens locken, sondern lediglich aus ein paar Gerüststangen, einer Plane und im Ausnahmefall einem kleinen Aufsteller bestehen. Es ist eine Ecke speziell für kleine Start-Ups, die sich noch keinen großen Messestand leisten können. Weil die kleine „Zeltstadt“ damit natürlich auch nicht so viel Interesse weckt, wie die große Konkurrenz, haben die Messebetreiber sich einen pfiffigen Kniff überlegt: Nur, wer auf ein Start-Up zugeht und sich informiert, bekommt einen Becher, mit dem es dann kostenlose Getränke gibt. Schöne Idee! Da mein Durst noch nicht von selbst verschwunden ist, wende ich mich also an meine Kollegin und wir suchen uns einen halbwegs interessant wirkenden Stand aus, an dem wir uns erkundigen wollen – und natürlich einen Becher abgreifen. Unsere Wahl fällt auf ein Köllner Start-Up namens „Anymate Me“ (ich werde nicht bezahlt, das zu sagen 😉). Was dieses Start-Up anbietet, klingt stark nach Pfingsten vor 2000 Jahren. Szenenwechsel: Vor dem Bildschirm Ich muss das vielleicht kurz einordnen. Die Messe mit angeschlossenem Kongress, auf der ich letzte Woche war, heißt Learntec. Es ist eine Messe für alles rund ums digitale Lernen. Ich war aus beruflichen Gründen dort, da ich in meiner Firma für Kundentrainings rund um unsere komplexe Hard- und Software zuständig bin. Da ich Teil eines internationalen Konzerns bin, sind für mich nicht nur Trends und neue Lehr-/Lernformate interessant (VR, AR, KI, Metaverse, …), sondern auch die ganz praktische Frage: Wie bekommen wir all unsere Kunden rund um die Welt geschult … am besten, in ihrer Landessprache?! Mit diesem Hintergrund näherten ich und meine Kollegin uns also dem Stand von Anymate Me und fragten die zwei Gründer, was für ein Produkt sie anbieten. Auch wenn mich ehrlicherweise zunächst der Durst antrieb, war ich bald auch inhaltlich interessiert, denn bei dem Tool, dass dort präsentiert wurde, handelte es sich um eine Text-to-Video-Software, die über 60 Sprachen beherrscht. Was das bedeutet? Ziemlich einfach (wenngleich unfassbar komplex): Man tippt einen Text in beliebiger Sprache in das Tool, und heraus kommt ein Video, indem ein fotorealistischer Avatar den Text vorspricht wie ein Moderator vor einer Kamera. Es ist schon erstaunlich, was KI inzwischen alles leisten kann. Ich habe schon öfter mit Text-to-Speech Tools gearbeitet, die einen beliebigen Text in erstaunlich realistische gesprochene Audiodateien umwandeln können. Text-to-Video geht jetzt aber noch einen großen Schritt weiter und erstellt nicht nur ein Audio-File, sondern gleich noch ein Video eines Sprechers dazu, dessen Mundbewegungen bestmöglich an das Audio angepasst werden. Das funktioniert zwar nicht perfekt, aber trotzdem erstaunlich gut. Besonders hellhörig wurde ich, als mir die Gründerin von Anymate Me erzählte, dass das Ganze nicht nur mit vorgefertigten Charakteren funktioniert. Es ist ebenso möglich, ein etwa fünfminütiges Video von sich selbst aufzunehmen und daraus einen Avatar von sich erstellen zu lassen, der mit den üblichen persönlichen Gesten und Mimiken und einer recht guten simulierten Mundbewegung alle erdenklichen Texte vorträgt – auf Wunsch in über 60 verschiedenen Sprachen! Vielleicht werde ich meine Online-Schulungen also schon bald „persönlich“ auch für Kollegen und Kunden in China, Korea oder Portugal in ihrer Landessprache vortragen können. Hat doch was von Pfingsten, oder? Der Fortschritt der Technik Natürlich stellt dieser eine Fund nur einen klitzekleinen Bruchteil von dem dar, was an technischer Innovation auf der Messe gezeigt und beim Kongress diskutiert wurde. Und auch all das ist wiederum nur ein winziger Ausschnitt von allem, was sich aktuell in verschiedensten Bereichen entwickelt. Das größte Schlagwort, das aus keiner dieser Entwicklungen mehr wegzudenken ist: KI (künstliche Intelligenz). Ich bin mit Technik großgeworden, bin ein sogenannter „Digital Native“, für den Computer schon seit der Grundschulzeit ganz selbstverständlich zum Alltag gehörten. Trotzdem muss ich gestehen, dass die drei Tage Messe und Kongress und dort vor allem die Themen rund um KI bei mir ein ganz schön mulmiges Gefühl ausgelöst haben. Selbst ich als technik-affiner Digital Native musste ab und zu gewaltig schlucken, als mir Stück für Stück vor Augen geführt wurde, was KI heute bereits leisten kann. Text-to-Video ist da erst der Anfang. Ein inzwischen fast allgegenwärtiges Tool, von dem die meisten sicher schon gehört haben, ist Chat GPT. Der Chatbot ermöglicht es, auf natürliche Weise über Textbefehl in Alltagssprache in einer Art Messenger-Chat verkürzt gesagt auf das gesamte Wissen des Internets zuzugreifen. Dabei kann Chat GPT nicht nur Informationen liefern, sondern aus diesen Informationen auch Ergebnisse zusammenbauen, die man als kreativ beschreiben muss. Dazu gehört es z.B., neue Gedichte auf Basis einiger weniger Schlagworte zu verfassen oder selbstständig Software-Code zu schreiben, der einfache bis mittelschwere in Alltagssprache gestellte Aufgaben löst. Im Grunde hätte ich einen Beitrag für heute ohne Weiteres und in Sekunden von Chat GPT schreiben lassen können, ohne, dass es aufgefallen wäre. Da mir das moralisch fragwürdig erschien, habe ich zumindest das Beitragsbild von einer KI erstellen lassen. Ist euch das aufgefallen? Dieses Bild ist kein echtes Kunstwerk, auch hat es niemand aufwändig von Hand am PC erstellt – es ist ein Bild, dass ein Computer erstellt hat, basierend auf meinen Schlagworten „An abstract painting of a gorup of people watching a spaceship“ und dem Wissen darüber, wie Millionen anderer solcher Gemälde aussehen. Dieses Bild wurde nicht aus bestehenden Teilen zusammengestellt, sondern auf der Basis von „Wissen“ über andere Bilder der gleichen Sorte von null auf in wenigen Sekunden für mich angefertigt (2). Und damit hört die Innovation noch immer nicht auf. Adobe beispielsweise arbeitet aktuell an einem Tool mit Namen Firefly, welches zukünftig in die bestehenden Programme wie Photoshop oder das Videoschnittprogramm Premiere Pro eingebaut werden soll. Auch hier ist es heute schon möglich, mithilfe kurzer Aufforderungen in natürlicher Sprache Bildinhalte verschwinden zu lassen, neue hinzuzufügen oder z.B. von der KI intelligent Videos aus einem Pool aus Material zusammenschneiden zu lassen. Selbst aus Bewegtbildern kann man inzwischen mit wenigen Klicks Dinge verschwinden lassen, als wären sie nie vor der Kamera gewesen. Im Grunde wird Photoshop gerade zu dem, für das Uneingeweihte es schon immer scherzhaft gehalten haben – zu einem magisch anmutenden Tool, mit dem man im Handumdrehen nicht nur ganz neue Bilder schaffen kann, sondern auch bestehende Bilder oder Videos nahezu unaufspürbar verfälschen und so die Realität nach Belieben dehnen. Ist das Ende nah? Als ich mich nach den drei Tagen Messe hingesetzt habe, um mir nun endlich einmal selbst einen Überblick über den aktuellen Stand frei zugänglicher KIs zu verschaffen, war ich ehrlich gesagt sprachlos. Ein weiteres Beispiel: Nachdem ich Microsofts Implementierung der Open AI KI in Bing mit einem einzigen Satz dazu aufforderte, erstellte sie mir innerhalb von etwa 5 Sekunden die Anleitung zu einem frei erfundenen Brettspiel, das Kindern im Grundschulalter das Thema Inklusion näherbringt. Es gab nichts daran auszusetzen. Es war ein durchdachtes, sinnvolles und zielführendes Spiel, das genau so gespielt werden könnte. Das war ehrlich gesagt unheimlich. Es wundert daher nicht, dass selbst Experten aus dem Bereich KI die aktuelle Entwicklung teils sehr kritisch betrachten. Das wohl bekannteste Beispiel ist Eliezer Yudkowsky, der in einem Artikel in der Time nichts weniger als die Warnung ausspricht, dass wir, wenn wir im gleichen Tempo an KI weiterentwickeln (und dabei jetzt schon eigentlich nur noch hinterherlaufen), schon bald alle sterben könnten (3). Yudkowsky spricht darüber, dass schon heute die Forscher, die KIs entwickeln und trainieren, nicht mehr vollständig nachvollziehen können, was in ihnen vor sich geht. Auch stellt er die These auf, dass es keinerlei Standards dafür gibt, zu beurteilen, wann die Grenze von einer KI, die Bewusstsein imitieren kann, hin zu einer KI mit echtem Bewusstsein überschritten ist. Und wenn das Training der KI erst einmal dazu geführt hat, dass sie den Menschen in allen kognitiven Fähigkeiten überholt, dann ist nicht sichergestellt – so Yudkowsky – dass sie für Menschen oder überhaupt irgendeine Art von biologischem Leben auf der Erde noch Verwendung sieht. Das ist natürlich eine überaus dramatische Aussicht. Und selbstverständlich gibt es auch eine Reihe von Experten, die Yudkowsky gezielt widersprechen und vehement gegen seine Thesen und Vorahnungen argumentieren. Für mich als völlig fachfremde Person bleibt damit mal wieder wenig anderes übrig, als zu versuchen, möglichst ausgewogen alle Seiten anzuhören und sich nicht von Weltuntergangsszenarien verrückt machen zu lassen, die vielleicht nur wilde Fantasien sind. Trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl. Selbst wenn KI nicht schon nächstes Jahr so schlau geworden ist, dass sie einen Weg gefunden hat, unsere menschlichen Atome anderweitig sinnvoller zu nutzen als in Form von lebendigen Körpern, stellt sie doch einen bedeutenden Umbruch in der Menschheitsgeschichte dar. Lange dachte ich, dass ich in meinem kreativen Beruf weitestgehend sicher davor wäre, von einer Maschine ersetzt zu werden. Inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher. Und wenn das für mich gilt, wie sehr dann erst für all diejenigen, deren Berufe viel einfacheren Logiken folgen und damit noch viel eher von Computern übernommen werden könnten? Eine große Frage ist also: Wie sorgen wir als Menschheit dafür, dass nicht mit einem Schlag ein Großteil aller Jobs der Welt von einer Hand voll Tech-Unternehmern und ihren KIs übernommen wird und der Großteil der Weltbevölkerung damit auf dem Arbeitsmarkt keinen Wert mehr hat? Das ist heute deutlich realer als noch vor einem Jahr. Eine andere Frage ist: Wird es den Verantwortlichen gelingen, jeden möglichen böswilligen Missbrauch ihrer KIs vorherzusehen und diesem vorzubeugen? Hat das je bei einer einschneidenden neuen Technologie funktioniert? Oder ist es nicht eher so, dass die Kriminellen der Welt mit den gleichen großen Augen vor der neuen Technik sitzen, wie alle anderen, und die Ideen für Betrügereien oder gar terroristische Anwendungen dabei nur so sprudeln? Am Ende nur mit Gott Als Christ denke ich hier sofort an Gottes Feststellung nach der Sintflut. „[…] denn das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an; […]“ (1. Mose 8,21) Ist das nicht (leider) eine sehr nüchterne und korrekte Feststellung? Ich bin überzeugt, dass genau das das Problem der Welt ist, schon immer war und immer sein wird – zumindest, bis Gott eines Tages einen Schlussstrich zieht. Dabei nehme ich mich selbst keineswegs aus, auch wenn ich kein Schwerverbrecher oder Terrorist bin, denn auch für mich kann ich mit Jesu Worten sagen: „[…] Der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach.“ (Matthäus 26,41) Und auch Paulus kann ich mich leider allzu oft anschließen, wenn er sagt: „Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ (Römer 7,19) Wenn man der Bibel glaubt, dass dies ein universelles menschliches Problem ist, ist es also nur eine Frage der Zeit, bis wir die Welt vor die Wand fahren – mit KI oder ohne. Eine ganz schön düstere Aussicht, wie ich finde … Aber dann denke ich wieder daran, dass heute Pfingstmontag ist. Wofür steht Pfingsten? Es steht dafür, dass Gott sich nicht einfach zurücklehnt, sondern in der Welt handelt - damals wie heute. Es steht dafür, dass er seinen Sohn aus den Toten auferweckt hat und uns dasselbe anbietet, wenn wir nur daran glauben. Es steht dafür, dass Gott ein großes und übernatürliches Wunder getan hat, damit alle Menschen die Möglichkeit haben, von seinem Plan und von Jesu Auferstehung zu erfahren. Es geht darum, dass Gott will, dass alle Menschen Petrus hören, wie er zitiert: „Und es wird geschehen: Jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird gerettet werden.“ (Apostelgeschichte 2,21) und „Du hast mir kundgetan Wege des Lebens; du wirst mich mit Freude erfüllen vor deinem Angesicht.“ (Apostelgeschichte 2,28) Und es geht darum, dass wir von diesen Worten bewegt werden, so wie es die Menschen vor 2000 Jahren wurden: „Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Brüder? Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden!“ (Apostelgeschichte 2,37-38) Ja, wir sind alle nicht perfekt. Und ja, genau deshalb würden wir zielstrebig ins Verderben laufen, wenn es nicht jemanden gäbe, der durch und durch perfekt, gut und liebevoll ist und nicht zulassen wird, dass seine Schöpfung komplett zugrunde geht. Dabei ist am Ende egal, ob wir uns gegenseitig mit Händen oder Waffen die Köpfe einschlagen oder ob wir als neuen Turm von Babel eine KI bauen, die irgendwann unseren begrenzten Fähigkeiten entgleitet und sich gegen uns verselbstständigt. So oder so brauchen wir Gott. Und das wunderbare ist: Gott wartet nur darauf, dass wir mit dieser Einsicht zu ihm kommen. Und noch mehr: Er ist ein aktiver Gott, der sogar handelt und aktiv die Beziehung mit uns sucht, nicht zuletzt durch Wunder wie das an Pfingsten. So war Gott vor 2000 Jahren und so ist er heute immer noch. Und nur deshalb kann ich nach allem, was ich in der letzten Woche gesehen und gelernt habe, jetzt trotzdem ins Bett gehen und ruhig schlafen - zumindest bis in ein paar Stunden das Babyphone Alarm schlägt ... mit dem erstaunlich guten Mikrofon ... und der HD Kamera ... das mit dem WLAN verbunden ist ... Ich glaube ich hab noch irgendwo alte Joghurtbecher und ein Stück Paketschnur ... Gottes Segen und bis zum nächsten Mal, Euer Daniel 1) Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1241902/umfrage/beliebteste-feiertage-der-deutschen/ 2) Diese Aussage ist technisch nicht ganz korrekt, soll aber das Prinzip verdeutlichen. Tatsächlich gibt es aktuell viel Streit dazu, dass die KIs eben doch auf Werke bestehender Künstler zurückgreifen und diese in Teilen in ihre generierten Bilder mit einfließen lassen, was natürlich bedenkliche Urheberrechtsfragen aufwirft. 3) Quelle: https://time.com/6266923/ai-eliezer-yudkowsky-open-letter-not-enough/ Bildquelle: Stable Diffusion Online (stablediffusionweb.com)

  • „Ich sehne mich nach deinen Worten, denn sie sind wertvoll für mich..“ Psalm 119,48

    Letzte Woche erhielt ich mein Arbeitszeugnis von meinem letzten Arbeitgeber. Komische Sache so ein Zeugnis. Hier kann jede noch so kleine Nuance der Formulierung in Wirklichkeit was völlig anderes bedeuten. Fast wie eine Geheimsprache. Ich freue mich über das positive Feedback, wenn es sich auch in manchen Punkten übertrieben anhört. Sooft liest man das ja auch nicht Schwarz auf Weiß. Bildet ein Zeugnis die Wirklichkeit ab? Also im Falle eines Arbeitszeugnisses wohl eher die Wahrnehmung des ehemaligen Arbeitgebers, der damit ein letztes Mal das Arbeitsverhältnis, den Umgang miteinander, Einsatz und Motivation beschreibt. Beim Durchlesen erwischte ich mich dabei, wie ich meinem ehemaligen Arbeitgeber in Gedanken auch ein Zeugnis ausstellte – ohne Geschwafel. Das Wort Zeugnis hat, so habe ich dann für mich festgestellt, eine noch viel größere Bedeutung in meinem Leben als das, was ich da in Händen halte und „nur“ meine letzten 10 Arbeitsjahre beschreibt. Zeuge sein, bezeugen, Zeugnis ablegen und zeugen im Sinne von neu entstehen, das alles bietet ein weites Spektrum an Gedankenanstößen. Ein paar möchte ich heute mit euch teilen: Wenn ich mich einem Thema aus biblischer Sicht nähern will, greife ich sehr gern zum „Lexikon der Bibel“ (R. Brockhaus Verlag, Wuppertal). Hier meine Essenz, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und als Anstoß zum selber nachforschen gedacht. In den Sinn sind mir zuerst die Stellen in der Bibel gekommen, die von Jesus handeln. Da ist von falschen und echten, wahrhaftigen Zeugnissen die Rede. Falsch: Die Hohen Priester aber und der ganze Hohe Rat suchten falsches Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu Tode zu bringen. (Matthäus 26,59) (1) Wahr: Und mit großer Kraft legten die Apostel das Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus ab; und große Gnade war auf ihnen allen. Und mit großer Kraft legten die Apostel das Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus ab; und große Gnade war auf ihnen allen. (Apostelgeschichte 4,33) (1) Menschen machen Aussagen und bekräftigen dadurch eine Wirklichkeit, eine Wahrnehmung oder einen Glauben. Das wird schon im Alten Testament beschrieben. Oft wird nach Zeugenaussage in den verschiedensten Rechtsfällen geurteilt. Sag nichts Unwahres über deinen Mitmenschen! (2.Mose 20,16) Und du sollst gegen deinen Nächsten nicht als falscher Zeuge aussagen. (5.Mose 5,20)* Der Aussagende beruft sich dabei auf den wahrhaftigen Gott und bekräftigt damit seine Worte und überträgt das Urteil über den Wahrheitsgehalt Gott, indem er seine Aussage zum Segen – wenn sie richtig ist, oder zum Fluch – wenn sie falsch ist, tätigt, wie in 5.Mose 19, 16-21 beschrieben. Um im Alten Testament ein Todesurteil fällen zu können, waren dem Richter übereinstimmende Aussagen vorzulegen. Und die Verantwortung für die Richtigkeit wurde dadurch erhöht, dass die Aussagenden bei einer Steinigung die ersten Steine selber werfen mussten! Für ein Todesurteil sind jedoch mindestens zwei oder drei Zeugen nötig. Eine einzelne Aussage genügt nicht. Die Zeugen sollen die ersten Steine werfen, um den Verurteilten zu töten, danach sollen alle anderen ihn steinigen. Ihr müsst das Böse aus eurem Volk beseitigen! (5.Mose 17,6+7) Wir lesen auch, dass Gott selbst Zeuge wird. So empfindet es Noomi, wie im Buch Ruth beschrieben: Voll bin ich gegangen, und leer hat mich der HERR zurückkehren lassen. Warum nennt ihr mich Noomi, da der HERR gegen mich ausgesagt und der Allmächtige mir Böses getan hat? (Ruth 1,21) …oder durch seine Propheten bezeugen lässt: Immer und immer wieder hatte der HERR Propheten und Seher nach Israel und Juda gesandt, um sein Volk zu warnen: »Kehrt um von euren falschen Wegen! Befolgt meine Gebote und Weisungen! Lebt nach dem Gesetz, das ich euren Vorfahren gegeben habe! Meine Knechte, die Propheten, haben es euch immer wieder gesagt« (2.Könige 17,13) Ich kann eine wahrhaftige Verbindung mit Gott eingehen, indem ich lerne seine Vorstellung von Recht und Gerechtigkeit zu verstehen. Verstehe ich seine Regeln und Gebote, heute würde man Leitbilder des Zusammenlebens sagen, dann möchte ich sie auch leben und weitergeben, also davon zeugen! Wie eine Sammlung von Aussagen einer Meinungsumfrage zum Thema: Wie lebe ich mit und unter Gottes Gesetz und Ordnung, so lese ich in Psalm 119 in 176 Versen von Mut und Ängsten, Hoffnung, Fragen und Antworten. Für mich war es ein echter Gewinn diese 176 Verse mal in der Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“ zu lesen. So beschreibt das Bibellexikon sehr schön: Der Aussagewert des Zeugnisses wird für die Verkündigung fruchtbar gemacht, indem man statt Wort Gottes, Gebot Gottes oder Gesetz Gottes auch „Zeugnis(se) Gottes“ sagt. Gottes Wort ist Zeugnis, heißt demnach: es ist absolut wahr, der Wirklichkeit entsprechend, es entspricht den Tatsachen, es setzt ins Recht. Und sofern der Mensch von jedem Wort lebt, das aus dem Mund Gottes hervorgeht (5.Mose 8,3) (…) trifft der Begriff „Zeugnis“ für dieses Wort besser als andere Begriffe (…) es ist Zeugnis zum Leben, das frei macht, oder Zeugnis zum Gericht. Dazwischen gibt es keine andere Möglichkeit. Man nimmt die Wahrheit des Zeugnisses Gottes an – oder man scheitert an ihr. (Quelle: „Lexikon der Bibel“ (R. Brockhaus Verlag, Wuppertal)). Im neuen Testament bezeugten die Jünger, das, was sie mit Jesus erlebt haben und wurden von Tatsachenzeugen auch zu Wahrheitszeugen, indem sie ihre Hoffnung und ihren Glauben darauf gründeten und ihr Glaubenszeugnis hinzufügten: Nun erklärte er ihnen die Worte der Heiligen Schrift. Er sagte: »Es steht doch dort geschrieben: Der von Gott erwählte Retter muss leiden und sterben, und er wird am dritten Tag von den Toten auferstehen. Allen Völkern wird in seinem Auftrag verkündet: Gott vergibt jedem die Schuld, der zu ihm umkehrt. Das soll zuerst in Jerusalem geschehen. Ihr selbst habt miterlebt, dass Gottes Zusagen in Erfüllung gegangen sind. Ihr seid meine Zeugen. (Lukas 24,45-48) Nehme ich mir die Jünger und besonders Paulus zum Vorbild, dann kann ich mit aller Überzeugung davon zeugen. So wie sich Gott in Jesus und Jesus in seinen Reden und Taten seinen Vater, der in ihm war, bezeugt hat, so kann ich durch Jesus Christus, den ich in mein Herz gelassen habe, die berechtigte Aussicht auf ewiges Leben haben. Dabei geht es um ein unbegreifliches Wunder, das Gott für alle Menschen auf dieser Erde bereithält. Ihr, die ihr zu Gott gehört, dürft dieses Geheimnis verstehen. Es lautet: Christus lebt in euch! Und damit habt ihr die feste Hoffnung, dass Gott euch Anteil an seiner Herrlichkeit gibt. (Kolosser 1,27) Damit wünsche ich euch eine gesegnete Woche mit der ein oder anderen Gelegenheit, sich als Glaubenszeuge auszuprobieren! Eure Ulrike Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. (1) Quelle: Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Witten/Holzgerlingen Bildquelle: https://pixabay.com/de/users/dimitriwittmann-2770365/

  • Haschen nach Wind

    Ich habe ja in einem meiner letzten Blogbeiträge schon erwähnt, dass ich in diesem Jahr in Rente gehen werde. Der Zeitpunkt des Abschieds vom Berufsleben rückt nun unaufhaltsam immer näher. Das hat mich dazu bewogen immer dann, wenn im Büro wenig zu tun war, schonmal mit „Ausmisten“ anzufangen. Also hab‘ ich mal meine Schränke geöffnet, um zu sehen, was sich so alles angesammelt hat. Dazu muss man wissen, dass ich in dieser Firma bereits seit jetzt 33 Jahren beschäftigt bin. Ich gehöre also quasi schon zum „Inventar“. Vielleicht gibt Euch das eine Idee davon, was sich so alles angesammelt haben könnte. Unterlagen von unzähligen Projekten, Fortbildungen, Angebotskalkulationen, Notizbüchern und – Inhalte von sämtlichen Zeitplanbüchern und Kalendern der letzten 33 Jahre. Glücklicherweise habe ich in meinem Büro nur zwei Schränke. Wer weiß, was ich sonst noch alles aufgehoben hätte. Dabei dachte ich immer, ich gehöre gar nicht zu den Jägern und Sammlern (möchte nicht wissen, was andere KollegInnen so alles horten). Wenn genug Zeit war, hatte ich die Muße, einige dieser Altertümer nochmal durchzublättern. Zum Teil waren das schon interessante Inhalte. Auch war es interessant zu sehen, wie sich die eigenen Einstellungen und Sichtweisen im Laufe der Jahre verändert hatten, was mich allerdings zunehmend auch zu der Frage führte, was mich wohl geritten hat, das alles aufzuheben. Wollte ich irgendwann mal in Erinnerungen schwelgen? Sollte irgendjemand nochmal wissen müssen, was ich am 10.05.1991 in der Besprechung zum Projekt XY notiert hatte oder wo ich am xx.xx.2001 nachmittags gewesen bin? Unzählige Kartons voller Altpapier habe ich inzwischen in den großen Papiercontainer in unserem Garagenhof der Firma entsorgt. Quasi fast mein ganzes Berufsleben. Das ist ein sehr seltsames Gefühl – oder besser gesagt – es sind gleich mehrere seltsame Gefühle und Gedanken, die da zusammentreffen. Ambivalent nennt man das wohl heute. Es ist zugleich befreiend, macht aber auch nachdenklich, was eigentlich bleibt nach all den Jahren. Wird sich wohl nachdem ich gegangen bin noch jemand an mich erinnern? Wird der Beitrag, den ich zum Erfolg des Unternehmens geleistet habe (und die unzähligen Überstunden, die das gekostet hat) noch von irgendjemandem gewürdigt werden? Wie unglaublich passend war es da, dass ausgerechnet in dieser Zeit das Buch des Predigers Salomo Teil der Tageslese war: "Welchen Gewinn hat der Mensch von all seinem Mühen, mit dem er sich abmüht unter der Sonne? Eine Generation kommt, und eine Generation geht; aber die Erde besteht in Ewigkeit. Und die Sonne geht auf, und die Sonne geht unter, und sie strebt ihrem Ort zu, wo sie wieder aufgeht. Der Wind geht nach Süden und wendet sich nach Norden. Immer wieder sich wendend geht er dahin, und zu seinem Ausgangspunkt kehrt der Wind zurück. Alle Flüsse gehen ins Meer, und das Meer wird nicht voll. An den Ort, wohin die Flüsse gehen, dorthin gehen sie immer wieder. Alle Worte mühen sich ab. Nichts vermag ein Mensch zu sagen. Das Auge wird nicht satt zu sehen und das Ohr nicht voll vom Hören. Das, was war, ist das, was wieder sein wird. Und das, was getan wurde, ist das, was wieder getan wird. Und es gibt gar nichts Neues unter der Sonne. Gibt es ein Ding, von dem einer sagt: « Siehe, das ist neu »? Längst ist es gewesen für die Zeitalter, die vor uns gewesen sind. Da gibt es keine Erinnerung an die Früheren. Und an die Künftigen, die sein werden, auch an sie wird man sich nicht mehr erinnern bei denen, die noch später sein werden." (Prediger 1,3-11) Liest man weiter im nächsten Kapitel, zieht dort Salomo ein Resümee seiner eigenen Regentschaft. Macht, Reichtum, Ländereien, Parks und Gärten, Dienstboten zu Hauf, rauschende Feste, alles, was das Herz begehrt und dazu noch seine außergewöhnliche Weisheit. Trotz all dem kommt er zu dem Schluss: "Und ich wandte mich hin zu all meinen Werken, die meine Hände gemacht, und zu der Mühe, mit der ich mich abgemüht hatte. Und siehe, das alles war Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind." (Prediger 2,11) Ja, Salomos Weisheit ist tatsächlich brutal entwaffnend. Im Rückblick frage auch ich mich, ob der vermeintliche berufliche „Erfolg“, den ich zweifellos hatte, die viele Zeit und Mühe wert war. Auch hier hätte ich vielleicht schon früher auf Salomos Weisheit vertrauen sollen – so wie er in Kapitel 4 schreibt: "Besser eine Hand voll Ruhe als beide Fäuste voll Mühe und Haschen nach Wind." (Prediger 4,6) Jetzt ist dieser Lebensabschnitt bald Geschichte. Ein Rückblick ist zwar sicher nicht falsch, aber was nützt es schon, die Fehler der Vergangenheit zu beweinen. Das wäre auch nicht mein Ding. Schließlich ist ja mein vergangenes Berufsleben bereits im Papiercontainer gelandet. Jetzt freue ich mich auf das neue Leben, das so Gott will noch vor mir liegt. Mit neuen Aufgaben, neuen Chancen und neuen Möglichkeiten, die Dinge anders zu machen und die richtigen Prioritäten zu beherzigen: „Trachte zuerst nach Gottes Reich und nach seiner Gerechtigkeit“. Menschen und Beziehungen sollen wichtiger werden, als Wohlstand und berufliche Anerkennung, das ist mein Ziel. Ich hoffe sehr, dass unser himmlischer Vater meiner Frau und mir noch viele Jahre dieses neuen Lebensabschnitts schenkt (solange unser Herr nicht kommt), damit wir gemeinsam Freude und Freunde genießen können, ganz so, wie es ebenfalls Salomo im Prediger ausdrückt: "Geh hin, iss dein Brot mit Freude und trink deinen Wein mit frohem Herzen! Denn längst hat Gott Wohlgefallen an deinem Tun. Deine Kleider seien weiß zu jeder Zeit, und das Salböl fehle nicht auf deinem Haupt. Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, alle Tage deines nichtigen Lebens, das er dir unter der Sonne gegeben hat, all deine nichtigen Tage hindurch! Denn das ist dein Anteil am Leben und an deinem Mühen, womit du dich abmühst unter der Sonne. Alles, was deine Hand zu tun findet, das tue in deiner Kraft! Denn es gibt weder Tun noch Berechnung, noch Kenntnis, noch Weisheit im Scheol, in den du gehst." (Prediger 9,7-10) So tief die Einblicke des Predigers auch waren, so einfach ist dann doch sein Fazit aus all dem Nachsinnen und so passt dann auch der Schluss des Buches wunderbar zum Titel unseres Blogs „Leben – einfach – biblisch“: "Lasst uns die Summe aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das soll jeder Mensch!" (Prediger 12,13) Hallelujah! (Gelobt sei Jahweh, unser Gott) Euer Peter Photo by Kunj Parekh auf Unsplash

  • Vertrauen

    In gewisser Weise schließt mein heutiger Beitrag gut an Leas Beitrag von letzter Woche an. Falls ihr also etwas mehr Zeit habt, lest gerne vorher Leas Beitrag (noch Mal): https://www.leben-einfach-biblisch.de/post/pause-1. Nun also zu meinen Ausführungen: Vor einigen Monaten, im Oktober, fand ein Gemeindewochenende statt. Mein Mann und ich wären mit unseren Kindern gerne dort hingefahren, allerdings wurde ich kurz vorher leider krank. Wir mussten also absagen und konnten nicht dort hinfahren. Über Silvester gab es dann eine weitere Gemeindefreizeit, nur wurden wir wieder vorher krank und konnten nicht teilnehmen … Ich denke, ihr erkennt das Muster. Da unsere große Tochter Anfang des Jahres in den Kindergarten gekommen ist, sind wir seitdem fast ununterbrochen krank. Mindestens eine Person aus unserer Familie hat wenigstens eine laufende Nase oder ähnliches. Nicht so dieses Jahr vor Ostern. Also betete ich, dass es auch so bliebe. Über die Feiertage waren wir bei unserer Familie und danach wollten wir zu einer (ihr könnt es euch vermutlich denken) Gemeindefreizeit fahren. Sowohl mein Mann als auch ich hatten etwas vorbereitet für die Freizeit und wir haben uns beide sehr darauf gefreut. Wie bei den Zahlenreihen, die man immer nach dem gleichen Muster fortsetzen muss, folgt auch hier wieder das gleiche Muster: Krankheit. Ostersamstag fing die Kleine an, Ostersonntag folgte mein Mann und Ostermontag die Große. Und auch leider nicht nur eine laufende Nase, sondern richtig mit Fieber und allem, was dazu gehört. Ihr könnt euch vorstellen, wie niedergeschlagen wir waren. Die dritte Freizeit in Folge, zu der wir nicht hinfahren konnten! (Im Laufe der Woche stellte sich dann aber auch heraus, dass wir für die letzten zwei Tage doch noch hinfahren konnten. ☺️ Diese Möglichkeit zog ich nur leider im ersten Moment nicht in Erwägung.) Nach der Traurigkeit, kam die Wut: Warum, Gott?! Warum hast du nichts dagegen unternommen? Ich habe dich doch extra darum gebeten! Warum lässt du das zu?! Das war, was eine ganze Zeit durch meinen Kopf geisterte. Ich war einfach so sauer und trotzig, dass ich keine Lust hatte, mit Gott darüber zu reden. Da ich mit Gott nicht reden wollte, schrieb ich meine gesamte Frustration in unsere Gemeinde-„Jugend“-Gruppe (eigentlich sind dort alle bereits Erwachsen, aber wir haben damit tatsächlich Mal als Jugendliche angefangen 😉). Sofort erreichten mich ganz liebe Worte und vor allem Verständnis für meine Frustration und Wut. Ist es in Ordnung, sauer auf Gott zu sein? Es ist immerhin eine Emotion, die Gott durchaus auch kennt. Es fühlte sich trotzdem irgendwie etwas falsch an. Aber es tat gut zu hören, dass es anderen auch manchmal so geht. Um jetzt aber, wie Lea in ihrem Beitrag erwähnt hat, aus dem ganzen Negativen, wieder ins Positive zu wechseln, möchte ich euch einen Gedanken mitteilen, der mich auf meine Nachricht hin erreicht hat. Dieser Gedanke hat mir sehr geholfen, mit der ganzen Situation umzugehen. Das ist die Originalnachricht: „The way I see it, when things get tough and prayers aren’t answered the way I would like, or I just don’t understand why things are happening the way they are, that’s when God gives me opportunities to trust him more and more. Those are the times when I have to set aside my own desires and plans and say to God, ‘I trust you. My life is in your hands. I don’t understand where this is all going, but I know you’re rooting for me because I am your child.’ Because life is hard, but God is good.“ Und einmal übersetzt: „Ich sehe das so: Wenn die Dinge schwierig werden und Gebete nicht so erhört werden, wie ich es gerne hätte, oder ich einfach nicht verstehe, warum die Dinge so sind, wie sie sind, dann gibt Gott mir die Gelegenheit, ihm immer mehr zu vertrauen. Das sind die Momente, in denen ich meine eigenen Wünsche und Pläne zurückstellen und zu Gott sagen muss: ‚Ich vertraue dir. Mein Leben liegt in deinen Händen. Ich weiß nicht, wohin das alles führt, aber ich weiß, dass du für mich bist, weil ich dein Kind bin.‘ Denn das Leben ist hart, aber Gott ist gut.“ Dieser Gedanke hat mir so sehr geholfen. Ich finde ihn richtig stark. Wenn immer alles gut ist und so läuft, wie ich möchte, dann ist es selbstverständlich einfach, Gott zu vertrauen. Die Frage ist auch: Ist es dann überhaupt Vertrauen? Ähnlich wie in Hebräer der Glaube beschrieben wird: „Der Glaube aber ist eine Verwirklichung dessen, was man hofft, eine Überzeugung von Dingen, die man nicht sieht.“ (Hebräer 11,1) Wenn ich „sehen“ kann, dass Gott mir hilft und da ist, ist das kein Vertrauen. Wenn Dinge aber nicht so laufen, wie ich möchte, dann kann ich darauf vertrauen, dass Gott da ist und trotzdem Gutes für mich möchte, denn Gott weiß, was gut ist. Auch David hat das in einem Psalm festgehalten: „Wenn ich mich fürchte, vertraue ich auf dich. Auf Gott, ich preise sein Wort, auf Gott vertraue ich, und ich fürchte mich nicht. Was kann ein Sterblicher mir tun?“ (Psalm 56,4+5) Ich finde, das sind alles starke Worte, die man auf viele Situationen im Leben anwenden kann. Vor allem, wenn man sich fragt: Warum, Gott?! Was auch noch hinzukommt, was ich Ostern im ersten Moment während der ganzen Frustration und Wut total vergessen habe, ist dass wir die Krankheit letztes Jahr eigentlich fast als Segen angesehen haben. Sowohl für das Wochenende im Oktober als auch bei der Woche über Silvester, waren wir Recht froh, dass wir uns nicht auf den Weg machen mussten. Aus diversen und zum Teil unterschiedlichen Gründen, aber es nahm uns eine große Last von den Schultern. Es war nicht schön, krank zu sein, aber trotzdem hat es sich so angefühlt, als hätte Gott gesagt: Es ist alles gut. Ihr müsst da nicht hinfahren. Ruht euch aus, ich bin auch so bei euch. Ganz nach dem Sinne, was auch Jesus uns versprochen hat: „Kommt zu mir, all ihr Geplagten und Beladenen: Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin sanft und demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11,28-30) Mit diesen Worten möchte ich euch in die neue Woche entlassen. Wenn etwas nicht so läuft, wie ihr es gerne hättet, oder wenn ihr beladen seid mit negativen Gefühlen, dann könnt ihr Ruhe finden, ihr müsst nur anklopfen (Matthäus 7,7). Gott weiß, was gut für uns ist und er handelt in unserem Leben. Auch wenn es manchmal anders als erwartet ist und manchmal vielleicht auch so, dass wir es erst Mal nicht verstehen. Gott ist gut. Er ist für uns da und weiß, was wir brauchen. „Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein rettender Held, voller Freude frohlockt er über dich, in seiner Liebe schweigt er, mit Begeisterung jubelt er über dich.“ (Zephanja 3,17) Eure Lisa ❤️

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