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- Perspektivwechsel
Die Turnstunde ist gleich vorbei. Jetzt räumen wir gleich auf. Die Zeit ging viel zu schnell um. Ich habe noch gar nicht alles ausprobiert. Hier gibt es so viel zu entdecken und zu beobachten. Ich habe so viel Spaß daran mich zu bewegen. Mama sagt, dass wir gleich aufräumen müssen. Ich will das nicht! Ich möchte weiterturnen. Doch ich kann es nicht bestimmen. Alle fangen schon an aufzuräumen. Ich kann es nicht ändern und richtig ausdrücken kann ich es auch noch nicht. Meine Augen werden feucht. Mama ist da und nimmt mich in den Arm und sagt, dass wir jetzt aufräumen müssen. Mir ist das jetzt zu viel und zu nah. Ich löse mich aus der Umarmung. Mama geht weg und räumt mit auf. Ich will doch weiterturnen. Ich laufe ihr hinterher und versuche sie daran zu hindern. Ich halte sie an ihrem Bein fest. Sie sagt, dass ihr das wehtut und dass sie das nicht möchte. Mama versucht meine Hände zu lösen. Warum versteht mich keiner? Ich halte sie wieder fest, kneife sie, versuche sie zu beißen. Sie sagt etwas doch ich kann ihre Worte nicht verstehen, mein Herz schlägt so schnell. Was ist das? "Alle Kinder gehen nach Hause!", "Das Turnen ist zu Ende!" höre ich weit entfernt im Hintergrund immer wieder. Die Tränen fließen jetzt sehr schnell und mir wird ganz warm. Mama ist in meiner Nähe. Sie sagt wenig und ist einfach nur da. Für mich? So langsam kann ich sie wieder hören. "Möchtest du kurz alleine sein und dich beruhigen?" fragt sie mich. Nein. Nein! Auf keinen Fall! Ich brauche sie jetzt. Sie bleibt zum Glück bei mir. Die Turnhalle ist jetzt leer. Alles ist aufgeräumt und alle Kinder sind weg. Aber ich möchte doch noch Turnen. Mama geht in die Umkleide. Ich komme widerwillig mit, weil ich nicht alleine sein möchte. Sie hält die Tür auf. Ich schlage sie zu und bin allein in der Halle. Warum hört keiner auf mich? Mama kommt wieder und trägt mich in die Umkleide. Ich versuche wieder in die Halle zu rennen. Mama hält mich auf und trägt mich zum Ausgang. Ich kann nicht mehr kämpfen. "Das Turnen ist jetzt Zu Ende. Nächste Woche kommen wir wieder." sagt Mama. Ich weine. So langsam kann ich es verstehen und muss es akzeptieren. Mama ist da, nimmt mich an die Hand und geht mit mir nach draußen. Kurzer Reminder (auch für mich): Ja, mein Kind darf wütend sein. Es darf ja auch fröhlich sein und traurig. Auch in der Öffentlichkeit. Ich möchte nicht, dass es ruhig und angepasst durch diese Welt läuft, sondern sich traut, sich mitzuteilen, und lernt, seine Bedürfnisse klar zu formulieren. Ich wäre sehr dankbar dafür, wenn es sich als Teil einer Gemeinschaft wahrnimmt, in der es gesehen wird und Wertschätzung erfährt. Ich hoffe, dass mein Kind die Liebe Gottes in seinem Leben spürt. Und ich wünsche mir, dass er einen Glauben entwickelt, der ihm hilft, seine Lebensaufgaben voller Stärke und Zuversicht zu bewältigen. Mir hilft es zu wissen, dass es aus wissenschaftlicher Sicht ein langer Lern- und Entwicklungsprozess für ein Kind ist, bis es dazu in der Lage ist, seine Gefühle und Impulse zu kontrollieren. Das Denken eines Kindes ist mit circa drei Jahren noch sehr ich-bezogen. Dass die Menschen um es herum die Welt anders sehen als es selbst, kann es sich nicht vorstellen. Dem Kind fällt es noch schwer sich in andere hineinzuversetzen. Dazu befinden sie sich mitten in der magischen Phase. Alles ist möglich für sie! Auch das Verständnis für Raum und Zeit ist noch sehr unausgereift und unübersichtlich.* Und dennoch sind die sozial-emotionale Entwicklung von Unter 3-Jährigen und ganz besonders solche Situationen ... ... eine ganz besondere Herausforderung für mich und auch für das Kind. Ich bin nach so einer Situation echt fertig. Ich fühle mich emotional erschöpft und ich sehne mich nach Frieden und Ruhe. Für mich ist dieses Aushalten von Emotionen genau so anstrengend wie für mein Kind. Es ist nicht immer leicht mit diesen starken Gefühlen umzugehen. Es ist unheimlich kräftezehrend für mich so eine Situation zu begleiten und dabei nicht selbst wütend oder genervt zu reagieren, herumzuschreien, oder mich hilflos und ausgeliefert zu fühlen, weil mein Gehirn das Verhalten doch irgendwie als persönlichen Angriff deutet. Ich schaffe es nicht immer ruhig zu bleiben, was zur Folge hat, dass eine sehr aggressive Stimmung entstehen kann, in der Trennung unvermeidbar ist. Ich denke ich sollte es besser können oder wissen. Mein Kind kann es noch nicht. Also bin ich verantwortlich. Gerade der Umgang mit Wutgefühlen ist für mich eine besondere Herausforderung. Ja, auch für mich als erwachsene Person ist die Impulskontrolle unter Wut oft gehemmt. An dieser Stelle kann ich mit meinem Kind gemeinsam lernen damit umzugehen und Strategien zu entwickeln, wie wir unsere Wut mitteilen und aushalten können ohne andere dabei zu verletzen. Mir hilft es, solche Situationen zu reflektieren und eine wissenschaftliche Erklärung dafür zu finden. Es tut mir gut, auch einmal die Sicht des Kindes einzunehmen und die ganze Begebenheit aus seiner Sicht zu sehen. Doch im Umgang mit der Situation hilft mir diese Frage am meisten: Was würde Jesus tun? Hätte er versucht das Verhalten zu unterbinden (weil es z. B. sündhaft ist) indem er ... ... gegangen wäre und das Kind allein gelassen hätte? ... körperliche oder verbale Gewalt gebraucht hätte, um seine Macht zu demonstrieren? ... versucht hätte, das Kind abzulenken, zu erpressen oder ruhig zu stellen? Oder wäre er beim Kind geblieben und hätte ... ... ihm durch seine Anwesenheit Sicherheit vermittelt? ... seine offenen Arme angeboten? ... seine Gefühle ernst genommen? ... zugehört? ... kurze, verständnisvolle Worte und Argumente benutzt? ... Zeit und Raum gegeben? Hätte er erkannt, dass die Wut des Kindes sich nicht gegen ihn persönlich richtet? Mit einem Blick in die Bibel und der Behauptung, dass ich Jesus mittlerweile ganz gut kenne und mich mit ihm verbunden fühle, kann ich klar sagen, dass der liebevolle, vielleicht manchmal anstrengendere Weg, für mich der richtige Weg ist. »Ihr wisst, dass den Vorfahren auch gesagt wurde: ›Auge um Auge, Zahn um Zahn! Doch ich sage euch: Leistet keine Gegenwehr, wenn man euch Böses antut! Wenn jemand dir eine Ohrfeige gibt, dann halte die andere Wange auch noch hin! Wenn einer dich vor Gericht bringen will, um dein Hemd zu bekommen, so lass ihm auch noch den Mantel! Und wenn einer von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei Meilen mit ihm! Gib jedem, der dich um etwas bittet, und weise den nicht ab, der etwas von dir leihen will. (Matthäus 5,38-42) Und wieder einmal bin ich Gott so dankbar, dass er mir Jesus an die Seite gestellt hat. Als ein wunderbares Vorbild, liebevollen Freund und gnädigen Bruder. So kann ich in Zukunft hoffentlich auch die nächsten Herausforderungen gut meistern. Eure Freya Rise up and shine! *https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/entwicklungsschritte/geistige-entwicklung/ (Zugriff: 20.4.2024]
- Bubatz
Seit Anfang des Monats ist Cannabis in Deutschlang legal. Endlich! Oder? Die Legalisierung der zackigen grünen Pflanzen und ihrer Erzeugnisse dominierte in den letzten Wochen fast alle Medien. Und wahrscheinlich bin ich nicht der Einzige, der dabei unwillkürlich ein paar neue Vokabeln gelernt hat: Blunt, Spliff, Ganja, Munchies, Piece oder eben Bubatz. Alles bunte Worte für die verschiedenen Produkte oder Konsumarten des Cannabis. Aber sind es nur hippe Namen für ein Genussmittel, das jetzt endlich (unter gewissen Voraussetzungen) straffrei konsumiert werden kann? Oder sind es vielmehr blumige Umschreibungen für den nächsten Schritt auf dem Weg zum Niedergang unserer Gesellschaft? Ungefähr so weit gehen die Meinungen zur Cannabislegalisierung auseinander. Und genau deshalb schien mir das Thema wie gemacht für einen Artikel hier auf unserem Blog. Wir schreiben hier über Fragen des Alltags und unsere Gedanken dazu aus christlicher und vor allem biblischer Sicht. Da brennt doch bei so viel medialer Berichterstattung eine Frage unter den Nägeln: Darf man als Christ oder darf man nicht? Oder anders gefragt: Ist Kiffen Sünde? Oder bringt es einen womöglich sogar näher zu Gott, wie einige behaupten? Unser Blog heißt nicht umsonst „Leben. Einfach. Biblisch.“. Wenn ich mir als Christ solche Fragen stelle oder gestellt bekomme, dann gibt es für mich vor allem eine Quelle, die ich als Ratgeber hinzuziehe: Die Bibel. Damit bin ich nicht allein. Allerdings rollen sich mir manchmal die Fußnägel hoch, wenn ich höre, dass manche meiner Bibel-Leser-Genossen meinen, sie hätten da ein Buch in der Hand, das eindeutig und ohne Diskussionsbedarf zu jedem Thema des Lebens genau vorgebe, was richtig und was falsch ist – wenn man es nur gründlich genug liest. Wer schon einmal selbst ein paar Seiten der Bibel gelesen hat der müsste eigentlich merken: So einfach ist das nicht. Und so ist die Bibel nach meinem Verständnis auch nicht gedacht. Wenn wir also mal exemplarisch mit der alltagsnahen Frage „Ist Cannabis-Konsum für Gott in Ordnung?“ an die Bibel herantreten, dann werden wir erst mal feststellen: Dazu sagt die Bibel nichts. Zumindest nicht direkt. Das Wort Cannabis taucht in der Bibel nicht auf. Bubatz, Weed oder Dope übrigens auch nicht. Das heißt nicht, dass die Bibel als Ratgeber für den Alltag im 21. Jahrhundert komplett untauglich ist. Es heißt aber, dass man darüber nachdenken muss, welche Gedanken und Prinzipien aus der Bibel für eine Frage wie diese relevant sein könnten. Wie finde ich heraus, ob ich mir demnächst ein Pflänzchen auf die Fensterbank stellen kann oder nicht? Man kann ja einfach mal anfangen zu suchen. Die Bibel hat zwar nichts über Cannabis zu sagen, z.B. aber einiges über andere Drogen, die zur Zeit des Alten und Neuen Testaments viel alltäglicher waren. Der absolute Spitzenreiter ist natürlich der Alkohol. Hier eine meiner Lieblingsstellen zu diesem Thema, die herrlich realistisch, trotzdem poetisch und mit einer gehörigen Portion Sarkasmus den Alkoholkonsum kommentiert: „Sieh den Wein nicht an, wenn er so rötlich schimmert, wenn er im Becher funkelt ⟨und⟩ leicht hinuntergleitet. Zuletzt beißt er wie eine Schlange und speit ⟨Gift⟩ wie eine Otter. Deine Augen sehen Seltsames, und dein Herz redet Verworrenes, und du bist wie einer, der im Herzen des Meeres liegt, und wie einer, der da liegt im Ausguck am Mast. »Man hat mich geschlagen, es schmerzte mich nicht; man hat mich geprügelt, ich merkte es nicht. Wann werde ich aufwachen? Ich will ihn noch einmal aufsuchen.« (Sprüche 23,31-35) Kommt das dem ein oder anderen bekannt vor? Ja, ein Becher Wein zu viel konnte auch in der Antike schon ganz ähnliche Folgen haben wie heute. Davon blieben auch einige Charaktere der Bibel nicht verschont: Noah lag zum Entsetzen (einiger) seiner Söhne nach einem heftigen Absturz komplett nackt in seinem Zelt herum (1. Mose 9,21), Lot schlief im Rausch mit seinen eigenen Töchtern (1. Mose 19,33) und Belsazar fand es betrunken amüsant, mit seinen Freunden aus Gefäßen zu trinken, die eigentlich für den Tempel Gottes gedacht und heilig waren – und bezahlte dafür mit seinem Leben (Daniel 5). Konsequenterweise war es daher auch vielen Menschen der Bibel geboten, ganz auf Alkohol zu verzichten. Aaron und seinen Söhnen z.B., die Priester für Israel waren, sollten „Wein und berauschendes Getränk“ (3. Mose 10,9) nicht trinken. Auch Nasiräer wie Simson, die ihr Leben entweder aus eigenen Stücken Gott widmeten oder von ihren Eltern dafür vorgesehen wurden, sollten als Zeichen ihres besonderen Versprechens komplett auf Alkohol verzichten (Richter 13,7). Im Neuen Testament wird ebenso an mehreren Stellen vor Alkohol und seinen Gefahren gewarnt: „Und berauscht euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung ist, sondern werdet voller Geist, […]“ (Epheser 5,18) „Offenbar aber sind die Werke des Fleisches; es sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und dergleichen. Von diesen sage ich euch im Voraus, so wie ich vorher sagte, dass die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden.“ (Galater 5,19-21) Harte Worte, oder? Aber nur die halbe Wahrheit. Gleichzeitig lesen wir nämlich von vielen großen Personen der Bibel, die sehr wohl Wein tranken: Gott selbst ermunterte sein Volk, Wein zu trinken und sich daran zu erfreuen (5. Mose 14,22-26). Abraham, der durch seinen Glauben von Gott als gerecht bezeichnet wurde, erhielt sogar ganz selbstverständlich Wein von Melchisedek, einem Priester Gottes, gereicht (1. Mose 14). In Psalm 104 wird Gott für seine Schöpfung gelobt und dort unter anderem auch dafür, dass er Wein geschaffen hat, an dem sich Menschen (guten Gewissens) erfreuen. Paulus schreibt Timotheus, er soll um seiner Gesundheit Willen nicht nur Wasser, sondern auch Wein trinken (1. Timotheus 5,23). Und jeder, der schon einmal vom Christentum gehört hat, kennt vor allem einen Menschen, der wie kein anderer nach Gottes Willen gelebt hat, und der auch Wein getrunken hat – Jesus. Die Antwort auf „What Would Jesus Do?“ ist also: Wein trinken, obwohl an so vielen Stellen davor gewarnt und es den heiligsten Menschen sogar explizit verboten war? Was denn nun? Ist es für Gott okay, dass man Wein trinkt, oder nicht? Und natürlich nicht zu vergessen: Sagt das jetzt auch irgendwas über den Bubatz? Ich glaube, das Beispiel Wein zeigt sehr schön ein Prinzip, das sich durch die ganze Bibel zieht: Es gibt nicht immer schwarz und weiß, richtig und falsch. Wein ist nicht generell schlecht oder sogar verboten. Zu viel Wein kann aber sehr schädlich sein – für uns oder für andere. Die Frage ist bloß: Wie viel Wein ist zu viel Wein? Die ernüchternde Antwort: Niemand wird dazu in der Bibel eine Angabe in Millilitern finden. Auch wird niemand anhand der Bibel beweisen können, dass das Trinken von Wein für Gott generell okay oder generell falsch ist. Jeder ist hingegen aufgerufen, sich anhand der verschiedenen Dinge, die man über Alkohol lesen kann, selbst zu reflektieren und zu entscheiden, was mit diesem Wissen im Hinterkopf vor Gott angemessen ist und was nicht. Der eine mag 2 Maß Bier wegstecken und rein gar nichts merken, für den anderen kann ein einziges kleines Glas Wein schon dazu führen, dass er alle Hemmungen über Bord wirft und Dinge tut, die er am nächsten Morgen betreut. Wenn beide sich ehrlich selbst betrachten, dann kann es gut sein, dass es für den ersten völlig fein ist, sich des Öfteren ein Glas zu genehmigen, wohingegen der zweite sich vielleicht sogar entscheidet, aus Überzeugung komplett auf Alkohol zu verzichten. Zwei völlig verschiedene Wege mit Alkohol umzugehen. Beide gewissenhaft und im Einklang mit der Bibel. So einfach es manches machen würde, ein klares „Ja“ oder „Nein“ in der Bibel zu finden, und so oft Menschen auch versuchen, ihr genau das abzuringen – ich bin überzeugt, dass wir damit in vielen Fällen die Bibel missbrauchen. Denn es gibt ein Konzept, dass mich selbst immer wieder staunend den Kopf schütteln lässt: Offenbar ist Sünde sehr subjektiv. „Das ist doch Quatsch!“ werden einige jetzt einwenden, „Gott hat zu allem eine eindeutige Meinung und daher gibt es auch für uns in jeder Situation ein objektives Richtig oder Falsch, das wir durch Lesen der Bibel herausfinden können.“ Ich möchte vorgeschlagen, noch mal zu prüfen, ob die Bibel das wirklich so hergibt. Im Römerbrief gibt es ein Kapitel, das sich genau mit dieser Thematik beschäftigt. Ich habe Folgendes vielleicht schon einmal in einem Blog-Beitrag erwähnt und wer mich persönlich kennt, hat es sicher auch schon einmal direkt von mir gehört: Es ist eins meiner Lieblingskapitel der gesamten Bibel. Die Rede ist von Römer 14. In diesem Kapitel geht es um den Umgang mit unterschiedlichen Sichtweisen innerhalb der Gemeinde. Konkret geht es unter anderem darum, dass einige in der Gemeinde in Rom in ihrem Glauben der Überzeugung waren, bestimmte Speisen meiden zu müssen. Verzicht aus Überzeugung … klingelt da was? Offenbar entstand dadurch ein Streit innerhalb der Gemeinde, bei dem beide Seiten verächtlich und voller Unverständnis auf die jeweils andere hinabsahen. Ich kann mir das aus meiner eigenen Erfahrung in verschiedenen christlichen Umfeldern bildlich vorstellen: Für die, die glaubten, es sei überaus wichtig, sich an bestimmte Speisevorschriften zu halten, war es vermutlich unerträglich zu sehen, wie andere sich in dieser Hinsicht alles erlaubten. Welch eine Sünde! Andersherum konnten die, die alles aßen, sich vermutlich selten die ein oder andere Stichelei gegenüber denen verkneifen, die in ihren Augen total vernagelt und mit selbst auferlegten Kasteiungen durchs Leben gingen und das Leben nicht einfach guten Gewissens genossen. Hier Paulus Kommentar dazu in der „Hoffnung für alle“ Übersetzung: „So essen die einen guten Gewissens alles, während andere glauben, kein Fleisch essen zu dürfen. Niemand sollte deswegen auf die verächtlich herabschauen, die bestimmte Speisen meiden. Diese wiederum dürfen niemanden verurteilen, weil er alles isst. Denn Gott hat jeden Einzelnen von ihnen in seine Gemeinschaft aufgenommen.“ (Römer 14,2+3) Ein weiteres Streitthema in Rom war augenscheinlich, dass einige Geschwister in der Gemeinde sehr viel Wert auf bestimmte Feiertage legten und Gott dadurch ehren wollten, wohingegen andere diesen Tagen keine besondere Beachtung schenkten. Sie argumentierten, dass es falsch sei, bestimmte Tage hervorzuheben, da man Gott ja immer ehren müsse. Jeder tat das, was er oder sie tat, aus Liebe zu Gott und aus voller Überzeugung. Und offenbar war es auch hier wieder beiden Parteien ein Dorn im Auge, dass „die anderen“ sich so offensichtlich falsch verhielten. Paulus stellt weder im Fall der Speisen noch im Fall der heiligen Feiertage klar, dass eine von beiden Überzeugungen falsch ist. Dabei sollte man denken, dass wohl kaum beides richtig sein kann – immerhin schließt das eine ja das andere jeweils aus. Ist es nicht geradezu erstaunlich, dass es für Paulus ein Leichtes gewesen sein müsste, einfach kurz und knackig aufzuschreiben, was richtig ist und was falsch, er es aber nicht tut? Vielmehr bringt er einen viel grundlegenderen Aspekt ins Spiel (hier einmal aus der Schlachter 2000 Übersetzung): „Ich weiß und bin überzeugt in dem Herrn Jesus, dass nichts an und für sich unrein ist; sondern es ist nur für den unrein, der etwas für unrein hält. […] Du hast Glauben? Habe ihn für dich selbst vor Gott! Glückselig, wer sich selbst nicht verurteilt in dem, was er gutheißt! Wer aber zweifelt, der ist verurteilt, wenn er doch isst, weil es nicht aus Glauben geschieht. Alles aber, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde.“ (Römer 14,14+22+23) Ich finde das absolut bemerkenswert! Was Paulus hier nach meinem Verständnis sagt, ist nichts weniger, als dass Sünde eine überaus persönliche und individuelle Angelegenheit zwischen einem Menschen und Gott ist. Es gibt offenbar Themen, bei denen für Gott zwei diametral entgegengesetzte und unvereinbare Überzeugungen in Ordnung sein können, solange sie im Glauben mit Überzeugung und in Liebe zu Gott und zueinander gelebt werden. Dabei ist jeder und jede aufgerufen, sich selbst und sein/ihr Gewissen ehrlich zu hinterfragen und eine Entscheidung zu treffen, für die er oder sie sich dann allein vor Gott rechtfertigen muss. Ich kann das nicht anders verstehen, als dass in solchen Fällen schwarz, weiß und jede Abstufung von grau mitunter gleich richtig sein können – solange sie von Herzen und aus voller Überzeugung gelebt werden. Jetzt gerade, wo ich das hier schreibe, regt sich in mir direkt das Bedürfnis, diese Aussage zu relativieren. Vielleicht stimmt es ja, was ich sage, aber es gibt doch sicher klare Außengrenzen, hinter denen es in Gottes Augen keine zwei Meinungen geben kann? Ja, vielleicht gibt es die. Ich würde aktuell sogar sagen: Ganz bestimmt gibt es die. Mir kommen auch gleich mehrere Themen in den Kopf, von denen ich spontan sagen würde: Hier gibt es keinen Spielraum, sondern ein klares Richtig und Flasch. Allerdings merke ich, wenn ich länger darüber nachdenke, dass ich bei vielem, was Menschen tun und zu dem ich denke klar zu wissen, ob es richtig oder falsch ist, immer nur von außen auf diese Menschen gucken kann. Ihre innerste Überzeugung und die Gewissensabwägungen, die sie zu ihren Handlungen führen, kenne ich nicht. Und vor allem merke ich, dass ich sofort wieder sehr viel über andere nachdenke. Dabei sagt Paulus doch: ICH soll in dem, was ICH tue, völlig überzeugt sein. Darauf sollte ich mich also zuerst mal fokussieren. Kommen wir nach diesen Gedanken noch mal zum eigentlich Thema zurück: Darf ein Christ kiffen oder ist das Sünde? Meine Antwort darauf ist: Diese Frage kann ich euch nicht beantworten. Und ich denke auch niemand anders. Wenn man die Bibel als Gottes Wort und Richtschnur heranzieht, stellt man erst mal fest: Es gibt zum Kiffen genau wie zu ganz vielen anderen Dingen des Lebens keine klare Anweisung. Es gibt aber sehr wohl viele allgemeinere Anhaltspunkte und Prinzipen, die man finden und gegeneinander abwägen kann. Ich habe nur sehr wenige davon in diesem Beitrag erwähnt. Weitere Schlagworte, die in der Cannabis-Frage eine Rolle spielen könnten und zu denen man einiges findet, wären z.B.: - Enthaltsam leben - Sich von nichts beherrschen lassen - Nüchtern sein / einen klaren Verstand haben - Der Körper als Tempel Gottes - Andere zu Fall bringen - Nächstenliebe - Andere Richten - Die Gesetze des Landes wahren - Freiheit in Christus - Jesu Umgang mit offensichtlich sündigen Menschen - Und und und … Daneben ist es zudem auch nicht verboten, sich mal mit der wissenschaftlichen Seite des Cannabis-Konsums auseinanderzusetzen: Was sind die Gefahren? Was passiert dabei eigentlich im Körper? Gibt es Menschen, für die Cannabis richtig schädlich ist? Gibt es auch Menschen, denen es auf die ein oder andere Art hilft? Zu all diesen Fragen kann man eine Menge seriöser Artikel und Videos finden. Mir hat das sehr geholfen, mir eine klarere Meinung zu bilden. Ich ermutige euch deshalb, euch mit all diesen Themen noch mal selbst auseinanderzusetzen, falls ihr vor der Frage stehen solltet, ob ihr euch als Christen guten Gewissens gelegentlich mal einen Joint drehen könnt. Am Ende kann ich aber niemandem abnehmen, zu einer persönlichen Überzeugung zu kommen und seinem Gewissen zu folgen. Das ist es, was ich meine aus der Bibel zu dem Thema (und übrigens auch zu vielen anderen „Darf man oder darf man nicht?“-Themen) lesen zu können. Das mag unbefriedigend sein. Vielleicht hattet ihr euch etwas anderes erhofft. Aber es ist in meinen Augen die einzig allgemeingültige Antwort. Wie so oft steht nicht einfach schwarz auf weiß eine einzige klare Handlungsanweisung in der Bibel, sondern es bedarf einer weitgreifenderen Beschäftigung mit den Dingen, die Gott wichtig sind. Jeder und jede von uns kann bei Interesse die Bibel selbst in die Hand nehmen und sich ein Bild machen, was Gott von ihm oder ihr möchte. Und auch jeder und jede kann zudem nur selbst wissen, wo die persönlichen Grenzen liegen, wie die eigene Situation ist und was vielleicht noch alles relevant ist, von dem niemand sonst etwas weiß. Alle anderen von uns sollten sich gut überlegen, ob und wenn ja, was sie zu einer persönlichen Entscheidung ihrer Geschwister kommentieren möchten. Ein Austausch darüber ist natürlich mehr als willkommen! Aber oft gilt es wohl auch einfach die individuellen Entscheidungen in Liebe und mit Respekt akzeptieren, genau, wie es Paulus auch von den Geschwistern in Rom erwartet hat. Und jetzt zum Ende die große Frage, auf die ihr vielleicht schon die ganze Zeit gewartet habt: Was ist nun meine persönliche Meinung? Werde ich mir ein Pflänzchen für die Fensterbank kaufen? Oder einer Anbaugemeinschaft beitreten, um zumindest mal legal ausprobieren zu können? Für mich ist die Sache inzwischen klar: Meine Meinung tut hier nichts zur Sache! 😉 Gottes Segen und bis bald! Euer Daniel Alle Zitate soweit nicht anders angegeben aus der revidierten Elberfelder Übersetzung. Foto von 2H Media auf Unsplash
- Leben-nicht immer-einfach-biblisch
Vor einigen Jahren hat sich unsere kleine Gemeinschaft auf den Weg gemacht und alle traditionsbeladenen und gewachsenen Strukturen überdacht. Im Wort Gottes haben wir vieles gefunden, dass uns zur Veränderung bewegt hat. Anstoß gab auch das Buch „All one in Christ“, geschrieben von einem englischen Ehepaar aus unserer Glaubensgemeinschaft. Der Neuanfang war gemacht, wir lösten unsere Vereinsstrukturen auf, um in Zukunft alle anfallenden Aufgaben unter allen zu verteilen. Das klappt sehr gut, weil sich alle Brüder und Schwestern bereiterklären Verantwortung zu übernehmen. Eine Neuerung, die wir üben, ist, dass wir Schwestern nicht mehr in Stille an unseren Zusammenkünften teilnehmen, sondern selbstverständlich auch zum Beten und Lehren aufgefordert sind. Selbstverständlich? Selbstkritisch frage ich mich, warum fällt es mir schwer, zum Beispiel ein Gebet in der Versammlung zu sprechen. Ist es die mangelnde Übung, das jahrelang praktizierte Verhalten, das Konstrukt, das mir in meiner Kindheit und Jugend vermittelt wurde? Erst Gott-dann Christus, unser Haupt-dann der Mann-und am „Ende“ die Frau? Ein digitales Fundstück, das mein Mann neulich beim Aufräumen fand, hat meinen Horizont erweitert und mich motiviert an meiner Einstellung zu arbeiten und mutiger zu werden. Ein Pastor aus dem Christen Centrum Neumünster hielt in Oberhausen eine kleine Vortragsreihe zum Thema „Der Dienst der Frau in der Gemeinde“. Oha, kein Christadelphian, denkt jetzt bestimmt der ein oder andere, doch frei nach dem Bibelvers: Prüft jedoch alles und behaltet das Gute! (1.Thessalonicher 5,21) Warum nicht ?! Grundsätzlich weiß ich: - Dass Männer und Frauen vor Gott gleichwertig sind (Galater 3,28) - Dass sie jedoch nicht gleichartig sind. Gott hat sich dabei etwas gedacht. Der Mann ist der Stärkere, deshalb ist ihm die Leitung in der Familie übertragen, als Schutz für die Frau. Er beschützt und ehrt sie und hilft ihr. (1.Petrus 3,7) Sie braucht die Liebe des Mannes und ihrerseits „ehrt“ sie ihn, so dass er seiner Aufgabe gerecht wird. Gleichwertig, aber dennoch verschieden, bilden sie vor Gott eine Einheit. (Epheser 5,21-25) Eine Bibelstelle löst immer wieder Diskussionen und Missstimmungen aus. Ihr wisst bestimmt welche ich meine: Denn Gott will keine Unordnung, er will Frieden. Wie in allen Gemeinden sollen sich auch bei euch die Frauen in den Gottesdiensten still verhalten und dort nicht das Wort führen. Stattdessen sollen sie sich unterordnen, wie es schon das Gesetz vorschreibt. Wenn sie etwas wissen wollen, können sie zu Hause ihren Mann fragen. Denn es gehört sich nicht, dass Frauen in der Gemeinde das Wort führen. (1.Korinther 14,33-35) Nur diese Verse betrachtet, verbietet Paulus den Frauen das Reden. Warum? Wenn ich den ganzen Korintherbrief lese, stelle ich fest, dass Paulus auf einen Brief mit Fragen aus Korinth antwortet. Leider kennen wir die Fragen der korinthischen Gemeinde nicht, nur die Antworten, die Paulus gibt. Das macht es nicht gerade einfacher. Es gibt kein Gesetz aus dem alten Bund und keine Regel, die Jesus aufgestellt hat. In manchen Übersetzungen heißt es: … es wird den Frauen nicht gestattet, …es wird ihnen nicht erlaubt. Diese Formulierung deutet auf die jüdische Auslegung des alten Bundes hin. Rabbinisches Gedankengut, festgehalten im Talmud, spricht oft von tu dies, lass das, es ist erlaubt, es ist nicht gestattet. Es ist also gut möglich, dass die neue Gemeinde in Korinth mit starken Einflüssen aus der rabbinischen Lehre zu kämpfen hatte. Den Rabbinern galt es als Schande, wenn eine Frau ihre Stimme hören lässt. Übrigens galt bei ihnen eine Verschleierung der Frau ebenfalls als gesetzt. Auch im Leben und Wirken Jesu sehe ich diese Unterordnung der Frauen nicht. Das lässt die Vermutung zu, dass es sich bei der Stelle aus dem Korintherbrief um eine Antwort auf die Frage, welchen Einfluss der jüdische, rabbinische Glaube auf den neuen Bund zwischen Christus und den Menschen haben darf, handelt. Paulus selbst erklärt einige Verse vorher, dass Frauen beten und prophetisch Reden dürfen. Wieso sollte er sich selbst widerlegen? Die Liebe soll also euer höchstes Ziel sein. Strebt aber auch nach den Gaben, die der Geist Gottes gibt; vor allem danach, in Gottes Auftrag prophetisch zu reden. (1.Korinther 14,1) Was bedeutet das nun für euch, liebe Brüder und Schwestern? Wenn ihr zusammenkommt, hat jeder etwas beizutragen: Einige singen ein Loblied, andere unterweisen die Gemeinde im Glauben. Einige geben weiter, was Gott ihnen offenbart hat, andere reden in unbekannten Sprachen, und wieder andere übersetzen das Gesprochene für alle. Wichtig ist, dass alles die Gemeinde aufbaut. (1.Korinther 14,26) Eine grundtextnahe Übersetzung der Bibelstelle aus 1.Korinther 14,33 ff lieferte der Pastor des Christen Centrum in Neumünster gleich mit: „Gott ist nicht (ein Gott) der Unordnung, sondern des Friedens wie (es) in allen Gemeinden der Heiligen (Gültigkeit hat– Eure Frauen sollen (nach eurer Anweisung) in den Gemeindeversammlungen schweigen, denn es wird ihnen (von euch) nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich (eurer Meinung nach) unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wenn sie aber etwas lernen wollen, so (sagt ihr) sollen sie daheim ihre eignen Männer fragen, es ist nämlich (eurer Meinung nach) unschicklich für eine Frau, in der Gemeindeversammlung zu reden. Oder ist das Wort Gottes von euch (Männern) ausgegangen? Oder ist es zu euch (Männern) allein gelangt?“ Das macht Sinn. In allen Einzelheiten kann ich hier nicht seine Argumentation wiedergeben, das würde den Rahmen sprengen. Wer möchte, kann gerne das Script zu seinen Ausführungen über mich anfordern. Ein paar ermutigende Stellen aus der Bibel unterstreichen die Einstellung von Paulus. Jubelt dem HERRN zu, ihr Menschen auf der Erde! Preist ihn mit Liedern, singt und jubelt laut vor Freude! (Psalm 98,4) Alles, was lebt, lobe den HERRN! Lobt den HERRN. Halleluja! (Psalm 150,6) Zum Jubel und Lob sind alle Menschen aufgerufen! Und nicht nur dazu. Wir lesen in Apostelgeschichte 21,9 von den vier Töchtern des Philippus. Alle konnten prophetisch reden und hier steht nichts von einem Verbot. In Lukas 2 wird von Hanna, der Prophetin berichtet. An diesem Tag hielt sich auch die alte Prophetin Hanna im Tempel auf, eine Tochter von Phanuël aus dem Stamm Asser. Sie war nur sieben Jahre verheiratet gewesen, seit langer Zeit Witwe und nun eine alte Frau von 84 Jahren. Hanna brachte ihre ganze Zeit im Tempel zu. Um Gott zu dienen, betete und fastete sie Tag und Nacht. Während Simeon noch mit Maria und Josef sprach, trat sie hinzu und begann ebenfalls, Gott zu loben. Allen, die auf die Rettung Jerusalems warteten, erzählte sie von diesem Kind. (Lukas 2,36-38) Sie „erzählt“ im Haus Gottes, was man auch als „lehren“ bezeichnen kann. Und der Prophet Joel verkündet: Wenn dies geschehen ist, will ich, der Herr, alle Menschen mit meinem Geist erfüllen. Eure Söhne und Töchter werden aus göttlicher Eingebung reden, die alten Männer werden bedeutungsvolle Träume haben und die jungen Männer Visionen. (Joel 3,1+2) Mein Fazit bis hierhin: Singen, loben, beten und von Gott und seinem Heilsplan reden ist mir ausdrücklich erlaubt! Das ermutigt mich! Ich versuche altes Denken abzulegen und mich mit Freude und Dankbarkeit zu öffnen für neues Tun! Immer wieder frage ich mich, warum es einige Bibelstellten gibt, die zu großen Diskussionen und Auseinandersetzungen führen. Es könnte für uns Menschen doch so einfach sein mit klaren Regeln und Gesetzen. So langsam glaube ich, genau das will Gott nicht. Jeder Mensch kann zu jeder Zeit sein Verhalten an der Schrift orientieren, egal wo auf der Erde oder in welchen Verhältnissen er lebt. Und genau deshalb gibt es diese „schwierigen“ Stellen. Irgendwann muss ich mich ganz persönlich damit beschäftigen und das Geschriebene für mich einordnen und umsetzen. Das ist meine selbstverantwortliche Freiheit in Christus. Also geht die „Reise“ weiter: Darf ich dann auch in der Gemeinde lehren? Mehr dazu in meinem nächsten Blog. Eure Ulrike Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. Bildquelle: pixabay von NoName_13
- Alles kann raus!
Unser Umzugstermin nach Braunschweig rückt unaufhaltsam näher. Der Termin steht jetzt fest, das Umzugsunternehmen ist beauftragt. In der nächsten Woche werden die vom Umzugsunternehmen geschätzten 100 Umzugskartons geliefert, die wir brauchen, um alles, was mit soll, zu verpacken. Schon seit einigen Wochen haben wir angefangen, Dinge auszusortieren, die wir wohl nicht mehr benötigen. Schließlich werden wir uns ja auf ca. die halbe Wohnfläche verkleinern. Vieles wurde bereits über die Plattform „Kleinanzeigen“ verkauft oder verschenkt. In der vorletzten Woche war dann mein Arbeitszimmer an der Reihe, und hier insbesondere mein Bücherregal! Es ist schon erstaunlich, was sich da in den letzten 30 Jahren so angesammelt hat. Noch erstaunlicher war allerdings für mich, wie wenig Wesentliches nach meiner Durchsicht und dem Aussortieren übrig geblieben ist. Da gab es unzählige Bücher zu Themen wie Zeitmanagement, Selbstmanagement, Lebensmanagement, vieles davon aus christlicher Sicht. Das ist jetzt alles weg! Ich brauch‘ das alles nicht mehr, weil es für mein jetziges und zukünftiges Leben tatsächlich keinerlei Bedeutung mehr hat. Zeitprobleme, Notwendigkeiten, Fremdbestimmungen, Rollen, die ausgefüllt sein wollen, das alles tausche ich gerade in meinem neuen Rentnerdasein gegen Gelassenheit und innere Ruhe, nach dem Motto: „Alles kann, nichts muss! Wenn nicht heute, dann vielleicht nächste Woche.“ Einfach herrlich! Als ich so vor dem Berg aussortierter Bücher stand, kam mit der Post das neue Heft „Faszination Bibel“ ins Haus, das ich abonniert habe (und auch weiter abonnieren werde). In diesem Heft gibt es einen sehr schönen Artikel, der so wunderbar genau zu der gerade gemachten Erfahrung mit meinem Bücherregal passt, als sollte es so sein. Der Titel dieses Artikels ist: „Versöhnt mit dem Leben, wenn der Glanz verschwindet – Über Reifungsstufen des Glaubens“. Der Autor Albert Frey nimmt darin Bezug auf die drei Generationen, die Johannes in seinem ersten Brief direkt anspricht: "Ich schreibe euch, Kinder, weil euch die Sünden vergeben sind um seines Namens willen. Ich schreibe euch, Väter, weil ihr den erkannt habt, der von Anfang an ist. Ich schreibe euch, ihr jungen Männer, weil ihr den Bösen überwunden habt. Ich habe euch geschrieben, Kinder, weil ihr den Vater erkannt habt. Ich habe euch, Väter, geschrieben, weil ihr den erkannt habt, der von Anfang an ist. Ich habe euch, ihr jungen Männer, geschrieben, weil ihr stark seid und das Wort Gottes in euch bleibt und ihr den Bösen überwunden habt." (1. Johannes 2,12-14) Ich will hier gar nicht im Detail auf das eingehen, was Johannes diesen drei Generationen schreibt. Interessant ist einfach, wie die angesprochenen „Kinder“, „jungen Männer“ und „Väter“ nicht nur für drei Lebensabschnitte, sondern auch für Phasen des eigenen Glaubenslebens stehen. Genau das konnte ich so schön an meinem Bücherregal nachvollziehen. Da gab es zum Beispiel noch ein altes Heft „First Principles Biblemarking“. Das passt in die „Kinder“-Zeit meines Glaubens. Ich denke, „Kinder“ meint hier auch eher Jugendliche oder junge Erwachsene, ebenso wie Menschen, die noch jung im Glauben sind. Ich erinnere mich noch gut an die Anfänge, die erste Zeit nach meiner Taufe im Alter von nicht ganz 17 Jahren. Ich war total euphorisch und musste jedem von meinem Glauben erzählen (ob er wollte oder nicht). Da war das Leben noch geprägt von viel (vermeintlich) fester Meinung, aber wenig Erkenntnis. Es gab eine einfache Sicht auf die Dinge des Lebens. WAHR oder FALSCH, SCHWARZ oder WEISS, Zwischentöne – Fehlanzeige. Biblemarking war hoch im Kurs. Einfache Wahrheiten, sauber notiert und farbig hinterlegt. So wurden die neuen Erkenntnisse gleich in meiner Bibel „festgenagelt“. Wie sich der Glaube und damit auch solche „festgeschriebenen“ Notizen und Auslegungen im Laufe der Zeit verändern, konnte ich vor einigen Jahren feststellen. Krankheitsbedingt hatte ich eine erzwungene Auszeit von 3 Monaten. In dieser Zeit kaufte ich eine neue Studienbibel mit Schreibrand und setzte mich regelmäßig mit alter und neuer Bibel hin, um alles zu übertragen. Maßgebend war für mich dabei, nur solche Notizen zu übertragen, die ich auch jetzt noch verstehen und nachvollziehen konnte und weiterhin für richtig hielt. Und siehe da – ähnlich wie jetzt bei meinem Bücherregal – es blieb nur wenig übrig, was für mich weiter Gültigkeit und Wichtigkeit behielt. Das Leben als Jugendlicher war (im Rückblick) noch vergleichsweise „unkomplex“. Wenig eigene Verantwortung. Das Elternhaus als sicherer Hafen. Ich konnte mich unbeschwert ausschließlich um mein eigenes Leben kümmern. Aber so blieb es natürlich nicht. Die von Johannes als „junge Männer“ angesprochenen sind wohl zu vergleichen mit der beginnenden Selbstständigkeit als erwachsener Mensch und schließen die ganze Phase des immer komplexer werdenden Lebens (auch Glaubenslebens) ein, vermutlich bis zum Ende des Arbeitslebens. Eben die Phase, von der mein Bücherregal so voll war. Mit dem Auszug von zuhause am Studienanfang begann auch für mich das tatsächlich eigenverantwortliche Leben. Eigene Wohnung, eigenes Auto, eigene Krankenversicherung, das Geld musste reichen. Von da an hat das Leben stetig an Komplexität zugenommen. Beziehungen, Abhängigkeiten, Notwendigkeiten, Verantwortungen wurden immer mehr. Ehepartnerin, Kinder, Kollegen, Arbeitgeber, Gemeinde, Sportverein. Alles wollte zur selben Zeit bedacht, gepflegt, gemanagt sein. Schon allein dieses Zeitproblem, alles unter einen Hut zu bekommen, funktionierte bald nicht mehr ohne Kompromisse. Und so wurden auch aus dem einfachen schwarz/weiß der Jugend immer mehr Grautöne. Wesentlich für diese Lebensphase ist sicherlich das Berufsleben. Sich entwickeln, Erfahrung sammeln, einen guten Job machen, gut dienen. Das waren meine Triebfedern in diesem Bereich. Ganz nach biblischer Maßgabe: "Ihr Sklaven, gehorcht in allem euren irdischen Herren, nicht in Augendienerei, als Menschengefällige, sondern in Einfalt des Herzens, den Herrn fürchtend! Was ihr auch tut, arbeitet von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen, da ihr wisst, dass ihr vom Herrn als Vergeltung das Erbe empfangen werdet; ihr dient dem Herrn Christus." (Kolosser 3,22-24) Damit wurde auch das Glaubensleben komplexer. Das Verständnis der eigenen Gottesbeziehung wuchs mit den zunehmenden Verantwortungen. Zunächst für den Partner, mit dem man eine lebenslange Bindung eingeht. Tiefer wurde das Verständnis für Gott als liebenden Vater dann natürlich durch die eigenen Kinder. Sorge um die Kleinen, liebevolle richtunggebende Zurechtweisung, Erziehung zu selbstständigen Persönlichkeiten. Erst dadurch habe ich besser verstanden, was Vater sein auch für Gott in seiner Beziehung zu mir bedeutet. Da zwangsläufig mit der Komplexität auch die eigenen Fehler zunahmen, wurden biblische Begriffe wie Vergebung und Gnade erst richtig mit Leben gefüllt. Auch das Leben mit den Geschwistern in der Gemeinde wurde komplexer. Viele schlechte Dinge, die uns im Alltag begegnen, machen leider auch vor der Gemeinde nicht halt. Das war für mich oftmals ein schwieriger Lernprozess und eine schmerzliche Erfahrung. Die richtige Balance zwischen all diesen Komplexitäten zu finden, dazu waren für mich offenbar all die vielen „Ratgeber“ in meinem Bücherregal irgendwann tatsächlich hilfreich. So, wie es der dänische Philosoph Kierkegaard ausgedrückt hat: "Das Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden." Im Rückblick stellt sich dann - wie die vielen jetzt unnützen Bücher - heraus, dass vieles von dem, was mir so wichtig und wesentlich schien, doch nur „ein Haschen nach Wind“ war, wie es der Prediger sagt. Jetzt bin ich in der Lebens- und Glaubensphase angekommen, die Johannes als die „Väter“ anspricht. Hier sind vielleicht auch eher die Großväter gemeint. Das Schöne an dieser Phase ist, dass die Komplexität des Lebens wieder sehr deutlich spürbar abnimmt. Außerdem betrachte ich es als großes Geschenk, die Zeit zu haben, mit Muße auf das bisherige Leben zurückblicken zu dürfen und durch solche Erfahrungen wie die Entrümpelung meines Regals und den zeitgleichen schönen Artikel in der Zeitschrift die Nähe unseres himmlischen Vaters zu spüren. Das gibt mir die Gelassenheit, das Leben auch noch weiter um Unnötiges zu erleichtern. Heute erlaube ich mir, nicht zu allen Themen des Glaubens eine Meinung haben zu müssen und mein Verhältnis zu anderen Christen ist auch wesentlich entspannter geworden. Durch den Rückblick auf das eigene Leben und die Phasen meines Glaubenslebens prägt jetzt auch zunehmend eine entspannte „Altersmilde“ den Blick auf die anderen Generationen. Und so freue ich mich jetzt, gemeinsam mit meiner Frau das Leben weiter nach vorne zu leben in einen neuen Abschnitt hinein, an einem neuen Ort mit neuen Erlebnissen und Erfahrungen. Ganz so, wie es ebenfalls der Prediger sagt: "Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, alle Tage deines flüchtigen Lebens, die er dir unter der Sonne geschenkt hat. Das ist dein Lohn für die Mühsal und Arbeit unter der Sonne." (Prediger 9,9). Hallelujah! (Gelobt sei Jahweh, unser Gott) Euer Peter Foto von Shiromani Kant auf unsplash
- Das Geheimnis von Ostern
So heißt die Ausstellung in der wir vor ein paar Tagen waren (https://geheimnis-von-ostern.de/). Es ging um das Leben Jesu. Sehr anschaulich konnte man mit allen Sinnen Jesu Lebensweg nachempfinden. Das ganze wurde von ehrenamtlichen Helfern aufgebaut und durchgeführt. Alle haben sich sehr viel Mühe gegeben und es war sehr schön, die verschiedenen Geschmäcker, Gerüche, Empfindungen und Geschichten zu erleben. Aber das Bemerkenswerteste und Ergreifendste war, dass die Evangelische Stiftung Neuerkerode (ESN) mit ein paar Personen da war. Die ESN sagt über sich selbst: "Sie stehen im Zentrum der Arbeit unserer Organisation: Menschen, die wir im Geiste christlicher Nächstenliebe achtsam unterstützen. Wir begegnen jedem Hilfebedürftigen mit allem Respekt, den menschliche Würde erfordert, weil sie unantastbar ist. Das ist das Prinzip des Handelns, in allem, was wir tun. Dafür gibt es uns." (https://www.netzwerk-esn.de/) Sie ist unter anderem tätig in den Bereichen Pflege und Senioren, Arbeit und Qualifizierung für Menschen mit Handicap, Rehabilitation und Suchthilfe sowie Behindertenhilfe. Bei der Ausstellung waren zwei Betreuerinnen mit vier Menschen mit Behinderungen. Und das Allerschönste war, mitzuerleben wir sehr die Führung eine von den Vieren bewegt hat. Sie war voller Eifer dabei und hat ohne Hemmungen kommentiert und mit ganzem Herzen mitgefiebert. Als wir beim Abendmahl angekommen waren, meinte sie den Tränen nahe: "Aber danach stirbt Jesus doch!" Es hat sie richtig mitgenommen. Sie schien Jesus sehr nahe zu sein und das so ungefiltert mitzubekommen, war sehr bewegend. Nach Jesu Kreuzigung hatte sie den Wunsch ein Lied zu singen und war ein bisschen geknickt als sie das Lied, was automatisch gespielt wurde, leider nicht kannte und sie nicht mitsingen konnte. Wir sind manchmal so verkopft und gehemmt, unseren Empfindungen Ausdruck zu verleihen, da war es mehr als erfrischend, das mitzuerleben. Und ich glaube, Jesus war genauso ungezwungen. Einfach weil er sich nicht darum geschert hat, was andere von ihm dachten. Er wusste, dass er anecken würde mit dem, was er zu sagen hatte. Aber er tat es trotzdem. Aus Liebe zu Gott und zu uns. Und er hat sich auch nicht geschämt oder es war ihm unangenehm, von Gott zu erzählen und seinen Empfindungen Ausdruck zu verleihen. Und das alles aus Liebe. Und genauso pur und rein, wie der Glaube der Frau war, so stelle ich mir auch Jesu Glauben vor. Mit so einer Inbrunst liebt auch Jesus uns und hat deswegen alles auf sich genommen, was ihm geschehen ist. "Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Das habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde. Das ist mein Gebot: Dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe. Niemand hat grössere Liebe als wer sein Leben einsetzt für seine Freunde." (Johannes 15,9-13) Und wie Jesus sein Leben eingesetzt hat für uns. Jahrelang hat er so vieles erduldet: Beschämungen, Erniedrigungen, Missbilligungen, Ablehnungen und einiges mehr. Trotzdem hat er immer weiter gemacht und seine Botschaft fast schon positiv renitent weiter verkündet, bis er die größte Last auf sich genommen hat und einen furchtbaren Tod gestorben ist. Das muss wirklich schrecklich und Furcht einflößend gewesen sein, aber zum Glück - Gott sei Dank - ist die Geschichte dort nicht zu Ende. Für all das, was er getan hat, hat Gott ihn auferweckt, ihn zu sich geholt und zu seiner Rechten gesetzt. "Jesus aber schwieg. Und der Hohe Priester sagte zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, uns zu sagen, ob du der Messias bist, der Sohn Gottes. Da sagt Jesus zu ihm: Du sagst es. Doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Menschensohn sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels." (Matthäus 26,63-64) "Der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr wisst, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welch reiches und herrliches Erbe er für die Heiligen bereithält und wie überwältigend gross die Kraft ist, die sich als Wirkung seiner Macht und Stärke an uns, den Glaubenden, zeigt. Diese Kraft hat er an Christus wirken lassen, als er ihn von den Toten auferweckte und in den Himmeln zu seiner Rechten setzte: hoch über jedes Regiment, jede Macht, Gewalt und Herrschaft und über jeden Namen, der nicht allein in dieser, sondern auch in der kommenden Weltzeit genannt wird." (Epheser 1,17-21) Sodass Jesus auch jetzt noch für uns da ist und wir durch ihn, so wie es in Epheser steht, eine wunderbare Hoffnung haben können. "Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen ausser dem, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Menschensohn. Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat. Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er den einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. Denn Gott hat den Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde." (Johannes 3,13-17) "Und darin besteht das Zeugnis, dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht. Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt, ewiges Leben habt." (1. Johannes 5,11-13) Im ersten Johannes Brief geht es allerdings auch noch weiter. Wenn wir an Jesus glauben, haben wir nicht nur das ewige Leben, sondern wir können auch jetzt schon unsere Probleme und Bitten hervorbringen und uns wird geholfen. "Und darauf gründet unsere Zuversicht: dass er uns erhört, wenn wir etwas erbitten nach seinem Willen. Und wenn wir wissen, dass er uns erhört, in allem, was wir erbitten, dann wissen wir auch, dass wir erhalten, worum wir ihn gebeten haben." (1. Johannes 5,14-15) Und das alles aus Liebe. "Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Die grösste unter ihnen aber ist die Liebe." (1. Korinther 13,13) Eure Lisa ❤️
- Alles hat seine Zeit
„Hokuspokus steckt der Krokus seine Nase schon ans Licht“ Diese Zeile aus Rolf Zuckowskis „Immer wieder kommt ein neuer Frühling“ geht mir in letzter Zeit immer wieder durch den Kopf, wenn ich Spazieren gehe. Überall schießen seit den letzten Wochen die Krokusse aus dem Boden und kündigen genau diesen immer wiederkehrenden Frühling an. Wie jedes Jahr erinnert uns der Beginn des Frühlings daran, dass die dunklen regnerischen Tage des Winters nicht für immer andauern und wir darauf vertrauen dürfen, dass dem Regen immer wieder auch die Sonne folgen wird. Im letzten Jahr hat Daniel sehr passend seine Gedanken dazu zusammengefasst, wie schnell wir manchmal vergessen, dass der Winter nicht ewig andauert und wie viel Trost wir aus dem Versprechen Gottes nach der Sintflut ziehen können, dass der Lauf der Jahreszeiten von Dauer sein wird. Lest hierzu gerne noch einmal seinen Beitrag Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Doch wie geht man mit dem Wissen um, dass auch der Sommer nicht für immer bleiben wird? Dass auch nach dem lang ersehnten Sonnenschein wieder die nächste Regenperiode kommt? Mit diesen Fragen möchte ich mich heute beschäftigen. Nach dem Regen die Sonne und wieder der Regen Während ich diesen Beitrag schreibe, scheint die Sonne in mein Arbeitszimmer und beim Blick aus dem offenen Fenster sehe ich einen blauen Himmel. Vielleicht sieht es bei euch ähnlich aus, wenn ihr diesen Beitrag lest. Vielleicht fällt euer Blick aus dem Fenster aber auch auf graue Wolken und Regentropfen an der Scheibe. Sollte letzteres auf euch zutreffen, kann ich euch versichern, dass die Sonne auch für euch bald wieder scheinen wird. Doch sollte bei euch bereits die Sonne scheinen, könnte ich euch mit gleicher Sicherheit versprechen, dass der nächste Regen kommen wird. Gleiches gilt auch im übertragenen Sinn für unser Leben: Wie der Tag auf die Nacht, der Sommer auf den Winter oder die Sonne auf den Regen, so folgen auch in unserem Leben den schweren Zeiten immer wieder bessere Zeiten… Bis sie wieder in schwerere Zeiten umschlagen. Weder das eine noch das andere ist von Dauer. Oder wie es der Prediger ausdrückt: „Und die Sonne geht auf, und die Sonne geht unter, und sie strebt ihrem Ort zu, wo sie wieder aufgeht. Der Wind geht nach Süden und wendet sich nach Norden. Immer wieder sich wendend geht er dahin, und zu seinem Ausgangspunkt kehrt der Wind zurück. […] Das, was war, ist das, was wieder sein wird. Und das, was getan wurde, ist das, was wieder getan wird. Und es gibt gar nichts Neues unter der Sonne.“ (Prediger 1,5-9) Ich muss zugeben, dass ich das Buch Prediger immer etwas ernüchternd fand. Insbesondere als junger Mensch mitten in der „Quarter Life Crisis“ findet man in der Erkenntnis des Predigers, dass alles „Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind“ (Prediger 1,14) ist, zunächst wenig Trost. Folgt man den ersten Kapiteln des Buches, dann hat der Verfasser hier offensichtlich alles ausprobiert: Streben nach Weisheit und Erkenntnis, nach reinem Vergnügen, nach Reichtum und Besitz. Über all diese Herangehensweisen fällt er das gleiche Urteil: Es ist nur Haschen nach Wind. Doch ist das Buch Prediger keineswegs ein durchgängig negatives Buch. An vielen Stellen wird ebenso die Freude betont. So schreibt der Prediger unter anderem Folgendes: „Ich erkannte, dass es nichts Besseres bei ihnen gibt, als sich zu freuen und sich in seinem Leben gütlich zu tun. Aber auch, dass jeder Mensch isst und trinkt und Gutes sieht bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.“ (Kapitel 3,12f.) „Siehe, was ich als gut, was ich als schön erkannt habe: Dass einer isst und trinkt und Gutes sieht bei all seiner Mühe, mit der er sich abmüht unter der Sonne, die Zahl seiner Lebenstage, die Gott ihm gegeben hat; denn das ist sein Teil.“ (Kapitel 5,17) Diese und ähnliche Aussagen wiederholen sich an einigen Stellen des Buches. Auch wenn sie als flüchtig beschrieben werden, hält der Prediger es für richtig, dass wir die Freuden, die uns das Leben bietet auch entsprechend genießen und sie dankbar als Gaben Gottes entgegen nehmen. Er bringt aber ebenso zum Ausdruck, dass schwere Zeiten unausweichlich genauso Teil unseres Lebens sind wie die guten Zeiten: „Für alles gibt es eine bestimmte Stunde. Und für jedes Vorhaben unter dem Himmel gibt es eine Zeit: Zeit fürs Gebären und Zeit fürs Sterben, Zeit fürs Pflanzen und Zeit fürs Ausreißen des Gepflanzten, […] Zeit fürs Weinen und Zeit fürs Lachen, Zeit fürs Klagen und Zeit fürs Tanzen, […]“ (Kapitel 3,1-4) „Alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit, […]“ (Kapitel 3,11) Die Höhen und Tiefen unseres Lebens gehören zueinander wie der Tag und die Nacht und die verschiedenen Jahreszeiten. Nur das eine ohne das andere gibt es nicht – zumindest nicht in diesem Leben. Nichtigkeit vs. Ewigkeit So oft der Prediger auch die Nichtigkeit und Flüchtigkeit des Lebens beschreibt, so deutlich wird auch betont, dass das Handeln Gottes anderen Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Immer wieder wird davon gesprochen, dass die Dinge, die Gott tut, keineswegs flüchtig sind, sondern ewig Bestand haben. „Ich erkannte, dass alles, was Gott tut, für ewig sein wird. Es ist ihm nichts hinzuzufügen und nicht davon wegzunehmen.“ (Kapitel 3,14) Es ist also nicht alles Nichtigkeit und Haschen nach Wind, sondern ohne Gott ist alles Nichtigkeit und Haschen nach Wind. Den Erkenntnissen des Predigers kann man kaum widersprechen. Nicht umsonst finden sich einige der Themen auch in unserem heutigen Sprachgebrauch wider à la „Das letzte Hemd hat keine Taschen“. Erkenntnis, Reichtum und Weisheit führen weder zu einem Leben ohne Probleme noch können sie uns vor dem Tod bewahren und nur selten haben unsere Werke über unseren Tod hinaus noch Bestand. Doch deutet auch der Prediger schon darauf hin, dass das nicht alles ist, was uns in Aussicht gestellt wird. Der weiter oben schon zitierte Vers 11 von Kapitel 3 hat noch eine interessante zweite Hälfte: „[…] auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, nur dass der Mensch das Werk nicht ergründet, das Gott getan hat, vom Anfang bis zum Ende.“ (Kapitel 3,11) Die Dauerhaftigkeit und Ewigkeit, von der wir in Bezug auf Gottes Handeln lesen, ist etwas, woran wir teilhaben dürfen. Unsere Schlussfolgerung aus den Ausführungen des Predigers muss nicht sein „Lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot!“ (1. Korinther 15.32). Wir lesen davon, dass es nicht falsch ist, unser Leben zu genießen, wenn wir die Gelegenheit dazu haben. Doch das ist nicht alles, auf das wir hoffen dürfen. Jetzt gibt es eine „Zeit fürs Weinen und Zeit fürs Lachen“ und „die Sonne geht auf und die Sonne geht unter“, doch wir lesen auch von einer Zeit, in der diese Dualität aus Höhen und Tiefen in unserem jetzigen Leben aufgehoben sein wird. „Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (Offenbarung 21,4) „Und Nacht wird nicht mehr sein, und sie bedürfen nicht des Lichtes einer Lampe und des Lichtes der Sonne; denn der Herr, Gott, wird über sie leuchten, und sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ (Offenbarung 22,5) Ein Ausweg aus der Vergänglichkeit Dieser Ausblick auf die Ewigkeit entbindet uns selbstverständlich nicht von unserer Verantwortung für unser jetziges Leben und ich möchte das Hier und Jetzt keineswegs vernachlässigen, aber ich finde diesen Blickwinkel wichtig, um die Botschaften aus Prediger einordnen zu können. „Alles ist Nichtigkeit!“ (Kapitel 12,8) ist vor diesem Hintergrund keine Aussage, die entmutigend wirken muss. Vielmehr zeigt sie uns, wie unsere Probleme im Vergleich mit der Ewigkeit verblassen und wie unsere jetzigen Freuden nur Vorboten sind für eine vollkommene Freude. Wir können die regnerischen Tage ertragen in der Gewissheit, dass die Sonne wieder scheinen wird und wir können die sonnigen Tage in vollen Zügen genießen, ohne uns davon entmutigen zu lassen, dass es irgendwann auch wieder regnen wird. Wir können uns über die Krokusse freuen, die den Frühling ankündigen und diese Freude sollte nicht dadurch gemindert werden, dass es einen nächsten Winter geben wird. Alles vergeht, aber das, was Gott tut, hat Bestand. Und daran dürfen wir teilhaben. So wie Paulus in 1. Korinther schreibt: „Denn dieses Vergängliche muss Unvergänglichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen.“ (1. Korinther 15,53) „Daher, meine geliebten Brüder, seid fest, unerschütterlich, allezeit überreich in dem Werk des Herrn, da ihr wisst, dass eure Mühe im Herrn nicht vergeblich ist!“ (1. Korinther 15,58) Während ich diese letzten Zeilen schreibe ist die Sonne, die zuvor noch in mein Arbeitszimmer geschienen hat, untergegangen. Eigentlich wollte ich diesen Beitrag damit beenden, ganz im Sinne des Predigers darauf zu verweisen, dass ich jetzt vor die Tür gehen werde, um die Sonne zu genießen, bevor die nächsten Tage wieder wolkenverhangen sind. Aber vielleicht ist es umso passender, dass ich diesen Beitrag in dem Wissen schließen kann, dass heute nicht meine letzte Gelegenheit war, einen Tag in der Sonne zu verbringen. Und in der Zwischenzeit hoffe ich, dass auch meine Mühe, meine Gedanken für euch aufzuschreiben, nicht vergeblich war 😉 Bis zum nächsten Mal! Eure Lea
- Gott erleben - 2
Herz Heute möchte ich den Begriff Herz einmal betrachten. Er wird häufig gebraucht. Herzlichen Glückwunsch ... Schweren Herzens ... Von ganzem Herzen ... Herz-Schmerz ... Dein ist mein ganzes Herz ... Im Innern meines Herzens ... Herz-Reden ... Mein Herz verschmachtet ... Jubelnden Herzens ... Wofür steht das Wort Herz? Im Theologischen Begriffslexikon - Verlag Brockhaus - habe ich viele Informationen gefunden, die ich hier in meine Gedanken zum Wort "Herz" einfließen lasse. Das Herz steht für das Ich des Menschen. Es macht den Menschen aus, bildet seine Persönlichkeit aus. So gesehen umschließt das Herz die ganze individuelle Person. Organ Das schlagende Herz in der Mitte des Leibes treibt den Körper an. Dies ist die Voraussetzung für das Tun. So findet die "natürliche Willenskraft" und das "wollende Ich" ihren Ausdruck. Psyche Die Inspiration zum Handeln entwickelt sich in dem nicht physischen Anteil des Herzens. Die Psyche vereint in der modernen Sichtweise die Gefühle, die Gedanken und das Verhalten. Hier entwickeln sich die "Leidenschaften und Triebe", "Emotionen", das "Wissen" ("Sinn") und der "Wille". Geist In meiner Textquelle wird der nicht physische Teil des Herzens als zwei "Orte" beschrieben. Die Orte sind: Die "Kräfte des Geistes, mit Verstand und dem Willen" Die "Strömungen der Seele, mit Gefühle, Leidenschaften und Triebe". So gesehen gäbe es nach diesem Verständnis neben dem Begriff der Psyche noch die hier eingefügte Überschrift Geist. Ich finde es wichtig den Begriff Geist hier in die Beschreibung des Herzens einzufügen. Ob er für sich steht, oder Bestandteil des Oberbegriffs Psyche ist, finde ich nicht entscheidend. Der so geschaffene und ausgestattete Mensch (lebendige Seele) ist befähigt, selbstständig und frei in dieser Welt zu leben. Der natürliche Mensch ist unabhängig von Gott. Gott erleben Dies heißt jedoch nicht, dass der Mensch ohne die Beziehung zu Gott sein will und ohne ihn auskommt. Paulus beschreibt das einmal so: Aber er zeigte ihnen immer wieder, dass er lebt; denn er hat euch viel Gutes getan. Ihm verdankt ihr den Regen und die guten Ernten; er gibt euch zu essen und macht euch glücklich. (Apostelgeschichte 14,17) Gerade weil der Mensch sich als "Herz" Mensch wahrnimmt, entwickelt er Verantwortung. Er richtet sein Handeln danach aus, ob es gut oder böse ist. Dies stellt ihn in die "Verwandtschaft" mit Gott. Er ist ihm gleich. So kann Gott mit seinem Geist, den Geist im Herzen von jeder Person erreichen. Die Bibel drückt es so aus: Weil ihr nun seine Kinder seid, schenkte euch Gott seinen Geist, denselben Geist, den auch der Sohn hat. Jetzt können wir zu Gott kommen und zu ihm sagen: »Abba, lieber Vater!« (Galater 4,6) Es ist der Geist der Liebe. So gesehen ist das Herz als Symbol für die Liebe sehr passend ausgewählt: Diese Hoffnung aber geht nicht ins Leere. Denn uns ist der Heilige Geist geschenkt, und durch ihn hat Gott unsere Herzen mit seiner Liebe erfüllt. (Römer 5,5) Jesus ist der rettende Gedanke Gottes für alle Menschen, für alle Geschöpfe: Mein Gebet ist, dass Christus durch den Glauben in euch lebt. In seiner Liebe sollt ihr fest verwurzelt sein; auf sie sollt ihr bauen. (Epheser 3,17) Diese Herzensverbundenheit löst unfassbare Sicherheit, absolute Gerechtigkeit und sorgloses Vertrauen aus: So drückte er uns sein Siegel auf, wir sind sein Eigentum geworden. Das Geschenk des Geistes in unseren Herzen ist Gottes sicheres Pfand für das, was er uns noch schenken wird. (2.Korinther 1,22) In diesem Sinne, sei ein offenes Herz. Ingo Anmerkungen und Fragen könnt ihr gern als Kommentar eintragen. Oder gern auch direkt an mich: ingo@einfach-biblisch.de Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. Ingo Tauchert
- Schwimmen
Der erste Termin für das "Kleinkindschwimmen" steht bevor. Unser Sohn stand seit einem Jahr auf der Warteliste für einen Kurs und nun konnte ich einen Platz ergattern. Ich spüre, dass ich einerseits dankbar bin und auf der anderen Seite nervös und aufgeregt, weil ich mich in letzter Zeit viel mit dem "Schwimmenlernen" beschäftigt habe. Ich bin zu dem Schluss gekommen, Schwimmhilfen eher abzulehnen, zum einen, weil sie gefährlich sind und eine falsche Sicherheit im Wasser vorgeben, und zum anderen, weil damit eine falsche Haltung im Wasser erlernt wird. Schwimmen "können" ist für mich nicht nur das Überwasserhalten und die Fortbewegung im Wasser, sondern vor allem auch Gewässer einzuschätzen und Gefahren zu erkennen. So ist es am wichtigsten für mich, dass mein Kind die Erfahrung macht, dass das Wasser ihn trägt, wenn er es zulässt und lernt, den natürlichen Auftrieb zu nutzen. Ich wünsche mir also, dass er in die Verbindung mit dem Wasser kommt und darauf vertraut, dass es ihn trägt. Alle Schwimmtechniken sind dann zweitrangig. Jetzt stehen wir hier am Beckenrand mit vielen anderen Kindern und Eltern und warten, dass wir ins Wasser dürfen. Von einem natürlichen Wasser sind wir hier natürlich weit entfernt. Ich sage unserem Sohn, dass das Wasser sehr tief ist und er nur mit mir gemeinsam ins Wasser gehen darf. Es scheint so, dass er das versteht und akzeptiert. Ich habe mir vorher fest vorgenommen, Schwimmflügel abzulehnen, wenn damit geübt werden sollte. Auf den ersten Blick sehe ich viel Spielzeug – zum Glück wenige Schwimmhilfen – und Kinder zwischen zwei und drei Jahren, die mutig vom Beckenrand ins Wasser springen (in die Nähe ihrer Eltern) und tauchen. Davon bin ich schon sehr beeindruckt. Nachdem der Vorkurs mit einem Lied verabschiedet wurde, dürfen wir ins Becken. Tiefe: ca. 1,30m. Mein Sohn geht bereitwillig mit mir ins Wasser und freut sich. Für mich ist es im Becken sehr laut und wuselig, ich kann die Schwimmtrainerin fast gar nicht verstehen. Wir machen ein paar Übungen im Wasser und üben dann die Kinder am Beckenrand loszulassen, wo sie sich festhalten können. Ich merke langsam die Reizüberflutung und werde angespannter. Unser Kind ist zum Glück entspannt und fühlt sich wohl im Wasser. Er geht ein paar Mal unter, verschluckt sich einmal, aber das scheint ihm nichts auszumachen. Am Ende bin ich erleichtert, dass er das Angebot so gut annimmt. Und doch habe ich ein komisches Bauchgefühl. Ist es wirklich das, was ich möchte? In den darauffolgenden Kursstunden werden anfangs Trockenübungen gemacht. Die Bewegungen der Arme und Beine werden geübt. Eigentlich sind Kinder erst mit fünf oder sechs Jahren kognitiv in der Lage so eine komplexe Technik wie das Brustschwimmen zu erlernen. Ich bleibe also ganz entspannt und übe keinen Druck aus. Andere Eltern leider schon und ich bekomme Mitleid mit den Kindern. Im Wasser sollen die Arm- und Beinbewegungen dann geübt werden, lediglich mit einer Schwimmnudel unter dem Bauch/Brust als Unterstützung. Das kann ich gerade noch akzeptieren. Jetzt, am Ende des Kurses, kann ich sagen, dass unser Sohn sich mit der Schwimmnudel frei im Wasser bewegen kann ohne unterzugehen. Er springt selbstbewusst vom Beckenrand geht kurz unter und kann die Luft dabei anhalten. Ich bin natürlich stolz darauf, aber ist das der richtige Weg? Ob wir einen weiteren Kurs besuchen, weiß ich noch nicht. Für mich fühlt es sich irgendwie nicht ganz richtig an. Wir gehe ich damit um? Dieses Thema führt mich allgemein dazu, wie ungern ich Entscheidungen treffe. Das ist wirklich nicht meine Stärke. Oft entscheide ich nach Gefühl ohne mir viele Gedanken über das Für und Gegen zu machen, geschweige denn, am Ende des Prozesses eine rationale Begründung zu haben. So fühlt sich mein Leben an manchen Tagen an als würde ich schwimmen. Ich weiß nicht, ob es nach links oder nach rechts geht. Wie soll ich mich entscheiden? Warum muss ich mich entscheiden? Was sind eigentlich MEINE Bedürfnisse? Was wollen Gott und Jesus von mir? Im Moment weiß ich das nicht so genau und habe das Gefühl, dass ich "feststecke" und nicht weiß wohin die "Reise" geht. Mache ich meine Entscheidungen vom Wohlbefinden anderer anhängig? Ja, sehr oft. Das verunsichert mich total. Dann bekomme ich ganz schlechte Laune und merke wie ich unzufrieden werde mit anderen und vor allem mit mir selbst. Wasser ist auch nicht so wirklich mein Element. Ich fühle mich eher unsicher in offenen Gewässern, kenne die Gefahren und bin vorsichtig. Ich halte mich an Seen und am Meer hauptsächlich im flachen Wasser auf. Eine gute Schwimmerin bin ich auch nicht. Doch Schwimmen hat auch etwas Positives: Wenn ich mich sicher fühle, spüre ich im Wasser ganz bewusst den Auftrieb und kann mich sehr gut entspannen. Ich fühle mich geborgen und trotzdem frei, ganz im Hier und Jetzt. Verbunden und im Einklang mit der Natur ... ... und dann ... ... meldet sich hinten in meinem Kopf eine leise Stimme: "Reicht das? Ist das genug? Darf ich einfach sein?" Eure Freya Rise up and shine!
- Nichts zu verlieren?
Vor vier Wochen hat mein Glaubensleben einen unerwarteten Boost erhalten. Ich habe seitdem so viel in der Bibel gelesen, wie schon lange nicht mehr, und mich intensiv mit Fragen beschäftigt, die ich mir schon lange nicht mehr gestellt hatte. Auslöser dafür war kein herausfordernder Podcast und auch keine mitreißende Predigt, sondern eine Dienstreise. Ich war für ein Team-Event mit meiner gesamten Abteilung zu unserem Firmenhauptsitz gereist und hatte dort drei schöne Tage des Austauschs, Kennenlernens und gemeinsam Kochens erlebt. Da besagter Hauptsitz etwa 6 Stunden von Braunschweig, wo ich wohne und arbeite, entfernt ist, schien es mir praktisch, gleich noch ein paar Arbeitstermine anzuhängen und noch für eine weitere Woche zu bleiben. Nach Ende der drei Tage Team-Event wurde es jedoch schlagartig unangenehm still im Hotel. Alle anderen Kollegen, die für Trubel am Frühstücksbuffet und geselliges Gewusel abends an der Hotelbar gesorgt hatten, waren wieder abgereist und ich blieb allein zurück – fast zumindest. Denn meine Kollegin und gute Freundin Steffi, die inzwischen in Kanada wohnt und extra von dort angereist war, blieb ebenfalls noch ein paar Tage länger. Wir trafen uns also morgens zum Frühstück, fuhren gemeinsam zur Arbeit und hatten mehrere lange Feierabende mit nichts zu tun, außer über Gott und die Welt zu quatschen. Und das taten wir auch – wortwörtlich. Ich kann selbst nicht mehr rekonstruieren, über was genau wir an diesen paar Abenden geredet haben, aber das Ergebnis war, dass wir nun seit vier Wochen einen kleinen Buchclub haben und (mit inzwischen wieder neun Stunden Zeitverschiebung) einen Klassiker der Weltliteratur gemeinsam lesen: die Bibel. Inzwischen ist aus unserem kleinen literarischen Duett sogar ein literarisches Quartett geworden, mit ziemlich klar verteilten Rollen: Steffi, die die Bibel zum ersten Mal außerhalb des Schulunterrichts liest, stellt die schwierigen und herausfordernden Fragen, meine Frau, eine weitere gläubige Kollegin und ich versuchen aus unseren verschiedenen christlichen Hintergründen halbwegs zufriedenstellende Gedanken dazu beizusteuern – alles über einen gemeinsamen Excel-Leseplan und eine Chat-Gruppe bei Signal. Ein kleines Abenteuer, aber eins, das allen Beteiligten viel Spaß macht! Es war so ca. zwei Wochen nachdem unser Projekt gestartet war, als ich mal einen Zwischenstand erfragen wollte und Steffi einfach geradeheraus schrieb: Was denkst du denn bisher eigentlich zu dem allen? Tendierst du dazu zu glauben, dass es einen Gott gibt? Oder hältst du das alles für nette Märchen mit ganz guten moralischen Ideen? Ihre Antwort zeigte mir, dass sie sich definitiv nicht erst seit zwei Wochen mit diesen Fragen beschäftigte oder zumindest den Religionsunterricht in der Schule nicht nur verschlafen hatte. Sie schrieb in etwa Folgendes: „Ich halte das erst mal mit Blaise Pascal: Wer an Gott glaubt, hat nichts zu verlieren aber alles zu gewinnen.“ Wow. Das war unerwartet philosophisch und deep. Und es machte mich nachdenklich … stimmte ich dem zu? Den Part, dass es alles zu gewinnen gibt, konnte ich ohne Frage unterschreiben. Was ich erlebte, war ja quasi der Traum eines jeden Vertrieblers: Die Kundin brachte selbst die besten Kaufargumente! Aber musste ich in meiner Rolle als Gottes Außendienstmitarbeiter nicht auch ehrlich sein und die Kundin auf mögliche Risiken hinweisen? Ich fragte mich daher selbst: Gibt es im Glauben wirklich nichts zu verlieren? Seitdem habe ich ein bisschen zu dieser sinngemäß zitierten Aussage von Blaise Pascal recherchiert. Sie stammt aus einem Werk von ihm mit dem Namen „Pensées“ (zu Deutsch etwa: Gedanken). In diesem Buch stellt er die sogenannte Pascal’sche Wette vor, die in ihren Einzelheiten noch ein gutes Stück über die oben genannte vereinfachte Zusammenfassung hinaus geht. Wer mehr dazu wissen möchte, findet z.B. bei Wikipedia eine gute Einführung und weiterführende Links. Auch präsentiert der Wikipedia-Artikel einige nachvollziehbare Kritikpunkte an der doch recht übersimplifizierten Wette, auf die Pascal offenbar auch selbst später noch eingegangen ist. Demnach müsste eine sinngemäße Zusammenfassung seiner Aussage wohl eher heißen: Wer an Gott glaubt, hat wenig zu verlieren aber alles zu gewinnen. Mit dieser Formulierung fühle ich mich ein ganzes Stück wohler und auch vor meiner Recherche war das im Kern, was ich Steffi zurückschrieb: Ja, du kannst alles gewinnen (=ewiges Leben in Frieden und Freude), aber es ist nicht so, dass der christliche Glaube ganz ohne Opfer auskommen würde – und damit meine ich nicht die Opfer aus dem mosaischen Gesetz. Eine Passage, die mir beim Nachsinnen über die potenziellen Abstriche im Leben durch den Glauben direkt in den Kopf kam, war folgende: „Wenn wir allein in diesem Leben auf Christus gehofft haben, so sind wir die elendesten von allen Menschen.“ (1. Korinther 15,19) Ganz schön drastische Worte von Paulus. Der Kontext ist hier, dass einige junge Christen in Korinth offenbar nicht an die Auferstehung aus den Toten glaubten. Paulus steht dem vehement entgegen, indem er schreibt, dass die Auferstehung sogar ganz im Kern des christlichen Glaubens steht. Es ist die zentrale christliche Hoffnung und das, wonach Christen sich sehnen: Endlich ein Leben in Frieden mit Gott und ohne all das Leid, das wir uns gegenseitig und der Erde in unserer jetzigen Imperfektion kontinuierlich antun. Wenn es diesen finalen Zustand nicht gibt, so argumentiert Paulus, dann ist unser Glaube ziellos. Und nicht nur das: Er schadet uns sogar. Oder um es in Anlehnung an Blaise Pascal zu sagen: Wer sich auf den Glauben an Gott einlässt, hat alles zu gewinnen, aber auch eine ganze Menge zu verlieren! Nur … was meint Paulus eigentlich damit? So klingt die Wette erst mal nicht mehr sehr verlockend, oder? Ich glaube, dass er hier ganz praktisch um die Auswirkungen geht, die ein Leben mit christlichen Werten mit sich bringt. In vielen Fällen heißt das nämlich: zurückstecken, nachgeben, „den unteren Weg gehen“ oder die andere Wange hinhalten. So sagt es Jesus selbst: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. Ich aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlagen wird, dem biete auch die andere dar; und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Untergewand nehmen will, dem lass auch den Mantel! Und wenn jemand dich zwingen wird, eine Meile zu gehen, mit dem geh zwei! Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der von dir borgen will! Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr allein eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe? Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“ (Matthäus 5,38-48) Das sind ganz schön hohe Ansprüche! Zum Glück wird von einem Christen nicht erwartet, dass er diesen Ansprüchen in jeder Situation gerecht wird. Eigentlich ist es sogar eher so, dass uns diese Ideale vor allem verdeutlichen sollen, wie weit wir davon entfernt sind, ein wirklich liebevolles Leben in Gottes Sinn zu führen. Dass wir das nicht hinbekommen, muss uns nicht deprimieren. Dafür gibt es Gnade! Aber als Christ kann ich sagen: Auch wenn ich das alles oft nicht umgesetzt bekomme – versuchen möchte ich es trotzdem! Und zwar weil ich denke, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn alle das täten. Ich glaube das ist es, was Paulus bewogen hat, etwas überspitzt zu formulieren, dass ein Christ ohne Hoffnung auf Auferstehung und das Königreich Gottes ein reichlich elendes Leben führt. Das ist dann nämlich ein Leben, in dem man das tut, was man für moralisch korrekt hält, dabei jedoch alle Nase lang ausgelacht, verspottet oder sogar ausgenutzt wird. Man sieht nicht selten andere auf der Überholspur an einem vorbeiziehen, denen Moral und ein liebevoller Umgang eben nicht so wichtig sind, wenn sie stattdessen Geld, Ruhm oder Macht haben können. Und das kann schon im ganz Kleinen sichtbar werden. Ich erinnere mich gut an eine Situation zu meinen Studenten-Zeiten. Ich wohnte damals in einer WG, hatte ein kleines Zimmer und zahlte dafür meinen Anteil Miete. So weit, so gut. Eines Tages bekam ich allerdings einen Brief von der GEZ. Über Rundfunkgebühren hatte ich mir ehrlich gesagt bis dahin einfach keine Gedanken gemacht, was sicherlich ein bisschen naiv war. Entsprechend fiel ich auch fast vom Stuhl, als ich las, dass der GEZ aufgefallen war, dass ich bisher noch nichts gezahlt hatte, aber doch vermutlich bereits einige Monate an dieser Adresse wohnte. Das war auch tatsächlich der Fall. Da die GEZ nun keine Möglichkeit hatte nachzuprüfen, seit wann genau ich an dieser Adresse wohnte und Beiträge hätte zahlen müssen, sollte ich doch bitte einfach mein Einzugsdatum in das beiliegende Formular eintragen und dieses zurücksenden. Man würde mir dann die Höhe meiner Nachzahlung mitteilen. Tja, was macht man in so einer Situation? Ich konnte schnell recherchieren, dass die Nachzahlungen sich auf etwa 200€ belaufen würden, sollte ich mein Einzugsdatum wahrheitsgemäß eintragen. Ganz schön viel Geld für einen Studenten. Ich hätte mir das Geld natürlich sparen können oder wenigstens einen Teil davon, wenn ich mein Einzugsdatum einfach um ein paar kleine unbedeutende Monate nach hinten gefälscht hätte. Eine Möglichkeit der Überprüfung gab es für die GEZ ja offenbar nicht. Allerdings wäre das dann auch eine glasklare Lüge gewesen … Ich dachte einige Tage darüber nach, bevor ich den Brief abschickte. Ich war wirklich hin- und hergerissen. Was waren schon 200€ für die große GEZ … auf die zu verzichten tat denen doch nicht weh. Für mich als Studenten hingegen, war das eine Menge. Meine erste E-Gitarre, die ich bis heute spiele, hatte weniger gekostet … Auch wenn mich die 200€ weniger auf dem Konto also nicht gleich umbrachten, gab es doch viele schöne Dinge, die ich mir gegebenenfalls nicht würde kaufen können und die mein Leben so sehr bereichern könnten … Wäre aber immer noch gelogen … aber eine kleine Lüge … oder? Ich habe damals wirklich mit mir gerungen. Am Ende habe ich mich aber für den Weg entschieden, der mir weh tat, sich aber richtig anfühlte: Ich gab wahrheitsgemäß mein Einzugsdatum an und zahlte tatsächlich etwa 200€ nach. (Die hätten ja auch mal meine Ehrlichkeit honorieren und ein Auge zudrücken können …) Trotzdem ich nun also etwa eine Einsteiger-Gitarre ärmer war, fühlte es sich einfach gut an, mit mir gerungen zu haben und am Ende das in meinen Augen Richtige getan zu haben. Das gab mir einen richtigen kleinen Motivations-Boost! Zumindest, bis ich in meinem Überschwung dem ersten Freund davon erzählte und gehörig ausgelacht wurde. Es gab offenbar niemanden in meinem näheren Umfeld, der so „dumm“ gewesen wäre, nicht einfach zu lügen und 200€ mehr auf dem Konto zu haben. Jetzt fühlte es sich plötzlich gar nicht mehr gut an. Ich fühlte mich, um es mit Paulus Worten zu sagen, richtig elend … und bei dieser Reaktion aus meinem Umfeld war das Wissen, das Richtige getan zu haben, plötzlich auch nur noch ein schwacher Trost. Warum erzähle ich das alles? Weil ich denke, dass Pascal gut daran tat, seine Wette im Nachgang noch einmal zu relativieren. Es gibt nicht nichts zu verlieren im christlichen Glauben. Manchmal sind es schon ganz kleine und unbedeutende Dinge, wie eine ehrliche Rückmeldung, die einem Magenkrämpfe bereiten und einen richtigen Dämpfer versetzen können. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto cooler finde ich eigentlich, dass etwas auf dem Spiel steht. Wenn es im christlichen Glauben nichts zu verlieren gäbe, würde ich dem Braten nicht trauen. Und es würde mir auch schwerfallen, anderen von diesem Glauben zu erzählen. Alles gewinnen können komplett ohne Risiko? Das wäre doch überaus suspekt. Dann wäre der christliche Glaube am Ende bloß eins von Millionen Multi-Level-Marketing-Produkten, die das zwar offiziell nicht sagen dürfen, aber insgeheim tatsächlich komplett ohne Nebenwirkungen jeden Krebs heilen, den Klimawandel stoppen und Krieg auf der Erde beenden können. Zu schön, um wahr zu sein! Es gibt also Risiken und Nebenwirkungen und täglich ein Kreuz zu tragen. Aber Jesus nachzufolgen und zu versuchen, seine Liebe selbst auch zu leben und weiterzugeben, ist kein schlecht investiertes und schon gar kein verschwendetes Gut. Es ist auch nicht nur Mittel zum Zweck, um am Ende ewiges Leben zu bekommen. Es kann schon jetzt das eigene Leben und das der Menschen um uns herum positiv verändern. Und als Kirsche auf der Sahne führt es außerdem noch dazu, dass wir auf eine Ewigkeit in Frieden und Freude mit Gott hoffen dürfen. Deshalb bin ich am Ende doch bei Blaise Pascal und sage: Ich glaube, die Wette lohnt sich! Und ich bin gespannt, wo die Reise für unseren kleinen Buchclub noch hingehen wird. Gottes Segen in bis zum nächsten Mal Euer Daniel
- "TU ES DAY"
Seit ein paar Wochen bekomme ich in meinem WhatsApp Status ein tägliches Update von Andrea. Sie war meine Schulkollegin vor ca. 35 Jahren, als wir gemeinsam unsere Ausbildung zur PTA machten. Jetzt lebt sie in Dänemark und vertreibt einen „Frequenz-Heiler“. Offensichtlich bin ich seit meinen Weihnachtsgrüßen mit ihrem „Geschäftshandy“ verbunden und bekomme so jeden Tag aufmunternde, spirituelle Bilder mit schönen Sprüchen und Aussagen und natürlich allerlei über den „Healy“ zu lesen. Fast jeden Dienstagmorgen gibt es ein „TU ES DAY“ Bild. Irgendwie finde ich die ganze Sache sehr abgefahren und so mancher Kommentar zum Gesundheitswesen und der Pharmaindustrie kommt platt, überspitzt und reißerisch rüber. Aber mit dem „TU ES DAY“, da hat Andrea mich voll erwischt! In diesen aufregenden Zeiten hat für mich das „TU ES“ viel mit Haltung zeigen, Farbe bekennen und Hoffnung leben zu tun. Und ich kann gleich einräumen, dass gelingt mir nicht immer und überall. Ich habe beobachtet, dass es mir am besten und wirkungsvollsten gelingt, wenn ich von etwas überzeugt bin. Eine Freundin will auf die große Demo in Bremen, um gegen Rechts zu demonstrieren. Ich war noch nie im Leben auf eine Demonstration, diesmal sollte das erste mal sein. Das war so ein „TU ES“-Moment. Es war gut dabei gewesen zu sein, und so viele Menschen friedlich beisammen zu sehen, die alle für die Würde eines jeden Menschen eintreten. Das stimmt mich hoffnungsvoll und gibt Mut für „TU ES“-Momente, wo ich mich für meine Mitmenschen einsetzen kann. Immer mit der festen Überzeugung, dass Gott ein Gott aller Menschen auf der Erde sein will. „Alle Menschen sind ihm willkommen, ganz gleich, aus welchem Volk sie stammen, wenn sie nur Ehrfurcht vor ihm haben und so leben, wie es ihm gefällt.“ (Apostelgeschichte 10,35) So bin ich gerüstet für die nächste Begegnung mit dem unangenehmsten Kunden, den ich bei meiner Arbeit im Reformhaus bedienen muss. Ein älterer Herr, der mir ungefragt irgendwelche fragwürdig zusammengestellten Flyer mit deutlichen Parolen rüberschiebt und mich immer wieder über seine „völkisch-nationale“ Einstellung informiert. Von seinen Flyern weiß ich, dass er Pastor i.R. ist und wenn ich mir genug angehört habe, frage ich ihn nach seiner Hoffnung und warum er sich so abgrenzt und so deutsch sein will. Damit endet meist das Gespräch, denn eine Hoffnung hat er ja, nach eigener Aussage, auch. Mein Vorbild ist Jesus Christus, der vorbehaltlos allen hilft, die an ihn glauben. Immer wenn besagter Kunde den Laden betritt, bin ich gespannt, welche Volksgruppe heute dran ist und gleichzeitig denke ich, dass ich von meiner Hoffnung vielleicht etwas abgeben kann. „TU ES“ – rede davon. Von der Hoffnung auf eine Welt ohne Hass, Krieg, Gewalt, Unterdrückung und Umweltzerstörung. „Allein Christus, den Herrn, sollt ihr ehren. Seid immer bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn euch andere nach der Hoffnung fragen, die euch erfüllt.“ (1.Petrus 3,15) Ein anderer Lebensmoment, der mich beschäftigt, hat auch mit einer Begegnung im Laden zu tun. Eine ehemalige Chorkollegin stand plötzlich vor mir. Ein paar Jahre sind ins Land gegangen und ich weiß von anderen Chorkolleginnen, dass sie wahrscheinlich wohnungslos und psychisch belastet ist. Die Situation im Laden ergab kein tieferes Gespräch, es waren noch andere Kunden da. So zog sie wieder von dannen mit ihrem Einkaufstrolley, voll bis oben hin, mit ihren Habseligkeiten. Beim Nachdenken über diese Begegnung, fragte ich mich, was würde ich tun, wenn sie wieder vor mir steht. Inzwischen weiß ich, dass sie eine Mitsängerin anrief, um zu fragen, ob sie ein Zimmer für sie hat. Was würde Jesus tun? Damit es zu einem „TU ES“-Moment kommen kann, habe ich mir vorgestellt, was ihr helfen könnte. Klar, erstmal fragen, wie es ihr geht und dass ich ihr vielleicht helfen kann, wenn sie möchte. Im Austausch mit meinem Mann, kamen wir dann zum Schluss, dass ich ihr anbieten kann, eine Unterkunft für Wohnungslose über eine öffentliche Anlaufstelle, das Rathaus, zu suchen. Für den Moment, um zur Ruhe zu kommen. Jetzt fühle ich mich für die nächste Begegnung gestärkt! „TU ES“ – komm ins Handeln, wenn nötig. „Lernt wieder, Gutes zu tun! Sorgt für Recht und Gerechtigkeit, tretet den Gewalttätern entgegen und verhelft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht!“ (Jesaja 1,17) Von meinem plötzlich verstorbenen Physiotherapeuten habe ich euch im November 2023 ( https://www.leben-einfach-biblisch.de/post/deine-liebe-bleibt ) berichtet. Er war mit einem ehemaligen Kollegen von mir verheiratet, der nun ganz schnell zum Witwer wurde. Ab und zu sehe ich ihn, wenn ich, dort wo er arbeitet, einkaufen gehe. Dann reden wir kurz und fragen uns, wie es so geht. Die letzten Male war er nicht da und ich fragte nach ihm. Die Antwort ließ mich aufhorchen. Er hätte sich eine Auszeit genommen, denn nur mit Arbeiten kann er seine Trauer nicht bearbeiten. Ich überlegte, was ich tun kann und was ich ihm anbieten kann. Dann schrieb ich ihm eine knappe SMS, um zu signalisieren, ich wäre offen für ein Gespräch, oder ein Treffen. Es kam keine Antwort, stattdessen traf ich ihn unerwartet in der Fußgängerzone. Wir hatten beide Zeit und ich konnte ihm zuhören und ihm zeigen, dass er nicht alleine ist. „TU ES“ – biete deine Hilfe an. Und trotzdem brauche ich manchmal einen Schubs, um ins Handeln zu kommen. Mein Anspruch an Perfektion steht mir dabei oftmals im Weg und lässt mich starr und handlungsunfähig verharren. Wie im Falle unserer Urlaubsplanung. Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne umweltfreundlich unterwegs bin. Was sich bei unserem Reiseziel für den diesjährigen großen Urlaub recht schwierig gestaltete. Tagelang suchte ich nach Möglichkeiten per Zug und Fähre zum Ziel – eine Mittelmeerinsel – zu kommen. Ich studierte Fahrpläne, Reservierungsmöglichkeiten, usw. Nur um immer wieder festzustellen, ich komme nicht weiter. Keine belastbaren Informationen verfügbar, und schon gar keine sichere Verbindung! Dabei hatte mein Mann und Reisepartner schon ziemlich am Anfang unserer Überlegungen eine super Verbindung per Flugzeug entdeckt. Aber nein, es wäre doch so schön, langsam ans Ziel zu gelangen, mit der Fähre die Insel zu erreichen, und das ganze noch umweltfreundlich mit dem Zug. Irgendwann stand die Frage im Raum: wollen wir das überhaupt wagen? Verreisen oder nicht? Ja…unbedingt, wir fliegen. Schnell und unkompliziert waren die Tickets gebucht. „TU ES“ - springe über deinen Schatten. Beim Suchen nach passenden Bibelstellen, bin ich beim Kolosserbrief hängen geblieben und möchte diese Verse hier mit euch teilen: „Jetzt habt ihr neue Kleider an, denn ihr seid neue Menschen geworden. Gott ist beständig in euch am Werk, damit ihr immer mehr seinem Ebenbild entsprecht, nach dem er euch geschaffen hat. So habt ihr Gemeinschaft mit Gott und versteht immer besser, was ihm gefällt. Dann ist unwichtig, ob einer Grieche oder Jude ist, beschnitten oder unbeschnitten, ob er aus einem anderen Kulturkreis oder aus einem Nomadenvolk stammt, ob er ein Sklave oder Herr ist. Wichtig ist einzig und allein Christus, der in allen lebt. Ihr seid von Gott auserwählt und seine geliebten Kinder, die zu ihm gehören. Darum soll jetzt herzliches Mitgefühl euer Leben bestimmen, ebenso wie Güte, Bescheidenheit, Nachsicht und Geduld. Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn jemand euch Unrecht getan hat. Denn auch Christus hat euch vergeben. Wichtiger als alles andere ist die Liebe. Wenn ihr sie habt, wird euch nichts fehlen. Sie ist das Band, das euch verbindet. Und der Friede, den Christus schenkt, soll euer ganzes Leben bestimmen. Gott hat euch dazu berufen, in Frieden miteinander zu leben; ihr gehört ja alle zu dem einen Leib von Christus. Dankt Gott dafür!“ (Kolosser 3, 10-15) In diesem Sinne – Was tust du morgen am „TU ES DAY“? Eure Ulrike Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel.










