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  • AutorenbildFreya

Perspektivwechsel

Die Turnstunde ist gleich vorbei. Jetzt räumen wir gleich auf. Die Zeit ging viel zu schnell um. Ich habe noch gar nicht alles ausprobiert. Hier gibt es so viel zu entdecken und zu beobachten. Ich habe so viel Spaß daran mich zu bewegen. Mama sagt, dass wir gleich aufräumen müssen. Ich will das nicht! Ich möchte weiterturnen.  Doch ich kann es nicht bestimmen.  Alle fangen schon an aufzuräumen.  Ich kann es nicht ändern und richtig ausdrücken kann ich es auch noch nicht.  Meine Augen werden feucht. Mama ist da und nimmt mich in den Arm und sagt, dass wir jetzt aufräumen müssen. Mir ist das jetzt zu viel und zu nah. Ich löse mich aus der Umarmung. Mama geht weg und räumt mit auf. Ich will doch weiterturnen. Ich laufe ihr hinterher und versuche sie daran zu hindern. Ich halte sie an ihrem Bein fest. Sie sagt, dass ihr das wehtut und dass sie das nicht möchte. Mama versucht meine Hände zu lösen. Warum versteht mich keiner?  Ich halte sie wieder fest, kneife sie, versuche sie zu beißen. Sie sagt etwas doch ich kann ihre Worte nicht verstehen, mein Herz schlägt so schnell. Was ist das?  "Alle Kinder gehen nach Hause!",  "Das Turnen ist zu Ende!" höre ich weit entfernt im Hintergrund immer wieder. Die Tränen fließen jetzt sehr schnell und mir wird ganz warm. Mama ist in meiner Nähe. Sie sagt wenig und ist einfach nur da. Für mich? So langsam kann ich sie wieder hören. "Möchtest du kurz alleine sein und dich beruhigen?" fragt sie mich. Nein. Nein! Auf keinen Fall! Ich brauche sie jetzt. Sie bleibt zum Glück bei mir.  Die Turnhalle ist jetzt leer. Alles ist aufgeräumt und alle Kinder sind weg. Aber ich möchte doch noch Turnen. Mama geht in die Umkleide. Ich komme widerwillig mit, weil ich nicht alleine sein möchte. Sie hält die Tür auf. Ich schlage sie zu und bin allein in der Halle. Warum hört keiner auf mich? Mama kommt wieder und trägt mich in die Umkleide. Ich versuche wieder in die Halle zu rennen. Mama hält mich auf und trägt mich zum Ausgang. Ich kann nicht mehr kämpfen.  "Das Turnen ist jetzt Zu Ende. Nächste Woche kommen wir wieder." sagt Mama. Ich weine. So langsam kann ich es verstehen und muss es akzeptieren. Mama ist da, nimmt mich an die Hand und geht mit mir nach draußen.

Kurzer Reminder (auch für mich):

Ja, mein Kind darf wütend sein. Es darf ja auch fröhlich sein und traurig. Auch in der Öffentlichkeit. Ich möchte nicht, dass es ruhig und angepasst durch diese Welt läuft, sondern sich traut, sich mitzuteilen, und lernt, seine Bedürfnisse klar zu formulieren. Ich wäre sehr dankbar dafür, wenn es sich als Teil einer Gemeinschaft wahrnimmt, in der es gesehen wird und Wertschätzung erfährt.

Ich hoffe, dass mein Kind die Liebe Gottes in seinem Leben spürt. Und ich wünsche mir, dass er einen Glauben entwickelt, der ihm hilft, seine Lebensaufgaben voller Stärke und Zuversicht zu bewältigen.  



Mir hilft es zu wissen, dass es aus wissenschaftlicher Sicht ein langer Lern- und Entwicklungsprozess für ein Kind ist, bis es dazu in der Lage ist, seine Gefühle und Impulse zu kontrollieren. 

Das Denken eines Kindes ist mit circa drei Jahren noch sehr ich-bezogen. Dass die Menschen um es herum die Welt anders sehen als es selbst, kann es sich nicht vorstellen. Dem Kind fällt es noch schwer sich in andere hineinzuversetzen. Dazu befinden sie sich mitten in der magischen Phase. Alles ist möglich für sie! 

Auch das Verständnis für Raum und Zeit ist noch sehr unausgereift und unübersichtlich.*


Und dennoch sind die sozial-emotionale Entwicklung von Unter 3-Jährigen und ganz besonders solche Situationen ...


... eine ganz besondere Herausforderung für mich und auch für das Kind.


Ich bin nach so einer Situation echt fertig. Ich fühle mich emotional erschöpft und ich sehne mich nach Frieden und Ruhe. Für mich ist dieses Aushalten von Emotionen genau so anstrengend wie für mein Kind. Es ist nicht immer leicht mit diesen starken Gefühlen umzugehen. Es ist unheimlich kräftezehrend für mich so eine Situation zu begleiten und dabei nicht selbst wütend oder genervt zu reagieren, herumzuschreien, oder mich hilflos und ausgeliefert zu fühlen, weil mein Gehirn das Verhalten doch irgendwie als persönlichen Angriff deutet.

Ich schaffe es nicht immer ruhig zu bleiben, was zur Folge hat, dass eine sehr aggressive Stimmung entstehen kann, in der Trennung unvermeidbar ist. 


Ich denke ich sollte es besser können oder wissen. Mein Kind kann es noch nicht. Also bin ich verantwortlich. 

Gerade der Umgang mit Wutgefühlen ist für mich eine besondere Herausforderung.

Ja, auch für mich als erwachsene Person ist die Impulskontrolle unter Wut oft gehemmt. An dieser Stelle kann ich mit meinem Kind gemeinsam lernen damit umzugehen und Strategien zu entwickeln, wie wir unsere Wut mitteilen und aushalten können ohne andere dabei zu verletzen. 


Mir hilft es, solche Situationen zu reflektieren und eine wissenschaftliche Erklärung dafür zu finden. Es tut mir gut, auch einmal die Sicht des Kindes einzunehmen und die ganze Begebenheit aus seiner Sicht zu sehen.  


Doch im Umgang mit der Situation hilft mir diese Frage am meisten:


Was würde Jesus tun? 


Hätte er versucht das Verhalten zu unterbinden (weil es z. B. sündhaft ist)


indem er ...

  • ... gegangen wäre und das Kind allein gelassen hätte? 

 

  • ... körperliche oder verbale Gewalt gebraucht hätte, um seine Macht zu demonstrieren? 


  • ... versucht hätte, das Kind abzulenken, zu erpressen oder ruhig zu stellen? 



Oder wäre er beim Kind geblieben und hätte ...


  • ... ihm durch seine Anwesenheit Sicherheit vermittelt?  

  • ... seine offenen Arme angeboten? 

  • ... seine Gefühle ernst genommen? 

  • ... zugehört?  

  • ... kurze, verständnisvolle Worte und Argumente benutzt?

  • ... Zeit und Raum gegeben?


Hätte er erkannt, dass die Wut des Kindes sich nicht gegen ihn persönlich richtet? 


Mit einem Blick in die Bibel und der Behauptung, dass ich Jesus mittlerweile ganz gut kenne und mich mit ihm verbunden fühle, kann ich klar sagen, dass der liebevolle, vielleicht manchmal anstrengendere Weg, für mich der richtige Weg ist. 


»Ihr wisst, dass den Vorfahren auch gesagt wurde: ›Auge um Auge, Zahn um Zahn! Doch ich sage euch: Leistet keine Gegenwehr, wenn man euch Böses antut! Wenn jemand dir eine Ohrfeige gibt, dann halte die andere Wange auch noch hin! Wenn einer dich vor Gericht bringen will, um dein Hemd zu bekommen, so lass ihm auch noch den Mantel! Und wenn einer von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei Meilen mit ihm! Gib jedem, der dich um etwas bittet, und weise den nicht ab, der etwas von dir leihen will. (Matthäus 5,38-42)

Und wieder einmal bin ich Gott so dankbar, dass er mir Jesus an die Seite gestellt hat. Als ein wunderbares Vorbild, liebevollen Freund und gnädigen Bruder. 


So kann ich in Zukunft hoffentlich auch die nächsten Herausforderungen gut meistern.  


Eure Freya

Rise up and shine!





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