Achterbahnfahrt

Ein langer ereignisreicher und emotional herausfordernder Sommer geht dahin und ich möchte euch heute mitnehmen auf meine Fahrt mit der „Leben-einfach-biblisch“ – Achterbahn. Also: „Alles einsteigen und anschnallen“.
Eigentlich war ich davon ziemlich überzeugt, als Nachfolgerin Christi, so gut es geht, mich in Nächstenliebe zu üben, niemanden in eine Schublade zu stecken, keinen Mitmenschen zu verurteilen oder gar respektlos zu behandeln. Bis mich das Leben ziemlich eiskalt erwischte.
Meine Arbeitskollegin bescheinigte mir respektloses Verhalten ihr gegenüber, weil ich sie auf mehrere Missstände hingewiesen habe, die sie, meiner Meinung nach, selbständig besser hätte lösen können. Für mich bedeutete der Umstand Mehrarbeit.
Zugegeben, ich war deutlich. Leider hat die Empfängerin meiner Botschaft, also meine Kollegin, nur die emotionale Seite darin gesehen, und sich nach der Mitteilung, ich hätte mich respektlos ihr gegenüber verhalten, in Schweigen gehüllt. In der Sache habe ich mich um Aufklärung bemüht und mich ziemlich schnell für ein Missverständnis entschuldigt - Schweigen . Um im Achterbahnbild zu bleiben, glich das einer rasanten Talfahrt.
Bis ich, noch vor meinem Urlaub, um ein Gespräch bat. Das brachte mir ihre Sichtweise nahe. Es fielen jedoch Sätze, die mir zu denken gaben und immer noch geben. Und ich fragte mich, nehme ich meine Arbeit viel zu ernst, kann ich von meiner Kollegin Teamspirit erwarten, was wäre die Alternative? Alles einfach laufen lassen? Respektloses Verhalten… auch dafür entschuldigte ich mich. Dann hatte ich erstmal drei Wochen Urlaub.
Mein eh nicht gerade super gestähltes Selbstwertgefühl hat deutliche Macken davon getragen. Ja, es ist nicht mein Reformhaus und wenn´s nicht läuft, bin ich nicht für alles verantwortlich. Mein Wunsch wäre ein belastbares Team, wo jeder sich bemüht alles am Laufen zu halten. Nachfragen, wenn ich Abläufe nicht kenne, reagieren, wenn ich sehe, hier läuft was in die verkehrte Richtung. Jetzt ist klar: dieses Team gab es mal, seit einem guten halben Jahr leider nicht mehr. Looping!
Der Urlaub brachte die erhoffte Ablenkung und viele schöne Erlebnisse. Doch diese Fragen begleiteten mich natürlich. In einer Klosterbuchhandlung fand ich dann eine kleine Schachtel mit der Aufschrift: „ 3 Minuten Selbstliebe – Kleine Anleitungen für jeden Tag“. Nach kurzer Überlegung … Selbstliebe, klingt das nicht irgendwie abgehoben, egoistisch … Nein: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“ verlangt ja gerade nach einer gesunden Portion Selbstliebe. Also hab ich meinen Einkauf getätigt. Die vielen Kreuze, Heiligenbilder, Kerzen, Madonnen und so weiter blieben dort. Und ab und zu schau ich mir einen Impuls daraus an und setze diesen um.
Mir wurde bewusst, dass ich schon länger grimmig zur Arbeit ging, immer darauf bedacht Fehler und Versäumnisse zu erkennen, mich darüber aufzuregen und mich so ins Zeug zu legen, dass alles zu meiner Zufriedenheit läuft. Mein Zufriedenheitslevel hing sehr hoch. Das zu hinterfragen ist unangenehm. Ich frage mich schon länger, warum ich gerade dort arbeite. Langsam dämmert es mir. Ich denke, Gott möchte mir zeigen, wie Selbstfürsorge funktioniert.

Das „Selfcare-Reminder“-Kärtchen lädt mich ein, mir ein schönes klangvolles Wort zu überlegen, bei dem ich mich daran erinnere, auch mal an mich zu denken und mich in einem Moment der Selbstliebe zu üben. Schön aufgeschrieben soll es mich begleiten. Mein Wort an diesem Tag: EWIG
Es funktioniert. Ich will auf keinen Fall eine verhärmte, nörgelnde, alles besser wissende alte Christin werden! Sondern die Ewigkeit ist mein Ziel und ein Teil davon zu sein und mich jetzt schon darüber zu freuen. Was sind schon ein paar schlampig ausgeführte Arbeitsanweisungen gegen die Ewigkeit! Mit einer gewissen Leichtigkeit konnte ich weiterarbeiten und wurde ruhiger.
Die „Reality-Check“- Karte las ich an einem anderen Tag. Diese erinnert mich daran, nicht so hart zu mir zu sein. Wie oft kritisiere ich mich am Tag? Oh, das kann ich gut. Schön mal daran erinnert zu werden, dass ich nicht an allem Schuld bin, wenn was nicht gelingt. Es ist o.k. – ich bin o.k. Und ich denke weiter, auch von meinen Mitmenschen kann ich keine Vollkommenheit erwarten. Es ist o.k. – du bist o.k.
Und das „Ich bin genug“ - Kärtchen hilft mir positiv formulierte Ich-Aussagen in mein Unterbewusstsein zu bringen: Ich bin genug. Ich vertraue mir selbst. Ich bin liebenswert. Denn genau das ist es, was Gott mir vermittelt. Obwohl ich immer wieder in alte Muster verfalle und mich klein und wertlos fühle, geben mir der Glaube und die Beziehung zu Gott und Jesus allen Grund dazu genauso geliebt zu werden wie ich bin. Wenn es meine Überzeugung ist von Gott geliebt zu werden, warum sollte ich das dann nicht auch tun?
So gingen die Tage dahin. Nach einigen Wochen war ich gespannt auf das erste Treffen mit meiner Kollegin nach unseren Urlauben. Um es kurz zu machen. Erstmal wieder Schweigen, Gesprächsangebote wurden nicht wahrgenommen und ich machte mir jetzt ernsthaft Gedanken, wie wir je wieder eine sachliche Ebene der Zusammenarbeit finden könnten.
Und wieder schickte mir Gott zur rechten Zeit einen Hinweis. Ich lese ab und zu in einem kleinen Büchlein von Sarah Young: „Ich bin bei Dir – 365 Liebesbriefe von Jesus“, bestimmt habe ich das schon früher mal erwähnt. Weil´s so schön ist, gebe ich das mal in meinen Worten wieder:
Wenn es mal nicht so läuft, wie ich es mir erhoffe, dann bleibe ich gelassen: „Was soll´s!“ Das schützt mich davor mir einen Berg von kleinen Sorgen und Enttäuschungen aufzuhäufen und mit mir rumzuschleppen. Ich versuche, die Dinge aus Gottes Sicht zu sehen und mir Jesus als Vorbild zu nehmen. Wenn ich das praktiziere, werde ich feststellen, dass die meisten Dinge, die mir Sorgen bereiten oder mich ärgern, nicht so wichtig sind. Ich wende meinen Blick zu Jesus, zucke mit den Achseln und gehe so leichter durch den Alltag. „Was soll´s!“. Wenn mir dann wirklich ernste Probleme begegnen, dann habe ich meine Kraft nicht schon für unwichtige Probleme verprasst. Und kann dem Apostel Paulus zustimmen:
Darum verlieren wir nicht den Mut. Wenn auch unsere körperlichen Kräfte aufgezehrt werden, wird doch das Leben, das Gott uns schenkt, von Tag zu Tag erneuert. Was wir jetzt leiden müssen, dauert nicht lange. Es ist leicht zu ertragen und bringt uns eine unendliche, unvorstellbare Herrlichkeit. Deshalb lassen wir uns von dem, was uns zurzeit so sichtbar bedrängt, nicht ablenken, sondern wir richten unseren Blick auf das, was jetzt noch unsichtbar ist. Denn das Sichtbare vergeht, doch das Unsichtbare bleibt ewig. (2.Korinther 4,16-18)
Vielleicht zählst du dich auch zum „Team Sorgenfresser“ und kannst mit den Tipps aus meinem Beitrag was anfangen. Seit ich öfter „Was soll´s!“ sage statt: „Warum funktioniert das nicht?“ geht es mir besser und ich spüre eine beginnende, gesunde Distanz zu den Dingen, die mich noch vor ein paar Wochen tierisch geärgert hätten.
Diese Achterbahnfahrt dauert wahrscheinlich mein ganzes Leben lang. Doch mit dem Bild vor Augen, Jesus sitzt neben mir, begleitet mich, schenkt mir Mut, Ausdauer, Hoffnung und Freude, kann ich mich auf diese Fahrt einlassen, bewusster und mit einem Lächeln im Gesicht.
Denn Gott, der HERR, ist die Sonne, die uns Licht und Leben gibt, schützend steht er vor uns wie ein Schild. Er schenkt uns seine Liebe und verleiht uns hohes Ansehen. Wer ihm rückhaltlos ergeben ist, den lässt er nie zu kurz kommen. HERR, du allmächtiger Gott, glücklich ist jeder, der sich auf dich verlässt! (Psalm 8,12+13)
Mit diesen Worten wünsche ich uns allen eine gesegnete Woche!
Eure Ulrike
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