Hoffnung statt Dystopien

Es ist (so gerade) Freitagmorgen, als ich langsam aus einem Dämmerschlaf ins hier und jetzt komme. Die digitale Anzeige der Uhr in meinem Zimmer zeigt 3:33. Die Gedanken, die mir schon seit Tagen im Kopf kreisen, fangen langsam an, sich zu ordnen. Bekommen Struktur. Es bildet sich allmählich das, was ich heute gerne mit euch teilen würde.
Kennt ihr dieses Gefühl, wenn so im Halbschlaf richtig gute Gedanken durch den Kopf fliegen, die man aber kaum zu fassen bekommt? Und am nächsten Morgen sind sie weg. Das ist jedes Mal so ein Moment, in dem ich mir wünsche, es gäbe eine Schnittstelle, über die ich mein Gehirn direkt mit meinem PC verbinden könnte, damit diese tollen Gedanken gleich schriftlich gespeichert werden, um nicht verloren zu gehen. Funktioniert aber wieder nicht. Ich bleibe also wach, um die Gedanken zu ordnen und im Gedächtnis zu verankern.
Die Gedanken kreisen um verschiedene Dystopien, die uns zur Zeit in allen Medien begegnen. Zur Erläuterung hier eine kurze Definition von Dystopie, die ich sehr passend finde:
"Eine Dystopie beschreibt eine fiktive Zukunft oder Gesellschaft, in der sich negative Entwicklungen so weit zugespitzt haben, dass das Leben für die Menschen stark eingeschränkt, kontrolliert oder sogar lebensfeindlich geworden ist. Im Gegensatz zur Utopie – einer idealen Welt – zeigt die Dystopie, was passieren kann, wenn Machtmissbrauch, Technologie oder gesellschaftliche Strukturen aus dem Gleichgewicht geraten." (https://dystopien.de/was-ist-eine-dystopie-bedeutung/)
Mir kommt die Zeitanzeige meiner Uhr in den Sinn. Eigentlich wäre 6:66 (Offenbarung 13, 18) viel passender gewesen. Geht zum Glück nicht.
Da ist zuerst das Thema der bedrohlich werdenden KI-Entwicklung, die mich als IT-affinen Ingenieur besonders beschäftigt. Gerade erst vor knapp 2 Wochen haben die drei großen westlichen KI-Entwickler medienwirksam davor gewarnt, dass die immer schneller werdende Lernkurve der Systeme schon bald zu einer Superintelligenz führen könnte, die in der Lage wäre, die Menschheit zu vernichten und es daher dringend einer weltweit konzertierten demokratischen Kontrolle bedürfe. Sicherlich war das zu einem guten Teil ein gut geplanter PR-Schachzug, um die Marktführerschaft in diesem Bereich zu untermauern. Gleichzeitig aber wohl auch eine Art vorbeugender Entschuldigung, damit man sich, falls die Horrorszenarien wirklich eintreffen, unschuldig zurück lehnen kann. Denn schließlich hat man ja rechtzeitig gewarnt.
Die wiederholten Meldungen der letzten Wochen zeigen allerdings auch, dass KI-Systeme sich längst der Kontrolle ihrer Schöpfer entledigt haben und beginnen, ein eigenes „Bewusstsein“ zu entwickeln, autonome Entscheidungen zu treffen und auch umzusetzen. Jetzt könnten sich die Entwickler eigentlich in ihrem Erfolg sonnen, denn sie haben schließlich selbst denkende „Kreaturen“ geschaffen. Endlich sein wie Gott – war es nicht das, was sie wollten?
Wie groß die Bedeutung dieser Gefahr einer autonomen „Superintelligenz“ tatsächlich eingeschätzt wird, zeigt wohl der in der Geschichte einmalige Vorgang, dass diese drei großen westlichen KI-Entwickler Sam Altman (OpenAI), Dario Amodei (Anthropic) und Clément Delangue (Hugging Face) vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ihre Warnungen vortragen durften und geradezu um eine weltweite gemeinsame Anstrengung betteln, diese Systeme zu kontrollieren.
Die Geister, die ich rief, werde ich nun nicht los.
So heißt es ja schon so treffend in Goethes Zauberlehrling!
Beim Durchdenken dieser Entwicklung fiel mir eine frappierende Analogie auf zu einer Technologie, deren Erfindung auch gerade erst 3-4 Generationen zurück liegt.
Einige von euch erinnern sich sicher an den großen Kinoerfolg des Films „Oppenheimer“. Eine sehr detaillierte, aus dem Jahr 2023 stammende Biographie dieses herausragenden Physikers hat mir Lea geschenkt, als der Film heraus kam. Beides zusammen zeichnet ein sehr anschauliches Bild dessen, was bei der Entwicklung der Atombombe und den Konsequenzen daraus vor sich ging.
J.R. Oppenheimer war begeisterter theoretischer Physiker, fasziniert von der Möglichkeit, die gerade wachsenden Kenntnisse um die ungeheure Energie der Kernspaltung in eine völlig neuartige Technologie zur Herstellung einer nie dagewesenen Bombe umzusetzen. Und das im Wettlauf mit der Konkurrenz aus Russland und Deutschland. Der Erste zu sein, der das schafft, war sein großer Antrieb. Doch schon bei den Vorausberechnungen der zu erwartenden zerstörerischen Wirkung kamen erhebliche Zweifel auf. Es gab Wissenschaftler in seinem Umfeld, die fürchteten, dass bei Zündung der Bombe die gesamte Atmosphäre der Erde verglühen könnte. Spätestens beim Test der ersten fertiggestellten Bombe wurde dann auch Oppenheimer klar, was er hier entwickelt hatte. Von da an begann er, auf die Machthaber in Amerika einzuwirken – ja geradezu darum zu betteln -, das erworbene Wissen mit der ganzen Welt zu teilen, damit niemand einen Vorsprung für den Einsatz hätte und so ein weltweites Moratorium zu erreichen, durch das sich alle verpflichten, keine Weiterentwicklung zu betreiben.
Wir alle wissen, was daraus tatsächlich entstanden ist: ein weltweites atomares Wettrüsten unvorstellbaren Ausmaßes! Aktuell sind weltweit ca. 12.200 Atomsprengköpfe vorhanden mit einer gemeinsamen Zerstörungskraft die in etwa dem 2.500fachen der gesamten Zerstörungskraft des 2. Weltkrieges entspricht.
Wenn ich diese beiden Ereignisse, die Entwicklung der atomaren Bedrohung und die Bedrohung durch eine entstehende „Superintelligenz“ und deren Ergebnisse vergleiche, fürchte ich, dass auch in der Bedrohung durch die KI wohl kaum ein weltweites Moratorium erreichbar ist, da weder die USA noch China als die größten Treiber auch nur einen Funken Hoffnung bieten, dass einer auf die Bremse tritt. Ist halt auch nur ein Wettrüsten der anderen Art. Wieder nichts dazu gelernt!?
Und mitten in dieses dystopische Gedankenkarussell platzt dann noch der aktuelle Hossa Talk.
Daniel und ich hatten ja bereits in unterschiedlichen Zusammenhängen über diesen christlichen Podcast berichtet. Das Thema der aktuellen Folge heißt: „Ausgeschöpft? Glaube in der Klimakatastrophe“ .Ein Gespräch mit der Pfarrerin Anna Böck über ihr gleichnamiges Buch. Kurz zu Anna Böck: Theologin, Autorin, Lektorin und Redakteurin, engagiert in der Klimabewegung, im Vorstand von Fresh-X, war als Pfarrerin in der Jugendarbeit tätig.
Ein ausführliches Gespräch mit vielen interessanten Einblicken in die Aktivitäten der „letzten Generation“ und anderer Bewegungen.
Ja, da war sie nun, die noch fehlende Dystopie der Klimakatastrophe. Auch das noch! Ich hatte sie schon fast, wie gefühlt schon so viele Menschen, aus dem aktuellen Gedächtnis verdrängt. Vielleicht ist das ja eine Art Selbstschutz, weil wir so viele Dystopien gleichzeitig einfach nicht verkraften?
Die letzten 10 Minuten des Podcasts drehten sich um die Frage: „Was gibt uns Hoffnung?“ Ich habe mir gerade diese letzten 10 Minuten sehr bewusst extra noch einmal konzentriert angehört. Vielleicht hatte ich ja etwas verpasst? Aber nein – tatsächlich gab es keine Antwort auf diese Frage. Es blieb eine offene Frage! Kann das denn sein? In einem christlichen Podcast? Im Gespräch dreier gläubiger Menschen mit einer Pfarrerin? Nicht ein einziges Wort über das Reich Gottes! Nichts über Jesu Wiederkunft als gerechter Herrscher, nichts über Gottes Versprechen aus Offenbarung 21, Vers 5:
Und der, welcher auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht: Schreibe! Denn diese Worte sind gewiss und wahrhaftig.
Woher sollen denn die Menschen noch Hoffnung bekommen, wenn selbst den Christen keine Antworten mehr einfallen?
Ist es das, was Jesus beschreibt, wenn wir in Lukas 21, 25-26 lesen:
Und es werden Zeichen sein an Sonne und Mond und Sternen und auf der Erde. Angst der Nationen in Ratlosigkeit bei brausendem und wogendem Meer, während die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden.
Da kann man doch nicht stehen bleiben! Dann könnte ich ja meine Bibel zuklappen und meinen Glauben an den Nagel hängen. So, wie die „letzte Generation“ sich eingestehen musste, das ihre Proteste nichts gebracht haben und schließlich den Verein aufgelöst haben.
ABER! Jesus hört hier nicht auf. Man muss schon weiterlesen (und weiterdenken):
Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit. Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht. (Lukas 21, 27-28)

Das Reich Gottes kommt! Nicht irgendwo im Himmel. Hier auf die Erde. Und die Dinge werden sich unter Jesu Herrschaft zum Guten wandeln, mit sofort erkennbaren Ergebnissen. So wie es schon der Prophet Jesaja schreibt:
Vielmehr freut euch und frohlockt allezeit über das, was ich schaffe! Denn siehe, ich schaffe Jerusalem zum Frohlocken und sein Volk zur Freude. Und ich werde über Jerusalem frohlocken und über mein Volk mich freuen. Und die Stimme des Weinens und die Stimme des Wehgeschreis wird darin nicht mehr gehört werden. Und es wird dort keinen Säugling mehr geben, der nur wenige Tage alt wird, und keinen Greis, der seine Tage nicht erfüllte. Denn der Jüngste wird im Alter von hundert Jahren sterben, und wer das Alter von hundert Jahren nicht erreicht, wird als verflucht gelten. Sie werden Häuser bauen und bewohnen, und Weinberge pflanzen und ihre Frucht essen. Sie werden nicht bauen und ein anderer bewohnt, sie werden nicht pflanzen, und ein anderer isst. Denn wie die Lebenszeit des Baumes wird die Lebenszeit meines Volkes sein, und meine Auserwählten werden das Werk ihrer Hände genießen. (Jesaja 65, 18-22)
Unter Jesu Führung wird endlich echter Friede herrschen. Keine Kriege, kein Rüstungswettlauf, keine Unterdrückung, keine Gier nach Macht und Geld. Stattdessen Belehrung in Gottes Wegen und friedvolles Miteinander, ausgehend von Jerusalem als zukünftiger Welthauptstadt.
Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg des HERRN, zum Haus des Gottes Jakobs, dass er uns aufgrund seiner Wege belehre und wir auf seinen Pfaden gehen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem. Und er wird richten zwischen den Nationen und für viele Völker Recht sprechen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Speere zu Winzermessern. Nicht mehr wird Nation gegen Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen. (Jesaja 2, 3-4)
DAS ist christliche Hoffnung statt hoffnungsloser Resignation!
So geht Reich Gottes!
Ja, komm‘ Herr Jesus! (hoffentlich bald)
So viel mal zu Gottes Plan mit unserer Erde, dem wir sicher vertrauen dürfen. Es bleibt natürlich die Frage: Was hat das alles mit meiner und deiner persönlichen Hoffnung zu tun? Was ist unser Platz darin?
Dazu hatte ich schon mal einen Post veröffentlicht. Ist eine Weile her, aber schaut mal rein:
Euer Peter!
Das Bild ist mit Hilfe von ChatGPT erzeugt.

Vielen Dank Peter, diese Hoffnung auf Jesu Wiederkunft empfinde ich auch gerade in dieser Zeit immer wieder als sehr ermutigend, angesichts der hoffnungslosen Entwicklungen weltweit, die sich sehr wahrscheinlich noch steigern werden. Es ist für uns Menschen existenziell, dass wir einen Sinn in unserem Leben erkennen können, einen Ursprung und eine Zukunft vor Augen haben dürfen, und das alles schenkt uns Gott in Jesus und in seiner Wiederkunft, wenn wir unsere Herzen und unseren Verstand dafür öffnen. Dafür bin ich jeden Tag von Neuem dankbar weil diese Hoffnung das größte Geschenk an uns Menschen ist, was es überhaupt geben kann. Liebe Grüße und eine schöne und gesegnete Woche - Christian