Abgehängt

Um ehrlich zu sein, ist der erste Versuch, diesen Beitrag zu beginnen, gerade in den Papierkorb gewandert. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, euch einen kurzen Bericht über unser alljährliches Herbstwochenende in Mönchengladbach zu geben, welches an diesem Wochenende stattgefunden hat. Trotz der wahnsinnig vielen schönen Eindrücke wollte mir eine zufriedenstellende Wiedergabe des Wochenendes aber nicht gelingen.
Hier kommt also Anlauf Nummer Zwei mit einem Thema, das mich die letzten Wochen begleitet hat: Habt ihr euch schonmal von euren Glaubensgeschwistern abgehängt gefühlt?
Ich weiß, auf einmal geht es in eine ganz andere Richtung als mein ursprünglicher Plan vorgesehen hat… Aber kennt ihr das Gefühl, dass sich eure Geschwister in ihrem Glaubensleben stetig weiterentwickeln, aber ihr auf der Stelle tretet?

Stillstand (?)
Dieses Gefühl des geistlichen Abgehängt-Seins ist ein Gefühl, das mich in der letzten Zeit begleitet hat. Während viele meiner Glaubensgeschwister gerade stark bewegt sind von neuen Fragen und Denkanstößen zu den verschiedensten Themen, fühle ich mich manchmal so, als wäre mein Glaubensleben ins Stocken geraten. Während andere zu neuen Erkenntnissen gelangt sind oder sich gerade auf dem Weg zu neuen Erkenntnissen befinden, könnte ich euch kein großes Thema XYZ benennen, mit dem ich mich gerade auseinandersetze.
Selbst für meine Blogbeiträge alle paar Wochen genug Inhalt zusammenzukratzen, sodass man daraus hoffentlich etwas mitnehmen kann, fiel mir in den letzten Monaten sehr schwer. Immer verbunden mit der Sorge, euch als Leserschaft nicht genug bieten zu können im Vergleich zu meinen BlogkollegInnen, von denen ihr mehr Input bekommt.
Vielleicht muss ich an dieser Stelle eines klarstellen: Es geht mir nicht darum, mich hier in Selbstmitleid zu suhlen. Ich schreibe das ganze vor allem in der Hoffnung, dass jemand, dem es ähnlich geht, diese Zeilen in dem Wissen lesen kann, dass es auch anderen so geht. Leider erwische ich mich selbst oft dabei, mich mit anderen zu vergleichen und muss mich immer mal wieder daran erinnern, dass das in Bezug auf meine Beziehung zu Gott und meine Entwicklung als Gläubige wenig Sinn macht.
Unser Glaubensleben verläuft nicht immer in einer konstanten Gerade aufwärts. Was wir an anderen als Weiterentwicklung wahrnehmen, kann bei uns in anderem Tempo oder auch auf ganz andere Weise ablaufen.
Wenn ich auf die letzten Monate oder sogar die letzten Jahre zurückblicke, dann sehe ich in jedem Fall eine Weiterentwicklung. Nur lag bei mir der Fokus in dieser Zeit weniger darauf, mich inhaltlich mit neuen Punkten auseinanderzusetzen oder bisherige Ansichten zu hinterfragen. Wenn ich mich festlegen müsste, was ich in dieser Zeit dazugelernt habe, dann würde ich sagen: Gottvertrauen.
Weiter in Bewegung
Durch die ganze Aufregung um den letzten Tag unseres Herbstwochenendes, ist mir erst beim Schreiben dieses Beitrags wieder aufgefallen, dass heute der 01.11.2026 ist. Das ist für mich der erste Tag, an dem ich offiziell arbeitslos bin.
Meine letzten Monate waren dadurch geprägt, auf diesen Tag hinzuarbeiten. Wie viele von euch wissen, habe ich mehrere Jahre Anlauf gebraucht, um mich tatsächlich aus meiner bisherigen Stelle zu verabschieden. Die Daten für meinen letzten Arbeitstag und mein offizielles Vertragsende standen nun seit einer Weile fest und jetzt ist es tatsächlich so weit. Mein Arbeitsvertrag hat geendet und ich bin arbeitslos.
Das mag auf den ersten Blick nicht erstrebenswert klingen, aber bei mir hat es lange gedauert, den Mut dafür aufzubringen, diesen Schritt zu gehen. Nun bin ich an dem Punkt, dass ich ehrlich behaupten kann: Ich habe keine Angst.
Dass das eine neue Entwicklung ist, beweisen die überarbeiteten aber nicht versendeten Bewerbungsunterlagen von vor zwei Jahren, die ich auf meinem Rechner wiedergefunden habe. Was sich seitdem verändert hat, könnte ich auch in der Retrospektive gar nicht im Detail benennen. Was ich weiß, ist jedoch, dass mein Vertrauen in Gott in dieser Zeit weiter gewachsen ist.
Heute kann ich mit genau diesem Vertrauen in die Zukunft blicken und bin mir sicher, dass Gott mir einen Weg zeigen wird, der für mich eine Verbesserung gegenüber meiner bisherigen Situation bedeutet.
Dabei hat es sich um einen langsamen, schleichenden Prozess gehandelt, der vermutlich auch von außen betrachtet nicht unbedingt sichtbar war. Trotzdem bin ich in den letzten Jahren im Glauben gewachsen, auch wenn sich darüber keine Abhandlungen und Bücher schreiben lassen.
Die Details um meinen länger geplanten Jobwechsel inkl. der Begründung, warum ich aktuell noch nicht weiß, wo es für mich weitergeht, würden hier den Rahmen sprengen. Aber ich kann euch versichern: Ihr müsst euch keine Sorgen machen. Die mache ich mir nämlich auch nicht 😉
Schritt für Schritt
Worauf ich mit der Anekdote hinaus will, ist Folgendes: Jeder von uns entwickelt sich in seiner Beziehung zu Gott und Jesus in seinem eigenen Tempo weiter. Und nicht nur das. Unser Glaubensleben hat so viele Facetten, dass es gut sein kann, dass wir uns in ganz unterschiedlichen Bereichen weiterentwickeln. Jeder von uns geht seinen eigenen Weg und diese Wege lassen sich oft nicht vergleichen.
Wenn wir das Gefühl haben, von unseren Glaubensgeschwistern abgehängt zu werden, kann es gut sein, dass wir unsere eigene Weiterentwicklung nur nicht wahrnehmen, weil sie ganz anders aussieht.
Ich für meinen Teil freue mich darauf, in meiner anstehenden freien Zeit die Gelegenheit zu haben, einige Podcast- und Buchempfehlungen von meinen Geschwistern aufzugreifen, für die in den letzten Monaten einfach kein Platz war. Auch aus unserem Gemeindewochenende habe ich einige Gedanken mitgenommen, die ich gerne weiterdenken möchte. Hoffentlich entstehen dabei auch einige neue Gedanken, die ich in meinen nächsten Beiträgen mit euch teilen kann.
Trotzdem hilft es mir, mir bewusst zu machen, dass ich in den letzten Jahren auch ohne eine Vielzahl neuer Ideen nicht auf der Stelle getreten bin. Ich war einfach nur auf meinem eigenen Weg unterwegs und dieser hat mich an einen Punkt geführt, an dem ich nun mit mehr Vertrauen in die Zukunft blicken kann.
Ich hoffe, mein Beitrag kann auch euch als Erinnerung daran dienen, dass unsere Wege unterschiedlich aussehen und dass es am Ende nicht wichtig ist, wann wir links oder rechts abbiegen oder wie schnell wir uns fortbewegen. Auch wenn wir manchmal das Gefühl haben, die anderen bewegen sich schneller vorwärts als wir, kann von Abhängen keine Rede sein. Wir dürfen weiter darauf vertrauen, dass Gott uns führt - in einem Tempo, das zu uns passt - und uns sicher ans Ziel bringen wird.
Bis zum nächsten Mal!
Eure Lea

Das sind ermutigende Gedanken, die einen Perspektivwechsel bewirken und so das Glaubensleben noch anschaulicher machen. Und wenn man noch einen Schritt weitergeht, kann sogar ein 'Rückschritt' (wie z. B. Gottferne, Furcht, Trauer, Verlust) sich im Nachhinein als segensreich erweisen, auch wenn man das niemandem wünscht oder es selbst erleben möchte... Dein Mut 'zur Lücke' zeigt, wie individuell Glaubenswege verlaufen können, und ein Vergleich mit anderen sinnlos ist (Kierkegaard: "Der Vergleich ist das Ende des Glücks und der Anfang des Unglücks"). Gott schenkt dir gerade neue, ganz andere Erfahrungen 😊 Hab eine gute Zeit, Lea!
Liebe Lea, auch ich kenne dieses Gefühl sehr gut. Manchmal merkt man selbst nicht, wie man sich weiterentwickelt hat. Mir ist tatsächlich am Sonntag bei unserem kleinen Spaziergang vor dem Gedächtnismahl im Gespräch mit Glaubensgeschwistern klar geworden, dass ich heute meine Probleme oder Sorgen viel leichter in Gottes Hände legen kann, als früher. Das wurde mir aber erst klar, als wir uns zu viert über dieses Thema unterhalten haben. Das hat mir mal wieder gezeigt, wie wichtig der Austausch unter uns ist. Liebe Grüße Claudia
Vielen Dank Lea für deine ermutigenden Worte, das Gefühl, dass du beschreibst, kann ich aus eigener Erfahrung, nicht nur im Glauben und in der Gemeinde, sondern auch im Beruf sehr gut verstehen. Am Ende haben mich mein Vertrauen und meine Zuversicht in Gott immer wieder auf neue und überraschende Wege geführt, für die ich sehr dankbar bin. Ich wünsche dir eine schöne und gesegnete Woche mit lieben Grüßen in Jesus - Christian