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- Wir machen heute Pause!
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- Gute Nachricht(en)
Beruflich bin ich relativ oft, teilweise auch für längere Strecken, mit dem Auto unterwegs. Wie ihr sicher aus eigener Erfahrung wisst, zeigen sich viele Menschen beim Autofahren nicht gerade von ihrer besten Seite: Da gibt es die Last-Minute-Überholer, die sich in jede noch so kleine Lücke quetschen, um 20 m vor der Ausfahrt noch den Weg von der linken Spur bis nach ganz Rechts zu schaffen. Die Rechtsfahrgebot-Verleugner, die auch wenn vor ihnen weit und breit kein anderes Fahrzeug zu sehen ist auf der mittleren Spur fahren. Oder die Überraschungs-Fanatiker, die meinen, dass ihr Fahrstil durch den Einsatz von Blinkern viel zu vorhersehbar werden würde. Umso mehr freue ich mich immer wieder, wenn ich die Fahrer um mich herum von einer zuvorkommenden Seite erlebe. Die Autofahrer, die begeistert zurückwinken und die LKW-Fahrer, die hupen, wenn ihnen Kinder von der nächsten Brücke zuwinken. Die Fahrer, die einem beim Überholen den Vortritt lassen, wenn man den Anfang der Schlange hinter dem LKW bildet. Oder einfach Fahrer, die selbst wenn man auf ein Stauende zufährt noch den Sicherheitsabstand einhalten. Leider habe ich oft das Gefühl, dass die schlechten Erfahrungen überwiegen und die Momente, in denen die Menschen tatsächlich Rücksicht aufeinander nehmen, im Vergleich weniger sind. Aber stimmt das eigentlich? Umgeben von schlechten Nachrichten Mittlerweile kenne ich einige Menschen, die nur noch ungerne die Nachrichten verfolgen. Ich selbst zähle auch dazu. Die meisten Dinge, über die berichtet wird, sind alles andere als erfreulich. Vielmehr konfrontieren einen die Nachrichten in den meisten Fällen mit all den schlechten Seiten, die wir Menschen haben. Wir hören/lesen von Gewalt, der Gier nach Macht und Geld und am Ende vor allem von der Selbstsucht, von der wir Menschen uns viel zu oft leiten lassen. Aber wenn wir das Gefühl haben, dass die Welt immer schlechter wird, stimmt das tatsächlich oder geraten die guten Nachrichten nur zu oft in den Hintergrund, weil sie nicht so viel Aufmerksamkeit erregen (und nicht so viele Klicks generieren) wie Skandale & Co.? Insbesondere als Christen neigen wir vielleicht zu oft dazu, uns darauf zu versteifen, dass „die Welt“ schlecht ist und das Gegenteil von dem, wie wir sein sollten. Ich zumindest habe schon viele Vorträge gehört, die sich in dieser Richtung äußern. Ich denke, diese Gedanken kann man auch nicht ganz von der Hand weisen. Schließlich spiegelt „die Welt“ die Natur der Menschen wider und diese ist nunmal sündig. Genau wie wir Menschen im Einzelnen, hat auch unsere Gesellschaft im Großen und Ganzen Erlösung nötig. Doch trotzdem gibt es in der Welt auch viel Gutes, was häufig übersehen wird. Vor Kurzem bin ich durch Zufall über einen YouTube-Kanal gestolpert, welcher den Namen „Good News“ trägt. Jede Woche wird hier ein Video veröffentlicht, welches positive Nachrichten aus der ganzen Welt zusammenträgt. Dort ist alles Mögliche dabei: Von gelungenen Arten- und Klimaschutzprojekten, über Fortschritte in der Medizin bis hin zur Bekämpfung von sozialer Ungerechtigkeit. Wenig überraschend, waren die Beiträge bisher immer Nachrichten, von denen ich anderswo noch nie gehört hatte. Insgesamt scheint es immer mehr Medienportale, Zeitschriften etc. zu geben, die bewusst versuchen, gute und positive Nachrichten zu verbreiten. Hier eine kleine Auswahl an Online-Angeboten: YouTube Kanal Good News (auf Englisch) zdf heute Good News Podcast: COSMO Daily Good News (z.B. bei Spotify oder in der wdr-Mediathek) Gute Nachrichten von unicef Goodnews.eu (auch als kostenfreie App auf dem Handy erhältlich) Es gibt sie also tatsächlich: die guten Nachrichten. Und immer mehr Menschen sehnen sich danach, mehr davon zu hören. Das Positive nicht aus den Augen verlieren Ich denke, für uns als Christen ist dies in zweierlei Hinsicht relevant: Zum Einen ist es wichtig, nicht zu vergessen, dass immer noch Gutes in der Welt passiert. Zu schnell verfallen wir manchmal in eine abweisende Haltung der Welt und unseren Mitmenschen gegenüber. Doch auch wenn die Sünde immer wieder die Oberhand gewinnt und zu oft das Handeln der Menschen prägt, so dürfen wir dennoch nicht vergessen, dass wir hier von Gottes Schöpfung sprechen. Einer Schöpfung, die er als „sehr gut“ bezeichnet hat und die sich zwar immer weiter von Gott entfernt hat, aber welcher er trotzdem Erlösung schenken möchte. Den Fokus mehr auf gute Nachrichten zu legen, kann uns dabei helfen, nicht die Perspektive zu verlieren und in Verzweiflung zu verfallen. Außerdem sind wir nicht allein mit dem Wunsch nach einer Welt, in der die guten Nachrichten überwiegen. Es gibt unheimlich viele Menschen, die sich in der heutigen Zeit nach einem Ausweg aus den schlechten Nachrichten sehnen. Anstatt uns also von „der Welt“ abzusondern, sollte genau das unser Anknüpfungspunkt sein. Denn was könnte besser das Bedürfnis nach guten Nachrichten stillen als DIE gute Nachricht – das Evangelium? Wenn ihr also heute in die neue Woche startet, möchte ich euch dazu ermuntern, bewusst nach guten Nachrichten Ausschau zu halten und nicht zu vergessen, dass es unsere Aufgabe ist, DIE gute Nachricht zu verbreiten und zu verkörpern – auch, wenn es vielleicht nur bedeutet, zurückwinken, wenn einem Kinder von einer Autobahnbrücke aus zuwinken. Bis zum nächsten Mal! Eure Lea
- Gott erleben - 4
Begegnen Als Fortsetzung meiner kleinen Serie möchte ich euch heute die 10 - 15min Lesezeit schenken. Kein langer Text von mir. Nehmt euch die Möglichkeit, Gott zu begegnen. Schaut in euer Herz. Wem habt ihr Raum gegeben? Wie ist eure GOTT Erkenntnis? Lenkt GOTT eure Gedanken. Werden seine Gedanken zu euren Gedanken? Spricht GOTT auf diese Weise zu euch? Zum Innehalten biete ich euch dieses Bild an. In diesem Sinne, spüre den Frieden von, mit und bei Gott. Ingo Bildnachweis: Wolfgang Hannen - Künstler Siehe http://www.lichtenergiebilder.de/index.html Anmerkungen und Fragen könnt ihr gern als Kommentar eintragen. Oder gern auch direkt an mich: ingo@einfach-biblisch.de Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. Ingo Tauchert
- Geschwister
Letztens war ich abends im Auto unterwegs und habe dieses spannende Radiointerview auf Bremen 2 (Eine Stunde reden - Gespräche mit Unbekannten*) gehört. Der Interviewte Olav war mir gleich sympathisch. Seine Lebenserfahrungen und sein unabhängig von Kirche gelebter Glaube im Alltag haben mich sehr angesprochen. Ich konnte durch seine authentischen und somit ehrlichen Erzählungen gut nachempfinden, dass er ein Nachfolger Jesu ist. Allgemein faszinieren mich Biografien von Menschen, weil ich durch Erfahrungen anderer sehr viel lernen kann. Ich finde es spannend, wie ein Mensch sich zu dem entwickelt, der er heute ist und wie individuell und einzigartig die Lebenswege sind. Immer wieder bin ich erstaunt über die Verbindung zwischen Menschen, die entsteht, wenn sie sich füreinander öffnen und den anderen ehrlich kennenlernen und zuhören möchten. Ich achte dabei immer auf das Verbindende sowie Gemeinsamkeiten. Olav kritisiert im Interview die Institution Kirche und wünscht sich mehr Christen, die Jesus ehrlich nachfolgen. "[...] Also ich glaube nicht an die Kirche als solches. Ich glaube an Jesus Christus. Das sind zwei paar unterschiedliche Schuhe und ich gucke nicht nach Religion bei Leute. Ich guck' was ich sehe und entweder ich sehe jemandem von dem ich denk, ja, du versuchst Jesus Christus zu folgen, dann bist du für mich ein Christ oder ich denk Leute, du kannst gut predigen, aber vergiss es. Egal in welcher Kirche oder Gemeinschaft oder sonst so."(ca. 11 min)* Auch Paulus kritisierte schon vor hunderten Jahren die Spaltung der christlichen Gemeinden. Leider ist es heute immer noch so. Es soll einige bei euch geben, die sagen: »Wir gehören zu Paulus«, während andere erklären: »Wir halten uns an Apollos!« Die Nächsten meinen: »Nur was Petrus sagt, ist richtig!«, und die letzte Gruppe behauptet schließlich: »Wir gehören allein zu Christus!« Was soll das? Wollt ihr etwa Christus zerteilen? Bin denn ich, Paulus, für euch gekreuzigt worden? Oder wurdet ihr auf meinen Namen getauft? (1. Korinther 1,12-13) Für mich ist es sehr bereichernd, andere Christ*Innen kennenzulernen und etwas aus ihrem Leben zu erfahren. Ich kann sie dann entspannt und gerne als Glaubensgeschwister annehmen, trotz Unterschieden oder anderen Ansichten, denn allein die Anerkennung von Gott als Vater und der Glaube an Jesus schafft eine tiefe Verbundenheit. Und so ist es, denke ich, auch Jesu Intention, wenn er spricht: »Ich bitte aber nicht nur für sie, sondern für alle, die durch ihre Worte von mir hören werden und an mich glauben. Sie alle sollen eins sein, genauso wie du, Vater, mit mir eins bist. So wie du in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns fest miteinander verbunden sein. Dann wird die Welt glauben, dass du mich gesandt hast. Deshalb habe ich ihnen auch die Herrlichkeit gegeben, die du mir anvertraut hast, damit sie die gleiche enge Gemeinschaft haben wie wir. Ich bleibe in ihnen, und du bleibst in mir. Genauso sollen auch sie vollkommen eins sein. Dann wird die Welt erkennen, dass du mich gesandt hast und dass du meine Jünger liebst, wie du mich liebst. Vater, ich möchte, dass alle, die du mir gegeben hast, mit mir dort sind, wo ich sein werde. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast. Denn du hast mich geliebt, lange bevor die Welt geschaffen wurde." (Johannes 17,20-24) Jesus erwartet von uns, dass wir vollkommen eins sind und erst, wenn wir als Geschwister in Christus erkennbar sind, wird auch die restliche Welt erkennen, dass Jesus von Gott gesandt wurde. Ich wünsche mir, dass wir alle als gläubige Christ*Innen näher zusammenrücken und uns gegenseitig die Unabhängigkeit und Freiheit in Christus anerkennen. Ich wünsche mir eine Gemeinschaft, in der ich authentisch leben kann, ohne Erwartungen von "oben" oder "außen", frei von menschlichen Richtern, die denken, sie könnten (mit-)entscheiden, wer ins Königreich Gottes kommt und wer nicht. Das erklärt Olav mit seinen Worten im Interview so: "Aber weißt du, was mir hier fehlt? Die Liebe mit der Jesus den Menschen begegnet. [...] Es ist nicht an uns mit dem Finger zu zeigen. Es ist nicht an uns zu verurteilen oder zu beurteilen und vor allem nicht in dem Stil. Wenn ich jemanden kritisiere, dann versuche ich das mit Liebe zu tun, versuche ich aufbauend zu sein. [...] Gott ist für mich bedingungslose Liebe und immer da. Auch wenn ich es in dem Moment nicht wahrnehme. Im Nachhinein gucke ich zurück und sag: 'Ja, Gott war da!'" (ab min. 46)* Auch wenn ich nicht mit Olav in einer Gemeinde bin, ja ihn nicht einmal persönlich kenne, und wir nicht zu 100% dieselben Vorstellungen haben, kann ich ihn trotzdem als Glaubensbruder annehmen, weil er Jesus als Bruder genau so liebt und annimmt wie ich es tue. Eure Freya Rise up and shine! Das Fundament, das bei euch gelegt wurde, ist Jesus Christus. Niemand kann ein anderes legen.[...] Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und dass Gottes Geist in eurer Mitte wohnt? Wer diesen Tempel zerstört, den wird Gott ins Verderben stürzen. Denn Gottes Tempel ist heilig, und dieser Tempel seid ihr! (1. Korinther 3,11-17) *https://www.bremenzwei.de/audios/eine-stunde-reden-olav-van-gerven-100.html [Zugriff: 9.6.2024]
- Warum so hart?
Heute möchte ich euch eine Frage mitgeben. Die Frage ist keineswegs neu und vielleicht sogar eine der am häufigsten aufgeworfenen Fragen in christlichen Runden. Trotzdem springt sie mir immer wieder neu ins Auge, wenn ich in der Bibel lese. Und immer wieder muss ich feststellen: Meine Antworten ändern sich von Zeit zu Zeit, die Frage ist aber immer gleichbleiben, herausfordernd (oder sogar unangenehm) und doch gleichzeitig so wichtig für meine Beziehung zu Gott. Deshalb stelle ich sie mir gerne immer wieder und lade euch heute ein, das auch mal wieder zu tun. Auf die Frage gestoßen bin ich, als ich neulich vor dem Schlafengehen Lukas Kapitel 14 gelesen habe. Wie in vielen Kapiteln der Evangelien findet man auch Lukas 14 viele verschiedene und nicht immer direkt zusammenhängende Berichte von dem, was Jesus getan und gepredigt hat. Manchmal findet man in diesen Kapiteln sogar mehrere Aussagen, die auf den ersten Blick schwer zu vereinbaren sind. So ging es mir auch hier. Ab Vers 15 erzählt Jesus ein Gleichnis, das in meiner Elberfelder Bibelübersetzung mit „Gleichnis vom großen Gastmahl“ überschrieben ist. Dort geht es um einen Menschen, der viele Leute zu einem – wer hätte es gedacht – großen Gastmahl einlädt. Die großzügigen Einladung stößt aber nicht überall auf die erhoffte Reaktion: Viele der Eingeladenen lassen sich aus dem ein oder anderen Grund entschuldigen und wollen nicht teilnehmen, weil sie Anderes und vermeintlich Wichtigeres zu tun haben. Daraufhin beschließt der Gastgeber, anstelle der ursprünglich Eingeladenen Personen neue Gäste zu finden, die auch tatsächlich Lust haben zu seinem Fest zu kommen. So sendet er letztendlich sogar einen Angestellten aus, um jeden einzuladen, den er irgendwo auf der Straße antrifft. Das Gleichnis wird gemeinhin so ausgelegt, dass Gott zuerst seinem Volk Israel die Einladung in eine Ewigkeit mit ihm ausgesprochen hat. Als seine Einladung nicht auf die erhoffte, freudige Reaktion stieß, hat er den exklusiven Status seines Volkes auf alle Menschen erweitert. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht so detailliert auf dieses Gleichnis und seine Auslegung eingehen, sondern erst mal nur festhalten: Wenn der Gastgeber zu seinem Angestellten sagt „Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und bringe die Armen und Krüppel und Blinden und Lahmen hier herein!“ (Lukas 14,21) dann denke ich, ich kann das direkt auf mich beziehen. ICH bin einer dieser Außenseiter, die zu einem prunkvollen und exquisiten Fest eingeladen sind – und zwar kostenlos! Ich darf am größten und besten Fest teilnehmen und muss nichts bezahlen, sondern einfach nur hingehen. Aber gleich im nächsten Abschnitt scheint Jesus diese überaus schöne, ergreifende und nahezu bedingungslose Einladung komplett zu revidieren: „Es gingen aber große Volksmengen mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen: Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein; und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, kann nicht mein Jünger sein.“ (Lukas 14,25-27) Wo kommt das plötzlich her?! Warum auf einmal so hart, obwohl doch gerade noch von dem größten Geschenk die Rede war? Von der Einladung, zu der man nichts beizutragen braucht, als nur zu erscheinen? Und nun geht es um Bedingungen? An dieser Stelle bin ich erst mal hängen geblieben. Wie passt das zu dem kurz davor Berichteten? Und mehr als das: Wie passen diese harten Worte zu Jesus? Weil ich nicht direkt eine befriedigende Antwort darauf hatte, habe ich ein wenig Zeit mit der Stelle verbracht und darüber nachgedacht. Zunächst sei mal gesagt, dass verschiedene Übersetzungen die Stelle recht unterschiedlich übersetzen. Hier mal zwei Beispiele: „Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein;“ (Lukas 14,26; Revidierte Elberfelder Übersetzung) „Wenn jemand zu mir kommen will, muss ich ihm wichtiger sein als sein eigener Vater, seine Mutter, seine Frau, seine Kinder, seine Geschwister und selbst sein eigenes Leben; sonst kann er nicht mein Jünger sein.“ (Lukas 14,26; Neue evangelistische Übersetzung) Die Schlachter 2000 Übersetzung übersetzt zwar wie die Elberfelder mit „Hassen“, fügt aber in einer Fußnote hinzu: „»Hassen« bedeutet hier kein bösartiges Gefühl, sondern verschmähen bzw. zurückstellen um des Herrn willen.“ (Fußnote zu Lukas 14,26) Es geht hier also nicht um wirklichen Hass oder Abneigung gegenüber sich selbst oder anderen, sondern offenbar um Prioritäten. Das hat mir schon mal den ersten Schock genommen. Und wenn es nicht um Hass, sondern um Priorisierung geht, dann gibt es ja auch plötzlich eine Verbindung zum Gleichnis davor. Geht es nicht dort auch um Prioritäten? Was hielt denn die ursprünglich eingeladenen Gäste davon ab, zum Gastmahl zu erscheinen? Ihnen waren andere Dinge wichtiger. Und das bringt mich zu der Frage, von der ich zu Beginn des Beitrags geschrieben habe und die es sich, wie ich finde, immer wieder zu stellen lohnt: Was ist mir im Leben wichtig? Oder besser: Was ist mir im Leben wichtiger als Gott und seine Einladung zum ewigen Leben? Im Gleichnis des großen Gastmahls waren das zum Beispiel Arbeit (ein Acker, der bestellt werden wollte), Besitz (neu erworbene Ochsen, die „ausprobiert“ werden wollten) oder Familie (eine kürzlich geheiratete Frau). Ich denke hier hat Jesus mehr oder weniger zeitlose Beispiele gewählt, mit denen sich vermutlich viele von uns identifizieren können. Die Liste muss hier aber nicht aufhören. Es können ganz vielfältige Dinge sein, die uns im Leben beschäftigen, (zu) viel Raum einnehmen und wenig Platz für Gott lassen. Wenn ich so über das Gleichnis vom Gastmahl nachdenke, dann muss ich gestehen, dass meine erste Reaktion auf die Absagen in etwa diese war: „Wie können die Eingeladenen nur so dumm sein, sich ein solches Fest entgehen zu lassen?“ Aber je mehr ich darüber nachdenke und mir so eine Einladung (vielleicht eines guten Freundes) ganz praktisch in meinem Leben vorstelle, dann muss ich mir eingestehen, dass ich vermutlich auch nicht in jeder Situation zusagen würde. Wie oft kommt es vor, dass ich z.B. von der Arbeit oder den Kindern so erschöpft bin, dass ich lieber auf dem Sofa bleiben möchte, statt mich noch mal chic zu machen, ggf. ins Auto zu steigen und noch auf eine Geburtstagsparty mit zig mir mehr oder weniger bekannten Leute, lauter Musik und viel Trubel zu gehen – und das obwohl ich dort den ganzen Abend umsonst essen und trinken könnte. Es gibt hier also offenbar noch einen tiefergehenden Punkt, der mir vorher noch nie so deutlich ins Auge gefallen ist: Wenn all die Menschen, die der Gastgeber im Gleichnis eingeladen hat, von ihren alltäglichen Sorgen so eingenommen waren, dass sie lieber abgesagt haben als zum festlichen Mahl zu erscheinen – war ihnen dann eigentlich wirklich bewusst, auf WAS sie verzichteten? Ist MIR eigentlich immer wirklich klar, zu WAS mich Gott eingeladen hat? Oder ist es nicht vielmehr so, dass, wenn der Alltag mich mal wieder komplett einnimmt und ich in meinem Glaubensleben kaum „vom Sofa hochkomme“, ich ein Stück weit vergesse, was für eine unglaubliche und ihres gleichen suchende Einladung ich da eigentlich erhalten habe? Vielleicht ist es das, was Jesus mit seinen übermäßig harsch klingenden Worten eigentlich sagen will: Wer wirklich verstanden hat, welche unglaubliche Einladung ihm ausgesprochen wurde, für den dürfte es eigentlich nichts Größeres mehr geben, als dieser Einladung nachzugehen – als oberste Priorität! Und das nicht mal uneigennützig … Ich habe mir daher vorgenommen, mir in nächster Zeit mal wieder mehr zu vergegenwärtigen, WAS Gottes Plan mit dieser Welt ist und WIE unglaublich die Ewigkeit sein wird zu der er mich eingeladen hat. Vielleicht findet der oder die ein oder andere von euch es ja ebenso wertvoll, mal wieder vermehrt darüber nachzudenken. Wenn ihr mögt, können wir uns auch gerne darüber austauschen 😊 Und wenn wir uns gegenseitig davon vorschwärmen, was uns bei den tatsächlichen „Gastmahl“ erwartet, dann fällt es uns vielleicht auch deutlich leichter, die manchmal so unangenehme Frage ehrlich zu beantworten: Wo liegen eigentlich meine Prioritäten? Und sind das die richtigen Prioritäten? Gottes Segen und bis zum nächsten Mal Euer Daniel Foto von Mel Lituañas auf Unsplash
- Still? – Leben – einfach – biblisch
Seid ihr bereit für ein paar „neue“ Gedanken? Ich habe es in meinem letzten Blog „Leben – nicht immer – einfach – biblisch“ (www.leben-einfach-biblisch.de/post/leben-nicht-immer-einfach-biblisch) angekündigt, heute werde ich über die „stille“ Frau schreiben. Die Frage ist diese: Ist es eine Anweisung von Paulus für eine gläubige Frau in der Gemeinde still zu sein, oder kann sie ihre Talente einsetzen und, wenn möglich, auch lehren? Lehren im Sinne von predigen, unterweisen, Erkenntnis weitergeben und das nicht nur an Kinder. Darf eine Schwester einen Vortrag, einen Impuls vor dem Gedächtnismahl mit der Gemeinde teilen? Darf sie in Bibelfreizeiten und Bibelstudien Inhalt vermitteln und laut für alle ein Gebet sprechen? Würden einem Bibelleser nicht die einschlägigen Stellen immer wieder in den Sinn kommen, würde dieser sicher sagen, dass es wertvoll sei aus allen Ressourcen zu schöpfen und nicht 50% der Gläubigen auszuschließen. Aber da war doch... Die Frau soll still zuhören, wenn in der Gemeinde gelehrt wird, und bereit sein, sich ganz unterzuordnen. Einer Frau erlaube ich nicht, öffentlich zu lehren oder sich über den Mann zu erheben. Sie soll vielmehr still und zurückhaltend sein. Denn Gott hat zuerst Adam geschaffen, den Mann, und danach Eva, die Frau. Außerdem ließ sich nicht Adam von der Schlange verführen, sondern Eva. Sie hat Gottes Gebot übertreten. Doch auch sie wird gerettet werden, auch und gerade dann, wenn sie ihre Aufgabe als Frau und Mutter erfüllt – vorausgesetzt, sie vertraut auf Gott, bleibt in seiner Liebe und tut besonnen seinen Willen. (1.Timotheus 2,11-15) Also doch! Still zuhören und sich unterordnen steht hier. Der Pastor der Christengemeinde, der in Oberhausen eine Vortragsreihe zum Thema „Der Dienst der Frau in der Gemeinde“ hielt, bietet folgende Erklärung, die ich hier aus meinem Verständnis heraus zusammenfasse: Eine grundtextnahe Übersetzung (1) dieser Verse spricht von: „ Eine Frau lerne in den festgelegten Grenzen der Unterordnung. Ich erlaube einer Frau daher nicht zu lehren, indem sie über den Mann herrscht, sondern ich will, dass sie die Ordnung bewahrt; denn Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva, und Adam wurde nicht betrogen, die Frau aber wurde betrogen und fiel in Übertretung. Sie wird aber durch den Nachkommen einer Frau (hindurch) gerettet werden, wenn sie in Glaube, Liebe und Heiligkeit ein besonnenes Leben führt!“ Paulus verbindet hier das Lehren mit dem Herrschen. Hier lese ich von einem Verbot, dass einer Frau nicht erlaubt zu lehren, indem sie über den Mann herrscht, also kein Lehrverbot, sondern ein Verbot, auf eine ganz bestimmt Art und Weise zu lehren. Ein äußerst selten im Bibeltext gebrauchtes Wort für „herrschen“ ist hier das griechische Wort „authentein“. Es kommt im gesamten Neuen Testament nur an dieser Stelle im Timotheusbrief vor. Zur Zeit der Abfassung des Briefes von Paulus hatte es diese Bedeutung noch nicht, sondern bedeutete entweder „morden“ oder „jemanden sexuell zu dominieren“. Davon leitet sich der Begriff der „Domina“ ab. Zur damaligen Zeit konnte das die Verbindung zu einem heidnischen Fruchtbarkeitskult sein. Damals verbreiteten manche Frauen die gnostische Irrlehre, dass nur Frauen Trägerinnen göttlicher Offenbarungen seien und nur sie göttliches Heil unmittelbar vermitteln können. Eine Strömung im Gnostizismus ist der „Ophitische Gnostizismus“. Dort wurden Eva und die Schlange (ophis) verehrt und zudem eine enge Verbindung zu Fruchtbarkeitskulten der Kybele, Isis und Artemis gepflegt. Für diese Kulte gab es nachweislich Tempel in der damaligen hellenistischen Welt. Aus diesem Eva/Schlange Kult leitete sich die Forderung ab, dass Männer den Frauen stets sexuell zur Verfügung zu stehen hatten. Diese Frauen wollten mit ihrer Irrlehre die Männer sexuell beherrschen. Paulus wendet sich gegen die Verbreitung dieser Irrlehre. Im Gegensatz dazu steht die jüdisch, rabbinische Lehre, die besagt, dass die Männer über die Frauen herrschen sollen. Paulus musste also immer wieder vor beiden Irrlehren warnen und sie bekämpfen, so auch in Korinth. Auch wenn ich im Bibeltext von „still sein“ oder „sich in Stille halten“ lese, meint das übersetzte Wort nicht schweigen sondern vielmehr „ in festgelegten Grenzen bleiben“ oder „Ordnung bewahren“. Einige Beispiele aus dem neuen Testament unterstreichen diese These. Zum Beispiel bittet Paulus den Timotheus Was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das gib an zuverlässige Christen weiter, die wiederum fähig sind, andere im Glauben zu unterweisen. (2. Timotheus 2,2) Für „zuverlässige Christen“, oder wie in der Elberfelder Übersetzung zu lesen: „treue Menschen“, steht im griechischen Text das Wort „antropos“, das bedeutet Männer und Frauen. Hier werden also beide Geschlechter aufgefordert andere zu lehren. Und noch eine schöne Bibelstelle aus dem Kolosserbrief liest sich so: Lasst die Botschaft von Christus ihren ganzen Reichtum bei euch entfalten. Unterweist und ermahnt euch gegenseitig mit aller Weisheit und dankt Gott von ganzem Herzen mit Psalmen, Lobgesängen und Liedern, die euch Gottes Geist schenkt. Ihr habt doch Gottes Gnade erfahren! (Kolosser 3,16) In euch, Männer und Frauen, wohnt das Wort des Christus. Keiner steht über oder unter dem anderen. Also kein Problem euch gegenseitig zu lehren und zu ermahnen. Es sind die kleinen Begebenheiten, die aufhorchen lassen. Paulus bittet seinen treuen Mitarbeiter Syzygus, zwischen den beiden zerstrittenen Frauen Euodia und Syntyche zu vermitteln. Wer sind diese Frauen, was verbindet sie mit Paulus? Darum ermutige ich euch, meine lieben Brüder und Schwestern: Bleibt nur fest in eurem Glauben an den Herrn, so wie ich es euch geschrieben habe! Ich habe große Sehnsucht nach euch, denn ihr seid meine Freude, mein ganzer Stolz, die Menschen, die ich von Herzen liebe! Euodia und Syntyche bitte ich eindringlich, sich wieder zu vertragen. Sie glauben doch beide an den Herrn Jesus Christus. Vielleicht kannst du, Syzygus, mein treuer Mitarbeiter, den Frauen dabei helfen! Schließlich haben die beiden mit mir – Seite an Seite mit Klemens und meinen anderen Mitarbeitern – für die Verbreitung der rettenden Botschaft gekämpft. Gott hat ihre Namen in das Buch des Lebens eingetragen. (Philipper 4,1-3) Beide haben Seite an Seite mit anderen Gläubigen das Evangelium in die Welt getragen! Paulus zählt sie zu den Menschen, die er von Herzen liebt. Menschen auf die er stolz ist. Menschen, die gebrannt haben für die Verkündigung! Was für eine starke Verbindung. Es ist ganz egal, ob du Mann oder Frau bist. Wir alle haben Talente, die wir nutzen sollten, um die rettende Botschaft zu vermitteln und um gemeinsam Schritt für Schritt auf dem Weg zum kommenden Königreich zu gehen - auf Augenhöhe! Die „Ordnung bewahren“ heißt nicht zwangsläufig still zu sein. Vielmehr sprechen die Bibelstellen, die von „lauten“ Gläubigen erzählen mein Herz an und regen mich an, nach Talenten zu suchen und diese zu üben. Alles geschehe in Liebe! Eure Ulrike Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. (1) Quelle für die urtextnahen Übersetzungen des Pastors aus Neumünster ist die Dabhar-Überstetzung Bildquelle: pixabay von geralt
- Ein Leib - viele Glieder
Heute möchte ich mal nur eine Frage mit Euch teilen, die mich schon seit langem beschäftigt und von der ich – ehrlich gesagt – nicht einmal weiß, ob überhaupt irgend ein Mensch berechtigt ist, diese zu beantworten. Inzwischen sind wir tatsächlich seit zwei Wochen in Braunschweig in unserem neuen Zuhause angekommen. Es sind längst noch nicht alle Kartons ausgepackt, alle Bilder und Lampen aufgehängt. Aber so langsam kehrt so etwas wie Alltag ein. Seit unserem Einzug bis heute (Sonntag) hatten wir ausnahmslos Sonnenschein, so dass es sich zunächst eher wie Urlaub in einer Ferienwohnung anfühlte. Jetzt setzt sich allerdings langsam ein Gefühl von „Angekommen“ durch. Das hat mich auch dazu bewogen, einmal etwas in die „christliche“ Landschaft hier in Braunschweig einzutauchen, um ein eigenes Gefühl für unser Projekt „Gemeinde bauen“ und die zu erwartenden Rahmenbedingungen zu bekommen. Gibt man bei Google als Suchbegriff „Christliche Gemeinden in Braunschweig“ ein, so erhält man ca. 117.000 Treffer. Alleine auf der Seite „Gott in Braunschweig“ gibt es in der Rubrik „Finde Deine Kirche“ 18 eingetragene Gemeinden der evangelischen Allianz. Selbst die offizielle Seite der Stadt Braunschweig listet 25 christliche Gemeinden auf. Da gibt es Angebote, wie: „Gott in Braunschweig“ „Finde Christus“ „Christus im Zentrum“ Christen aller Arten und Denominationen gibt es hier, Katholiken, ev. Lutherische, alle erdenklichen Freikirchen, Jehovas Zeugen, Mormonen, Baptisten, Pfingstler, messianische Juden, … und demnächst halt auch uns!? Diese unglaubliche Vielfalt, mit der ich zunächst nicht gerechnet hatte, führt mich zurück zu einer Frage, die mich schon so lange beschäftigt: Wie definiert sich wohl der EINE Leib Christi? Wie schon zu Anfang geschrieben, bin ich mir nicht mal sicher, ob diese Frage überhaupt ein Mensch beantworten darf, außer vielleicht für sich selbst. Wie soll man in diesem Zusammenhang Paulus‘ Vergleich der Gemeinde mit einem Körper aus unterschiedlichsten Organen und Extremitäten verstehen? In Kurzform schreibt Paulus im Römerbrief: "Denn wie wir in Leib viele Glieder haben, aber die Glieder nicht alle dieselbe Tätigkeit haben, so sind wir, die vielen, Leib in Christus, einzeln aber Glieder voneinander." (Römer 12,4-5) Ausführlicher beschreibt Paulus diesen Leib in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth. Das 12. Kapitel trägt in der Rev. Elberfelder Bibel die Überschrift „Die verschiedenen Geistesgaben und die Einheit des Leibes und seiner Glieder“: "Denn wie der Leib ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl viele, Leib sind: so auch der Christus. Denn in Geist sind wir alle zu Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit Geist getränkt worden. Denn auch der Leib ist nicht Glied, sondern viele. Wenn der Fuß spräche: Weil ich nicht Hand bin, gehöre ich nicht zum Leib: gehört er deswegen nicht zum Leib? Und wenn das Ohr spräche: Weil ich nicht Auge bin, gehöre ich nicht zum Leib: gehört es deswegen nicht zum Leib? Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo wäre das Gehör? Wenn ganz Gehör, wo der Geruch? Nun aber hat Gott die Glieder bestimmt, jedes einzelne von ihnen am Leib, wie er wollte. Wenn aber alles Glied wäre, wo wäre der Leib? Nun aber sind zwar viele Glieder, aber Leib. Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht; oder wieder das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht; sondern gerade die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig; und die uns die weniger ehrbaren am Leib zu sein scheinen, die umgeben wir mit größerer Ehre; und unsere nichtanständigen haben größere Wohlanständigkeit; unsere wohlanständigen aber brauchen es nicht. Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dabei dem Mangelhafteren größere Ehre gegeben, damit keine Spaltung im Leib sei, sondern die Glieder dieselbe Sorge füreinander hätten. Und wenn Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; oder wenn Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber seid Christi Leib und, einzeln genommen, Glieder." (1.Korinther 12,12-27) Insbesondere die Einheit des Leibes ist Paulus offenbar ein wichtiges Anliegen. Er schreibt dazu an die Epheser: "Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens: Leib und Geist, wie ihr auch berufen worden seid in Hoffnung eurer Berufung! Herr, Glaube, Taufe, Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist." (Epheser 4,3-6) Oder ganz ähnlich auch an die Korinther: "Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist er nicht Gemeinschaft mit dem Blute Christi? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht Gemeinschaft mit dem Leibe Christi? Denn ein Brot ist es, so sind wir, die vielen, ein Leib; denn wir sind alle des einen Brotes teilhaftig." (1.Korinther 10,16-17) Ich bin mir bewusst, dass wir gerade in der Gemeinschaft der Christadelphians diese Verse oft als eine Aufforderung zur Abgrenzung verstehen und so eher Exklusivität als Inklusion darstellen. Genauso weiß ich aber auch, dass es in unseren Gemeinden weltweit eine sehr große Vielfalt an unterschiedlichsten Ausprägungen und Auffassungen gibt, die alle nebeneinander existieren (auch wenn das nicht jedem gefällt). Vielleicht ist das Bild, das Paulus skizziert, eher eine Beschreibung dessen, was ich bei der Sicht auf die Braunschweiger „Christenlandschaft“ entdecke. Eine geradezu unglaubliche Vielfalt. Und selbstverständlich nehmen alle diese Christen für sich in Anspruch, in Jesus Christus Erlösung gefunden zu haben. Wer will ihnen das absprechen? Mein Gefühl (und im Augenblick ist es nicht mehr als das), dass uns eine Antwort auf die Frage, wer wohl zum Leib gehört, nicht zusteht, ergibt sich aus folgenden Aussagen, die sich im gleichen Kontext ebenfalls bei Paulus finden (meine Hervorhebungen): "Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben wurde, jedem, der unter euch ist, nicht höher von sich zu denken, als zu denken sich gebührt, sondern darauf bedacht zu sein, dass er besonnen sei, wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat." (Römer 12,3) "Jedem einzelnen von uns aber ist die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi gegeben worden." (Epheser 4,7) "Nun aber hat Gott die Glieder, jedes einzelne von ihnen, so am Leibe gesetzt, wie er gewollt hat. […] Gott aber hat den Leib so zusammengefügt, dass er dem dürftigeren Glied umso größere Ehre gab, damit es keinen Zwiespalt im Leibe gebe, sondern die Glieder gleichmäßig füreinander sorgen." (1.Korinther 12,18 und 24,25) Wenn es also Gott ist, der einem jeden das für ihn passende Maß des Glaubens zuteilt und er den Leib aus Gliedern zusammengesetzt hat, wie er wollte, steht es uns dann zu, Kriterien festzulegen, welche Inhalte zu glauben sind, um dazu zu gehören? Wenn Paulus‘ Bild des Leibes aus unterschiedlichsten Gliedern der „inklusiven“ Sicht auf die Gesamtheit der Christen entspricht und nicht der „exklusiven“ Sicht auf unsere eigenen Gemeinden und deren Glieder, dann stellt sich mir die Frage, ob wir wohl hier in Braunschweig auch noch das siebenundneunzigste Angebot machen müssen? Ich will aber nicht verschweigen, dass nach meiner bisherigen Recherche unsere Gemeinde auch in Braunschweig wohl die Einzige wäre, die die Dreieinigkeitslehre ablehnt und glaubt, dass das Reich Gottes tatsächlich hier auf der Erde errichtet wird. Wenn es das ist, was hier in Braunschweig durch uns sichtbar werden soll, wäre es vielleicht tatsächlich ein anderes Angebot. Sehr gerne wünsche ich mir eure Kommentare zur Sicht auf den EINEN Leib. Das würde mir sehr helfen, mein eigenes Verständnis zu finden. Hallelujah! (Gelobt sei Jahweh, unser Gott) Euer Peter Foto von Claudio Schwarz auf unsplash
- Ein Urlaubsbericht – oder ein Urlaub voller Analogien
Vor etwas mehr als einer Woche ging es für uns in den ersten Familienurlaub ohne Großeltern, Tanten oder Freunde; eine ganz neue Erfahrung. Unser Reiseziel war Langeoog. Eine Insel ohne Autos, was für uns bedeutete: begrenzt packen. Mit zwei kleinen Kindern ist das wirkliche eine Herausforderung, aber wir haben es tatsächlich geschafft, alles in zwei Koffer zu stopfen (und das inklusive Matschhosen, Gummistiefel und Sandspielzeug!). Einen kleinen Wickelrucksatz und einen kleinen Rucksack mit Essen und Trinken hatten wir auch noch mit, das muss fairerweise dazu gesagt werden. Das war allerdings Nichts im Vergleich zu einigen anderen Eltern. Viele, die wir auf der Fähre gesehen haben, waren vollgepackt mit überquellenden Rucksäcken, Netzen mit Sandspielzeug, Helmen, Kinderfahrzeugen und mindestens einem Stoffbeutel. Hinzu kam oft noch ein voller Kinderwagen, in dem definitiv keine Kinder mehr sitzen konnten. Einerseits hat es sich angefühlt, als hätten wir nicht alles mitgenommen, andererseits hat es sich sehr gut angefühlt, nicht alles mitgeschleppt zu haben. Ich musste unweigerlich an den Silbermond Song „Leichtes Gepäck“ denken, in dem es heißt: „Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck“. In dem Lied geht es eigentlich nicht direkt um eine Reise, aber diese Zeile passt offensichtlich trotzdem sehr gut. Es war sowohl körperlich als auch psychisch einfacher, mit unserem „leichteren“ Gepäck zu reisen (der größere Koffer hat nichtsdestotrotz noch 19,3 kg gewogen). Ich musste unweigerlich an Gott denken, der uns auch oft Last abnimmt, wie es in den Psalmen heißt, damit unsere Last leichter ist: „Ich habe die Last von seiner Schulter genommen, seine Hände sind vom Tragkorb befreit.“ (Psalm 81,7) „Wirf deine Last auf den HERRN, er wird dich versorgen, den Gerechten lässt er niemals wanken.“ (Psalm 55,23) Auch wenn wir noch Gepäck dabeihatten, so war es doch wesentlich einfacher, mit einer kleineren Last zu reisen. Wie schön ist da die Vorstellung, dass Gott sich um uns kümmert und uns hilft, unsere Lasten (seien es physische oder psychische) zu tragen und alles etwas weniger schwer wird. „All eure Sorge werft auf ihn, denn er kümmert sich um euch.“ (1. Petrus 5,7) Auf Langeoog kann man wunderbar Zeit in der Natur verbringen. Gottes Schöpfung ist einfach so schön und einfach nur am Strand zu sitzen und aufs Meer hinauszublicken, hat etwas sehr Entspannendes. Hier ein kleiner Eindruck (in beliebiger Reihenfolge): Die Kinder waren damit beschäftigt, Muscheln zu sammeln oder im Sand zu spielen und wir konnten tatsächlich recht gut auf unserer Picknickdecke verweilen und ein Buch lesen. Ich habe es jetzt im Urlaub endlich mal geschafft, Tom Feltons Buch „Jenseits der Magie: Von Segen und Fluch, als Zauberer groß zu werden“ zu Ende zu lesen. Ein sehr unterhaltsames, aber zum Teil auch sehr schwerwiegendes Buch. Gegen Ende beschreibt Tom Felton, dass er sehr viel Erfüllung darin finden kann, anderen Menschen zu helfen und einfach nett zu ihnen zu sein. Was ja durchaus ein sehr biblisches Konzept ist. „Alle Bitterkeit und Wut, Zorn, Geschrei und Lästerrede sei verbannt aus eurer Mitte, samt allem, was böse ist! Seid gütig zueinander, seid barmherzig und vergebt einander, wie auch Gott euch in Christus vergeben hat.“ (Epheser 4,31+32) „Denn Gott ist nicht ungerecht: Er vergisst eure Taten nicht und nicht die Liebe, die ihr seinem Namen erwiesen habt, indem ihr die Heiligen unterstützt habt und immer noch unterstützt.“ (Hebräer 6,10) „Denn zur Freiheit seid ihr berufen worden, liebe Brüder und Schwestern. Auf eins jedoch gebt acht: dass die Freiheit nicht zu einem Vorwand für die Selbstsucht werde, sondern dient einander in der Liebe! Denn das ganze Gesetz hat seine Erfüllung in dem einen Wort gefunden: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Wenn ihr einander aber beissen und fressen wollt, dann seht zu, dass ihr euch nicht gegenseitig verschlingt!“ (Galater 5,13-15) „Zuverlässig ist das Wort. Und ich möchte, dass du in diesen Dingen gefestigt bist, damit die, welche auf Gott vertrauen, darauf bedacht sind, sich mit guten Taten hervorzutun. Das ist gut und nützlich für die Menschen.“ (Titus 3,8) Das stand im krassen Gegensatz dazu, was wir zum Teil mitbekommen haben. Wie Menschen manchmal miteinander umgehen, ist mir unbegreiflich. Ich finde, es fühlt sich auch einfach nicht gut an, unfreundlich zu sein. Es gibt einem selbst doch auch viel mehr zurück, wenn man freundlich ist, lächelt und zuvorkommend ist, auch wenn man dafür selbst vielleicht einmal etwas zurückstecken muss. Der „Lohn“, der daraus hervorgeht, wiegt das in jedem Fall auf. Das bedeutet jetzt nicht, dass ich es immer schaffe, zu jedem freundlich zu sein. Jeder ist auch mal schlecht drauf. Aber es ist sowohl für mich als auch für die Menschen um mich herum so viel besser, darauf zu achten, nett und freundlich zu sein. „Freut euch im Herrn allezeit! Nochmals will ich es sagen: Freut euch! Lasst alle Menschen eure Freundlichkeit spüren. Der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts, sondern lasst in allen Lagen eure Bitten durch Gebet und Fürbitte mit Danksagung vor Gott laut werden. Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus. Zum Schluss, liebe Brüder und Schwestern: Was wahr ist, was achtenswert, was gerecht, was lauter, was wohlgefällig, was angesehen, wenn immer etwas taugt und Lob verdient, das bedenkt! Was ihr bei mir gelernt und empfangen, gehört und gesehen habt, das tut! Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.“ (Philipper 4,4-9) Eine weitere Analogie, die mir im Urlaub über den Weg gelaufen ist, ist folgende: Beide Kinder haben im Fahrradanhänger gesessen, die Kleine hat geschlafen und die Große hat ein bisschen Mittagspause gemacht. Wir sind durch die Dünen gelaufen (natürlich nur auf den vorgegebenen Wegen) und mussten dann, um auf eine Art Aussichtsplattform zu gelangen, einen recht steilen Hügel hochlaufen. Damit nicht einer das ganze Gewicht schieben musste, haben wir gemeinsam geschoben und das „Leid geteilt“. Und es hat einfach sehr schön veranschaulicht, was „geteiltes Leid ist halbes Leid“ bedeuten kann. Wir hatten nämlich beide das Gefühl, mehr als die Hälfte weniger an Gewicht schieben zu müssen. Mein Mann hat passenderweise folgenden Bibelvers mit mir geteilt: „Kommt zu mir, all ihr Geplagten und Beladenen: Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin sanft und demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11,28-30) Um es mit den Worten unserer Kleinen frei nach Rolf Zuckowski zu sagen: „Ich schaff das schon, ich schaff das schon, ich schaff das nie alleine!“ Wie gut, dass wir das nicht müssen. Eure Lisa ♥
- Liebe dich selbst wie deinen Nächsten
Beim Lesen der Überschrift haben einige von euch vermutlich als erste Reaktion die Stirn gerunzelt. Die bekannte und richtige Version lautet schließlich „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (u.a. Markus 12,33). Ich glaube jedoch, dass die Umkehrung „Liebe dich selbst wie deinen Nächsten“ keinesfalls falsch ist, sondern vielmehr einen Aspekt des Gebotes zum Vorschein bringt, den viele von uns (mich eingeschlossen) oft übersehen. Doch warum kommt uns die Idee, uns selbst zu lieben, auf den ersten Blick so falsch vor? Eine einseitige Anleitung Das Gebot der Nächstenliebe ist ein Kernaspekt der Lehre Jesu. Wir finden eine Vielzahl von Stellen, in denen er uns erklärt, wie diese Liebe aussieht, die wir füreinander haben sollen. Zum Beispiel beschreibt er in der Bergpredigt, dass wahre Nächstenliebe sogar bedeutet, seine Feinde zu lieben: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Matthäus 5,43-45) Dass Nächstenliebe keinen Einschränkungen unterliegen sollte, zeigt Jesus auch im Gleichnis des barmherzigen Samariters in Lukas 10 auf die Frage hin, wer denn unser Nächster ist. Als Petrus ihn fragt, wie oft er einem Bruder vergeben soll, der gegen ihn sündigt antwortet Jesus Folgendes: „Ich sage dir: Nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmal siebenmal!“ (Matthäus 18, 20) Und auch außerhalb der Evangelien finden wir in den weiteren Büchern des Neuen Testaments viele Stellen, die uns zeigen, wie Nächstenliebe in der Umsetzung aussieht. Eine der bekanntesten Stellen ist sicherlich der Beginn von 1. Korinther 13, auch genannt das „Hohelied der Liebe“, welches die verschiedenen Eigenschaften der Liebe beschreibt: „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig, sie neidet nicht, die Liebe tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf, sie benimmt sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet Böses nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit; sondern sie freut sich mit der Wahrheit, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.“ (1. Korinther 13,4-7) Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl weiterer Beispiele, die sich mit Nächstenliebe auseinandersetzen und uns Hilfestellungen für einen liebevollen Umgang mit unseren Geschwistern und Mitmenschen geben. Wofür man jedoch wenig Hilfestellung findet, ist diesen liebevollen Umgang auch bezogen auf sich selbst umzusetzen und diese Liebe, die wir für andere haben sollen, auch auf sich selbst anzuwenden. Doch warum ist das so? Vermutlich liegt es daran, dass dieses Wissen vorausgesetzt wurde. Jesus bezieht sich mit dem Zusatz "wie dich selbst" auf etwas, was seinem Publikum bekannt war und was ihnen wahrscheinlich leichter gefallen ist, als ihren Nächsten zu lieben. Der Gedanke, seinen Nächsten so sehr zu lieben wie Jesus gefordert hat, war für einige Zuhörer wahrscheinlich revolutionär. Doch ich kenne heute auch einige Menschen, für die es ein ebenso revolutionärer Gedanke sein kann, sich selbst so zu lieben und anzunehmen wie die Bibel es sie bezogen auf ihren Nächsten lehrt. In diesem Fall kann die Umkehrung "Du sollst dich selbst lieben wie deinen Nächsten" die hilfreichere Form des Gebotes sein - und dabei meiner Meinung nach keineswegs eine Verdrehung der Bedeutung. 2 + 2 = 4 Der Zusatz „Wie dich selbst“ ist glaube ich weder ein Beispiel auf das Jesus sich beruft noch zwingend eine Art Voraussetzung für die Nächstenliebe. Meine Vermutung ist, dass er vielmehr ausdrücken soll, dass wir unseren Nächsten im Optimalfall genauso sehr lieben sollen wie uns selbst. Es geht um ein Gleichgewicht und keine Seite sollte zum Nachteil der anderen überwiegen. Auch wenn die Variante "Du sollst dich selbst lieben wie deinen Nächsten" ungewohnter klingt, drückt sie somit doch das gleiche aus. Genauso wie 2 + 2 = 4 das gleiche aussagt wie 4 = 2 + 2. Je nachdem, ob dieses Gleichgewicht bei uns gerade besteht oder nicht, kann uns die eine oder andere Ausdrucksweise des Gebots mehr oder weniger helfen. Das Publikum, vor dem Jesus gesprochen hat, hatte offenbar den Fokus zu sehr auf sich selbst gelegt und ihre Nächstenliebe hat darunter gelitten, dass sie sich selbst als Priorität betrachtet haben und sich selbstgerecht als Richter ihres Nächsten aufgespielt haben. Nicht jeder, der diese Stelle liest, wird jedoch das gleiche Problem haben. Zumindest nicht zu jedem Zeitpunkt. Wie bei so vielen Dingen geht es um eine Balance, die sehr leicht aus dem Gleichgewicht gerät – mal überwiegt die eine, mal die andere Seite. Manchmal haben wir Probleme damit, unser eigenes Ego zu überwinden, um den Menschen um uns herum mit der nötigen Liebe zu begegnen. Manchmal verlernen wir aber auch einen liebevollen Blick auf uns selbst und tun uns schwerer damit, uns selbst zu vergeben als anderen. Wie uns selbst, nicht anstatt uns selbst Ich denke, immer wenn die Nächsten- oder Selbstliebe in einem ungesunden Maß überwiegt, zeigt es sich darin, dass der Gegenpart darunter leidet. Wenn ich zum Beispiel so davon überzeugt bin, im Recht zu sein, dass ich beginne auf mein Gegenüber herabzuschauen anstatt ihm in Demut zu begegnen. Aber auch, wenn ich so auf den anderen und seine Bedürfnisse fixiert bin, dass ich beginne, meine eigenen Grenzen nicht mehr zu respektieren. Wenn uns die Bibel vor Selbstliebe warnt – und das tut sie an vielen Stellen – dann meint sie damit meiner Meinung nach eine übertriebene Form der Selbstliebe wie Egoismus, Narzissmus, Selbstgerechtigkeit usw. Doch eine gesunde Beziehung zu sich selbst sollte nicht mit diesen Dingen verwechselt werden. Ein Beispiel hierfür ist folgende Stelle aus dem Brief an die Philipper: "so erfüllt meine Freude, dass ihr dieselbe Gesinnung und dieselbe Liebe habt, einmütig, eines Sinnes seid, nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht tut, sondern dass in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst; ein jeder sehe nicht nur auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen!" (Philipper 2,2-4) Paulus warnt hier davor, nur auf sich selbst zu schauen und die Demut gegenüber den anderen zu verlieren. Doch sagt er am Ende nicht, man solle sich selbst völlig verneinen und nur auf den anderen achten. Nein, er sagt, man solle "nicht nur auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen" achten. Es geht nicht um "A anstatt B", sondern um "A und B". Den anderen lieben wie sich selbst - nicht anstatt sich selbst. Wie Gott uns liebt Die Nächstenliebe zu der wir aufgerufen sind, sollte ein Spiegelbild der Liebe sein, mit der Gott die Menschen liebt. Ich habe schon öfter in meinen Beiträgen davon geschrieben, dass es mir in der Umsetzung manchmal hilft, zu versuchen die Menschen um mich herum mit Gottes Augen zu sehen. Ich versuche mir vorzustellen, was Gott in den Menschen sieht. Dass er zwar ihre Fehler sieht, aber sie deswegen nicht verurteilt. Dass er ihr Bemühen anerkennt, auch wenn vielleicht nicht immer das richtige Ergebnis dabei herauskommt. Dass er uneingeschränkt das Beste für sie möchte und sich wünscht, eine Beziehung zu ihnen zu haben. Doch sobald ich versuche, mich selbst mit Gottes Augen zu sehen, verzweifle ich oft an dieser Aufgabe. In diesen Momenten ist es für mich wertvoll, mich daran zu erinnern, dass ich nicht nur dazu aufgerufen bin, meinen Nächsten zu lieben, sondern auch mich selbst. Dass ich mir vergeben darf, auch wenn ich siebzigmal siebenmal den gleichen Fehler mache. Dass ich die Liebe, die Gott mir schenkt, annehmen darf. Denn auch Gott liebt nicht meinen Nächsten anstatt mir, sondern uns beide gleichermaßen. Und ich denke, wenn wir dem Gebot der Nächstenliebe in Gänze folgen wollen, dann sollten wir das auch tun. Bis zum nächsten Mal! Eure Lea
- Gott erleben - 3
Überraschung Neben meiner Berufstätigkeit bilde ich mich gerade als Seelsorger aus. In der vorigen Woche besuchte ich den sogenannten Aufbaukurs Theologie. Dort ging es darum, wie der Glaube die Seelsorge beeinflusst. An einem Punkt der Vorlesung war ich sehr ergriffen über eine Erkenntnis, die sich mir eröffnete. Und da sie zu meiner Überraschung sehr viel mit der Wahrnehmung Gottes zu tun hat, möchte ich hier davon berichten. Persönlichkeitsstruktur Einen großen Raum in der Ausbildung nimmt die Erkenntnis über die Persönlichkeitsstruktur ein. Ein ausführlicher Fragebogen (PST-Test) ermöglicht eine wertfreie Einordnung des Menschen in seiner Tiefenstruktur, in der Grundstruktur und in seinen Wesenszügen. Die Ergebnisse über die Tiefenstruktur wird im folgendem Koordinatenkreuz dargestellt. In der Tiefenstruktur geht es z.B. um die Persönlichkeit, die ein Mensch in den frühen Jahren ausbildet, sogar um Eigenschaften, die er durch die Geburt mitbringt. Soweit die Einordnung. Ich möchte hier nicht zu tief einsteigen. Wichtig ist mir an dieser Stelle, das du mit der Matrix etwas anfangen kannst. Dieses Koordinatenkreuz wurde nämlich in meinem Kurs dazu verwendet, um sich folgenden Fragen anzunähern: Können die verschiedenen Glaubensstile, charismatisch, pietistisch, orthodox, liberal, hierin verortet werden? Findet sich ein Mensch mit seiner Persönlichkeitsstruktur in einer bestimmten Kirche oder Gemeinde wieder? Was ist, wenn es sehr weit abweicht? Diese Einteilung stand nun im Raum. Wir tauschten unsere Eindrücke in einer regen Unterhaltung aus. Unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Gemeinden und Kirchen sprachen von ihrer persönlichen Einordnung. Übergeordnet mag diese Einordnung funktionieren. In der Realität wird es in den jeweiligen Gemeinden wohl nicht nur Menschen geben, mit derselben Persönlichkeit. Eine gewisse Ausprägung der Geschwister wird allerdings zu einem gewissen Stil der Gemeinschaft führen. Viele Teilnehmer*innen hoben den wertschätzenden Austausch in der durchaus heterogenen Gruppe hervor. So ging es mir auch. Gott wahrnehmen So schuf Gott den Menschen als sein Abbild, ja, als Gottes Ebenbild; und er schuf sie als Mann und Frau. (1.Mose 1,27) Unter dem Eindruck dieser Bibelstelle, die früher in der Lehrveranstaltung zitiert wurde und dem Einfluss der Diskussion stellte ich mir die Frage, ob Gott alle diese Persönlichkeiten in sich vereint? Freude an Vielfalt hat er auf jeden Fall. Um diese Aussage zu untermauern reicht der Blick in die Natur. Wenn Gott alle Persönlichkeiten in sich trägt, dann hat er auch für jede Ausprägung ein Verständnis. Ein Andocken und eine Verbindung erscheint nicht nur möglich sondern selbstverständlich. In diesem Moment fühlte ich mich Gott sehr nah. Ich dachte an die Worte Jesu vor seiner Kreuzigung, wie sie der Jünger Johannes wiedergegeben hat. Und weil sie so schön sind, setze ich hier das gesamte Kapitel ein. Für die Schnell-Leser kennzeichne ich die für mich besonders stimmigen Aussagen. 1 Nach diesen Worten sah Jesus zum Himmel auf und betete: »Vater, die Zeit ist da! Lass jetzt die Herrlichkeit deines Sohnes sichtbar werden, damit der Sohn deine Herrlichkeit offenbart. 2 Du hast ihm ja Macht über die Menschen gegeben, damit er allen das ewige Leben schenkt, die du ihm anvertraut hast. 3 Und genau darin besteht das ewige Leben: dich, den einen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. 4 Ich habe hier auf der Erde deine Herrlichkeit sichtbar gemacht und alles getan, was du mir aufgetragen hast. 5 Und nun, Vater, wenn ich wieder bei dir bin, dann schenk mir die Herrlichkeit, die ich bereits vor Erschaffung der Welt bei dir hatte. 6 Ich habe den Menschen gezeigt, wer du bist, und zwar allen, die du aus der Welt herausgerufen und mir anvertraut hast. Dir gehörten sie schon immer, und du hast sie mir gegeben. Sie haben sich deine Worte zu Herzen genommen, 7 und jetzt wissen sie, dass alles, was ich bekommen habe, von dir ist. 8 Denn was du mir gesagt hast, habe ich ihnen weitergegeben. Sie haben deine Botschaft angenommen und wirklich erkannt, dass ich von dir hergekommen bin; sie glauben daran, dass du mich gesandt hast.« … für seine Jünger 9 »Für sie bitte ich dich jetzt: nicht für die ganze Welt, sondern für die Menschen, die du mir anvertraut hast. Denn sie gehören zu dir. 10 Alles, was ich habe, das gehört dir, und was du hast, das gehört auch mir. An ihnen zeigt sich meine Herrlichkeit. 11 Ich verlasse jetzt die Welt und komme zu dir. Sie aber bleiben zurück. Vater, du heiliger Gott, erhalte sie in der Gemeinschaft mit dir,[1] damit sie eins sind wie wir. 12 Solange ich bei ihnen war, habe ich sie in der Gemeinschaft mit dir erhalten, alle, die du mir anvertraut hast. Ich habe sie bewahrt, und keiner von ihnen ist verloren gegangen – außer dem einen, der verloren gehen musste, damit sich die Voraussage der Heiligen Schrift erfüllte. 13 Jetzt komme ich zu dir zurück. Ich sage all das, solange ich noch bei ihnen in dieser Welt bin, damit meine Freude auch sie ganz erfüllt. 14 Ich habe ihnen deine Botschaft weitergegeben, und die Welt hasst sie deswegen, weil sie ebenso wie ich nicht zu ihr gehören. 15 Ich bitte dich nicht, sie aus der Welt zu nehmen, aber schütze sie vor der Macht des Bösen! 16 Sie gehören ebenso wenig zur Welt wie ich. 17 Lass ihnen deine Wahrheit leuchten, damit sie in immer engerer Gemeinschaft mit dir leben![2] Dein Wort ist die Wahrheit! 18 Wie du mich in die Welt gesandt hast, so sende ich sie in die Welt. 19 Für sie gebe ich mein Leben hin, damit ihr Leben ganz dir gehört.[3]« … für alle, die noch zum Glauben finden werden 20 »Ich bitte aber nicht nur für sie, sondern für alle, die durch ihre Worte von mir hören werden und an mich glauben. 21 Sie alle sollen eins sein, genauso wie du, Vater, mit mir eins bist. So wie du in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns fest miteinander verbunden sein. Dann wird die Welt glauben, dass du mich gesandt hast. 22 Deshalb habe ich ihnen auch die Herrlichkeit gegeben, die du mir anvertraut hast, damit sie die gleiche enge Gemeinschaft haben wie wir. 23 Ich bleibe in ihnen, und du bleibst in mir. Genauso sollen auch sie vollkommen eins sein. Dann wird die Welt erkennen, dass du mich gesandt hast und dass du meine Jünger liebst, wie du mich liebst. 24 Vater, ich möchte, dass alle, die du mir gegeben hast, mit mir dort sind, wo ich sein werde. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast. Denn du hast mich geliebt, lange bevor die Welt geschaffen wurde. 25 Vater, du gerechter Gott! Wenn die Welt dich auch nicht kennt, ich kenne dich, und diese hier haben erkannt, dass du mich gesandt hast. 26 Ich habe ihnen gezeigt, wer du bist. Das werde ich auch weiter tun, damit deine Liebe zu mir auch sie erfüllt, ja, damit ich selbst in ihnen lebe.« (Johannes 17) Hier kommt so ein starkes Wir-Gefühl zum Ausdruck. Gott, Jesus, die Jünger, die schon gelebten und noch kommenden Nachfolger, alle vereint im Glauben. Diesen liebenden Gott verkündet Jesus hier und in seinem gesamten Leben. Den Gott, der sich selbst so genannt hat. »Ich bin der HERR, der barmherzige und gnädige Gott. Meine Geduld ist groß, meine Liebe und Treue kennen kein Ende! (2.Mose 34,6) Es ist diese Liebe, die ein vollkommenes Geschenk ist. Sie verbindet alle Christen miteinander. Sie verbindet, auch wenn Unverständnis füreinander da ist. Wenn Unterschiede unüberwindbar erscheinen, wenn Persönlichkeiten nicht zueinander finden. Es gibt unzählige Situationen, in denen Jesu Gebot umgesetzt werden kann. Und Gott und Jesus sind dabei. Sie unterstützen mit diesem Geist. Sie freuen sich über gelebte Liebe. Sie sind vielleicht sogar etwas stolz? So wie Eltern auf ihre Kinder stolz sind, wenn ihnen etwas gelingt. Jesus spricht darüber so. Wie mich der Vater liebt, so liebe ich euch. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr nach meinen Geboten lebt, wird meine Liebe euch umschließen. Auch ich richte mich nach den Geboten meines Vaters und lebe in seiner Liebe. Das alles sage ich euch, damit meine Freude euch erfüllt und eure Freude dadurch vollkommen wird. Und so lautet mein Gebot: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben für die Freunde hingibt. Und ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch aufgetragen habe. Ich nenne euch nicht mehr Diener; denn einem Diener sagt der Herr nicht, was er vorhat. Ihr aber seid meine Freunde; denn ich habe euch alles anvertraut, was ich vom Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt. Ich habe euch dazu bestimmt, dass ihr euch auf den Weg macht und Frucht bringt – Frucht, die bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, worum ihr ihn in meinem Namen bittet. Das ist mein Auftrag an euch: Liebt einander!« (Johannes 15,9-17) In diesem Sinne, fühle dich verbunden mit Gott, mit Jesus und mit ... . Ingo Anmerkungen und Fragen könnt ihr gern als Kommentar eintragen. Oder gern auch direkt an mich: ingo@einfach-biblisch.de Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. Ingo Tauchert










