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- Die alte Welt
Einleitung Im meinem letzten Blog habe ich von der neuen Welt geschrieben, die mit der Wiederkunft Christi beginnt. Gern möchte ich an dieser Stelle nochmal an meinen Aufruf aufmerksam machen. Wer will, kann seine Vorstellungen und Erwartungen dieser Zeit beschreiben und mir zusenden. Ich bin gespannt. Heute möchte ich mit euch auf die Zeit nach Christi Auferstehung schauen. In mir kam die Frage auf, wie wohl die Heilige Schrift entstanden ist? Wie wurden die verschiedenen Texte zusammengestellt, ausgewählt und darüber entschieden, welcher Text dazugehört. Wer waren die Beteiligten? Wurde darüber gestritten? War es einträchtig? Um es vorwegzunehmen: Ich habe noch keine Antworten gefunden. Allerdings nahm ich ein Buch in die Hand, das meine Frau vor einiger Zeit von ihrem Physiotherapeuten bekam. Sie sprachen oft bei den Anwendungen über den christlichen Glauben. Leider ist er vor kurzem gestorben. So wie ich es verstanden habe, war er immer auf der Suche nach Argumenten gegen die katholische Kirche. Die Kirche, die meint, die Wahrheit zum christlichen Weg zu kennen. Mit den Moralvorstellungen, den daraus resultierenden Gesetzen und Vorschriften und dem offensichtlichen Versagen. In diesem Buch "Die un-heilige Schrift", Helmuth Santler, 2014, wird über Texte geschrieben, die es damals nicht in die Heilige Schrift geschafft haben. Durch verschiedene Funde liegen sie uns heute allerdings vor, sodass sie jedermann lesen und studieren kann und sich selbst ein Bild von ihnen machen kann und sie einordnen kann. Ein Text hat mich besonders angesprochen. Das Evangelium der Maria Magdalena (Ev.d.M.M). Vielleicht unterstützt es unsere Glaubensgruppe im Tun, in unserem Selbstverständnis und kann uns Selbstbewusstsein und Sicherheit geben. Ich habe weiter recherchiert. Habe eine Textübersetzung gefunden. Eine wissenschaftlichen Radio Blog darüber gehört, mit einer dazugehörigen neuen Übersetzung ins Deutsche. Habe erfahren, dass Franz Alt gerade aktuell zwei Bücher zu diesem Evangelium geschrieben hat. Auf der Seite des Autors ist ein Interview mit ihm zu finden über seine Beschäftigung mit dem Maria Evangelium. Dieses Interview möchte ich hier in Auszügen (Interview mit Franz Alt) zeigen. Als Ergänzung habe ich die Textstellen aus der Übersetzung des (Evangelium der Maria Magdalena) eingefügt, auf die sich Franz Alt aus meiner Sicht bezieht. an manchen Stellen ergänze oder verbinde ich die Passagen mit meinen Worten (schwarz). Evangelium der Maria Magdalena Jesus sagt in diesem Evangelium zu Maria Magdalena: Es gibt keine Sünde. Die Kirche hat aus dieser Frohbotschaft eine Drohbotschaft gemacht; ihr alle seid böse, Sünder, ihr kommt in die Hölle. Die frohe Botschaft von menschlicher Freiheit und Güte steht deutlich im Mittelpunkt dieses Evangeliums. ... So ist es. Franz Alt bezieht sich auf diesen Textausschnitt: ... Petrus sprach zu ihm: „Nachdem du uns alles erklärt hast, erzähle uns auch dies: Was ist die Weltsünde.“ Der Retter sprach: „Es gibt keine Sünde. Ihr erschafft Sünde mit den Dingen, die ihr tut, dies ist z.B. die Natur des Ehebruchs, die Sünde genannt werden kann. Das ist der Grund, wieso das Gute in eure Mitte trat, als Essenz einer jeden Natur, um sie wieder zu Seinen Wurzeln zurückzuführen." ... Die Schöpfung ist gut. So beschreibt es der Schöpfungsbericht. Die Natur ist gut. Es kommt darauf an, was der Mensch daraus macht. Steht hier vielleicht auch, dass die Sünde nicht von außen kommt? Durch einen lebendigen Teufel? Im Interview folgt: Maria Magdalena fragt Jesus, was wichtiger sei für eine bessere Welt: Der Verstand oder das Herz? Sie will wissen, womit man die höhere Wahrheit erkennen könne, mit der Seele (Psyche) oder dem Verstand (Pneuma) ? Jesus antwortet für viele überraschend: Entscheidend sei die Brücke zwischen beiden. Auch C.G. Jung sagt: Allein mit dem Verstand kommt die Menschheit nie zur Vernunft. Unser Materialismus kulminiert ja in Atombomben und Umweltkatastrophen, der Bedrohung allen Lebens. Darum ist diese Botschaft Jesu so wichtig: Wir brauchen den Brückenschlag zwischen Verstand und der Seele. Das jesuanische Schlüsselwort dabei ist „Nous“: Es bedeutet Brücke, Harmonie oder Schlüssel. ... Es ist schwierig, den Bezug der Schrift (Ev.d.M.M) zu seinen Aussagen herzustellen. Es geht auch sehr hin und her mit den Begriffen Seele, Geist und Verstand. Deshalb habe ich versucht zu sortieren. Siehe meine Ergänzungen im Klammern. Ich vermute Franz Alt denkt bei seinen Ausführungen an diese Stelle: ... „Ich sah Christus in einer Vision und ich sprach zu ihm: ’ Christus, ich sah dich heute in einer Vision.’Er antwortete darauf und meinte: ’ Sei gesegnet dafür, dass du nicht gezaudert hast, als du mich erblicktest. Denn dort, wo der Geist ("Nous"?) ist, da ist der Hort.’ Ich sprach zu ihm: ’ Christus, wie sieht Er in einer Vision, die durch die Seele (Psyche) oder durch den Geist (Pneuma) gesehen wird? ’Da antwortete der Retter und sprach: ’ Er sieht weder durch die Seele (Psyche) noch den Geist (Pneuma) , sondern durch den Verstand („Nous“?) , welcher zwischen diesen beiden steht – das ist es, wie man eine Vision sieht.’ ... Weiter im Interview: Diese Stelle macht deutlich, dass das Christentum eine Religion der Erkenntnis ist – und nicht des Bekenntnisses. Jesus hat uns viel über die menschliche Natur und das rechte Leben zu sagen. Er ist vor allem deshalb ein Erlöser, weil er uns an unsere göttliche Natur und unser göttliches Ziel erinnert: die Weiter- und Höherentwicklung, sodass wir alle erlöst werden. Unser ursprüngliches göttliches Wesen ist reine Liebe und reiner Geist. ... Vielleicht fasst der Autor hier diese Passage zusammen? Dann fuhr Er fort und sprach: „Dies ist der Grund, wieso ihr krank werdet und sterbt. Jener der verstehen kann, der verstehe. Die Materie gebar eine Leidenschaft (Leid?), der keiner ebenbürtig ist und aus der etwas der Natur Gegensätzlichem entstand. Denn darauf folgt eine Störung des ganzen Körpers. Dies ist auch der Grund, wieso ich sagte: ‚Seid guten Mutes!’, wenn ihr entmutigt seid, seid mutig in der Gegenwart der verschiedenen Formen der Natur. Jener der Ohren hat, der höre.“ Als der Gesegnete dies sagte, grüßte Er sie alle und sprach: „Friede sei mit euch. Empfangt meinen Frieden in euch. Achtet darauf, dass euch niemand in die Irre führt, indem er sagt: ‚Seht hier, seht dort…’, denn der Sohn Gottes ist in euch. Folget Ihm! Jene, die Ihn suchen, werden Ihn auch finden. ... Er spricht von einem fühlenden Evangelium: Es handelt sich vor allem um ein Evangelium der Harmonie. Jesus sagt zu Maria Magdalena: Die Balance zwischen Seele (Psyche) und Vernunft (Pneuma) ist das, was euch Menschen zu Menschen macht. So könnt ihr Frieden schaffen. Wir brauchen diese Balance zwischen Männlich und Weiblich, zwischen Frau und Mann, aber auch in jedem Mann und jeder Frau. C.G. Jung spricht ja davon, dass es darum gehe, dass ein Mann seine Anima integriere und eine Frau ihren Animus, also beide in sich selbst eine Balance schaffen zwischen männlichen und weiblichen Seelen-Anteilen. Insofern repräsentieren für mich Jesus und Maria von Magdala den ersten wirklich emanzipierten Mann und die erste emanzipierte Frau. Das ist eine Botschaft des Erwachens für eine Welt, die ausser Balance geraten ist. ... An dieser Stelle spricht Maria, die an Jesu Missionsauftrag zu verzweifeln drohende Jünger und Jüngerinnen Gruppe, mitfühlend an: Dann erhob sich Maria Magdalena, begrüßte sie alle und sagte zu ihren Brüdern: „Weint nicht, seid weder betrübt noch unentschlossen. Denn Seine Gnade wird vollkommen für uns sein und wird euch beschützen. Lasset uns besser seine Großartigkeit preisen, denn Er hat sie für uns vorbereitet und dies machte uns zu Menschen.“ Als Maria dies sagte, wandte sie ihre Herzen zum Guten und dann diskutierten sie die Worte des Retters. Franz Alt weiter: Das Maria-Magdalena-Evangelium fasziniert mich seit Jahren und ich finde es sehr merkwürdig und schade, dass die Kirchen es nicht ernst genommen haben. Sie ist ja neben der Mutter Maria die meistgenannte Frau im Neuen Testament. Doch die Kirchen haben es sich ab dem 6. Jahrhundert viel zu einfach gemacht, sie als Sünderin und Prostituierte abgestempelt. Das scheint zu stimmen. Papst Gregor der Große (590-604) machte aus der namenlosen Sünderin, die Jesus die Füße salbt (Lukas 7,36-50), Maria Magdalena. Ab diesem Zeitpunkt war sie nicht mehr die herausgestellte Jüngerin. Erst 1969 erklärte der Vatikan diese Gleichsetzung offiziell für irrig. Leider konnte dies das Image der Maria Magdalena bislang nicht vollständig wiederherstellen. (Auszüge aus dem Buch Die un-heilige Schrift, Helmuth Santler, 2014) Dabei war sie die engste Gefährtin des Jesus von Nazareth. Nach dem Magdalena-Evangelium hat Jesus ihr Weisheiten anvertraut, die im Neuen Testament nicht stehen und die er mit seinen Jüngern nicht geteilt hat. Die enge Beziehung spricht hier heraus: Petrus sagte zu Maria: „Schwester, wir wissen, dass der Retter dich mehr liebte als alle anderen Frauen. Dinge, die wir aus dem neuen Testament nicht wissen. Kommentiert Jesus hier seine Begegnung mit Maria direkt nach seiner Auferstehung? Er antwortete darauf und meinte: ’ Sei gesegnet dafür, dass du nicht gezaudert hast, als du mich erblicktest. Denn dort, wo der Geist ist, da ist der Hort.’ Ein längerer Textabschnitt führt vielleicht aus, wie Maria ihre Heilung durch Jesus empfunden hat. Jesus hat sie von 7 Dämonen erlöst. Jesus war frühmorgens am ersten Tag der Woche von den Toten auferstanden und erschien zuerst Maria aus Magdala, die er von sieben Dämonen befreit hatte. (Markus 16,9) Ich spare hier die ausführliche Passage und verweise auf den unter abgedruckten Gesamttext des Maria Evangeliums. An dieser Stelle nur dieser eine Satz, der sich auf die Zahl sieben bezieht. Als die Seele die dritte Macht besiegt hatte, stieg sie weiter auf und erkannte die vierte Macht, die sieben Formen besaß. Und der nächste Gedanke tut so gut: Für mich ist das Maria-Magdalena-Evangelium der Beweis, dass Jesus keine Männerkirche im Sinn hatte, sondern eine geschwisterliche Kirche aller Menschen. ... Wie schön und passend ist in diesem Zusammenhang der neue Name unserer kleinen christlichen Glaubensgruppe. https://geschwister-in-christus.de/ Unter anderem kann diese Stelle als Bezug dienen. Vorher haben Andreas und vor allem Petrus, durch ihre ablehnende Art, Maria zum Weinen gebracht: Levi (Matthäus) antwortete und sagte zu Petrus: „Petrus, du warst schon immer temperamentvoll. Nun sehe ich, wie du dich gegen diese Frau aufbäumst als wäre sie dein Gegner. Denn wenn der Retter sie als wertvoll erachtete, wieso möchtest du sie dann ablehnen? sie als sie als wertvoll erachtete, wieso möchtest du sie dann ablehnen? Der Retter kennt sie sicherlich sehr gut. ... Gleich geht´s weiter. In einer Zeit, in der immer mehr Partnerschaften in die Brüche gehen, in einer Zeit, in der wir immer mehr Spaltung in der Gesellschaft beobachten, kann das Traumpaar Jesus und Maria Magdalena ein echtes Vorbild sein. Für mich ging Jesus genauso zu Maria Magdalena in die Schule wie Jesus Maria Magdalenas Lehrer war. Wenn Männer und Frauen mit sich und miteinander in Balance sind, dann sind eins und eins immer mehr als zwei. Eine bessere Welt braucht viele dieser Traumpaare. Dafür sind wir geschaffen. ... Wenn ich das Wort Traumpaar benutze meine ich das auf einer geistigen Ebene: Der Umgang der beiden miteinander kann auch heute noch vorbildlich sein für die Begegnung zwischen den Geschlechtern, auch für funktionierende Paarpartnerschaften. ... Das ist der Grund, wieso er sie mehr liebte als uns. Wir sollten uns besser schämen und lieber dafür sorgen, den perfekten Menschen in uns und für uns zu leben, so wie Er es uns aufgetragen hat. Lasst uns das Evangelium predigen und nicht Gesetze aufstellen, die jenseits dessen stehen, die uns der Retter mitgeteilt hat.“ Levi wiederholt hier die Aufgabenstellung. Interessant ist die Forderung, keine zusätzlichen Gesetze aufzustellen. Da fällt mir natürlich gleich das sogenannte Doppelgebot ein. Jesus antwortete: »Das wichtigste Gebot ist dies: ›Höre, o Israel! Der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft lieben.‹Das zweite ist ebenso wichtig: ›Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.‹Kein anderes Gebot ist wichtiger als diese beiden.« (Markus 12, 29-31) Es gibt auch heute eine tiefe spirituelle Sehnsucht, nicht nur Gottvergessenheit und Kirchenverdrossenheit. Die Botschaft von der Liebe Gottes zu allem Leben wird auch in Zukunft gebraucht, um Menschen aufzurichten. Das Maria-Magdalena-Evangelium, dieses Evangelium der Balance, bietet nach Jahrtausenden der Kriege, des Hasses und der Rache eine neue Ethik für unsere Zeit. Der Dalai Lama nennt sie «Wissenschaft des Mitgefühls». Darin steckt Jesu Auftrag, den er im Evangelium der Maria Magdalena den Jüngern und Jüngerinnen erteilt: Als der Gesegnete dies sagte, grüßte Er sie alle und sprach: „Friede sei mit euch. Empfangt meinen Frieden in euch. Achtet darauf, dass euch niemand in die Irre führt, indem er sagt: ‚Seht hier, seht dort…’, denn der Sohn Gottes ist in euch. Folget Ihm! Jene, die Ihn suchen, werden Ihn auch finden. Gehet hin und prediget das Evangelium des Königreichs. Legt nicht sämtliche Regeln beiseite, die ich euch mitteilte, und gebt kein Gesetz auf, so wie es die Gesetzesgeber tun und euch somit beschränken.“ Einordnung - ein Versuch Ich finde Franz Alt ist hier eine moderne Auslegung des Evangeliums der Maria Magdalena gelungen. Sicherlich baut er da auch auf die Erfahrungen mit dem Philosophen C. G. Jung auf. Es ist der Versuch, mit der Botschaft des kommenden Königsreichs auf Erden, schon jetzt etwas zur Verbesserung beizutragen. Und das spricht mich an. Ist das nicht auch die Umsetzung des Gebots der Nächstenliebe? Alle Christenmenschen haben immer noch den Auftrag des Weitersagens. Franz Alt setzt es um und das Maria Evangelium spricht es aus und ermutigt uns dazu. Die Umsetzung baut auf Liebe und Wertschätzung auf. So sind über sich hinauswachsende Beziehungen möglich. In diesem Sinne wünsche ich euch "Traumpaar" Momente. Ingo Das Interview ist hier zu finden: https://www.sonnenseite.com/de/franz-alt/kommentare-interviews/ein-evangelium-fuer-das-3-jahrtausend/ Für den Radioblog „Das Marienevangelium“ folgt diesem Link: https://www.sfb-episteme.de/podcast/c01/index.html Und die dazugehörige Übersetzung ist hier: https://www.sfb-episteme.de/podcast/bonusmaterial/c01-bonus/index.html Erläuterungstet: Jacquline Wormstädt hat den gesamten überlieferten Text des Evangeliums nach Maria aus dem Codex Berolinensis Gnosticus P. 8502 neu übersetzt. Die so entstandene deutschsprachige Fassung haben wir als Hörspiel inszeniert. Damit haben Sie die Möglichkeit, das ganze Evangelium nach Maria anzuhören. Hier nun die in meinem Blog übernommene Evangeliums - Übersetzung von Stefan Georg Malsi. Den Text habe ich als Download in Stefan's Blog gefunden: Zum Blog https://stefanmalsi.de/blog/ Zum Text https://stefanmalsi.de/downloads/Evangelium-der-Maria-Magdalena.pdf (Der Anfang des Originaltextes fehlt an dieser Stelle.) „Wird Materie nun zerstört oder nicht?“ Der Retter sprach: „Alles Natürliche, jede Form, sämtliche Kreaturen existieren in- und miteinander, und sie lösen sich wieder in das auf, aus dem sie entstanden sind. Denn die Natur der Materie kann sich nur wieder in ihre eigenen Wurzeln auflösen. Jener, der zwei Ohren besitzt, den lasset hören.“ Petrus sprach zu ihm: „Nachdem du uns alles erklärt hast, erzähle uns auch dies: Was ist die Weltsünde.“ Der Retter sprach: „Es gibt keine Sünde. Ihr erschafft Sünde mit den Dingen, die ihr tut, dies ist z.B. die Natur des Ehebruchs, die Sünde genannt werden kann. Das ist der Grund, wieso das Gute in eure Mitte trat, als Essenz einer jeden Natur, um sie wieder zu Seinen Wurzeln zurückzuführen.“ Dann fuhr Er fort und sprach: „Dies ist der Grund, wieso ihr krank werdet und sterbt. Jener der verstehen kann, der verstehe. Die Materie gebar eine Leidenschaft (Leid?), der keiner ebenbürtig ist und aus etwas der Natur Gegensätzlichem entstand. Denn darauf folgt eine Störung des ganzen Körpers. Dies ist auch der Grund, wieso ich sagte: ‚Seid guten Mutes!’, wenn ihr entmutigt seid, seid mutig in der Gegenwart der verschiedenen Formen der Natur. Jener der Ohren hat, der höre.“ Als der Gesegnete dies sagte, grüßte Er sie alle und sprach: „Friede sei mit euch. Empfangt meinen Frieden in euch. Achtet darauf, dass euch niemand in die Irre führt, indem er sagt: ‚Seht hier, seht dort…’, denn der Sohn Gottes ist in euch. Folget Ihm! Jene, die Ihn suchen, werden Ihn auch finden. Gehet hin und prediget das Evangelium des Königreichs. Legt nicht sämtliche Regeln beiseite, die ich euch mitteilte, und gebt kein Gesetz auf, so wie es die Gesetzesgeber tun und euch somit beschränken.“ Als Er dies gesprochen, verschwand er. Doch sie waren betrübt. Sie weinten sehr und sagten: „Wie sollen wir zu den Heiden gehen und das Königreich des Sohn Gottes predigen? Wenn sie Ihn schon nicht verschonten, wieso sollten sie uns schonen?“ Dann erhob sich Maria Magdalena, begrüßte sie alle und sagte zu ihren Brüdern: „Weint nicht, seid weder betrübt noch unentschlossen. Denn Seine Gnade wird vollkommen für uns sein und wird euch beschützen. Lasset uns besser seine Großartigkeit preisen, denn Er hat sie für uns vorbereitet und dies machte uns zu Menschen.“ Als Maria dies sagte, wandte sie ihre Herzen zum Guten und dann diskutierten sie die Worte des Retters. Petrus sagte zu Maria: „Schwester, wir wissen, dass der Retter dich mehr liebte als alle anderen Frauen. Berichte uns von den Worten des Retters, die du erinnerst – die du kennst und wir nicht oder von denen wir noch nie gehört haben.“ Maria antwortete und sagte: „Was dir verborgen, werde ich dir kundtun.“ Und sie sprach zu ihnen die Worte: „Ich…“, sprach sie, „Ich sah Christus in einer Vision und ich sprach zu ihm: ’ Christus, ich sah dich heute in einer Vision.’ Er antwortete darauf und meinte: ’ Sei gesegnet dafür, dass du nicht gezaudert hast, als du mich erblicktest. Denn dort, wo der Geist ist, da ist der Hort.’ Ich sprach zu ihm: ’ Christus, wie sieht Er in einer Vision, die durch die Seele oder durch den Geist gesehen wird?’ Da antwortete der Retter und sprach: ’ Er sieht weder durch die Seele noch den Geist, sondern durch den Verstand, welcher zwischen diesen beiden steht – das ist es, wie man eine Vision sieht.’ (Der mittlere Teil des Originaltextes fehlt an dieser Stelle.) ’Ich sah nicht, wie du herabstiegst, aber jetzt sehe ich, wie du aufsteigst. Wieso lügst du also, weil du zu mir gehörst?’ Die Seele antwortete und sprach: ’ Ich sah dich. Und du hast mich weder gesehen noch erkannt. Ich diente dir einst als Gewand und du hast mich nicht erkannt!’ Als sie (die Macht) das ausgesprochen hatte, verschwand sie lachend (frohlockend): Danach kam es auf die dritte Macht an, die da Ignoranz lautet. Sie (die Macht) befragte die Seele: ’ Wohin gehst du? In Boshaftigkeit wirst du gebannt, urteile nie!’ Und die Seele sagte: ’Wieso verurteilst du mich, obwohl ich dich nicht verurteilt habe? Ich war gebunden, doch habe nie gebunden. Ich bin nicht erkannt worden. Aber ich habe erkannt, dass sich die Ganzheit auflösen wird, sowohl die Irdischen Dinge als auch die Himmlischen.’ Als die Seele die dritte Macht besiegt hatte, stieg sie weiter auf und erkannte die vierte Macht, die sieben Formen besaß. Die erste Form war die Dunkelheit, die zweite das Verlangen, die dritte die Ignoranz, die vierte die Furcht vor dem Tode, die fünfte das Königreich des Fleisches, die sechste die närrische Weisheit des Fleisches und die siebte die zornige Weisheit. Diese sind die sieben Mächte des Zorns.’ Sie (die Mächte) befragen die Seele: ’ Woher kommst du, Menschenmörder, oder wohin gehst du, Welteneroberer?“ Die Seele antwortete und sprach: „Was mich einst gebunden ist nun befreit, und was mich umgab, ist nun überwunden worden, und die Ignoranz ist besiegt. In einer Welt wurde ich von der Welt befreit, in einer Art himmlischen Gestalt sowie von den Fesseln der Vergessenheit, die vergänglich ist. Von jetzt an werde ich für den Rest der Zeit, der Jahreszeiten, der Äonen, in Stille beabsichtigen.’ Als Maria dies gesprochen hatte, fiel sie in Stille, denn das war der Moment, als der Retter mit ihr gesprochen hatte. Doch Andreas antwortete und sagte zu den Jüngern: „Sprecht, was sagt ihr darüber, was sie eben erzählt hat? Ich bin der letzte der glaubt, dass dies der Erlöser gesagt hat. Diese Lehre ist sicherlich eine befremdliche Vorstellung.“ Petrus antwortete und sprach die gleichen Dinge betreffend. Er befragte sie nach dem Retter: „Sprach Er wirklich ohne unser Wissen mit einer Frau und das nicht öffentlich? Sollen wir uns ihr nun zuwenden und ihr künftig zuhören? Hat er sie uns vorgezogen?“ Dann weinte Maria und sagte zu Petrus: „Mein Bruder Petrus, was denkst du denn? Denkst du, dass ich mir all dies in meinem Herzen ausgedacht habe oder dass ich über unseren Retter Lügen erzähle?“ Levi (Matthäus) antwortete und sagte zu Petrus: „Petrus, du warst schon immer temperamentvoll. Nun sehe ich, wie du dich gegen diese Frau aufbäumst als wäre sie dein Gegner. Denn wenn der Retter sie als wertvoll erachtete, wieso möchtest du sie dann ablehnen? Der Retter kennt sie sicherlich sehr gut. Das ist der Grund, wieso er sie mehr liebte als uns. Wir sollten uns besser schämen und lieber dafür sorgen, den perfekten Menschen in uns und für uns zu leben, so wie Er es uns aufgetragen hat. Lasst uns das Evangelium predigen und nicht Gesetze aufstellen, die jenseits dessen stehen, die uns der Retter mitgeteilt hat.“ Danach begonnen sie zu verkünden und zu predigen… (Ende)
- Barfuß
Seit vier Jahren bin ich die meiste Zeit barfuß unterwegs. Geht das überhaupt? Und wenn ja, wie funktioniert das bei Kälte oder harten, heißen, steinigen Untergründen? Für mich gibt es da im Moment nur eine Lösung: die immer bekannter werdenden "Barfußschuhe". Inspiriert wurde ich da vor allem von Daniel, der zu einer Versammlung "Barfußschuhe" trug. Diese Schuhe besitzen eine flache, dünne Sohle und und bieten viel Platz für die Zehen. Somit hat man einen besseren Halt auf dem Untergrund. Der Boden unter den Füßen wird intensiver wahrgenommen, hält aber Nässe und Kälte fern und beugt Verletzungen vor. Mittlerweile gibt es für jede Wetterlage Barfußschuhe. Der Begrifft ist aber nicht geschützt, deswegen ist es möglich, dass jeder einen Schuh als "Barfußschuh" verkaufen kann, obwohl dieser dann nicht alle oben genannten Kriterien erfüllt. Leider. Ich war sehr fasziniert von den Schuhen und wollte es sofort ausprobieren. Zum einen, weil sich meine Schuhe in meiner Größe immer zu eng anfühlten und dadurch unheimlich schwitzten und zum anderen war ich gespannt darauf inwiefern sich meine Umweltwahrnehmung durch das Tragen verändern würde. Also kaufte ich mir online ein paar Schuhe und trage diese tatsächlich heute noch nach vier Jahren. Diesen Sommer habe ich mir dasselbe Paar nochmal gekauft und ich liebe es. Das Gehen verändert sich. Meine Schritte sind kleiner, ich rolle weniger auf der Ferse ab, sondern auf dem Fußballen. Meine Füße haben Platz und fühlen sich wohl, sind besser durchblutet und somit nicht mehr so kaltschweißig. Außerdem stolpere ich nicht mehr. Im Gegenteil, ich habe ich einen super Halt und mein Gleichgewicht und meine Haltung hat sich verbessert. Aber am meisten gefällt mir die sichere Verbindung zur Erde. Ich spüre die kleinsten Steinchen und manchmal pieken sie total, wenn ich zu sehr auftrete. Ich liebe es im Wald oder über Wiesen zu laufen. Dort spüre ich jeden Untergrund und nehme meine Umwelt intensiv und bewusster wahr. Dann fühle ich mit meinen Füßen und der Bodenkontakt gibt mir Sicherheit. Wenn ich meinen Sohn und andere Kinder beobachte, sehe ich Barfußläufer. Viele Kinder lieben es barfuß zu sein, mögen ungern Schuhe, ziehen überall ihre Schuhe und Socken aus und genießen die Freiheit, Temperaturunterschiede und unterschiedliche Texturen. Sie gehen offen und neugierig durch die Welt. Wenn mein Sohn seine Babyschwester sieht werden als erstes ihre Socken ausgezogen. Sie genießt es, führt ihre Füßchen zusammen, versucht damit zu greifen oder "be-greift" die Füße mit ihren Händen. Auch in der Bibel gibt es einige Personen, die barfuß unterwegs waren. Unter anderem die Priester im Tempel, Josua, der verlorene Sohn oder David. Und auch bei Jesus spielen die nackten Füße eine besondere Rolle (z.B. bei der Fußwaschung in Johannes 13). Und ich denke auch er war barfuß oder mit den ersten "Barfußschuhen" unterwegs: Eine Ledersohle mit Riemen befestigt. Oder Mose: Er wurde von Gott gebeten seine Schuhe auszuziehen, weil er heiligen Boden betrat. Mose hütete damals die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er die Herde von der Steppe hinauf in die Berge und kam zum Horeb, dem Berg Gottes. Dort erschien ihm der Engel des HERRN in einer Flamme, die aus einem Dornbusch schlug. Als Mose genauer hinsah, bemerkte er, dass der Busch zwar in Flammen stand, aber nicht niederbrannte. »Merkwürdig«, dachte Mose, »warum verbrennt der Busch nicht? Das muss ich mir aus der Nähe ansehen.« Der HERR sah, dass Mose sich dem Feuer näherte, um es genauer zu betrachten. Da rief er ihm aus dem Busch zu: »Mose, Mose!« »Ja, Herr«, antwortete er. »Komm nicht näher!«, befahl Gott. »Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Boden! Das Schuhe ausziehen oder "Barfußsein" kann also ein Symbol für Demut sein. Oder auch dem Nahsein. Mich näher zu fühlen, meinen Mitmenschen gegenüber, mir selbst und Gott. Das ist mir sehr wichtig. Danke Gott, dass du mir Füße gegeben hast, um mich fortzubewegen und den Untergrund zu fühlen. Die Freiheit zu spüren. Danke, dass du mir das Gefühl gibst dir nahe zu sein, wenn ich barfuß unterwegs bin. So kann ich behutsamer, respektvoller und friedvoller durchs Leben gehen, so wie dein Sohn. Amen. Liebe Grüße, Freya Rise up and shine! hier noch ein schöner passender, christlicher Artikel: https://www.sonntagsblatt.de/artikel/glaube/predigt-komm-barfuss-zu-mir [Zugriff:11.11.2o24]
- Mehr Überblick
Guten Montag! Heute gibt es von mir eine kleine (oder eher große?) Empfehlung, gepaart mit einem Gedanken, der daraus hervorgegangen ist und der mich in den letzten Tagen sowohl beschäftigt als auch sehr beruhigt hat. Dieser Blog wird von sehr vielen unterschiedlichen Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen gelesen. Das genaue Ausmaß dieser Unterschiedlichkeit kann ich nicht einmal benennen – denn leider kenne ich viele unserer „treuen Leser“ gar nicht persönlich. Aus Gesprächen mit den wenigen, die ich kenne, kann ich aber sagen, dass wir ein ziemlich buntes Publikum erreichen. Da gibt es so ziemlich alles von der lebenslangen leidenschaftlichen Bibelstudentin bis zum interessierten Agnostiker, der einfach mal lesen möchte, wie andere Menschen mit ihrer Brille so auf die Dinge des alltäglichen Lebens blicken. Fast so unterschiedlich wie unsere Leser sind auch unsere Beiträge. An einem Montag liest man von einer netten Begegnung im Supermarkt, am nächsten werden verschiedene Bedeutung einzelner Worte aus dem griechischen oder hebräischen Urtext der Bibel seziert. Und da kann es auch schon mal vorkommen, dass sich diejenigen von euch, die nicht sooo tief in der Materie „Bibel“ stecken, etwas abgehängt fühlen. Natürlich versuchen wir das nach bestem Bemühen zu vermeiden. Manchmal steckt man dann aber doch so tief in der eigenen Blase, dass einem durchrutscht, dass bestimmte Details oder Begebenheiten aus den biblischen Texten nicht jedem unbedingt geläufig sind. Ich habe selbst einige Freunde, die unseren Blog ab und zu lesen und für die das Buch mit den sieben Siegeln nicht nur in der Bibel auftaucht, sondern die ganze Bibel sprichwörtlich eins ist. Und es ist wahr: Der dicke Wälzer mit seinen 66 einzelnen und jeweils teils wiederum recht dicken Büchern kann ganz schön einschüchternd wirken! Wie nützlich wäre es da, wenn es einen Weg gäbe, sich schnell mal einen Überblick über einzelne Teile der Bibel zu verschaffen mit einer knackigen Zusammenfassung und Interpretations-Vorschlägen für die wichtigsten Aussagen? Genau darum geht es in meiner heutigen Empfehlung. Denn wie es im Internet oft der Fall ist: Mein „Problem“ hatten schon andere vor mir. Daraus entstanden ist ein multimediales Projekt mit dem einfachen und treffenden Namen BibleProject (deutsch: Bibelprojekt). Auf der Website ( https://bibleproject.visiomedia.org/ ) sowie u.a. auf dem YouTube-Kanal ( https://www.youtube.com/channel/UCMvmlvKoZV0vcM2kjLwOAbQ ) vom BibleProject findet man inzwischen viele verschiedene Materialien, die sich alle zur Aufgabe gemacht haben, kurze Übersichten, Zusammenfassungen und einfache Auslegungen zu Themen der Bibel zu liefern. Im Kern steht das Anliegen, jedes Buch der Bibel in einem einseitigen Plakat zusammenzufassen und dieses in Video- oder Printform mit einem leicht verständlichen Begleittext zu versehen. Das Plakat und der Text erläutern dabei einerseits die Hintergründe und den Kontext jedes Buchs, zeigen aber gleichzeitig auch auf, wie sich ein roter Faden durch alle Bücher der Bibel zieht und dieses einmalige, aber auch unglaublich diverse Buch zusammenhält. Die Videos können ein super Einstieg sein für jemanden, der mit der Bibel weniger vertraut ist. Aber mal unter uns: Mir helfen sie genauso! Auch wenn ich schon seit vielen Jahren die Bibel lese, ist es für mich manchmal nicht weniger schwierig, bei den teils sehr umfangreichen und verworrenen Handlungen, noch den Überblick innerhalb eines Buchs zu behalten. Und auch die Hintergrundinfos zu den einzelnen Büchern sind oft Gold wert, um überhaupt richtig einordnen zu können, was man liest. Ein aktuelles Beispiel ist für mich das Buch Hiob. Ich habe das Buch schon mehrmals gelesen, sogar einmal im Rahmen des „Reli“-Unterrichts in der Schule. Daher weiß ich, dass ein zentrales Thema in Hiob die Frage ist, warum Dinge in der Welt so passieren, wie sie passieren. Dass das eine allzeit aktuelle Frage für viele Menschen ist, ist denke ich allgemein bekannt. Dabei kann es dem Einzelnen um Krankheiten gehen („Warum ist genau diese Person plötzlich unheilbar krank?“) oder um das Weltgeschehen („Warum passiert das, was ich in den Nachrichten höre?“) oder um ganz persönliche Erlebnisse – zumeist negativer Art („Warum passiert ausgerechnet mir das?“). Da ich also wusste, dass das Buch Hiob genau solche Fragen beleuchtet und ich mir kürzlich (mal wieder) genau eine solche Frage gestellt habe, nahm ich mir vor, noch einmal neu durch das Buch zu gehen und mir die Antwort-Vorschläge für diese schwierigen Fragen anzuhören. Leider hat der Autor des Buchs Hiob die Antworten auf meine Fragen aber nicht gerade als kleines A5 Handout in Stichpunkten zusammengefasst, sondern im Gegenteil, in langen Dialogen und in mir im 21. Jahrhundert teils rechts fremder Bildsprache ausgeführt. Das ist für einen digital native, der zwar nicht auf TikTok unterwegs ist, zumindest aber schon mal einen Instagram-Account hatte und ab zu gerne YouTube Shorts schaut, natürlich eine harte Nuss. Deshalb muss ich wohl zugeben, dass es durchaus ein bisschen Faulheit war, als ich neulich die YouTube-App öffnete und nach dem BibleProject Video zu Hiob suchte. So fragwürdig meine Beweggründe waren, so informativ und anregend war hingegen das Video, das ich mir die nächsten 11 Minuten ansah (na immerhin kann ich noch Videos gucken, die länger als eine Minute gehen …). Hier einmal der Link zum Video für euch: https://bibleproject.visiomedia.org/videos/hiob/ Natürlich kann so ein Video nicht das Lesen von 42 Kapiteln ersetzen und das soll es auch nicht. Ich bin sogar nach dem Video noch motivierter als vorher, selbst noch einmal alles im Detail nachzulesen. Das Video hat mir sehr geholfen schon einmal vorab die Struktur der Reden von Hiob, Hiobs Freunden und nicht zuletzt Gott zu verstehen. Und es hat mir schon jetzt eine Idee davon vermittelt, was am Ende die Antwort auf Hiobs und damit auch auf meine „Warum?“-Fragen sein könnte. Dazu ein paar Gedanken: Die Macher des BibleProject-Videos schlagen vor, dass Gottes Antwort auf Hiobs Fragen (und Vorwürfe) im Grunde ganz schlicht und einfach folgende ist: Ich verstehe deinen Unmut, aber die Antwort auf dein „Warum?“ ist zu kompliziert, als dass du sie verstehen könntest. Gott gibt also gar keine richtige Antwort, weder auf Hiobs noch auf meine Fragen. Ganz schon ernüchternd, oder? Ich finde: Überhaupt nicht! Ganz im Gegenteil: Mir ist, als ich das gehört habe, sogar ein großer Stein vom Herzen gefallen. Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl, das man „Weltschmerz“ nennt. Ich habe das in letzter Zeit immer öfter. Ich gucke auf die Welt und verstehe einfach nicht, warum bestimmte Dinge passieren. Noch dazu sehe ich so viele Umstände, die immer und immer schlimmer werden. Das kann ganz schön belastend sein, selbst für einen Christen, der darauf hoffen darf, dass Gott am Ende eine wunderbare Lösung für alles hat. Ja, ich hoffe darauf, dass Gott alles richten wird. Trotzdem wünsche ich mir manchmal konkrete Antworten auf drängende aktuelle Fragen – am liebsten natürlich ganz einfache Antworten. Aber das ist ein Phänomen, das wir bei vielen Menschen aktuell beobachten können und das leider einen großen Beitrag dazu leistet, dass sich viele zu sehr extremen Positionen hingezogen fühlen. Das sind die Ecken der Gesellschaft, wo es die vermeintlich einfachen Antworten gibt. Nur leider fehlt diesen einfachen Antworten oft diese eine Sache, die alles andere als einfach und sogar unendlich komplex und irrational ist, aber für mich als Christen die Essenz von jeder Antwort sein muss: Liebe. Macht es mich also wütend, wenn der Gott, an den ich glaube, mir meine „Warum?“-Fragen nicht beantwortet, sondern nur darauf verweist, dass ich die Antwort eh nicht verstehen könnte? Nein, im Gegenteil. Es gibt mir Ruhe und es nimmt eine ungeheure Last von mir, zu wissen, dass ich mich um diese großen und existenziellen Fragen und Problem nicht allein kümmern muss, ja gar nicht kümmern kann, dass es aber gleichzeitig einen Gott gibt, der all das überblickt, der sich kümmert und von dem ich weiß, dass er in allen Dinge genau das im Auge behält und anwendet, was ich für mich als das allerwichtigste erkannt habe: Liebe. Vielleicht ist diese Gefühl von Leichtigkeit, das mir das BibelProject-Video zu Hiob gegeben hat für den ein oder anderen komplett unverständlich. Für mich ist es aber so: Tag für Tag sehe ich die klügsten Köpfen und mächtigsten Menschen der Welt um den Fortbestand ebendieser ringen. Mit welchem Ziel? Sie fahren das Ding frontal gegen die Wand. Und wenn ich „sie“ sage, dann meine ich „wir“, denn ich bin genauso ein Teil davon. Würde ich also all meine Hoffnung in Menschen und in letzter Instanz in mich selbst setzen und würde ich nüchtern auf die Entwicklung der Welt blicken, dann würde ich in Angst und Verzweiflung untergehen. Es kann also in meinen Augen gar nicht anders sein, als dass es jemanden mit viel, viiieel größerem Überblick, mit ganz anderen Möglichkeiten und mit wirklich aufrichtigen Absichten braucht, um das Steuerrad noch herumzureißen. Und da ist es doch wunderschön, dass genau dieser jemand zu mir sagt: Lass mal gut sein und vertrau mir – ich hab das im Griff! So viel also zu meiner Empfehlung und zu einem sehr beruhigenden Gedanken, der für mich daraus hervorgegangen ist. Mal schauen, was ich noch alles finden werde, wenn ich in den nächsten Tagen noch mal selbst durch das Buch Hiob stöbere. Auf jeden Fall war das BibleProject-Video für mich in vielerlei Hinsicht ein sehr hilfreicher kleiner Helfer. Guckt doch selbst mal rein, wenn ihr das nächste Mal vor der für euch vielleicht sehr großen Hürde steht, euch mit einem Buch der Bibel zu beschäftigen. Vielleicht gibt es euch den nötigen anfänglichen Überblick – über die kleinen Dinge. Den großen Überblick müssen wir gar nicht haben, den hat jemand anderes und das reicht😉 Gottes Segen und bis zum nächsten Mal! Euer Daniel Foto von David Tran auf Unsplash
- Vom Suchen und Finden
Vor einigen Tagen lag sie in unserem Briefkasten. Die erste Ausgabe eines Probe-Abos der Zeitung „Die Zeit“. Wer eine Ausgabe dieser Zeitung schon mal in der Hand hatte weiß, „Die Zeit“ braucht Zeit. Aus dem Strauß an Themen und der Fülle der Artikel, die sehr angenehm geschrieben und gut zu lesen sind, hat mich einer besonders angesprochen: „Wie finde ich Sinn“. Das ist ein sehr großes Thema mit dem sich Wissenschaftler und Psychologen auf der ganzen Welt befassen. Es werden Studien gemacht und viele Bücher geschrieben. Und sogar diese Zeitung hat ein eigene Abteilung, das „Sinn-Ressort“. Es gibt so viele Möglichkeiten sich diesem Thema zu nähern, hier kann ich natürlich nur eine klitzekleine, durch mein Leben erfahrene Annäherung bieten und zum selber Nachdenken ermuntern! Klar spüre ich einen Sinn im Leben, sage ich mir, als ich die Überschrift des Artikels lese. Ich habe drei Kinder ins Leben begleitet. Zurzeit fühle ich mich an meinem Arbeitsplatz gebraucht, weil ich Menschen begegne, zu deren Themen ich hilfreiche Tipps geben kann und ich freue mich, wenn meine Kunden zufrieden das Reformhaus verlassen. Mit meinem Mann zusammen erlebe ich immer wieder Neues und kann alte Muster verlassen und meine selbstgewählten Grenzen auch mal überwinden. Zusammen mit unseren Glaubensgeschwistern erleben und beleben wir unsere kleine Gemeinschaft hier in Norddeutschland, die wir weiterentwickeln wollen. Und mein Verhältnis zu Gott würde ich als stabil und belastbar beschreiben. Mein Glaube gibt mir Sinn und in den letzten Jahren ist da auch noch Jesus dazugekommen, der mir als Freund zur Seite steht, mir Orientierung gibt. Trotzdem fühle ich mich nicht „fertig“. Der Sinn meines Daseins wandelt sich. Es gibt Phasen, da ist nichts greifbar. Durch persönliche Erlebnisse und Verluste, durch äußere Ereignisse, wie Wahlen, Kriege und Umweltthemen, kommen Fragen auf. Fragen die nicht die Probleme der Welt im Großen und Ganzen beleuchten, sondern mit mir selbst zu tun haben. Wo stehe ich als einzelner Mensch in diesem ganzen Gefüge? Was mache ich? Wo werde ich gebraucht? Für was stehe ich ein? Die Antworten auf diese Fragen, so lese ich es in besagtem Artikel, sind meine persönlichen Antworten auf die Sinnfrage. Wie passend, dass das Wort „Sinn“ aus dem indogermanischen Wortstamm „sent“ kommt. Hier geht es darum „eine Richtung einzuschlagen oder eine Fährte zu suchen“. Das kann sich auf dem Weg verändern. Sinn ist dynamisch, nicht etwas, was ich einmal gefunden habe und mein ganzes Leben lang statisch einfach nur besitze. Und hier kommt mir ein Beispiel aus der Bibel in den Sinn, das ich jetzt versuche anhand der vier Merkmale für „Sinn“ zu beleuchten. Vorletzten Sonntag durfte ich eine kleine Kindergruppe mit der Geschichte von Ruth vertraut machen. Schnell im Alten Testament zu finden, füllt sie mit ihrer Geschichte ein eigenes Buch. Im Laufe der Geschichte lernen wir Ruth immer besser kennen und erkennen, wie sie lebt, was für sie Sinn macht und wie sie damit umgeht. Orientierung Ruth hatte ihren Schwiegervater, Schwager und ihren Mann verloren. Eine große Tragik, die bestimmt auf den Verbliebenen lastete. Als dann Naomi beschloss wieder zurück in ihre Heimat nach Bethlehem zu ziehen, gingen zunächst beide Schwiegertöchter mit. An der Grenze von Moab zu Israel bekannte Ruth, für was sie steht und zeigte ihre Sicht der Dinge: Aber Ruth erwiderte: »Besteh nicht darauf, dass ich dich verlasse! Ich will mich nicht von dir trennen. Wo du hingehst, da will auch ich hingehen. Wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, will ich auch sterben und begraben werden. Nur der Tod kann mich von dir trennen; wenn ich dieses Versprechen nicht halte, soll der HERR mich hart bestrafen! (Ruth 1,16+17) Hier sprach eine junge Witwe, die gerade im Begriff war, in ein ihr fremdes Land auszuwandern mit der klaren Botschaft: Ich lasse dich nicht alleine Naomi, und den Glauben an den Gott Israels habe ich kennengelernt und angenommen und nun ist das meine neue Heimat, auch wenn ich nicht einschätzen kann, was auf mich zukommt. Ganz schön mutig! Sie möchte dieses neue Leben leben, diese neuen Wege gehen. Das machte sie bedeutend für Naomi, für ihre Mitmenschen, für Boas und für Gott. Bedeutung Sie sah, dass sie gebraucht wird. Naomi war alleine und mit ihr zusammen wollte sie einen Neuanfang wagen. In Bethlehem angekommen, hieß man die beiden willkommen und fragte sich sicherlich, was bewegt eine junge, ausländische Frau zu solch einem großen Schritt. Schnell sahen alle, dass Ruth sich einbrachte. Sie ging Gerstenähren nachsammeln, ganz selbstständig und ohne Scheu machte sie sich mit ihrer neuen Umgebung vertraut. Das wird, finde ich, in den Worten von Boas an Ruth deutlich: Da warf Ruth sich vor ihm nieder und fragte: »Womit habe ich das verdient? Warum beachtest du mich, obwohl ich eine Ausländerin bin?« Boas antwortete: »Man hat mir berichtet, wie du seit dem Tod deines Mannes deiner Schwiegermutter beigestanden hast. Deine Eltern und dein Land hast du verlassen und dich einem Volk angeschlossen, das du vorher nicht kanntest. Du bist zum HERRN, dem Gott Israels, gekommen, um bei ihm Schutz und Zuflucht zu finden. Möge er alle deine Taten reich belohnen!« (Ruth 2, 10-12) Dadurch fühlte sie sich zugehörig. Zugehörigkeit Der Weg, den Ruth eingeschlagen hatte, ließ sie ihren Platz in der Welt finden. Sie erlebte Wertschätzung und Anerkennung. Boas kümmerte sich um sie, gab ihr genug zu essen, wies seine Arbeiter an, sie nicht zu belästigen und ihr genug zum Sammeln zu lassen. Da sagte sie: »Mein Herr, ich danke dir für deine große Freundlichkeit! Deine Worte geben mir Mut und Hoffnung. Du schenkst mir deine Gunst, obwohl ich doch viel geringer als deine Mägde bin.« (Ruth 2, 13) Und noch etwas fällt auf. Ruth konnte ihre Erfahrungen umsetzen. Kohärenz ( Die Fähigkeit, dass man die Zusammenhänge des Lebens versteht. · Die Überzeugung, dass man das eigene Leben gestalten kann – Wikepedia) Von ihrer Schwiegermutter wusste sie, dass Boas ein naher Verwandter war, der sich nach jüdischer Tradition um sie kümmern sollte. Um herauszufinden, ob Boas das auch so sah, legte sie sich eines Nachts zu seinen Füssen. Jetzt konnte sie ihn unter vier Augen fragen, ob er sie zur Frau nehmen wollte. Wieder mutig: Ruth fragte Boas, nicht Boas Ruth. Und seine Antwort war bezeichnend. Es ist auch ihm aufgefallen, wie Ruth sich verhält und für was sie steht. »Der HERR segne dich!«, rief Boas. »Jetzt zeigst du noch viel mehr als bisher, wie sehr dir die Familie deiner Schwiegermutter am Herzen liegt! Du bist nicht den jungen Männern nachgelaufen, obwohl du sicher auch einen wohlhabenden hättest finden können. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, ich werde deine Bitte erfüllen. Jeder hier in Bethlehem weiß, dass du eine ehrbare junge Frau bist. (Ruth 3,10+11) Soweit die Geschichte von Ruth, der Ausländerin, die ein neues Leben mit Gott anfängt. Sie hinterlässt Spuren. Aus einer traurigen Naomi, wird eine fröhliche Großmutter, die ihren Enkel Obed aufwachsen sieht. Bildquelle: pixabay von panosbp Nicht in jeder Lebensphase kann ich alle vier Aspekte von sinnerfülltem Leben 100%ig erfüllen. Mal bin ich am Zweifeln, Verzweifeln und mache mich kleiner als nötig. Gestehe ich mir das ein, bin ich schon auf dem Weg. Die Sinnsuche kann weitergehen. Das Schwierige dabei ist, das es so viele Wahlmöglichkeiten gibt. Das Gute, und das passt zu meiner Selbstverantwortlichkeit in meinem Glauben: ich kann selbstbestimmt und eigenverantwortlich entscheiden, was mein Lebenssinn beinhaltet. Es gibt sogenannte „Sinnquellen“ heißt es im Artikel, das sind 26 Orientierungen, wie die empirische Sinnforschung herausgefunden hat. Wie divers und kontrovers das sein kann zeigt die Aufzählung: Woraus schöpfe ich Sinn? Aus Religiosität oder Spiritualität? Aus sozialem Engagement, aus Naturverbundenheit, aus Selbsterkenntnis, Gesundheit oder aus der Erkenntnis, Liebe in die Zukunft zu tragen (Generativität). Ist es die Herausforderung, der Individualismus, die Macht, Entwicklung, Leistung, Freiheit, das Wissen oder die Kreativität? Sehe ich den Sinn in der Tradition, Bodenständigkeit, Moral oder der Vernunft? Oder spielt die Gemeinschaft, der Spaß, die Liebe, Wellness, Fürsorge, bewusstes Erleben und Harmonie eine Rolle. ( * ) Die Wissenschaftler empfehlen mehrere Quellen anzuzapfen. Aus Studien ergibt sich, dass die zuverlässigste der 26 Sinnquellen die Generativität ist. Sperriges Wort für etwas, das mir als Christ wohlvertraut ist: „ Die Liebe in die Zukunft tragen“, so wird es vom Erfinder des Wortes (Entwicklungspsychologe Erik H. Erikson *) definiert. In meinen Worten: Gelebte Nächstenliebe! Lebt nach dem wichtigsten Gebot in Gottes Reich: »Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!« Wenn ihr das in die Tat umsetzt, handelt ihr richtig. (Jakobus 2,8) Das Fazit des Zeitungsartikels überzeugt auch mich. Die Schreiber weisen darauf hin, dass Sinn zwar eine ganz persönliche Erfahrung ist, die jeder Einzelne für sich alleine machen und erleben kann. In Lebensphasen, wo es einem nicht so gut geht, kommt man zu der Überlegung: wie kann ich mir etwas Gutes tun? Im Prinzip sinnvoll, und ich kann noch weiter denken und mich umschauen und fragen, was gibt es zu tun und wie kann ich für andere da sein? Und dann hatte ich vor ein paar Tagen auch noch diesen Teebeutel in meiner Tasse… :) Das erfüllt mich! Danke Gott! Danke Jesus, dass du mir soviel Nächstenliebe vorgelebt hast! Danke Ruth, dass du mir ein mutiges Beispiel hinterlassen hast! Ich wünsche euch eine Woche mit sinnvollen Erlebnissen! Eure Ulrike * Quelle: Artikel in der Ausgabe N°44 „Die Zeit“ vom 17.10.2024 Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle ® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel.
- Nur ein Wort!
Am heutigen Montag hat der Bibelleseplan unserer Gemeinde als Abschnitt aus dem Neuen Testament die Kapitel 15 und 16 aus dem Johannesevangelium auf der Liste. Da ich eh auf der Suche nach einem Thema war, bietet es sich immer wieder an, einfach mal zu sehen, was einem da im Leseplan so entgegen kommt. Am Anfang von Johannes 15 stellt sich Jesus seinen Jüngern als der wahre Weinstock vor. Zurzeit bereite ich mich auch gerade auf unser Bibelstudienwochenende am nächsten Wochenende vor. Dort wird es darum gehen, wie wir die Bibel verstehen und benutzen. In diesem Kontext sprang mir – wie sollte es anders sein – gleich im 2. Vers von Johannes 15 ein Wort wieder ins Auge, mit dem ich mich vor längerer Zeit schon einmal ausführlich beschäftigt habe. Dazu aber mehr am Schluss des Beitrages. Zunächst möchte ich an zwei anderen Beispielen aus dem Neuen Testament einmal zeigen, wie sehr eine jede Bibelübersetzung immer auch eine Interpretation des Urtextes ist, denn leider kann man unmöglich einfach Wort für Wort Eins zu Eins von einer Sprache in die andere übertragen. Fast immer gibt es für ein Wort mehrere Entsprechungen in der anderen Sprache. So ist jeder Übersetzer gezwungen, bei der Übertragung darüber nachzudenken, welche Aussage der ursprüngliche Schreiber wohl beabsichtigt hat. Dabei muss man beachten, dass ebenso wenig, wie es eine objektive Wahrnehmung gibt, auch jede Übersetzung immer vor dem Erfahrungshintergrund und Verständnis des Übersetzers stattfindet. Mitunter führt das dann allerdings leider auch in eine falsche Richtung. Mein erstes Beispiel beruht auf dem Umstand, dass offensichtlich im griechischen Urtext keine Satzzeichen vorhanden sind, so dass Sinnzusammenhänge bei der Übersetzung mitgedacht und berücksichtigt werden müssen. Das scheint manchmal gerade bei den Briefen des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth durch. In unserer Bibel sind diese beiden Briefe als der 1. und der 2. Korintherbrief betitelt. Man kann aber beim Lesen feststellen, dass es sich eigentlich wohl eher um den 2. und 4. Brief des Paulus handelt. Im 1. Korintherbrief nimmt Paulus Bezug auf einen Brief, den er zuvor geschrieben hat: " Ich habe euch in dem Brief geschrieben , nicht mit Unzüchtigen Umgang zu haben; nicht überhaupt mit den Unzüchtigen dieser Welt oder den Habsüchtigen und Räubern oder Götzendienern, sonst müsstet ihr ja aus der Welt hinausgehen. Nun aber habe ich euch geschrieben, keinen Umgang zu haben, wenn jemand, der Bruder genannt wird, ein Unzüchtiger ist oder ein Habsüchtiger oder ein Götzendiener oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder ein Räuber, mit einem solchen nicht einmal zu essen." (1. Korinther 5,9) Auch im 2. Korintherbrief nimmt Paulus Bezug auf einen zuvor geschriebenen Brief, wobei offensichtlich nicht unser 1. Korinther gemeint ist: "Denn wenn ich euch auch durch den Brief betrübt habe, so reut es mich nicht. Wenn es mich auch gereut hat, so sehe ich, dass jener Brief, wenn er euch auch kurze Zeit betrübt hat doch Segen gewirkt hat; und jetzt freue ich mich nicht dass ihr betrübt worden, sondern dass ihr zur Buße betrübt worden seid; denn ihr seid nach Gottes Sinn betrübt worden, damit ihr in keiner Weise von uns Schaden erlittet." (2.Korinther 7,8) Wenn man also beim Lesen im Hinterkopf behält, dass Paulus in seinen Briefen vermeintlich auf Briefe und Themen Bezug nimmt, die ihm die Korinther geschrieben haben, kann es gut sein, dass er hin und wieder Aussagen aus diesen erhaltenen Briefen zitiert. So könnte es z. B. an folgender Stelle gewesen sein: "Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen." (1.Korinther 6,12) Würde man hier entsprechende Zitate kennzeichnen, könnte Paulus‘ Aussage so aussehen: „Alles ist mir erlaubt“ (sagt ihr), aber nicht alles ist nützlich (sage ich). „Alles ist mir erlaubt“ (sagt ihr), aber ich will mich von nichts beherrschen lassen (sage ich). Wie sehr sich eine Aussage sogar durch eine solche Unterscheidung in Zitat und Gegenrede geradezu ins Gegenteil umkehrt und dabei im Kontext gleichzeitig auch viel sinnvoller wird, zeigt eine andere Stelle im gleichen Brief: "Eifert aber um die größeren Gnadengaben! Und einen Weg noch weit darüber hinaus zeige ich euch:" (1.Korinther 12,31) Das ist der Schluss unter einem Abschnitt, in dem Paulus die Gemeinde als einen Leib mit vielen Gliedern beschreibt. Dort schreibt er nur einige Sätze zuvor: "Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dabei dem Mangelhafteren größere Ehre gegeben, damit keine Spaltung im Leib sei, sondern die Glieder dieselbe Sorge füreinander hätten." (1.Korinther 12,24) Das klingt nicht wie der Aufruf zum Streben nach Größerem, oder? Im Anschluss an den Vers 31 „… einen Weg noch weit darüber hinaus zeige ich euch“ schreibt Paulus das ‚Hohelied der Liebe‘ (1. Korinther 13). Man sieht also, so recht will dieser Vers 31, wenn er so dasteht, weder zu dem vorher gesagten noch zu dem folgenden Inhalt passen. Ganz anders wird das allerdings, wenn es sich hier wieder um ein Zitat der Einstellung der Korinther handelt, dem Paulus hier widerspricht. Sehr schön wird das klar, wenn man die Übersetzung der Verse 30 und 31 in der Basisbibel liest: "Oder haben alle die Gabe zu heilen? Können alle in unbekannten Sprachen reden? Oder können alle diese Sprachen deuten? Aber ihr strebt ja nach den höheren Gaben! Jetzt will ich euch einen Weg zeigen, der weit über das alles hinausführt …" (die selbstlose Liebe in Kap. 13) Nur so macht das Ganze einen Sinn, denn es geht Paulus hier sicher nicht um den Anreiz möglichst groß zu werden oder möglichst Spektakuläres zu leisten. Das bringt mich auch zu einem weiteren Beispiel dafür, wie die Wortwahl bei der Übersetzung Ausdruck einer ganzen Denkart sein kann. Hier geht es mir um das Wort, welches meine rev. Elberfelder Übersetzung an den allermeisten Stellen mit „ermahnen“ übersetzt. Schlägt man aber mal nach, welches griechische Wort dort steht, dann ist es dies: „parakaleo“ = trösten, bitten, ermuntern "Ich ermahne euch aber, Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle einmütig redet und nicht Spaltungen unter euch seien, sondern dass ihr in demselben Sinn und in derselben Meinung völlig zusammengefügt seit." (1.Korinther 1,10) "Seht zu, Brüder, dass nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei im Abfall vom lebendigen Gott, sondern ermuntert einander jeden Tag, solange es « heute » heißt, damit niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde!" (Hebräer 3,12-13) An beiden Stellen steht „parakaleo“! Insgesamt kommt dieses Wort, das offensichtlich so viel positiver gemeint ist als „ermahnen“, 104x im NT vor. (Spürt ihr auch den erhobenen Zeigefinger hinter der Wortwahl?) Das Wort für „ermahnen“ (gr. paraineo) wird dagegen nur ganze 2x benutzt, bei Paulus' ernsthafter Ermahnung an die Schiffbrüchigen auf seiner Reise, endlich etwas zu essen, um wieder zu Kräften zu kommen und die Zuversicht nicht zu verlieren (Apostelgeschichte 27). Diese Art, die Bibel eher als Schwert zu benutzen (entschuldigt die Wortwahl), bringt mich dann auch zum Anfang des Beitrags zurück, zu Jesu Vorstellung als der wahre Weinstock. In Johannes 15 liest sich das so: "Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch! Wie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, so auch nicht, ihr bleibt denn in mir. bin der Weinstock, seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun." (Johannes 15,1-5) Kann das wirklich so sein, wie hervorgehoben? Stellt uns Jesus die Liebe unseres himmlischen Vaters wirklich so vor? Wird es so sein, dass tatsächlich jemand, der am Weinstock (in Christus) ist, bei Schlechtleistung abgeschnitten wird? Wer nicht genug leistet, kommt weg, weil er nur die anderen behindert??? So denken doch wohl nur kapitalistische Ökonomen. Und man kann mit dieser Wortwahl auch so wunderbar Druck ausüben!? Aber ist das Reich Gottes nicht ganz anders? Dankenswerter Weise hat meine rev. Elberfelder Bibel an dieser Stelle eine bemerkenswerte Fußnote! Das hier von Johannes benutzte griechische Wort heißt „airo“ und bedeutet so viel wie „aufheben“. Dieses Wort kommt im NT 98x vor und an keiner anderen Stelle (außer hier) wird es auch nur annähernd als wegnehmen oder gar abschneiden benutzt. Zum Beispiel nach der Speisung der 5.000 werden 12 Körbe voll Reste „aufgehoben“, damit nichts verloren geht. Was Jesus in seiner Beschreibung des Weingärtners meint, wird wunderbar in einem Psalm deutlich: "Wer ist wie der HERR, unser Gott, der hoch oben thront, der in die Tiefe schaut im Himmel und auf Erden? Der aus dem Staub emporhebt den Geringen, aus dem Schmutz den Armen erhöht, um ihn sitzen zu lassen bei Edlen, bei den Edlen seines Volkes." (Psalm 113,5-8) Ja, wie ein sorgsamer Weingärtner, dem jede einzelne Rebe am Herzen liegt, wird unser himmlischer Vater einen jeden von uns, der am Boden liegt und gerade nicht in der Lage ist, Frucht zu bringen, behutsam aufheben, wieder aus dem Dreck ans Licht bringen, hochbinden und reinigen, damit wir wieder zu Kräften kommen und neu ausschlagen können. Es möge jeder selbst entscheiden, was wohl eher dem Wesen unseres himmlischen Vaters entspricht: … Wegnehmen oder Hochheben? … Abschneiden oder Aufrichten? … Ausschließen oder Zurückgewinnen? … Besserwissen oder Liebe? … Drohen oder Ermutigen? In diesem Sinne … Hallelujah! (Gelobt sei Jahweh, unser Gott) Euer Peter Foto von Peter Keller auf unsplash
- Der barmherzige Samariter
Vor einer guten Woche habe ich mir mit unseren Kindern die Geschichte des barmherzigen Samariters angeschaut. Die zwei sind nicht ganz 3 und 5, wir mussten das also entsprechend Kleinkind gerecht herunterbrechen, aber es war schön, sich noch mal von Neuem mit einer eigentlich bekannten Geschichte zu beschäftigen. Und bevor auch wir das hier gleich zusammen tun werden, erst einmal die Bibelstelle: „Da stand ein Gesetzeslehrer auf und sagte, um ihn auf die Probe zu stellen: Meister, was muss ich tun, damit ich ewiges Leben erbe? Er sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du da? Der antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit all deiner Kraft und mit deinem ganzen Verstand, und deinen Nächsten wie dich selbst. Er sagte zu ihm: Recht hast du; tu das, und du wirst leben. Der aber wollte sich rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Jesus gab ihm zur Antwort: Ein Mensch ging von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter die Räuber. Die zogen ihn aus, schlugen ihn nieder, machten sich davon und liessen ihn halb tot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab, sah ihn und ging vorüber. Auch ein Levit, der an den Ort kam, sah ihn und ging vorüber. Ein Samaritaner aber, der unterwegs war, kam vorbei, sah ihn und fühlte Mitleid. Und er ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm. Dann hob er ihn auf sein Reittier und brachte ihn in ein Wirtshaus und sorgte für ihn. Am andern Morgen zog er zwei Denare hervor und gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn! Und was du darüber hinaus aufwendest, werde ich dir erstatten, wenn ich wieder vorbeikomme. Wer von diesen dreien, meinst du, ist dem, der unter die Räuber fiel, der Nächste geworden? Der sagte: Derjenige, der ihm Barmherzigkeit erwiesen hat. Da sagte Jesus zu ihm: Geh auch du und handle ebenso.“ (Lukas 10,25-37) Es geht also darum, dass jemandem geholfen wird, der offensichtlich sehr dringend Hilfe nötig hatte. Jemand, der gut möglich, ein Jude gewesen sein könnte. Doch die, die ihm auch eventuell aufgrund ihrer Nationalität Nächste sein sollten, gingen an ihm vorbei. Sowohl der Priester als auch der Levit wurden mit strengen Vorgaben und Reinheitsgeboten erzogen (vgl. 3. Mose 21+22 und Hesekiel 44), sodass sie davon ausgingen, nicht mehr rein und bereit für den Tempeldienst zu sein, wenn sie dem Verletzten halfen. Sollten sie also die ihnen auferlegten Gebote missachten und riskieren, unrein zu werden, oder sollten sie dem Mann in Not helfen und Barmherzigkeit und Liebe zeigen? Sie entschieden sich für die Gebote und gegen die Hilfe. Heutzutage würde man es wohl als unterlassene Hilfeleistung betiteln und sogar juristische Probleme bekommen. Aber auch, wenn es nicht um lebensbedrohliche Situationen geht, sollten wir uns wohl öfter die Frage stellen: Gibt es für uns auch Situationen, in denen wir biblische Gebote über Barmherzigkeit und Liebe stellen? Die Aussage der Geschichte ist ganz klar: Das sollten wir nicht tun. Auch Paulus fordert uns zur Nächstenliebe auf: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Die Liebe fügt dem Nächsten nichts Böses zu.“ (Römer 13,9+10) Der Samariter, ein eigentlicher Feind der Juden, hatte Mitleid mit dem Verletzten und half ihm ganz selbstlos. Dabei ist es gut möglich, dass er sich dabei selbst der Gefahr aussetzte, beraubt und verletzt zu werden. Immerhin hatte er sogar ein Reittier dabei, was für die Räuber mit Sicherheit eine gute Beute gewesen wäre. Wie sich der Verletzte wohl gefühlt hat als ihm endlich geholfen wurde? Wenn ich mir vorstelle, in seiner Situation zu stecken, wäre ich vermutlich unendlich dankbar und glücklich gewesen, dass die dritte Person nicht an mir vorbei gegangen ist, sondern mich sogar versorgt und an einen sicheren Ort bringt. Was können wir also tun, um Nächstenliebe zu leben? Wir können zusammenhalten und einander helfen; selbstlos und jedem Menschen, egal wie er aussieht, heißt oder wo er herkommt. „Denn bei Gott ist kein Ansehen der Person.“ (Römer 2,11) Genauso hat Jesus sich zu den Zöllnern und Ausgeschlossenen begeben: „Und es geschah, als er im Haus bei Tisch sass, dass viele Zöllner und Sünder kamen und mit Jesus und seinen Jüngern bei Tisch sassen. Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? Er hörte es und sprach: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Geht aber und lernt, was es heisst: Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“ (Matthäus 9,10-13) Genauso wie der Samariter geholfen hatte, möchte Jesus, dass auch wir helfen und Barmherzigkeit zeigen. Wenn jemand Hilfe braucht, sollen wir nicht einfach vorbei gehen, auch wenn wir die betreffende Person vielleicht nicht kennen. Gott hat alle Menschen lieb. Und wenn uns das vielleicht oft schwerfällt (mir geht es zumindest manchmal so), so können wir Gott darum bitten, dass er uns die Augen öffnet und uns zeigt, wenn jemand Hilfe braucht. Mit den Kindern habe ich Folgendes gebetet: „Danke, Gott, dass du uns liebhast. Bitte hilf uns, dass auch wir lieb zu anderen sein können. Amen“ Natürlich kann das auch sehr überfordernd sein, vor allem heutzutage in der Welt, da es so unfassbar viele Möglichkeiten gibt und man aufgrund des Internets von all dem Leid auf der ganzen Welt etwas mitbekommt. Ich fühle mich dann auch manchmal wie in einer Starre, weil es einfach zu viel ist, was man tun könnte und gefühlt tun müsste. Aber auch da können wir uns noch mal den barmherzigen Samariter anschauen. Er hat dem Verletzten, der ihm begegnet ist, geholfen und sich gut um ihn gekümmert, aber er musste auch weiterziehen und konnte nicht bei ihm bleiben. Trotzdem hat er dafür gesorgt, dass er weiter versorgt wird. Er half so gut er konnte, aber es war auch nicht schlimm, dass er dann weitermusste. Wichtig war, dass er nicht vorbei gegangen ist und einen guten Weg gefunden hat, wie sich weiter um den Verletzten gekümmert wird. Wir müssen nicht alles allein machen. Auch wenn wir jemandem helfen, können wir uns Unterstützung holen. Und auch wenn wir überfordert sind, mit allem, was man tun könnte, so hilft es schon sehr, nicht an einem Hilfebedürftigen vorbei zu gehen, sondern stehen zu bleiben und zu helfen. Lasst uns diese Woche ein Stückchen mehr Liebe und Barmherzigkeit zeigen und Gottes Liebe weitergeben! Eure Lisa ♥
- Die Waffenrüstung Gottes
Mit der Suche nach einem Thema für diesen Beitrag habe ich mich dieses Mal ziemlich schwer getan. Am leichtesten fällt es mir oft über Dinge zu schreiben, die aus meinem eigenen Leben erzählen und an Erlebnisse anknüpfen, die ich mit Gott oder mit anderen Menschen hatte. Natürlich haben alle meine Gedanken dabei immer mit meinem Glauben zu tun. Trotzdem tue ich mich oft schwer damit, über Themen zu schreiben, die näher an der Bibel sind. Im Wesentlichen ist dies in der Angst begründet, etwas falsch verstanden zu haben und das dann auch noch für alle sichtbar falsch wiederzugeben. Vor meinem inneren Auge sehe ich schon die ersten Kommentare, die sagen „Aber eigentlich ist es so und so richtig!“. Ich gehe also meistens auf Nummer sicher und schreibe von Dingen, die weniger Potential bieten, auf peinliche Weise von jemandem korrigiert werden zu müssen, der mehr Ahnung hat als ich. Was ich in meinem Alltag erlebe und wie ich es interpretiere kann schließlich nicht so einfach als „falsch“ abgestuft und widerlegt werden. Ein Thema aus dem Leben hat sich dieses Mal aber leider nicht angeboten. Dadurch dass ich - wie der Großteil unseres Blog-Teams - krank war, ist bei mir in letzter Zeit insgesamt ziemlich wenig passiert und es war nichts dabei, an das ich gut mit einem Beitrag hätte anknüpfen können. Auf der Suche nach Inspiration habe ich daher meine Bibel aufgeschlagen und nachgeschaut, was mein Leseplan für den heutigen Montag vorsehen würde. Die Antwort auf diese Frage war unter anderem: Epheser 5 + 6. Dadurch dass der Leseplan innerhalb eines Jahres einmal durch das alte Testament und zweimal durch das neue Testament führt, ist heute nicht der erste Tag, an dem diese Kapitel auf dem Plan stehen. Schon im April diesen Jahres waren genau diese Kapitel an der Reihe und zwar an einem Sonntag, an dem ich damit an der Reihe war, etwas Inhaltliches bei einem Treffen unserer Gemeinde beizusteuern. Genau zu diesen Kapiteln hatte ich somit schon etwas in der Hinterhand. Nennt es also Zufall oder Vorsehung oder wie auch immer – meinen Beitrag heute möchte ich dazu nutzen, genau diese Gedanken aus April nun auch mit euch noch einmal zu teilen und auf diese Weise mal wieder ein Thema zu wählen, das sich vielleicht etwas näher an der Bibel bewegt als meine üblichen Beiträge. Damit habt ihr es jetzt auch durch die sehr lange Einleitung zum eigentlich Thema dieses Beitrags geschafft: Die Waffenrüstung Gottes Mit diesen Worten sind in vielen Bibelübersetzung die Verse 10 – 20 aus dem sechsten Kapitel des Epheserbriefes überschrieben. Nachdem Paulus sich in der ersten Hälfte des Briefes schwerpunktmäßig mit der Einheit der Juden- und Heidenchristen in der Gemeinde in Ephesus beschäftigt und darlegt, wie beide Gruppen gleichermaßen durch Gottes Gnade errettet sind, findet man in den hinteren Kapiteln des Briefes viele praktische Ratschläge für das alltägliche Leben der Geschwister. Das Bild der Waffenrüstung Gottes bildet den letzten Abschnitt des Briefes vor den Schlussworten des Paulus. Doch was genau hat es mit diesem Bild auf sich? Eine Rüstung zur Verteidigung Schon bevor Paulus die Rüstung in ihren Einzelteilen beschreibt, lesen wir davon, für welchen Zweck die Rüstung gedacht ist: „Schließlich: Werdet stark im Herrn und in der Macht seiner Stärke! Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Listen des Teufels bestehen könnt! Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt.“ (Epheser 6,10-12) Andere Übersetzungen als die hier gewählte Elberfelder sprechen auch davon, dass unser Kampf „nicht gegen Menschen“ ist. Es geht hier also nicht um „Kämpfe“ innerhalb der Gemeinde oder Anfeindungen durch Menschen von außen, sondern um einen Kampf, den jeder einzelne von uns auf einer ganz persönlichen Ebene führt: den Kampf gegen die Sünde. Nach diesen einleitenden Worten beschreibt Paulus die Rüstung in ihren Einzelteilen. Diese lauten wie folgt: der Gürtel der Wahrheit (V. 14) der Brustpanzer der Gerechtigkeit (V. 14) Schuhe, welche „die Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums des Friedens“ darstellen (V. 15) der Schild des Glaubens (V. 16) der Helm des Heils (V. 17) das Schwert des Geistes, welches Gottes Wort ist (V. 17) Wenn man die einzelnen Bestandteile betrachtet, dann fällt auf, dass der Großteil in erster Linie unserem Schutz bzw. der Verteidigung dient. Lediglich das Schwert scheint auf den ersten Blick eine Waffe zu sein, die für den Angriff gedacht ist. Wie passt das Schwert also in das Gesamtbild der Rüstung? Ich denke, es macht Sinn, das Schwert gewissermaßen als Back-Up zu betrachten. Es ist eine Waffe, die uns nützlich sein kann, wenn unsere Rüstung anfängt an anderen Stellen nachzugeben und der Feind bereits direkt vor uns steht. Es ist quasi unsere letzte Verteidigung, wenn die anderen Bestandteile unserer Rüstung bereits in Mitleidenschaft gezogen wurden. Vor diesem Hintergrund macht es auch Sinn, dass das Schwert als Letztes aufgezählt wird. Betrachtet man die Bedeutung der einzelnen Rüstungsteile, dann erkennt man leicht eine Verbindung zwischen dem Wort Gottes und den anderen Bestandteilen: Das Wort Gottes ist Wahrheit (im buchstäblichen Sinne). Gottes Versprechen an uns, von denen wir in seinem Wort lesen können, sind wahr und diese Tatsache hält unsere Rüstung als Gürtel zusammen. Das Wort Gottes zeigt uns den Weg zur Errettung. einen Weg, um vor Gott gerecht zu werden. Oder um es anders auszudrücken: Es zeigt uns, wie wir durch Gottes Gnade den Brustpanzer der Gerechtigkeit und den Helm des Heils anlegen können. Das Wort Gottes enthält außerdem das Evangelium, welches wir mithilfe der beschriebenen Schuhe zu den Menschen um uns herum weitertragen können. Zuletzt basiert auch unser Glaube, der als Schild die anderen Teile unserer Rüstung unangreifbar macht, auf dem Wort Gottes. Geraten wir in unserer Überzeugung ins Wanken und fängt unsere Rüstung an zu bröckeln, dann können wir auf Gottes Wort zurückgreifen, um uns all diese Dinge in Erinnerung zu rufen. Das Schwert als Waffe Die Stelle im Epheserbrief ist nicht die einzige Erwähnung des Wortes Gottes als Schwert. Um zu verstehen, wozu dieses Schwert also dienen soll und wozu nicht, lohnt es sich noch weitere ähnliche Stellen anzusehen und die Fragen zu stellen, wer das Schwert benutzt und gegen wen das Schwert benutzt wird. Eine oft zitierte Stelle, in der das Wort Gottes als Schwert dargestellt wird, finden wir im Brief an die Hebräer: „Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zu Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes und ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens; und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben.“ (Hebräer 4,12-13) In dieser Stelle ist es Gott, der das Schwert führt, um Sünden aufzudecken und Gedanken und Herzen zu richten. Ebenfalls finden wir das zweischneidige Schwert in Offenbarung: „[…] und er hatte in seiner rechten Hand sieben Sterne, und aus seinem Mund ging ein zweischneidiges, scharfes Schwert hervor, und sein Angesicht war, wie die Sonne leuchtet in ihrer Kraft.“ (Offenbarung 1,16) In dieser Stelle wird Jesus im Kampf gegen das Tier und die Könige der Erde beschrieben. Er ist derjenige, der hier das Schwert führt, um die Sünde bzw. den Tod zu besiegen. Eine weitere Erwähnung finden wir im Buch Jesaja: „Und wie ein scharfes Schwert hat er meinen Mund gemacht, im Schatten seiner Hand hält er mich verborgen, und zu einem spitzen Pfeil hat er mich gemacht, in seinem Köcher hat er mich versteckt.“ (Jesaja 49,2) Die Erwähnung des Schwertes ist hier Teil eines Abschnittes der prophetischen Aussprüche Jesajas über den Knecht Gottes, welcher Israel zu Gott zurückführen soll. Es geht in dieser Stelle also ebenfalls um Jesus. Unser Kampf Diese Abgrenzung zu treffen, wer das Schwert für welche Zwecke verwendet, ist mir an dieser Stelle besonders wichtig. Denn keine der aufgeführten Stellen fordert uns dazu auf, das Wort Gottes gegeneinander als Waffe einzusetzen. Trotzdem sind wahrscheinlich schon die meisten von uns Zeugen von Situationen geworden, in denen genau das geschieht. Situationen, in denen mit Bibelversen wie mit Steinen um sich geworfen wird, um jemanden „auf den richtigen Weg“ zu bringen. Mit dem Ergebnis, dass das Gegenüber verletzt wird. Doch ich denke, dass man keine der genannten Stellen als Basis für ein solches Verhalten heranziehen kann. Das Schwert dient dem Kampf gegen die Sünde – in unserem Fall als Verteidigungsmaßnahme, in Jesu Fall als Angriffswaffe, um Sünde und Tod schließlich zu besiegen. Das Schwert dient auch dem Gericht, doch ist dieses Gott vorbehalten, so wie Hebräer es beschreibt. Zwar halten auch wir das Schwert als Teil unserer Waffenrüstung in der Hand, aber ein Einsatz gegeneinander wäre Zweckentfremdung. Schon zu Beginn des Bildes, welches Paulus im Epheserbrief beschreibt, ordnet er ein, gegen wen unser Kampf sich richtet: gegen die Sünde. Das Wort Gottes, die Zusagen Gottes, auf die wir vertrauen, sind unser Schutz in einer Zeit und einer Welt, die uns lieber von Gott abbringen würde. Anhand der Bibel können wir uns neu ausrichten, wenn wir kurz davor stehen, unserer sündigen Natur nachzugeben oder uns von Gott abzuwenden. Wenn man in dem Bild bleibt, das Paulus zeichnet, dann kämpfen wir alle in diesem Kampf gegen den gleichen Gegner. Vielmehr sollten wir also das Wort Gottes dafür einsetzen, einander zu unterstützen anstatt auch noch gegeneinander zu kämpfen. Der Sieg Ein weiterer Aspekt, auf den ich im Zusammenhang mit der Waffenrüstung Gottes eingehen möchte, ist der Ausgang des Kampfes, den Paulus beschreibt. Denn wir haben zwar eine starke Rüstung, die uns im Kampf gegen die Sünde über Wasser hält, dennoch können wir alleine diesen Kampf nicht gewinnen. Nicht umsonst ist es Jesus, der in dem Bild des Kampfes in Offenbarung den Sieg erringt. Er ist derjenige, der tatsächlich den Kampf gegen die Sünde gewonnen hat, in dem wir doch so oft drohen, unserem Gegner zu unterliegen. Der einzige Grund, warum wir so gut ausgerüstet für unseren persönlichen Kampf sein können, liegt darin, dass ihn bereits ein Mensch gewonnen hat. Nur dadurch können wir die einzelnen Bestandteile der Rüstung überhaupt anlegen und darauf hoffen, im Kampf bis zum Ende auszuharren. Oder wie Paulus es in 1. Korinther beschreibt: „Wenn aber dieses Vergängliche Unvergänglichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: »Verschlungen ist der Tod in Sieg.« »Wo ist, Tod, dein Sieg? Wo ist, Tod, dein Stachel?« Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus! Daher, meine geliebten Brüder, seid fest, unerschütterlich, allezeit überreich in dem Werk des Herrn, da ihr wisst, dass eure Mühe im Herrn nicht vergeblich ist!“ (1. Korinther 15,54-58) In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine Woche, in der ihr euch der schützenden Wirkung eurer Waffenrüstung bewusst seid und darauf vertrauen könnt, dass auch eure Mühe nicht vergeblich ist und ihr durch Jesus den Sieg in eurem persönlichen Kampf erringen könnt. Lasst uns darauf achten, mit unserem Schwert keinen Schaden anzurichten und vielmehr Wege finden, einander zu unterstützen, damit wir bis zum Ende ausharren und an dem Sieg teilhaben können, den unser Herr für uns erringt. Bis zum nächsten Mal! Eure Lea
- Wegen Krankheit geschlossen
Im Leben-einfach-biblisch-Büro gibt es leider gerade einige leere Schreibtische, da viele von uns Tastatur, Stift und Papier gegen Fieberthermometer, Teetasse und warme Decken eintauschen mussten, um sich von der Krankheit mit der "19" im Namen zu erholen. Wir wünschen euch eine gesegnete Woche und allen Kranken da draußen eine schnelle Genesung! Den nächsten Beitrag könnt ihr kommenden Montag wieder um die gewohnte Zeit lesen. Danke für eure Geduld! Eure Lea
- Neue Welt
Inspiration Die letzten drei Wochen war ich mit meiner Frau auf Korsika. Wir haben sehr viel von der atemberaubenden Natur der Insel gesehen. Die krassen Unterschiede zwischen Meer und Berg sind hier wunderbar zu erleben. Da wir erst gestern kurz nach Mitternacht wieder Zuhause waren, hatte ich eigentlich gedacht, heute eine Blog - Pause einzulegen und das hier einfach mit einem Bild zu verkünden. Girolata auf Korsika Einen Gedanken möchte ich allerdings mit euch teilen. In der zurückliegenden Freizeit habe ich den Roman "Tausend und ein Morgen" von Ilja Trojanow gelesen. Er beschreibt eine Welt in der Zukunft. Die Menschen dort können Raumzeitreisen in die Vergangenheit durchführen. Sie möchten diese Möglichkeit nutzen, um besondere Momente der Zeitgeschichte auszumachen, um diese zu beeinflussen und so ein besseres Leben für die Menschheit zu erlangen. Fast nebenbei erfährt der Leser vom Leben in dieser neuen Welt nach dem sogenannten "Umbruch". Diese Stellen haben mich besonders interessiert und inspiriert. Wie stelle ich mir die Zukunft vor? Einen der wichtigsten Punkte am christlichen Glauben finde ich die Aussicht auf ein Leben im Reich Gottes auf dieser Erde. Wie wird das Leben dann aussehen? "Wenn Lamm und Wolf einträchtig beieinander liegen". Wolf und Lamm werden friedlich zusammen weiden, der Löwe wird Heu fressen wie ein Rind, und die Schlange wird sich von Erde ernähren. Sie werden nichts Böses mehr tun und niemandem schaden auf meinem ganzen heiligen Berg. Mein Wort gilt!« (Jesaja 65,25) Gilt das auch für das Zusammenleben aller Menschen? Wie wird das Dasein organisiert? Gibt es noch den Kapitalismus? Spielt Geld noch eine Rolle? Leider gibt es wenig konkrete Aussagen in der Bibel, über die Gestaltung im Reich Gottes. Fantasie Deshalb möchte ich eure Fantasie anregen und euch bitten, darüber nachzudenken. Habt ihr bestimmte Vorstellungen vom Leben mit Christus in seinem Reich? Welche Bibelstellen beschreiben eurer Meinung nach die "Neue Welt?" Wie wirkt es sich aus, wenn die Lebenszeit keine Rolle mehr spielt? Wird der Platz auf der Erde für die auferstandenen Menschen aus allen Zeiten ausreichen? Schreibt eure Gedanken einfach auf und schickt sie mir. ingo@einfach-biblisch.de Ich möchte alle Beiträge sammeln und eventuell hier veröffentlichen. Eure Zustimmung vorausgesetzt. In diesem Sinne, bin ich gespannt auf eure Geschichten. Ingo Nachtrag Beim Suchen der oben genannten Bibelstelle auf dem ERF Bibelserver bin ich auf den Chatbot gestoßen. Was heute schon alles geht! Ich bin begeistert. Nach meiner Anmeldung konnte ich ihn nutzen und meine Frage stellen. Hier findet ihr den Verlauf. NIKODEMUS.AI Hallo, ich bin Nikodemus.AI , der Chatbot von ERF Bibleserver. Du kannst mich gerne etwas fragen. Ingo: Wie kann ich mir das Leben im Reich Gottes auf der Erde vorstellen? NIKODEMUS.AI Das Leben im Reich Gottes auf der Erde ist ein faszinierendes Thema! Jesus sprach oft vom Reich Gottes und gab uns viele Hinweise darauf, wie es aussieht. In Matthäus 13,31-32 vergleicht er das Reich Gottes mit einem Senfkorn, das klein beginnt, aber zu einem großen Baum heranwächst. Das zeigt, dass das Reich Gottes oft unscheinbar beginnt, aber eine enorme Wirkung hat. Im Reich Gottes geht es um Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Heiligen Geist ( Römer 14,17 ). Es ist ein Ort, an dem Gottes Wille geschieht und seine Liebe regiert. Wo Menschen einander vergeben, für die Armen sorgen und in Liebe miteinander umgehen, da beginnt das Reich Gottes schon jetzt. In der Offenbarung wird das zukünftige Reich Gottes als ein Ort beschrieben, an dem Gott selbst bei den Menschen wohnt, wo es keinen Tod, kein Leid und keine Tränen mehr gibt ( Offenbarung 21,3-4 ). Es ist eine neue Schöpfung, in der Gerechtigkeit wohnt ( 2. Petrus 3,13 ). Wie kannst du heute schon das Reich Gottes in deinem Leben sichtbar machen? Welche Schritte kannst du unternehmen, um Gottes Liebe und Gerechtigkeit in deiner Umgebung zu verbreiten? Quellen: ERF.de Glaubens-FAQ , Enduring Word (Deutsch) Ingo: Ich möchte noch mehr über die Gestaltung des Lebens im Reich Gottes erfahren NIKODEMUS.AI : Das ist wunderbar! Das Leben im Reich Gottes ist ein tiefes und reichhaltiges Thema, das uns viel über Gottes Herz und seine Absichten für uns offenbart. Jesus lehrte uns im Vaterunser zu beten: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“ ( Matthäus 6,10 ). Das zeigt, dass das Reich Gottes dort ist, wo Gottes Wille geschieht. Hier sind einige Aspekte, wie das Leben im Reich Gottes gestaltet werden kann: Liebe und Vergebung : Jesus betonte die Bedeutung der Liebe und Vergebung. In Johannes 13,34-35 sagt er: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ Gerechtigkeit und Barmherzigkeit : In Matthäus 25,35-36 spricht Jesus davon, wie wichtig es ist, den Hungrigen zu essen zu geben, die Fremden aufzunehmen und die Kranken zu besuchen. Diese Taten der Barmherzigkeit sind Ausdruck des Reiches Gottes. Frieden und Freude : Römer 14,17 sagt: „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.“ Das bedeutet, dass das Reich Gottes durch inneren Frieden und Freude gekennzeichnet ist, die aus einer Beziehung mit Gott kommen. Gemeinschaft und Dienst : Die frühe Kirche lebte in enger Gemeinschaft und teilte alles miteinander ( Apostelgeschichte 2,44-47 ). Sie dienten einander und den Bedürftigen in ihrer Mitte. Mission und Evangelisation : Jesus gab seinen Jüngern den Auftrag, das Evangelium zu verkünden und Jünger zu machen ( Matthäus 28,19-20 ). Das Reich Gottes wächst, wenn Menschen die gute Nachricht hören und ihr Leben Jesus anvertrauen. Wie kannst du diese Prinzipien in deinem täglichen Leben umsetzen? Welche konkreten Schritte kannst du unternehmen, um das Reich Gottes in deiner Umgebung sichtbar zu machen? Ingo: Was wird geschehen, wenn Jesus auf die Erde zurückkommt? NIKODEMUS.AI : Die Rückkehr Jesu ist ein zentrales Thema im Neuen Testament und wird oft als „zweites Kommen“ oder „Wiederkunft“ bezeichnet. Hier sind einige wichtige Ereignisse, die laut der Bibel geschehen werden, wenn Jesus zurückkommt: Auferstehung der Toten : In 1. Thessalonicher 4,16-17 heißt es: „Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken, dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.“ Endgültiges Gericht : Jesus wird als Richter über die Lebenden und die Toten kommen. In Matthäus 25,31-32 steht: „Wenn aber der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommen wird und alle Engel mit ihm, dann wird er auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen; und vor ihm werden alle Völker versammelt werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken scheidet.“ Neuer Himmel und neue Erde : Offenbarung 21,1-4 beschreibt eine neue Schöpfung: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr. [...] Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ Vollendung des Reiches Gottes : Jesus wird sein Reich endgültig aufrichten. In 1. Korinther 15,24-25 heißt es: „Danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er jede Herrschaft und jede Gewalt und Macht vernichtet hat. Denn er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat.“ Diese Ereignisse zeigen, dass die Wiederkunft Jesu eine Zeit der Erneuerung, des Gerichts und der endgültigen Vollendung von Gottes Plan sein wird. Wie bereitest du dich auf die Wiederkunft Jesu vor? Welche Aspekte deines Lebens möchtest du im Licht seiner Rückkehr überdenken? Ingo: Gibt es auch im Alten Testament Stellen, die dieses Reich ankündigen bzw. beschreiben? NIKODEMUS.AI : Ja, das Alte Testament enthält viele Prophezeiungen und Beschreibungen, die auf das kommende Reich Gottes hinweisen. Hier sind einige bedeutende Stellen: Jesaja 9,6-7 : „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst. Groß ist die Herrschaft und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und über seinem Königreich, dass er's zurichte und stärke mit Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.“ Daniel 2,44 : „Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören; aber es selbst wird ewig bleiben.“ Micha 4,1-4 : „Am Ende der Tage aber wird der Berg des Hauses des HERRN fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben. Und Völker werden zu ihm strömen [...] Er wird richten zwischen vielen Völkern und zurechtweisen starke Nationen in fernen Landen. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Kein Volk wird wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ Jesaja 11,1-9 : Diese Passage beschreibt den kommenden Messias und sein Reich: „Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. [...] Sie werden nicht schaden noch verderben auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land ist voll Erkenntnis des HERRN, wie Wasser das Meer bedeckt.“ Diese Prophezeiungen zeigen, dass das Reich Gottes ein Reich des Friedens, der Gerechtigkeit und der Erkenntnis Gottes sein wird. Es wird durch den Messias, den Nachkommen Davids, errichtet und wird ewig bestehen. Wie kannst du diese alttestamentlichen Verheißungen in deinem Glaubensleben integrieren? Welche Bedeutung haben sie für dein Verständnis des Reiches Gottes? Ingo: Bis hierhin danke ich dir für deine Inspiration. NIKODEMUS.AI : Gern geschehen! Es freut mich, dass ich dir weiterhelfen konnte. Wenn du weitere Fragen hast oder tiefer in bestimmte Themen eintauchen möchtest, stehe ich dir jederzeit zur Verfügung. Möge dein Studium der Bibel weiterhin reich gesegnet sein! Welche Bibelstelle oder welches Thema möchtest du als nächstes erkunden? Anmerkungen und Fragen könnt ihr gern als Kommentar eintragen. Oder gern auch direkt an mich: ingo@einfach-biblisch.de Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle ® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. Ingo Tauchert
- Geburt(en)
Vor genau sieben Wochen durfte ich eine zweite, einzigartige Geburt erleben und unser Baby auf dieser wundersamen Welt in Empfang nehmen. Für mich war von Anfang an klar, dass ich wieder ins Geburtshaus gehe und nicht in die Klinik (ich selbst bin auch im Geburtshaus geboren). Bei unserem ersten Kind konnte ich mich unter der Geburt leider nicht so entspannen wie ich es wollte und war sehr aufgeregt. Zum Ende hin war ich zunehmend gestresst und atmete nicht mehr richtig, was zu schlechten Herztönen bei unserem Sohn führte. Ich konnte nur sehr schwer loslassen. Meine immer stärker werdenden Ängste und Sorgen konnte ich nicht in Gottes Hand abgeben. Ich war sehr verkrampft, spürte keine Wellenpausen und einen Pressdrang verspürte ich gar nicht. Ich bemerkte wie auch meine Hebamme und mein Mann zunehmende nervöser wurden, was mir noch mehr Sorgen bereitete. Meine Hebamme rief einen Notarzt. Aber auf keinen Fall wollte ich in ein Krankenhaus (mitten in der "Coronazeit", Maskenpflicht, gestresste GeburtshelferInnen, usw.). Ich hatte so langsam keine Kraft mehr aktiv mitzuarbeiten. Ich fühlte mich so hilflos und schuldig meinem Kind gegenüber. Wenn mich solche Gefühle überkommen und ich merke, dass ich keinen Einfluss mehr auf eine Situation habe hilft nur eine Sache: Beten! Wie konnte ich denken, dass ich es allein ohne Gottes Hilfe schaffe. Also betete ich etwa so: "Lieber Gott, ich kann nicht mehr, ich übergebe alles dir: meinen Körper, meine Ängste, meine Sorgen, meine Schmerzen und mein Kind. Bitte hilf mir, richtig zu atmen für mein Kind." Ich weiß nicht, ob ich noch ein "Amen" gedacht habe. ... Und plötzlich fühlte ich mich befreit, voller Licht, geborgen und beschützt. Ich fing an langsam und tief ein- und auszuatmen. Das Leben in mir kam zurück und dann ging es sehr schnell und unser Sohn kam gesund und munter auf die Welt. Bei unserem zweiten Kind wollte ich dann mehr in Verbindung mit mir und meinem Kind gehen. Dabei half mir auf jeden Fall die mentale Geburtsvorbereitung. Ich habe es geschafft, fast täglich Hypnosen/Meditationen zu hören. Dabei bin ich meistens eingeschlafen und zum Ende manchmal wieder aufgewacht. Vor der Geburt habe ich auch viele positive Geburtsvideos gesehen und noch ein paar einstimmende Bücher gelesen. Ich habe mich auch viel mit Alleingeburten und Hausgeburten beschäftigt, mich aber auf Wunsch meines Mannes wieder für das Geburtshaus entschieden mit der bekannten Hebamme. Ich muss sagen, ich hatte (fast) eine Traumgeburt. So einfach, friedlich, tiefenentspannt und selbstbestimmt. Am Tag der Geburt war ich noch bei meiner Hebamme im Geburtshaus und danach Eis essen und auf dem Spielplatz mit meiner Familie. Dort merkte ich schon regelmäßige Wellen, dachte aber wieder es wären Senkwehen und dass sie wieder weg gehen würden wie die Tage zuvor auch. Abends wurden die Abstände dann kürzer. Ich schrieb noch meinen Blogbeitrag zuende ( Warten ). Danach ging ich noch in die Badewanne mit Lavendelöl und unser Sohn (knapp 3,5 Jahre) kam vor dem Schlafengehen noch kurz dazu. Danach hat mein Mann ihn ins Bett gebracht. Ich habe mich auch hingelegt und wollte noch etwas schlafen, falls es doch losgehen sollte. Ich habe mich also hingelegt und die Geburtshypnose eingeschaltet. Die Worte waren so wunderschön und ließen mich wunderbar entspannen. Ich denke die Wellen kamen so im Abstand von ein bis zwei Minuten und waren überhaupt nicht schmerzhaft. Ich bin zwischendurch immer wieder eingedöst oder war in Trance (!?), ich kann es nicht genau sagen. Auf jeden Fall war ich tiefenentspannt und habe jede Welle angenommen, wie sie kam. Dank dieser wunderbaren Hypnose. Irgendwann machte es laut "Plopp" und die Fruchtblase war geplatzt. Ich habe gar nicht damit gerechnet. Danach habe ich die Hebamme und meine Schwiegermutter (Babysitter) angerufen und mein Sohn kam noch zu mir ins Bett zum Stillen. Er ist innerhalb von fünf Minuten entspannt eingeschlafen. Das gab dann nochmal einen Oxytocin-Schub. Danach bin ich aufgestanden und konnte mich leider nicht mehr auf die Hypnose konzentrieren, weil die Wellen sehr heftig wurden. Ich habe auch keine angenehme Position zum Veratmen gefunden. Am liebsten wäre ich die ganze Zeit einfach auf der linken Seite im Bett liegen geblieben. Ich spürte das Bedürfnis zuhause zu bleiben und den Wunsch, dass die Hebamme zu mir kommt. Aber es war anders geplant und ich war nicht mehr imstande eine Diskussion darüber zu beginnen. Wir sind dann innerhalb von 20 Minuten ins Geburtshaus gefahren. Kurz bevor wir da waren spürte ich schon den Kopf. Bis dahin dachte ich noch, ich bin in der Übergangsphase. Doch auf dem Parkplatz vor dem Geburtshaus wusste ich: das ist jetzt die Austreibungsphase. Und nach weiteren 20 Minuten im Geburtshaus und ein paar heftigen Wellen, aber immer mit Pausen zum Atmen, war unser kleines Baby geboren. Sie war gleich total wach und schaute mir in die Augen. Ich war voller Liebe, Energie, Demut, Freude und Dankbarkeit. Ich fühle mich immer noch gesegnet und bin sehr stolz auf mich. Ich habe wirklich gespürt, dass ich die Kraft und Stärke habe, ein Kind sanft und friedlich auf diese Welt zu begleiten. Und trotz Rückenlage (ja die denkbar schlechteste Geburtsposition) hatte ich keine Geburtsverletzungen. Auch wenn die Geburten sehr unterschiedlich verliefen, bin ich Gott und Jesus so dankbar dafür, dass ich in diesen kräftezehrenden und wertvollen Momenten ihre Nähe und Hilfe spüren durfte. Nur bei Gott komme ich zur Ruhe; er allein gibt mir Hoffnung. Nur er ist ein schützender Fels und eine sichere Burg. Er steht mir bei, und niemand kann mich zu Fall bringen. Gott rettet mich, er steht für meine Ehre ein. Er schützt mich wie ein starker Fels, bei ihm bin ich geborgen. (Psalm 62,6-8) Eure Freya Rise up and shine!










