Mein Karfreitag-Moment
- Freya

- vor 11 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
Ich hatte einen Traum, der mich nicht mehr loslässt.
Ich war schwer krank. Ich wusste, dass ich sterben würde.
Zum Glück hatte ich keine Schmerzen.
Ich war klar. Wach. Und ich hatte Zeit, mich zu verabschieden.
Viele Menschen begleiteten mich auf diesem Weg. Sie waren da, haben Anteil genommen.
Und ich? Ich war traurig. Überwältigt. Wütend. Ich fühlte mich einsam und allein mit der Situation. Nicht, weil ich Angst vor dem Sterben hatte. Sondern weil ich gehen musste.
Und vor allem, weil ich meine Kinder und alle Menschen, die ich liebe zurücklassen würde.
Besonders schwer war es auch für meinen fünfjährigen Sohn.
Er war da. Er hat alles mitbekommen. Aber er konnte es nicht verstehen. Das war sehr schmerzhaft.
Und dieser Gedanke hat mich im Traum fast zerrissen:
Dass ich gehe – und er nicht begreifen kann, warum.
Dieses Ohnmachtsgefühl und der Kontrollverlust fühlten sich schrecklich an.
Ich wäre lieber plötzlich gestorben, ohne Verabschiedung von vielen, vielen Menschen.
Dieser bewusste und langwierige Abschied fühlte sich so schwer an.
Was dieser Traum wirklich zeigt
Als ich aufgewacht bin, war da nicht nur Erleichterung. Sondern auch die Frage: Warum träume ich das jetzt? Kommt der Traum von Gott? Was ist die Botschaft oder Bedeutung?
Also durchforstete ich erst einmal das Internet nach Erklärungen.
Meine erste Erkenntnis:
Dieser Traum handelt nicht vom Tod.
Er handelt von meiner Angst, nicht da sein zu können.
Im Alltag stehe ich momentan mitten in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Ich funktioniere, organisiere, halte alles zusammen.
Und irgendwo dazwischen entsteht dieser leise Druck:
Bin ich genug da?
Verpasse ich etwas?
Werde ich meiner Rolle als Mutter gerecht?
Mein Kopf macht daraus im Traum das Extrem:
Ich gehe. Ich bin nicht mehr da. Ich verliere alles.
Aber eigentlich geht es um etwas anderes:
Ich will bleiben.
Ich will präsent sein.
Ich will meine Kinder begleiten.
Meine zweite Erkenntnis:
Auch Jesus hatte vor seinem Tod so starke Gefühle, die ich jetzt etwas mehr nachvollziehen kann. Ich fühle mich Jesus dadurch viel näher und ich spüre, dass die Verbindung stärker ist als vorher. Denn:
Der Traum fühlte sich an wie ein "innerer Karfreitag". Jetzt geht etwas zu Ende, das mir alles bedeutet. Und ich frage mich ob es Zufall ist, dass ich gerade jetzt in der Karwoche so intensiv träume. In einer Zeit der Hoffnung und des Neubeginns.

Auf einmal berührten mich die Bibelverse auf einer emotionalen Ebene, die ich vorher nicht kannte. Jesus wirkte in seinen letzten Tagen nicht stark und unerschütterlich, sondern zutiefst menschlich. Beim (Vor-)Lesen der Geschichten über Jesus unmittelbar vor der Kreuzigung wurde mir klar: Auch Jesus wusste, dass er sterben würde und war mit den gleichen Gefühlen konfrontiert, die auch ich in meinem Traum hatte:
Die Angst, meine Kinder zu verlassen → seine Sorge um Beziehungen
Im Garten von Gethsemane sagt er:
„Meine Seele ist zu Tode betrübt.“ (Matthäus 26,38)
Das ist kein ruhiges Akzeptieren.
Das ist tiefe Traurigkeit und existenzielle Angst.
Und kurz darauf:
„Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber…“(Matthäus 26,39)
Hier spricht der Wunsch: "Ich will das nicht." Und doch geht er weiter.
Meine Einsamkeit → sein Alleinsein im Garten Gethsemane
Jesus ist nicht nur ängstlich – er ist auch allein.
„Konntet ihr nicht eine Stunde mit mir wachen?“ (Matthäus 26,40)
Seine engsten Freunde schlafen ein.
Mein Gefühl von Ohnmacht → sein Schweigen vor Gericht
Später, vor Gericht, schweigt Jesus:
„Er antwortete ihm auf keine einzige Frage.“ (Matthäus 27,14)
Das ist kein schwaches Schweigen. Es ist ein Moment von Ohnmacht.
Ein "Geschehenlassen" von Situationen, die hoffnungslos erscheinen.
Meine Verzweiflung → sein Ruf am Kreuz
Einer der ehrlichsten Sätze der Bibel:
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27,46)
Das ist pure Verzweiflung. Kein „alles hat einen Sinn“. Kein „ich halte das schon aus“.
Sondern: Ich verstehe das nicht mehr.
Meine Liebe → seine Fürsorge bis zuletzt
Was mich am meisten berührt:
Selbst am Kreuz unter unvorstellbaren Schmerzen denkt Jesus an andere.
"Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich." (Johannes 19,26–27)
Mitten im Sterben sorgt er sich um die, die er liebt.
Und genau das war auch der Kern meines Traums:
Nicht die Angst vor dem Tod, sondern die Angst, meine Kinder zurückzulassen. Menschen zu verlassen, die ich so sehr liebe.
Trotzdem ist es eigentlich nicht vergleichbar, denn ich wüsste nicht, ob ich unter so extremen Schmerzen und fast ohnmächtig, noch die Kraft hätte für so einen Blick nach außen.
Mein Vertrauen → seine Hingabe bis zum Ende
Trotz allem vertraute er auf Gott, seinen Vater
„Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ (Lukas 23,46)
Ich weiß nicht, ob ich in Jesu Situation oder in meinem Sterbeprozess noch so viel Gottvertrauen hätte. Im Traum hatte ich Vertrauen, aber das war jetzt auch nicht die Realität.
Ich bin so erleichtert, dass in der biblischen Geschichte Platz ist, für genau diese Gefühle – sie sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Tiefe und Echtheit.
Aber: Die Auferstehung gehört dazu!
Die Geschichte endet nicht am Kreuz, sondern mit Ostern. Das bedeutet symbolisch: Leben entsteht neu, etwas verwandelt sich. Hoffnung ist real, auch nach dunklen Phasen.
Es beginnt etwas Neues – aber ganz anders, als man erwarten würde.
Jesus ist auferstanden. Nicht laut. Nicht triumphierend. Sondern leise.
Er begegnet als erstes nur Maria, die am Grab weint. Erst als Jesus sie anspricht, erkennt sie ihn.
Er fragte sie: »Warum weinst du? Wen suchst du?« Maria hielt Jesus für den Gärtner und fragte deshalb: »Hast du ihn weggenommen? Dann sag mir doch bitte, wohin du ihn gebracht hast. Ich will ihn holen.« »Maria!«, sagte Jesus nun. Sie wandte sich ihm zu und rief: »Rabbuni!« Das ist Hebräisch und heißt: »Mein Lehrer.«(Johannes 20,11)
Mein Traum könnte auch sagen:
So wie es gerade ist, fühlt es sich zu viel an – aber es kann sich verändern. Nicht indem ich sterbe sondern indem ich Prioritäten verschiebe, mir Raum nehme, um meine Bedürfnisse wahrzunehmen und dann Strukturen anpasse. Alles keine leichten Aufgaben für mich.
Mein Leben wird nicht plötzlich perfekt. Aber vielleicht darf etwas anderes auferstehen:
- weniger Perfektionsdruck
- mehr Milde mit mir selbst
- echte, kleine Momente mit meinen Kindern
Vielleicht sieht mein „Ostern“ so aus: Ich sitze mit meinem Sohn auf dem Sofa. Ich bin müde. Nicht perfekt. Nicht immer so, wie ich es mir wünsche. Nicht ohne Zweifel oder Erschöpfung. Aber ich bin da, voller Liebe. Und vielleicht ist genau das genug. Ich muss nicht alles schaffen. Ich muss nicht perfekt sein.
Und das genügt.
Zum Abschluss ist meine dritte Erkenntnis, dass der Weg immer weiter geht und ich auf Gott vertrauen kann. Er hält mich auch in schwierigen Momenten.
Eure Freya
Rise up and shine like Jesus!

Vielen Dank Freya für deinen ermutigenden Beitrag und dass du uns teilhaben lässt an deinen Sorgen und Herausforderungen und erzählst, wie dir Jesus durch seine letzte Nacht im Garten Gethsemane geholfen hat. Komm gut und gesegnet durch die neue Woche mit unserem Herrn. Liebe Grüße - Christian