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- Die Wurzel allen Übels
In einem Großkonzern zu arbeiten, hat seine guten und seine schlechten Seiten. Manchmal fällt es einem leider ziemlich schwer, die Guten nicht aus dem Blick zu verlieren. Wer selbst in einem Konzern arbeitet, jemanden kennt, der in einem Konzern arbeitet, oder auch nur schon einmal davon gehört hat, wie es in einem Konzern zugeht, der weiß, dass es vor allem zwei Dinge gibt, die einen Konzern auszeichnen: Sperrige Prozesse mit zu vielen Personen, die für jede Kleinigkeit involviert werden müssen, und zu viele Mitarbeiter, die für zu wenig Arbeit zu viel Geld bekommen. So ist das auch bei uns, mit dem kleinen Unterschied, dass meine Firma „erst“ seit fünf Jahren zum Konzern gehört und es leider (leider, leider) seither einfach organisatorisch noch nicht möglich war, uns an den „zu viel Geld“-Teil des Konzerns anzugleichen. Auch der „zu wenig Arbeit“-Teil ist bei uns noch nicht so richtig angekommen … Ich habe damals angefangen in einer mittelständischen Firma, die trotz ihrer geringen Größe und dank der motivierten Mitarbeiter und deren Innovationskraft ganz oben auf dem Weltmarkt mitmischen konnte. Da hat es Spaß gemacht, sich mit Elan einzubringen, weil man ziemlich unmittelbar sehen konnte, wie genau dieser Elan (aus allen Abteilungen) für den Erfolg sorgte. Heute bewege ich mich in einer klitzekleinen Ecke eines Weltkonzerns, laufe mit meinem Team regelmäßig vor bürokratische Mauern, die es schwer möglich machen, weiterhin mit Energie Dinge innovativ voranzutreiben. Und als Dank für die Motivation und das Engagement, die für uns immer noch irgendwie selbstverständlich sind, werden wir auch noch weitaus schlechter bezahlt als die Kollegen, die sich schon seit 10, 20 oder 30 Jahren an das gemütliche und gemächliche Leben im wohligen Nest des Großkonzerns angepasst haben. Da kommt es schon mal vor, dass man so bei sich denkt: Entweder ich schalte jetzt auch zwei Gänge runter oder ich hätte gerne wenigstens die monetäre Anerkennung für mein Engagement. Und dann ist da noch die Tatsache, dass ich mit meiner Rolle ganz unten im Organigramm zu finden bin – da, wo man erst mal eine Weile hin scrollen muss. Da, wo die eigentliche Arbeit gemacht wird. Es ist nicht so, dass ich keine Verantwortung zu tragen hätte oder dass meine Arbeit global unbeachtet bliebe – eher im Gegenteil. Es ist nur so, dass es in einem Großkonzern sehr viele Manager gibt. Und dann gibt es Manager für diese Manager. Und dann gibt es Manager, die diese Manager managen. Und natürlich müssen auch die von irgendwem gemanaged werden. Und so entstehen sehr, sehr viele Ebenen in so einem großen Organigramm und ganz weit unten gibt es dann noch Leute wie mich und meine Teamkollegen, die tatsächlich produktiv arbeiten und nicht nur Termine für andere hin und her schieben oder halb-informierte Entscheidungen treffen, deren Konsequenzen dann die ausbaden, die die Sachlage wirklich gekannt hätten. Und alles umspannt zudem dieses Netz aus Prozessen, die nach Jahren der Diskussion in hochbezahlten Managementrunden jetzt gerade endlich irgendwie laufen und nicht von guten Ideen oder Verbesserungsvorschlägen gestört werden dürfen. Das klingt jetzt natürlich übermäßig negativ. Eigentlich macht mein Job mir ja Spaß. Lediglich Mitdenken, motiviert sein, innovativ sein, Dinge ausprobieren – das ist im großen Prozess irgendwie nicht richtig vorgesehen. Und wird auch dementsprechend nicht entlohnt. Nicht falsch verstehen: Natürlich ist das alles trotzdem gern gesehen. Nur: „Comparison is the thief of joy!“ Und so schwindet die Freude mit der Zeit, wenn man selbst versucht, Engagement zu zeigen, während andere sich für deutlich mehr Geld in der gleichen Position aber an einem anderen Standort viel behäbiger bewegen – perfekt angepasst wie Darwins Finken an das Ökosystem Konzern. Wie ein Kunde neulich in einem Forum schrieb: Ihr wart mal ein Speedboat. Inzwischen ist daraus irgendwie ein Containerschiff geworden. Wie gesagt: Manchmal fällt es einem schwer, die guten Seiten im Dickicht des Konzernwalds noch zu erspähen. Zum Glück gibt es im Konzern aber auch dafür einen Prozess! Schließlich ist jeder Mitarbeiter wertvoll und dem Konzern ist daran gelegen, dass jeder gefördert wird und sich optimal entwickeln kann. Dafür haben wir seit kurzem ein neues Format – sozusagen das Mitarbeitergespräch 2.0, jetzt neu mit coolem englischen Namen (den ich aus Anonymitätsgründen hier mal nicht nenne). Es wird beworben als DAS neue Tool, um allen Mitarbeiter an allen Standorten im selben Rahmen einmal im Jahr die Chance zu geben, Feedback zu geben, solches zu erhalten und ihre zukünftige Entwicklung im Unternehmen mit ihrem Vorgesetzten zu planen. Mein Gespräch ist diesen Monat. Natürlich braucht so ein Mitarbeitergespräch 2.0 eine gute Vorbereitung und so sitze ich seit ein paar Wochen immer mal wieder vor meinem digitalen Fragebogen und versuche neben anderen Kleinigkeiten vor allem die eine zentrale Frage zu beantworten: Was will ich für die Zukunft? Ja, was will ich? Was sind meine Ziele? Wo will ich mich hin entwickeln? Es gab in letzter Zeit nicht wenige Tage (vor allem, wenn ich mal wieder mit bestimmten Kollegen vom Hauptsitz zu tun hatte), da hätte ich gern geschrieben: Ich möchte auch nur noch Visionen entwickeln, die dann andere umsetzen müssen. Ich möchte auch mehr reden und weniger machen. Ich möchte auch in Teamleiterrunden sitzen und Dinge zuerst erfahren, obwohl ich gar kein Team leite aber mich sehr gut selbst verkaufen kann. Ich möchte auch befördert werden, nur weil es halt langsam mal dran ist, und einen Job für mich erfunden bekommen, in dem ich dann genau eine Person unter mir habe, nur damit es auf dem Papier ein Team gibt. Und ich möchte das ganze Geld haben, was bei all dem automatisch immer mitschwingt … Leider muss ich feststellen, dass mich gerade der letzte Punkt mal wieder besonders bewegt. Und das wurmt mich. Ich habe Arbeit, die mir Spaß macht, ich habe ein tolles Team, in dem ich arbeite und in dem wir einen Zusammenhalt und eine Freundschaft pflegen, die weit über das hinaus geht, was für die Arbeit nötig wäre. Abgesehen davon bin ich weitestgehend gesund, habe eine tolle Familie und kann diese Familie mit meinem Teil unseres Haushaltseinkommens mehr als ausreichend versorgen. Wir haben alles, was wir brauchen. Und mehr. Wir konnten sogar vor einiger Zeit den Kaufvertrag für ein Haus unterschreiben, obwohl sowohl meine Frau als auch ich nur Teilzeit arbeiten. Bloß dass mein „Teilzeit“ für den Großteil unseres Konzerns nahezu „Vollzeit“ wäre. Und dann ist da das Wissen, dass selbst wenn ich Vollzeit arbeiten würde, meine Vollzeitarbeit dem Konzern immer noch deutlich weniger wert wäre als die geringere Vollzeit der Kollegen und Kolleginnen, die dasselbe tun wie ich – nur eben woanders, wo man nicht neu ist im Konzern. Warum wurmt mich das so? Ich habe mehr als ich brauche. Ich wäre absolut zufrieden … wäre da nicht der Vergleich mit anderen: Es ginge deutlich mehr, also will ein Teil von mir auch deutlich mehr. Mehr Geld, mehr Macht, mehr von dem, was andere haben und ich nicht. Sollte ich also andere Prioritäten setzen? Sollte ich in meinem bevorstehenden Gespräch auch die Weichen stellen für die große Karriere mit mehr Männerfreundschaften und weniger lästigem produktiven „Kleinkram“? Sollte ich den praktischen und kreativen Job, der mir Spaß macht, eintauschen für mehr Geld und einen Job, in dem ich tagein, tagaus nur noch damit beschäftigt wäre, zu organisieren, dass andere ihre Arbeit machen und die Prozesse einhalten? Sollte ich Teil von dem Wasserkopf an Management werden, von dem ich doch eigentlich überzeugt bin, dass er der ganzen Firma überwiegend schadet, nur um auch ein größeres Stück vom Kuchen abzubekommen? Oder sollte ich vielleicht sogar die ganze Firma und damit auch meine Abteilung, die ich so lieb gewonnen habe, zurücklassen, um irgendwo ganz anders in ein neues Team mit vielleicht deutlich kühlerer Atmosphäre und weniger Miteinander zu wechseln, einfach nur um mehr „Schmerzensgeld“ zu bekommen? Es gibt so viele Dinge, die Arbeit angenehm und attraktiv machen und viele davon erlebe ich dort, wo ich bin … warum überschatten die schnöden Dinge (wie das olle Geld) das alles trotzdem immer wieder in meinem Kopf? Als ich neulich abends mit meiner Frau im Bett lag, ist uns aufgefallen, dass wir schon länger nicht mehr in der Bibel gelesen hatten – weder zusammen, noch alleine. Irgendwie war das im Alltag untergegangen. Sie nahm ihr Smartphone und da wir spontan keine bessere Idee hatten, versuchten wir es mit einem zufälligen Kapitel. Die Bibel-App loste 1. Timotheus 6 für uns aus. Vielleicht ein Beispiel dafür, dass Los nicht immer unbedingt Zufall bedeutet. „Freilich ist die Ehrfurcht vor Gott ein großer Gewinn, aber nur wenn sie mit persönlicher Genügsamkeit verbunden ist. Was haben wir denn in die Welt mitgebracht? Nichts! Und wir werden auch nichts mitnehmen können, wenn wir sie verlassen. Wenn wir also Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen. Wer unbedingt reich werden will, wird sich in einem Netz von Versuchungen verfangen, er wird sich in viele unsinnige und schädliche Begierden stürzen, die den Menschen Unheil bringen und sie völlig zugrunde richten. Denn die Liebe zum Geld ist eine Wurzel für alles Böse. Manche sind ihr so verfallen, dass sie vom Glauben abgeirrt sind und sich selbst die schlimmsten Qualen bereitet haben.“ (1. Timotheus 6,6-10) Für mich war es ein kleines Wunder, das zu lesen. Es war genau das, was ich hören musste. Es ist nicht so, dass mir diese Gedanken neu gewesen wären, aber es war ungeheuer wertvoll nach langem mal wieder daran erinnert zu werden. Ich gebe offen zu, dass ich ein ziemlich fauler Bibelleser bin – was ich selbst nicht richtig verstehe, denn WENN ich in der Bibel lese, gehe ich in der Regel absolut gestärkt und erleichtert daraus hervor. Und auch dieses Beispiel hat mir mal wieder gezeigt, welche Power das Lesen in der Bibel haben kann. Es ist definitiv etwas Wahres dran an dem Bild vom Glauben als einem Glas Wasser: Wenn man das Glas einfach stehen lässt, wird das Wasser mit der Zeit verdunsten. Das geht nicht schnell und man kann es daher auch nicht direkt sehen. Aber ganz langsam und unbemerkt wird es eben doch weniger und irgendwann wundert man sich, wo das ganze Wasser hin ist. Das Lesen in der Bibel ist für mich eine der besten Möglichkeiten, das Glas wieder aufzufüllen. Wenn ich so darüber nachdenke muss ich feststellen, dass ich recht anfällig dafür bin, mich in „weltlichen“ Gedanken zu verfangen und damit den Blick auf das Wesentliche zu verlieren. Und das meine ich gar nicht so abstrakt, wie es im ersten Moment klingen mag. Für mich ist mein Glaube wesentlich, weil er mir gut tut und mich erdet. Ich kann durch meinen Glauben meine Perspektive ändern und in Dingen, die mich sonst wahnsinnig umtreiben, plötzlich Ruhe und Gelassenheit finden. Ich muss mich nur auch immer wieder daran erinnern, dass dem so ist. Es sind oft die ganz einfachen Erinnerungen wie „Wir haben nichts in die Welt mitgebracht und werden auch nichts mit hinausnehmen“, die das ganze Gedankenkarussell aus Sorgen, aber auch aus Gier oder Neid ganz abrupt zum Stoppen bringen, weil ich ganz nüchtern sagen muss: Stimmt. Und was mich auch immer wieder fasziniert ist, wie gut doch diese antiken Texte auf meine ganz aktuellen Probleme passen: „Aber du, als Mann Gottes, hüte dich vor all diesen Dingen. Strebe dagegen nach Gerechtigkeit, Ehrfurcht vor Gott, Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Freundlichkeit.“ (1. Timotheus 6,11) Sind das nicht genau die Dinge, die mich in meinem Job glücklich machen? Gut, Ehrfurcht vor Gott ist jetzt nicht die erste Eigenschaft, die mir in Bezug auf meine Abteilung einfallen würde (obwohl ich dort als Christ auch nicht alleine bin). Aber Gerechtigkeit, Liebe (auf eine Art), Freundlichkeit – das sind genau die Dinge, die mein Team ausmachen und die es so angenehm machen, dort zu arbeiten (und zusammen den ganzen Frust wegzulachen, der manchmal aufkommt). Und genau das sind die Dinge, nach denen ich streben soll … ist das nicht ein zusätzlicher Wink mit dem Zaunpfahl dafür, dass ich dort, wo ich bin, richtig bin und glücklich werden kann? Zu Schluss bringt Paulus dann noch einmal auf den Punkt, was im Leben wirklich wichtig ist – beziehungsweise, warum das Leben heute vielleicht auch gar nicht so wichtig ist: „Ermahne die, die nach den Maßstäben dieser Welt reich sind, nicht überheblich zu sein und ihre Hoffnung nicht auf den unsicheren Reichtum zu setzen, sondern auf Gott. – Denn Gott gibt uns alles reichlich, und wir dürfen es genießen. – Sie sollen Gutes tun, freigebig sein und bereit, mit anderen zu teilen, also reich in guten Werken sein. So sammeln sie sich eine gute Grundlage für die Zukunft, um das wahre Leben festzuhalten.“ (1. Timotheus 6,17-19) Ich denke, ich weiß jetzt besser, was ich in den Fragebogen für den neuen Super-Duper-Dialog schreiben will. Ein paar Prioritäten haben sich wieder geradegerückt. Wer weiß, was Gott in Zukunft noch für mich bereithält. Für den Moment habe ich erstmal neue Zufriedenheit gewonnen mit dem, was ich habe. Obendrein bin auch ehrlich gesagt ein Stück weit erleichtert, dass ich mich nach dem kurzen Wachrütteln jetzt nicht mehr so sehr für den steilen Karriereweg mit viel Ellenbogen und selbstverherrlichendem Gelaber und noch mehr „Mammon“ interessiere – eigentlich wäre das nämlich überhaupt nicht ich … höchstens ein kleiner Teil von mir, der jetzt erst mal wieder eine Weile Ruhe gibt. Das fühlt sich sehr befreiend an. Sollen sich doch andere mit dem ganzen Unkraut herumschlagen müssen, was aus der „Wurzel allen Übels“ wächst. Gärtnern war eh noch nie so mein Ding. Gottes Segen und bis zum nächsten Mal! Euer Daniel Alle Zitate sind der Neuen evangelistischen Übersetzung (NeÜ) entnommen. Foto von Nathan Dumlao auf Unsplash
- „Er wird ihnen alle Tränen abwischen.“
Zweimal hatte ich in den letzten Wochen ein Taschentuch auf meinem Sitzplatz gefunden. Die beiden Anlässe könnten unterschiedlicher nicht sein. In der kleinen Kapelle am Dorffriedhof hatten die Mitarbeiter des Beerdigungsinstituts auf jeden Platz ein Papiertaschentuch mit dem Hinweis auf der Banderole: „Für die Tränen der Trauer“ gelegt. Absolut sinnvoll, denn es wurde viel geweint. Zwei Wochen später fand ich wieder ein Taschentuch auf meinem Platz. Diesmal mit der Aufschrift: „Für die Tränen der Freude“. Auch die kullerten während der Trauzeremonie für meinen Sohn und meine Schwiegertochter, die sich in einer freien Trauung an einem idyllisch gelegenen See das „Ja-Wort“ gaben. Wie weit sich der Bogen spannt zwischen Trauer und Freude. Bemerkenswert. Tränen als Ausdruck von Emotionen Mir fallen viele Begebenheiten, Auslöser und (Ver-)Stimmungen ein, bei denen ich weine. Oder umgangssprachlich „heule“, „plärre“, mal mehr, mal weniger laut „schluchze“. Manch einer ist „nah am Wasser gebaut“, das heißt, es braucht nicht viel, eine Kleinigkeit, nur ein Wort, um jenen zum Weinen zu bringen. Ein ganzer Strauß von Gefühlsregungen kann in Tränen münden. Es gibt Tränen der Rührung, der Wut, der Verzweiflung, der Erleichterung oder Erlösung. Spürt mal in euch hinein – kennt ihr auch verschiedene Auslöser für eure Tränen? Habt ihr schon mal geheult wie ein Schlosshund oder seid im Meer der Tränen geschwommen? Und dann gibt´s ja auch die komischen und lustigen Anlässe, bei denen man vor lauter Lachen zu Weinen beginnt. Wie gut, dass wir in der Erziehung unserer Kinder keinen Unterschied mehr machen zwischen Mädchen, die schon immer „Heulsusen“ sein durften und Jungen, die angeblich keinen Schmerz kennen und bloß nicht weinen dürfen. Dabei ist es erwiesen, das Tränen ein äußerliches Zeichen für eine Gefühlsregung, welcher Art auch immer, sind, die mir sagen: „Hey, da ist etwas, das bewegt dich, schau hin, geh damit um, verarbeite das“. Manchmal bringen mich Nachrichten im Fernsehen zum Weinen. Dann weine ich mit all denen die Krieg, Gewalt und Terror erfahren. Oder ein Spielfilm spricht mir aus der Seele und ich leide oder freue mich mit den gezeigten Charakteren. Tränen verbinden: weint man gemeinsam, fühlt man sich nicht alleine mit seinen Emotionen. Das baut auf. Tränen verstören: breche ich plötzlich und unerklärt in Tränen aus, kann ich meine Mitmenschen verunsichern. Tränen erleichtern: ein innerer Druck wird nach außen abgeleitet, da kann sich was entspannen. Können Krokodile weinen? Umgangssprachlich sind Krokodilstränen ein Ausdruck von geheucheltem Mitleid. Man heult dicke Krokodilstränen, wenn es so aussehen soll, als ob man echtes Mitgefühl hat oder betroffen wirken will. Entstanden ist der Ausdruck, weil man beobachtet hat, dass Krokodile beim Fressen ihrer Beute Tränen vergießen. Das hat eine biologische Ursache und keine emotionale, denn ein Krokodil kennt kein Mitleid mit seiner Nahrung. Wer mehr wissen möchte, hier ein unterhaltsamer Link: https://www.youtube.com/watch?v=8XgrhindiPI Warum sind Tränen salzig? Ja, Tränen schmecken salzig. Wo kommt bloß das Salz her? Ganz einfach. Die Tränendrüse ist ein kleines Reservoir voll mit Elektrolyten, hauptsächlich Kalium. In der Tränendrüse ist kein Wasser gespeichert, sondern der Körper holt sich mit Hilfe der Elektrolyte Wasser aus der Augenumgebung und leitet es als Tränen durch den Tränenkanal. Tränen sind nicht salziger als der normale isotonische Salzgehalt des Körpers, z.B. des Bluts. Mehr Infos findet ihr z.B. unter https://www.swr.de/wissen/1000-antworten/warum-sind-traenen-salzig-104.html Was sagt Gottes Wort? Gebe ich in die Online-Konkordanz ( Bibleserver.com ) das Wort „Weinen“ oder „Tränen“ ein, tauchen diese, oh Wunder, erst bei Esau und Jakob auf, im 1. Buch Mose Kapitel 27. Warum so „spät“? Gab es vorher keine erwähnenswerten Vorkommnisse, die Tränen auslösten? Im Garten Eden wohl kaum. Ich stelle mir alles wohlgeordnet, vollständig und gut vor. Nun, Jakob erschleicht sich das Erstgeburtsrecht, eine Ordnung wird durcheinandergebracht. Esau weint, als er den Verlust realisiert. Die zweite Stelle, die mir die Konkordanz zeigt, beschreibt in 1.Mose 33,4 die Versöhnungstränen der beiden Brüder, als sie sich nach langem wiedersehen. Der rannte Jakob entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Beide fingen an zu weinen. (1.Mose 33,4) Und so geht es weiter durch die ganze heilige Schrift. Alle Bibelstellen, die mir angezeigt werden, beschreiben Tränen, die aus Trauer, Verzweiflung und Verlust geweint wurden. Freudentränen - Fehlanzeige! David weint in seinen Psalmen, Hiob klagt über seine Verluste, Jesaja und Jeremia prophezeien Tränen, die Klagelieder laufen über, auch Jesus weinte, Paulus unterweist, wie in Apostelgeschichte und im Korintherbrief beschrieben, unter Tränen und es finden sich noch soviel mehr Stellen. Warum so viele Tränen? Warum wird soviel geweint? Meine Antwort führt mich in die Offenbarung. Denn das Lamm, das in der Mitte steht, wo der Thron ist, wird ihr Hirte sein. Er wird sie zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens entspringt. Und Gott wird ihnen alle Tränen abwischen (Offenbarung 7,17) Er wird ihnen alle Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid, keine Klage und keine Schmerzen; denn was einmal war, ist für immer vorbei. (Offenbarung 21,4) Die paradiesischen Zustände bei Erschaffung der Welt sind abgelöst worden. Durch die Erkenntnis von Gut und Böse gibt es dazwischen alle erdenklichen Schattierungen menschlichen Denkens und Handelns. Viele davon bringen Tränen mit sich. Umso schöner und wunderbarer wird die Zeit sein, die uns in der Offenbarung beschrieben wird. Alles wird zurechtgerückt, die paradiesische Ordnung wieder hergestellt und das für immer. Über so eine Zusage freue ich mich! Und bis dahin halte ich es mit den Versen aus Prediger 3: Denn alles hat seine Zeit... Weinen und Lachen, Klagen und Tanzen (Prediger 3,4) ... jetzt und in Zukunft! Eure Ulrike Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle ® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. Bildquelle: pixabay von Saydung89
- Glaubst Du das?
Es ist erst ein paar Wochen her, dass wir uns mit vielen Geschwistern aus der ganzen Welt zu einer Bibelstudienwoche trafen, wie sie schon seit vielen Jahren regelmäßig stattfindet. Wenn man wie ich quasi schon sein ganzes Leben lang an solchen Veranstaltungen teilnimmt, wird man ohne es konkret wahrzunehmen natürlich durch die Vorträge, die es dort gibt, durch die Art ihrer Präsentation, ihren Aufbau und einen in fast jedem Vortrag immer zu erkennenden gleichen Grundtenor der Ermahnung beeinflusst. Man könnte fast sagen „geprägt“, auch wenn dieser Begriff aus der Verhaltensbiologie eher auf das Tierreich zutrifft. In diesem Jahr war es allerdings tatsächlich anders, zumindest zur Hälfte der Vorträge. Eine Vortragsreihe über diverse Könige Israels und Judas aus dem Alten Testament hatte den stets zu erwartenden Aufbau. Unterlegt mit vielen Bibelstellen wurde die zentrale Botschaft als Ermahnung herausgearbeitet, auf die richtige Ausrichtung des eigenen Handelns mit Blick auf das richtige Ziel zu achten. Es gab aber auch eine zweite Vortragsreihe, die so ganz anders mitten ins Herz jedes einzelnen zielte. Der vortragende Bruder sprach in seinen Abschnitten über Fragen, die Jesus unterschiedlichen Menschen stellte, die ihm begegneten. Fragen, die nicht wirklich darauf zielten eine Antwort zu bekommen (die Jesus eh bereits kannte), sondern Fragen, die den Adressaten zum Nachdenken auffordern sollten. Zum Nachdenken beispielsweise über die eigene Beziehung zu Jesus. Meine „Beziehung zu Jesus“ – das war, wie man an den vielen kleinen Gesprächsgruppen merken konnte, die sich im Anschluss an diesen Vortrag bildeten, als Thema doch für einige irgendwie verstörend und zumindest sehr ungewohnt. Basis des Vortrags war Jesu Frage in Markus 8, wo er seine Jünger zunächst danach fragt, was denn die Leute meinen, wer er sei. Danach fragt er die Jünger direkt: „Was aber sagt ihr, wer ich bin?“ (Markus 8,29) Petrus‘ Antwort kennen wir wahrscheinlich alle. Aber auch hier ging es Jesus wohl nicht um diese Antwort, sondern darum, dass die Jünger darüber nachdenken konnten, wie gut sie ihren Herrn eigentlich kannten. Es ging um ihre persönliche Beziehung zu ihm! Wir alle (gerade in unserer Glaubensgemeinschaft) kennen Jesu Lebenslauf bis ins kleinste Detail. Wir wissen, wo und was an welcher Stelle im Alten Testament schon über ihn gesagt ist, wir wissen, warum er gestorben ist, was sein Tod bewirkt hat, dass er auferstanden ist, und dass er wiederkommt um die Erde zu regieren, aber – im wirklichen Kern aber geht es nicht um „Wissen über" Jesus, sondern um eine persönliche liebevolle Beziehung zu ihm. Kennen wir ihn wirklich? Kennenlernen und eine Beziehung aufbauen, das heißt: - Zeit miteinander verbringen - miteinander reden - einander nahe sein - einander vertrauen Im Matthäusevangelium macht Jesus einen sehr wichtigen Punkt: "Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch Namen geweissagt und durch Namen Dämonen ausgetrieben und durch Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter! Jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute; und der Platzregen fiel herab, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stürmten gegen jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf den Felsen gegründet." (Matthäus 7,21-25) Wer meint, es gehe um das Sammeln von Erkenntnis und das Aufstellen und Befolgen von Regeln, dem wird Jesus (wie übrigens auch den törichten Jungfrauen) wohl antworten: "Ich habe Euch nie gekannt!" (Matthäus 7,23 und 25,12) Es geht auch nicht darum, das Haus möglichst schön zu bauen, sondern um das richtige Fundament! Und das Fundament von allem ist Jesus! "Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Gewalten oder Mächte: alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen; und er ist vor allem, und alles besteht durch ihn." (Kolosser 1,16-17) Ich kann sehr gut nachfühlen, dass diese Botschaft über unsere Beziehung zu Jesus nicht einfach zu verarbeiten war. Zeit mit ihm verbringen, mit ihm reden, ihm nahe sein, das geht nur gut im Gebet und gerne auch im Gesang. Auch ich bin groß geworden in einer Familie, in der schon meine Eltern zur Christadelphian-Gemeinde gehörten. Quasi von Kindesbeinen an habe ich erlebt und erfahren, später auch mitgestaltet, wie das Leben in der Gemeinde funktionierte. Über viele Jahrzehnte haben mich dabei gerade in jungen Jahren insbesondere drei Verhaltens- und Denkweisen geprägt: - in der Gemeinde und Zuhause wurde nie zu Jesus gebetet - selbstverständlich beteten nur Brüder und hielten Vorträge - man sollte sich seiner Errettung nie zu sicher sein Genau diese Dinge kamen mir jetzt sehr eindrücklich beim Hören der Vorträge in dieser Bibelstudienwoche wieder ins Bewusstsein. Ich will hier nicht versäumen zu erwähnen, wie dankbar ich einem besonderen englischen Bruder bin (wer ihn kennt, weiß wen ich meine), der sich viele Jahrzehnte lang um unsere Gemeinde im Rheinland gekümmert hat. Dankbar dafür, dass er uns sehr behutsam zu einem anderen, stärker auf Jesus ausgerichteten Denken, hingeführt hat. Wie stark dennoch die Prägung durch diese erlernten (und lange auch für richtig befundenen) Verhaltensmuster ist, wird mir erst heute zunehmend bewusster. Ich möchte das kurz anhand der drei oben erwähnten Themen beschreiben: Da ich weder als Kind noch als junger Bruder je gelernt oder gehört hatte, wie es ist zu Jesus zu beten, fällt es mir auch heute noch schwer, die Beziehung zu meinem Herrn und Erlöser wirklich zu spüren. Meinen himmlischen Vater spüre ich ganz selbstverständlich als immer anwesenden aktiven Teil meines Lebens, bei Jesus gelingt mir das noch nicht – aber ich arbeite dran! Ja, Beziehung ist Arbeit! Auch ein neues Verständnis für den Status von Schwestern in unserer Gemeinde (ich vermeide hier bewusst den Begriff „Rolle“) war lange nicht da, weil ich es nie erlebt, noch anders gehört hatte. Ich kann mich noch sehr genau an den Augenblick meiner Kehrtwende erinnern. Von einem inzwischen verstorbenen Bruder hatte ich das Buch „All One in Christ“ bekommen, in dem zwei englische Geschwister ihr Verständnis von dem Platz darlegen, den Frauen in der Gemeinde haben sollten. Ich saß auf unserer Terrasse in der Sonne, begann das Buch zu lesen, und schon nach den ersten Kapiteln schossen mir die Tränen in die Augen. Was ich fühlte, war eine Mischung aus Bestürzung, Trauer und Wut, weil ich mich in diesem Moment von all den Geschwistern regelrecht belogen fühlte, die mir all die Jahre ein anderes Bild eingeprägt hatten. Zum Glück – oder besser wohl „Gott sei Dank“ gab es aber auch solche Geschwister, die schon immer ein Problem mit dieser für unsere Gemeinschaft traditionell ausschließlich männlich dominierten Sichtweise hatten. Bei diesem Thema konnte ich es mir selbst ein wenig leichter machen, denn es betraf mich als Mann ja schließlich nur mittelbar. Trotzdem ist es mir aber wichtig, mich gegenüber jedem für eine Gleichbehandlung und Gleichwertigkeit der Schwestern in allen Diensten in der Gemeinde einzusetzen. Wie schwer auch hier eine erlebte andere Prägung in der Gemeinde zu überwinden ist, spüre ich auch jetzt noch in unserer kleinen Gemeinde hier im Norden, wenn ich merke, wie schwer es der ein oder anderen Schwester noch immer fällt, in der Versammlung zu beten. Zum dritten Spiegelstrich meiner Aufzählung: „Du solltest dich deiner Errettung nie zu sicher sein“ will ich euch eine kleine Begebenheit aus dieser Bibelstudienwoche schildern, die vor einigen Wochen stattfand. An einem der Tage war es meine Aufgabe, die tägliche Bibellese in einer kleinen internationalen Gruppe zu moderieren. Wir besprachen an diesem Nachmittag das 5. Kapitel des Römerbriefes. Im ersten Teil dieses Kapitels geht es um eines meiner Lieblingsthemen, nämlich die Zeitform, in der hier Paulus einige wesentliche Tatsachen beschreibt. Zum Beispiel heißt es dort: - da wir gerechtfertigt worden sind aus Glauben - mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes - Jetzt Versöhnung empfangen haben Alle diese Aussagen stehen hier in der Vergangenheitsform, sind also Dinge, die bereits geschehen sind. Noch stärker wird das deutlich an drei anderen Stellen: "Denn die er vorher erkannt hat , die hat er auch vorherbestimmt , dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, diese hat er auch berufen ; und die er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt ; die er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht." (Römer 8,29-30) "Seht, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen! Und wir sind es . Deswegen erkennt uns die Welt nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes , und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist." (1. Johannes 3,1-2) "Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen , siehe, Neues ist geworden ." (2. Korinther 5,17) Wenn das alles tatsächlich so ist und unseren jetzigen "Status" bei Gott beschreibt, blieb für uns in der Tageslesegruppe ganz im Sinne Jesu die eine wichtige Frage zu stellen: Glaubst Du das? Ich konnte das Unbehagen einiger Geschwister bei dieser Frage regelrecht greifen. Zum Teil wurde das auch recht heftig artikuliert. Früher habe ich oft meinen Vater geradezu dafür verurteilt, wie sicher er sich seiner Errettung war, trotz aller ihm bewussten Unzulänglichkeiten und Fehler. Ich empfand das regelrecht als arrogant, hatte ich doch in so vielen Bibelstudien und sonntäglichen „Ermahnungen“ all die Warnungen vor dem Abfall und dem "Ausharren bis ans Ende" immer wieder gehört. Heute kann ich ihn posthum nur für diese Glaubensgewissheit bewundern. Er hatte offensichtlich verinnerlicht, was uns Paulus in den uns so wohl bekannten Worten im Römerbrief überdeutlich klarstellt: "Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns? Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt. Wer ist, der verdamme? Christus Jesus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet. Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: « Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden>. Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn." (Römer 8,31-39) Diese Aussagen sind so klar und unmissverständlich, und doch bleibt mir immer wieder nur, mich selbst zu vergewissern: Glaubst Du das? Diese Frage führt mich noch zu einem anderen Punkt, den ich gerne mit euch teilen möchte (Kommentare erwünscht). Im Johannesevangelium lesen wir: "Jesus sprach zu ihr (Marta): Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Glaubst du das? Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll." (Johannes 11,25-27) Braucht es mehr Glauben? Wenn wir unseren Herrn Jesus immer besser kennenlernen wollen, macht es wohl Sinn, sich gerade mit seinen Aussagen zu beschäftigen. Mir fällt dabei auf, dass Jesus so gar nichts über viele Themen biblischer Lehre sagt, die uns heute so wichtig zu sein scheinen, dass wir sogar versuchen, sie schriftlich als unsere „Glaubensgrundlage“ oder "Glaubensbekenntnis" zu formulieren. Was er allerdings sagt, hat immer mit Beziehung zu tun und damit, wie wir miteinander umgehen. Kann es vielleicht sein, dass wir unsere Erkenntnisse und unser Wissen um biblische Lehrthemen mit Glauben verwechseln und dabei das Wesentliche verpassen? Euer Peter Foto von Simone Secci auf Unsplash
- Erinnern
In letzter Zeit habe ich mich sehr intensiv mit dem Thema Krieg befasst. Nicht mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, oder dem Krieg Israels gegen die Hamas, was naheliegend wäre - sondern mit einem Krieg, der schon etwas weiter zurück liegt: dem Zweiten Weltkrieg. Außerhalb der Schule habe ich mich sonst nicht viel damit beschäftigt. Ich weiß, dass Deutschland die Schuld an den unzähligen Opfern beider Kriege trägt. Der offizielle internationale Gedenktag an die Opfer des Holocaust ist der 27. Januar. Es gibt zahlreiche Gedenkstätten, und als Jugendliche habe ich ein paar Bücher zu dem Thema aus der Sicht europäischer Juden (meistens Kinder) gelesen: “Damals war es Friedrich” und “Als Hitler das rosa Kaninchen stahl”. Filme habe ich zu dem Thema nicht viele gesehen, da sie mir (das ist glaube ich naheliegend) zu dunkel und grausam waren. Letztes Jahr war ich dann im Familienurlaub in der Normandie, und wir haben natürlich den Omaha Beach besucht, einen Teil des Strandes, an dem die Amerikaner angelegt haben, um Europa von der Herrschaft Hitlers und Nazi-Deutschlands zu befreien. Ich kann euch sagen, das hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen: Das Wetter war perfekt für einen Strandbesuch, größtenteils sonnig und warm, doch nach Baden war hier niemandem zumute. Die Flaggen der Alliierten wehten zu den Seiten eines riesigen Steindenkmals, im Hintergrund sah man den Strand und dahinter das weite Meer bis zum Horizont. Die Wellen, der Wind und die aufziehenden Wolken wirkten irgendwie bedrohlich, und ließen ein Gefühl entstehen, wie es damals wohl gewesen sein mag, als die Amerikaner hier gelandet sind: Wohl wissend, dass der Feind hier auf sie wartete - doch nicht wissend, ob sie dieses Land je wieder lebend verlassen würden. Aber von Hoffnung und Motivation getrieben, für das Gute zu kämpfen. In diesem Zusammenhang habe ich mir auch den Film “Saving Private Ryan” (dt. “Der Soldat James Ryan”) und die beiden Miniserien “Band of Brothers (dt. “Band of Brothers - Wir waren wie Brüder”) und die Spin-Off Serie “The Pacific” (beide u.a. von Stephen Spielberg und Tom Hanks) angesehen. Die Serien schildern die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs zwischen 1942 und 1945 aus Sicht von US-amerikanischen Soldaten. Band of Brothers fokussiert sich dabei auf den Kriegsschauplatz in Europa, The Pacific - man ahnt es - im Pazifik. Der Zuschauer begleitet dabei eine Gruppe Soldaten von Anfang an, hoch motiviert, voller Tatendrang (einer der Charaktere mit seinem Glauben an Gott, für den er von seinen Kameraden belächelt wird), bis zu ihrem Ende. Sei es früh, im Kampf, oder später, nach Kriegsende. Man bekommt den Horror und die Leiden mit, die sie als Individuen erleben, aber auch den Zusammenhalt und die Opfer, die sie füreinander, ihr Land und Europa bringen, sowie die Wandlungen, die sie im Laufe der Geschichte durchmachen. Der ein oder andere stößt sichtlich an seine Grenzen: Einige werden psychisch krank, können es nicht mehr aushalten: den massenhaften Tod um sie herum, die Schmerzen, die Kälte, den Hunger, die Erschöpfung, den Verlust, die Grausamkeiten. Und auch wenn man es nicht erwarten würde, findet man auf der anderen Seite auch sie im Krieg: die Nächstenliebe. Indem man füreinander da ist, seinen Besitz teilt, auch wenn man selbst nicht viel hat, oder indem man dem Feind gegenüber Gnade zeigt. Und im Hinterkopf das Bewusstsein, für etwas Größeres zu kämpfen. Und wenn nötig, dafür sogar sein Leben zu lassen - erinnert uns das nicht an jemanden? Bitte versteht mich nicht falsch, ich bin in keinster Weise ein Befürworter des Krieges. Und mir ist bewusst, dass vieles aus Filmen oder Büchern verklärt oder romantisiert dargestellt ist. Und doch kann man in diesem ganzen Schrecken auch positive Dinge finden Am Ende der beiden Kurzserien wird gezeigt, wie das Leben der Hauptcharaktere nach Kriegsende weiter ging: Auch wenn viele ein scheinbar normales Leben aufnehmen konnten, haben die schrecklichen Erlebnisse sie doch für immer begleitet - zumal es damals mit Therapiemöglichkeiten ja noch nicht so gut bestellt war. Und auch wenn so viele Soldaten und Zivilisten ihr Leben verloren haben, schafften es so einige Soldaten wieder zurück nach Hause - und konnten in diesem Jahr sogar an der 80-jährigen Jubiläumsfeier des D-Days teilnehmen ( https://www.bbc.co.uk/news/articles/cv224rk5pg3o ). Folgende Stelle aus einem Lied erinnert ebenfalls daran, dass man es mit Gottes Hilfe durch so einige Leiden und schreckliche Erlebnisse im Leben schafft: “What if the world doesn’t end when the fears come true? What if we have what we need to make it through? There is manna from Heaven and mercies new What if God is still here in this desert too?” Was, wenn die Welt nicht untergeht, wenn die Ängste wahr werden? Was, wenn wir haben, was wir brauchen, um es zu schaffen? Es gibt Manna vom Himmel und neue Gnade. Was, wenn Gott auch in dieser Wüste bei uns ist? (JJ Heller - God Is Still Here - https://www.youtube.com/watch?v=udD-F7yqTKw ) Ein weiterer Grund für mein erwachtes Interesse an den Weltkriegen ist vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass ich seit nun fast 10 Jahren in Großbritannien lebe. Die Briten, die ja bekanntlich auf der Siegerseite standen, haben noch einen weiteren Gedenktag: Den Remembrance Sunday, am 2. Sonntag im November, an welchem den gefallenen Soldaten und Zivilisten der Kriege gedacht wird. In den meisten Städten und Dörfern finden Zeremonien an den örtlichen Kriegsdenkmälern, inkl. Kranzniederlegung und einem landesweiten zweiminütigen Schweigen, statt. Als Zeichen der Erinnerung dient dabei eine kleine Mohnblume, die während dieser Zeit, an der Kleidung befestigt, von vielen im Alltag getragen wird. Das ist etwas, was ich aus Deutschland so gar nicht kenne - es ist auch schwierig, die Balance zu finden: Den Gefallenen zu gedenken, aber nicht den Krieg zu feiern, dessen Schuld unser Land trägt. Doch ist es meiner Meinung nach wichtig, dass Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Sei es, damit man die Gefahren von damals frühzeitig erkennen kann, wenn sie wieder aufkommen. Oder damit man denjenigen im Nachhinein danken kann, die für die Freiheit, die wir heute genießen dürfen, gekämpft haben. Und das erreicht man am besten, indem man sich erinnert. Das erinnert mich nun daran, dass auch in der Bibel oft von “erinnern” oder “an etwas denken” die Rede ist: Sei es Gott, der uns mit dem Regenbogen folgendes Versprechen gibt: “dann werde ich an meinen Bund denken, den ich mit Mensch und Tier geschlossen habe: Nie wieder eine so große Flut! Nie wieder soll alles Leben auf diese Weise vernichtet werden!” (1. Mose 9,15) Die Israeliten sollen sich daran erinnern, den Sabbat zu halten: “Denke an den Sabbat als einen Tag, der mir allein geweiht ist!” (2. Mose 20,8) In den Psalmen wird ebenfalls viel an Gott gedacht:“Wenn ich in meinem Bett liege, denke ich über dich nach, die ganze Nacht sind meine Gedanken bei dir.” (Psalm 63,7) „Ich erinnere mich an deine großen Taten, HERR, und denke an die Wunder, die du einst vollbracht hast.” (Psalm 77,12) Auch einzelnen Personen wird gedacht, wie der Frau, die Jesu Haupt gesalbt hat, worüber sich die Jünger sehr empörten: “Wahrlich, ich sage euch, wo dies Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.” (Matthäus 26:13) Wenn sich niemand an einen erinnert, kann dies schwerwiegende Konsequenzen haben, wie für Josef, der deshalb länger im Gefängnis bleiben musste: “Aber der Oberste der Mundschenken dachte nicht an Josef, sondern vergaß ihn.” (1. Mose 40,23) Oder man erinnert sich plötzlich daran, was über einen vorhergesagt wurde - was man aber nie für möglich gehalten bzw. vergessen hat: “und Petrus fielen die Worte ein, die Jesus gesagt hatte: »Ehe der Hahn kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, mich zu kennen.« Da ging Petrus hinaus und weinte voller Verzweiflung.” (Matthäus 26,75) Doch wir sind alle nur Menschen, niemand ist perfekt, und deshalb vergessen wir Dinge. So auch die Jünger: “Ihr habt doch Augen. Warum seht ihr nicht? Und ihr habt Ohren. Warum hört ihr nicht? Habt ihr schon vergessen, wie ich die fünf Brote an fünftausend Menschen ausgeteilt habe?” (Markus 8,18-19) Was wir uns bestimmt am meisten wünschen, ist, dass sich Jesus an uns erinnert, und uns in sein Königreich kommen lässt. Auch der Verbrecher bat bei seiner Kreuzigung darum: “Jesus, denk an mich, wenn du deine Herrschaft antrittst!” (Lukas 23,42) Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auf einem guten Weg sind, wenn wir Paulus’ Rat an Timotheus befolgen wollen: “Halte im Gedächtnis Jesus Christus” (2. Tim. 2,8) Dies können wir unter anderem erreichen, indem wir Brot und Wein miteinander teilen: “Denn ich hab von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte, und brach’s und sprach: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.” (1. Kor. 11,23-26) Und glücklicherweise haben wir Gott auf unserer Seite, der keine Mohnblumen oder Gedenkzeremonien braucht, um uns im Gedächtnis zu behalten. Und wisst ihr, was der eigentliche Knaller ist? Tatsächlich dreht Gott das Ganze einfach um, und entscheidet sich dazu, all unsere Verfehlungen und Schuld für immer zu vergessen! ”Aber dann werde ich mit dem Volk Israel einen neuen Bund schließen. Und der wird ganz anders aussehen: Ich schreibe mein Gesetz in ihr Herz, es soll ihr ganzes Denken und Handeln bestimmen. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Niemand muss dann den anderen noch belehren, keiner braucht seinem Bruder mehr zu sagen: ›Erkenne doch den Herrn!‹ Denn alle – vom Kleinsten bis zum Größten – werden erkennen, wer ich bin. Ich vergebe ihnen ihre Schuld und denke nicht mehr an ihre Sünden.«” (Hebräer 8,10-12) Ein tolles Beispiel dafür, dass Vergessen nicht immer schlecht ist. Es kommt, wie sehr oft im Leben, eben auf den Kontext an ;) Eure Hannah-Mi Gelegentliche Gastbeitrag-Schreiberin, hat grundsätzlich eine positive Einstellung, mag tiefsinnige Gespräche, liebt es, zu lachen, fühlt sich Gott in der Natur am nächsten, teilt die Ansicht 'Gemeinschaft ist trotz Unterschiede möglich' und lebt mit Mann und 2 Katzen in Schottland.
- Zuhause
Vor etwas über einer Woche war ich zum letzten Mal in meinem Elternhaus - zur Schlüsselübergabe an die nächste Familie, deren Kinder in diesem Haus aufwachsen werden. Zugegebenermaßen ist das ein oder andere Tränchen geflossen als ich eine letzte Runde durch die leeren Räume gedreht habe. Bevor ich vor sieben Jahren bei meinen Eltern ausgezogen bin, war dieses Haus das einzige Zuhause, das ich kannte. Ich hatte den Luxus, meine gesamte Kindheit und Jugend an diesem einen Ort verbracht zu haben und in dieser langen Zeit haben sich eine ganze Menge Erinnerungen angesammelt, die ich mit diesem Ort verbinde: Von der Einrichtung meines ersten Kinderzimmers, in dem immer noch die Klebepunkte von dem Sternenhimmel über meinem Bett an der Dachschräge kleben. Über die Löcher in der Wand im Flur, an der für kurze Zeit eine Dartscheibe hing, die vor allem von meinen Dartpfeilen immer wieder verfehlt wurde. Bis hin zur Schaukel im Garten, die schon vor Ewigkeiten abgebaut wurde, die ich aber immer noch genau vor Augen habe. Es ist ein komisches Gefühl, jetzt nicht mehr „nach Hause“ fahren zu können. Vor allem, da es für mich immer ein Rückzugsort war, insbesondere seitdem ich ausgezogen bin. Zu meinen Eltern in die Heimat zu fahren war immer wie eine kleine Auszeit von dem Alltagsstress, der in meinem jeweils aktuellen Zuhause auf mich wartete. Jetzt gibt es diesen Rückzugsort nicht mehr – zumindest nicht in dieser Form. In dieser Woche nach der Schlüsselübergabe habe ich daher viel darüber nachgedacht, was unsere Heimat eigentlich für uns bedeutet und warum es für uns so eine große Wichtigkeit hat, wo wir aufgewachsen sind. „Ich komm‘ aus …“ Trifft man andere Menschen zum ersten Mal, ist die Frage, woher man kommt, oft eine der ersten Fragen, die man gestellt bekommt. Je nachdem mit wem man spricht, kann die Antwort unterschiedlich genau ausfallen und die Frage unterschiedlich begründet sein. Erst vor Kurzem war ich auf einer internationalen Gemeindefreizeit und wurde von einigen englischsprachigen Geschwistern gefragt, wo ich eigentlich herkomme, da sie meinen Akzent nicht direkt einordnen konnten. Die erste Antwort war also an dieser Stelle „Ich komme aus Deutschland“. In einem Gespräch mit einem Deutschen wäre meine Antwort wahrscheinlich schon etwas genauer. Braunschweig ist als Stadt groß genug, um den meisten Menschen ein Begriff zu sein. Trotzdem füge ich gerne hinzu, dass ich zwar in Braunschweig wohne, aber eigentlich aus der Nähe des Ruhrgebiets komme. Da meine Heimatstadt weniger groß und somit weniger Menschen bekannt ist, ist die Antwort auf die Frage, wo ich herkomme, meistens „aus der Nähe von Dortmund“. Damit kann ich mich eher identifizieren, als eine „Norddeutsche“ zu sein. Aber warum eigentlich? Je länger man darüber nachdenkt, desto unsinniger kommt es einem vor, dass das Land oder die Stadt aus der wir kommen, so eine wichtige Information ist, wo sie doch vermeintlich wenig über uns aussagt. Und doch kreisen zu allen Ländern und Regionen haufenweise Stereotype und Vorurteile umher, die man den Menschen gerne zuweist, die aus dieser Gegend kommen. Bei Deutschen wäre es wohl die Regelverliebtheit, die hohe Bedeutung von Pünktlichkeit oder dass es bei uns sprichwörtlich kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gibt. Versucht man innerhalb Deutschlands weiter zu differenzieren, begegnen einem genauso viele Vorurteile gegenüber Norddeutschen, Menschen aus dem Ruhrgebiet, Schwaben, Bayern usw. Und egal wie sehr man sich vielleicht dagegen wehren möchte: Viele dieser Vorurteile beruhen auf der Wahrheit. Abgesehen von den Vorurteilen über unsere Heimat, die mehr oder weniger auf uns zutreffen können, gibt es natürlich noch ganz andere Merkmale, über die man uns als „von da und da“ identifizieren kann. Dazu gehören Sprache, insbesondere auch der Dialekt (oder bei perfektem Hochdeutsch die Dialektfreiheit), aber uns verraten auch ganz andere Dinge. Als Nahezu-Ruhrgebietlerin würde ich zum Beispiel nie sagen, dass Maultaschen ein typisch deutsches Essen sind, egal wie oft meine schwäbischen Freunde ihre Teigtaschen auch als Nationalgericht ausgeben wollen. Auch Dinge wie Kleidungsstil, Angewohnheiten in Gesten und Ausdrucksweise etc. unterliegen oft kulturellen Unterschieden. Aber worauf möchte ich mit all diesen Gedanken eigentlich hinaus? Wohin ich gehöre „Denn unser Bürgerrecht ist in den Himmeln, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus als Retter erwarten“ (Philipper 3,20) Gemäß den Worten von Paulus bin ich allem voran Christin, nicht Braunschweigerin oder Iserlohnerin oder Deutsche. Mein Bürgerrecht, meine Staatszugehörigkeit weist mich als jemanden aus, der zu Christus gehört. Aber worin zeigt sich das? Wie ich oben beschrieben habe, ist es leicht, mich anhand verschiedener Merkmale meiner Nationalität und sogar meiner Heimatregion zuzuordnen. Welche Sprache spreche ich? Welchen Dialekt habe ich? Was für Werte vertrete ich? Was halte ich für höflich oder unhöflich? Doch kann man mich genauso leicht als Christin identifizieren? Merken Menschen anhand meiner Worte, anhand meiner Taten und meiner Werte, dass ich zu Christus gehöre? Optimalerweise sollten sie das, jedoch könnte ich nicht mit Sicherheit behaupten, dass dies immer der Fall ist. Genauso kann ich mir in diesem Zusammenhang die Frage stellen, ob ich anderen Menschen mit der gleichen Selbstverständlichkeit davon erzähle, Christin zu sein, mit der ich ihnen auch erzähle, aus welcher Stadt ich komme. Dabei erzählt der Fakt, dass ich versuche, Christus nachzufolgen um einiges mehr über mich als der Fakt, wo ich aufgewachsen bin. Denkt man das Bild weiter, dann stellt meine Gemeinde genauso ein Zuhause für mich dar, wie mein Elternhaus es lange Zeit für mich war. Aber fühle ich mich tatsächlich zuhause in meiner Gemeinde? Ist meine Gemeinde ein Rückzugsort für mich, ein Ort wo ich neue Kraft schöpfen kann für meinen Alltag? Sollte dies nicht der Fall sein, was müsste sich verändern, damit meine Gemeinde genau dieses Zuhause für mich sein kann? Zugegeben sind das viele Fragen für einen einzelnen Beitrag und beantworten kann sie am Ende jeder nur für sich persönlich, aber ich möchte euch heute ermutigen, euch genau diese Fragen in dieser Woche zu stellen. Ich für meinen Teil möchte versuchen, noch offener damit umzugehen, Christin zu sein. Ich gehöre zu Christus. Das darf jeder wissen. Das sollte jeder sehen. Oder um es mit den Worten von Petrus zu sagen: „Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat“ (1. Petrus 2,9) Bis zum nächsten Mal! Eure Lea
- Sie ist tot
Ende Vor gut drei Wochen konnte ich meine Schwester besuchen. Gezeichnet von Krankheit, in einem unpersönlichen Krankenhauszimmer, hielt und strich ich ihre Hand und hörte ihren noch so klaren Gedanken zu. Gab es noch eine kleine Hoffnung? Wenigstens ein paar Tage Erleichterung? Eine witzige Bemerkung über die Zimmergenossen - aber nicht auf ihre Kosten. Im Gegenteil. Sie machte sich noch Sorgen, ob er es schaffen würde. Sie wollte noch mehr Leben. Das nahm ich mit. Sie bestand darauf, dass wir uns mit einem "Auf Wiedersehen" verabschiedeten. Auf dem Rückweg dachte ich an diese Aussage von Jesus. Zu der Zeit betete Jesus: »Mein Vater, Herr über Himmel und Erde! Ich preise dich, dass du die Wahrheit über dein Reich vor den Klugen und Gebildeten verborgen und sie den Unwissenden enthüllt hast. Ja, Vater, das war dein Wille, so hat es dir gefallen. Mein Vater hat mir alle Macht gegeben. Nur der Vater kennt den Sohn. Und nur der Sohn kennt den Vater und jeder, dem der Sohn ihn offenbaren will. Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben. Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab. Wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Leben. Das Joch, das ich euch auflege, ist leicht, und was ich von euch verlange, ist nicht schwer zu erfüllen.« (Matthäus 11,25-30) Tod Der Tod kam nach drei Tagen. Ihr Leben war zu Ende. Sie starb im Krankenhausbett. Ihr lieber Mann war bis zum Ende bei ihr. Nur langsam nahm diese Tatsache Raum ein in meinen Gedanken. Viele Emotionen erreichten mich. Ich war wütend, enttäuscht, fassungslos, erleichtert und manchmal auch leer. Es war endschieden. David, der zweite König Israels reagierte beim frühen Tod seines Sohnes so. Nach diesen Worten ging Nathan wieder nach Hause. Der HERR ließ das Kind, das Urias Frau geboren hatte, todkrank werden. David zog sich zurück, um für seinen Sohn zu beten. Er fastete tagelang und schlief nachts auf dem Fußboden. Seine Hofbeamten kamen und versuchten, ihn zum Aufstehen zu bewegen, doch ohne Erfolg. Auch zum Essen ließ er sich nicht überreden. Am siebten Tag starb das Kind. Keiner der Diener wagte es, David mitzuteilen, denn sie befürchteten das Schlimmste. »Schon als das Kind noch lebte, ließ er sich durch nichts aufmuntern«, sagten sie zueinander. »Wie wird er sich erst verhalten, wenn er erfährt, dass es tot ist? Er könnte sich etwas antun!« Doch als David merkte, wie die Hofleute miteinander flüsterten, ahnte er, was geschehen war. »Ist der Junge tot?«, fragte er, und sie antworteten: »Ja, er ist gestorben.« Da stand David auf, wusch sich, pflegte sich mit wohlriechenden Salben und zog frische Kleider an. Dann ging er ins Heiligtum und warf sich nieder, um den HERRN anzubeten. Danach kehrte er in den Palast zurück und ließ sich etwas zu essen bringen. »Wir verstehen dich nicht«, sagten seine Diener, »als das Kind noch lebte, hast du seinetwegen gefastet und geweint. Doch jetzt, wo es gestorben ist, stehst du auf und isst wieder.« David erwiderte: »Solange mein Sohn lebte, habe ich gefastet und geweint, weil ich dachte: Vielleicht hat der HERR Erbarmen mit mir und lässt ihn am Leben. Doch nun ist er gestorben – warum soll ich jetzt noch fasten? Kann ich ihn damit etwa zurückholen? Nein, er kehrt nicht mehr zu mir zurück, ich aber werde eines Tages zu ihm gehen!« (2.Samuel 12,15-23) Abschied Gut eine Woche später durfte ich bei der Beerdigung in ihrem Heimatort dabei sein. Ihre Familie, ihre Freunde und ich hatten den Eindruck, das ganze Dorf nahm Abschied von meiner Schwester. Es war tröstend für mich, zu sehen, wie gut meine Schwester in ihrem Umfeld verwurzelt und vernetzt war. So viel gute Menschen, die sie liebten und schon jetzt so sehr vermissten. Sehr dankbar bin ich über den Beistand, für die engsten Angehörigen, der Menschen in diesem schweren Moment. Meine Schwester war sehr präsent. In der Wahrnehmung der Menschen war sie einfach da. Sie packte mit an, hatte vielfach eine Lösung parat und machte vor allem kein Aufsehen darum. Sie war offensichtlich ein zutiefst demütiger Mensch. Als Christ denke ich oft, was würde Jesus tun. Meine Schwester hat nicht lange gefragt, sie hat einfach Gutes getan. Ich bin stolz auf sie und ich werde versuchen, gerade diese Eigenschaft von ihr zu lernen. Vielleicht sprach Jesus einmal von Menschen wie meine Schwester an dieser Stelle? »Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt Gott selbst auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil Gott diesen beauftragt hat, der wird auch wie ein Prophet belohnt werden. Und wer einen Menschen aufnimmt, weil dieser nach Gottes Willen lebt, wird denselben Lohn wie dieser empfangen. Wer einen meiner unbedeutendsten Jünger auch nur mit einem Schluck kaltem Wasser erfrischt, weil dieser zu mir gehört, der wird seinen Lohn auf jeden Fall erhalten. Das versichere ich euch!« (Matthäus 10,40-42) Für mich hatte sie jedenfalls sehr viel mehr als ein Schluck kaltes Wasser gehabt. Und dafür bin ich sehr dankbar. In diesem Sinne, begegnet den Menschen. Ingo Anmerkungen und Fragen könnt ihr gern als Kommentar eintragen. Oder gern auch direkt an mich: ingo@einfach-biblisch.de Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. Ingo Tauchert
- Warten
Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit.[...] (Prediger 3: 1-2)" Warten auf... ...das Sterben ...die Geburt Zwei Prozesse die zum Leben unweigerlich dazugehören. Prozesse des Loslassens. Und auch Grenzerfahrungen, die ich als Mensch nicht durchblicken oder ganz begreifen kann. Mit dem Sterben habe ich bisher sehr wenig Erfahrung. Ich denke, dass es eine Erleichterung sein kann sanft, in Frieden ohne Schmerzen, gehen zu können oder einzuschlafen. Ich finde es persönlich schön, wenn es die Zeit für einen Abschied gibt, auch wenn dieser schmerzhaft ist, weil ich nicht weiß, ob und wann ich diese Person wiedersehen werde. Und dann ist da die Ungewissheit, nicht zu wissen was nach dem Tod passiert. Mir hilft es in diesen Situationen alle Gefühle zuzulassen, sei es Trauer, Erleichterung, Wut, (oder...). Ohne Bewertung. Mich diesen Emotionen hinzugeben kostet Überwindung und Kraft. Auch besteht die Gefahr, und somit die Angst, nicht mehr den nötigen rationalen Abstand zu gewinnen und mich wieder "alltagstauglich" meinen Aufgaben zuzuwenden oder Erwartungen/Rollen zu erfüllen. Zum Glück konnte ich die Erfahrung machen, dass es besser ist zu weinen, zu lachen, ja zu fühlen, um danach wieder bewusst und klar meinen Lebensalltag zu bewältigen. Momentan sind in meinem Alltag das (für mich unerklärliche, zu frühe) Sterben eines lieben Verwandten und eine bevorstehende Geburt sehr präsent. Vorfreude und Trauer liegen nah beieinander. Eine Geburt und das Sterben liegen dann doch nah beieinander und gehören zum Leben , nur dass das eine sich für mich anfühlt wie ein Willkommen und das andere wie ein ungewisser Abschied. In wenigen Tagen (oder Stunden?) kommt ein kleiner, neuer Mensch auf diese Erde und ich möchte ihm einen schönen, möglichst entspannten Start ermöglichen. Ich kann als Frau zwar mehrere Geburten haben, doch dieses kleine Baby hat nur diese eine und damit sie möglichst stressfrei abläuft kann ich sehr viel tun. Am wichtigsten ist es für mich dabei, eine Verbindung zu diesem Kind aufzubauen, seine Persönlichkeit kennenzulernen. In vollem Bewusstsein ver- und umsorge ich diesen kleinen Menschen durch meinen Körper. Ein Wunder. Ja, es wird anstrengend sein, doch wir meistern diese Geburt gemeinsam, friedvoll und sanft. Durch tiefes, bewusstes Atmen kann ich mir und dem Kind Stress nehmen und mich dem Prozess öffnen. Das gelingt am besten über Meditationen und Selbsthypnose (wobei ich oft einschlafe). Es geht aber auch ums Loslassen, wie auch beim Sterben. Mich ganz in Gottes Hände fallen zu lassen und nur den Körper tun zu lassen. Kopf aus Herz an. Ich freue mich sehr auf dieses Kind und bin so gespannt darauf, welche Gottesgaben es mitbringt. Ich danke Gott dafür, dass er uns dieses Kind schenkt und wir ihm als Eltern dabei helfen dürfen seine Potenziale zu entfalten & ihm unsere bedingungslose Liebe zu schenken (was wir leider nicht immer schaffen werden). Immer wieder kommt mir gerade in den Sinn, dass die Zeit nur eine Dimension von uns Menschen ist. Das Ende und der Anfang sind von Gott bestimmt. Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. (Offenbarung 22,13) Denn nicht die Zeit bestimmt den Anfang und das Ende, sondern Jesus Christus, unser Bruder und König. Für mich hat das etwas Tröstliches und Hoffnungsvolles. Ein Aufgehobensein in Gottes Schöpfung. Gerade eine Geburt, die für mich auch eine spirituelle Erfahrung ist, gerade weil ich mich frei von Raum und Zeit, gefühlt in einer anderen Dimension befinde, hat etwas Göttliches. Diese andere Dimension zuzulassen und die Kontrolle abzugeben ist für mich am schwersten. Vielleicht ist es ein bisschen wie Sterben und wieder Auferstehen. ... Eure Freya Rise up and shine! P.S.: keine Garantie für logische Gedankengänge, musste beim Schreiben ein paar Wellen veratmen.
- Grenzen kennen
Dieser Beitrag könnte hoch psychologisch von persönlichen Grenzen, von Beziehungsgrenzen, von Selbstachtung oder von drohendem Burnout handeln. Tut er aber nicht. Dieser Beitrag handelt von etwas viel, viel simplerem: Von Landesgrenzen. Genau gesagt, von der Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden. Vielleicht ist es so ein Generationen-Ding: Wenn ich innerhalb von Europa reise, dann denke ich so gut wie nie über Grenzen nach. So richtige Grenzen gibt es ja auch an den wenigsten Stellen. Und solang ich meinen „Perso“ dabei habe, kann ich mich ja eh bewegen, wohin ich will. Ich weiß: Das war nicht immer so. Aber für mich ist es Stand der Dinge, solange ich denken kann. Wenn es obendrein nicht in die entlegensten Ecken den Schengen-Raums, sondern nur nach nebenan – nach Holland – geht, wo manch einer kurz mal Samstags zum Shoppen hin fährt, dann fühlt es sich erst recht nicht an, als wäre da eine große, offizielle Grenze zu überwinden. Mit dieser Einstellung haben wir vorletzten Freitag zu Hause unsere Koffer gepackt. Zwei Wochen Urlaub in der Nähe vom IJsselmeer – da muss man an einiges denken. Leider hatten wir auch tagsüber noch einige Termine und konnten erst spät abends mit dem Packen beginnen. Gegen 23:30 hatten wir dann alles beisammen. Ich saß auf dem Sofa und ging in Gedanken noch mal durch, ob wir auch wirklich alles Wichtige dabei hatten. Da wir mit dem eigenen Auto fahren wollten, warf ich zudem noch schnell einen Blick auf die allgemeinen Hinweise des ADAC bezüglich den Niederlanden: Tempolimits, besondere Verkehrszeichen, etc. Ich wollte einfach sichergehen, dass mich hinter der Grenze keine bösen Überraschungen erwarten. Und da kam mir der Gedanke: Hinter der Grenze … wir müssen über die Grenze … brauchen wir eigentlich Pässe? … Nein … wir haben ja unsere Personalausweise … und wir hätten sogar Reisepässe … aber … was ist eigentlich mit den Kindern??? Da saß ich auf dem Sofa, Freitagabend um 23:30 und erkannte: Wir wollten am nächsten Morgen früh in den Urlaub fahren und unsere Kinder (2 und 4) hatten keine Ausweise … Ich ging zu Lisa und eröffnete mit einem vorsichtigen „Du musst mir versprechen, jetzt nicht auszuflippen …“. Wir zückten sofort beide unsere Handys und keine 10 Sekunden später hatten wir die Gewissheit: Jeder, egal wie jung, der über die Grenze will, braucht einen Ausweis. Mit Lichtbild! Natürlich waren direkt an der Grenze nicht wirklich Kontrollen zu erwarten, doch ein paar Minuten später hatten wir genug über die Probleme ergooglet, in einem fremden Land nicht nachweisen zu können, dass die zwei Mädchen, mit denen wir unterwegs sind, auch wirklich unsere Kinder sind, um zu wissen, dass Reisen ohne Pässe ganz sicher kein Risiko war, das wir eingehen wollten. Was konnten wir also tun? Es war Freitag Nacht und wir wollten am nächsten Morgen losfahren. Selbst wenn wir nicht direkt morgens losfahren würden – woher sollte man an einem Samstag amtliche Lichtbildausweise bekommen? Noch eine Internetrecherche später hatten wir einen Hoffnungsschimmer in Form der Bundespolizei gefunden. Diese kann Notfalldokumente ausstellen. Während wir allerdings die notwendigen Online-Formulare ausfüllten, wurde uns klar: Das geht wohl nur, wenn dabei irgendein abgelaufenes Dokument vorliegt (Kinderpass, Reisepass, …). Das hatten wir aber nicht. Alles was, wir hatten, waren zwei Geburtsurkunden. Kleiner Zeitsprung zum nächsten Morgen (nach einer Nacht mit sehr wenig und obendrein schlechtem Schlaf): Nach einem kurzen Telefonat mit der Bundespolizei hatten wir die traurige Einsicht, dass man dem Internet offenbar doch ab und zu trauen kann – keine Chance auf Dokumente von der Bundespolizei. Aber da fing das Wunder an. Völlig entmutigt von der neuen Erkenntnis, dass wir einen guten Teil der Koffer nun wieder auspacken könnten, nahm ich ein letztes Mal mein Handy, um zumindest zu recherchieren, wann wir nach dem Wochenende realistisch damit rechnen konnten, einen Termin beim Amt zu bekommen. Auch hier zunächst komplette Ernüchterung. Öffnungszeiten: Montags bis freitags sowie samstagvormittags NUR MIT TERMIN. Nächster freier Termin: In 4 Wochen. Ich hatte das Handy schon fast weggelegt, als es mich blitzartig durchfuhr: Samstagvormittag geöffnet??? Welche Behörde hat denn Samstagvormittag geöffnet??? Ich hatte so wenig damit gerechnet, dass ich es beinahe überlesen hätte. Es gab also einen neuen Hoffnungsschimmer, wäre da nicht der Zusatz „NUT MIT TERMIN“ gewesen. Egal! Letzte Chance! Wir zogen schnell die Kinder an, griffen unser Stammbuch, stiegen ins Auto und waren noch vor Öffnung um 9 Uhr beim Amt. Wir stellten uns zu ein paar anderen Leuten in die kleine Schlange vor der Tür, die sich bereits gebildet hatte. Alle anderen hatten offensichtlich einen Termin und die Terminbestätigung neben anderen Papieren sehr präsent in der Hand. Wir hatten nichts – außer ordentliche Magenkrämpfe vor Aufregung. Die wurden nicht besser, als ich mich leicht zittrig vor Nervosität umblickte und an gleich mehreren Stellen um die Eingangstür herum erneut in roten Großbuchstaben die selbstgedruckten Schilder saß: „EINTRITT NUR MIT TERMIN“. Na toll, man durfte also ohne Termin nicht einmal das Gebäude betreten … Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so unwohl gefühlt habe. Mir war übel, ich hatte ein beklemmendes Gefühl in der Brust aber ich wusste, dass hinter dieser Tür unsere einzige Chance lag, doch noch unseren lang ersehnten, bitter nötigen und bereits bezahlten Urlaub anzutreten. Trotzdem fühlte es sich irgendwie fast kriminell an, hier gerade zu stehen. In meinem Kopf stellte ich mir vor, was wir wohl drinnen (sofern wir denn überhaupt rein kommen würden) zu hören bekommen würden: „Was fällt Ihnen ein, hier einfach ohne Termin aufzutauchen? Können Sie nicht lesen?? Was denken Sie, wer Sie sind, dass sie hier einfach hereinspazieren, wo andere wochenlang auf einen Termin warten und dann auch noch meinen, sie würden einfach so dran kommen? Gehen Sie nach Hause und machen Sie einen Termin, wie jeder andere anständige Bürger auch! Es ist ja nicht unsere Schuld, dass Sie offenbar nicht in der Lage sind, sich rechtzeitig vor ihrer Reise über die Bestimmungen zu informieren!“ Ich wurde von einem plötzlich auftauchenden Schatten aus meinen Gedanken gerissen. Da kam jemand, um aufzuschließen. Eine Frau. Sah eigentlich ganz freundlich aus … Die Tür schwang auf und die Frau ließ die ersten „Kunden“ hinein. Ich gab Lisa und den Kindern einen leichten Schubs und wir reihten uns einfach in die Schlange ein. Leise flüsterte ich Lisa, die etwas unsicher wirkte, zu: „Auf keinen Fall stehen bleiben!“. Und so passierten wir die erste Hürde ohne Probleme. Wir waren drin! Dort drin, wo wir eigentlich ohne Termin nicht sein sollten. Ich hatte in der Vergangenheit schon einmal erlebt, dass am Eingang die Terminbestätigungen verlangt wurden – nicht diesen Samstagvormittag. Wir nahmen die Kinder an die Hand und folgten einer Frau mit ihrem Sohn, die offenbar auch noch vor dem Urlaub einen neuen Pass abholen wollte – allerdings mit Termin. Mit dem Aufzug fuhren wir in den dritten Stock. Während wir zum Wartebereich liefen, besprachen Lisa und ich kurz, wer von uns sich nun die Blöße geben würde und zum Schalter gehen, um unser Anliegen zu schildern. Letztendlich meldete ich mich halb freiwillig, halb aus Anspannung heraus, in der ich zwar große Angst hatte vor dem eventuell auf mich wartenden Einlauf, aber mich dann doch wohler fühlte, selbst die Kontrolle zu behalten über was auch immer passieren würde. Ich ließ Lisa und die Kinder bei den Stühlen im Wartebereich und machte mich auf zur aktuell noch unbesetzten Information. Als ich diese fast erreicht hatte, überholte mich eine Person, die offenbar gerade kam, um sich hinter den Tresen zu setzen. Es war die freundlich wirkende Frau, die kurz vorher die Tür aufgeschlossen hatte. Das gab mir irgendwie neuen Mut. Ich stellte mich vor die Information und machte auf mich aufmerksam. Nicht damit rechnend, dass gerade mal eine Minute nach Einlass schon jemand eine Frage haben könnte, guckte die Mitarbeiterin mich etwas verwundert an. Was dann passierte, hätten viele sicher als unglaubliches Glück beschrieben. Aber ich hab sofort gefühlt: Hier hat Gott gewirkt! Es lässt mich immer noch staunend den Kopf schütteln, jetzt, wo ich das hier schreibe. Etwas verlegen fing ich an zu stammeln: „Guten Tag … Es ist mir wirklich sehr unangenehm, aber meine Frau und ich wollen heute mit unseren Kindern in den Urlaub fahren … und wir haben keine Papiere für die Kinder.“ Die Frau hinterm Tresen sah mich mit weit aufgerissenen Augen an. Dann fing sie kurzzeitig an nach Luft zu schnappen. Kennt ihr das, wenn man so in einen Film versunken ist, dass man an der spannendsten Stelle alles um sich herum vergisst und so mit dem Protagonisten mitfiebert, dass man manchmal unwillkürlich Laute des Entsetzens oder des Anfeuerns ausstößt? Ungefähr so hat die Frau vom Amt reagiert. „Oh … eh … das … ähm … wo wollen Sie denn hinreisen?“ „In die Niederlande.“ „Oh, das ist gut! Das ist gut!“ Die Frau atmete kurz durch und ließ sich etwas entspannter in ihren Stuhl zurücksinken, auf dessen Kante sie kurz vorher gerückt war. „Gut, wie machen wir das … dann geben Sie mir am besten erst mal ihr Geburtsdatum.“ Ich gab all meine Daten an und kurz darauf hatte die Beamtin sowohl mich als auch meine Kinder in der Datenbank gefunden. Sie setzte noch einmal an: „Ihre Frau ist auch da? Ah ja, da hinten sehe ich sie, richtig? Dann …“ In diesem Moment klingelte das Telefon. Da die Lautstärke recht hoch eingestellt war, konnte ich Fetzen von dem verstehen, was am anderen Ende gesagt wurde. In einem der vielen Zimmer wartete wohl eine Kollegin seit mehreren Minuten auf einen „Kunden“, dessen Terminnummer sie aufgerufen hatte, der aber offensichtlich nicht erschienen war. Jetzt fragte sie an der Information, ob man irgendetwas wüsste. Die Augen der Frau am Tresen weiteten sich erneut: „Sag mal, wenn dein Termin nicht gekommen ist … hättest du dann kurz Zeit? Ich hab hier eine Familie ohne Termin, die wollen heute in den Urlaub fahren und haben keine Ausweise für ihre Kinder … Ja … Ja, alles klar. Danke dir!“. Die Frau am Tresen legte auf und teilte mir das Unglaubliche mit: Wir könnten direkt durchgehen in Zimmer 8, da dort jemand nicht zu seinem Termin erschienen war. Das war mehr als Glück! Nicht nur, dass gegen jede Erwartung ein Amt am Samstagvormittag offen hatte und wir ohne Termin und ohne Terminkontrolle eintreten konnten … jetzt hatte auch noch in genau dem Augenblick, als ich schamerfüllt und von meiner eigenen Dummheit im Boden versinkend am Schalter mein Anliegen vortrug, ein anderer Besucher seinen Termin nicht wahrgenommen und uns so die absolut unwahrscheinliche Möglichkeit gegeben, nicht nur nicht abgewiesen, sondern direkt durchgewunken zu werden. Hallelujah! Genau im richtigen Moment an unserem absoluten Tiefpunkt. Was soll man dazu sagen? Ein richtiges Wunder! Die nächsten Minuten lassen sich schnell zusammenfassen: Wir kamen von der sehr netten Frau am Empfang zu einer nicht weniger netten und hilfsbereiten Kollegin, die uns nach kurzer Absprache die nötigen Formulare vorlegte. Um den Antrag zu vervollständigen, brauchte es dann nur noch die alles entscheidenden Passbilder. Die konnten wir wiederum im Wartebereich am Automaten erstellen lassen, wo uns erneut sehr freundlich geholfen wurde. Da unsere Mädels so perfekt mitgemacht haben, hielten wir nur wenige Minuten später und nach Station in einem letzten Zimmer zwei vorläufige Personalausweise mit anforderungsgerecht-hässlichen Bildern unserer Kinder in den Händen und hatten vor Glück Pippi in den Augen hatten. Einfach so gesegnet alles! Was ich euch auch nicht vorenthalten möchte: Als wir auf dem Weg zum letzten Zimmer waren, kam uns noch einmal die Frau von der Information entgegen und fragte mit gedrückten Daumen und hochgezogenen Augenbrauen: „Hat alles geklappt?!“ Ja, es hatte geklappt! Und nicht nur das: Entgegen allen Erwartungen, waren wir zu keinem Moment auch nur im Ansatz dafür gerügt worden, dass wir einfach gegen alle Regeln unser Glück versucht hatten. Im Gegenteil: Alle Beteiligten an diesem Samstagvormittag waren überaus freundlich und hilfsbereit gewesen! Danke Gott! Das war mehr, als wir uns hätten träumen lassen! :) Heute sitze ich in unserer Ferienwohnung, gucke aus dem Fenster in den Garten und auf den dahinterliegenden Bootsanleger und Kanal und kann immer noch nicht so recht begreifen, was uns da vorletzten Samstag passiert ist. Zurück am Auto haben wir uns übrigens erst mal alle an die Hände genommen und gebetet und Gott gedankt für dieses total überwältigende Geschenk. Und dann haben wir auch noch beschlossen: Wir werden nie wieder etwa Negatives über die deutsche Bürokratie sagen! Dafür wollen wir aber bei Gelegenheit ein bisschen Schokolade vorbei bringen – sofern wir überhaupt noch mal rein kommen … ohne Termin. Ich hoffe, diese Geschichte malt euch genauso ein Lächeln ins Gesicht wie mir :) Und ich hoffe außerdem, dass ihr diese Woche auch so stark wie wir spürt, dass Gott da ist, wenn ihr ihn braucht – selbst wenn ihr aufgrund eures eigenen Dusels in der Klemme steckt! Und falls bei euch auch noch Urlaub anstehen sollte, dann nehmt diesen überaus hochtrabend klingenden Rat mit, der aber manchmal ganz pragmatisch gemeint sein kann: Es ist gut, seine Grenzen zu kennen! Zumindest die zum Nachbarland ;) Gottes Segen und bis zum nächsten Mal! Euer Daniel
- Selber denken – einfach – biblisch
„Hallo alle zusammen, Freunde des Wortes Gottes, Geschwister in Christus…“ – so wollen wir uns sehen. Gleichberechtigt, gleichgesinnt, gleichgestellt in der Freiheit Christi. Das hört und fühlt sich gut an! Schon meldet sich ein Zwischrufer: „Ja, aber….“ Deshalb soll sie im Gottesdienst eine Kopfbedeckung tragen als Zeichen dafür, dass sie dem Mann untersteht. Auch wegen der Engel, die über Gottes Ordnungen wachen, sollte sie dies tun. (1. Korinther 11,10) Als junge Gläubige war ich vertraut mit dem Tragen einer Kopfbedeckung bei unseren Zusammenkünften. Die Frage nach dem „Warum“ stellte sich mir anfangs nicht. So stand es ja im Korintherbrief beschrieben. Die, die „ohne“ im Gottesdienst erschienen, machten es aus praktischen Gründen. Allerdings fiel mir schon damals auf, dass die „Kopfbedeckung“ sehr wohl unterschiedliche Erscheinungsformen annehmen konnte. Vom modischen Accessoire aus allen möglichen Materialen und Farben, vom auffälligen geschmückten Kopfputz über einfache Mützen bis hin zu kleinen Schleiern oder Tüchern war da alles dabei. Englische Besuchergruppen zeigten sich besorgt, dass nicht alle Schwestern eine Kopfbedeckung trugen. Und auch innerhalb der deutschen Community gab und gibt es immer wieder Diskussionen über das „Warum“. Ist also die Einhaltung einer bestimmten Aussage von Paulus und das erstarrte Festhalten an Traditionen so entscheidend für meine Erlösung? Eines ist mir klar: Trage ich eine Kopfbedeckung oder nicht, kann nicht heilsentscheidend sein. Vielmehr denke ich, je älter ich werde, es kommt auf meine Einstellung dazu an. Auf meine Haltung und auf das, was ich mit meiner Erkenntnis mache, und wie ich diese im Sinne von: „Bringt die errettende Botschaft in die Welt!“, einsetze. Darum folgt heute meine Annährung an das Thema: „Muss die Frau im Gottesdienst ihren Kopf bedecken“ – nach den Ausführungen von Pastor Michael Kaizik aus Neumünster, in Anlehnung zu einem Vortrag, der in einer Freien Christengemeinde in Oberhausen gehalten wurde. Wie schon in meinen beiden letzten Blogs (www.leben-einfach-biblisch.de/post/leben-nicht-immer-einfach-biblisch und www.leben-einfach-biblisch.de/post/still-leben-einfach-biblisch) zeigt eine wörtliche Übersetzung neue Ansatzpunkte zum Nachdenken. Freilich bringt jede Übersetzung aus dem Urtext eine gewisse Interpretation mit sich. Und gerade deswegen lohnt es sich, immer verschiedene Übersetzungen zu beleuchten. Hier nun die von Pastor Kaizik bevorzugte Übersetzung von 1.Korinther 11,10: Darum soll die Frau Autorität über ihr (Gebiet des) Haupt(es) haben. Die Elberfelder Bibelübersetzung ist da sehr nah dran: Darum soll die Frau eine Macht auf dem Haupt haben um der Engel willen. Das Wort „Macht“, „Autorität“ oder „Vollmacht“, im griechischen „exousia“ hat überhaupt nichts mit einer Kopfbedeckung zu tun. Es bedeutet eigentlich: „Verliehene oder übertragene Gewalt“. Und ich erinnere mich, dass Jesus seinen Jüngern Vollmacht überträgt über die unreinen Geister. Dann rief Jesus seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Macht, böse Geister auszutreiben und alle Kranken und Leidenden zu heilen. (Matthäus 10,1) Auch hier steht im griechischen Urtext für Macht das Wort „exousia“. Jesus gab ihnen Vollmacht über sie zu herrschen, nicht um den bösen Geistern untertan zu sein. Also genau das Gegenteil! Übertragen kann das nur heißen, dass die Frau „Vollmacht“ über ihr Haupt hat, nicht über den Mann, als ihrem Haupt, sondern über ihr eigenes. Warum gibt Paulus in seinem Brief also solch einen „Rat“, wo wir doch alle eins in Christus sind? Und wieder lohnt es sich, die Umstände der damaligen Gemeinden zu beleuchten und daraus für uns heute Nützliches zu erfahren. Diese bunte Mischung der ersten Gemeinden ist der Schlüssel zum Verständnis dessen, was Paulus in seinen Briefen an die Korinther schreibt. Wir kennen die Fragen der Korinther nicht, nur die Antworten von Paulus und müssen vermuten, was die ersten Gemeinden so umtrieb. Die Sache mit der Kopfbedeckung hat zwei Seiten. Zum einen gab es die Anordnung aus dem Talmud, die dem männlichen Juden gebot, sich beim Beten in ein Gebetstuch (Tallith) zu hüllen. Paulus zitiert Anweisungen aus der jüdischen Tradition, nicht aus dem Wort Gottes. Das Gebetstuch symbolisiert die Unterordnung des nicht erlösten Juden. Übrigens galt das nur für Männer, Frauen war es ohnehin nicht erlaubt zu beten. Der Talmud, eine jüdische Auslegung, ist also die Quelle von Geboten und Verboten und der Grund für die Nachfrage der Korinther bei Paulus. Im Alten Testament findet sich keine Anweisung von Gott. Weil aber für die Gläubigen, für die Christenjuden, die Zeit der Erlösung da war, sprich, sie durch Christus nun erlöst waren, brauchten sie kein Zeichen der Unwürdigkeit mehr und Paulus gibt die klare Anweisung: Ein Mann entehrt Christus, wenn er im Gottesdienst öffentlich betet oder im Auftrag Gottes prophetisch redet und dabei eine Kopfbedeckung trägt. (1. Korinther 11,4) Die andere Seite: Die jüdische Frau war stets verhüllt. In der Synagoge, wo sie sowieso nicht reden und beten durfte und auch im Alltag. Hat sie sich nun zu ihrem neuen Glauben bekannt, verhüllte sie sich nun nicht mehr, um ihrer inneren Freiheit in Christus Ausdruck zu verleihen. Männer und Frauen sind alle eins in Christus! Die gläubige Christenjüdin hatte nun folgendes Problem. Sie brauchte keine Verhüllung mehr, traf aber in ihrer neuen Gemeinde auf Schwestern, die vor ihrer Bekehrung als Prostituierte arbeiteten. Das äußerliche Zeichen einer Prostituierten war eine unverhüllte rasierte Halbglatze. Das konnte sehr gut missverstanden werden, und sie sah sich mit den Prostituierten in einen Topf geworfen, um schlimmstenfalls von ungläubigen Verwandten geschoren zu werden. Diese geschorenen Frauen hatten keine Haare zur Bedeckung. Deshalb dürfen sie sich bedecken. Alle Frauen hatten Vollmacht über ihr Haupt, um sich zu bedecken oder nicht. Oder: gläubige Frauen, deren jüdische Männer in ihren Synagogen verhüllt beteten, hatten mit ihren Ehemännern ein Problem, denn nach dem jüdischen Verständnis sollte die Frau stets verhüllt sein. Um den Frauen diese Konflikte zu ersparen, gibt Paulus ihnen diesen Ratschlag: Frau, du hast Vollmacht über dein Haupt. Du kannst deinen Schleier behalten, denn es soll deswegen keinen Streit und keinen Anstoß geben. Hast du aber die Möglichkeit ihn abzulegen, dann tue es, denn es geziemt sich für eine gläubige Frau, unverhüllt zu beten. Und was ist mit den Engeln? „Wegen der Engel…“ steht in Vers 10. Die Engel achten weder auf „Sittsamkeit“, noch schauen irgendwelche Engel nach schönen Frauen, oder was es sonst noch so für menschliche Ideen dazu gibt. Paulus trifft, so stelle ich mir vor, zwei Aussagen: - Durch das Tragen des Schleiers zeigt die Frau den Engeln, dass sie noch unter „Verdammnis“ steht und ihre Erlösung noch nicht angenommen hat. Und wenn schon die Engel unverhüllt vor Gott stehen dürfen, wie viel mehr die Frau, die durch das Blut Jesu Christi erlöst wurde. Sie tut kein Unrecht, wenn sie unverhüllt vor Gott betet, denn sie zeigt damit, dass sie eine Tochter Gottes ist. - Die Engel halten sich genau an die von Gott gegebenen Ordnungen und das sollen die Frauen genauso machen. Immer wieder zeigt mir die Beschäftigung mit dem Wort Gottes und vor allem mit dem „Neuen Bund“, dass es kein Richtig oder Falsch gibt, kein Schwarz oder Weiß und schon gar nicht eine Erlösung durch das Einhalten von Regeln, sondern, vielmehr bringen mich meine eigenen individuellen Überlegungen dahin, Christi Erlösungsweg als vollkommen zu sehen, für jeden Menschen zu jeder Zeit annehmbar! Ganz gleich ob Mann oder Frau, ob Prostituierte, Betrüger, Armer oder Reicher, für jeden gibt es einen Erlösungsweg. Das ist faszinierend. Dafür danke ich meinem himmlischen Vater und Jesus Christus seinem Sohn, unserem Erlöser! Dann ist unwichtig, ob einer Grieche oder Jude ist, beschnitten oder unbeschnitten, ob er aus einem anderen Kulturkreis oder aus einem Nomadenvolk stammt, ob er ein Sklave oder Herr ist. Wichtig ist einzig und allein Christus, der in allen lebt. (Kolosser 3,11) Eure Ulrike Wenn nicht anders bezeichnet sind die Bibelzitate der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel. Bildquelle: Pixabay von efes.
- Wie geht das zusammen?
Manchmal kommen Dinge zusammen – Gedanken im Kopf, Ereignisse, Bücher, Menschen – die für sich genommen völlig unterschiedlich sind und auch nicht zusammenzupassen scheinen. Und doch gehören sie irgendwie zusammen. Es ist nur seltsam, dass sie auf einmal gleichzeitig da sind. Und plötzlich lösen sich Knoten, ergeben sich Antworten, zeigen sich Wege. Das mag jetzt sehr nebulös klingen. Ich will gerne etwas ausholen, um zu beschreiben, was mir vor kurzem passierte und warum das mit solchen losen Enden, die nicht so recht zusammenkommen wollen, zu tun hat. Beginnen sollte ich vielleicht mit drei Dingen, die zum Teil seit langem, teilweise auch erst seit kurzem so zu meinem Leben gehören. Schon seit sehr langer Zeit habe ich es mir zur Maxime gemacht, dass mein Sonntag der Gemeinde und meinem Gott gehören sollte. An diesem Tag sollte es keine anderen Aktivitäten, keine Arbeit fürs Büro oder andere Ablenkungen geben. Wenigstens dieser eine Tag sollte (zumindest während meines über lange Zeit recht stressigen Berufsalltages) angefüllt sein mit Gemeinschaft unter Geschwistern, Bibellesen, Nachdenken über neue Gemeindetätigkeiten, Ausarbeitung von Vorträgen, Vorbereitung von Bibelstudium, Korrespondenz mit Interessenten, etc. Eben lauter Dinge, die sonst im Alltag immer irgendwie zu kurz kommen. Es hat eine ganze Weile und einige Übung, manche Entbehrung und auch Rückschläge gebraucht, bis das in meinem Leben zur festen Gewohnheit wurde. Inzwischen fast genauso lange habe ich eine große Leidenschaft – das Billardspielen. Schon seit über 30 Jahren betreibe ich das auch wettkampfmäßig im Verein. Dazu gehören selbstverständlich auch über eine längere Saison verteilte Ligaspiele mit der Mannschaft und zusätzliche Einzelwettkämpfe. Solche Spiele und Wettkämpfe finden normalerweise an den Wochenenden statt. Ups – da war doch was?! Richtig, es gab natürlich immer wieder mal Kollisionen mit Sonntagsspielen und meinem „guten“ Vorsatz, dass der Sonntag der Gemeinde und meinem Herrn gehören sollte. Meist habe ich mich auch für diesen Weg entschieden und Spiele abgesagt. Manchmal allerdings fühlte ich mich auch den Sportkollegen verpflichtet, insbesondere wenn sich kein Ersatzspieler finden ließ. Selbstverständlich kam es mitunter vor, dass ich meine Spiele an einem solchen Sonntag verloren habe und mit meiner Leistung so gar nicht zufrieden war. Ich erinnere mich nur zu gut daran, wie oft ich dann dachte: „Geschieht dir ganz recht, du solltest ja auch heute nicht hier sein!“ Sollte das so sein oder war das nur eine recht dürftige Ausrede für meine Schlechtleistung? Als wir vor jetzt zwei Monaten hier in Braunschweig angekommen sind, fiel mit beim Auspacken der Kartons ein kleines Taschenbuch mit dem Titel „Ein Ort für Gottes Herrlichkeit“ wieder in die Hände, das ich lange vergessen hatte. Der Autor beschäftigt sich darin sehr ausführlich und in vielen Facetten damit, wie eine christliche Gemeinschaft eigentlich aussehen sollte, damit sie tatsächlich ein solcher Ort sein kann, an dem Gottes Herrlichkeit strahlt, statt nur an festgesetzten Tagen die immer gleichen Rituale mit den immer gleichen Bausteinen routiniert durchzuführen. Sehr beeindruckt hat mich beim erneuten Lesen die vom Autor aufgeworfene Frage, warum unsere Gottesdienste eigentlich immer am Sonntag stattfinden. In seiner Recherche durch das Neue Testament stellte er fest, dass wir dort nur über die Juden an vielen Stellen lesen, dass sie sich immer am Sabbat in der Synagoge versammelten. Über die ersten Christen liest man (bis auf zwei Ausnahmen) weder von einem bestimmten Tag noch von einem besonderen Ort der Zusammenkünfte. Sogar in Jerusalem, wo es zur Zeit des Paulus bereits mehr als 10.000 Christen gab, liest man nichts über bestimmte Versammlungsorte oder festgelegte Zeiten. Man traf sich bei den Geschwistern, wann immer es passte und das Verlangen nach Gemeinschaft da war. Das hat mich sehr beeindruckt. Wirft es doch wieder ein neues und anderes Schlaglicht auf unser Thema „Gemeinde bauen“ hier in Braunschweig. Zugegeben – es hat mir auch irgendwie eine beruhigende Ausrede eröffnet, warum es gerade jetzt, wo ich Rentner bin und jeden Tag Zeit habe für Gemeinde und meinen Herrn, kein Problem mehr ist, auch am Sonntag Billard zu spielen. Ist das nun nur Schwäche, eine faule Ausrede oder einfach neue Freiheit? Zur Abrundung – und jetzt komme ich auch langsam zum Punkt – muss ich noch erzählen wie froh ich bin, auch hier in Braunschweig einen Billardclub gefunden zu haben, um weiter meiner großen Leidenschaft nachgehen zu können. Karambol-Billard ist hier in Niedersachsen, anders in NRW, eher noch dünner gesät und daher bin ich sehr glücklich, hier diese Möglichkeit zu haben. Dieser Billardclub feiert in diesem Jahr sein 100jähriges Bestehen, unter anderem auch mit einem Billardturnier, zu dem auch Mannschaften aus anderen Regionen Deutschlands eingeladen waren. Und was soll ich sagen (ihr werdet es vermuten): selbstverständlich fand dieses Turnier an einem Samstag und Sonntag statt, vor zwei Wochen. Zum Glück gab es wenigstens an dem betreffenden Sonntag laut Plan keine Versammlung. Ein leichtes Fragezeichen blieb für mich trotzdem. Aber dieses Turnier war für mich zugleich eine sehr gute Gelegenheit, möglichst viele der neuen Clubkameraden kennenzulernen und neue Freundschaften hier in Braunschweig zu schließen. Also entschloss ich mich, teilzunehmen. Bis hierher mag sich der geneigte Leser fragen, was das alles mit dem vielleicht etwas verwirrenden Titel dieses Beitrags zu tun hat. An diesem Turnier nahmen 9 Mannschaften teil (die letzte Meldung kam gerade erst am Vortag), was beim Spielmodus „Jeder gegen Jeden“ für jedes Team acht zu absolvierende Spiele bedeutete (jeweils ca. 60-90 Minuten pro Spiel) und durch diese neunte Meldung jeweils eine Spielpause für jede Mannschaft. Beide Tage waren damit recht vollgestopft mit Wettkampf. An beiden Tagen starteten wir deshalb auch bereits um 10:00 Uhr. Der Samstag verlief wie ich es mir erhofft hatte. Ich traf viele neue Menschen und auch alte Bekannte. Auch die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Mein Teampartner und ich waren vorne dabei. Abends noch gemeinsames Grillen mit vielen Gesprächen und neuen Eindrücken. Ein wirklich tolles Erlebnis. Nach einem etwas kurz geratenen Schlaf dann am Sonntag wieder Treffpunkt 9:30 Uhr im Clubheim zur Bekanntgabe der heutigen Paarungen. Als ich an unserem Clubheim ankam, ein wunderschönes altes Gebäude in einem ebenso schönen Park gelegen, konnte ich im leeren Park eine Band beiläufig beim Soundcheck hören, noch ohne mir viel dabei zu denken. Wir starteten pünktlich in unsere erste Partie – leider knapp verloren. Meine Leistung war unterirdisch. War das wieder so ein Sonntag? Ein Fingerzeig, dass der Sonntag anders sein sollte? Danach hatten wir unsere Spielpause. Da die Partie recht schnell vorbei war, konnte ich mich bereits um kurz nach 11:00 Uhr nach draußen auf unsere dem Park zugewandte Terrasse begeben. Ich machte die Tür auf, trat nach draußen, und – in voller Lautstärke tönte mir die erste Zeile vom Refrain des Liedes „Gewagte Liebe“ entgegen, wo es heißt: „Oh, wie endlos überwältigend, gewagt ist wie du liebst.“ https://open.spotify.com/intl-de/track/5TbMQzkGFH5GeUg3dKN6wb?si=73a98e259e314318 Wir hatten gerade erst in der letzten Versammlung dieses Lied gesungen. Der Text war noch präsent und so begann ich wohl hörbar mitzusingen. Ich finde hier kaum die richtigen Worte, um die Magie und Schönheit dieses Momentes zu beschreiben. Jetzt noch habe ich beim Schreiben darüber eine Gänsehaut und Tränen der Freude und des Ergriffenseins schießen in die Augen. Im Park war eine recht ansehnliche Menschenmenge zusammen gekommen. Was ich zu Sehen und zu Hören bekam, war ein Gottesdienst der Reihe „Gottesdienst im Park“, veranstaltet von der evangelischen Allianz Braunschweig. An jedem Sonntag ausgerichtet in einem anderen Park von einer anderen der vielen Braunschweiger Gemeinden (siehe mein letzter Blog!). Dieser Gottesdienst war übrigens der letzte dieser Reihe. Und das jetzt, ausgerechnet an diesem Sonntag, direkt vor meiner Nase, mit der Spielpause zum genau richtigen Zeitpunkt. So konnte ich die Musik genießen, die noch heute in mir als Ohrwurm nachklingt, und ganz in Ruhe eine sehr schöne Predigt einer jungen Pastorin hören, der ich aus ganzem Herzen zustimmen konnte. Ihr Thema war kurz zusammengefasst, dass es keiner besonderen Leistung bedarf, unserem himmlischen Vater zu gefallen, denn er hat uns doch so, wie wir sind (mit all unseren Unzulänglichkeiten) auf ausgezeichnete Weise gemacht. "Ich preise dich darüber, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt es sehr wohl." (Psalm 139,14) So kamen an diesem Sonntag ganz ungeplant und ohne eigenes Zutun alle meine losen Enden zusammen: die Leidenschaft fürs Billard ohne schlechtes Gewissen, ein Sonntag der Gemeinschaft mit anderen Christen, eine andere sehr schöne Art des Gottesdienstes und das erste Kennenlernen einer anderen christlichen Gemeinschaft hier in Braunschweig. Mehr zusammen geht nicht! So wie es in dem Lied heißt (und in meinem Kopf noch immer nachklingt): "Du hast mich geformt, mir Leben eingehaucht. Du warst schon immer gut zu mir. Oh, wie endlos überwältigend, gewagt ist wie du liebst." Hallelujah! (Gelobt sei Jahweh, unser Gott) Euer Peter Foto von Pickled Stardust auf Unsplash










