• Lea

Zeiten des Wartens

Ich möchte heute über etwas schreiben, was ein wenig an Daniels letzten Beitrag über Josef und Gottes Handeln in unserem Leben anschließt (https://www.leben-einfach-biblisch.de/post/alles-nur-einbildung), auch wenn es in eine etwas andere Richtung geht.


Wie wir in Daniels Beitrag gelesen haben, konnte Josef am Ende seines Weges mit Sicherheit sagen, dass Gott ihn geführt hat und jeder Schritt, den er gegangen ist, Teil von Gottes Plan war. Ich glaube, wir kennen diese Momente auch. Wir blicken zurück auf Abschnitte in unserem Leben und erkennen, wie Gott uns durch sie hindurch getragen hat. Wir sehen, dass Gott uns genau an dieser oder jener Stelle eingesetzt hat, um dort für ihn wirken zu können.


Häufig kommt diese Erkenntnis jedoch erst in der Retrospektive. Ein bisschen so, als würden wir erst hinter der Ziellinie einer Etappe erkennen, wo dieses Ziel eigentlich lag. Aber was passiert auf dem Weg dahin?



Nicht das Vertrauen verlieren


Immer wieder befinden wir uns in Zeiten des Wartens. Warten auf das nächste große Ereignis in unserem Glaubensleben. Warten auf das nächste Puzzleteil, welches uns ein Stück mehr von Gottes Plan für unser Leben erkennen lässt. Warten auf die nächste Tür, die Gott für uns öffnet.



In diesen Zeiten fällt es uns besonders leicht, das Vertrauen darauf zu verlieren, dass Gott tatsächlich weiter in unserem Leben wirkt und mit uns arbeitet. Wer dafür Beweise sucht, muss nur einmal die Geschichten aus der Zeit des Exodus des Volkes Israel lesen. Immer wieder verloren die Israeliten das Vertrauen in Gott, obwohl er sie regelmäßig vor ihren Feinden rettete, sie jeden Tag versorgte und sie mehr Wunder sehen ließ als die meisten von uns je erleben werden.


Doch selbst für die Israeliten wurden die Zeiten des Wartens oft zu einer Hürde, die viele von ihnen nicht überwanden. Sie wandten sich von Gott ab. So kommen wir zu der Erzählung über das goldene Kalb (2. Mose 32) und zu Geschichten darüber, wie sie sich gegeneinander auflehnten (z. B. 4. Mose 16) und sich ständig beschwerten (z. B. 4. Mose 14).


Doch was können wir machen, damit wir nicht auch das Vertrauen in Gott verlieren, wenn wir uns gerade nicht in einer Situation befinden, in der uns sein Wirken in unserem Leben vollkommen klar ist?


Als ich über dieses Thema nachgedacht habe, ist mir ein Spruch wieder eingefallen, den ich vor einigen Jahren zum ersten Mal gehört habe (wo weiß ich leider nicht mehr):

„Until God opens the next door, praise Him in the hallway.”

Also: Bis Gott die nächste Tür öffnet, preise ihn im Flur.


Ich glaube, das ist ein ziemlich guter Rat.



Grund genug


Auch in den Zeiten, in denen wir uns „im Flur“ befinden, gibt es immer noch mehr als genug Gründe, Gott zu preisen und ihm zu vertrauen.


Einer dieser Gründe können Erlebnisse sein, die wir schon mit Gott hatten. Oft vergessen wir diese viel zu schnell. Doch besonders in Zeiten des Wartens kann es hilfreich sein, sich an die Momente zu erinnern, in denen wir Gottes Handeln in unserem Leben erkannt haben, seine Stimme gehört haben oder seine führende Hand spüren konnten.


Und warum sollte Gott auf einmal aufhören, in unserem Leben zu wirken? Er ist immer noch der gleiche Gott wie der Gott, mit dem wir schon in der Vergangenheit so vieles erlebt haben und er ist immer noch genauso aktiv.


Selbst wenn wir uns in einer Zeit des Wartens befinden, bedeutet das keineswegs, dass auch Gott gerade Däumchen dreht. Denn Gottes Arbeitsweise sieht eher so aus:

„Von dem Tag an, da eure Väter aus dem Land Ägypten auszogen, bis auf diesen Tag habe ich alle meine Knechte, die Propheten, zu euch gesandt, täglich früh mich aufmachend und sendend.“ (Jeremia 7,25)

Dieses „täglich früh mich aufmachend“ finden wir in Jeremia immer wieder und es ist eines meiner Lieblingsbilder, um Gottes Wirken zu beschreiben. Er hat keine schlechten Tage, an denen er es nur schwer aus dem Bett schafft oder keine Lust hat, sich mit uns auseinanderzusetzen. Nein, er steht jeden Tag aufs Neue früh auf, um seinen Plan ein Stück weiter voranzutreiben und ist sich dabei nie zu schade, den ersten Schritt auf uns zuzugehen.


Daraus können wir das Vertrauen ziehen, dass Gott nie aufhört in unserem Leben zu wirken. Selbst wenn wir es gerade nicht bemerken oder es sehen, aber (noch) nicht verstehen. Wir können mit Sicherheit wissen, dass Gott immer noch aktiv ist.


Und dabei hat er nichts Schlechtes, sondern nur Gutes für uns im Sinn. Um noch einmal eine Stelle aus Jeremia zu zitieren:

„Denn ich kenne ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der HERR, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren.“ ( Jeremia 29,11)

All dies sind Gründe Gott zu loben. Und das sollten wir tun. Jeden Tag. Auch an den Tagen, an denen es uns vorkommt, als würde es gerade keinen konkreten Anlass für dieses Lob geben. Denn besonders in den Zeiten, in denen wir das Gefühl haben, dass gerade "nichts" passiert und uns das Ziel, auf das wir zusteuern, noch nicht klar ist, hilft uns die Erinnerung an all diese Gründe dabei, nicht das Vertrauen zu verlieren.


Also lasst uns versuchen, es besser zu machen als die Israeliten und weiter darauf vertrauen, dass Gott in unserem Leben wirkt, auch wenn wir es vielleicht gerade nicht sehen. Lasst uns Gott im Flur preisen (und kein goldenes Kalb) bis die nächste Tür aufgeht. Gründe dafür haben wir mehr als genug.



Bis zum nächsten Mal!

Eure Lea

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