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Verkühlt

  • Autorenbild: Freya
    Freya
  • 27. Okt.
  • 3 Min. Lesezeit

Ich gehe durch die Tür. Obwohl es innen sehr hell ist, fühlt sich die Atmosphäre dunkel an. Es ist kalt. Kühler als draußen. Ich friere trotz meiner Jacke, die ich mir erst im Gebäude anziehe. Die Wände sind hoch und werden immer höher. Ich gehe durch die Mitte. Der Boden ist gefliest. Es ist so leise, dass jeder Schritt durch den Raum hallt. Ich fühle mich klein. Noch kleiner als sonst. 

Alles wirkt auf den ersten Blick sehr steril und vergoldet. Die Holzbänke sind braun und hart. Ich setze mich und fühle mich direkt unwohl, wie auf dem Präsentierteller. Wenn ich jetzt sprechen würde, könnte man mich durch das ganze Gebäude hören. Hier würde man sogar einen leisen Pups hören. Unangenehm. 


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Ich lasse den Raum weiter auf mich wirken. Architektonisch etwas besonderes, anders als andere "Gotteshäuser". Die Seitenwände sind wie Mauern, die nach vorne hin immer höher werden. Es gibt keine klassischen, bunten Kirchfenster oder Säulen, sondern nur eine Reihe kleiner Fenster am oberen Rand. Insgesamt ein sehr reizarmer Raum. Das Licht kommt von oben. Vorne Rechts sehe ich einen Ort um Kerzen anzuzünden. Ein paar brennen auch. Ich denke mal um an Verstorbene zu erinnern. 

Vorne über mir hängt ein riesiges Steinkreuz von der Decke und das wirkt ziemlich einschüchternd auf mich. Ich fühle mich irgendwie unwohl, fehl am Platz. Dieser Ort soll wahrscheinlich Gottes Heiligkeit und Macht demonstrieren. Gleichzeitig verstärkt sich aber mein Wunsch direkt wieder zu gehen, denn für mich wirkt Gott hier unnahbar. Ich habe mich selten an einem Ort so entfernt von ihm gefühlt. Als ob die Mauern alles abschirmen. Natürlich kann es für den einen oder anderen auch ein sicheren Ort bedeuten, aber ich fühle mich eingesperrt.  Und ich denke nicht, dass es Gottes Wille ist, dass ich so empfinde.  So möchte er ganz sicher nicht wirken, denn sonst hätte er uns nicht seinen Sohn Jesus als unseren Bruder und Freund zur Seite gestellt. Gerade nachdem ich mich frage, was Jesus wohl zu diesem Raum hier sagen würde, fängt der Chor an zu singen und ich bin erleichtert. Die Stimmen erklingen wundervoll. Eine tolle Akustik. Endlich kommt Leben in die "Bude". Die einzelnen Stimmfarben und die Klavierbegleitung harmonieren nahezu perfekt in dieser Kirche. Die Lieder berühren mich und mir wird endlich etwas warm ums Herz.


In der Konzertpause gehe kurz nach draußen um mich wieder aufzuwärmen und komme an den Beichtkammern vorbei. Damit kann ich wirklich gar nichts anfangen. Ich denke auch nicht, dass  Gott einen Mittler in Form von einem Pfarrer, Pastor oder Gemeindevorsteher braucht, denn wir haben Jesus als Fürsprecher und Erlöser. 

Ich allein bin die Tür. Wer durch mich zu meiner Herde kommt, der wird gerettet werden. Er kann durch diese Tür ein- und ausgehen, und er wird saftig grüne Weiden finden. (Johannes 10,9)

Und als ich im Johanneskapitel 10 weiterlese bleibt bei mir ein weiterer Vers hängen:


Niemand nimmt mir mein Leben, ich gebe es freiwillig. Ich habe die Macht und die Freiheit, es zu geben und zu nehmen. Das ist der Auftrag, den ich von meinem Vater bekommen habe. (Johannes 10,18)

Jesus hat sich entschieden für uns zu sterben und wieder aufzuerstehen. Das zu lesen macht mich so demütig und überaus glücklich. Das ist unsere Erlösung.

In der zweiten Hälfte des Konzerts überkommen mich teilweise negative Gedanken wie zum Beispiel, dass dieses riesengroße Steinkreuz auf den Chor fällt. 

 Ich merke wie ich total demütig und vorsichtig werde und noch eine Angst überkommt mich: Hier etwas falsch zu machen. Irgendwie kommt mir hier jedes Verhalten fehl am Platz vor, außer das Stillsitzen, Zuhören und mich möglichst anzupassen oder gehorsam zu sein. 

Ich bemerke, dass ich versuche mich frei zu machen von diesen Gedanken und frage mich wieder ob Gott so ein Verhalten verlangt oder die Institution "Kirche"? Möchte Gott wirklich so eine Beziehung zu mir? Kalt, heilig, mächtig, von oben herab, unnahbar? Mit  heilig und mächtig komme ich noch zurecht. Aber kann das nicht auch anders gehen? 

Jesus antwortete: »Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben! Ohne mich kann niemand zum Vater kommen. (Johannes 14,6)

Ich würde sagen: Ja!


Das Konzert endet und wieder einmal stelle ich für mich fest, dass eine Kirche für mich nur ein Gebäude ist.


Und mir wird bewusst:


Mein Glaube braucht kein hohes, steriles Gebäude, sondern andere Menschen und die Gemeinschaft, Verbundenheit und Liebe zu unserem Vater Gott und Jesus, seinem Sohn. 


Liebe Grüße,

Freya

Rise up and shine!


Wer sich für die Kirche interessiert, kann sie sich hier anschauen. https://www.raphael-bremen.de/kirchen-und-einrichtungen/ein-gang-durch-die-kirche-st-hedwig/


1 Kommentar


Christian
28. Okt.

Vielen Dank Freya für deinen Beitrag der mir mal wieder das Wesentliche vor Augen geführt hat: Gott lebt nicht in menschengemachten Tempeln sondern in unseren Herzen, wo wir uns als Menschen begegnen, verstehen, helfen und unterstützen. Ich wünsche dir noch eine schöne und gesegnete Woche - liebe Grüße - Christian

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