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Taufe, Brot & Wein - nur Symbole oder was steckt dahinter?

Heutzutage gibt es viele unterschiedliche christliche Gemeinden auf der ganzen Welt und jede Gemeinde gestaltet ihre Zusammenkünfte etwas anders - ob es nun das wöchentliche Teilen von Brot und Wein ist, oder das gemeinsame Fürbitten-Sprechen am Ende… Die Schwerpunkte werden unterschiedlich gelegt.


Wenn man sich näher damit auseinandersetzt, merkt man, dass einen ziemlich viel verbinden kann. Aber man erfährt auch einige Unterschiede, beispielsweise in der Umsetzung von Symbolen oder Traditionen und man beginnt unter Umständen, sich selbst zu hinterfragen: Wieso machen wir es bei uns eigentlich so und nicht anders?


Ich möchte in diesem Beitrag daher auf zwei Symbole eingehen, die uns Jesus (als der “Begründer des Christentums”) mitgegeben hat und auf die einige Christen möglicherweise mehr Wert legen, die anderen weniger.



Die Taufe


Zunächst ist mir dabei die Taufe eingefallen. Jesus selbst wurde getauft und trug seinen Jüngern anschließend auf:

“Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet allen Menschen die rettende Botschaft. Wer glaubt und sich taufen lässt, der wird gerettet werden [...]” (Markus 16,15-16)

Demnach ist der Glaube an Gott, als dem Schöpfer der Welt, und an Jesus, als den Erretter, essentiell für unsere Errettung (was auch logisch erscheint, denn wer nicht daran glaubt, dass es eine Errettung gibt, der will sie folglich auch gar nicht für sich in Anspruch nehmen). Die Taufe soll demnach einen symbolischen Anfang eines neuen Lebensabschnittes mit Gott und Jesus darstellen; allein schon das Event der Taufe ist demnach sogar eine Art Verkündigung!


Übrigens: Erst wird der Glaube genannt, dann die Taufe. Somit schließt sich für mich eine Babytaufe aus - da Babys sich nicht aktiv dazu entscheiden können, ihren Weg in Zukunft mit Jesus zu gehen.


Aber das nur am Rande.


Schauen wir weiter, welches Symbol wir noch finden können:



Brot und Wein

“Jesus nahm einen Becher mit Wein, sprach das Dankgebet und sagte: »Nehmt diesen Becher und trinkt alle daraus! Ich sage euch: Von jetzt an werde ich keinen Wein mehr trinken, bis Gottes Reich gekommen ist.« Dann nahm er ein Brot. Er dankte Gott dafür, brach es in Stücke und gab es ihnen mit den Worten: »Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Feiert dieses Mahl immer wieder und denkt daran, was ich für euch getan habe, sooft ihr dieses Brot esst!« Ebenso nahm er nach dem Essen den Becher mit Wein, reichte ihn den Jüngern und sagte: »Dieser Becher ist der neue Bund zwischen Gott und euch, der durch mein Blut besiegelt wird. Es wird zur Vergebung eurer Sünden vergossen.“ (Lukas 22,17-20)

Jesus bittet darum, dass wir uns an ihn erinnern, in der Zeit nachdem er sich für uns opfert und anschließend in den Himmel aufsteigt; und wo er bleibt, bis es an der Zeit ist, Gottes Reich mit ihm als König anbrechen zu lassen.


Auf den ersten Blick sieht es wie die Aufforderung zu einem Ritual aus, welches man immer wiederholen soll. Dabei kann möglicherweise die Gefahr aufkommen, dass es nach mehrmaligem Wiederholen möglicherweise an Wichtigkeit verliert - so wie es oft mit Dingen passiert, die man irgendwann “aus dem Effeff” macht.


Ich persönlich versuche, mir bei meiner Teilnahme an einem “Gedächtnismahl” vor Augen zu führen, was damals eigentlich passiert ist und wie Jesus sich gefühlt haben muss: all die Angst, der Schmerz, die Erniedrigung. Er muss sich von allen verlassen gefühlt haben, einschließlich von seinen Jüngern wie Petrus oder Judas, die über Monate mit ihm umhergezogen sind und ihn, als es darauf ankam, verleugnet bzw. verraten haben.


Gleichzeitig wusste er aber, dass dies Teil von Gottes Plan ist, was er sich kurz vor seiner Festnahme auch selbst nochmal vor Augen geführt hat:

“»Vater, wenn es dein Wille ist, dann lass diesen bitteren Kelch des Leidens an mir vorübergehen. Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen.« Da erschien ein Engel vom Himmel und gab ihm neue Kraft. Jesus litt Todesängste und betete so eindringlich, dass sein Schweiß wie Blut auf die Erde tropfte.” (Lukas 22,42-44)

Weiterhin versuche ich, mich beim Gedächtnismahl darauf zu fokussieren, was das “zu Gott gehören” eigentlich für mich bedeutet: Egal, wie mein jetziges Leben verläuft, solange ich an Gott und Jesus glaube und “dazugehören” will, werde ich auch mit ins Königreich kommen!


Dass ich das jetzige Leben mit solch einer Hoffnung erleben kann, lässt mich sehr dankbar sein. Diese Hoffnung kann mir in dunklen Stunden eine andere Perspektive geben, und wenn ich mich (an Tiefpunkten) frage: “War das etwa schon alles?”, kann ich mir selbst die folgende Antwort geben: Nein! Das Beste kommt erst noch! Auch wenn ich es mir jetzt noch nicht so recht vorstellen kann. Aber ich glaube, dass ich Gott vertrauen kann, dass es wunderbar werden wird. (Wen es interessiert, der kann an folgenden Stellen nachlesen, wie das Königreich sein wird: Johannes 14,2-3; 1. Korinther 2,9; Jesaja 65,25 und Offenbarung 21,3-4.)



Schon jetzt wie im Königreich


Und weil ich ein Teil dieser wunderbaren, neuen Welt sein möchte, versuche ich schon jetzt, mein Handeln darauf auszurichten, dass diese Welt schon vor ihrem tatsächlichen Anbruch sichtbar werden kann - wie ein erleuchtetes Fenster eines Hauses in einer dunklen Winternacht.


Das kann ich anstreben, indem ich versuche, die beiden wichtigsten Gebote Gottes in meinem Alltag umzusetzen:

“›Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand.‹ Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ebenso wichtig ist aber ein zweites: ›Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.‹ Alle anderen Gebote und alle Forderungen der Propheten sind in diesen beiden Geboten enthalten.” (Matthäus 22,36-40)

Fun Fact: Dieses sogenannte Doppelgebot der Liebe wurde bereits im Alten Testament erwähnt - als das Volk Israel auch noch die unzähligen anderen Regeln zu befolgen hatten (5. Mose 6,4-5 und 3. Mose 19,18).


Weiterführende Gedanken zum Doppelgebot der Liebe und wie die vielen Regeln in der Bibel damit zusammenhängen findet ihr in Daniels Beitrag “Zu viele Regeln”: https://www.leben-einfach-biblisch.de/post/zu-viele-regeln



Meine Motivation


Bei der Umsetzung dieser Gebote lege ich großen Wert auf die für mich persönlich richtige Motivation hinter meinen Handlungen: Nicht dies ist meine Motivation: “Ich halte mich an die Gebote, damit ich am Ende Teil des Reiches Gottes sein darf.” Niemand wird aus eigener Leistung jemals so gut sein, dass es den Eintritt ins Reich Gottes rechtfertigen könnte! Das wäre Leistungs-Denken: Ich muss etwas leisten, damit ich erlöst werde. Sondern wir müssen erkennen und uns immer vor Augen halten, dass nur Gottes Gnade uns dorthin bringen kann, nicht wir selbst:

“Er hat uns gerettet und uns dazu berufen, ganz zu ihm zu gehören. Nicht etwa, weil wir das verdient hätten, sondern aus Gnade und freiem Entschluss. Denn schon vor allen Zeiten war es Gottes Plan, uns in seinem Sohn Jesus Christus seine erbarmende Liebe zu schenken.“ (2. Timotheus 1,9)

Meine Motivation zu meinen Handlungen sollte daher diese sein: Ich möchte mich aus Dankbarkeit (für Gottes Gnade, die ich trotz meiner Imperfektion erhalte) an diese Gebote halten - weil ich schon jetzt Gottes Reich auf dieser Welt durchscheinen lassen und dadurch Menschen zeigen möchte, wie toll es in Zukunft sein kann, wenn jeder Gott und seinen Gegenüber von ganzem Herzen liebt - und auch dementsprechend handelt.


An dieser Stelle sei gesagt, dass ich dabei unglaublich oft versage! Aber es ist mir ein Herzensanliegen, es immer wieder zu versuchen. Aus Dankbarkeit.



Gott wird durch Symbole verkündigt


Die Taufe und das Gedächtnismahl sind daher beides Symbole, die Jesus uns aufgetragen hat, damit wir Gott durch unser Leben verkündigen (Taufe), und uns daran erinnern, wie unsere Erlösung angefangen hat (mit Jesus) und wohin sie gehen wird (ins Königreich Gottes) - wenn wir es nur wollen.


Deshalb stehen diese beiden Symbole für mich persönlich ganz oben auf der Symbol-Skala. Damit möchte ich nicht sagen, dass alle anderen Symbole, Rituale oder Gewohnheiten, die nicht direkt von Jesus an seine Jünger und durch die Bibel auch uns weitergegeben wurden, kompletter Schwachsinn und gefälligst zu unterlassen sind - solange bei ihrer Verwendung die Liebe an Gott und die Mitmenschen noch immer an erster Stelle stehen können und sie nicht auf Kosten von Traditionen in Mitleidenschaft gezogen werden! In diesem Fall haben Traditionen ihr Ziel schlicht und einfach verfehlt und sollten überdacht werden.


Vielleicht fallen euch noch weitere Symbole ein, die Jesus uns mitgegeben hat, mit deren Hilfe wir Gottes Plan sichtbar machen können?


Hinterlasst eure Kommentare gerne unter diesem Beitrag. Ich bin gespannt!


Eure Hannah-Mi <><



Gelegentliche Gastbeitrag-Schreiberin, hat grundsätzlich eine positive Einstellung, mag tiefsinnige Gespräche, liebt es, zu lachen, fühlt sich Gott in der Natur am nächsten, teilt die Ansicht 'Gemeinschaft ist trotz Unterschiede möglich' und lebt mit Mann und 2 Katzen in Schottland.

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