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  • Daniel

Das Dankbarkeitsparadoxon

Es war mal wieder so weit: Noch zwei Wochen, bis ich mit dem nächsten Blogbeitrag dran war. Noch keine wirkliche Idee … aber ich schreibe ja auch eh lieber über Dinge, die mich aktuell bewegen, als über solche, die mich vor 2 Wochen bewegt haben.


Dann noch eine Woche … immer noch keine zündende Idee. Aber langsam wird die Zeit knapp. Also mal gründlich überlegen, was mich aktuell so beschäftigt …

Leere.


So sehr ich auch versuchte etwas zu finden, was sich als Thema für diesen Beitrag eignet, mir wollte partout nichts einfallen. Gut, einige Fragen, die mich beschäftigten, gab es schon. Aber ich hätte vermutlich erst Theologie studieren und dann noch in 2 Tagen auf 40 weitere Jahre Lebenserfahrung vorausgreifen müssen, um auch nur ein paar ansatzweise zufriedenstellende Überlegungen dazu zu Papier bzw. zu HTML bringen zu können.


Aber da musste doch etwas gewesen sein … irgendein Erlebnis mit Gott … irgendeine überraschende Segnung in letzter Zeit, von der man berichten könnte. Also fing ich an noch einmal anders an über die letzten Wochen nachzudenken, und zwar mit der Frage: Wofür bin ich dankbar?


Dinge, die dankbar machen, müssten doch Dinge sein, die mich näher zu Gott gebracht haben … Wenn ich jemandem dankbar bin dafür, was in meinem Leben passiert, dann ja vor allem Gott … Dankbarkeit ist ja auch gerade ein großes gesellschaftliches Thema … Selbst in der Klatschpresse gibt es inzwischen Ratgeber, wie man mit einfachen Dankbarkeitsübungen zu mehr Lebensqualität kommt … Wem sind eigentlich Leute dankbar, die nicht an Gott glauben? ... Kann man zu positiver Psychologie Parallelen in der Bibel finden? … Was sagt die Bibel zu Dankbarkeit? … Wie definieren Psychologen eigentlich Dankbarkeit? …


Ohne es zu merken war ich hinausgetrieben auf einen Ozean voller interessanter Gedanken. Und schon hätte ich ein tolles und interessantes Blog-Thema gehabt … wenn nicht Lea das Ganze 2021 schon einmal behandelt hätte.


Zur Theorie und aktuellen Forschung zum Thema Dankbarkeit verlinke ich euch deshalb hier einfach noch mal Leas Artikel von 2021. Und trotzdem möchte ich heute noch ein paar Gedanken dazu mit euch teilen, da mir beim erneuten Nachsinnen über Dankbarkeit besonders ein Punkt ins Auge gesprungen ist, der mir sehr am Herzen liegt.


Sehr verkürzt zusammengefasst kann man erstmal sagen, dass Dankbarkeit erwiesenermaßen zu einem glücklicheren und zufriedeneren Leben beiträgt, psychischen Erkrankungen, wie z.B. Depressionen, vorbeugen und teilweise sogar zur Besserung organischer Erkrankungen beitragen kann. Dazu liest sich zum Beispiel einiges Interessantes in diesem Artikel des Wissenschaftsmagazins Spektrum.



Natürlich finden sich auf der anderen Seite auch in der Bibel dutzende Verse zu Thema Dankbarkeit. Wie es der Zufall (?) will, habe ich mich erst kürzlich mit einem davon näher auseinandergesetzt:

„Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.“ (Philipper 4,6+7)

Was für eine Aussage: Die Konsequenz von Dankbarkeit gegenüber Gott ist Frieden, der allen Verstand übersteigt! Ich denke alle, die ab und zu in der Bibel lesen, kennen diese Momente, in denen man eine Stelle liest, die man schon zigmal gelesen hat, und plötzlich ganz andere Aspekte hervorstechen als alle anderen Male zuvor.


Erst kürzlich habe ich diese Stelle auf eine besondere Weise bearbeitet, indem ich ein Chorstück darüber für unsere letzte Gemeindefreizeit geschrieben habe. Dort lag mein Fokus auf dem übergeordneten Thema der Freude, das die ganze Passage prägt. Dabei waren mir natürlich auch Aspekte wie der resultierende Frieden oder die Aufforderung, sorglos zu sein, ins Auge gesprungen, die allesamt so wunderbar positiv sind. Aber erst bei der Recherche für diesen Beitrag ist plötzlich für mich die Dankbarkeit besonders hervorgestochen und zudem der fast schon kausale Zusammenhang, der hier von Paulus aufgebaut wird. Paulus – ihr Fachmann für positive Psychologie im ersten Jahrhundert 😉


Aber kommen wir zu dem Punkt, auf den ich hinaus möchte. Bei dieser Textstelle könnte es schnell wirken, als ginge es hier um einen attraktiven Handel: Ich gebe Dankbarkeit und im Gegenzug bekomme ich Frieden und Freude. Das hier ist aber nicht „Die Siedler von Catan“, wo ich mit etwas Glück ein Erz für drei Schafe bekomme, wenn ich lang genug bettele, weil ich blöd gebaut hab. Und allgemein klingt es doch falsch, dass ich für meine Dankbarkeit gegenüber Gott irgendetwas zurückerhalten sollte …


In manchen anderen Stellen klingt es folglich auch so, als wäre Dankbarkeit eine erforderliche, aber rein einseitige Angelegenheit:

„Deshalb lasst uns, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, dankbar sein, wodurch wir Gott wohlgefällig dienen mit Scheu und Furcht!“ (Hebräer 12,28)

Oder hier:

„Freut euch allezeit! Betet unablässig! Sagt in allem Dank! Denn dies ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ (1. Thessalonicher 5,16-18)

Gott will also, dass wir dankbar sind. Und wer könnte es ihm verwehren? Er hat uns geschaffen, er hat uns in eine Welt gesetzt, die ein reines Paradies sein könnte (wenn wir nicht wären) und er hat sogar aus eigenem Antrieb einen Weg für uns geschaffen, wie wir vor ihm bestehen und in Ewigkeit mit ihm leben können. Kann er dafür nicht allemal verlangen, dass wir dankbar sind? Und ist es nicht geradezu frech, für unsere Dankbarkeit auch noch eine Gegenleistung zu erwarten? Man könnte unsere Situation ja problemlos so zusammenfassen: Wir nichts, er Gott.


Aber das wunderbare ist: Obwohl er jedes Recht dazu hätte, ist Gott nicht so! Und das ist es, was mir bei meinen Überlegungen zum Thema Dankbarkeit mal wieder ein fassungsloses Kopfschütteln bereitet hat. Ich entschuldige mich an dieser Stelle, weil wir jetzt zu einem meiner Lieblingsthemen kommen, zu dem ich sicher schon unzählige Male etwas geschrieben oder erzählt habe. Aber es versetzt mich immer wieder in ehrfürchtiges Staunen und daher schreibe ich es gerne auch noch zum hundertsten Mal!


Was die Gläubigen vor 2000 Jahren höchstens subjektiv erleben konnten, ist heute sogar empirisch nachweisbar: Dankbarkeit macht UNS glücklich! Die Betonung liegt hier auf UNS. Natürlich macht Dankbarkeit auch Gott glücklich, sofern er es ist, dem wir dankbar sind. Aber auf eine geniale Art und Weise hat Gott es (mal wieder) so eingerichtet, dass wir uns am Ende selbst etwas Gutes tun, wenn wir tun, was er sich wünscht – ihm dankbar sein!


Immer und immer wieder bleibe ich daran hängen, dass Gott uns Gebote gibt, die auf den ersten Blick ebenso gut die Gebote eines weltlichen Herrschers sein könnten: „Seid mir dankbar!“ Aber dort, wo jeder weltliche Herrscher, egal ob er Nebukadnezar oder Putin heißt, dies aus reinem Eigennutz und Selbstverliebtheit einfordern würde, tut Gott es, weil er weiß, dass es uns guttut. Er ist der Schöpfer des Alls, ihm gebührt alle Ehre und aller Dank und trotzdem dreht er selbst das noch in etwas für uns.


Mit diesem Gedanken möchte ich euch in die neue Woche entlassen 😊 Ich für meinen Teil werde versuchen, wieder mehr Augenmerk auf Dankbarkeit zu legen – vor dem Hintergrund dieses Beitrags nicht ganz uneigennützig 😉. Aber ich tu es in dem Wissen, dass Gott in seiner Liebe eingerichtet hat, dass meine ehrliche Dankbarkeit ihm gegenüber mir Frieden bescheren kann, der allen Verstand übersteigt. Der Verstand darf dann zur Abwechslung auch mal Pause machen und dem Staunen Platz machen.


Gottes Segen und bis zum nächsten Mal!


Euer Daniel


Foto von Priscilla Du Preez auf Unsplash

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