• Daniel

Zusammen ist man weniger allein

Seit über 2 Jahren schreiben wir nun diesen Blog. Ein großes Dankeschön an alle, die regelmäßig reinschauen! Ich denke ich spreche für alle Autoren hier, wenn ich sage, dass wir hoffen, dass ihr immer wieder etwas mitnehmen könnt aus dem, was wir so schreiben. Wir hoffen, dass es euch auf die eine oder andere Weise hilft, erbaut, zum Nachdenken anregt und somit auf eurem Weg begleitet – was auch immer der Weg sein mag oder wo auch immer er gerade hinführt.


Ich spreche auch für alle, wenn ich sage: Dieser Blog ist auch für uns, denn er begleitet auch uns auf unserem Weg – auf dem Weg, eine Gemeinde zu bauen!


Vielleicht erinnern sich noch einige von euch an unseren ersten Beitrag (falls nicht, schaut gerne noch mal rein 😉), in dem wir versucht haben, mit wenigen Worten zusammenzufassen, was dieser Blog für uns ist. Neben der offensichtlichen Aufgabe, uns und andere mit unseren Gedanken und Erlebnissen aufzubauen oder auch mal herauszufordern, ist er für uns auch ein ganz praktisches erstes gemeinsames Projekt: Ein (virtueller) Ort, an dem wir Autoren einen Vorgeschmack darauf bekommen, was es heißt, zusammen zu arbeiten, um ein großes Projekt umzusetzen. Und damit ist der Blog hier ein wunderbares Bild auf unsere zukünftige Gemeinde: Ein Ort, der für uns ist, aber noch mehr für andere!


Warum schreibe ich das heute, wo wir uns doch nun schon ein gutes Stück weit im dritten Blog-Jahr befinden und das Jubiläum längst verstrichen ist? Weil heute Pfingst-Montag ist! Und neben den offensichtlichen und bekannten Wundern, die an Pfingsten vor rund 2000 Jahren geschehen sind, ist vor allem eines passiert: eine Gemeinde wurde gegründet.



Bereits die Geschehnisse an Pfingsten selbst zeigen die zwei Pfeiler, die das Grundgerüst einer jeden Gemeinde sein sollten: Gemeinschaft und Verkündigung.

„Die nun sein Wort aufnahmen, ließen sich taufen; und es wurden an jenem Tag etwa dreitausend Seelen hinzugetan. Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten.“ (Apostelgeschichte 2,41+42)

Nachdem die Apostel – allen voran Petrus, aber auch viele andere – eindrücklich die frohe Botschaft verkündet hatten, ließen sich noch am gleichen Tag 3000 Menschen taufen. Natürlich war das ein absolutes Ausnahme-Event! Aber es zeigt, was eine kleine Gruppe von (weltlich betrachtet völlig unbedeutenden) Menschen erreichen kann, wenn sie mit Gott unterwegs ist. Und es zeigt auch: Gott hat zwar durch seinen Geist bei der Vermittlung geholfen (vgl. Apostelgeschichte 2,1-8), aber die Botschaft brauchte kein weiteres Eingreifen – sie hatte genug Kraft, um selbstständig mehrere Tausend Menschen innerlich so zu bewegen, dass sie innerhalb eines Tages einen ganz neuen Weg für ihr weiteres Leben einschlugen.


Und noch etwas fällt mir heute beim Lesen besonders auf: All das war nur möglich, weil alle „an einem Ort beisammen“ (Apostelgeschichte 2,1) waren. Das ist die Kraft, die eine Gemeinde haben kann! 😊 So ist die erste Gemeinde entstanden und so entwickelte sie sich auch ab dem Zeitpunkt weiter:

„Alle Gläubiggewordenen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer bedürftig war. Täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen zu Hause das Brot, nahmen Speise mit Jubel und Schlichtheit des Herzens, lobten Gott und hatten Gunst beim ganzen Volk.“ (Apostelgeschichte 2,44-47)

An diesen Versen sind gleich mehrere Dinge interessant:


Zuerst fällt wieder auf, dass alle Gläubiggewordenen beisammen waren. Direkte Gemeinschaft scheint ein Kernelement der ersten Gemeinde gewesen zu sein, das maßgeblich zur Freude aller aber auch zur Wirkkraft der Gemeinde beitrug. Genau da wollen auch wir hin: eine Gemeinde für uns und für andere.


Der zweite Aspekt löst bei dem ein oder anderen vielleicht akute Bauchschmerzen aus: Die Mitglieder der ersten Gemeinde haben all ihren Besitz in einen Topf geschmissen und gemeinsam davon gelebt. Erst mal vorweg: Nein, das ist nicht, was wir vorhaben 😉 Ich denke die Umstände haben sich in den letzten 2000 Jahren stark verändert und unter anderem unser gutes Sozialsystem in Deutschland trägt dazu bei, dass niemand mehr ganz ohne Mittel dastehen muss und völlig auf die Unterstützung der Gemeinde angewiesen ist. Trotzdem finde ich diesen Punkt höchst spannend, da er zum einen zeigt, wie viel Leidenschaft und Überzeugung die ersten Glaubensgeschwister an den Tag gelegt haben müssen, und andererseits herausfordert, die eigenen Prioritäten zu hinterfragen. Gerade heute und in einem reichen Land wie Deutschland ist für mich persönlich die Frage sehr relevant, wie sehr ich eigentlich an meinem ganzen Besitz hänge und ob das eigentlich noch gesund und in Gottes Sinn ist …


Als dritter Punkt ist mir das Wort „täglich“ ins Auge gesprungen. Unsere bisherige Gemeindestruktur mit vielen Kilometern zwischen den einzelnen Geschwistern macht eine tägliche Gemeinschaft unmöglich. Da schafft leider auch die modernste Technik keine Abhilfe. Auch in Zukunft wird es nicht so sein, dass wir wortwörtlich täglich zusammenkommen werden. Aber in einer Stadt mit einem festen Gemeinderaum und wenigen Fahrradminuten zwischen uns, wird die Gemeinde viel stärker Teil unseres Alltags werden, als sie es für uns jemals war. Darauf freue ich mich ungemein!


Zwei weitere Begriffe, die mich immer wieder ansprechen, wenn ich die Verse 44 bis 47 lese, sind „Jubel“ und „Schlichtheit des Herzens“. Für mich drückt sich hier genau der Charakter aus, der eine christliche Gemeinde ausmachen sollte. Wir glauben an und verkünden die frohe Botschaft – Jubel muss also unbedingt etwas sein, was man bei uns antrifft. Der Verweis auf die „Schlichtheit des Herzens“ holt uns aber gleichzeitig wieder auf den Boden zurück. Ja, wir haben eine wunderbare Botschaft, die wir gerne weitergeben wollen. Aber weder sollte uns das überheblich gegenüber unserer Umwelt machen („Wir haben etwas sehr Wertvolles, das ihr nicht habt!“), noch sollte man in unserer Gemeinde Gedanken von Überheblichkeit, Abfälligkeit, Neid, Schadenfreude oder sonst irgendetwas in der Richtung finden. Die Gefahr besteht heute genauso wie vor 2000 Jahren, wenn wir wirklich jeden willkommen heißen und folglich ein bunt gemischter Haufen von Menschen jeglichen gesellschaftlichen Standes, kulturellen Hintergrundes, Hautfarbe, etc. sind. „Jubel und Schlichtheit des Herzens“ – das klingt nach einer Gemeinde, von der ich ein Teil sein möchte! Und es klingt auch nach einer Gemeinde, die „Gunst beim ganzen Volk“ (Apostelgeschichte 2,47) finden könnte 😉


Ich finde es unglaublich inspirierend jetzt an Pfingsten noch einmal auf die erste Gemeinde zu blicken. Es ist für mich gleichzeitig ein Blick zurück und nach vorne. Während ich diesen Text geschrieben habe, habe ich mich selbst noch einmal motiviert, nicht müde zu werden und weiter an unserem Projekt zu arbeiten. Damals wie heute gilt dieselbe frohe Botschaft von Gottes Liebe zu uns, und damals wie heute möchte Gott Menschen benutzen, um nicht nur davon zu erzählen, sondern die Liebe auch ganz praktisch weiterzugeben. Das ist unser großes Ziel als Gemeinde vor Ort: Einen Raum für unser eigenes Wachstum und unsere Erbauung schaffen, aber vor allem auch Liebe praktisch in unserem Umfeld zu leben, auf eine Art, wie wir es als Gemeinde noch nie zuvor konnten.


Zusammen ist man eben weniger allein - das gilt sowohl für uns, die wir schon zur Gemeinde gehören wollen, als auch für alle, die noch auf der Suche sind nach einem Ort, wo sie sich theologisch und menschlich zuhause fühlen können. Und wenn Gott gefällt, was wir tun, schenkt er uns vielleicht sogar über die Jahre noch viel mehr Gemeinschaft, so, wie er es schon in den ersten Gemeinden begonnen hat:

„Der Herr aber tat täglich hinzu, die gerettet wurden.“ (Apostelgeschichte 2,47)

Gottes Segen und bis zum nächsten Mal,

Euer Daniel


Alle Bibelzitate stammen aus der Elberfelder Bibelübersetzung.


Photo by Helena Lopes on Unsplash

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