• Lea

Zur Ruhe kommen

An dem Montag, an dem ihr diesen Beitrag lest, startet für mich das neue Wintersemester. Nach den Semesterferien, die wie immer keine wirklichen Ferien waren, geht es jetzt wieder los – und das tatsächlich in Präsenz.


Die allermeisten in meinem Semester haben sich darüber nicht besonders gefreut. Der Vorteil an den Online-Veranstaltungen war, dass sich Studium und Arbeit in den meisten Fällen wunderbar miteinander verbinden ließen. Das ist jetzt vorbei und vor allem für diejenigen ein Problem, die entweder zur FH oder zu ihrer Arbeitsstelle eine längere Anfahrt haben.


Auch bei mir war es nicht gerade leicht, neben meinen Veranstaltungen an der FH auch meine 20 Arbeitsstunden sinnvoll in meinem Stundenplan unterzubringen. Und das Ergebnis hat auch bei mir keine Vorfreude auf das neue Semester ausgelöst, sondern vor allem eins: Stress. Und das schon bevor der eigentliche Stress überhaupt angefangen hat.


Das liegt vor allem daran, dass mein letztes Semester einer der stressigsten Zeitabschnitte war, die ich bisher erlebt habe. Zugegebenermaßen zähle ich auch einfach zu den Menschen, die anfällig für Stress sind. Es gibt bestimmt viele unter euch für die eine Woche mit 50 – 60 Stunden Arbeitsaufwand aus Studium und Job gut zu verkraften wäre. Aber ich habe gelernt, dass ich damit auf Dauer an meine Grenzen stoße. Vor allem, da sich der Großteil meines Stresses nicht in meinem Terminkalender, sondern in meinem Kopf abspielt.


Deswegen habe ich mir ein paar Gedanken dazu gemacht, wie mein Glaube mir in stressigen Zeiten helfen kann (oder in der Vergangenheit schon geholfen hat) und welche Hilfsmittel uns die Bibel an die Hand gibt, um Ruhe zu finden. Diese Gedanken möchte ich heute gerne mit euch teilen.




Wie Gott Ruhe verschafft


Sucht man nach dem Begriff Ruhe in der Bibel, findet man ihn über 100 Mal. Der Begriff zieht sich durch das Alte und Neue Testament. Im Alten Testament ist damit vor allem die Abwesenheit von Krieg und Bedrängung durch die Feinde des Volkes Israel gemeint. Wir lesen davon, wie Gott den Israeliten immer wieder Ruhe verschafft hat. Zunächst indem er die Israeliten in das verheißene Land gebracht hat:

„Denkt an das Wort, das Mose, der Knecht des HERRN, euch geboten hat, indem er sagte: Der HERR, euer Gott, schafft euch Ruhe und gibt euch dieses Land!“ (Josua 1, 13)
„Und so nahm Josua das ganze Land ein, ganz wie der HERR zu Mose geredet hatte. Und Josua gab es Israel zum Erbteil, nach ihren Abteilungen, entsprechend ihren Stämmen. Und das Land hatte Ruhe vom Krieg.“ (Josua 11, 23)

Aber auch, nachdem Israel in Kanaan eingezogen war, war ihre Ruhe nicht endgültig. Sie wurden immer wieder von den Völkern ringsumher bedrängt. Und immer wieder verschaffte Gott ihnen Ruhe vor ihren Feinden.

„So musste sich Midian vor den Söhnen Israels beugen und konnte sein Haupt nicht mehr erheben. Und das Land hatte in den Tagen Gideons vierzig Jahre Ruhe.“ (Richter 8, 28)
„Und es geschah, als der König [David] in seinem Haus wohnte und der HERR ihm Ruhe verschafft hatte vor allen seinen Feinden, ...“ (2. Samuel 7, 1)

Genau wie die Israeliten damals können auch wir mit Gottes Hilfe Ruhe finden. Auch wenn wir es in den meisten Fällen mit einer ganz anderen Art von Bedrängnissen zu tun haben.

„Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben.“ (Matthäus 11, 27)

Dass Gott auch uns Ruhe verschafft, bedeutet nicht immer, dass auf wundersame Weise alle unsere Stressfaktoren verschwinden. Manchmal passiert das, aber eben nicht immer. Doch auch für diese Situationen finden wir in der Bibel ganz praktische Hilfen, die uns im Umgang mit Stress helfen können. Auf drei dieser Hilfsmittel möchte ich hier etwas genauer eingehen.



1. „Betet unablässig!“ (1. Thessalonicher 5, 17)


Fangen wir mal mit dem wohl offensichtlichsten Hilfsmittel an, das uns geschenkt wurde: das Gebet. Wir werden aufgerufen unablässig zu beten und ich glaube, dass wir uns vor allem in stressigen Phasen bewusst Zeit dafür nehmen sollten.


Für mich persönlich ist Gebet mit das wirksamste Mittel gegen Stress. Auch bevor ich angefangen habe, diesen Beitrag zu schreiben, hatte ich wieder ein starkes Gefühl von innerer Unruhe mit Blick auf den Semesterstart und all die Dinge, die ich noch erledigen wollte, bevor ich keine Zeit mehr dazu habe. Also habe ich gebetet. Eine halbe Stunde lang habe ich Gott von meinen Sorgen erzählt und konnte sie bei ihm ablegen.


Wenn man darüber nachdenkt, ist Gebet wirklich eine komische Sache. Niemand von uns hat Gott jemals etwas erzählt, was er nicht schon wusste, aber trotzdem kann es für uns so unglaublich befreiend sein, diese Dinge bei ihm loszuwerden. In gewisser Weise sind Gebete für uns eine Erinnerungsstütze dafür, dass Gott von unseren Sorgen weiß, dass er sie mit uns trägt und wir sie loslassen können.


Als ich mir also meinen Frust von der Seele geredet hatte, schenkte Gott mir den Gedanken daran, dass ich darauf vertrauen darf, dass er weiter in meinem Leben wirken wird und mich in der kommenden Zeit unterstützen und mir die Kraft geben wird, die ich brauche, um gut in das Semester zu starten. Mit dieser neuen Gewissheit konnte ich „Amen“ sagen.



2. „Sagt in allem Dank!“ (1. Thessalonicher 5, 18)


Wie ich schon in meinem Beitrag zum Thema Dankbarkeit vom 28.06.2021 geschrieben habe, soll bewusst praktizierte Dankbarkeit unter anderem gegen Stress helfen. Nach über drei Monaten Dankbarkeitstagebuch-Schreiben kann ich dazu jetzt sagen: Es funktioniert!


Mir (fast) jeden Tag bewusst darüber Gedanken zu machen, wofür ich Gott dankbar sein kann, hat mir mit der Zeit mehr und mehr die Augen dafür geöffnet, Gottes Wirken in meinem Leben zu erkennen. Nachdem ich vorher lange Zeit mehr oder weniger blind für diese Dinge war, hat mir mein Dankbarkeitstagebuch dabei geholfen, mehr von den kleinen „Zufällen“ im Alltag wahrzunehmen, die mir zu Gute kommen und auf Gottes Hand zurückzuführen sind. Aber wie hilft das im Zusammenhang mit Stress?


Meine Einträge in meinem Dankbarkeitstagebuch habe ich meistens abends geschrieben. Das hat mir dabei geholfen mit einem guten Gefühl ins Bett zu gehen und einschlafen zu können, ohne einem nicht enden wollenden Gedankenkarussell ausgeliefert zu sein. Das hat zwar nicht in jeder Nacht funktioniert, aber die guten Nächte haben eindeutig überwogen 😉 Andere Menschen berichten davon, die Einträge am liebsten morgens zu schreiben, um direkt mit einer positiven Einstellung in den Tag zu starten. Auch das klingt für mich nach einer guten Idee.


Das größere Bewusstsein für die kleinen Freuden des Alltags hat mir in den letzten Monaten auch immer wieder mitten am Tag ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert und dabei geholfen, insgesamt etwas Positiver zu denken. Ich habe gelernt, Dinge wertzuschätzen, über die ich vorher hinweggesehen habe und das möchte ich nicht mehr missen.


Außerdem hat es mir neues Vertrauen in Gottes Wirken geschenkt. Denn seitdem ich mehr und mehr erkenne, an wie vielen Stellen Gott in meinem Leben wirkt, fällt es mir auch leichter, darauf zu vertrauen, dass das auch in Zukunft so sein wird.


Das soll nicht heißen, dass ihr euch alle ein Dankbarkeitstagebuch zulegen müsst, um euren Stress zu bekämpfen. Aber ich kann euch auf jeden Fall empfehlen, euch öfter mal die Zeit zu nehmen, darüber nachzudenken, wofür ihr dankbar sein könnt. Mir hilft es dabei, die Dinge aufzuschreiben - auch um hin und wieder mal zurückzublättern und staunend festzustellen, wie viel mittlerweile zusammengekommen ist. Aber für diejenigen, denen das nicht liegt, gibt es bestimmt auch andere Möglichkeiten mehr Dankbarkeit in den Alltag zu integrieren.



3. „Denkt an den Sabbattag, um ihn heilig zu halten.“ (2. Mose 20, 8)


Denke ich, dass wir als Christen heute noch verpflichtet sind, den Sabbat zu halten? Nein. Aber ich glaube, dass wir aus dem Prinzip des Sabbats viel lernen können. Denn auch das Sabbatgebot ist keineswegs ein Gebot, dass von Gott zum Selbstzweck eingeführt wurde. Ganz im Gegenteil: Wie auch seine anderen Gebote, verfolgt das Sabbatgebot den Zweck, dass es uns dadurch besser geht. Oder wie Jesus es ausdrückt:

„Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“ (Markus 2, 27)

Es ist ein bisschen so, wie wenn unsere Eltern uns sagen, dass es keine gute Idee ist, sich nur von Süßigkeiten zu ernähren. Wenn wir dann nach 3 Tafeln Schokolade und einer Tüte Bonbons mit Bauchschmerzen im Bett liegen, fällt uns auf, dass es tatsächlich einfach nicht gut für uns ist. An Stelle von Süßigkeiten warnt uns das Sabbatgebot davor, uns zu überarbeiten. Was wir aus dem Sabbatgebot lernen können, ist deswegen ganz simpel: Wir Menschen brauchen Pausen.


Wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, finde ich es wenig überraschend, dass Gott extra ein Gebot dafür einführen musste, um uns das klar zu machen. Ich persönlich neige auch dazu, mich im hektischen Alltagstrubel zu verlieren ohne mir eine Pause zu gönnen oder meine „Pausen“ mit Aktivitäten zu füllen, die mir auch keine Ruhe verschaffen.


Das Prinzip des Sabbats ist im Grunde sehr einfach, aber kann sehr wirkungsvoll sein. Ein freier Tag in der Woche kann uns wieder neue Kraft für die nächste Woche schenken. Einen Sabbattag zu haben muss dabei nicht bedeuten, dass man den ganzen Tag nichts tut. Aber wir sollten uns bewusst Gedanken darüber machen, wie wir diese Zeit nutzen wollen. Gibt es Dinge, die euch Freude bereiten, aber für die ihr euch zu wenig Zeit nehmt? Das klingt nach einer guten Aktivität für einen Sabbattag. Habt ihr in der Woche zu wenig Zeit für eure Familie? Nutzt den Sabbat dazu, Zeit miteinander zu verbringen. Ein guter Maßstab könnte auch sein: Alles, was Stress auslöst, ist verboten.


Ich persönlich finde zum Beispiel auch die jüdische Tradition sehr passend, das Haus oder die Wohnung für den Sabbat vorzubereiten, indem aufgeräumt, geputzt und gespült wird, sodass für den Sabbattag alles bereit ist. Dass man dabei nicht jede Einzelheit aus der jüdischen Tradition befolgen muss, versteht sich hoffentlich wie von selbst. Aber wenn man wie ich zu den Menschen gehört, bei denen die Unordnung der eigenen Gedanken und der Wohnung in engem Zusammenhang stehen, kann diese „Sabbatvorbereitung“ bestimmt ein hilfreicher Schritt sein.


Was wir am Sabbat nicht vergessen sollten, ist diese gewonnene Zeit auch für Gott zu nutzen und uns auch für ihn an diesem Tag Zeit zu nehmen. Ich kenne auch einige Menschen, die aus diesem Grund den Sonntag zu ihrem persönlichen Sabbat gemacht haben, um sich voll und ganz auf Gott und die Gemeinde konzentrieren zu können.


Ich möchte auf jeden Fall in meinem nächsten Semester wieder darauf achten, mir einen Tag in der Woche frei zu halten und bewusst nur mit Aktivitäten zu füllen, die mir dabei helfen, wieder Kraft zu tanken. Vielleicht hat der ein oder andere von euch ja Lust mitzumachen.



Eine ewige Ruhe


Neben diesen Hilfen für den Alltag hält die Bibel natürlich auch noch etwas Langfristigeres bereit. Denn Gott hat den Israeliten nicht nur immer wieder seine Hilfe zugesagt, wenn sie in Bedrängnis waren, sondern er hat ihnen auch versprochen, dass es diese Bedrängnis irgendwann nicht mehr geben wird.


Das gleiche gilt auch für uns. Während die Hilfsmittel, die ich oben beschrieben habe, nur eine Hilfe in sowieso schon stressigen Zeiten sind, haben wir außerdem das Versprechen, dass wir eine Zeit erleben werden, in der es diesen Stress nicht mehr gibt. Mit Gottes Reich wird die ewige Sabbatruhe beginnen, die die Welt so dringend braucht und wir dürfen die Hoffnung haben, Teil davon zu sein. Auch das sollten wir nicht vergessen und uns immer wieder die Hoffnung vor Augen führen, dass unsere ewige Ruhe noch aussteht.

„Denn wenn Josua sie in die Ruhe gebracht hätte, würde er danach nicht von einem anderen Tag geredet haben. Also bleibt noch eine Sabbatruhe dem Volk Gottes übrig.“ (Hebräer 4, 8 + 9)


Bis zum nächsten Mal!

Eure Lea

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