verletzt
- Ingo

- 5. Jan.
- 5 Min. Lesezeit
Am Anfang des neuen Jahres möchte ich nochmal auf das gerade abgelaufenen Jahr zurückschauen.
Was war besonders schön?
Was bleibt?
Hat sich etwas verändert?
Konnte etwas verbessert werden?
Gab es Heilung?
Im November, also fast schon am Ende des Jahres, erlebte ich etwas Herausragendes – einen Glücksmoment.
Eine lange zurückliegende, schon gar nicht mehr präsente, eigentlich behandelte, seelische Verletzung heilte.
Gern möchte ich hier davon berichten. Dazu habe ich die Form des fiktiven Interviews gewählt. Ich führte quasi eine Befragung mit mir selbst durch.
Interview
Frage
Bevor wir von der eigentlichen Heilung erfahren, könntest du etwas über deine Verletzung erzählen?
Antwort
Vor ein paar Jahren konnten wir, zwei Freunde und ich, in offenen und ehrlichen Gesprächen die Gründe für unser Mistrauen und von ausbrechenden Streitigkeiten herausfinden. Wir fanden neues Verständnis füreinander, vergaben uns und konnten so wieder zu einem besseren Miteinander finden. Es war gut.
Manchmal fühlte ich ein Unbehagen. Es hatte etwa 20 Jahre gedauert, bis es zu einer Aussprache kam. Ich hatte das Gefühl, von meinen Freunden in Abwesenheit verurteilt worden zu sein. Ich konnte mich nicht verteidigen, nur über ihr distanziertes Verhalten wundern.
Diesem Gefühl ging ich nicht weiter nach. Ich freute mich über unseren erlangten Frieden. Mit der Zeit war das Unbehagen gar nicht mehr da. Die Verletzung war mir also nicht bewusst.
Frage
Wie konnte sie dann geheilt werden?
Antwort
Im Grunde wurde ich auf verschiedene Weise darauf vorbereitet und mein Inneres geöffnet.
Ein Freund sprach mit mir über seine Erfahrungen mit der Aufarbeitung seiner Kindheit. Die „innere Kind Arbeit“. Dabei horchte ich auch immer wieder in mich hinein. Belastet mich etwas?
Ein Gespräch mit einer Freundin brachte den Begriff „gesehen werden“ hervor. Sie wünschte sich in ihrem Leben mehr davon. So gesehen war es ein passendes Bild für Situationen, in denen man sich nicht in rechter Weise wahrgenommen fühlt. Da knackte vielleicht schon etwas in meiner Seele.
Frage
In welchem Zeitraum spielte sich das ab?
Antwort
Das war im Grunde zeitgleich in einer Woche.
Solche intensiven, offenen und persönlichen Gespräche führe ich in meinem Leben eher selten.
Frage
Wie ging es dann weiter?
Antwort
So gefüllt nahm ich am Ende der Woche an unserer Versammlung teil. Eine Glaubensschwester nahm das Thema Liebe der vergangenen Wochen auf und erweiterte es um den Begriff „Geist“. Wir können die Kraft Gottes in uns spüren. In einer Meditationszeit spürten wir gemeinsam die Nähe Gottes auf und suchten die Beziehung zu Jesus und Gott. Es war eine Gemeinschaftsstunde geprägt von Wahrhaftigkeit und Offenheit. Von Liebe.
Folgend berichtete ich über einen interessanten Beitrag, den ich auf BibelTV gesehen hatte.
Auf die Einzelheiten möchte ich hier aus persönlichen Gründen nicht weiter eingehen.
Nach einem kurzen Austausch meldete sich ein Glaubensbruder zu Wort und teilte mir sein Unbehagen darüber mit, dass gerade ich dieses Thema anspreche. Das tue ihm weh. Sofort ging ich verständnisvoll auf ihn ein. Ich beschrieb ihm, das es mir auch noch so ging wie ihm. Wir unterhielten uns auf Augenhöhe und mit Respekt füreinander.
Frage
Du möchtest hier nicht ins Detail gehen. Scheinbar willst du uns schildern, welche Situationen für dich wichtig waren?
Antwort
Genau. Es ist nicht einfach, ohne zu viel zu verraten, den Zusammenhang herzustellen. Die geschilderte Situation wird später am Abend noch fortgesetzt. Sie zeigte mir, wie ein offener Umgang möglich ist.
Frage
Passierte noch etwas an diesem Tag noch?
Antwort
Ja.
Die beiden Freunde, von denen ich vorhin sprach, nahmen auch an unserem Treffen teil. Der eine erzählte in einem persönlichen Austausch einige Gedanken von sich. Nachdem ich sie mit großem Interesse aufnahm, bat er mich, niemanden davon zu erzählen.
Kurze Zeit später erzählte uns der andere Freund in einer kleinen Runde etwas, was er noch niemanden von uns erzählt hatte.
Frage
Ihr hattet wirklich einen besonderen Gottesdienst Tag. Doch was haben diese beiden Schilderungen mit deiner Geschichte zu tun?
Antwort
Der Grund für unsere damalige Entfremdung war, dass ich Dinge ausgesprochen bzw. weitergegeben habe, die aus ihrer Sicht geheim bleiben sollten. Hier erlebte ich also ähnliche Situationen mit ihnen, wie vor vielen, vielen Jahren. Bei den aktuellen Schilderungen wurde ich daran erinnert.
Es beschäftigte mich auch noch am Abend. Ich bewegte es in meinen Gedanken und beließ es dann aber bei den Freunden.
Thematisch war ich also sehr nah bei meiner schlummernden Verletzung.
Frage
Und wie kam es dann zum Ausbruch?
Antwort
Am späten Abend schaute ich noch ein letztes Mal auf mein Handy. Oh da war noch eine ungelesene whatsapp Nachricht von meinem Glaubensbruder, den ich am Vormittag mit meinem Bericht verletzt hatte. Zunächst öffnete ich sie nicht. Ich befürchtete Schlimmes.
Kurz vor dem Schlafengehen gab ich mit einen Ruck und las die Nachricht.
Meine Angst war unnötig. Im Gegenteil. Er hatte es positiv wahrgenommen, dass er sein Gefühl des Unbehagens offen ansprechen konnte. Er drückte seine Dankbarkeit für meine offene und entgegenkommende Art aus. Er freute sich über meine Ehrlichkeit, mein Verständnis und mein Einfühlungsvermögen. Und dass wir so liebevoll miteinander umgehen. Das alles möchte er sich zum Vorbild nehmen, wenn er einmal in einer vergleichbaren Situation ist.
Puuh.
Ich war erleichtert und schlief mit einem Dankgebet ein.
Mitten in der Nacht wachte ich auf. Ich hatte das Gefühl, dass alles erleuchtet war. Und ein besonders heller Strahl leuchtete auf die Stelle meines Herzens, wo die Erlebnisse mit meinen Freunden verortet war. Die nicht ausgesprochene Verurteilung, das nicht gesehen werden war für mich als Verletzung nun deutlich präsent und sichtbar. Und wie durch ein Wunder heilte dieser laserhafte Lichtstrahl diese Wunde. Alles war wieder heil.

Dann wird mein Licht eure Dunkelheit vertreiben wie die Morgensonne, und in kurzer Zeit sind eure Wunden geheilt. Eure barmherzigen Taten gehen vor euch her, und meine Herrlichkeit beschließt euren Zug. (Jesaja 58,8)
Ein anderes Mal sagte Jesus zu den Menschen: »Ich bin das Licht für die Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Dunkelheit umherirren, sondern er hat das Licht, das ihn zum Leben führt.« (Johannes 8.12)
Anmerkung
Wow.
Wie schön ist das denn?
Frage
Was ist mit deinen Freunden. Steht da jetzt von dir eine Anklage im Raum?
Antwort
Nein, ganz und gar nicht. Ich möchte hier nur von meinen Gefühlen und Erlebnissen berichten. Und das möglichst abstrakt. Um es verständlich zu beschreiben, sind aus meiner Sicht die wahren Sachverhalte zu benennen ohne zu viel persönliches zu verraten.
Mir ist es wichtig dem Leser ein Beispiel für den Umgang mit seelischen Verletzungen zu geben, in der Hoffnung dass es eine Heilung bei ihm initiiert. Natürlich finde ich auch den Kontext wichtig und spannend, dass hier an einem Tag eine gewisse Fügung mit im Spiel war.
Frage
Meinst du wirklich, dass hier Gott und Jesus beteiligt waren?
Antwort
Das habe ich sie auch gefragt. Natürlich bekam ich keine direkte Antwort von ihnen. Das Zusammenspiel und die Gleichzeitigkeit der Ereignisse finde ich schon sehr wunderbar. Ich glaube das können sie beeinflussen. Damit greifen sie nur in mein persönliches Leben ein. Es hat so gut wie keinen Einfluss auf das Große und Ganze.
Auf jeden Fall bin ich Jesus und Gott wirklich dankbar für diese Führung und Fügung. Ich fühle mich sehr gesegnet und befreit.
Frage
Wie geht es jetzt weiter?
Antwort
Mich ermutigt es, positiv auf mein Leben im Hier und Jetzt zu schauen. Die Verletzung aus der Vergangenheit hat keinen Einfluss mehr auf mich. Sie wird mich nicht mehr triggern und die Führung übernehmen. Diesen Anlass für Tauer und Voreingenommenheit gibt es nicht mehr. In vielen Lebenssituationen fühle ich Erleichterung. Ein Gefühl zu schweben.
Anmerkung
Vielen Dank für die Offenheit.
Es ich schön zu sehen, wie Kontroversen des Lebens zu solch positiven Erkenntnissen und Glaubenserfahrungen führen.
Soweit mein „Interview“.
Ich wünsche dir, ein gesegnetes, friedliches und erbauendes 2026.
In diesem Sinne sei Erleuchtet.
Ingo
Bild von Pete Linforth auf Pixabay
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Ingo Tauchert
Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel.

Lieber Ingo, vielen Dank für deinen Beitrag, der das neue Jahr gleich so schön und warmherzig einleitet, und für deinen ehrlichen und offenherzigen Bericht über deine Erfahrungen und Erlebnissen mit Gott und Jesus. Ich kann mich deinen Erzählungen sehr gut anschliessen und mitfühlen, wie du alles erlebt hast, und wie befreiend dein Erlebnis in der Nacht war. Ja ich finde, deine Erfahrung führt uns wieder vor Augen und du erinnerst uns daran, dass tief im Innersten unseres Herzens diese Kraft Gottes, Sein Licht, zu spüren sein kann, und wenn wir danach suchen, es wie du beschreibst, es von Aussen neu in uns erleuchten kann.
Liebe Grüße in Jesus
Christian