• Daniel

Nicht das faule Obst polieren

­­Was würdet ihr gerne an euch verbessern? Gibt es etwas, das euch an euch selbst stört? Eine schlechte Angewohnheit vielleicht oder eine Charaktereigenschaft, die ihr gerne loswerden würdet, aber es funktioniert einfach nicht? Ich wage mal eine kühne Vermutung: Es gibt niemanden, der diese Frage mit nein beantworten würde.


Nicht umsonst gibt es kaum eine Branche, die in den letzten Jahren mehr gewachsen ist als die der Selbstoptimierung. Egal ob Buch, App, Website oder Kurs – die Flut von Angeboten, die mir helfen wollen, eine bessere Version meiner selbst zu werden, ist gigantisch und wächst mit jedem Tag. Und ich kann offen sagen: ich kann den Reiz daran sehr gut verstehen!


Manchmal habe ich das Gefühl, dass in den Köpfen einiger Menschen eine Vorstellung von Christen festsitzt, die im Grunde jeden ernsthaften Christen für einen Heiligen hält. Und egal ob dieses Gefühl mit Bewunderung oder Verachtung einhergeht – es geht auf jeden Fall komplett an der Realität vorbei! 😉 Ich als ernsthaft gläubiger Christ habe keineswegs weniger Macken oder Laster als irgendwer sonst. Und auch wenn ich darauf vertrauen darf, dass Gott mir vergibt, weil ich mir dessen bewusst bin und ich um Verzeihung gebeten habe, bleibt trotzdem der starke Wunsch irgendwie besser zu werden. Man will ja nicht immer nur auf der Stelle laufen.


Also auf geht’s! Das Ziel ist eigentlich klar definiert. Dort, wo in meinem Spint im Fitnessstudio vielleicht ein Poster von Dwayne Johnson oder Channing Tatum hängen würde, da hängt in meinem geistigen Spint ein Poster von Jesus. Und da ich Jesus seinen wundervollen Charakter nicht so einfach an seinem Bauch abzählen kann, würde ich vielleicht noch eine etwas spezifischere Aufzählung von erstrebenswerten Eigenschaften daneben hängen, z. B. diese aus dem Galater- oder Philipperbrief:

„Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.“ (Galater 5,22-23)
„Im Übrigen, ihr Brüder, alles, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend, was irgendeine Tugend oder etwas Lobenswertes ist, darauf seid bedacht!“ (Philipper 4,8)

Damit wäre das Ziel-Poster schon mal designt. Und jetzt? Im Fitnessstudio wäre der Plan klar: Ich definiere mir ein Ziel und dann arbeite ich daran. Wenn mein Ziel ist, meinen Bizeps mehr auf die Größe meiner Oberschenkel zu bringen, dann gehe ich Gewichte stemmen. Wenn mein Ziel ist, herauszufinden, ob unter meinem Bauchfett tatsächlich Muskeln wohnen, dann gehe ich aufs Laufband oder in den Spinning-Kurs. Und genauso bin ich auch schon oft in Gedanken meinen Charakter durchgegangen, habe mir ein störendes Laster herausgepickt und dann einen Plan aufgestellt, wie ich es angehen und am Ende ablegen kann. Heute denke ich, dass das der falsche Weg war.


Eine Bibelstelle, die mich in diesem Zusammenhang fasziniert, ist diese Aussage von Jesus:

„[…] Sammelt man auch Trauben von Dornen, oder Feigen von Disteln? So bringt jeder gute Baum gute Früchte, der schlechte Baum aber bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen, und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen.“ (Matthäus 7,16-18)

Ich könnte an dieser Stelle einen langen Blogbeitrag über den Kontext dieser Stelle schreiben und darüber, wie oft er, meiner Meinung nach, missverstanden wird, aber hier will ich erst mal einzig und allein auf das Bild eingehen, das Jesus benutzt. Ich glaube, dass darin eine sehr starke Lehre steckt.

Jesus spricht hier bildlich von guten und schlechten Früchten, die Menschen hervorbringen können. Was gute Früchte sein können, das haben wir bereits in der Stelle aus dem Galaterbrief gelesen. Was schlechte Früchte sind, das wissen wir wohl alle selbst am besten. Auch dazu gibt uns der Galaterbrief einige Verse zuvor eine umfassende Aufzählung, aber ich vermute, dass wir diese nicht einmal lesen müssen, um uns vollkommen bewusst zu sein, wo unsere eigenen charakterlichen Baustellen liegen.


Also wie hilft uns nun Jesu Bild, dass gute Bäume keine schlechten Früchte bringen können und schlechte Bäume keine guten? Es hilft, weil Jesus den Fokus von den Früchten weglenkt! Ist das nicht erstaunlich? Wie oft habe ich über meine schlechten Früchte nachgedacht, über all die Dinge, die ich immer wieder tue, obwohl ich sie eigentlich nicht tun will, und habe mir überlegt, wie ich sie ablegen kann. Aber Jesus sagt hier: Dieses Vorgehen wird zu nichts führen! Warum nicht? Weil es nichts bringt, die fauligen Früchte aufzupolieren und herauszuputzen, wenn der Stamm und die Wurzeln des Baums immer noch faul sind.


Ich verstehe Jesus so: Der Baum ist unser Glaube und unsere Beziehung zu Gott. Wenn die Beziehung stark und gesund ist, dann wird sie ohne viel Zutun wunderbare Früchte tragen. Wenn aber die Beziehung kränkelt und damit der Stamm und die Wurzeln des Baumes nicht gesund sind, dann wird der Baum auch keine guten Früchte tragen können.


Und genau hier komme ich ins Spiel, wie ich schon oft versucht habe die faulen Früchte zu bearbeiten, zu säubern, zum Glänzen zu bringen … und wenn ich am nächsten Tag nachgeschaut habe, waren sie wieder so schimmlig wie zuvor. Wie kann es auch anders sein? Wenn ich schönes Obst bekommen will, dann macht es keinen Sinn nur die Früchte zu pflegen – die Früchte werden immer nur so gut sein, wie der Baum, an dem sie wachsen! Der Baum ist es also, den ich pflegen sollte. Dann wird er wie von allein die besten Früchte bringen.


Und damit ändert sich nun die ganze Fragestellung. Zuvor habe ich mir darüber Gedanken gemacht, wie ich das faule Obst in leckeres, knackiges Obst umwandeln kann. Jetzt hingegen frage ich mich: Wie pflegt man den Stamm?


Ich glaube die Bibel gibt uns viele gute Anregungen dazu: Wir können in der Bibel lesen (vgl. 2. Timotheus 3,16), beten (vgl. Markus 1,35), Lobpreis feiern (2. Chronik 30,21) und noch vieles mehr. Ich selbst bin immer noch dabei herauszufinden, welcher Form der Beziehungspflege (oder auch welche Kombination) für mich die beste ist.


Wie sieht das bei euch aus? Schreibt mir doch mal in die Kommentare, wie ihr am liebsten eure Beziehung zu Gott pflegt und wie es euch damit geht! 😊


Ich freue mich auf euren Input!


Gottes Segen und bis demnächst!

Euer Daniel

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