• Ulrike

Mittendrin

Vor Kurzem lernte ich Nina kennen. Also nicht persönlich, sondern ich sah eine Dokumentation, in der die junge Frau ein paar Mal zu Wort kam. Zierlich und mit hoher Stimme sah ich die erst 15 jährige in der ersten Einstellung am Strand ihres Heimatlandes Indonesien. Sie sammelte Plastikmüll und hatte eine ernste Botschaft:

„Wenn dieser Baum sprechen könnte würde er weinen.“

Selbst wenn sie und ihre Mitstreiter unermüdlich sammeln würden, es wäre kein Ende in Sicht. Wo kommt dieser ganze Plastikmüll bloß her?

Ich empfehle, sich den Film „Die Recyclinglüge“, noch bis 20.06.2023 in der ARD Mediathek, anzuschauen. Unglaublich. Wir sind Recycling-Weltmeister und ich wusste nicht, was mit dem gesammelten Plastikmüll wirklich passiert.


Hier meine Zusammenfassung:

- Nur 5% des gesammelten Plastikmülls wird recycelt und kann wieder zu Verpackungsmaterial werden. Bis zu 45% sind Mischkunststoffe, die dann „downgecycelt“ werden und zu mehr oder weniger brauchbaren, teuren Produkten werden. Da ist von der Eisenbahnschiene bis zur Gießkanne alles dabei. Es ist höchst aufwendig, den Müll zu trennen und so sortenrein zu bekommen, dass recyceln Sinn macht.

- Firmen, die einen hohen Energiebedarf in ihrer Produktion haben, hier wurde ein Zementwerk genannt, bekommen den Plastikmüll zur Verbrennung und Energiegewinnung und noch eine Geldprämie obendrauf.

- Die Recycling- Müll- Wirtschaft treibt seltsame Blüten. Einige Länder dieser Erde nehmen gerne unseren Wohlstandsmüll und werden dafür mit Geld entschädigt. Nur was passiert dort damit? In der Türkei brennen regelmäßig illegale Müllhalden. In Bulgarien findet das Filmteam Berge von sortenreinem Müll in gepressten Ballen auf einer Halde. Nur Chipstüten oder nur Katzenfuttertütchen. Sehr seltsam. Auf einem Karton findet sich ein Adressaufkleber.

- Jetzt wird es interessant. Wir alle bezahlen beim Kauf von z.B. eingepackten Lebensmitteln für den aufgedruckten „Grünen Punkt“. Also eigentlich dafür, dass das recycelt wird. Dachte ich zumindest. Doch mit dem eingenommenen Geld werden Firmen bezahlt, die unseren Müll irgendwohin entsorgen. Der Film spricht von einer regelrechten Müllmafia und macht mit versteckter Kamera sogar Aufnahmen einer Verhandlung.

- Im Falle des Mülllagers in Bulgarien gibt’s noch einen obendrauf. Eine sympathische, nette Dame aus England wurde besucht, da sie als Absender auf den Paketen vermerkt war. Auf ihrem Hof zahlreiche große Mülltonnen, gut gekennzeichnet für verschiedene Arten von Plastikmüll. Stolz erklärte sie das Prozedere. Sie und das ganze Dorf sammelten alles worauf ein bestimmtes Recycling-Label einer amerikanischen Firma zu sehen ist. Dann schickte sie den sortierten Müll in Paketen dorthin, im guten Glauben, diese Firma kümmere sich um eine umweltfreundliche Wiederverwertung oder Entsorgung: “Ich mache das alles freiwillig in meiner Freizeit, weil all das unsere Zukunft sichert.“ Alle dachten, dass sie damit richtig umweltfreundlich handeln, doch weit gefehlt.

- Diese Firma wurde besucht und mit den Bildern aus Bulgarien konfrontiert, worauf freundlich von einem Versehen die Rede war und das Interview abgebrochen wurde. Die freundliche englische Lady war nicht begeistert sondern sichtlich frustriert.

- Eine amerikanische Chemieingenieurin, die sich jahrelang mit der Wiederverwertung von Verpackungsmaterialien beschäftige, zeigte einige Beispiele, die besagtes Label tragen und die aus ihrer Sicht alles andere als recycelbar waren. Es gäbe aktuell keine Methode bestimmte Materialien voneinander zu trennen und in eine Form zu bringen, die einen neuen Einsatz sinnvoll macht. Ihr Fazit:

„Die Kreislaufwirtschaft von Plastik ist eine große Farce.“

Ich bin entsetzt. So gehen wir mit diesem Schatz Erde um.


Nina wurde dann nochmal gezeigt. Sie besuchte einen Markt in ihrem Heimatland, Indonesien. Lauter lustige bunte Girlanden waren zu sehen. Kleine Plastikpäckchen am laufenden Band, gefüllt mit kleinen Dosen von Tee, Waschmittel, Gesichtscreme, Seife, Zahnpasta und anderen Dingen des täglichen Bedarfs.

Nina´s Erklärung machte mich mehr als nachdenklich: Die arbeitende Bevölkerung Indonesiens sind überwiegend Tagelöhner. Das heißt, es ist nie genug Geld vorhanden eine „große“ Menge von irgendetwas zu kaufen. So wird alles in kleinen Plastiktütchen, eigentlich nicht recycelbare Einwegverpackungen, verpackt. Müllentsorgung in Indonesien heißt, verbrennen auf offenem Feld. Teile von Plastikmüll weht es dann in die Mangroven am Strand und so schließt sich der Kreis.

Ich denke darüber nach was wäre, wenn es, wie hierzulande, „Unverpackt –Läden“ geben würde. Das wäre doch die Idee für solche Entwicklungsländer, wie Indonesien. Auf den Märkten würde es Stände mit Abfüllbehältern geben und der Tagelöhner, kann sich die Menge abfüllen lassen, die er gerade bezahlen kann. Da hätte die global tätige Plastikindustrie und Abfallwirtschaft bestimmt was dagegen.

Ich überlege, was ich tun kann, um nicht immer wieder auf diese Recyclinglüge reinzufallen. Ja, dieses System ist von Menschen gemacht und ich könnte die Hände in den Schoß fallen lassen, das Denken und Handeln einstellen und auf die Erlösung warten. Wenn da nicht dieser Auftrag wäre:

Gott, der HERR, brachte den Menschen in den Garten von Eden. Er gab ihm die Aufgabe, den Garten zu bearbeiten und ihn zu bewahren. (1.Mose2,15)

Dazu fallen mir ein paar Dinge ein, die ich einfach umsetzen kann.

An den meisten Käse- und Wursttheken kann ich meine eigene Box mitbringen und damit auf Verpackung verzichten. In der Obst- und Gemüseabteilung kann ich alles lose mitnehmen, oder in mitgebrachte Tüten einpacken, die ich problemlos mehrmals verwenden kann. Beim Bäcker lasse ich mir mein Brot und die Brötchen in einen Baumwollbeutel geben. Shampoo, Duschgel und Seife werden durch ein festes Waschstück ersetzt. Und beim Kauf von Kleidung und anderen Dingen achte ich darauf, dass die Herstellung und der Vertrieb eine gute, faire Grundlage haben, soweit ich das beurteilen kann. Und natürlich gelingt mir das nicht alles.


Das kann ich jetzt tun. Denn wir haben die Schöpfung Gottes zu unserem Besitz vom Schöpfer überlassen bekommen.

So schuf Gott den Menschen als sein Abbild, ja, als Gottes Ebenbild; und er schuf sie als Mann und Frau.
Er segnete sie und sprach: »Vermehrt euch, bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz! Ihr sollt Macht haben über alle Tiere: über die Fische, die Vögel und alle anderen Tiere auf der Erde! ( 1.Mose 3,27 +28)

Für die Zukunft warte ich auf Gottes Eingreifen. Denn seine Schöpfung wird niemals vergehen.


Ein Gedanke blitzt in mir auf. Vielleicht eine Antwort auf die Frage, was werden wir im ewigen Leben bloß den ganzen Tag lang machen. Abgesehen davon, das man da stundenlang darüber philosophieren kann, wäre gerade eine Möglichkeit der „Beschäftigung“ für mich richtig naheliegend.

Die Erde von all dem Müll zu befreien, den wir in den letzten Jahrzehnten einfach liegen gelassen haben.


Ich wünsche euch eine gesegnete Woche und kreative Ideen im Umgang mit der Bewahrung der Schöpfung


Eure Ulrike


Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel.

Die mit (1) gekennzeichneten sind Übersetzung Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Witten/Holzgerlingen entnommen.




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