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  • Ulrike

Maria aus Magdala

Jedes Jahr zur „Oster-Auferstehungs-Zeit“ schickt uns ein Glaubensbruder eine kurze sensationelle Nachricht über unsere WhatsApp-Gruppe: „DAS GRAB IST LEER“. Heute, 2000 Jahre später, bin ich von bunten Ostereiern, Schokolade und freien Tagen so eingeschläfert, dass mich dieser Weckruf wach macht. Wach für die wunderbare, gerechte, einzigartige Geschichte, die diesem Ausspruch zugrunde liegt. Ich stelle mir vor, wie das damals war und tauche ein in die Geschichte, die in allen vier Evangelien dokumentiert ist. Jeder Evangelist beschreibt das Geschehene aus seiner Sicht, so dass wir unterschiedliche Berichte lesen. Wären das Zeugenaussagen zu einem Kriminalfall, wären sie sogar glaubhafter, als wenn alle haargenau dasselbe erzählen würden. Wären alle vier identisch, würde ein Kriminalist vermuten, dass sie sich abgesprochen hätten und die Wahrheit eine ganz andere ist, die man vertuschen möchte!



Mir ist beim Bibellesen aufgefallen, dass eine Person in allen vier Evangelien eine Rolle spielt: Maria aus Magdala oder auch Maria Magdalena. Wer war diese Frau, die als erster Mensch realisiert hat, das Jesus auferstanden ist und lebt? Nicht sein Lieblingsjünger Johannes, nicht sein Fels Petrus, nicht seine Mutter Maria – nein eine Frau aus Galiläa war es. War sie etwa herausragend, etwas Besonderes? Gerne würde ich sie persönlich kennenlernen und Maria zu einer Tasse Tee einladen. Ich stelle mir nun einfach vor, dass das möglich wäre, und würde Maria gerne ein paar Fragen stellen.



Ein Gedankenspiel


Ich: Maria, wie bist du zu Jesus und seinen Jüngern gekommen?

Maria: Meine Heimat ist ein Ort namens Magdala am Nordwestufer des Sees Genezareth. Meine Familie besitzt eine Färberei für feine Stoffe und ist sehr wohlhabend. Mein Leben schien in geordneten Bahnen zu laufen, von außen betrachtet. Doch in mir machte sich eine große Leere breit. Was war das Leben für mich? Wo war der Sinn?


Ich: Du hattest dich gut eingerichtet, dir fehlte es an nichts? Warum die Zweifel?

Maria: Die römische Besatzung in unserem Land begann, uns zu unterdrücken und auszubeuten. Ich fing an, mich zu widersetzen, zu betrügen und zu lügen, um denen eins auszuwischen. Dann heiratete meine beste Freundin, den Mann, dem ich versprochen war und den ich liebte. Und ich war richtig eifersüchtig und neidisch. Ich begann mir viele unnötige Dinge zu kaufen, um mich irgendwie zu trösten. Aber es wurde nur schlimmer. Ich fürchtete mich vor der Zukunft und wurde immer ängstlicher und voll von Sorge. Ich suchte nach Antworten und ging in die Synagoge, um Gott zu befragen.


Ich: Und hat er zu dir gesprochen?

Maria: Naja, nicht direkt. Es dauerte eine ganze Weile und viele Gebete, in denen ich um Führung bat und immer wieder nach dem Grund meines Daseins fragte. Dann hörte ich einmal den Vorleser aus dem Buch des Propheten Jesaja lesen:

„Denn uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns geschenkt! Er wird die Herrschaft übernehmen. Man nennt ihn 'Wunderbarer Ratgeber', 'Starker Gott', 'Ewiger Vater', 'Friedefürst'. Er wird seine Herrschaft weit ausdehnen und dauerhaften Frieden bringen. Auf dem Thron Davids wird er regieren und sein Reich auf Recht und Gerechtigkeit gründen, jetzt und für alle Zeit.“ (Jesaja 9,5+6)

Hier wird der große Retter angekündigt. Kurz darauf drangen Gerüchte über einen Jesus von Nazareth zu uns, der durch die Lande zog, Kranke heilte und eine frohe Botschaft verkündigte. Sollte dieser der Beschriebene sein?


Ich: Du hast ihn getroffen, was hat er verändert?

Maria: Ich hörte ihn reden, mitten unter all den Menschen aus Magdala, und spürte die göttliche Vollmacht mit der er das tat. Plötzlich wurde mir bewusst , wer ich bin und warum ich mich so traurig und schuldig fühlte. Jesus sprach von einer Welt voller Liebe und ich wusste sofort: Das ist die Lösung. Meine vielen negativen Gefühle, die mich gefangen hielten, waren wie weggeblasen und ich kann aus vollem Herzen sagen: Ja, ich glaube, dass Jesus der Sohn Gottes ist und unser Messias! (1)


Ich: Er hat dir also deine Dämonen vertrieben und du hast dich ihm angeschlossen?

Maria: Eine aufregende Zeit. Ich und einige andere Frauen begleiteten unseren Herrn und seine Jünger, unterstützten die Gruppe, indem wir Essen kauften und uns um Unterkunft kümmerten. Wo wir auch hinkamen, die Menschen waren begeistert und der Zulauf wurde immer mehr. Wir stellten uns Jesus als unseren König vor, der die Römer vertreiben würde und alles mit Liebe regieren würde. All die Kranken, die er heilte, die Wunder, die er tat, bezeugten seine Fähigkeit zum König. Heute würde ich sagen, an manchen Stellen haben wir nicht gut zugehört und wollten einfach nicht wahrhaben, dass sein Reich noch nicht gekommen war!


Ich: Du warst dabei als er am Kreuz starb?

Maria: Ja, eines der schrecklichsten Erlebnisse. Es kam mir so ungerecht vor, so unnötig, warum? Kurz zuvor zog er noch unter Jubel in Jerusalem ein. Und dann hing er da, wie ein Verbrecher am Kreuz. Die meisten seiner Nachfolger waren so schockiert, dass sie sich trauernd zurückzogen. Wenigstens hatte Josef von Arimathäa seine Grabstätte zur Verfügung gestellt, das war angemessen. Nach der Sabbatruhe gingen ich und ein paar Frauen zum Grab, um den Leichnam wie üblich zu salben. Wir fragten uns auf dem Weg dahin, wie wir wohl diesen schweren Stein wegrollen könnten, ob uns die römischen Wachleute helfen würden? Doch der Stein war zur Seite gerollt, keine römische Wache zu sehen und das Grab leer?!? Ich war es dann, die den Auferstandenen zuerst für einen Gärtner hielt und ihn nach dem Leichnam fragte. Die Antwort mit der so vertrauten Stimme nahm mir jeden Zweifel. Ja, ich fürchtete mich nicht! Schnell lief ich zum Rest der Gruppe, die sich trauernd in einem Haus zusammengefunden hatte und erzählte was ich erlebt hatte! (2)


Ich: Es war schwierig, alle zu überzeugen, oder?

Maria: Nicht ich habe überzeugt, Jesus selbst hat sich bis zu seiner Himmelfahrt mehrmals gezeigt und so hatte wirklich jeder seiner Nachfolger Gelegenheit, den Auferstandenen zu erkennen. Da gab es auch ganz Ungläubige, die Zeichen forderten, die sie auch bekamen. (3)


Ich: Was meinst du, warum hat er sich zuerst dir gezeigt?

Maria: Ich glaube, dass ist das Selbstverständnis, mit dem er allen Menschen, egal welcher Herkunft und aus welcher gesellschaftlichen Schicht sie kommen, begegnet ist. Er kann jedem den besonderen Moment der Begegnung mit ihm schenken. Werden Petrus, Johannes oder Thomas gefragt, jeder hätte von einem ebenso persönlich wertvollen Moment erzählen können. Wir alle sind so erfüllt und so dankbar, dass wir das alles erleben durften, dass wir seinen Auftrag, den er uns hinterlassen hat, mit Freude in die Tat umsetzen. Täglich werden neue Gemeinden gegründet, die die frohe Botschaft des kommenden Reichs Gottes auf Erden mit unserem Messias Jesus als König verkünden. (4)


Ich: Danke Maria Magdalena. Für mich bist du auch ein Beispiel dafür, dass wirklich jeder die Gelegenheit hat, ihn zu treffen, egal ob Mann oder Frau, Herr, Herrin oder Diener, Dienerin, alle denselben Zugang zur Erlösung durch unseren Herrn Jesus Christus haben.

„Und Christus ist deshalb für alle gestorben, damit alle, die leben, nicht länger für sich selbst leben, sondern für Christus, der für sie gestorben und auferstanden ist.“ (2. Korinther 5,15)

Was ich aus unten stehenden Bibelstellen herauslesen konnte habe ich verwendet und natürlich habe ich mir ein paar Umstände aus Marias Leben ausgedacht.


Ich wünsche euch eine helle, lebendige Woche!

Eure Ulrike



(1) Lukas 8,1-3

(2) Matthäus 28,1ff. und Markus 16,9 und Lukas 24,10+11 und Johannes 20,1ff.

(3) Markus 16,12-18 und Johannes 20,19ff. und Apostelgeschichte 1,4-8

(4) Markus 16,15-20

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