Kunst und die Existenz Gottes
- Lea

- vor 3 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
Ist es mittlerweile schon zu spät, euch ein frohes neues Jahr zu wünschen? Für mich fühlt es sich ehrlicherweise so an, als würde Silvester schon Ewigkeiten zurückliegen. Dass ich dieses Gefühl habe, könnte aber auch daran liegen, dass ich den Jahreswechsel und die Zeit danach krank auf dem Sofa verbracht habe.
Eine richtige Zeit der Erholung waren die freien Tage also leider nicht für mich. Trotzdem hatte ich dadurch, dass sich mein Start zurück in den Berufsalltag verzögert hat, einige Zeit, um das vergangene Jahr zu reflektieren.
Ein wesentlicher Teil meiner zweiten Jahreshälfte war – wie ihr auch in meinem letzten Beitrag schon lesen musstet 😉– das Musical, in dem ich mitspielen durfte. Ich muss zugeben, dass es sich immer noch etwas komisch anfühlt, dass das Projekt jetzt nicht mehr zu meinem Alltag gehört. Die Wochenenden sind wieder frei und an den Tagen unter der Woche gibt es neben dem normalen Unterricht keine Extraproben mehr. Die Kostüme, die man jede Woche getragen hat, sind mittlerweile gewaschen und werden wieder in den Fundus wegsortiert und meine Steppschuhe werden ihren Schuhkarton wohl für längere Zeit nicht mehr verlassen.
Für mich war die Möglichkeit, in dieser Produktion mit auf der Bühne zu stehen, ein lang gehegter Traum, der sich erfüllt hat und zeitgleich auch eine Erinnerung daran, was Musik in den Menschen auslösen kann.
Neben dem Spaß, den wir bei den Vorstellungen auf und hinter der Bühne haben konnten, sind die schönsten Erinnerungen an die Zeit die Reaktionen des Publikums: Von lauten Lachern an den witzigen Stellen des Stücks über überraschte Gesichter bis hin zu Tränen der Rührung und einem beseelten Lächeln am Ende des Stücks, waren alle Emotionen im Publikum vertreten. Ist es nicht verrückt, dass ein paar Worte und Töne all das in den Menschen auslösen können?
Ich kenne das Gefühl nur zu gut von beiden Seiten. Auch als Zuschauerin oder Zuhörerin ist es für mich nicht unüblich, schnell die ein oder andere Träne zu verdrücken – egal ob es um Filme, Bücher, Musicals oder klassische Musik geht.

Schönheit und Kunst als Gottesbeweis
Während ich über die Reaktionen des Publikums auf unser Stück nachdachte, musste ich auch an einen Workshop zurückdenken, an dem ich vor einigen Jahren bei einer Online-Gemeindefreizeit in der Coronazeit teilgenommen hatte. Der Workshop trug den Titel „Gibt es einen Gott?“ und es ging um verschiedene Gottesbeweise bzw. Argumente, die für die Existenz Gottes sprechen und entsprechende Gegenargumente, die häufig von Atheisten angeführt werden.
Auf der Liste mit verschiedenen Argumenten für Gottes Existenz fand sich auch ein Punkt, der mit „Schönheit, Musik und Liebe“ betitelt war. Die Erfahrungen aus meiner Musicalzeit im letzten Jahr haben für mich noch ein Stück mehr verständlich gemacht, warum diese Dinge für viele Menschen ein wesentliches Argument für die Existenz Gottes sein können.
Wenn ich an Schönheit als Gottesbeweis oder Hinweis auf die Existenz Gottes denke, dann geht mein Blick als erstes in die Natur. Für mich selbst war dies auch immer das naheliegendste Argument dafür, dass es Gott gibt. Denn die Schönheit der Natur kann ich mir persönlich nicht anders als mit einem intelligenten Schöpfer erklären. Es gibt so viele verrückte und gefühlt unbegründet ausgefeilte Details in der Schöpfung, die ihre Daseinsberechtigung scheinbar allein darin haben, dass sie schön sind und Gott sie so haben wollte.
Aber Schönheit beschränkt sich nicht nur auf die Natur. Ich finde (mittlerweile), dass ein ebenso wichtiger Teil der Argumentation ist, dass wir diese Schönheit überhaupt wahrnehmen können. Hier schließt sich auch der Bogen zur Musik und zu anderen Kunstformen.
Wir Menschen wurden mit einer Kreativität ausgestattet, die für mich eins der Merkmale dessen ist, dass wir in Gottes Bild geschaffen wurden. Wir wurden mit der Fähigkeit ausgestattet, selbst Werke zu erschaffen, die andere Menschen als schön erkennen können. Dass wir dazu fähig sind, zum Beispiel Musik zu komponieren und dadurch unsere ganze Bandbreite an Emotionen anzusprechen, ist für mich ein weiteres Beispiel für ein Stück eigentlich nutzlose Schönheit, durch die sich Gottes Schöpfung auszeichnet.
Musik ist hierbei auch nur ein Beispiel von vielen. Ähnlich faszinierend ist für mich auch, was Worte in uns auslösen können. Dass wir die Fähigkeit haben, Menschen mit den Geschichten, die wir erzählen, ebenso zum Lachen und zum Weinen zu bringen und jede Emotion dazwischen auszulösen.
Nicht nur dürfen wir somit in der Schönheit der Schöpfung die maßlose Kreativität Gottes erkennen, sondern wurden ebenfalls mit einem Abbild dieser Kreativität ausgestattet, die es uns erlaubt, auch in unseren eigenen Schöpfungen einen Abglanz dieser Schönheit zu sehen.
Das ist eine Fähigkeit für die ich unfassbar dankbar bin. Für all die Tränen, die ich beim Musik hören vergießen kann, für die Freude, die ich empfinde, wenn ich selber am Klavier sitze oder singe und ebenso für jedes Lachen und jede Träne, die ich im Publikum sehen konnte, als ich letztes Jahr in meinem ersten Musical auf der Bühne stand.
Ehrlicherweise habe ich keine Ahnung, welche Funktion man der Musik zuschreibt, wenn man versucht, diese als evolutionären Vorteil darzustellen und auf diesem Weg zu begründen. Ich bin jedoch der Meinung, dass sich die Schönheit von Gottes Schöpfung an vielen Stellen gerade dadurch auszeichnet, dass nicht alles einen klaren Nutzen hat, sondern manche Dinge einfach "nur" schön sind und damit ihren Zweck erfüllen.
Einfach schön
Ich finde, ein guter Vorsatz für das neue Jahr kann sein, zu versuchen, diese Form der Schönheit auch in unserem Alltag (neu) zu entdecken. Wie oft nimmt man sich Zeit für Dinge, die einem selbst oder anderen einfach Freude bereiten, ohne dabei produktiv, ergebnisorientiert oder was auch immer zu sein, das uns die Leistungsgesellschaft als „sinnvoll“ verkaufen möchte?
Während ich den Beginn des Jahres krank Zuhause verbracht habe, habe ich zum ersten Mal seit langem mehrere Stunden am Klavier gesessen. Ich habe neue Seiten in meinen Ausmalbüchern gefüllt, mehrere Bücher gelesen und mir die Zeit genommen, Musik zu hören. Dabei meine ich Musik hören tatsächlich als einzige Aktivität, ohne Musik nur als Hintergrundgeräusch beim Spülen oder Aufräumen zu nutzen. Ich habe unter anderem seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder eine Aufnahme von meiner Lieblingsballade von Chopin gehört (und auch hierbei prompt ein paar Tränen vergossen). Diese 10 Minuten habe ich mir schon lange nicht mehr gegönnt.
Vielleicht könnt ihr mit der Aufzählung nichts anfangen und das sind keine Dinge, die euch Freude bereiten würden. Trotzdem möchte ich euch mit meinem Beitrag dazu ermuntern, euch in diesem neuen Jahr Zeit zu nehmen für die Dinge, die euch mit Freude erfüllen. Zeit dafür, Dinge zu genießen, die einfach schön sind, ohne einen weiteren Zweck zu haben und in dieser Schönheit die Hand Gottes zu erkennen, aus der wir all diese Dinge als Segen empfangen dürfen.
Bis zum nächsten Mal!
Eure Lea

Liebe Lea,
danke für diesen wundervollen Beitrag!
Zu dem Sinn von Schönheit und Liebe fiel mr direkt ein Vers des Predigers Salomo ein: "Alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, nur dass der Mensch das Werk nicht ergründet, das Gott getan hat, vom Anfang bis zum Ende. Ich erkannte, dass es nichts Besseres bei ihnen gibt, als sich zu freuen und sich in seinem Leben gütlich zu tun. Aber auch, dass jeder Mensch isst und trinkt und Gutes sieht bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes. Ich erkannte, dass alles, was Gott tut, für ewig sein wird. (Pred. 3:11-14)"
Ich glaube, Schönheit zu empfinden und Menschen zu lieben…
Liebe Lea, vielen lieben Dank für deinen schönen Beitrag heute, der mich an die Worte von Paulus aus Römer 1;20 erinnert: " Gott ist zwar unsichtbar, doch an seinen Werken, der Schöpfung, haben die Menschen seit jeher seine ewige Macht und göttliche Majestät sehen und erfahren können."
Und gerade in diesen Tagen können wir erleben, wie der weisse Schnee eine graue und etwas eintönige Winterlandschaft verzaubern kann, so wie die Kunst, Musik, Malerei und vieles mehr an Kreativität unser manchmal graues Leben bunter und lebendiger erfüllen kann. Ja das ist wirklich ein Geschenk unseres himmlischen Vaters. Die Schönheit in Gottes Schöpfung zu genießen ist, wie das "Waldbaden" ja inzwischen sogar, als heilend anerkannt. Ich wünsche dir eine schöne und mit…