Kopf, Herz oder Bauch?
- Peter

- vor 4 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
Das Jahr 2025 geht bald zu Ende. Ein denkwürdiges Jahr, denn in diesem Jahr sollte unser gemeinsames Projekt „Gemeinde bauen“ hier in Braunschweig richtig starten. Ich habe darüber bereits hier in diesem Blog berichtet und auch im Bereich „Über uns“ hier auf dieser Website könnt ihr darüber lesen.
Nun sind wir (meine Frau und ich) hier in Braunschweig. Wir haben hier eine schöne Wohnung gefunden. Die Nähe zu unseren Kindern und Enkelkindern genießen wir sehr. Ich kann hier meiner Leidenschaft, dem Billardsport, weiter nachgehen. Habe einen Billardclub gefunden, in dem ich mich engagiere und habe dort auch schnell neue Bekanntschaften geschlossen. Auch eine ehrenamtliche Tätigkeit im sozialen Bereich ist dazu gekommen, die mich sehr erfüllt. Meine Frau hat schnell Arbeit gefunden. Einen netten, führsorglichen Chef und neue Kollegen und Kolleginnen. Das Leben hier in Braunschweig gefällt uns richtig gut. Es ist eine schöne Mischung aus großstädtischen kulturellen, gastronomischen und Einkaufsangeboten und trotzdem so „handlich“, dass man das meiste mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad erledigen kann. Kurzum – wir haben hier unser neues Zuhause gefunden! Doch eins fehlt: unser gemeinsames Projekt „Gemeinde bauen“ muss wohl als gescheitert betrachtet werden. Durch unseren Umzug sind wir nun viel weiter weg von den Geschwistern, die wir im Rheinland zurück gelassen haben und auch unsere Gruppe hier im „Norden“ ist weiterhin ein verstreuter Haufen.
Nun – offensichtlich läuft das Leben eben nicht immer so wie gewollt. Das hat mich dazu bewogen, mich in der christlichen Gemeindelandschaft hier in Braunschweig etwas intensiver umzusehen. Auch darüber habe ich evtl. hier schon berichtet. Allein ca. 18 verschiedene Gemeinden, die der sog. Evangelischen Allianz angehören, gibt es hier und noch mehrere andere freikirchliche Gruppen, Baptisten, Methodisten, Mormonen, Adventisten, etc.. Den allermeisten gemeinsam ist das mehr oder weniger deutlich postulierte Dogma der Dreieinigkeit Gottes. Soweit mal die vorläufige Analyse des Vorhandenen.
Was fange ich nun mit diesen Erkenntnissen an?
Diese Frage führt mich zum Titel meines Beitrags.
Ich finde im Nachdenken, Entscheiden und Handeln bei diesem Thema einfach keine Balance. Es zerreißt mich geradezu zwischen den verschiedenen Optionen. Fragt man Google nach den drei Begriffen Kopf, Herz und Bauch, so findet man unzählige Beiträge, aus denen man lernen kann, dass gute Entscheidungen und ein darauf basierendes zuversichtliches Handeln eine gute Balance zwischen diesen drei Bereichen braucht.

Es ist wie bei einem runden Tisch oder einem Hocker, der am stabilsten auf drei Beinen steht. So fühlt sich allerdings mein Inneres gerade gar nicht an. Aber sollte nicht gerade in diesem Thema Glauben und Gemeinde der so wichtige Dreiklang gegeben sein, wie ihn auch Jesus auf die Frage nach dem größten Gebot aufzeigt (Hervorhebungen von mir):
Und einer der Schriftgelehrten, der gehört hatte, wie sie miteinander stritten, trat hinzu, und da er wusste, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches Gebot ist das erste von allen? Jesus antwortete ihm: Das erste ist: «Höre, Israel: Der Herr, unser Gott, ist <ein> Herr; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft!» (Markus 12, 28-30)
Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass dies kein Dreiklang, sondern ein Vierklang ist. Allerdings fehlt interessanterweise an der zitierten Stelle aus 5.Mose 6,4 das „aus deinem ganzen Verstand“. Mir als überwiegendem Kopfmenschen kommt Jesu Ergänzung sehr gelegen!
Kopf, Herz und Bauch total aus dem Gleichgewicht. Das zeigt sich ungefähr so:
Der Kopf sagt: Ich möchte einen Weg finden, uns hier in Braunschweig als Gemeinde sichtbar zu machen, so klein wir auch sind und so viele Gemeinden es auch sonst noch gibt. Denn schließlich wären wir die einzige nicht-trinitarische Alternative. Das wäre doch ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Mir fehlt allerdings dazu noch die zündende Idee. Und falls dann jemand zu uns käme, bekommt er fast ausschließlich die geballte Ladung Familie. Das wäre zwar eine gute Mischung aus Kopf, Herz und Bauch, aber eben auch aus Ehepartnern, Eltern und Kindern mit allem, was solche Beziehungen bieten.
Das Herz hätte so gerne mehr Kontakt zu gläubigen Menschen. Endlich eine Gemeinde hier vor Ort, zu der wir einfach mal ohne weite Anreise hin könnten. Mit schnellen, nahen Kontakten auch außerhalb von Gottesdienst. Und da sind doch so viele Gemeinden mit gläubigen Menschen, die Jesus als ihren Erlöser angenommen haben. Das sollte doch als Gemeinsamkeit reichen, oder? Dazu habe ich einen interessanten Absatz gefunden in dem Dokument „Rechenschaft vom Glauben“ vom Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.:
7. Der eine Leib Christi und die getrennten Kirchen Die Gemeinschaft der Gemeinde erfährt der Christ vornehmlich in der örtlichen Versammlung der Glaubenden. In ihr wird die eine Taufe auf das Bekenntnis des Glaubens hin vollzogen und das eine Brot, von dem einen Herrn gestiftet, gebrochen und geteilt. Deshalb versteht sich die Ortsgemeinde als die Manifestation des einen Leibes Jesu Christi, durchdrungen von dem einen Geist und erfüllt mit der einen Hoffnung. Der eine Geist schenkt viele Gaben, die sich in den Ortsgemeinden, aber auch in den voneinander getrennten Kirchen in gegenseitig bereichernder Vielfalt auswirken können. Jesus Christus baut seine Gemeinde in den verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften. Doch kann es trotz der Verschiedenheiten und trotz Irrtum und Schuld auf allen Seiten nicht der Wille Gottes sein, dass konfessionelle Schranken die sichtbare Gemeinschaft aller Glaubenden und damit ihr glaubwürdiges Zeugnis vor aller Welt verhindern.
Das klingt doch toll. Ja, darüber habe ich selbst schon mehr als einmal gepredigt (mit Herz und Kopf).
Der Bauch spricht aber leider eine andere Sprache.
Ich habe mich (zunächst alleine) auf den Weg gemacht und den Gottesdienst in zwei Gemeinden besucht. Bei zwei weiteren Gemeinden inzwischen mehrere Gottesdienste online verfolgt. Wer wie ich von Jugend an mit der Art und Weise aufgewachsen ist, wie bei christadelphischen Gemeinden die sonntäglichen Versammlungen ablaufen, findet selbstverständlich Unterschiede im Ablauf und Inhalt, die zum Teil etwas befremdlich wirken. Aber abgesehen davon, meldet sich mein Bauch jedes Mal mit einem vernehmlichen Grummeln und Unwohlsein, wenn wieder mal in Liedern, Gebeten und Predigten von dem in Christus Mensch gewordenen Gott gesprochen wird oder Jesus als dem Schöpfer gedankt wird, der gleichzeitig wahrer Mensch und wahrer Gott ist. Solche Aussagen kann ich dann doch nur schwer ertragen, was eine wirkliche Gemeinschaft sofort blockiert.
Da stehe ich nun mit meinem Dreibein, das so gar nicht stabil stehen will.
So soll aber dieser Blogpost nicht enden!
Keine Sorge – ich habe mir schon mein Naturell bewahrt, das doch eher vom Machen lebt. Also werde ich wohl im Vertrauen auf die weitere Führung unseres himmlischen Vaters und vielleicht etwas mehr Geduld und weniger Kleingläubigkeit die nächsten Schritte wagen, …
… denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen. (Philipper 2, 13)
Wenn der Bauch nicht will, muss vielleicht doch der Kopf voran.
Just DO it!
Euer Peter
Foto von Shubham Dhage auf unsplash

Lieber Peter, ich verstehe Dich sooo gut. Wieder ein ganz toller Beitrag. Jeden Montag freue ich mich auf den Blog. Gott ist bei Dir/Euch. Seine Wege gehen oft anders, als unsere. Bei mir ist das auf jeden Fall so. Sei gespannt, wie es weitergeht. Ich bete für Euch. GlG Eure Anne
Lieber Peter, vielen Dank für deinen sehr interessanten und spannenden Beitrag heute. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung deines Berichtes und auch zu erfahren, über welche Wege dich Gott weiter führen und begleiten wird, und was du auf dieser "Reise" alles erlebst. Liebe Grüße von mir - Christian