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Komm in die Gruppe!

  • Autorenbild: Daniel
    Daniel
  • vor 4 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Leute, ich hatte ein Wochenende … einfach wow!!! Es war ein richtiges Abenteuer: Drei Tage auf engstem Raum mit 100 Leuten, von denen ich über 90 noch nie zuvor gesehen hatte. Eine einsame, urige Tagungsstätte am Rand eines kleines Ortes im Harz. Schlafen im Mehrbettzimmer mit drei völlig Fremden. Wobei … so richtig fremd waren sie eigentlich gar nicht!

 

Ich möchte euch heute von meinem letzten Wochenende erzählen und von Gottes unglaublicher Familie. Es fällt mir noch schwer, meine Gedanken überhaupt zu strukturieren – es sind so viele und so verschiedene! Am besten fange ich also mit den einfachen Fakten an: Ich war am Wochenende auf der ersten HOSSA CON. Vielen von euch wird das vermutlich überhaupt nichts sagen, andere werden verständnisvoll schmunzeln und einige werden meinen, ich sei nun endgültig verloren. Ja, das ist das Spannungsfeld, wenn man sich in der Hossa-Welt bewegt.

 

Nichtsdestotrotz mache ich heute einfach mal schamlos Werbung für diese ganz besondere Community, die mir eins der schönsten Wochenenden seit langem beschert hat. Ich glaube, ich habe schon öfter hier auf dem Blog den dazugehörigen Podcast erwähnt: Hossa Talk. Es ist ein christlicher Podcast, aber irgendwie auch mehr als das. In wenigen Worten treffend zu beschreiben, was Hossa Talk ausmacht, ist so gut wie unmöglich. Hier trotzdem ein Versuch:

 

Hossa Talk ist ein Podcast (und ich möchte fast sagen eine Heimat) für Menschen im christlichen Raum im weitesten Sinne, die dadurch verbunden sind, dass sie alle auf einem Weg sind. Oft beginnt dieser Weg mit negativen Erlebnissen im Rahmen des Glaubens, manchmal mit langsam wachsenden und dann immer stärker nagenden Zweifeln. Vor allem aber ist der Weg fast immer gesäumt von sehr vielen Fragen und der Suche nach Antworten, die über ein „hier steht es doch“ hinaus gehen.

 

Hossa Talk ist ein Podcast für Menschen, die ihren Glauben dekonstruieren oder dekonstruiert haben und nun dabei sind herauszufinden, wie sie ihn neu (und geleitet von Respekt und Liebe) wieder zusammensetzen können, sodass sich ein stimmigeres und belastbareres Gesamtbild ergibt. Dabei hat jeder und jede ganz eigene Biografien, Startpunkte und ganz unterschiedliche Fragen. Aber eins haben wir gemeinsam: Wir haben an irgendeiner Stelle von Hossa Talk erfahren und erlebt, dass die Hossa-Community einen Raum bietet, wo man seine Fragen stellen und seine Geschichten erzählen darf. Und genau das durfte ich diese Wochenende noch einmal ganz persönlich erleben beim ersten großen, überregionalen Community-Treffen: der HOSSA CON.

 

Wir hatten ein unglaublich intensives Wochenende mit tollem Essen, leckerem Wein und Bier (und Likör und Whisky und wer weiß was noch so gegen Mitternacht aus den Taschen gezaubert wurde), einem Live-Talk der drei Hossas, mehreren „Rudel-Talks“ in kleineren Gruppen, einem Live-Konzert von superzwei, diversen interaktiven Workshops, „triggerarmen“ Andachten, Jam-Sessions … aber vor allem mit viel Zeit für tolle Gespräche: Gespräche mit völlig Fremden, die erstaunlich wenig fremd schienen; Gespräche über sehr persönliche Themen, die ohne Angst vor Verletzung geteilt werden konnten; Gespräche mit den Podcast-Machern und Gespräche mit den Podcast-Hörenden. Oder kurz: Gespräche auf Augenhöhe innerhalb der Familie Gottes. So hat es sich angefühlt. Das war Balsam für die Seele!

 


Eine Mitarbeiterin der christlichen Tagungsstätte, in der die HOSSA CON stattfand, hat es mit einer Beobachtung aus ihrem kleinen Rezeptionshäuschen heraus auf den Punkt gebracht:

„Manchmal haben wir Gruppen hier, die verhalten sich überhaupt nicht wie Gruppen, obwohl sie welche sind. Ihr seid gar keine Gruppe, aber ihr wirkt wie eine!“

Ist das nicht eine phänomenale Beschreibung für so ein Treffen unter Geschwistern aus Gottes Familie? Genau so hab ich es wahrgenommen: Ich kannte fast niemanden, aber es war vom ersten Moment an, als wären wir uns alle bereits irgendwie vertraut. Jeder und jede durfte sicher sein: Das hier ist ein Ort, wo wir uns mit Respekt begegnen. Das hier ist ein Ort, wo sich niemand verstecken oder für irgendetwas schämen muss. Das hier ist ein Ort, wo niemand Angst haben muss, verurteilt oder verletzt zu werden. Für mich war es ein kleiner Vorgeschmack auf die gemeinsame Ewigkeit.

 

Eine Freundin aus unserer kleinen Hossa-Regio-Gruppe kam am Samstagabend zu mir, nachdem wir in gemütlicher Runde in einem der Sofa-Räume zusammen gesungen hatten. Ihr Kommentar: „Ich wusste gar nicht, dass du so gut Gitarre spielen kannst?!“ Am nächsten Morgen kam sie dann noch einmal auf mich zu und meinte: „Ich hab noch mal drüber nachgedacht, was ich gestern gesagt habe … das war ja eigentlich Quatsch. Natürlich wusste ich nicht, dass du gut Gitarre spielen kannst, wir kennen uns ja quasi gar nicht. Wir haben uns ja erst zwei mal gesehen!“

 

Das hat mich nachdenklich gemacht. Natürlich hatte sie Recht, aber irgendwie klang das trotzdem falsch. Und so bin ich dann beim letzten Mittagessen vor der Abreise noch einmal zu ihr, um mich zu verabschieden und um ihr zu sagen, dass ich ihr nicht ganz zustimmen kann. Ja, wir hatten uns faktisch erst zwei mal zuvor gesehen. Aber so fühlte es sich einfach nicht an. Und wenn ich so darüber nachdenke, dann ist die beste Erklärung, die ich dafür finden kann wohl, dass allein die Tatsache, dass wir uns in diesem ganz speziellen Kontext kennengelernt haben, so viel über uns verrät, dass sich eine gewisse Vertrautheit unmittelbar einstellt.

 

Ja, wir sind gar keine Gruppe, aber wir wirken wie eine … und das nicht nur nach außen. Ich hoffe jeder dort hat das gefühlt. Ich auf jeden Fall! Dabei hätten wir kaum ein bunterer Haufen sein können: Menschen aus allen möglichen Denominationen, manche ganz ohne geistiges Zuhause, manche queer, manche straight, manche mit inspirierendem Glauben, manche, die kaum noch wissen, was sie überhaupt glauben sollen. Aber alle an einem Ort, wo sie furchtlos genau das sein dürfen. An einem Ort, wo es absolut okay ist auf viele Fragen zu antworten: „Ehrlich gesagt … ich weiß es nicht.“ Alle auf einem gemeinsamen Weg mit Freunden, als Familie, als bunte Gruppe.

 

Wenn ich ans Wochenende zurückdenke, dann kommen mir folgende Verse von Paulus in den Kopf (hier einmal in der etwas altmodischen aber wie ich finde sehr schönen Luther-Übersetzung):

"Lasset uns aber rechtschaffen sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus, von welchem aus der ganze Leib zusammengefügt ist und ein Glied am andern hanget durch alle Gelenke, dadurch eins dem andern Handreichung tut nach dem Werk eines jeglichen Gliedes in seinem Maße und macht, daß der Leib wächst zu seiner selbst Besserung, und das alles in der Liebe." (Epheser 4:15-16)

Je mehr verschiedene Menschen aus dem christlichen Spektrum ich kennenlerne, desto sicherer werde ich mir: Dieser Leib, den Christus zusammenhält, das ist nicht meine Gemeinde. Der Leib, das ist DIE Gemeinde. Die Familie Gottes. Oder letztes Wochenende: Die (Nicht-)Gruppe!

 

„[…] das alles in der Liebe“ – das ist es, was ich dieses Wochenende erlebt habe. Traurigerweise ist es gleichzeitig auch das, was so viele, die mit mir das Wochenende verbracht haben, in der Vergangenheit auf die eine oder andere Weise nicht erlebt haben. Mir ist das mehr und mehr schleierhaft … wie können wir in aller Auseinandersetzung über die Bibel und den Glauben jemals die Liebe, die zentralste Botschaft überhaupt, vergessen oder hinten runter fallen lassen?

 

Die vergangenen drei Tage haben mir mal wieder gezeigt, dass es am Ende nur darum gehen kann: um Liebe. Nur ungeheuchelte Liebe macht einen echten, praktischen, erlebbaren Unterschied in der Welt. Und ich möchte behaupten, die HossaCon war dafür der „proof of concept“! :)  Es war einfach ein Ort zum Willkommen- und Glücklichsein! Und das so sehr, dass in mir nach diesem Wochenende das starke Bedürfnis zurückbleibt, noch viel mehr darauf zu achten, diese Orte überall zu schaffen. Egal wo, egal mit wem, egal, was uns auf dem Papier oder sonst wie unterscheidet. HOSSA CON sollte überall sein, wo man "Gottes Gruppe" beobachten kann. Und dann möchte ich jedem und jeder zuzurufen: Komm auch in die Gruppe! Hier fängt das Königreich schon heute an.

 

In diesem Sinne: Hossa, hossa, hossa!

 


Gottes Segen und bis zum nächsten Mal,

Euer Daniel

 
 
 

4 Kommentare


Debby
vor 3 Tagen

Hey Daniel,

Wunderbar auf den Punkt gebracht.

Ich freue mich schon auf weitere Widerholungen und auch die Begegnungen in kleinerem Rahmen.


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Peter M.
vor 3 Tagen

Ja, es war einfach wunderbar (ich war auch da)!

Noch nie habe ich mich in einer Gruppe eigentlich komplett fremder Menschen von Beginn an so wohl gefühlt!

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Christian
vor 3 Tagen

Vielen Dank Daniel, dass ist wirklich sehr beeindruckend, inspirierend und schön, was du aus deinem Wochenende schilderst. Liebe Grüße und eine schöne Woche bis Ostersonntag - Christian

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Gast
vor 3 Tagen

Amen, Bruder

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