• Gastautor

Hat der Pazifismus ausgedient ?

Am Ende


Spätestens seit dem kriegerischen Überfall Russlands auf die Ukraine und der rücksichtslosen Bombardierung von zivilen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Kindergärten, Schulen und Wohnhäusern, sowie der brutalen Hinrichtung von Zivilisten ist die Idee des Pazifismus in vielen Köpfen politisch Verantwortlicher und unter vielen Bürgern gestorben. Der Pazifismus sei „aus der Zeit“, ein Auslaufmodel, so heißt es in Regierungskreisen und in der Politik.

Diese Haltung kann ich angesichts der Gräuel und der Unmenschlichkeit seitens Russland gegenüber der Ukraine sehr gut verstehen und nachvollziehen. Ja, Verteidigung scheint real die einzige Möglichkeit zur Zeit zu sein, dass die Ukraine ihr Territorium vor dem Übergriff Russlands schützen und bewahren kann.

Ich frage mich nur ob es wirklich so ratsam ist, die Idee des Pazifismus aufgrund der momentanen Aussichtslosigkeit von Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland einfach zu begraben und zu den Akten zu legen.

Wann wird es je eine Situation geben in der alle Voraussetzungen für Friedensgespräche so ideal sind, dass man die Option Pazifismus wieder aus dem Schrank holen kann oder will? Oder wird es immer so sein, dass der Pazifismus ein Ideal ist, um welches wir intensiv und bemüht ringen müssen?



Jesus - Ein Pazifist?


Als Mensch orientiere ich mich an der Person Jesu und seinem Vorbild. Sein Wirken und sein Leben sind mir in den Stürmen des Alltags ein Leuchtturm, dessen Lichtstrahl mir immer wieder von Neuem die Richtung weist. Und stürmisch sind diese Zeiten allemal. Auf meiner inneren Kompassnadel ist er mein Norden für mich und in der Dunkelheit der Nacht mein Polarstern am Sternenhimmel.

Es gibt im Neuen Testament eine Stelle in Lukas 6, 29 wo Jesus davon spricht, wenn uns jemand eine Ohrfeige gibt, dann sollten wir auch die andere Wange hinhalten.

Diese Stelle wird natürlich sehr unterschiedlich verstanden und interpretiert. Zum Teil wird sie auch so ausgelegt, dass Jesus von uns erwartet, dass wir Schläge hinnehmen sollen.


Ich bin der Meinung, dass der Empfänger von Jesu Worten selbst entscheiden sollte wie diese Worte zu verstehen sind und wie sie sich auf das eigene Leben anwenden lassen.


Viel bedeutender empfinde ich es, Jesu Gesamthaltung zu diesen Themen von Gewaltfreiheit und Frieden zu verstehen. Denn meiner Meinung nach geht es Jesus immer wieder nicht um die Einhaltung von Gesetzen und Regeln oder dem Befolgen eines festverfassten Moralkodex, sondern um eine innere geistige Haltung, aus der wir jedem Menschen begegnen und die Grundlage unseres Handelns bestimmen können.


Jesus geht es nicht um die Dinge die uns Menschen im Alltag in der Regel wichtig sind, die wir messen, wiegen und benützen können und die uns eher voneinander trennen, sondern ihm geht es um innere Werte wie Respekt, Achtung, Solidarität, Gerechtigkeit, Mitgefühl, Liebe und den Glauben und das Vertrauen in Gott. Diesen Werten bleibt er bis zum Ende seines Lebens auf Golgatha und durch den Tod hindurch treu.

Auf der Grundlage dieser Werte basiert Jesu Handeln, sein Reden, sein Umgang mit Menschen, sein Verständnis für ihre Krankheiten und ihre Sorgen und Nöte.

In seinem Weltbild gibt es für Jesus keine Unterscheidung der Menschen in Sprachen, Nationalitäten, Territorien oder Kulturen. Er bewertet nicht in erfolgreich oder scheitern, in reich oder arm, in hoch- oder niedriggestellt. In seinen Augen sind wir alle Kinder Gottes, und für ihn sind alle Menschen gleich vor Gott.

Für Jesus sind von daher die Gründe die uns trennen, die uns verleiten Konflikte zu verursachen oder Kriege auszulösen, Ursachen, die in unserem Inneren verwurzelt sind. In unserer Habgier, in unserem Hass, in unserem Neid und in unserer Lieblosigkeit. Die Gründe liegen in uns da verborgen, wo wir unser wahres Menschsein vergessen und gegen materielle Gewinne und persönliche Vorteile ausgetauscht haben. Wo wir kaltherzig und egozentrisch geworden sind.



Ausweg


Und wenn die Ursachen in unseren Herzen begründet liegen, wie es Jesus feststellt, dann finden wir hier auch den Ausgangspunkt für Veränderung.


Da rief einer aus der Menge: "Lehrer, sag doch meinem Bruder, er soll unser Erbe gerecht mit mir teilen." Aber Jesus wies ihn zurück: "Bin ich etwa euer Richter oder euer Vermittler in Erbstreitigkeiten?" Dann wandte er sich an alle: "Hütet euch vor der Habgier! Wenn jemand auch noch so viel Geld hat, das Leben kann er sich damit nicht kaufen." ( Lukas 12; 13-15)

Auf diesem Weg möchte uns Jesus mitnehmen. Es ist nicht der Weg in eine Welt in der Machtpositionen, Konkurrenz und Gewinne auf dem Rücken Schwächerer angestrebt wird, sondern eine Welt, in der die Hoffnung gepflegt wird, dass wir Menschen uns auf Augenhöhe gleichwertig begegnen können und dass wir in der Lage sind, unsere Verschiedenheiten zu respektieren.

In diesem Sinne spricht Jesus auch nicht von einer neuen Religion, sondern eher von einer neuen Ethik des Mitgefühls und der Liebe. Einer Liebe zu Gott, zu unseren Mitmenschen und zu uns selbst.

Und Jesus ist davon überzeugt, dass es eine Zeit geben wird, in der diese Hoffnung sich erfüllen wird, wie es in der Offenbarung heißt:

... "Hier wird Gott mitten unter den Menschen sein! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein. Ja, von nun an wird Gott selbst[1] in ihrer Mitte leben. 4 Er wird ihnen alle Tränen abwischen. ..." Offenbarung 21; 3 - 4

Wir können den Pazifismus über Bord werfen, zu den Akten legen oder ihn auf ewig begraben wollen.

Aber wie lange wollen wir Kriege führen?

Wie lange wollen wir unsere Waffen optimieren und stärker, größer und effektiver machen?

Damit sie besser, schneller und kolossaler töten und zerstören können, bis von unserer Erde zuletzt nur eine Einöde übrig bleibt!


Mich berühren da immer wieder die Worte des Sängers Rio Reiser in seinem Lied:


"Der Traum ist aus, ich aber werde alles geben dass er Wirklichkeit wird."

Auch wenn der Pazifismus zur Zeit nüchtern betrachtet unrealistisch erscheint, sagt mir die Stimme Jesu, dass wir alles versuchen sollten Friedensstifter zu sein, indem wir in unsere Herzen Tag für Tag einen Grundstein legen können für eine Welt des Friedens und der Gerechtigkeit.



Christian


Ein neuer Gastbeitrag-Schreiber, sagt über sich:

Schon seit meiner Kindheit in der Grundschule bin ich von Jesus fasziniert, als eine Religionslehrerin uns Geschichten von ihm erzählte. Später in meiner Konfirmationszeit begann ich in der Bibel Jesus näher kennenzulernen und habe bis heute nicht damit aufgehört. Ich interessiere mich für Philosophie, Psychologie, Spiritualität und ganzheitliche Medizin und Heilkunde und bin ein Fan von C.G.Jung. Ich liebe besonders all die einfachen Dinge des Lebens, z.B lange Spaziergänge mit unserem Hund durch die Natur, das Arbeiten mit Holz, ein Handwerker Frühstück beim Bäcker oder einen gedeckten Apfelkuchen mit einem Cappuccino, ein gutes Gespräch, herzliche Begegnungen und das Gefühl der Verbundenheit mit Menschen. Mit unserem Hund und einem Kater leben meine Frau und ich in einem kleinen Dorf in Norddeutschland.



Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel.




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