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Große Kreise

  • Autorenbild: Daniel
    Daniel
  • 7. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Könnte es nicht viel einfacher sein? Warum machen wir es uns so schwer … und mit wir meine ich uns Christen. Erst vor etwa einer Woche stieß mich ein Glaubensbruder erneut darauf, dass es laut Schätzungen weltweit wohl über 40.000 christliche Denominationen/Konfessionen gibt.

 

Für die, die kurz an dem Wort „Glaubensbruder“ hängen geblieben sind: Ja, es klingt auch für mich irgendwie komisch alt und staubig und ich habe kurz darüber nachgedacht, ob ich es verwenden will. Aber, dann dachte ich: Es ist eigentlich ein wirklich schönes Bild auf das, was das Leben eines Christen ausmachen könnte – Teil zu sein von einer weltweiten, liebevollen Familie von „Kindern Gottes“ (und damit Geschwistern), die zwar nicht durch Geburt zu einer Familie geworden sind, aber dadurch, dass sie Gottes Werte teilen und an seiner „Familie“ teilhaben wollen (also vielleicht doch durch eine Art Geburt - die „Wiedergeburt“ in Kopf und Herz). Es könnte also alles harmonisch sein. Ist es aber offenbar nicht.

 

Natürlich gibt es zwischen all den 40.000 christlichen Denominationen nicht immer offene Konflikte und Streitigkeiten (obwohl auch das vorkommt). Zumindest gibt es offensichtlich aber für jede Gruppe mindestens eine Sache, die sie an allen anderen Gruppen ablehnt und daher lieber ihre eigene Gruppe aufmachen wollte.

 

Als ich die KI gefragt habe, was es ihrer Meinung nach für Streitthemen unter Christen gibt, kamen als Antwort zunächst die Punkte, die vor allem die großen Kirchen (Katholiken und Protestanten) trennen:

  • Abendmahl / Eucharistie

  • Taufe

  • Rechtfertigungslehre

  • Stellung der Bibel

  • Marien- und Heiligenverehrung

  • Kirchenverständnis und Autorität

  • Eschatologie (Lehre von den letzten Dingen)

 

Als ich dann nachhakte, wie es denn in den Freikirchen aussähe, wurden mir folgende Themen geliefert:

  • Geistestaufe und Gaben des Heiligen Geistes

  • Endzeit und Eschatologie

  • Frauen in Leitungspositionen

  • Heilssicherheit und Abfall

  • Musikstil und Gottesdienstform

  • Gemeindeverständnis und Mitgliedschaft

  • Umgang mit gesellschaftlichen Themen (Homosexualität, politische Beteiligung, Abtreibung)

  • Bibelverständnis

 

Leider sind wohl beide Listen bei weitem nicht erschöpfend. Die allermeisten Punkte deuten aber darauf hin, worum es in vielen Streitfragen eigentlich geht: Was will Gott? Dies scheint die Frage zu sein, die die Christenheit in 40.000 Einzelteile spaltet. Was will Gott in Bezug auf das Abendmahl? Was will Gott in Bezug auf die Taufe? Was will Gott in Bezug auf Frauen in der Kirche? Was will Gott in Bezug auf die Musik im Gottesdienst? Was will Gott in Bezug auf Geschlechterfragen?

 

All diese Fragen sind absolut verständlich und berechtigt. Wie ich zu Beginn bereits kurz gesagt habe, besteht die „Familie“ Gottes aus meiner Sicht aus lauter Menschen verschiedenster Hintergründe, die von Gottes Sicht auf die Welt gehört haben und seine Werte teilen. Dafür muss natürlich erst einmal geklärt werden, was diese Werte sind. Und hier scheinen sich die Antworten teilweise stark zu unterscheiden.


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Umso erfrischender fand ich es, als ich vor einiger Zeit über ein paar überraschend einfache und geradlinige Aussagen darüber gestolpert bin, was Gott eigentlich will. Ich habe schon in einem andern Beitrag davon berichtet, dass mich das Buch „Jesus“ von Hand Küng sehr angesprochen hat und es immer noch tut, weil er (zwar auf überwiegend extrem verkomplizierte Weise) zu einigen sehr simplen Schlüssen und Aussagen kommt, die mich wiederum inspiriert haben, nochmal einen Schritt zurückzutreten von all den detaillierten Streitfragen um Gottes Willen und stattdessen übergeordnet zu Fragen: Was ist denn eigentlich die Essenz? Was steht hinter und über allem und was steckt in allem? Was will Gott im Großen und Ganzen?

 

Hier ist, was Küng dazu sagt:

„Der Wille Gottes ist nicht zweifelhaft. Er ist auch nicht manipulierbar. Aus all dem bisher Gesagten, aus den konkreten Forderungen Jesu selbst sollte bereits deutlich geworden sin: Gott will nichts für sich, nichts zu seinem Vorteil, nichts für seine größere Ehre. Gott will nichts anderes als den Vorteil des Menschen, seine wahre Größe, seine letzte Würde. Also das ist der Wille Gottes: das Wohl des Menschen. Gottes Wille, von der ersten bis zur letzten Seite der Bibel, zielt auf das Wohl des Menschen auf allen Ebenen, zielt auf das definitive und umfassende Wohl, biblisch das „Heil“ des und der Menschen.“ (Küng, H. (2021) Jesus. 4. Aufl. München: Piper, S. 144f.)

Ich könnte an dieser Stelle viel darüber schreiben, was mir dazu durch den Kopf geht – und damit würde dieser kleine Blogbeitrag vermutlich zu einem ganzen Buch ausarten. Viel lieber möchte ich Küngs Gedanken heute aber einfach mal als Anregung für euch stehen lassen. Was denkt ihr dazu? Hat er Gottes Willen auf den Punkt gebracht oder viel zu stark reduziert? Ist sein Fazit zu einfach oder ist der Wille Gottes im Kern so einfach?

 

Fast noch wichtiger ist für mich die Frage: Sollte Küng Recht haben, wie wirkt sich das auf meinen Glauben, meine Sicht auf die 40.000 Denominationen und letztlich auf mein ganzes alltägliches Leben aus? Habe ich in all dem eigentlich den richtigen Fokus? Oder habe ich mich mit der Zeit komplett verrannt, weil ich so tief nach Antworten gegraben habe, dass ich kaum noch Tageslicht sehe? (Ich glaube dieses Bild habe ich schon mal benutzt, aber ich mag es immer noch 😉)

 

Oft denke ich darüber nach, wie Gott, der Glaube an Gott und alles, was damit zusammenhängt, damals in der Sonntagsschule noch so einfach war … Es gab einfache Wahrheiten und einfache, kindliche Lieder, die diese Wahrheiten vermitteln konnten. Eins dieser Lieder ist mir neulich zufällig (?) in den Kopf gekommen und ich möchte es gerne zum Abschluss mit euch teilen. Es ist so simpel, musikalisch nicht sehr komplex oder anspruchsvoll und natürlich eher ein Kinderlied als alles andere. Aber als ich es neulich noch einmal gehört habe, hat es mich sofort sehr berührt und zu Tränen gerührt. Wie einfach doch damals alles war … zu einfach? Oder eigentlich viel näher an dem, was wirklich zählt, als alles, worüber sich 40.000 Denominationen heute streiten? Entscheidet selbst:

 

Lied: Ins Wasser fällt ein Stein.

Gottes Segen und bis zum nächsten Mal,

Euer Daniel


Foto von S-Art Media auf Unsplash

3 Kommentare


Gast
18. Okt.

Vielen Dank für diesen inspirierenden Artikel! Er ermutigt die Leser, neugierig auf sich selbst zu sein. Um diese Neugier in strukturierte Bahnen zu lenken, können etablierte Modelle sehr hilfreich sein. Ich wollte schon immer einen detaillierten relatório da escala Kinsey für mich selbst sehen und habe eine Webseite gefunden, die genau das anbietet. Es ist mehr als nur ein Test; es ist eine Einladung zur Reflexion über die eigene Sexualität. Eine großartige Ressource, die ich gerne teile.

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Gast
07. Juli

Vielen Dank Daniel, ja mich hat das Lied auch sehr bewegt, einfach wunderschön und wahr. Gott wünscht sich, dass wir ihn und unsere Nächsten lieben, das können wir ganz einfach in Taten und Worten leben. Und da, wo die Liebe uns schwerfällt, können wir Ihn fragen, ob er uns nicht dabei helfen kann zu lieben.

Liebe Grüße - Christian

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Daniel
Daniel
09. Juli
Antwort an

Das stimmt absolut! Und wenn es stimmt, was Küng schreibt, dann gibt es nichts, was Gott wichtiger ist und was ihn glücklicher macht :)

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