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Festgefahren

  • Autorenbild: Ingo
    Ingo
  • vor 12 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Am Wochenende stand in meiner Familie eine Entscheidung an. Diese Situation erinnerte mich im Nachhinein an eine Begebenheit aus der Bibel, die der König Salomo erlebte. Zu seinen Aufgaben als König gehörte auch die Rechtsprechung. Zwei Frauen suchten ihn auf, um ihren Streit vorzutragen und eine Entscheidung durch den Richter zu bekommen. Der Fall erscheint unlösbar. Es steht Aussage gegen Aussage. Keine Frau will nachgeben oder zugeben, was wirklich die Wahrheit ist. Hier der Bericht.



Das salomonische Urteil

 

Eines Tages traten zwei Prostituierte vor den König. Die eine sagte: „Bitte, mein Herr! Diese Frau wohnt mit mir zusammen in einem Haus. Sie war dabei, als mein Kind geboren wurde. Zwei Tage später bekam auch sie ein Kind. Wir beide waren ganz allein im Haus, kein Fremder war bei uns. Eines Nachts starb der Sohn dieser Frau, weil sie ihn im Schlaf erdrückt hatte. Da stand sie mitten in der Nacht auf, holte meinen Sohn von meiner Seite weg und legte ihn zu sich, während ich, deine Dienerin, schlief. Ihren toten Sohn aber legte sie neben mich. Als ich nun am Morgen erwachte und meinen Sohn stillen wollte, merkte ich auf einmal, dass er tot war. Doch als ich ihn genauer ansah, entdeckte ich, dass es gar nicht das Kind war, das ich geboren hatte.“ „Das ist nicht wahr!“, rief die andere Frau. „Mein Sohn ist der lebende und deiner der tote!“ – „Nein“, rief die erste, „dein Sohn ist der tote und meiner der lebendige!“ So stritten sie sich vor dem König. Da sagte der König: „Die eine behauptet: 'Der hier, der lebende, ist mein Sohn. Dein Sohn ist der tote!', die andere sagt: 'Nein, dein Sohn ist der tote und mein Sohn der lebende!'“ Dann befahl er: „Holt mir ein Schwert!“ Sie brachten es dem König. Er sagte: „Teilt das lebendige Kind in zwei Teile und gebt die eine Hälfte der einen und die andere Hälfte der anderen.“ Da rief die Frau, deren Sohn der lebende war – denn es wurde ihr heiß vor Angst um ihren Sohn: „Bitte, mein Herr! Gebt ihr das lebende Kind, aber tötet es ja nicht!“ Die andere aber sagte: „Es soll weder dir noch mir gehören, zerschneidet es nur!“ Da befahl der König: „Gebt der Ersten das lebende Kindchen und tötet es ja nicht! Sie ist seine Mutter.“ Ganz Israel hörte von dem Urteil, das der König gefällt hatte. Das Volk achtete und respektierte ihn, weil sie sahen, dass Gottes Weisheit in ihm war, sodass er gerechte Urteile fällen konnte. (1.Könige 3,16-28 - Neue evangelistische Übersetzung)

 

 Was für eine außergewöhnliche Vorgehensweise. Salomo hört die Frauen an. Dann fasst er den Fall zusammen und bringt das Problem auf den Punkt. Aus der Sicht der Frauen erscheint der Fall festgefahren. Aus Sicht des Königs benötigen sie einen anderen Blick auf ihren Fall. Diesen bewirkt er, indem er den beiden Beteiligten einen furchtbaren Vorschlag macht. Das ganze System stellt sich schlagartig neu dar. Und das Ergebnis ist verständlich. Die wirkliche Mutter gibt sich zu erkennen, indem sie nachgibt und um des Lebens ihres geliebten Sohnes der falschen Mutter das Kind zuspricht. Die trauernde Mutter bleibt bei ihrer Lüge und stimmt dem verstörendem Urteil zu.

 

Wow.

Wie konnte Salomo so außerordentlich handeln? Ein paar Verse vorher lesen wir, dass sein gerechtes Vorgehen eine Vorgeschichte bzw. einen Grund hat. Er wurde von Gott dazu befähigt. Gott schenkte Salomo einen freien Wunsch.

 

Darum bitte ich dich: Gib mir ein Herz, das auf dich hört, damit ich dein Volk richtig führen und zwischen Recht und Unrecht unterscheiden kann. Denn wie könnte ich sonst ein so riesiges Volk gerecht regieren?« Es gefiel dem Herrn, dass Salomo gerade eine solche Bitte ausgesprochen hatte. Darum antwortete Gott: »Ich freue mich, dass du dir nicht ein langes Leben gewünscht hast, auch nicht Reichtum oder den Tod deiner Feinde. Du hast mich um Weisheit gebeten, weil du ein guter Richter sein willst. Du sollst bekommen, was du dir wünschst! Ja, ich will dich so weise und einsichtsvoll machen, wie es vor dir noch niemand war und auch nach dir niemand mehr sein wird. (1.Könige 3,9-12)

 

Was für ein besonderer Wunsch von dem jungen König. Er war noch nicht einmal zwanzig Jahre. Das erklärt auch die Freude Gottes über seinen bedachten Wunsch. In der Geschichte oben hören wir von der ersten Frucht seiner von Gott gegebenen Fähigkeiten. Der Wunsch hat sich erfüllt und Salomo war ein weiser Mann und Vater. Er versuchte seine Erfahrungen und Erkenntnisse der Nachwelt zu überliefern. In den Ratschlägen an seinen Sohn ist zu  lesen.

 

Dann wirst du den HERRN immer besser kennen lernen und Ehrfurcht vor ihm haben. Er allein gibt Weisheit, und nur von ihm kommen Wissen und Urteilskraft. Aufrichtigen Menschen schenkt er Gelingen; er hilft allen, die so leben, wie es ihm gefällt. (Sprüche 2,5-7)

 

Was für einen schöne Aussicht. Nach meinem Erlebniss am Wochenende möchte ich behaupten, dass dies auch für die Nachfolger und Nachfolgerinnen Jesu zutrifft. Sie können Hilfe von Gott und Jesus erwarten, auch ohne immer vorher darum zu bitten.

 

Folgt nicht ihrem schlechten Beispiel, denn euer Vater weiß genau, was ihr braucht, schon bevor ihr ihn um etwas bittet. (Matthäus 6,8)

 

Durch Christus nehmen sie Erkenntnis und Weisheit auf. Ihr Herz füllt sich damit und Entscheidungen in festgefahrenen Situation werden gefunden.

 

Das gilt auch für euch. Dass ihr mit Jesus Christus verbunden seid, verdankt ihr allein Gott. Und mit ihm hat er euch alles geschenkt: Christus ist Gottes Weisheit für uns. Durch ihn haben wir Anerkennung vor Gott gefunden, durch ihn gehören wir zu Gottes heiligem Volk, und durch ihn sind wir auch von unserer Schuld befreit. (1.Korinther 1,30)

 

 

Die Situation

 

Was war am Wochenende passiert?

Aus persönlichen Gründen aller Beteiligten möchte ich hier keine Einzelheiten aussprechen.

Wie schon gesagt stand in unserer Familie eine Entscheidung an. Vier Menschen waren beteiligt und kamen zusammen, um den Sachverhalt nochmals zu besprechen und möglichst zu einer Lösung zu gelangen.

Alle erklärten sich und schnell war erneut klar, dass vier Beteiligte, vier Bedürfnisse hatten und 4 Standpunkte vertraten. Es wurde emotional. Irgendwann schwiegen wir uns alle an. Keine Lösung war in Sicht. Wir müssen das nicht machen, hieß es irgendwann. Leider war dass auch nicht akzeptabel. Einzig stellte sich heraus, dass jeweils zwei der Kontrahenten ein ähnliches Ziel verfolgten. Die Anspannung war kaum zu ertragen.

 

 

Die Auflösung

 

Irgendwann fragte ich die Person auf meiner Seite, ob wir einmal rausgehen wollen. Sie stimmte zu und wir gingen gemeinsam an die frische Luft. So lösten wir das System auf und konnten einen neuen Blick auf die Situation einnehmen.

Wir versuchten jeden zu sehen und einzuordnen, was jedem wichtig war.

Wir wollten den Prozess abschließen und einer Lösung nicht im Weg stehen.

Wir suchten und fanden dabei das Wesentliche der Problematik.

 

Doch wie konnten wir den Knoten auflösen, wie die „festgefahrene Karre aus dem Dreck“ ziehen?

Ich suchte nach einer neuen Erzählung.

Konnte irgendwie der Vorteil für jeden ausgedrückt werden?

Obwohl ich selbst auch beteiligt war, fand ich Worte, die den Sachverhalt neu beschrieben.

Damit waren wir zwei und später alle vier einverstanden.

Alle konnten sich darin wiederfinden.

Die Lösung war gefunden.

Alle waren zufrieden (Frieden).


 

Mit einigem Abstand möchte ich behaupten das Gott und Jesus bei mir und mit uns waren.

Ohne vorher ausdrücklich um Hilfe gebeten zu haben, waren sie da.

Sie ließen mein Herz sprechen.

Sie sorgten dafür, dass ich ihre Haltung der Demut und der Gnade einnahm.

Ein neuer Blick auf die Situation entwickelte sich in mir.

 

Dafür bin ich, sind wir alle sehr dankbar.

 

 

In diesem Sinne wünsche ich dir immer ein offenes Herz.

 

 

Ingo

 

 

 

Bild von Mohamed Hassan auf Pixabay

 

Anmerkungen und Fragen könnt ihr als Kommentar eintragen.

Oder gern auch direkt an mich:

 

Ingo Tauchert

 

Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel.

1 Kommentar


Christian
vor 11 Stunden

Lieber Ingo, vielen Dank für deinen bewegenden Beitrag heute und deine Erfahrung, die zeigt, wohin uns der Weg mit Gott mit einem offenen Herzen führen kann. Liebe Grüße in Jesus - Christian

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