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  • Ulrike

"Du bist der Gott, der mich sieht"

„The same procedure as every year?“ Höre ich den Butler in dem kleinen englischen Kabinettstückchen „Dinner for one“ fragen. Miss Sophie, die hochbetagte englische Lady, antwortet wie immer: „The same procedure as every year, James“. Worauf der arme Butler alle imaginären Geburtstagsgäste spielen und bewirten muss. Miss Sophie möchte ihren Geburtstag nicht alleine verbringen, obwohl ihre geschätzten Freunde allesamt bereits verstorben sind.

Warum wir den Einakter immer nur zu Silvester im Fernsehen zu sehen bekommen? Ich kann mir vorstellen es liegt tatsächlich an dieser Frage: „Der gleiche Ablauf, wie jedes Jahr?“. Zum Jahreswechsel lohnt es sich das vergangene Jahr an sich vorbeiziehen zu lassen. Was ist passiert? Ein neues Jahr ist für mich gleichbedeutend mit einem kleinen Neuanfang. Was kann ich ändern? Was sind meine Ziele? Wo stehe ich? – Sollte das neue Jahr, wie „jedes“ Jahr ablaufen? – Darauf mag jeder seine eigene Antwort finden. Ich für mich kann da nur sagen: „Lieber nicht“. Oft überrollten mich Ereignisse und ließen mich ziemlich handlungsunfähig zurück. Und immer die gleichen, über Jahre eingeübten Reaktionen, haben eigentlich nie richtig funktioniert. Es ist Zeit, das zu erkennen und zu verändern.

„Du bist der Gott, der mich sieht“ (1.Mose 16,13)

Ja, was sieht Gott in mir? Passend dazu fiel mir ein Text wieder in die Hand, von dem ich schon beim ersten Lesen ganz beseelt war. Ich schreibe ihn hier mal für euch auf.


Für alle freudlosen, zerbrochenen, grübelnden Mitmenschen und alle Anderen und für mich:


Hey Gott

Ich: Hey Gott.

Gott: Hallo.

Ich: Ich falle auseinander. Kannst du mich wieder zusammensetzen?

Gott: Das möchte ich lieber nicht machen.

Ich: Warum nicht?

Gott: Weil du kein Puzzle bist.

Ich: Was ist denn mit all den Teilen meines Lebens, die hinunter auf den Boden fallen?

Gott: Lass sie für eine Weile dort liegen. Sie sind aus einem bestimmten Grund heruntergefallen. Nimm dir etwas Zeit und entscheide, ob du einige Teile noch brauchst.

Ich: Du verstehst nicht! Ich zerbreche!

Gott: Nein, du verstehst nicht. Du durchbrichst. Was du fühlst, sind nur Wachstumsschmerzen. Du verlierst die Dinge und die Leute in deinem Leben, die dich zurückhalten. Du zerbrichst nicht. Alles fällt an seinen Platz. Entspanne dich! Atme tief ein und erlaube den Dingen, die du nicht mehr brauchst, von dir abzufallen. Höre auf, dich an den Teilen festzuhalten, die nicht mehr zu dir passen. Lass sie abfallen. Lass sie gehen.

Ich: Wenn ich das zulasse, was wird dann noch von mir übrig sein?

Gott: Nur die allerbesten Stücke von dir.

Ich: Ich habe Angst mich zu verändern.

Gott: Das versuche ich dir die ganze Zeit zu sagen: Du veränderst dich nicht – du wirst.

Ich: Zu was werde ich?

Gott: Du wirst der, zu dem ich dich geschaffen habe. Ein Mensch des Lichts und der Liebe und der Nächstenliebe und der Hoffnung und des Mutes und der Freude und der Barmherzigkeit und der Gnade und des Mitgefühls. Ich habe dich zu mehr geschaffen, als nur die oberflächlichen Dinge, mit denen du dich schmücken willst, an die du dich mit solcher Gier und Angst festklammerst. Lass die Dinge von dir abfallen. Ich liebe dich! Verändere dich nicht…Werde! Werde der, zu dem ich dich geschaffen habe. Das werde ich dir solange sagen, bis du dich daran erinnerst.

Ich: Da fällt noch ein Stück herunter.

Gott: Ja. Lass es gehen.

Ich: Also…bin ich nicht zerbrochen?

Gott: Natürlich nicht! Du brichst an wie die Dämmerung. Es ist ein neuer Tag. Werde!


(Von John Roedel https://www.johnroedel.com/post/manage-your-blog-from-your-live-site - Danke, Hannah-Maria für die Übersetzung!)



Quelle: Pixabay - kostenlose Fotos


Ob Hagar, von der die Worte aus 1. Mose stammen, auch so dachte? Die Magd Sarais, die von Abram schwanger wurde, was ja ausdrücklich von ihrer Herrin gewünscht wurde. Dann lesen wir, dass Sarai sie schlecht behandelte. Ob Sarai eifersüchtig war? Hagars Leben schien sich auch aufzulösen und sie flieht in die Wüste. Ein Engel Gottes sprach mit ihr, vielleicht so ähnlich wie oben? Hagar fasste neuen Mut, sich ihrem Leben zu stellen und kehrte zurück zu Abram und Sarai, weil Gott der Gott ist, der sie sieht!


Vielleicht hat der ein oder andere schon bemerkt, dass ich die Jahreslosung 2023 als Überschrift gewählt habe. Sie passt einfach so gut! Denn letzte Woche habe ich auf dem Weg zur Arbeit im Autoradio eine kleine Morgenandacht zu diesem Bibelvers gehört, die mir noch eine wunderbare Sichtweise eröffnete.

Es geht um den Propheten Samuel, der von Gott beauftragt wurde, den neuen König zu suchen und zu salben. Er kam also zu Isai, der ihm stolz nacheinander alle seine Söhne vorstellte. Wahrscheinlich stattliche junge Männer, nur für Samuel war nicht der Richtige dabei.

Aber der HERR sprach zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und auf seinen hohen Wuchs! Denn ich habe ihn verworfen. Denn ⟨der HERR sieht⟩ nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, aber der HERR sieht auf das Herz. (1.Samuel 16,7)

Wir sehen was unsere Augen sehen. Größe, Ausdruck, Schönheit, Leistung. Alles Äußerlichkeiten, die einen Eindruck hinterlassen. Gott sieht das Herz an! Deshalb wurde der jüngste und kleinste erwählt und Samuel salbte David zum König. Dass David kein perfekter Mensch war, war nicht wichtig. Er machte so manchen Fehler und durfte daran wachsen. David erkannte diese und bereute von ganzem Herzen! Vielleicht mit den Worten: Du bist der Gott, der mich sieht!


Gott sieht mich, weil er mein Herz ansieht. Das, was im Herzen bewegt wird, das macht mich aus. Also schaue ich da mal direkt hin. Das Herz steht für Liebe. In Liebe tragen und getragen werden. So wie oben im Text beschrieben: „Du wirst der, zu dem ich dich geschaffen habe. Ein Mensch des Lichts und der Liebe und der Nächstenliebe und der Hoffnung und des Mutes und der Freude und der Barmherzigkeit und der Gnade und des Mitgefühls.“


Irgendwie werde ich von dem Gedanken ins neue Jahr getragen, dass es für mich noch viel zu entdecken gibt. Dass ich die „Spannungsfelder“ zu „Übungsfeldern“ umnutzen kann und so weiter im Glauben, in der Hoffnung und mit Zuversicht wachsen kann.


Mit Gottes Hilfe, weil er mich sieht.


Eure Ulrike


Die Bibelzitate sind der Übersetzung Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Witten/Holzgerlingen entnommen.

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