Die kulturelle Landpartie und Christliches?
- Ingo

- vor 1 Tag
- 6 Min. Lesezeit
Am letzten Wochenende war ich auf der kulturellen Landpartie im Wendland. In der Vorbereitung suchte ich kurzentschlossen ein Zimmer für eine Übernachtung von Samstag auf Sonntag. Das gestaltete sich schwierig. Ich fand keine Angebote mehr. Es war zu spät.
Weil ich schon längere Zeit die Frage im Kopf bewegte, ob ich wohl auch im weitestgehenden Sinne Christliches auf der Veranstaltung sehen und vorfinden werde, gab ich kurzerhand und mit einem Zwinkern im Auge folgende Anfrage in mein Suchprogramm ein.

Erstaunlicherweise war der erste Eintrag von einem Hotel bzw. Gästehaus. Das lag super zentral im Wendland und war hervorragend geeignet als Unterkunft für unsere Tour. Kurzerhand buchte ich ein Zimmer und unsere Zweitagetour konnte beginnen.
Die kulturelle Landpartie
Für alle, die die kulturelle Landpartie nicht kennen habe ich die KI um eine kurze Ausarbeitung gebeten. Die folgende aktuelle Zusammenfassung ist daraus entstanden.
Was ist die kulturelle Landpartie?
Die kulturelle Landpartie im Wendland ist ein einzigartiges Kunst- und Kulturfestival, das seit 1990 jährlich stattfindet. Zunächst unter dem Namen „Wunde.r.punkte Wendland“, ab 1994 unter „Wunderpunkte“ bis hin zum heutigen Namen „Kulturelle Landpartie – Wunderpunkte im Wentland“. Sie verbindet Kunst, Natur, Gemeinschaft und ländliches Leben in einer Region, die für ihren Widerstand gegen Atomkraft, nachhaltige Lebensweisen und alternative Kultur bekannt ist.
Gründe und Entstehung
Idee: Künstler:innen und Aktivist:innen wollten Kultur abseits der Städte auf dem Land etablieren – als Gegenentwurf zu kommerziellen Festivals.
Motivation:
Das Wendland war ein Ort des zivilgesellschaftlichen Engagements (z. B. Gorleben-Proteste).
Viele verlassene Höfe und Scheunen boten Raum für kreative Nutzung.
Partizipation und Gemeinschaft standen von Anfang an im Mittelpunkt.
Inspiration: Internationale Vorbilder wie niederländische „Open Houses“ oder deutsche „Kunstwege“.
Entwicklung: Von einer kleinen Idee zum Leuchtturm
Jahrzehnt | Entwicklung |
1990er | Kleines, experimentelles Festival mit wenigen Veranstaltungen; Fokus auf politische und ökologische Themen. |
2000er | Professionalisierung, aber Beibehaltung des unkommerziellen Charakters; internationale Künstler:innen werden angezogen. |
2010er–heute | Mehrtägiges Festival mit Hunderten von Veranstaltungen (Ausstellungen, Performances, Workshops); kultureller Leuchtturm mit nationaler und internationaler Strahlkraft. |
Wer macht die Landpartie möglich?
Künstler:innen: Maler:innen, Musiker:innen, Bildhauer:innen u. a., die vor Ort arbeiten und die Landschaft einbeziehen.
Lokale Initiativen: Dorfgemeinschaften, Vereine und NGOs organisieren eigene Projekte.
Förderer: Kulturstiftung des Bundes, Land Niedersachsen, Kunststiftung Niedersachsen und ehrenamtliche Helfer:innen.
Besondere Schwerpunkte: Themen wie Atomkraft, Wasser oder Zukunftsbilder prägen einzelne Ausgaben.
Wer besucht die Landpartie?
Kulturliebhaber:innen aus ganz Deutschland.
Künstler:innen und Kulturschaffende zur Inspiration und Vernetzung.
Tourist:innen, die das Wendland als Reiseziel entdecken.
Lokale, die die Landpartie als Identitätsstifter erleben.
Familien und junge Leute, für die sie ein kreatives Erlebnis ist.
Gegenwart: Ein Festival mit Zukunft
Heute ist die Landpartie:
✅ Kunst im ländlichen Raum – jenseits von Museen und Großstädten.
✅ Nachhaltig und regional – Nutzung alter Gebäude, ökologische Angebote.
✅ Partizipativ – Bürger:innen gestalten aktiv mit.
✅ Politisch und ökologisch – Themen wie Klimawandel und soziale Gerechtigkeit werden künstlerisch aufgegriffen.
Ausblick: Herausforderungen und Chancen
Die Landpartie steht vor der Frage, wie sie relevant bleibt und ihre Finanzierung sichert. Mögliche Zukunftsmodelle:
Mehr partizipative Projekte (Anwohner:innen als Künstler:innen).
Stärkere internationale Vernetzung.
Ein jährlicher „Kunst- und Kultur-Sommer“ im Wendland.
Warum ist die Landpartie wichtig?
Sie beweist, dass ländliche Räume kulturell lebendig sind.
Sie zeigt, dass Kultur nicht nur Konsum, sondern auch Transformation bedeutet.
Sie ist ein Gegenentwurf zu Gentrifizierung und Kommerzialisierung – mit Fokus auf Gemeinwohl, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft.
„Kunst auf dem Land – nicht für das Land, sondern mit dem Land.“ Das Motto der Landpartie steht für ihr Vermächtnis und ihre Zukunft.
Bei Interesse kannst du dir zur Geschichte der KLP einen weiteren Eindruck verschaffen. Dieser Link erschien übrigens als zweites Ergebnis auf meine Suchanfrage von oben.
Ein Zitat aus dem Jahr 2017 von einer Künstlerin möchte ich herausstellen.
Es bringt eine Besonderheit der Landpartie auf den Punkt.
„Ich zeige als Kunsthandwerkerin meine Arbeit und etwas davon, wie ich lebe.“
Hier ist der Zeitungsartikel mit dem Zitat zu finden.
Auf dem Weg
So, jetzt geht es endlich los.
Wir, unsere Kochgruppe aus dem Dorf, erkundeten also per Fahrrad das Event.
Mit dem Auto trafen wir uns am vereinbarten Treffpunkt. Entfesselten unsere Räder und radelten einer vorgegebenen Tourbeschreibung in entgegengesetzter Richtung fröhlich drauflos. So ganz einfach war es nicht, denn im Wendland ist die Netzabdeckung noch sehr löcherig. Durch die vielen uns entgegenkommenden Drahtesel waren wir uns allerdings sehr sicher, auf dem richtigen Weg zu sein.

Hoppla, rechts ist schon der erste Ausstellungsort. Alle ketteten ihre Räder an und die Erkundung startete. Durch eine Bemerkung einer Freundin wurde ich kurz vorher an meine Fragestellung von oben erinnert, die zu der Suchanfrage führte.
Würde ich zum Thema "Christsein" etwas finden oder entdecken?
Erstmal lief ich schnurstracks auf einen Mini - Wohnwagen aus Holz zu. Spannend. Dann das erste Bier aus einer kleinen Brauerei aus Hamburg. Wir sahen Schmuck, Mode, Bilder und Skulpturen.
Und dann das.
Eine Ausstellung mit Natürlichem und Modernem aus Holz.
Hier findet ihr den Künstler im Netz für einen ersten Eindruck.
Etwas außerhalb der Mitte hing eine menschenähnliche Holzskulptur an einem ideellen, abstrakten Kreuz. Zur Verdeutlichung des Zusammenhangs hing jeweils links und rechts ein deutlich zu erkennendes Holzkreuz. Nach meiner Entdeckung der Arbeit machte ich sofort meine Begleiterin darauf aufmerksam.
Erster Hof – erster Link zum Thema Christ.
Der Austeller bemerkte unser Interesse und stellte sich sogleich vor. Wir tauschten ein paar Worte und ich stellte die Frage nach der Aussage bzw. Bedeutung seines Werks. Ursprung für ihn war, bei der Beschäftigung mit Kirche und Christsein, die Frage warum war Jesus eigentlich ein so junger Mann? Wäre ein älterer Mensch nicht viel besser geeignet, die Last der ganzen Welt zu tragen. Jedenfalls haben Ältere viel mehr Erfahrung, so seine Beobachtung. Um diesen Gedanken etwas provokant ins Bild zu setzen, hatte der Mensch am Kreuz seines Kunstwerks einen merklichen Bauch und Brüste. Dies bemerkten wir erst nach seinem Hinweis und Zeigen darauf.
Er verriet uns auch, dass seine Figur oft auch auf Abneigung stößt. Und er schon heftige Auseinandersetzungen darüber erfahren habe. Das ging so weit, das er aufgefordert wurde, sie abzunehmen.
Ich sagte ihm, dass das gegen die Awareness (ein Konzept der KLP zur Unterstützung gegen Diskriminierung, übergriffiges Verhalten und sexualisierte Gewalt) verstoßen würde. Auch er müsste vor Diskriminierung geschützt sein.
Seine Frage nahm ich mit. Wir sprachen noch kurz über das "Christsein" und ich machte ihn darauf aufmerksam wie wichtig und befreiend die Begegnung mit Christus nach meiner Erfahrung ist.
Wie schön. Mein erstes Erlebnis als Antwort auf meine Frage.
Der weitere Tag
An der nächsten Station aßen wir eine köstliche Suppe. Zwei von uns tanzten einen Klezmer Reigentanz mitten auf dem Rundlings Dorfplatz. Das machte ihnen sehr viel Freude. Wir besuchten weitere Ausstellungen.
Wir sahen einer Akrobatin dabei zu, wie sie mit den Seilen ihrer Schaukel kämpfte. Jedenfalls sah es so aus. In praller Sonnen und sehr begeisternd.
Langsam waren die Eindrücke genug.
Etwas zurückhaltend hielten wir dennoch an einem etwas unscheinbaren Haus an. „Kommt, hier gucken wir noch rein.“
Und wir haben es nicht bereut.
Ein weiterer Holz - Künstler fertigte aus einem Baumstamm Skulpturen in Menschengestalt.
In einem kleinen Raum stand sie dann.
Eine Figur, die scheinbar mehrere Stadien des Menschenlebens zugleich zeigt. Im Zentrum ein Mensch im mittleren Alter. Aus dem Knie erwächst ein jüngerer Mensch der den älteren auf Bauchhöhe umarmt. Eine knöchrige Hand verdeckt das halbe Gesicht des Erwachsenen. Beim verfolgen der Hand kommt ein menschliches Skelett zum Vorschein, das den Rücken heraufsteigt und den grausigen Kopf gegen den Hinterkopf drückt und auf der Schulter des lebenden Menschen ablegt. Das ganze wird von einer überdimensionierten Hand gehalten, die der Figur von oben ausgehend, ihren Halt gibt.
Hier, auf der Seite des Künstlers, könnt ihr ein Foto der Skulptur sehen.
Alle waren irgendwie angesprochen. Ich hörte Aussagen wie, das stößt mich ab, wie spannend, die zeigt das Leben.
Da war es, kurz vor Ende der Tour, mein zweites „Christsein“ - Erlebnis.
Diese Arbeit drückt die Frage des Lebens in einmaliger Einfachheit aus.
Wer bin ich?
Warum lebe ich?
Wo gehe ich hin?
Gibt es eine Kraft, die mich hält?
Beeindruckend.
Wir beendeten den Tag mit einem gemeinsamen Essen auf einem weiteren Ausstellungshof. Und mit einer herrlichen Schluss - Etappe durch die schöne Landschaft im Wendland. Besonders bergab. 😉
In diesem Sinne schaue christlich auf die Dinge.
Ingo
Anmerkungen und Fragen könnt ihr als Kommentar eintragen.
Oder gern auch direkt an mich:
Ingo Tauchert
Die Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica. Inc.® Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis-Verlag Basel.

Vielen Dank Ingo für deinen spannenden Bericht aus dem Wendland und wie deine Erfahrungen erlebbar machen, dass jeder Tag unzählige Gelegenheiten bietet im Kontakt mit Menschen Jesus zu begegnen. Liebe Grüße - Christian