• Daniel

„Church First!“ Oder: Wohin mit der Liebe?

Donald Trump ist nun schon seit einigen Wochen nicht mehr Präsident der USA. Trotzdem hören seine Mentalität und seine Politik (der sogenannte „Trumpismus“) nicht auf nachzuklingen. Das gilt für die Vereinigten Staaten, die immer noch tief gespalten sind, aber das gilt auch für den Rest der Welt. Natürlich ist Trump keineswegs der Begründer eines neuen ideologischen Phänomens, vielmehr war er denke ich aufgrund seiner – vorsichtig ausgedrückt – sehr eigenen Art ein für die weltpolitische Bühne ungewöhnlich unverhohlener Stellvertreter eines Denkens, das auch in vielen anderen Staaten weltweit immer mehr ans Tageslicht rückt. An sehr vielen Orten lässt sich heute beobachten, dass stark konservative bis hin zu rechtsextremen Gruppen an Zuspruch gewinnen.


Gemein haben alle diese Gruppen einen sehr fragwürdigen Fokus auf sich selbst, auf das „wir“ und oft auch das „ich“: Unser Land soll die wirtschaftliche Spitze der Welt sein; Unser Land lassen wir uns nicht von Einwanderern kaputt machen; Wir sind besser als andere; Wir sind wichtiger als andere; Und schließlich: Ich bin wichtiger als andere. Genau das ist es, was Trump mit seinem überraschend direkten Wahlspruch „America First“ propagierte, wobei „America“ im Grunde mit jedem beliebigen Ländernamen ausgewechselt werden könnte und der Slogan immer noch irgendwo reichlich Zustimmung finden würde.


Mich hat diese „America First“-Haltung von Anfang an erschrocken und mir tatsächlich einige Bauchschmerzen bereitet. Nicht etwa, weil ich nicht Teil von „America“ bin, sondern weil derselbe Mann, der diese selbst zentrierte Haltung öffentlich und ohne Schamgefühl propagiert, gleichzeitig mit einer Bibel in der Hand vor der nächsten Kirche für die Fotografen posiert. Als Christ ist mir besonders DAS übel aufgestoßen. Wie kann jemand wortwörtlich Gottes Wort hochhalten und im gleichen Atemzug sagen, wir sollten zuallererst an uns selbst denken und danach vielleicht an andere?


Natürlich ist Trump auch hier nicht der erste, der offenbar keinen Fehler in diesem Widerspruch erkennt. Aber die Selbstgefälligkeit, mit der er ihn geradezu zelebriert hat, hat das ganze doch noch einmal auf ein neues Level gehoben. Hat der Mann überhaupt schon einmal in das Buch hineingeschaut, welches er so selbstbewusst in die Kameras hielt? Hat er noch nie gehört, dass dieses Buch Nächstenliebe lehrt? Dass es lehrt, den anderen höher zu achten als sich selbst, eine dienende Haltung einzunehmen oder Ungerechtigkeiten zu ertragen, statt für die eigenen Rechte einzutreten?


Zugegeben: „America First“ ist nicht direkt egoistisch. Es geht ja nicht darum, dass sich ein Einzelner wichtiger nimmt als alle anderen. Im Grunde geht es sogar darum, innerhalb einer Gruppe füreinander da zu sein. Aber als Anhänger dieser Mentalität muss man auch zugeben: diese Gruppe, in der man sich gegenseitig umsorgt und weiterbringt, ist günstiger Weise genau jene Gruppe, zu der man selbst gehört! Das sollte doch eigentlich gehörige Skepsis wecken... Angehörige der eigenen Gruppe (sei es eine Gruppe derselben Hautfarbe, Religion, Herkunft oder eben Nationalität) besser zu behandeln als diejenigen, die nicht dazugehören... da sollten nicht nur für Christen einige Alarmglocken läuten.


Ich musste an einen Ausspruch Jesu denken:

„Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel seid. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, was habt ihr für einen Lohn? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Machen es nicht auch die Zöllner ebenso?“ (Matthäus 5,44-47)

Was als Nachdenken über das aktuelle Weltgeschehen anfing wurde so nach und nach zu einem Nachsinnen über mich selbst. Auch ich bin Teil verschiedener Gruppen, allen voran einer Gemeinde, die für mich wie meine Familie ist. Wie verhalte ich mich in dieser Gruppe? Wie verhält sich die Gruppe in Beziehung zu anderen, die nicht dazugehören? Wie schrecklich wäre es, wenn wir uns als Gemeinde genauso verhalten würden, wie wir es immer mehr in der Welt sehen – quasi nach dem Motto „Church First“?! Das würde ja bedeuten:


  • Wir denken erst an uns selbst, dann an andere.

  • Wir setzen unsere Energie vorrangig für die eigenen Geschwister ein, statt für Menschen, die noch auf der Suche nach Gott sind.

  • Wir engagieren uns und bieten Hilfe an, aber zuerst in den eigenen Reihen.


Je länger ich darüber nachdachte, desto absurder und unbiblischer erschien es mir. Wie würde denn jemals jemand von Gottes Liebe erfahren, wenn die Liebe nur innerhalb unserer Reihen bliebe?! So ein Verhalten, so schien es mir, könnte kaum weiter von dem entfernt sein, was die Bibel uns als Gottes Willen zeigt. Ich denke schon länger darüber nach, wie Gemeinde eigentlich gelebt werden sollte – nicht zuletzt, weil wir (so Gott will) in gar nicht ferner Zukunft eine neue Ortsgemeinde gründen werden (Wow! 😊).


Bei all dem Wälzen der verschiedenen Ideen in meinem Kopf wurde ich mir immer sicherer, dass meine Gemeinde SO auf keinen Fall sein sollte! Sollten wir nicht viel weniger Energie und Liebe auf uns und viel mehr auf alle anderen Menschen verwenden? Sollten wir uns nicht weniger darum kümmern, dass die Gemeinde ein schöner und angenehmer Ort für ihre Mitglieder ist, sondern vielmehr raus gehen, aktiv werden, Gottes Liebe in die Welt tragen? So oft drehen wir uns nur um uns selbst, obwohl wir in der nächsten Suppenküche stehen könnten und wirklich Menschen helfen und ihnen Gottes Liebe zeigen!


So dachte ich, und je mehr ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, dass es genau so und nicht anders sein sollte.


Und dann kam Amy Parkin.


Amy ist nicht nur eine langjährige Freundin, sondern auch Teil einer kleinen Austausch- und Bibelstudiengruppe, mit der wir uns einmal in der Woche online treffen. Sie ist nicht jede Woche dabei, aber das hat sie nicht davon abgehalten, mir an einem Donnerstagabend vor ein paar Wochen eine wichtige Frage zu stellen. Wir hatten gerade über Aktivitäten als Gemeinde gesprochen und ich hatte natürlich in meiner großen Weisheit genau das beigesteuert, was ich oben bereits ausgeführt habe: Nicht zuerst an uns, sondern an andere denken! Ich sah einige Köpfe zustimmend nicken und war mir meiner Sache sicher, bis Amy sich zu Wort meldete und mir sinngemäß entgegnete: „Dir ist schon bewusst, dass die ersten Gemeinden es anders gehandhabt haben?“


Was sollte das heißen? Was haben sie anders gemacht? Sollten die ersten Gemeinden vor knapp 2000 Jahren etwa schon an „Trumpismus“ gelitten haben und erst an sich selbst und danach an andere gedacht haben?


„Wir lesen von den ersten Gemeinden, dass sie ihre Habe untereinander geteilt und Dienste eingerichtet haben, um sich gut organisiert um die Benachteiligten und Schwachen zu kümmern – und das in erster Linie in den eigenen Reihen.“ Ich war baff – und musste dem auf den Grund gehen!


Tatsächlich gibt es viele Stellen im Neuen Testament, die uns entweder davon berichten, dass dies in den ersten Gemeinden so gelebt wurde, oder aber die die ersten Gemeinden (und auch uns) ermahnen, es so zu halten:


Gleich in Apostelgeschichte 2 nach Paulus Pfingstpredigt lesen wir über die erste entstandene Gemeinde:

„Alle Gläubigen waren aber beisammen und hatten alle Dinge gemeinsam; sie verkauften die Güter und Besitztümer und verteilten sie unter alle, je nachdem einer bedürftig war.“ (Apostelgeschichte 2,44+45)

Das klingt schon mal sehr nach innen gerichtet, oder? Es wird alles geteilt und den Bedürftigen geholfen – aber erstmal nur innerhalb der Gemeinde. Eine Aufforderung, die sehr ähnlich klingt, lesen wir im Galaterbrief:

„So lasst uns nun, wo wir Gelegenheit haben, an allen Gutes tun, besonders aber an den Hausgenossen des Glaubens.“ (Galater 6,10)

Als ich diesen Satz das erste Mal bewusst las, war ich ziemlich erstaunt. Ist das nicht sehr seltsam selbst zentriert? Das passt doch nicht mit einer christlichen Haltung zusammen, oder?


Und doch finden sich noch weitere Bibelstellen, die implizit oder explizit dazu aufrufen, zunächst an die Glaubensgeschwister zu denken, statt an die, die außerhalb der Gemeinde sind:

„Wenn nun ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und es ihnen an der täglichen Nahrung fehlt, und jemand von euch würde zu ihnen sagen: Geht hin in Frieden, wärmt und sättigt euch!, aber ihr würdet ihnen nicht geben, was zur Befriedigung ihrer leiblichen Bedürfnisse erforderlich ist, was würde das helfen?“ (Jakobus 2,15+16)

Erstaunlicher Weise heißt es hier nicht „Wenn jemand Mangel hat …“, sondern „wenn ein Bruder oder eine Schwester Mangel hat …“.

„Wenn ein Gläubiger oder eine Gläubige Witwen hat, so soll er sie versorgen, und die Gemeinde soll nicht belastet werden, damit diese für die wirklichen Witwen sorgen kann.“ (1. Timotheus 5,16)

Auch diese Aussage lässt sich meiner Meinung nach nur so verstehen, dass die Gemeinde sich um die Witwen in den eigenen Reihen gekümmert hat, aber eben nicht mit solchen Witwen zusätzlich belastet werden sollte, die eigentlich noch Angehörige hatten, die sie versorgen konnten. Und dann gibt es diese Stelle zum Gedächtnismahl im ersten Korintherbrief:

„Wenn ihr nun am selben Ort zusammenkommt, so geschieht das doch nicht, um das Mahl des Herrn zu essen; denn jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, sodass der eine hungrig, der andere betrunken ist. Habt ihr denn keine Häuser, wo ihr essen und trinken könnt? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und beschämt die, welche nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch etwa loben? Dafür lobe ich euch nicht! […] Darum, meine Brüder, wenn ihr zum Essen zusammenkommt, so wartet aufeinander!“ (1. Korinther 11,20-22+33)

Ungeachtet des eigentlichen Anliegens, das Paulus hier hat, können wir aus diesen Versen entnehmen, dass das Gedächtnismahl damals in der Gemeinde in Korinth augenscheinlich eine ganze Mahlzeit war (von einem Stück Brot und einem Schluck Wein wäre wohl niemand satt geworden und die angesprochene Problematik hätte sich gar nicht erst ergeben), die neben dem Gedächtnis an Jesus auch dazu diente, diejenigen in der Gemeinde, „die nichts haben“, am Wohlstand der anderen teilhaben zu lassen. Da es hier um die Zusammenkunft zum Gedächtnismahl geht, können wir denke ich davon ausgehen, dass sich auch diese Form des „Gutes-tuns“ an Gemeindemitglieder gerichtet hat.


Durch all diese Bibelstellen musste ich also feststellen, dass ich scheinbar bei aller guten Intention meiner Gedanken einen entscheidenden Punkt übersehen haben musste. Es war mir so klar vorgekommen, dass es wichtiger sein muss, als Gemeinde Gutes für die Menschen in der Umgebung zu tun, als für die Mitglieder der Gemeinde selbst. Und nun hatte ich diverse Verse gefunden, die zusammen ein ziemlich gutes Argument dafür bildeten, dass die ersten Gemeinden sehr wohl einen Fokus auf die eigenen Mitglieder hatten und dass dieser auch von verschiedenen wichtigen Persönlichkeiten der ersten Gemeinden bekräftigt wurde.


Aber warum? Warum sollte es so richtig sein? Alle bisher genannten Verse lieferten mir zwar Indizien für die gängige Praxis der ersten Gemeinden, aber kaum einen Anhaltspunkt dafür, mit welcher Begründung sie sich verhielten, wie sie sich verhielten.

Wie es dann so ist, habe ich in den folgenden Wochen nicht in der Bibel lesen können, ohne beiläufig auch immer nach einer Antwort auf diese Frage zu suchen, die mich so beschäftigte. Man kennt das Phänomen denke ich auch, wenn man kein regelmäßiger Bibelleser ist: Wenn man gerade beim Optiker war, sieht man plötzlich überall in der Stadt Menschen mit Brille. Wenn man schwanger ist, sind plötzlich um einen herum so viele andere Frauen schwanger, wie nie zuvor. Und folglich habe auch ich nach meinem neuen Denkanstoß immer wieder hier und dort Verse gefunden, die zum Thema passten.

Herausgestochen haben dabei einige Sätze Jesu, die ich schon dutzende Male vorher gelesen hatte – aber nie mit dieser bestimmten Brille auf!

„Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander lieben sollt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Johannes 13,34+35)

Bei dem, was nun folgt, möchte ich noch deutlicher als sonst sagen, dass ich mich in meiner Interpretation irren kann. Vielleicht hat Jesus mit diesen Worten nicht das sagen wollen, was ich zu verstehen meine. Ich möchte aber dennoch eine Auslegung vorschlagen, und zwar eine, die ich nie gesehen hatte, bis ich diese Sätze vor dem Hintergrund meiner speziellen Frage erneut gelesen habe. Meine These ist folgende:

Jesus sagt hier, dass Liebe unter Gläubigen ein starkes – wenn nicht sogar das stärkste – Mittel der Verkündigung ist.


Nie zuvor war mir beim Lesen aufgefallen, dass Jesus hier nicht sagt: „Ich will, dass ihr alle Menschen liebt!“ oder „Ich will, dass ihr eure Nächsten liebt!“, sodass es sich auf eine nicht weiter definierte Gruppe beziehen würde. Es wäre auch äußert merkwürdig, wenn er einen dieser Sätze gesagt hätte, ihn dabei aber eingeleitet hätte mit „Ein neues Gebot gebe ich euch... “. Das Gebot der Nächstenliebe ist weder neu (es kommt schon im Alten Testament vor, vgl. 3. Mose 19,18) noch hatte Jesus es bis zu diesem Punkt unerwähnt gelassen, sondern er hatte es schon an vielen Stellen und auf verschiedene Arten deutlich verkündigt. Jesus sagt hier ganz spezifisch: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander lieben sollt“. Der Fokus auf das „einander“ ist schwer zu übersehen, kommt doch in den zwei Sätzen „einander“ beziehungsweise „untereinander“ gleich drei Mal vor.


Was oder besser wen meint Jesus aber mit „einander“? Wären diese zwei Sätze Jesu ein Ausspruch, den er zum Beispiel während der Bergpredigt getätigt hätte, dann wäre es korrekt zu schlussfolgern, dass er dies einer diffusen Menschenmenge zugerufen hat und damit im weiteren Sinne wohl einfach alle Menschen meint. Dann könnten wir es verstehen als ein „Liebt euch gegenseitig!“ an die Welt. Aber Jesus spricht hier nicht zu einer großen Menschenmenge. Er spricht zu seinen Jüngern, mit denen er kurz zuvor das letzte Abendmahl gefeiert hat. Er spricht quasi zu den Gründungsvätern der ersten Gemeinde. Spricht er also speziell die Gemeinde an? Ich denke ja (vgl. auch Johannes 17,20).


Wenn dem so ist, bleibt immer noch eine Frage: Was ist der Sinn hinter dem Gebot der Liebe untereinander? Warum sollen sich die Jünger Jesu untereinander lieben? Die Antwort finden wir denke ich in Jesus zweitem Satz: Weil sie so von aller Welt als seine Jünger erkannt werden!


Ich finde das unglaublich stark. Es ist kein verbales Glaubensbekenntnis und kein Einhalten von Gesetzen und Geboten, das einen Jünger Jesu als Jünger Jesu identifiziert. Es ist die Liebe der Jünger untereinander und nach allem, was ich bisher zu diesem Thema herausgefunden habe, glaube ich, dass wir guten Gewissens davon ausgehen können, dass damit nicht nur die ursprünglichen 11 Jünger gemeint sind, sondern alle Anhänger Jesus oder kurzum: die Gemeinde. Jesus legt hier – ungeachtet der Nächsten- oder sogar Feindesliebe, die trotzdem elementarer Teil seiner Botschaft sind! – gesonderten Wert auf die Liebe innerhalb der Gemeinde.


Aber was ist nun nach all dem die Antwort auf die Frage „Warum?“? Ich möchte folgenden Grund vorschlagen: Weil die Liebe untereinander die Gemeinde attraktiv macht, Menschen zur Gemeinde zieht und damit letztendlich Menschen zu Gott zieht. Ich finde sehr interessant, dass man bei genauem Hinsehen feststellt, dass Jesus der Liebe innerhalb der Jüngerschaft eine deutliche Außenwirkung unterstellt. Er sagt nämlich nicht „An eurer Liebe zueinander wird Gott euch als wahre Jünger erkennen“, so als wäre die Liebe untereinander ein Erkennungszeichen für Gott, dass wir Nachfolger Jesu sind. Nein, er sagt „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid“. Mir scheint also, dass Jesus ganz bewusst darauf abzielt, dass die Liebe untereinander Strahlkraft nach außen hat. Wir zeigen durch sie nicht Gott, wer und wie wir sind, sondern der Welt außerhalb der Gemeinde!


Mir ist bewusst, dass all das sehr wohl in den Bereich der „Wortklauberei“ oder des „zu viel Hineinlesens“ fallen kann. Vielleicht geht meine Lesart gar an der eigentlichen Intention Jesu vorbei. Ich finde aber, dass sich in der Gesamtbetrachtung aller Bibelverse und Gedanken, die ich bisher angeführt habe, ein sehr sinniges und rundes Bild ergibt:

Wenn wir in erster Linie an unsere Geschwister denken und unsere Liebe vorrangig auf sie richten (was jedoch niemals Liebe zu allen anderen Menschen ausschließen soll!), dann kreieren wir in der Gemeinde einen Ort, der nach außen hin für seine Liebe bekannt ist. Das führt nicht nur dazu, dass die Gemeinde für Außenstehende ein Ort wird, an dem man sein und teilhaben möchte, sondern es verkündet gleichzeitig auf die simpelste Art überhaupt Gott in der Welt: Die Gemeinde ist das Haus Gottes und die Gemeinde ist ein Ort voller Liebe, weil Gott Liebe ist! Die Gemeinde ist ein Ort voller toller Beziehungen – denn Gott ist ein Gott, der tolle Beziehungen mit uns will!


Vielleicht passt das auch gut zu dem, was Jesus an anderer Stelle über unsere Leuchtkraft sagt.

„Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht eine Lampe an und setzt sie unter den Scheffel, sondern auf das Lampengestell, und sie leuchtet allen, die im Hause sind.“ (Matthäus 5,14+15)

Eine Stadt oben auf einem Berg und eine Lampe an einem zentralen Ort im Zimmer: Das sind Hotspots (im positiven, nicht im Corona-Sinne 😉), von denen eine starke Leuchtkraft ausgeht. Jesus sagt nicht: Ihr seid vereinzelte, erleuchtete Häuser in einer großen dunklen Region oder vereinzelte Teelichter irgendwo im Raum. Nichts von beidem könnte die Leuchtkraft einer ganzen leuchtenden Stadt oder einer zentral im Raum aufgestellten Lampe haben! Die Gemeinde kann also dann am hellsten Leuchten, wenn sie gebündelt von einem Ort aus wirkt.



Man könnte daher überspitzt sagen: Mein ursprünglicher Wunsch, eine Gemeinde zu haben, die ihren Fokus nicht zuerst auf sich, sondern auf die Umgebung legt, ist einer erleuchteten Stadt auf einem Berg ähnlich, deren Bewohner jeder für sich die Lampen aus ihrem Haus nehmen und damit auf Wanderschaft gehen, einzeln und verstreut ins umliegende Land laufen, bis die einzelnen Lichter nach und nach verschwinden und das ganze Gebiet trotz vieler einzelner Lampen dunkel wird. Die Idee der Gemeinde scheint hingegen viel mehr zu sein, dass wir alle unser Licht (unsere Liebe) an einen Ort tragen, damit dieser Ort so hell wird, dass er bis in weite Ferne gesehen werden und Menschen über lange Strecken den Weg weisen kann. Im Dunkel der Welt soll die Gemeinde so ein einladender Ort sein, an dem man sein will!


Ich bin noch lange nicht fertig damit, mich tiefer mit diesem Thema zu beschäftigen, mehr zu studieren, mich mehr auszutauschen und genauer zu verstehen, wie Gott sich das Ganze vorstellt. Aber was ich bereits jetzt sagen kann, ist, dass ich das starke Gefühl habe, einige meiner anfänglichen Überzeugungen noch einmal deutlich überdenken zu müssen.


„Church First!“ – das klingt im ersten Moment komplett unbiblisch und sogar unchristlich, aber wenn man es so betrachtet, wie ich es Stand heute meine zu verstehen, dann könnte sich dahinter tatsächlich ein wunderbarer, raffinierter und trotzdem unglaublich einfacher Plan verstecken!


Gottes Segen und bis zum nächsten Mal


Euer Daniel

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