• Lea

Wüstentage

Aktualisiert: 16. Dez. 2020

Wenn man auf dieses Jahr zurückblickt, ist es erstaunlich, wie viel und gleichzeitig wenig passiert ist. Auf der einen Seite befinden wir uns seit Monaten in einer absoluten Ausnahmesituation und auf der anderen Seite ist mir ein Jahr noch nie so monoton und gleichförmig vorgekommen wie dieses. Ich glaube für eine Zeit wie diese gibt es keine wirkliche Parallele, aber die Bibel gibt uns eine Geschichte an die Hand, die ein passendes Vorbild für uns sein kann: Die 40 Jahre der Israeliten in der Wüste.


Mir ist bewusst, dass die Wüstenwanderung der Israeliten im Grunde ein Bild auf unser ganzes Leben ist, mit dem großen Ziel an der Grenze zum gelobten Land den Schritt nach vorne zu machen und sich nicht wieder in Richtung Ägypten umzudrehen. Aber ich glaube, wir können an dem Beispiel der Israeliten besonders für unsere jetzige Situation inmitten der Pandemie einiges lernen.



Leben in der Wüste


Auch die Zeit in der Wüste war größtenteils durch Monotonie bestimmt. Das fängt schon bei der Umgebung an. Viele von uns haben sich in den letzten Monaten an ihren eigenen vier Wänden mehr als satt gesehen. Aber im Vergleich zu Sand, Sand und noch mehr Sand an 365 Tagen im Jahr kommt einem die eigene Wohnung gar nicht mehr so schlimm vor, oder?


Außerdem kann man davon ausgehen, dass auch der Alltag der Israeliten nicht besonders abwechslungsreich war. Natürlich lesen wir von vielen hervorstechenden Ereignissen, aber wenn man diese mit der 40-jährigen Dauer der Wüstenwanderung ins Verhältnis setzt, wirkt es doch nicht mehr so, als wäre viel Besonderes passiert. Aber trotzdem war diese Zeit ein unheimlich wichtiger und lehrreicher Abschnitt in der Geschichte Israels und ich denke, das kann die Pandemie auch für uns sein.




Als Vorbild für uns


Paulus schreibt im ersten Brief an die Korinther:

„Alles dies aber widerfuhr jenen als Vorbild und ist geschrieben worden zur Ermahnung für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist.“ (1. Korinther 10, 11)

Uns wurde das Vorbild der Israeliten gegeben, damit wir nicht die gleichen Fehler machen. Paulus nennt daher in den Versen zuvor einige Dinge, die den Israeliten in der Wüste zum Verhängnis wurden und warnt uns davor, in die gleichen Verhaltensweisen zu verfallen. Ich werde mich in diesem Beitrag nicht im Detail mit den einzelnen Punkten auseinandersetzen, aber hier für alle, die genauer nachlesen wollen, eine kleine Übersicht, was Paulus anspricht und auf welche Vorfälle er sich dabei vermutlich bezieht:


- Vers 6: nach Bösem gierig sein -> 4. Mose 11 – Das Begehren nach Fleisch

- Vers 7: Götzendiener sein -> 2. Mose 32 – Das goldene Kalb

- Vers 8: Unzucht treiben -> 4. Mose 25 – Die Töchter Moabs

- Vers 9: Christus versuchen -> 4. Mose 21 – Die feurigen Schlangen

- Vers 10: Murren -> 4. Mose 14 – Der Protest der Israeliten



Was uns die Wüste lehrt


Wenn man sich die Geschichten aus der Zeit in der Wüste durchliest, dann zieht sich ein wesentliches Thema durch alle diese Begebenheiten hindurch: Die Israeliten mussten in der Wüste lernen, Gott zu vertrauen. Dass ihnen dieses Vertrauen oft fehlte, war der Auslöser für die Probleme, auf die Paulus verweist: Sie fingen an, unzufrieden zu sein, andere Götter anzubeten und meinten, es selber besser zu wissen als Gott.


Ich glaube, dass auch unsere persönlichen „Wüstenzeiten“ dazu da sind, uns Vertrauen in Gott zu lehren. Gott führt uns in die Wüste um uns zu zeigen, dass wir uns auf ihn verlassen können, auch wenn unsere Lebensumstände für uns unkontrollierbar sind. Dieses Jahr hat uns gezeigt, wie wenig Kontrolle wir manchmal über unser Leben haben und wie ausgeliefert wir äußeren Umständen sein können. Aber trotzdem konnten wir sehen, dass Gott uns die ganze Zeit über weiter versorgt hat.


Da das Ende des Jahres immer näher rückt und uns die Pandemie auch im kommenden Jahr noch lange begleiten wird, möchte ich versuchen, euch ein paar Gedanken mit auf den Weg zu geben, die sich damit beschäftigen, welche Unterstützung die Israeliten auf ihrem Weg durch die Wüste hatten und dass auch wir dieselbe Unterstützung auf unserem Weg erfahren.



Nicht allein


Zunächst einmal hatten sie Gott an ihrer Seite. Als Wolke- und Feuersäule leitete er sie durch die Wüste. Wann immer sich die Wolke erhob, brachen sie auf und wann immer sie sich niederließ, schlugen sie ihr Lager auf. Das konnte manchmal für eine sehr lange Zeit sein:

„Oder dauerte es zwei Tage oder einen Monat oder eine längere Zeit – wenn die Wolke auf der Wohnung verweilte, indem sie darauf ruhte, dann lagerten die Söhne Israel und brachen nicht auf; und wenn sie sich dann erhob, brachen sie auf.“ (4. Mose 9, 22)

Die Israeliten mussten also darauf vertrauen, dass Gott den besten Weg kannte und dass er auch die richtige Zeit kannte, um wieder aufzubrechen – auch wenn das manchmal bedeutete, über einen Monat an der gleichen Stelle zu verharren. Das gleiche gilt für uns. Auch wenn wir das Gefühl haben uns im Stillstand zu befinden, können wir auf Gottes Timing vertrauen und auch darauf, dass wir uns immer noch auf dem Weg befinden, den er für uns vorgesehen hat.


Die Wolken- und Feuersäule war zudem nicht nur der Wegweiser der Israeliten, sondern auch die ständige Zusicherung, dass Gott bei ihnen war und ihnen über den gesamten Zeitraum der Wüstenwanderung nicht von der Seite weichen wird. Und auch wir dürfen sicher sein, dass für uns das gleiche gilt:

„Siehe, nicht schlummert und nicht schläft der Hüter Israels. Der HERR ist dein Hüter, der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand. Am Tag wird die Sonne dich nicht stechen, der Mond nicht bei Nacht. Der HERR wird dich behüten vor allem Unheil, er wird dein Leben behüten.“ (Psalm 121, 4-7)


Unter Führung


Die ständige Anwesenheit Gottes war außerdem nicht die einzige Hilfestellung, die die Israeliten in der Wüste hatten. Sie hatten Mose und Aaron, die sie leiteten. Auf die gleiche Weise gehen wir unseren Weg durch die Wüste auch nicht ohne Führung. Mose selbst sagte:

„Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören“ (5. Mose 18, 15)

Wir haben zwar nicht Mose oder Aaron, die uns auf unserem Weg durch die Wüste unterstützen, aber wir haben diesen Propheten. Wir haben Jesus, der genauso wie Gott jeden Schritt unserer Wanderung an unserer Seite ist. Und nicht nur das: Im Gegensatz zu Mose, der selbst nie das verheißene Land aus der Nähe gesehen hat, begleitet uns Jesus bis zum Ende:

„Und siehe ich bin bei euch alle Tage, bis zur Vollendung des Zeitalters.“ (Matthäus 28,20)


Den Weg gemeinsam gehen


Nicht zuletzt hatten die Israeliten neben Gott, Mose und Aaron auch einander, um sich auf dem Weg durch die Wüste zu unterstützen. Wir lesen nicht nur Schlechtes über die Zeit in der Wüste, wir lesen ebenso von Menschen, die für Gott und für einander eingetreten sind. So sollten auch wir uns verhalten. Das Besondere an unserer jetzigen Wüstenzeit ist, dass auch wir sie alle gemeinsam durchleben. Wir sollten daher alles daran setzen, einander so gut wie möglich zu unterstützen und uns gegenseitig auf dem Weg durch die Wüste zu helfen.


Diese Zeit kann uns lehren, ein tieferes Vertrauen in Gott zu entwickeln, aber sie stellt unsere Beziehung auch auf die Probe. Also lasst uns nicht den gleichen Fehler wie die Israeliten machen und das Vertrauen in Gott verlieren und lasst uns aufeinander achthaben und dafür sorgen, dass niemand in der Wüste zurückbleibt. Denn auch diese Wüstenzeit wird ein Ende finden:

„Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, sodass ihr sie ertragen könnt.“ (1. Korinther 10, 13)


Bis zum nächsten Mal!

Eure Lea


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