• Peter

Achterbahn der Gefühle

Aktualisiert: 26. Juli

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt …


Ja, so beschreibt der Volksmund den Moment, in dem ein Glücksgefühl in einen Absturz mündet. Über eine solche Gefühlsachterbahn möchte ich heute berichten.



Endlich wieder Urlaub


Alles begann damit, dass meine Frau und ich uns nach drei langen Jahren entschieden, endlich mal wieder Urlaub zu machen. Nach Portugal sollte es gehen, in eine Ferienwohnungsanlage, die wir schon aus zurückliegenden Urlauben kannten. So haben wir dann auch schon früh im Jahr unsere Flüge gebucht.


Langsam rückte dann der Zeitpunkt des Fluges näher und damit leider auch die Berichte in Zeitungen, Radio und Fernsehen über die chaotischen Zustände an deutschen Flughäfen. Lange Schlangen an den Check-In Schaltern, zum Teil bis aus den Gebäuden heraus. Verpasste Flüge wegen zu wenig Personal bei der Sicherheitskontrolle, gestrichene Flüge.



Chaos am Flughafen?


Foto: rp-online, Christian Schwerdtfeger

Je mehr Berichte es gab, desto mehr zog sich eine unsichtbare Schlinge um meinen Hals, die mir zusehends die Luft nahm. Für mich ein seltsames Gefühl, war ich doch eigentlich immer eher lösungsorientiert und einer, der solche Situationen anpackt und mit ausreichend Gottvertrauen auch meistert. Vielleicht lag es ja einfach daran, dass wir lange nicht mehr geflogen waren und daher die Situation einfach nicht mehr gewöhnlich war.


Wie es meine Gewohnheit ist, versuchte ich, das Problem zu lösen, bei der Fluggesellschaft mögliche Zubuchungen von Erleichterungen zu bekommen. Das Bemühen landete allerdings zunächst in stundenlangen Warteschleifen am Telefon, bis ich die Melodien mitsummen und die Texte mitsprechen konnte. Auch Versuche der Kontaktaufnahme per Email blieben ohne Antwort. Endlich nach unzähligen Versuchen, hatte ich eine nette Dame der Fluggesellschaft am Telefon. Das Ergebnis: weder Vorabendgepäckaufgabe, noch Priority Check-In noch „Fastlane Security“ waren für unseren Flug zubuchbar. Die unsichtbare Schlinge um meinen Hals zog sich weiter zu.

Ihr kennt sicher alle das Bild „Der Schrei“ von Edvard Munch (zumindest als Emoji) So in etwa war meine innere Verfassung. Was uns jetzt noch blieb, waren zwei Dinge. Als eigene Mitwirkung eine noch frühere Anreise zum Flughafen (da unser Flug erst am Nachmittag ging, haben wir entschieden, bereits vier Stunden vor Abflug dort zu sein) und als wesentlicher Punkt ein Gebet mit der ernsten Bitte um Vergebung für so viel mangelndes Vertrauen und die Bitte um etwas mehr Gelassenheit und das Gelingen unseres Fluges.



Jetzt geht’s los


Jetzt kam der Tag des Abfluges. Innerlich bis aufs äußerste angespannt (zumindest ich) machten wir uns auf den Weg. Am Flughafen gaben wir unser Auto beim Parkservice ab, nahmen unsere Koffer und machten uns auf in das erwartete Chaos in der Abflughalle. Der erste Blick in die Halle war nicht ganz so schlimm, wie erwartet. Die Schlangen schienen erträglich, die Anspannung war aber weiter vorhanden. Also erstmal zur nächsten Anzeigetafel, um die Check-In Schalter für unseren Flug zu finden. Und dann, mit der noch immer angespannten Stimmung, machten wir uns an mehreren Schlangen entlang auf zu unseren Schaltern, die noch in einiger Entfernung lagen.



Unglaublich!


Dort angekommen, eröffnete sich uns ein Anblick, den ich mir selbst im positivsten Fall nicht hätte träumen lassen. Da war doch tatsächlich kein einziger Mensch an all den Schaltern für unseren Check-In zu sehen.



Dieser Anblick war irgendwie so unwirklich, surreal, unpassend, unglaublich! Das einzige, was mir in den Sinn kam, war einfach: DANKE! Besser kann ich diesen Augenblick nicht beschreiben.


Wer mag da noch zweifeln, dass Gott Gebete hört?


„Und wenn wir wissen, dass er uns hört, was wir auch bitten, so wissen wir, dass wir das Erbetene haben, das wir von ihm erbeten haben.“ (1. Johannes 5,15)


Himmelhoch jauchzend


Und da war es dann auch, das innere Jubilieren über diesen wunderbaren Moment, oder – im Sinne der Überschrift – das „himmelhoch jauchzen“. Jubilieren und jauchzen - beide Begriffe in einem Vers bringt Jesaja sehr schön zusammen:

„Jubelt, ihr Himmel, und jauchze, du Erde! Und ihr Berge, brecht in Jubel aus! Denn der HERR hat sein Volk getröstet, und über seine Elenden erbarmt er sich.“ (Jesaja 49,13)

Ja, so fühlte ich mich bei dem Anblick der leeren Schalter. Alle Anspannung war mit einem Schlag purer Erleichterung gewichen.


An dieser Stelle könnte meine kleine Geschichte enden. Alles wäre wunderbar, eine aufbauende, christliche Geschichte, wie sie sein soll, ein happy end wie im Film, aber – die Überschrift dieses Beitrages hat ja noch eine zweite Seite.



Absturz


Hier kommt das ins Spiel, was Ingo in seinem letzten Beitrag behandelt hat, das menschliche Scheitern!


Dieses wunderbare Erlebnis hätte es doch mehr als verdient, Gegenstand eines selbstbewussten Zeugnisses des Glaubens zu sein. Tatsache ist allerdings, dass ich nicht einem einzigen Menschen, der mich nach erlebtem Chaos am Flughafen gefragt hat, von dieser unglaublichen Gebetserhörung erzählt habe. Wir hatten halt einfach „Glück gehabt“. Noch dazu kam bereits vor unserem Rückflug das gleiche mulmige Gefühl der Schlinge um meinen Hals wieder zurück. Hätte ich nicht mehr Vertrauen haben müssen? Warum konnte ich nicht mit mehr Gelassenheit der Situation entgegen sehen? Lag es wirklich nur daran, dass wir vorher in Gesprächen mit anderen Gästen von annullierten Flügen gehört hatten? Was mir seitdem nicht aus dem Kopf geht, sind Paulus‘ Worte aus dem Römerbrief:

„Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht. … Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes?“ (Römer 7,18+24)

So wird aus „himmelhoch jauchzend“ schnell „zu Tode betrübt“. Allerdings meine ich, dass so mein erster Blogbeitrag nicht enden sollte.



Der Ausweg


Mit der Beschreibung meiner Unzulänglichkeit – oder besser Feigheit? – stehe ich vielleicht nicht ganz alleine da. Ich bin mir fast sicher, dass jedem von euch einige verpasste Gelegenheiten in den Sinn kommen, die für ein freimütiges Zeugnis des Glaubens hätten genutzt werden können, aber jämmerlich vergeben wurden.

Das wunderbare an unserem himmlischen Vater ist, dass er in seiner Genialität von Anfang an eine Lösung geplant hat. Teil seiner Lösung ist es allerdings gerade, dass wir unserer nicht enden wollenden Unzulänglichkeit nie aus eigener Kraft entfliehen können. Erst diese ehrliche Einsicht macht den Weg frei für das Geschenk der Gnade, sodass auch für uns gilt, was unser Herr Jesus dem Paulus sagt:

„Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung.“ (2. Korinther 12,9)

Und wir können mit Paulus einstimmen:

„Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne.“ (2. Korinther 12,9)

So dreht Gott die Menschenweisheit des Volksmundes für den Glaubenden in die richtige Reihenfolge:


Aus „zu Tode betrübt“ wird mit Gottes Hilfe ein „himmelhoch jauchzend“

Ich wünsche jedem von Euch, dass ihr Paulus‘ Erfahrung teilen mögt, damit wir gemeinsam einstimmen können in ein …


Hallelujah (Gelobt sei Jahweh, unser Gott)!

Euer Peter


P.S.:

Dies war nun mein erster Blogbeitrag. Jetzt Teil dieses Blogs zu sein, ist für mich der Anfang einer Befreiung. Einer Befreiung von allem, was war, hin zu neuen Herausforderungen. Das wird sich im nächsten Jahr fortsetzen, wenn die Rente beginnt. Und bald danach mit dem Umzug nach Braunschweig weitergehen, um am Ort des Projektes „Gemeinde bauen“ anzukommen. Ich bin sehr froh, Teil dieses Projektes zu sein und bin wahnsinnig gespannt, welche Wege uns Gott dort öffnen wird.

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